Test: Midas 512 V2, parametrischer API 500 Equaliser

26. Oktober 2020

Erschwinglicher Klangformer

Midas 512 V2 EQ Parametric Equaliser Equalizer

Midas 512 V2, parametrischer API 500 Equalizer

Der Midas 512 V2 ist ein voll-parametrischer vierbandiger Equalizer für das API 500 Format. Voll-parametrisch heißt, dass sich alle vier Frequenzbänder und ihre Bandweite variabel einstellen lassen. Um das zu ermöglichen, mussten die Midas Ingenieure nicht weniger als zwölf Drehregler auf der kleinen Frontplatte unterbringen. Lässt sich das Gerät trotzdem noch bedienen? Wie klingt dieser mit Features vollgepackte Equalizer, der für nur 185,- Euro über die Ladentheke geht?

Midas API 500 Format – Überblick

Erst kürzlich hatte ich den Preamp Midas 502 V2 aus der erschwinglichen API 500 Serie zum Test und war aufgrund des extrem niedrigen Preises und der fehlerlosen Performance ausgesprochen überrascht. Das macht natürlich neugierig, wie sich der Equalizer im Test behaupten kann.

Im Übrigen müsste man Equaliser im Falle von Midas mit s schreiben – beim Thema UK-Schreibweise können die Briten nämlich ganz pingelig sein und schließlich wurde der Midas 512 V2 in Großbritannien entwickelt.

test midas v 512 eq

Ob es sich um die V2 oder V1 Version des Midas 512 handelt, ist weder auf der Verpackung noch am Gerät selbst ersichtlich

Gefertigt wird der Midas 512 V von Uli Behringers Firma Music Tribe in seinen modernen Produktionsstätten in China. Wie beim 502 V2 Preamp trägt auch der Midas 512 EQ den Zusatz V2, was für Version 2 steht. Was genau die Entwickler geändert haben, bleibt ihr Geheimnis, als Tester muss man sich schon selbst auf Spurensuche machen. Doch erst einmal sehen wir uns die Version 2 etwas näher an.

Der Midas 512 V2 EQ ausgepackt

Der Midas EQ wird in einem Karton geliefert, der im ersten Moment durch sein hohes Gewicht verwundert. Während viele andere Hersteller ihre 500er Module in Plastikfolie und Schaumstoffpolsterung verpacken, hat sich Midas etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Wie der 502 Preamp wird auch der 512 EQ in einer sehr ansprechenden Holzbox geliefert. Diese ist wirklich sehr gut verarbeitet und weckt Erinnerungen an Mikrofonschatullen à la Schoeps. Von einem Gerät dieser Preisklasse würde man ein derart hochwertiges Zubehör nicht erwarten.

Midas 512 V2 EQ Parametric Equaliser Equalizer

Schicke Holzschatulle, sehr gut verarbeitet

Über Sinn und Zweck einer Holzschatulle für ein 500er Modul, das fix in ein Rack verbaut wird, habe ich mich bereits im Test zum Midas 502 Preamp geäußert. Auch wenn die Kommentare heißlaufen – ein echtes Bäumchen mehr Daseinsberechtigung und die gesparten Kosten könnten in das Gerät selbst fließen bzw. auf den Kunden umgelegt werden.

Midas 512 V2 EQ Parametric Equaliser Equalizer

Das Modul selbst macht einen sehr soliden Eindruck und ist absolut sauber verarbeitet. Keine scharfen oder überstehenden Kanten und auch die Lackierung ist fehlerlos. Was auf Anhieb etwas stört, ist die sehr billig wirkende Qualität der Potikappen. Haptisch macht das wenig her. Es gibt Geräte, da will man unbedingt an den Potis drehen, der Midas 512 strahlt in dieser Hinsicht leider keine Anziehungskraft aus. Es wäre mir persönlich deutlich lieber gewesen, wenn man statt einer Holzbox vernünftige Drehregler am Gerät verbaut hätte. Die drei  Schalter wirken hingegen sehr solide und haben einen guten Druckpunkt. Hervorzuheben ist, dass in Anbetracht der vielen Drehregler eine problemlose Bedienung ohne große Einschränkungen möglich zu sein scheint.

Midas 512 V2 EQ Parametric Equaliser Equalizer

Die Frontplatte ist vollgepackt, aber trotzdem übersichtlich

Beim Blick in Innere zeigt sich der Midas 512 V2 EQ ebenfalls sehr aufgeräumt. In anderen Testberichten im Internet habe ich Bilder der Vorgängerversion gefunden, in denen das Innenleben gänzlich anders aussieht. Damals wurde etwa ein hochwertiger Lundahl LL5402 Ausgangsübertrager verbaut, der im neuen V2 Modell fehlt. Weder auf der Verpackung des Probanden, noch am Gerät selbst findet sich übrigens der Zusatz V2.

Midas 512 V2 EQ Parametric Equaliser Equalizer

Der Lundahl Ausgangsübertrager von V1 ist bei V2 Geschichte

Bedienkonzept des Midas 512 V2

Der Midas V 512 EQ besitzt vier EQ-Bänder: Treble, Hi Mid, Low Mid und Bass. Die vier Potis auf der linken Seite haben jeweils zwei Funktionen auf ihrer Achse. Einerseits die genaue Bestimmung der jeweiligen Frequenz, andererseits die Lautstärkeregelung im Bereich zwischen +/-15 dB. Für den Treble- und Bass-Bereich steht zudem ein Bell/Shelf-Schalter zur Verfügung, mit dem man den EQ auch als Hipass- bzw. Lowpass-Filter betreiben kann.

Ganz oben auf der Frontplatte befindet sich die Treble-Sektion, die sich über den weiten Bereich von 1 kHz bis 20 kHz regeln lässt. Daneben einer der angesprochene Bell/Shelf-Schalter, der im aktivierten Zustand (Bell) grün aufleuchtet. Darunter befindet sich der “Width”-Regler, der im Bell-Modus die Bandbreite (Q) definiert. Q-Werte zwischen 0,1 und 2 sind einstellbar, im Shelf-Modus ist dieses Poti deaktiviert und es wird ein fixer 4 dB/Okt. Wert verwendet.

Midas 512 V2 EQ Parametric Equaliser Equalizer

Vier Bänder und zwölf Drehregler ermöglichen wilde „Klangformerei“

Unter der Treble-Sektion befindet sich das Hi-Mid-Band, das einen Frequenzbereich zwischen 400 Hz und 8 kHz abdeckt. Ebenfalls ein sehr weites Spektrum, das sich über weite Teile mit dem Treble-Band überlagert. Der dazugehörige „Width“-Regler ist stets aktiv. Dies ist auch beim zweiten Mittenband “Low Mid“ der Fall. Dieser untere Mittenbereich erlaubt Eingriffe zwischen 100 Hz und 2 kHz. Zu guter Letzt greift das Bass-Band in die tiefsten Frequenzen zwischen 20 und 400 Hz ein. Wie beim Treble-Band gibt es auch hier einen Bell/Shelf-Schalter, der den dazugehörigen „Width“-Regler aktiviert bzw. deaktiviert. Im Gegensatz zum Treble-Band leuchtet dieser Schalter rot, wenn man ihn drückt. Den Abschluss der Bedienelemente bildet ein In-Schalter ganz unten links, der den EQ aktiviert bzw. ihn aus dem Signalweg nimmt. Im Midas 512 V2 arbeitet eine True-Bypass-Schaltung, die das Signal direkt an die Ausgänge leitet. Das funktioniert sogar, wenn das Rack ausgeschaltet ist.

Weitere technische Daten

Ein- und Ausgang des Midas 512 V2 sind symmetrisch ausgelegt, der Frequenzbereich des Moduls liegt zwischen 20 und 20.000 kHz (+/-1 dB). Die Eingangsimpedanz beträgt 20 kOhm und der maximale Eingangspegel beträgt +21 dBu. Der maximale Ausgangspegel beträgt ebenfalls +21 dBu bei einer Impedanz von 50 Ohm. Das Rauschen bei 0 dB liegt bei sehr guten -97 dBu, der Klirrfaktor bewegt sich zwischen 0,005 % bei 0 dBu und 0,01 % bei +20 dBu. Beim Thema Stromaufnahme liegt der Midas mit 100 mA und 3,2 Watt im Mittelfeld. Das für den Test verwendete Fredenstein Bento 8 Pure Analog Rack liefert mit 500 mA Slot beispielsweise deutlich mehr Power als notwendig.

Midas 512 V2 EQ Parametric Equaliser Equalizer

Selbst die Pins des Midas 512 V2 werden von einer Plastikkappe geschützt

Midas 512 V2 im Einsatz

Dank sehr gut passender Bohrlöcher ist der Midas im Handumdrehen im Rack verschraubt. Nach dem Einschalten des Racks dauert es 2 Sekunden, bis der Ausgang freigegeben wird, um eventuellen Pegelspitzen vorzubeugen. Ein kleines, aber feines Detail.

Die Bedienung des Midas 512 V2 geht trotz der vielen Regler leicht von der Hand. Die doppelstöckigen Potis ragen allerdings bauartbedingt recht weit nach vorne – weiter als bei jedem anderen Modul in meinem Rack. Wie bei vielen Gerätschaften der kompakten 500er Serie, geht ein hoher Funktionsumfang meist mit einer schlechten Lesbarkeit der Beschriftungen einher. Der Midas  512 macht hier keine Ausnahme. Wenn das Gerät nicht direkt auf Augenhöhe installiert ist, muss man sich immer wieder bezüglich der Werte versichern und einen genaueren Blick riskieren. Nach etwas Eingewöhnungszeit findet man sich aber schnell zurecht. Hervorzuheben ist, dass die „Level“-Schalter in der 0-Position einrasten, was einer Deaktivierung des jeweiligen Bandes gleichkommt. In dieser Preisklasse ist das nicht selbstverständlich und dieses Feature erhöht das Arbeitstempo enorm.

Midas 512 V2 EQ Parametric Equaliser Equalizer

Die doppelstöckigen Potis des Midas 512 V2 EQ ragen recht weit nach vorne

Nun aber ran an den Sound! Ein klassischer Anwendungsfall, um Equalizer während der Aufnahme einzubinden, bietet sich, wenn man Bändchenmikrofonen verwendet. Diesem Mikrofontyp schadet es oft nicht, wenn die Bässe etwas reduziert und der Höhenbereich ein wenig unterstützt wird. In meinem ersten Beispiel hört ihr eine Akustikgitarre, die ich, entgegen jeder guten Praxis, absichtlich viel zu nahe aufgenommen habe. Der Nahbesprechungseffekt des sonst sehr ausgeglichenen Nohype LRM-V (absoluter Geheimtipp) tritt extrem stark in Erscheinung. Im ersten Schritt reduziere ich den Bass mit einem Shelf-Filter bei 70 Hz, Level auf 11 Uhr:

Nun gebe ich im zweiten Take noch etwas Höhen hinzu und setze ein Shelfing-Filter bei 20 kHz an, der Level-Regler steht auf 2 Uhr:

Das vom EQ bearbeitete Signal würde sich nun besser zur Weiterverarbeitung eignen, in den Höhen hat der Klang aber einen leicht blechernen Anstrich.

Für den E-Bass nutze ich den HiZ-Eingang der API 512c Preamps. Hier booste ich das Signal bei 100 Hz (Level auf 2 Uhr) im Bell Modus und bie 3 kHz (Level auf 2 Uhr, Q mittig).

Zum Vergleich ziehe ich den neuen Fredenstein Artistic EQ heran. Beide EQs absolut identisch einzustellen, funktioniert leider wegen unterschiedlicher Shelfing/Bell-Werte nicht, aber ich habe, so gut es ging, ein ähnliches Setting eingestellt. Hier geht der Artistic-EQ einen Tacken weicher und musikalischer zu Werke, was man unter anderem dem eingebauten Edcor Übertrager zuschreiben könnte.

Im nächsten Beispiel hört ihr eine weitere Vergleichsaufnahme. Diesmal mit Konkurrenz aus eigenem Hause: dem Klark Teknik EQP-KT. Dieser mit Röhren betriebene EQ konnte mich im Test sehr positiv überraschen. Hier hört ihr einen Song aus meinem Elektron Digitakt (mono), bei dem Bass und Höhen gnadenlos gepusht wurden:

Der Klark Teknik EQP-KT greift weicher und vollmundiger ins Material ein, während der Midas 512 etwas kühler ans Werk geht. Ob man die hohen zischenden Sounds eher brutal und schneidend oder abgerundet haben will, ist eine Frage des Geschmacks.

Was den Midas 512 V2 auszeichnet, ist sein enormer Funktionsumfang. Dieser lädt dazu ein, im Zusammenspiel mit Synthesizern oder Eurorack-Modulen schon während einer Performance die verschiedenen Frequenzbänder zu modulieren. Hier ein immer gleichen Loop, bei dem nur am Midas 512 geschraubt wurde:

Durch die hohen Gain-Reserven des Midas 512 muss man aufpassen genügend Headroom zur Verfügung zu haben – sonst kann es beim Wandler zu zerren beginnen. Hier zur Ansicht die Waveform der Performance:

Midas 512 V2 EQ Parametric Equaliser Equalizer

Bei einer Live-Performance sollte man auf ausreichend Headroom achten

Zum Abschluss noch eine kurze Sequenz in ähnlichem Stil mit dem Moog Matriarch. Im Bild seht ihr auch hier, dass etwas Vorsicht angebracht ist, wenn man bestimmte Bänder pusht bzw. den Q-Wert sehr eng einstellt:

Midas 512 V2 EQ Parametric Equaliser Equalizer

Fazit

Der Midas 512 V2 ist zwar einer der günstigsten API 500 EQs auf dem Markt, er hat aber einen außerordentlichen Funktionsumfang zu bieten. Vier Bänder lassen sich präzise einstellen und obwohl zwölf Drehregler auf der Frontseite Platz finden, geht die Bedienung gut von der Hand. Die Verarbeitung ist vorbildlich, einzig die recht billig wirkenden Potikappen lassen keine rechte Freude im Handling aufkommen. Trotzdem verdient er Aufgrund seines sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnisses drei Sterne. Es gibt klanglich bestimmt charismatischere EQs auf dem Markt, aber wer möglichst viele frei einstellbare Bänder benötigt, der sollte den Artistic EQ bei diesem günstigen Kurs auf alle Fälle antesten.

Plus

  • Funktionsumfang
  • präzise einstellbar
  • gute Rauschwerte
  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • gute Verarbeitung bis auf die Potikappen.

Minus

  • Potikappen wirken recht billig
  • klanglich etwas kühl

Preis

  • 185,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Dirk E. aka Xsample  RED

    Ich hab mir meine MIDAS L6 Lunchbox mit dem 502, dem 522 und vor kurzem mit dem hier sehr gut getesteten 512 jeweils doppelt bestückt und werde hiermit in meinem eigenen Empfinden bestätigt. Tolle Geräte zum kleinen Preis und in der Kombination sieht das Ganze auch noch richtig cool aus. Danke für den sehr guten Test! :)

  2. Profilbild
    swift  

    Und was ist jetzt eigentlich der klangliche Unterschied zur V1? Lassen siche die Potis ggf. abnehmen bzw. tauschen?

    • Profilbild
      Raphael Tschernuth  RED

      Das hätte mich auch interessiert – leider gab es kein Vergleichsgerät des V1. Ob sich die Potis tauschen lassen kann ich nicht mit Sicherheit sagen, da das Testgerät schon wieder zurückgeschickt werden musste.

      • Profilbild
        swift  

        Danke für die Info. Vielleicht könnt ihr ja bei Gelegenheit kurz nachfragen, was sich gegenüberüber der V1 geändert hat. Das wäre ja eine interessante Info. Schöne Grüße!

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