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Test: Playtime Engineering Blipblox After Dark, Groovebox

10. März 2021

Im Groove der Nacht

Test: Playtime Engineering Blipblox After Dark

Test: Playtime Engineering Blipblox After Dark

Blipblox After Dark von Playtime Engineering ist ein hybrider, monophoner Synthesizer mit Rhythmuseinheit und Preset-Sequencer im Format eines Kinderspielzeugs und wid in der originalen weißen Ausführung auch damit beworben, was unserer Meinung nach nur leidlich geglückt ist. Wer mehr über die „Kindertauglichkeit“ der weißen Version erfahren will, kann das im dortigen Test genauer nachlesen. Mit der Black Edition schieben Playtime nun eine neue Version für die „Erwachsenen“, mit etwas erwachsenerem Aussehen, neuen Fähigkeiten und neuen Sounds nach. Was sich so geändert hat, erfahrt ihm im Test.

Auspacken der Blipblox After Dark

In dem Karton befindet sich das nächtliche gefärbte Blipblox After Dark, dessen Gehäuse tatsächlich nicht einfach nur schwarz, sondern durchscheinend ist. Dazu gibt es eine gedruckte englischsprachige Bedienungsanleitung und ein Dreierpack AA-Batterien. Der Strom kann aber auch über die 5,5/2,1 mm 5 Volt DC-Buchse kommen, für die ein USB-A-Ladekabel beigelegt ist.
Die Verarbeitung lässt soweit keine Kritik aufkommen. Die Potis sind zwar sehr leichtgängig, gleiten aber absolut sanft und kratzfrei durch den Reglerweg. Allerdings gab es ja zwischenzeitlich einige Berichte von Nutzern, die wenig begeistert über die Kurzlebigkeit des weißen Blipblox waren, da schien die Qualitätssicherung nicht auf der Höhe gewesen zu sein. Zumindest funktionierte die Blipblox After Dark während der Testphase einwandfrei.

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Neben der anderen Farbe und den nun sinnhaften beschrifteten Reglern und Tastern, zeichnet sich Blipblox After Dark erstmal von der alten Version durch ab, dass über den MIDI-DIN-Eingang per SYSEX-Datei neue Soundpakete für Drum und Synth eingespielt werden können. Leider aber nicht von den Benutzern selbst, sondern nur mit Dateien, die auf der Blipblox-Homepage bereitgestellt werden.
An dem 6,3 mm Mono-Klinkenausgang für Audiosignale, die damit direkt in ein Mischpult etc. eingespeist werden können, hat sich nichts geändert.
Das Handbuch weist ausdrücklich darauf hin, dass der Audioausgang nicht mit Kopfhörern benutzt werden sollte, da es beim Spielen zu drastischen Lautstärkeschwankungen kommen kann.
Eine zeitgemäße Funktion ist das automatische Abschalten, wenn das Blipblox After Dark 30 Minuten lang nicht bedient wurde. Das Verhalten ist per Voreinstellungen veränderbar.

Bedienung des Blipblox After Dark

Test: Playtime Engineering Blipblox After Dark

An der grundlegenden Bedienung des Blipblox After Dark hat sich nichts geändert. Nur gibt es jetzt anstatt der Signalwege ohne Parameterbeschriftung, Parameterbeschriftungen ohne Signalwege. Der spezifische Aufbau wird also nicht abgeschafft, sondern an anderer Stelle weiterbetrieben. Doch wer grundlegende Kenntnisse zum Aufbau eines Synthesizer hat, kann sich anhand der Beschriftung schon eher seinen Teil denken und zumindest deutlich besser, als bei mit den Pfeilen der weißen Version. Von daher ein Schritt seitwärts in die richtige Richtung. Ein grundlegendes Studium des Handbuchs ist dennoch auch für Erwachsene und auch alle, die sich dafür halten, eine gute Idee.

Unterschiede zum weißen Blipblox

Test: Playtime Engineering Blipblox After Dark

Geblieben sind die zwei markanten Regler für Tempo und Filter-Cutoff in Violett. Das Filter ist aber jetzt im Gegensatz zur weißen Version sogar resonanzfähig. Der Resonanzanteil wird mit CRTL 2-Taster plus Filterregler eingestellt.
Der Status wird sogar über die LED 13, neben dem RANDOMIZE-Taster, angezeigt. „Blau“ ist keine Resonanz und „Rot“ die maximale. Außerdem bietet das Filter nun Hoch-, Band- und Tiefpass als Typen an, was jeweils über LED 14, die obere LED neben dem Filter-Mod-Taster, in Grün, Aqua oder Dunkelblau angezeigt wird.
Durchrotiert wird der Filtermodus, indem die FILTER MOD-Taste gedrückt und gehalten wird, bis die LED-Anzeige umspringt. Das Filter arbeitet mit 6 dB/Oktave.

Ebenfalls neu hinzugekommen ist das Delay. Die Delay-Zeit ist zwar fix mit dem Tempo verbunden, aber zumindest lässt sich der Signalanteil des Verzögerungseffekts mit Halten des CTRL 1-Tasters und dem FILTER-Regler einstellen. Der Wet-Anteil des Delay-Effekts am Signal wird mit LED 4, neben dem Soundfreak-Taster angezeigt: „Blau“ signalisiert kein Delay, „Rot“ das Maximum.

Der Oszillator ist stimmstabil und kommt auch ordentlich weit nach unten. Er bietet ganze 16 Schwingungsformen, die mit Drücken des OSCILLATOR-Tasters durchrotiert werden können. Dabei wird die Position in der Liste über die vier LEDs rechts neben dem Lautsprecher angezeigt und ist in vier Farbgruppen unterteilt.

Test: Playtime Engineering Blipblox After Dark

Bei der weißen Version war dieser Taster zum Durchrotieren der 8 festgelegten Osc-Modulationsverschaltungen, die über die beiden begleitenden Taster OSC CONTROL 1 und 2 beeinflusst wurde. Diese Taster heißen nun nur noch CRTL 1/2 und legen die Modulationsquelle für den Oszillator fest.
An Modulationsquellen gibt es für beide CRTL-Taster und die Filtermodulation jeweils die Quellen LFO 1, LFO 2, Anschlagsstärke der Modulationshüllkurve (MOD-ATTACK) oder keine Quelle, die per Drücken durchrotiert werden. Die Auswahl wird mit den LED-Ketten neben dem Lautsprecher entsprechend links, rechts oder beidseitig animiert visualisiert. Die Modulationstiefe wird wie bei der weißen Version mit dem den halbdurchsichtigen MOD-Reglern eingestellt.
Neben dem Tempo-Regler liegt der AMP-ENV Regler (2) für die Abklingphase der Verstärkerhüllkurve, mit dem die Länge der Noten bestimmt wird.
Darunter folgt der SOUNDFREAK-Taster, der die aktuellen Noten einer Sequenz durcheinander würfelt, aber die sonstigen Parameter unangetastet lässt. Allerdings nur, solange der Taster gedrückt wird.
Dem gegenüber liegt ergänzend der RANDOMIZER-Taster, der ergänzend die Parameter Oszillatortyp, Modulationsquelle für CTRL 1 & 2, Filtermodulationsquelle, Filtertyp, Resonanzanteil, Schwingungsformen für LFO 1 & 2 sowie den Delay-Anteil neu auswürfelt.

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Wie beim weißem Blipblox können nur die fest eingebauten Sequenzen abgespielt und im Tempo variiert werden. Außer dem Durchrotieren durch Hunderte von vorprogrammierten Sequenzen mit dem SEQ-Taster gibt es sonst keine weiteren Eingriffsmöglichkeiten beim Sequencer.
Für eigene Sequenzen muss dann ein eigenes MIDI-Keyboard angeschlossen werden. Per Voreinstellungen wird der Synthesizer auf MIDI-Kanal 1 angesprochen und Kick und Snare, jeweils wechselnd auf den schwarzen und weißen Noten, auf MIDI-Kanal 2. Das Handbuch beschreibt auch, wie sich auch ein anderer MIDI-Kanal einstellen lässt. Dabei liegt der Kanalnummer für Kick und Snare immer um +1 höher als der Synthesizer-Kanal.
Eingehende MIDI-Noten werden über die LEDs angezeigt, das lässt sich aber, genau die der MIDI-Sync, abschalten.
Um den Synthesizer extern bespielen zu können, muss natürlich der Sequencer vorher aktiviert werden. Die geschieht in de Voreinstellungen. Ist also keine Einstellung die im Live-Betrieb möglich ist.
Dort können auch Rhythmus- und Noten-Sequencer separat stummgeschaltet werden. Der Drum-Solo-Modus gibt ist aber live-tauglich und läuft über die Tastenkombo KICK + SEQ.

Test: Playtime Engineering Blipblox After Dark

In der Voreinstellung hat das Blipblox After Dark auch die Eigenheit die DRUM-Spur bei jedem Wechsel der Sequenz alterierend an- und auszuschalten. Wie sinnvoll das ist, erschließt sich mir nicht, aber dieses Verhalten lässt sich beim Einschalten des Blipblox After Dark in den Voreinstellungen unterbinden.
Ebenso lässt sich per Voreinstellung die Lautstärke der Kick, die im Normalbetrieb für den internen Lautsprecher optimiert ist, für Line-Betrieb anpassen, genauso wie die Lautstärkebeschränkung aufheben. Für den Studio- und Live-Betrieb dringend angeraten!

Kick- und Snare-Taster sind ansonsten gleich geblieben und im DRUM EDIT-Modus lässt sich jeweils zwischen 16 verschiedenen Sounds für beide wählen.

Blipblox für nächtliche Aktivitäten

Ich weiß nicht, ob es an der Beschriftung oder an dem nun deutlich ausführlicheren, zwar immer noch knapp aber gut geschriebenen Handbuch oder der veränderten internen Struktur liegt, aber das Geblinke der LEDs scheint mir bei der Blipblox After Dark deutlich aufgeräumter und nachvollziehbarer zu sein als beim weißen Vorgänger und in Folge dessen bei Weitem nicht mehr so nervig!

War das weiße Blipblox vom Klang her mit LoFi, 8 Bit und Happy Melodies artigem Charme ausgestattet, so ist die Blipblox After Dark nun mit neuen, deutlich „härteren“ und düstereren Sequenzen à la Elektropop-, Techno- und 80s/Wave-ähnlichem bestückt. Die nächtliche Farbgebung sagt eigentlich schon alles.

Dennoch hat das Blipblox After Dark auch weiterhin starke Konkurrenz von z.B. den Korg Volcas, Modal Craftsynth 2 und Skulpt, Teenage Engineering Pockets bieten oder auch Twisted Elektrons Model-Serie und Arturia MircoFreak. Außerdem bietet das Blipblox sicher auch genügend Ansatzpunkte für Circuit-Bending.

Die Klangbeispiele sind komplett unbearbeitet. Der Peak liegt bei -12 dBFS.

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Fazit

Das Playtime Engineering Blipblox After Dark ist und bleibt ein LoFi-Produkt, mit einer Schrulligkeit, zu der man halt Zugang haben muss oder draußen bleibt. Ob es die Kreativität fördert, entscheidet halt immer der Mensch hinter der Maschine, niemals die Technik. Echte Könner können mit allem Musik machen.
Obwohl sich kaum etwas an Konzept und Aufbau geändert hat, wirkt mir die Neuausgabe nicht zuletzt durch den ästhetischen Wechsel zum elektroiden 80s-Sound und nachvollziehbare LED-Anzeigen deutlich gefälliger als der vorherige pädagogische Ansatz – es bedeutet dennoch nicht, dass nun die Kinder ausgeschlossen werden müssen, denn „Live Gig-tauglich“, egal ob im Kinderzimmer oder im Club (wenn es denn wieder mal welche möglich sein sollte), ist das Blipblox After Dark allemal, von daher gebe ich nun von meiner Seite aus gerne ein Upgrade auf zwei Sterne.

Plus

  • Geblinke nervt nicht mehr so sehr
  • bessere Sounds
  • MIDI-fähig
  • livetaugliche Möglichkeiten

Minus

  • feste Sequencer Presets

Preis

  • 199,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    BenTheDover

    Ist noch jemand so gespannt, was Leute wie Alec Empire und Giorgia Angiuli aus diesem „Instrument “ rauskitzeln können?

    • Profilbild
      AMAZONA Archiv

      Musst nur mich nehmen ..die du da ansprichst kenn i Ned..lg

  2. Profilbild
    iggy_pop  AHU

    Erinnert mich an den mechanischen Fahrsimulator, den man früher im Versandhauskatalog sah.

    Oder Fisher Price Activity Centre.

    Ein Spielzeug für die im Herzen (und im Geiste) Junggebliebenen.

  3. Profilbild
    El Pony  

    Ich hatte schon mal per Mail angefragt und Hilfe angeboten, da kam aber nie eine Antwort. Daher hier noch einmal die Frage: Werden die Texte eigentlich redigiert, bevor sie veröffentlicht werden?

    • Profilbild
      Dirk Matten  RED

      Einfache Antwort: nein.

      Ich korrigiere die Texte (Korrektorat), d. h. Fehler bei Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung werden korrigiert, wenn’s notwendig erscheint, gerne auch der Ausduck. Unter redigieren versteht man etwas anderes: https://textplanet.ch/redigieren/

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      Robot  

      ja, wär auch was für meinen 3 jährigen, der spielt auch sehr gerne mit den volcas ;)

  4. Profilbild
    ARIMUSIK  

    Da steht „Analoger Synthesizer“. Meines Wissens ist das nicht wahr. Selbst auf deren Website steht: „ROM-based wavetable with 256 unique tones“. Auch die Drums mit Kick & Snare sind sicherlich keine analogen Schaltungen, sondern wie der Synth auch auf (100) Samples aufgebaut. Es ist also ein digitaler ROMplayer mit ein paar nachgeschalteten digitalen Modulationssmöglichkeiten. (was nicht heißt, dass es keinen Spaß macht!)

    Ich freue mich allerdings sehr, dass sie der Kritik nach den beschrifteten Parametern nachgekommen sind! Da diese identisch zur gefloppten weißen Version sind, wird man diese nun auch besser verstehen können. Im Prinzip eine schöne Weiterentwicklung ala MKII, wo es die alte Version eigentlich nicht wirklich braucht. Die Ausrede „pädagogischer Ansatz“ wurde zwar vom eigenen Marketing vor 3 Jahren gut in die Presse gebracht (hat es ja schließlich auch in diesen Artikel geschaft), aber es blieb eine Ausrede für Faildesign, bzw. Design Fail. Schön, dass es dann doch noch eingesehen wurde. Einzig eine einfache Nummernanzeige, welche der festen 300 Sequenzen gerade spielt, fehlt noch immer.

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      Markus Schroeder  RED

      hi ARIMUSIK,

      das stimmt nicht ganz, auf der Webseite steht „Sixteen different oscillator types * INCLUDING * wavetables provide a massive range of synthesis opportunities“.

      D.h. Wavetables sind nur eines der 16 Osc-Modelle und Filter und Modulation sind definitv analog.

      Auf der anderen Seite hast Du natürlich Recht mit den Drum / Snare Sounds, das hätte ich deutlicher schreiben sollen. Aber ich dachte die Anmerkung zur Austauschbarkeit per MIDI-SYSEX wäre als Info ausreiched, dass die nicht analog sind. Sorry.

      Insgesamt wäre damit aber die Bezeichnung „Hybrid“ für das Blipblox wohl am zutreffender, ja. Ich hab das im Text abgeändert.

      Grüße,
      M. :)

      • Profilbild
        ARIMUSIK  

        Also Analogfilter (tatsächlich??), Analog-LFO und Analog-Envelope? Jut, diese Info konnte ich weder der Website noch den Shops entnehmen. Gut, aber die Klangsynthese bleibt elektrisch *g, ähm ich meine digital. Und ob bei den Synthesemodellen tatsächlich eine Wellenform erzeugt wird, oder lediglich abgespielt…. da bin ich mir auch nicht so sicher. Steht halt nirgends.

    • Profilbild
      Synthie-Fire  AHU

      Jepp den kann ich auch empfehlen , hatte da mit meiner Tochter auch schon einige Jamsessions.
      Wobei ich die erste Bliplox gerne im Verbund mit der Dato Duo einsetze…quasi als erstem Jamkit und unterm Strich macht es mir und ihr Spaß.Ich finde das eine Klasse Beschäftigungsalternative…

      Sehe die nicht als ernste Synthese Teile, dafür gibt es andere Sachen, aber um sich damit, mit den Kindern zu beschäftigen stehen sie ganz oben.

      Daher denke ich wird die schwarze Kiste bestimmt auch noch in Verbund kommen :-).

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