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Zeitmaschine: Dynacord DRP-20 Hall-Effektgerät (1988)

17. April 2021

Dynacord DRP-20 - das Arbeitspferd mit Charakter

History zum Halleffektprozessor DRP-20

Als ich in meiner musikalischen Anfangszeit gemeinsam mit guten Freunden ein Tonstudio gegründet habe, hätten wir natürlich gerne einen der „großen“ Lexicons gehabt. Unser erster Haupthall war dann doch „nur“ ein gebrauchter DRP-20, den wir dann – wegen der größeren Anzahl an Algorithmen und Möglichkeiten – gegen einen Ensoniq DP/4 getauscht haben – DER hat übrigens wirklich bei manchen Programmen ganz schön gerauscht.

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Wir waren mit der Entscheidung und dem DP/4 nie so wirklich ganz glücklich und so ist dieser dann auch mit der Zeit gegangen. Zum ganz großen Lexicon (480) hat es bis heute nicht gereicht, ein Lexicon 300 ist durch einen glücklichen Zufall dann doch im Rack gelandet und einen DRP-20 habe ich dann doch wieder als Ergänzung geholt. Er koexistiert ganz heute vorzüglich mit den anderen Halls im Rack und auch mit aktuellen Plug-ins.

Background zu Dynacord aus Deutschland

Die Firma „Dynacord Funktechnik und Gerätebau“ wurde 1946 von Ing. Werner Pinternagel in Pilsting gegründet, die ersten Produkte waren Röhrenverstärker sowie Misch- und Kofferverstärker. Erste Schritte in Richtung Effektgeräte folgten 1950 mit der Entwicklung des Echocord. Neben den Mischverstärkern (Eminent) baute Dynacord in dieser Ära auch Gitarren und Bässe. Dynacord fusionierte in Folge mit Echolette und baute komplette Discothekenanlagen inkl. Lichtsteuerungen. Dynacord beackerte auch die Welt der digitalen Drums (ADD one, Percuter) und baute den legendären Rhythm Stick – einen Drum-Controller in Gitarrenform. Ein weiteres in Keyborder-Kreisen geschätztes Produkt waren die analogen CLS Leslie-Simulationen.

Die Digitalisierung revolutionierte natürlich auch die Effektgeräte-Entwicklung, vom Dynacord SRS 56 über den VRS-23 vollzog sich der Wandel von der Analog- zur Digitaltechnik. Die Dynacord DRP-Serie erblickte Anfang 1988 das Licht der Welt, der DRP-20 war von den technischen Kennwerten her absolut konkurrenzfähig und auf der Höhe der Zeit:

Der Dynacord DRP-20 Hallprozessor 1988 in einer Ausgabe von KEYBOARDS

Die inneren Werte des DRP-20

2-Kanal-Technik mit True-Stereo, interne Verarbeitung mit neu am Markt befindlichen NEC 32 Bit Prozessoren, 16 Bit D/A- und A/D-Wandlung, Frequenzgang 20 Hz – 15 kHz mit einem Dynamikumfang von 90 dB.

Der DRP-20 bietet 100 Factory- und 128 User-Presets, die Presets können über Tape-Ein- und Ausgänge archiviert und eingespielt werden – alles am damaligen Stand der Technik. Der DRP-20 verfügt über eine umfangreiche MIDI-Implementation mit Parametersteuerung in Echtzeit bei gleichzeitiger Steuerung mehrerer Parameter und 5 unterschiedlichen MIDI-Zuordnungstabellen. Aufgrund des für damalige Verhältnisse guten Preis-Leistungs-Verhältnisses war der DRP-20 in vielen Studios und Live-Setups im Rack zu finden, bei entsprechendem Budget nicht als Haupthall, aber als zuverlässiges Hallgerät.

No matter if it’s black or white – die Front

Schauen wir dem DRP-20 einmal ins Gesicht – die Frontplatte wirkt sehr aufgeräumt. Die Farbe der Frontplatte hat sich im Laufe der Produktevolution geändert.

Weiß war die Farbe der Wahl der ursprünglichen Version mit unsymmetrischen Stereo-Ein- und Ausgängen, Schwarz die Beschichtung der Frontplatte in der finalen Edition – DRP-20X – mit symmetrischen Ein- und Ausgängen. Das Bedien-Layout und die sonstige interne Technik (Prozessoren, Wandler) ist dabei bei beiden Geräten identisch. Interessanterweise befindet sich in meinem Rack eine Art Zwischenversion – eine Mutante würde man aktuell wohl sagen. Die Frontplatte ist weiß, aber mein Gerät hat sowohl unsymmetrische als auch symmetrische Ein- und Ausgänge, entspricht hier also dem Dynacord DRP-20X.

Generell ist das Layout sehr aufgeräumt und übersichtlich – links eine Aussteuerungsanzeige aus 10 LEDs, daneben ein Input-Gain-Regler und ein HI/LO-Schalter samt einer Mono-Input-Buchse für die Saitenakrobaten. Unter dem großen Vacuum-Fluorescen-Display (Noritake itron fgs16026 a2 thb, auch heute noch neu in der Bucht zu bekommen) befinden sich sechs Edit-Taster, daneben rund um den markanten gerasterten grauen Parameter-Drehregler noch einmal 7 Taster (Mute, MIDI, Eff.Off, Enter, Copy/Yes, Comp, Store Yes) und ein Output-Gain-Regler sowie ein Mono-Out und der Netzschalter.

Dynacord DRP-20 Reverb – die Rückseite

Neben der Kaltgeräte-Netzbuchse und dem Groundlift-Schalter befinden sich auf der Rückseite Stereo-Ein- und Ausgänge in 6,3 mm Klinken- und XLR-Format (je nach Version), das Tape-Interface zur Datensicherung, MIDI In und Thru sowie 3 Klinkenbuchsen zur Fernsteuerung (UP/DOWN, MUTE, FX ON/OFF) über Fußschalter. Eine dedizierte Fernbedienung zur bequemen Editierung der Parameter vom Arbeitsplatz (Mischpult) aus, wie sie Lexicon oder auch Roland für die Spitzengeräte dieser Ära anboten, hatte Dynacord nicht im Programm.

Verarbeitung

Dynacord Geräte haben ja allgemein den Ruf, verlässlich zu sein, das kann man dem DRP-20 in jedem Fall attestieren, er ist „built like a tank“ und roadtauglich, eine Bauweise, die heute leider wirtschaftlich für den Massenmarkt nicht mehr darstellbar ist. Der DRP-20 stand immer ein wenig im Schatten der großen Namen wie Lexicon, Quantec & Co., dafür war auch für kleine bis mittlere Budgets erwerbbar und entsprechend in vielen Studios im Rack zu finden.

Dynacord DRP-20 – Power on

Nach dem Einschalten durchläuft der DRP-20 zunächst eine Kalibrierungsroutine, danach ist er betriebsbereit. Die Parameter sind über das VF-Display stets gut sichtbar abzulesen. Das Einpegeln ist dank der 10-stelligen Aussteuerung sehr genau und komfortabel möglich, man sollte beim DRP-20 trotz der auf dem Papier guten technischen Werte auch stets schauen, dass gut eingepegelt ist.

Nach dem Einschalten durchläuft der DRP-20 zunächst eine Kalibrierungsroutine

Danach wählt man mit dem Value-Regler eines der 100 Factory- oder 128 User-Programme.

Über Druck der Parameter-Edit-Taste kann man schließlich die Parameter anpassen, der blinkende Cursor zeigt an, welcher Parameter gerade angewählt ist, editiert wird mit dem Rasterpoti oder Plus-Minus-Tastern, mit 2 Tastern unter dem Display blättert man durch die Pages, alles logisch und ergonomisch gut umgesetzt.

Die Anzahl der Parameter ist überschaubar, man kann – wo sinnvoll – ins Detail gehen, wird aber nicht von einer Parameterflut erschlagen. Das Handbuch ist sehr gut gelungen und erklärt die Funktionsweise und Wirkung der einzelnen Parameter unter Verwendung von zahlreichen Abbildungen.

Im Handbuch erhält man auch einen kleinen Grundkurs zum Thema Raumakustik

Eine Besonderheit des DRP-20 ist übrigens, dass Pegelwerte wahlweise in dB oder als Zahlenwerte von 0-100 angegeben werden können, generell sind Einheiten und nicht anonyme Parameter editierbar.

Anonyme Parameterwerte gibt es beim DRP-20 nicht, Pegel können in dB eingegeben werden, Raumgrößen in Kubikmeter

Strukturen und Parameter – in der Matrix

Der DRP-20 bietet dabei 26 „Effekt Strukturen“ mit Stereo-Echo, VCO-Stereo-Echo, Plate, Room, Live-Reverb (Simulation des Dynacord VRS23), Freeze (automatic und manual), Gate, Gated-Reverb, Multitab, Flanger und Chorus, einiges davon auch kombiniert. Die Kombinationen und die Reihenfolge der Verschaltungen sind dabei fest vorgegeben und lassen sich nicht wie z.B. im Roland R-880 frei anordnen.

Die 26 „Effekt-Strukturen“ des Dynacord DRP-20

Für diese 26 Effektstrukturen stehen maximal 32 Parameter aus einem Parameter-Pool zur Verfügung, das Ganze erinnert an eine Modulationsmatrix eines Synthesizers

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MIDI-Implementation auf der Höhe der Zeit

Beim Thema MIDI wird es dann noch einmal so richtig interessant, bietet der DRP-20 doch die Möglichkeit, neben Banalem wie Program-Change samt 5 Zuordnungstabellen auch die Möglichkeit Programmparameter via MIDI in Echtzeit zu steuern und das dann z. B. in der DAW aufzuzeichnen und somit zu automatisieren. So kann man MUTE und FX/On-Off über Notenwerte triggern und jedem Programmparameter über MIDI ändern, indem man im Edit-Menü über Druck des MIDI-Tasters dem gewählten Parameter einen MIDI-Controller, Switch, Wheel, Notenwert, Pressure, Aftertouch, Velocity etc. zuordnet und eine Beeinflussung von -100 % bis +100% zuordnet. Auch der Freeze-Trigger und das Gate beim Gated-Reverb kann über MIDI gesteuert werden, da eröffnen sich kreative Möglichkeiten.

Jeder Parameter eines Programms kann über MIDI-Controller verändert werden, die Intensität ist skalierbar

Dynacord DRP-20 in der Praxis

Was sind die Möglichkeiten aus heutiger Sicht?

In meinem Setup ist der DRP-20 als Send-Effekt eingebunden, je nach Situation als Send-Effekt im Pult oder als Send-Effekt aus der DAW (in meinem Fall Cubase) heraus. Das funktioniert dank des automatischen Latenzausgleichs von Cubase sehr gut – externe Hardware-Effekte beleben definitiv das Klangbild.

Heute stellt sich das natürlich anders dar – eben hat Behringer bzw. Music Tribe wesentliche Algorithmen des TC System 6000 als Plug-in herausgebracht, auch das PCM-96 von Lexicon gibt es vom Hersteller selbst als Plug-in, Eventide bietet sein Know-how in Form von Plug-ins feil, UAD Audio hat diverse High-End Halls (EMS, Lexicon) emuliert, das Hallparadies in Form von Plug-ins am heimischen Rechner ist für jedermann Realität, wozu also sollte man sich einen gebrauchten Hall ins Rack schrauben, der seinerzeit nicht das Maß der Dinge darstellte?

Vielleicht weil der DRP-20 seinen eigenen Charme und Charakter hat, als Preset-Schleuder kann er zunächst enttäuschend wirken, seine Stärke ist aber dank des gelungenen User-Interfaces und der fokussierten Parameter die schnelle Editierung und Anpassung – Hardware kann man anfassen – so lassen sich bei den Hallprogrammen 5 unterschiedliche Early-Reflection-Types mit 2 Raumtypen in 5 Geometrien kombinieren, auch ein Gate steht zur Verfügung und das für die 80er unvermeidliche Gated-Reverb ist auch an Bord, zusätzlich kann das Signal (auch per MIDI) „gefreezt“ werden.

Der Klang und die Hallqualität des DRP-20

Die Stärke des DRP-20 ist dabei nicht die Emulation natürlicher Räume, sondern durch die vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten die Verwendung als Hall-Effekt. Drums, Percussion, kurze bis mittlere Räume für Vocals, gerade auch Synth-Lines, Bässe und Sequenzen kann der DRP-20 aufwerten. Durch die umfangreiche MIDI-Implementation lässt sich das auch automatisieren und modulieren.

Der DRP-20 bietet dabei Hall- und Modulationseffekte  in True-Stereo wie auch Strukturen, die 2 getrennte Mono-Effekte bereitstellen.

Die Plates und Gated-Reverbs bieten besten 80er-Jahre Sound, mit dem Freeze-Effekt lässt sich einiges anstellen, die Kombinationen aus Plate oder Room mit Gate lassen sich sehr gut mit perkussivem kombinieren und nicht zuletzt Flanger und Chorus lassen bisweilen vergessen, dass sie digitalen Ursprungs sind.

Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass der DRP-20 mit den unsymmetrischen Ein- und Ausgängen ein schlechteres Rauschverhalten an den Tag legen soll, dem ist aber nicht so.

Der AMAZONA.de Vintage-Hall Experte Swiss-Doc hat dazu berichtet, dass der DRP-20 betreffend des Rauschverhaltens auf dem Niveau der Geräte seiner Zeit ist und kein auffälliges Rauschverhalten an den Tag legt, was ich so bestätigen kann. Ordentlich ausgesteuert gibt es keine Probleme. Ein weiteres immer wieder auftauchendes Gerücht ist, dass die Chips und Algorithmen von Lexicon stammen sollen, das ist aber ein Gerücht ohne Tatsachensubstrat –  Fake News –  in dem Fall eigentlich Fake Olds, da  ja Vintage.

Der DRP-20 Hall am Gebrauchtmarkt

Angesichts des derzeitigen Gebrauchtpreises von rund 500 Euro ist die Anschaffung durchaus überlegenswert, ein weiterer gröberer Wertverlust ist wohl nicht mehr zu erwarten. Geräte, die im Live-Betrieb in Verwendung waren, können natürlich auch runtergerockt sein. Beim Kauf sollte man daher die Funktion der Taster und des Rasterpotis gut prüfen. Für den Fall der Fälle ist wie gesagt auch das Display noch erhältlich.

Der DRP-20 X mit der schwarzen Frontplatte wird teurer gehandelt, einerseits weil rarer, aber auch weil er symmetrische Ein- und Ausgänge aufweist – vom Innenleben her ist er technisch identisch mit dem DRP-20.

Wenn sich die Gelegenheit ergibt – unbedingt antesten!

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Fazit

Der Dynacord DRP-20 überzeugt auch heute noch als Hall-Effektgerät. Wer typischen 80er-Jahre Sound für Synthlines, Drums, Percussion, Vocals etc. sucht, der findet ihn. Dank umfangreicher MIDI-Einbindung und leichter Editierbarkeit lässt sich der DRP-20 auch im heutigen Produktionsprozess gut einsetzen.

Plus

  • Qualität der Fertigung
  • Sound
  • Editierbarkeit
  • umfangreiche MIDI-Implementation

Minus

  • Realismus der Raumsimulationen nicht mit heutigen Standards (Faltungshall) vergleichbar

Preis

  • gebraucht je nach Zustand ab 500,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    mdesign  

    das DRP 20 war 1988 das haupteffektgerät in meinem studio. ausschlaggebend für die anschaffung waren der günstige preis und die möglichkeit, per MIDI zB hall dynamisch zu verändern. zusammen mit einem emulator III konnten wir so sound design für videos auf einem neuen level gestalten – und das sogar automatisiert und reproduzierbar.

  2. Profilbild
    fanatic  AHU

    Schönes, charakterstarkes Gerät, aber ab 500€ finde ich fast etwas zu viel. Da kommt man schon in lexicon pcm 80/90 Regionen.

  3. Profilbild
    costello  RED

    Da ist ja noch ein RMI-Fan :) Danke für den schönen Test und die aussagekräftigen Soundbeispiele. Bei Percussion fühlte ich an die Stones und bei Tempest an Yello erinnert. Das mit der dynamischen Midi-Steuerung hatte Lexicon mit dem PCM 70 drei Jahre zuvor vorgemacht. 500 Euro klingt doch realistisch. Das PCM 70 liegt meistens 200-300 Euro drüber.

    • Profilbild
      toneup  RED

      Danke für die Blumen, ja, das RMI klingt sehr fein, leider „nur“ die UVI Keysuite Version, bei der Percussion war ich faul, das war NI Cuba.

  4. Profilbild
    Viertelnote  AHU

    Ich besitze auch 2 DRP-20 und möchte sie auch nicht missen.
    Ich verwende beide als Haupthall und finde schon, daß die Algorithmen sehr
    realistisch sind.

    Das weiße DRP-20 rauscht aber schon deutlich, das andere Modell mit der grauen
    Frontplatte aber weniger, evtl. doch andere Firmware?

    Ansonsten wäre eine ALternative das DRP-15 was deutlich weniger rauscht, auch toll klingt, aber
    etwas weniger Charakter hat.

    500 Euro für ein DRP-20 finde ich auch zuviel.

    netter Gruß

    • Profilbild
      iggy_pop  AHU

      Das DRP 15 ist keine schlechte Wahl, obwohl es mehr noch ein Multi-FX-Teil ist, das gleichzeitig viel mehr machen kann als ein 20. Ist halt was für die Bühne, um das Effektrack klein zu halten.

      Der größte Nachteil des 15 ist die auf 20 Sekunden Maximaldauer begrenzte Nachhallzeit — manchmal muß es eben mehr sein.

  5. Profilbild
    iggy_pop  AHU

    Bei einem Anschaffungspreis von aktuell ca. 500 Euro kann man eher von einem Wertzuwachs sprechen — wenn man ein DRP 20 nicht gerade nach Übersee verkaufte, wo sie entsprechend schwer zu finden sind und der Legendenstatus noch größer ist, konnte man die Dinger vor nicht allzu langer Zeit noch für 250 bis 350 Euro ergattern.

    Ein DRP 20 mit schwarzer Frontplatte ist nicht per se ein X — schwarze DRP 20 gab es auch als ganz normale Ausführung ohne symmetrische Anschlüsse. So eins habe ich mir wieder besorgt, nachdem ich mein weißes DRP 20 irgendwann mal verkauft hatte, da es rauschte wie ein Wasserfall. Warum es rauschte, weiß ich nicht und interessiert mich auch nicht — es rauschte, punktum, und deswegen mußte es gehen. Das schwarze rauscht auch, aber deutlich weniger. Das X hat ein anderes EPROM mit anderen Effektprogrammen; mangels eines EPROM-Brenners konnte ich mir seinerzeit nicht das X-EPROM meines weißen 20 kopieren.

    Mich hat Klaus Hoffmann-Hoock vor über 20 Jahren auf das 20 gebracht — er hatte es bis zu seinem Tod im Rack und sich seinerzeit für das Dynacord und gegen das PCM70 entschieden, und sogar das Klark DN780 mußte irgendwann gehen — DRP 20 und Quadraverb blieben.

    Bei mir ist das 20 auf einen riesigen Kathedralenhall eingestellt, der bei Bedarf durch ein Dimension D geht. Mehr brauche ich nicht.

    • Profilbild
      toneup  RED

      Mein DRP-20 hat eine weisse Frontplatte aber trotzdem zusätzlich zu den Klinken symmetrische XLR ein- und ausgänge und hat kein auffälliges Rauschverhalten. Am Gerät hinten ist Drp-20 am Gehäuse aufgedruckt. Da ich ihn gebraucht erworben habe und der Verkäufer aufgrund eines von mir reklamierten Mangels (Select Back Taster defekt) den Kontakt abgebrochen hatte, konnte ich auch nicht in Erfahrung bringen, ob die Kiste eventuell aus Komponenten von mehreren defekten Units zusammengebaut würde. Egal. Es gibt Programme die Klingen einfach echt gut, auch aus heutiger Sicht. Der angegebene Preis von €500 ergibt sich aus aktuellen Angeboten von Willhaben und eBay.

      • Profilbild
        satchy  

        Sofern das DRP20 zu sehr rauscht, sollten die drei Trimmer für den Klirrfaktor neu justiert werden,

        Da lässt sich einiges korrigieren. Der Abgleich kann mit oder ohne Oszilloskop erfolgen.

        => Trimmer R1 Grobabgleich beider Kanäle
        => Trimmer R2 Feinabgleich Right
        => Trimmer R3 Feinabgleich Left

        Die Eingangsempfindlichkeit des DRP-20 ist gegenüber dem DRP-20X wesentlich höher.
        Beim DRP-20X sind die Eingänge für Studiopegel ausgelegt.

        Leider gibt es im Netz nur ein Servicemanual für das DRP-20.

  6. Profilbild
    8-VOICE  AHU

    Mein altes Schätzchen, habe damals neu 3500.- sfr bezahlt, da es selten ist, verstehe ich 500.-, ist aber schon an der oberen Grenze. Der Hall hat mir damals extrem gut gefallen. Es hatte noch ein paar Spezialeffekte welche man heute so nicht mehr findet. Hatte auch noch den weissen Sampler ADD von Dynacord, war etwas billiger als der Akai S1000. Trotz nur 2MB war der Listenpreis 6600.- Hatte jedoch immer gute Rabatte bei einem „eigentlich“ Apple Computerladen der mir alle Teile günstig bestellt hat. Ans Rauschen kann ich mich nicht erinnern, ich denke da rauschten andere wesentlich mehr, bei denen musste ich ein 8 Kanal Noise-Gate von „Behringer“ dranhängen.

  7. Profilbild
    k-langwerkstatt  

    Immer wieder schön, wenn ein Gerät/Instrument aus meiner Heimatstadt, von der Firma, mit der ich seit Jahrzehnten eng verbunden bin, vorgestellt wird!

  8. Profilbild
    Magicsound-Tonstudio 36179 Bebra  

    Seit 1989 habe ich mein schwarzes DRP-20 auch heute noch regelmäßig im Einsatz, vor ein paar Jahren habe ich noch ein gebrauchtes DRP-20 X sowie ein DRP-15 geholt. Die beide DRP 20 sind abgesehen von den Presets vom Sound identisch und bieten eine unglaublich tolle Klangfärbung, die man so mit keinem Plugin nur annähernd hin bekommt. Alleine die Early Refelctions sind ein Traum.
    Das DRP-15 ist ebenfalls ein hervorragendes Gerät aber mit dem DRP-20 nicht zu vergleichen, beide
    können sich super ergänzen. Schade, das solche Geräte mit Charm und Charakter heute nicht mehr hergestellt werden.

  9. Profilbild
    swissdoc  RED

    Schöner Test zu einem sehr charakterstarken und wohlklingenden Hallgerät. Gerade auf Synthesizern mit langem Hall macht es dank Modulationen eine gute Figur.
     
    Im Sequenzer-Forum hatten wir den Zusammenhang zwischen SW Version on Rauschen widerlegen können. In meinem Gerät werkelt Front 1.1 und Host 4.3 und es rauscht nicht. Das Rauschen bei einigen Geräten geht auf eine fehlende Modifikation zurück, wie man bei Don Solaris nachlesen kann.
    http://www.....com/?p=236
     
    Matthias Fuchs wusste in S&R 04/2015 in Rahmen seines Vintage FX Artikels zum DRP20 zu berichten, dass die Algorithmen in Zusammenarbeit mit der Universität Göttingen entstanden seien. Manfred Schroeder, der Anfang der 1960er Jahre mit Ben Logan an den Bell Labs die Grundlage für die digitale Hallerzeugung gelegt hatte war ab 1969 dort Professor und später Leiter des 3. Physikalischen Instituts.

    • Profilbild
      Tyrell  RED 111

      Hallo Georg, gibt es denn irgendeine Möglichkeit herauszufinden welche Version man besitzt? (Also mit oder ohne Modi?),
      Liebe Grüße!

      Peter

      • Profilbild
        swissdoc  RED

        Hallo Peter, leider habe ich nur diesen Hinweis, der immerhin erklärt, dass manche das Rauschen bemängeln und andere nicht. Was modifiziert wurde, ist ja nicht weiter beschrieben. Ich habe beim Kommentar von Ensnareyou gerade eine entsprechende Frage hinterlassen. Ansonsten: wenn das Rauschen nicht stört, einfach Spass mit der Kiste haben :-)

        • Profilbild
          satchy  

          Kurze Info:

          Ich habe hier ein Foto eines DRP20 mit weisser Front mit Ser. Nr. 10142
          Scheinbar aus USA, da mit 110VAC gekennzeichnet.

          Über dem DYNACORD Schriftzug rechts ist ein silberner Kleber angebracht.

          Darauf ist zu lesen:

          CIRCUITRY OPTIMIZED BY
          AUDIO UPGRADES
          LOS ANGELES, CA

          http://aud.....grades.htm
          Email: jwilliams3@earthlink.net
          Phone: 818.780.1222
          Fax: 818.346.2308
          Shipping Address:
          Audio Upgrades
          6982 Mimosa Drive,
          Carlsbad, CA 92011

          Könnte dies das besagte Update sein?
          Das Grät wurde von einem Studiobesitzer vor ca. 3 Jahren in „D“
          auf EBay-Kleinanzeigen zum Verkauf angeboten.

  10. Profilbild
    dAS hEIKO  AHU

    Für mich als damals junger Mensch hatte Dynacord, weil es deutsch war und das Design etwas angestaubt wirkte, einen eher muffigen Touch. Umso erstaunlicher, dass sich der Hersteller in vielen Wirkstellen seines Schaffens einen felsenfesten Ruf erarbeiten konnte. Nach 30-40 Jahren komme ich zu dem Schluß, dass Dynacord sehr nah an der Praxis entwickelte und die überschaubare Ausstattung in Funktionalität und Klang investiert hatte.
    Das „neue“ ADDone-Design (aus der Digidrumabteilung) tat der Marke sichtlich gut.

  11. Profilbild
    t-hiho  RED

    Toller Artikel, vielen Dank dafür! Und wie so oft auch großartige Ergänzungen innerhalb der Kommentare. Zu Schülerbandzeiten hatte ich das DRP20 bei einer Vorführung im lokalen Musikalienhandel durch einen Dynacord-Außendienstler (so etwas gab es damals noch!) kennengelernt. Er hatte damals (ca. 1989) einen Dynacord ADS, eine Akustik-Klampfe und so einen unsäglichen weißen Powermixer dran für die Vorführung. Das hat mich klanglich echt umgehauen damals. Was vermutlich daran lag, dass besagter Vorführer echt gut spielen und singen konnte! :-) Viel später erst (so gegen 2015) hab ich mir das Teil dann gebraucht mal geholt und mehrere Jahre lang exklusiv als Hall in meinem Homestudio eingesetzt, während in meinem „großen“ Studio schon Lexicon, Quantec und EMT standen. Ich mag den DRP20 bis heute auf Synths. Er passt stilistisch irgendwie einfach am besten zu meinem Roland JX10 finde ich. Ein schönes Gerät vom Design-Standpunkt aus betrachtet noch dazu! Dieses Jahr habe ich ihn aber ablösen lassen – vom Roland SRV-2000, dessen etwas eigenwilligeren Klangcharakter ich sehr schätze.

  12. Profilbild
    Hyboid  

    Ich habe seit ca. 8 Jahren ein schwarzes Exemplar (ohne „X“) im Einsatz und auf vielen Produktionen eingesetzt. Es gehörte vorher Risk Risk („Streetwalk“), der hat auf höherwertige Reverbs gesetzt und mir sein DRP-20 günstig überlassen. Nichts lieber als das! Ich habe mit allen möglichen Hall-Algorithmen, Pre-Delay-Zeiten und und und hervorragende, charaktervolle Synthie-Räume erschaffen können. Wirklich ein sehr feiner Hall-Effekt!
    Meine 2 Cents zum Thema Rauschen: Ja, auch bei mir muss man den Input-Pegel ganz schön heiß fahren, damit der Rauschabstand groß genug wird. Dann passt es aber. Der front-seitige „Loop“ (Input -> FX -> Output) ist erstaunlicherweise wesentlich verrauschter und für mich nicht brauchbar. Ist auch nicht so wichtig.
    Leider prellen bei mir die meisten Taster ziemlich unangenehm. Gibt es da Erfahrungen bezüglich Reinigung / Wartung / Reparatur / Ersatzteile?

    • Profilbild
      iggy_pop  AHU

      „Leider prellen bei mir die meisten Taster ziemlich unangenehm. Gibt es da Erfahrungen bezüglich Reinigung / Wartung / Reparatur / Ersatzteile?“

      Was auch einer der Gründe war, weshalb ich mich von meinem ersten DRP getrennt hatte — das Teil wirkt auf mich nicht unmittelbar servicefreundlich und ein Austausch der — sicherlich nur Standardware — Taster erschien sehr aufwendig zu sein. Zu Dynacord wollte ich es nicht schicken, und einem Techniker wollte ich es nicht geben, weil die Servicekosten wahrscheinlich ins Uferlose gestiegen wären.

    • Profilbild
      satchy  

      „Leider prellen bei mir die meisten Taster ziemlich unangenehm. Gibt es da Erfahrungen bezüglich Reinigung / Wartung / Reparatur / Ersatzteile?“

      Ersatztaster wirst Du wenn überhaupt, nur bei Dynacord bekommen, leider.
      Meine Tasten hatten bei einem Gerät ebenfalls geprellt.
      Der Ausbau resp. die Zerlegung derer kann bewerkstelligt werden, ist jedoch keine einfache Sache.

      Die Kontaktplättchen im Taster resp. die Kontakte selber können mit Sigolin und einem Wattestäbchen zuerst grob von der Oxydschicht gereinigt und poliert werden.
      Anschliessend mit Isopropanol oder ähnlichem die Endreinigung vornehmen und entfetten.
      Vor dem Zusammenbau kurz die Leitfähigkeit (Funktion) nochmals testen.

      Das Ganze ist wie schon gesagt, eine mühselige Kleinarbeit, geht aber zu bewerkstelligen.
      Je nach eigener Wertschätzung des Gerätes.

      • Profilbild
        Hyboid  

        Danke Iggy und Satchy! Das klingt eher nach einer nervtötenden, aufwändigen Aktion. Ich glaube, da finde ich mich lieber mit den prellenden Tasten ab. Zu so einem großen chirurgischen Eingriff kann ich mich zur Zeit nicht motivieren.

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