Es ist doch pure Ironie: Hätte ARP den Chroma etwas früher auf den Markt gebracht, wäre dem Unternehmen vielleicht der rasche Untergang erspart geblieben. Schließlich zählt das letzte Produkt aus ARPs Schublade zu den besten und auch erfolgreichsten polyphonen Synthesizern, die jemals entwickelt wurden.
Doch ARP hatte zu Beginn der 80er Jahre bereits eine sehr eigenwillige und unwiderrufliche Geschichte hinter sich. Nach den grandiosen Erfolgen des ARP 2500 und – mehr noch – des ARP 2600 sowie seines kleineren Bruders ARP Odyssey zu Beginn der 70er Jahre schwelgte die Führungsebene in neuen Gefilden. Andere Highlights wie der Omni (das meist verkaufe ARP Keyboard) konnten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die „money maker“ in der Produktionslinie dünn gesät waren. Doch statt marktorientierter und gut abgestimmter Konzepte ergab sich das Management ab Mitte der 70er Jahre einerseits der langatmigen Produktpflege erfolgreicher Instrumente, der Herstellung multitimbraler Tasteninstrumente mit überhängendem Keyboard und Designkapriolen zwecks Nominierung für die goldene Zitrone (ARP Quadra), der Entwicklung waffentauglicher Systeme (ARP Centaur), dem vergeblichen Versuch, Gitarristen in die Welt der Synthesizer zu locken (ARP Avatar), sowie dem fröhlichen Leben mit Wein, Weib und Gesang – etwas salopp formuliert.
1981 war ARP – nach massiven Verlusten rund um den Avatar und noch massiveren Schwierigkeiten rund um Materialprobleme des 16-Voice Electric Piano – nicht mehr liquide und wurde schließlich vom Unternehmen CBS Musical Instruments (Vertrieb von Rhodes) aufgekauft, welches die Herstellung bzw. den Vertrieb des ARP Chroma (sowie des ARP Electric Piano) übernahm.
Der Rhodes Chroma war indes ein gutes Geschäft, wurden bei einer kurzen Produktionszeit von nur 2 Jahren (1982 und 1983) bzw. einer unwesentlich längeren Verkaufszeit (ca. 1983-1985) immerhin 3000 Chroma Keyboards und einige Hundert Chroma Expander auf den Markt gebracht. Was nicht heißen soll, dass der Chroma zu seiner Zeit „unglaublich beliebt“ war. Es gab technische Probleme (vor allem mit der Stromversorgung), und die Komplexität des Instruments schreckte viele Benutzer ab. Doch von der ersten Stunde an gestand man dem Chroma erstklassige Klangqualität zu. Heute, wo findige Chroma-User ein stabile Stromversorgung und eine umfassende MIDI-Schnittstelle für den Chroma entwickelt haben, ist das Instrument wie kaum ein anderer Vintage-Synthesizer eine Klasse für sich.



Jetzt 



Mal wieder ein toller Testbericht vom herrn Bloderer. Wie immer mit sehr viel Liebe zum Synth geschrieben.
Ihre Testberichte sind wirklich meine absoluten Favoriten.
Und die Soundbeispiel erst. Einfach ein Genuss.
Ich habe tatsächlich alle ihrer Soundbeispiele von bluesynth und hier auf meiner Festplatte gehortet und höre sie seit jahren täglich.
Ein komplettes Album von ihnen wäre wirklich klasse. Vielleicht kann man sich da ja irgendwann mal Hoffnungen machen? ;)
MFG
Dennis
wie recht sie haben. die liebe zum detail, und die außergewöhnlichen guten, fast schon zu verschönernden soundbeispiele lassen einen gerne zu spontan einkäufen hinreißen.
einen tonträger in echt oder virtuell ist schon längst überfällig, zumal herr bolderer vom oeuvre eines großen griechen beeinflusst worden sein mag, und eine wahre bereicherung in jeder musiksammlung werden könnte.
fg
Hüstel, ich möchte mich dem Reigen der Lobeshymnen anschließen und einmal auf die (den hervorragenden Berichten) beigefügten Bilder hinweisen. Auch hier: Sachverstand und Liebe zum Detail. Herzlichen Dank.
Ich kann mich an den Chroma nur als entfernte Galaxis in meinem Synthesizer-Universum erinnern. Das Teil thornte an prominenter Stelle in einem Musikhaus am Kölner Ebertplatz und wurde dort wie die Bundeslade bewacht. Wenn dann ein Initiierter entratt dessen Ruhm den Raum erhellte, und eine Einweisung in die Geheimnisse des wuchtigen Instruments bekam, dann mussten die Gitarrenröhrlinge im hinteren Teil des Ladens schweigen. Herr Bloderer, ich beneide Sie um das Instrument (und einige andere in Ihrer Sammlung). Danke für die feinen Tests …
Der hier vorgestellte Chroma gehört einem guten Freund (derselbige seine Instrumente mit Hingabe restauriert bzw. pflegt) – nur zur Korrektur. Ich besitze im Moment lediglich den Chroma Polaris. Doch der Amazona-Testbericht hat den Wunsch nach einem eigenen Chroma sehr stark werden lassen, vor allem nach einem solchen Chroma mit CC+.
Ein paar Aspekte des Chroma – wie die teils hörbare Rasterung von Parametern – etc. wurden im Bericht nicht erwähnt. Letztlich haben solche Details in der Praxis überraschenderweise keine große Rolle gespielt, da der Gesamteindruck des Synthesizers (bzw. die musikalische Praxis am Instrument) so positiv und überzeugend war. Das noch als Ergänzung.
Den Dank betreffend der Testberichte bzw. der Klangbeispiele möchte ich an viele Leser (wie Dennis und andere) zurückgeben. Schließlich braucht es den interessierten Leser bzw. den aufmerksamen Zuhörer, damit Gesagtes oder Gespieltes seinen Nährboden findet. Klingt jetzt etwas formell, aber so ist es. Daher: Dank zurück.
Dem Wunsch nach längeren Musikstücken schließe ich mich an. (Umsetzung: “Vor” der Rente). Eine deutliche Reduzierung der Klangerzeuger muss dem aber vorausgehen. Und das ist wohl der heikle Punkt … man will sich von keinen Instrumenten trennen.
Ja, der Chroma ist schon eine Klasse für sich -
was die Sounds anbelangt.
So kann man zwei Klänge übereinander legen
und den einen per Tastendynamik “überblenden” ohne dabei die Split oder Layer-Funktion und
Stimmen zu verschwenden.
Die Bedienung ist ein Kapitel für sich, aber-
wenn man die Parameterflut des Instrumentes
betrachtet, mit Reglern und Schaltern würde es
schwerlich übersichtlicher.
Zum Kauf eines Chroma:
Neben einem neuen Netzteil und der CC+ Platine
erwarten einen jede Menge kleiner Feilereien an allen Ecken und Kanten.
Deshalb sollte man mit einem guten Elektroniker
befreundet sein, sonst wird es unbezahlbar!
Noch zu erwähnen, die beste Internetseite, die
je für einen Synth gemacht wurde:
http://www.rhodeschroma.com .
Hilfe pur für alle Chroma Fans!!!!
Das war doch der RockIt Synth, ein schönes Gerät und wie ich finde klasse umgesetzt, im Gegensatz zum kleinen Nachfolger
Zusammen mit meinem Synthex und dem CS80, ist der Chroma mein absoluter Lieblingssynth, auch wenn ich bei ihm die direkte Bedienung manchmal schmerzlich vermisse. klanglich läßt er so manchen neuanalogen Synth sehr blaß aussehen.
ich habe den polaris besessen und wieder verkauft. die hüllkurven waren mir zu langsam. klanglich etwas dünner als andere bekannte synthesizer. dafür sehr gut geeignet für flächen uns strings. sehr klar und definierter klang. toller synthesizer, episch.