AMAZONA.de

Green Box: Creamware Noah, VA-Multisynthesizer


Synthesizer-Arche namens Noah

Creamware Noah 1
Ein paar Worte zu SCOPE, CREAMWARE, ASB und SONIC CORE …

Der Creamware Noah erschien 2003 am Markt und war seiner Zeit voraus. Wahrscheinlich, möchte man meinen, zu weit. Anders als viele seiner Wettbewerber, war der Noah nämlich kein kein festverdrahteter oder programmierter Hardware-Synthesizer, sondern ein mit Shark-DSPs ausgestatteter Musikcomputer.

CREAMWARE, eine deutsche Synthesizer-Schmiede, die es in dieser Form heute nicht mehr gibt, sind ursprünglich bekannt geworden durch SCOPE. Die Scope Fusion Plattform bestand zunächst aus PCI-Karten, die DSPs beherbergten. Auf den DSPs konnten Creamware-eigene Plug-ins, wie Mischpulte, Effekte und Klangerzeuger berechnet werden. In Zeiten CPU-schwacher Rechner schuf das Entlastung für den Studiorechner, hatte aber das große Problem, eine Insellösung zu sein. Die Anbindung an die immer stärker werdende Welt der VST-Plug-ins war nicht möglich – und auch die Creamware Scope-Plug-ins ließen sich nie in in einer betriebsfremden DAW einfügen.

Scope Xite-1

Scope im Jahr 2017 als XITE-1

2003 erschien als logische Konsequenz, ein Großteil der SCOPE Technologie in Form eines Plattform-unabhängigen Expanders, dem Creamware NOAH. Je nach Ausbaustufe (dazu später mehr) war der Creamware Noah mit unterschiedlich vielen DSPs ausgestattet und konnte damit gleichzeitig mehrere Klangerzeuger und Effekte berechnen. Schloss man ihn per USB und entsprechender Software an einen PC an, konnte man die enthaltenen Plug-ins (heute würde Roland dazu Plug-outs sagen) editieren und im NOAH abspeichern. Ansonsten war der NOAH aber vollkommen autark. Vergleichen lässt sich das im Prinzip heute mit den AIRA-Synthesizern von ROLAND wie z.B. dem SYSTEM-8.

Leider war dem Creamware NOAH seinerzeit kein großer Erfolg beschienen. Allerdings fand der Creamware NOAH im deutschen Sprachraum zahlreiche Abnehmer, so dass der NOAH  früher gar nicht so selten auf einschlägigen Online-Märkten auftauchte. Inzwischen scheint aber auch der NOAH eine Rarität geworden zu sein.

Im Jahr 2005 erschien erstmals eines der SCOPE Plug-ins, die auch im NOAH enthalten waren, als astreiner Hardware-Synthesizer unter dem Kürzel CREAMWARE ASB.

Was unter der Marke CREAMWARE mit dem MINIMAX ASB begann, wurde fortgesetzt mit dem PRO-12 ASB  sowie dem PRODYSSEY ASB und endete schließlich mit der Hammond B3 Imitation B4000 ASB.

Minimax Creamware

Ein Minimax der ersten Generation, noch mit dem Firmenschild CREAMWARE

Obwohl diese Standalone-Synthesizer hervorragend klangen und in unseren Tests damals durchgehend Bestnoten erhielten, schloss 2006 Creamware seine Pforten. Genaue Hintergründe hierzu sind uns leider nicht bekannt.

Allerdings gab es mit der Firma SONIC CORE bereits ein Jahr später einen Rechtsnachfolger, der eben jene ASB-Produkte unter neuer Flagge neu auflegte und sogar die SCOPE-Plattform in Form einer externen 19″Unit wurde wiedergeboren und gibt es bis heute von SONIC CORE unter der Bezeichnung SCOPE XITE-1.

Obwohl die SONIC CORE Synthesizer (egal ob nun als Soft- oder Hardware) einige Jahre auf dem Buckel haben, gelten sie allgemein heute noch als hochwertig und authentisch, wenn es um die klangliche Nachbildung der großen Vintage-Klassiker geht. Angeblich sind sie sogar die Basis gewesen für die Soundengine des SOLARIS von JOHN BOWEN.

Macht man sich all diese Faktoren bewusst, wird man den CREAMWARE NOAH plötzlich in einem ganz anderen Licht wahrnehmen. Und genau unter diesem Zeichen soll der nun vorliegende GREEN BOX Artikel betrachtet werden. Selbst auf die Gefahr hin, dass damit leider auch wieder ein Anstieg der Gebrauchtmarktpreise einhergehen wird.

An dieser Stelle auch ein besonderer Dank an Mario Berthold, der uns die Bilder und Screenshots für diese GREEN BOX zur Verfügung gestellt hat. Danke Mario!!!

Viel Spaß,
Euer Peter Grandl

Der NOAH Editor für den Pro-One

Der NOAH Editor für den Pro-One

1 2 3 4 5 6 7 8 9 >

Klangbeispiele

  1. Profilbild
    monoman

    Witzig, habe gestern erst meine alten Pulsar und Luna Karten unter Windows 10 wieder reanimiert. Schöner Artikel! Scope läuft nach 2 Einstellungen unter Windows 10 reibungslos. Wem eine rechnergestützte Lösung reicht, kann preiswert Boards ersteigern, meine sind teilweise von 2002 und laufen noch. Ein kostenpflichtiges Update auf Scope 5.1 ist erforderlich.

  2. Profilbild
    Wellenstrom AHU

    War schon ’ne coole Sache damals. Mit SCOPE habe ich damals bei Kumpels im Studio auch noch ein bissken rumhantieren können. Schade, dass das mit Creamware vor die Hunde ging.

    • Profilbild
      amazonaman AHU

      Creamware gibt es nicht mehr, aber die Nachfolger Firma Sonic-core.net gibt es immer noch. Und jetzt im neuen Jahr voraussichtlich ganz ganz neu. Denn noch etwas geheim aber wahr, wird an einer neuen Version von Scope gestrickt. Aber für alle ungeduldigen kann man jetzt bereits sagen dass die Version 5.1 auf Windows 7 8 und 10 läuft. Ich spreche hier nicht vom Noah! Sondern von den dsp Karten mit pci Anschluss (günstig gebraucht) oder eben der aktuellen Pcie Variante x-ite die jedoch einiges kostet aber nahezu unbegrenzte Rechenpower hat.
      Scope bietet genau das was man als virtuelles Studio im Rechner kennt auf dsp Basis und daher ohne bescheuerte Latenz bekannt aus der berühmten VST Welt.

      Anders als im Testbericht behauptet wird, kann man im Noah natürlich niemals alle Plugins die jemals für Scope hergestellt wurden im Noah installiert werden. Dagegen geht es auf den dsp Karten uneingeschränkt, egal ob die Karte von 1997 mit pci Anschluss oder dem neuesten Topmodell xite mit Pcie.

      Die Möglichkeiten sind unbegrenzt. In der voraussichtlich neuen Version werden die Möglichkeiten nochmals erweitert, da die Plugins für den Benutzer verändert werden können. Damit sind dann endgültig völlig kranke Vorstellungen realisierbar.

      Ich bin Scope Nutzer der ersten Stunde. Hat jemand Fragen?

      • Profilbild
        GEM-D ••

        Naja, ohne Latenz stimmt leider nicht ganz!
        Ich steuer meine SCOPE per MIDI in einem autarken Rechner an und habe eine Latenz von ca. 30 Millisekunden.
        Aber da ich das ja weiß kann man das ja auch super aussteuern :-)
        Der Sound ist nach wie vor genial! Und wie ich finde bis heute noch von den normalen VSTs unerreicht…

  3. Profilbild
    Gammalicht

    Dank an Michael und Peter für den gelungenen Bericht. Bin schon länger der Meinung, dass Creamware ganz feine Maschinen gebaut hat, die klanglich zu überzeugen wissen. Zudem gab es immer einen sehr guten Support von der Firma. Eine Keyboard Version mit generischer Regleroberfläche wäre eine digitale Traummaschine gewesen!
    Eine wichtige Korrektur: Die Remote-Software ist mit ein wenig Gefummel genauso wie die Treiber unter Windows 7 / 32bit lauffähig. Habe das im Laufe der Jahre mehrfach getestet.

    • Profilbild
      marber

      Wie hast Du das hinbekommen? Den Treiber mit funktionierender Remote Software unter Windows 7.
      Bei mir ließ er sich zwar mit manueller Treiberinstallation installieren, auch funktionierte die ASIO Soundkarte, aber die Remote konnte nie einen Noah finden.

      • Profilbild
        Gammalicht

        Hi marber,

        1. Noah per USB an PC anschließen (klar). Nur direkt – ohne HUB.
        2. Drei unterschiedliche (!) USB Treiber installieren (Gerät-Audio-Midi) (Gerätemanager!)
        3. Windows Neustart
        4. Remote-Software 1.1 (wichtig: CD-Version (!) und nicht die ftp-Version) installieren
        5. ggfs. Remote-Software 1.0 Programmpfad in den 1.1 Ordner überspielen (d.h. überschreiben)
        Wirst Du (bis auf 5.) so ähnlich gemacht haben – denke die Remote-Version (1.1) ist entscheidend. Manchmal klappts ohne Punkt 5.

        • Profilbild
          marber

          Hi Gamma,

          das wird es sein. Eine CD habe ich nicht.
          Konnte nur die ftp Version testen.
          Kannst Du mir eine Kopie zukommen lassen?

  4. Profilbild
  5. Avatar
    doc

    Soundmässig eine Offenbarung. Habe den Synthesizer seit 2004.
    Das Gerät ist fast jeden Tag im Einsatz bzw. fährt etliche Livegigs – Rock/B2003/Moog – pro Jahr. Dem Fazit der Tester kann ich mich uneingeschränkt anschliessen.

  6. Avatar
    Beck Josef

    Meinerseits ein dickes Lob für AMAZONA.de.
    Der Test des Creamware Noah ist bestens beschrieben und trifft auch in allen Belangen zu. 5 Sterne für Gerät und Tester

  7. Profilbild
    mhagen1 ••

    Vielen Dank für den ausführlichen und interessanten Artikel! Schade, dass manchmal das bessere Marketing wichtiger zu sein scheint, als die gute Idee und die saubere technische Ausführung.
    Ich möchte noch kurz darauf hinweisen, dass Creamware die ASB-Hardware (Minimax, Prodyssey, B4000, Pro-12) auch ohne Potis und Taster als 19-Zoll 1HE-Module unter dem Namen KLANGBOX angeboten hat. Die gibt es gebraucht aber fast nie. Ich hatte vor kurzem das Glück, eine Minimax-Klangbox für 300,- Euro zu bekommen.
    Bei den Klangboxen lassen sich alle Parameter über MIDI-Controller steuern.
    In den übergeordneten Verzeichnissen des im Artikel genannten Links gibt es die Anleitungen zur Klangbox: ftp://ftp....../Klangbox/

  8. Profilbild
    boa75

    Creamware Pulsar war vor über zwanzig Jahren mein Einstieg ins Musikproduzieren. Schade dass die Firma die Produkte nie richtig weiter entwickelt und angepasst hat. Den von der Soundqualität her, waren die Synths Spitzenklasse.

    • Profilbild
      swissdoc RED

      Sonic Core hält doch tapfer die Platform am Leben und so wird bis Windows 10 alles unterstützt (64 Bit wohl dort nicht komplett), alle alten und neuen Boards und 3rd Party liefert auch immer mal wieder neue Plugs. Mit PlanetZ gibt es eine Heimat für alle User und Entwickler, wenn man ausreichend DSPs hat, kann man das freie SDK installieren. Es ist eine der bewährtesten DSP Platform und recht investitionssicher.

      Klar, so richtig was neues kommt nicht, aber muss es das? Keep using it…

  9. Profilbild
    costello RED

    Danke für den schönen Report. Die Creamware-Technologie hat es wirklich verdient, immer wieder vor dem Vergessen bewahrt zu werden. Für mich waren die ASB-Modelle der Zugang. Die Haptik ist sehr schön gelungen und live macht es einfach mehr Spaß mit echten Zugriegeln, Fadern, Potiknöpfen zu arbeiten. Schade, dass Stepsequenzer und Arpeggiator dabei unter den Tisch fielen. Sie hätten die ASB-Teile noch einmal deutlich aufgewertet. Wer nun nicht in einen alten XP-Rechner investieren möchte, kann eine Annäherung an die Noah-Welt mit dem Plugiator von Use Audio probieren: ein Scope-Derivat, das Creamware-Gründer Frank Hund nach der Pleite seiner Firma herausbrachte. Der Plugiator enthält in Vollausbau Minimax, Pro 12, Prodyssey, den Hammond-Klon B-4000, Lightwave, Vocodizer, eine FM-Engine und eine D&B-Einheit. Der Sound ist authentisch Creamware. Die Bedienung am Gerät ist spartanisch; aber es gibt einen Editor. Auf jeden Fall der günstigste Einstieg in die Creamware-Welt.

  10. Profilbild
    Son of MooG AHU

    Das Ferrofish B4000+ Orgel-Modul ist, glaube ich, das letzte (inoffizielle) Überbleibsel der ASB-Reihe, das noch erhältlich ist. Kaum ein anderes digitales Produkt hat sich so lange gehalten…

  11. Profilbild
  12. Profilbild
    GEM-D ••

    Witzig! Habe erst gestern einen neuen Rechner für meine SCOPEs bestellt. Noch mit PCI Slots :-D
    Es gibt vier Sachen in meinem Studio die immer bleiben! TC Powercore, Q+, Code und meine Creamwares :-)
    Der Rest ist immer nur nettes Beiwerk!

    • Profilbild
      swissdoc RED

      Das liegt bei mir etwas zurück. Direktanschluss einer Floppy stand bei mir noch auf der Liste. Was ist es bei Dir geworden? Hier werkelt ein GigaByte P55A-UD3

      • Profilbild
        GEM-D ••

        Ist ein Gigabyte H270-Gaming 3
        Hat zwei PCI Slots und vier PCIx
        Da passen jetzt alle meine Karten rein und ich mach einen kompletten Musik PC draus :-)
        Hatte vorher die Creamwares separat. Daher wurden sie nicht ganz so oft benutzt wie sie sollten.

  13. Profilbild
    Thomas Columbo •••

    Wunderschönes Teil, hatte mal zwei,einen habe ich mir verwahrt, mit allen Plugins, verkaufstechnisch war der NOAH problematisch, teuer, zu wenig Stimmen, aber der Sound TOP wie zuvor schon die SCOPE Synth Emulationen (Minimoog!!!) und danach die Spinoffs ASB etc. Schade dass diese tolle Firma nicht mehr existiert.

  14. Profilbild

Kommentar erstellen Kommentar erstellen Leser-Story erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.

Über die Autoren

Bewertung

Creamware Noah

Bewertung: 5 SterneBewertung des Autors
Leserbewertung: 5
Jetzt anmelden und dieses Produkt bewerten.

AMAZONA.de Charts

Aktion