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Interview: Ralf Weigand, Aufsichtratsvorsitzender GEMA

Deine zweite Frage war: Warum kommt das Geld so spät?
Die Mitglieder der GEMA haben sich über Jahrzehnte dafür entschieden, dass viele Abrechnungssparten mit Minutenwerten arbeiten. Beim Fernsehen und Rundfunk bekommt im Prinzip jedes Mitglied durch diese kollektive Verteilung das gleiche Geld pro Minute Spieldauer. Die Voraussetzung für die Errechnung eines Minutenwerts ist aber eine Ganzjahresabrechnung. Die Sender bezahlen für ein Jahr Nutzung, woraufhin, vereinfacht gesagt, geschaut wird wie viele Minuten Spieldauer es im vergangenen Jahr gab und aus dieser Summe ergibt sich der Minutenwert, der an die Mitglieder ausgezahlt wird. Deshalb gibt es auch bei jedem Sender andere Beträge und deshalb ist der 1.7. des Folgejahres momentan der früheste Zeitpunkt, an dem das machbar ist.
Leider ist es so, dass einige Sender trotz Sanktionen und Geldbußen ihre Jahresabrechnungen nicht bis 31. März vorlegen und dann wird das für alle Beteiligten extrem unangenehm. Und die Autor*innen müssen erstmal den Weg über die Reklamation gehen.

Interview Ralf Weigand

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Raphael:
Und wie ist das bei Live-Musik?

Ralf:
Auch bei der Live-Musik gibt es mit INKA eine kollektive Verteilung mit Punktwerten. Hier bearbeitet die GEMA über eine halbe Million Musikfolgen im Jahr. Wir sind total happy darüber, dass bereits 25 % der Nutzer den entsprechenden Online Service nutzen, aber 75 % erreichen uns noch immer auf Papier. Die Musiklisten muss man einzeln scannen und die sind teilweise total unleserlich ausgefüllt. Wir haben gerade Versuche gemacht mit Künstlicher Intelligenz, die solche Daten teilweise besser umwandeln soll als es Menschen tun. Leider ist der Anbieter total gescheitert. Wir wissen, dass das die Zukunft ist, aber im Moment funktioniert es noch nicht gut genug. Das heißt jede Musikfolge wird weiterhin gescannt und von einem echten Menschen ausgelesen. Das ist einfach eine wahnsinnige Arbeit.

Unsere Umfragen haben übrigens ergeben, dass der Großteil der Autoren mit den Ausschüttungsterminen zufrieden ist und die sich ihre Liquidität über das Jahr ganz gut einteilen können. Was ein Problem ist, sind die großen internationalen Verlage, weil sie den Konzernmüttern z.B. in den USA Rechenschaft ablegen müssen und unbedingt vierteljährlich Quartalszahlen präsentieren wollen. Die machen Druck, aber da ist auch viel kapitalistischer Manager-Bullshit mit im Spiel, da es ja betriebswirtschaftlich eigentlich wenig Unterschied macht, ob du einmal im Jahr eine Auszahlung bekommst oder in jedem Quartal kleinere Teile davon.

Raphael:
Beim Stichwort große amerikanische Konzerne fällt mir auch Youtube ein. War da was?

Ralf:
YouTube hat von Anfang an gesagt „wir übernehmen keine Haftung, weil wir nichts mit dem Inhalt auf unserer Plattform zu tun haben. Es sind ja die Leute, die die Musik und Videos hochladen.“ Mit diesen Inhalten verdient YouTube aber Milliarden von Dollars und ist der größte Streaming Dienst der Welt. Schon von den mickrigen Erlösen der etablierten Musikstreaming Dienste kann kein Musiker leben, aber YouTube, der Gigant, zahlt an die Urheber*innen, also die Leute welche die Basis für die Inhalte und den Erfolg von YouTube bilden, zumindest im UGC-Bereich (User-generated content Anm. d. Redaktion) nur lächerliche Beträge.

Die GEMA hat sich auf den Standpunkt gestellt, dass das so nicht gehen kann. In unseren Augen steht YouTube in der Verantwortung, eine angemessene Vergütung zu zahlen, wenn durch dieses Geschäftsmodell z.B. durch Werbeeinnahmen Milliarden umgesetzt werden. Rechtlich bewegt sich YouTube in der Grauzone und wir hatten uns entschlossen einen Prozess zu führen, dem sich die YouTube Mutter Google über Jahre mit aller Macht, finanziellen Mitteln und Lobbyarbeit entgegengestellt hat. Wir haben dann mit unseren Autoren gesprochen und einige Mutige von Ihnen haben YouTube die Nutzung ihrer Musik verboten. Google war dann natürlich beleidigt und hat wahnsinnig polemisch darauf reagiert, indem man haufenweise Sperrtafeln in Deutschland aktiviert hat. So unter dem Motto „wegen der bösen GEMA darfst Du Deine Lieblings-Videos nicht anschauen“. Aufgrund der großen Reichweite von YouTube war das extrem schnell ein wahnsinniger Image-Schaden für die GEMA. Nach einem langen Prozess hatten wir dann Gott sei Dank den höchstrichterlichen Beschluss, dass Youtube das unterlassen muss, da die Behauptungen nicht den Tatsachen entsprachen. Das war ein großer Erfolg für uns.

Interview Ralf Weigand

Was man sich diesbezüglich auch vor Augen halten muss ist, dass die GEMA ja ein Verein ist und es im Endeffekt die Komponist*innen und Autor*innen sind, die diesen Kampf gegen YouTube führen. Wenn jemand also sagt, „Uh die GEMA find ich sch…., wegen der konnte ich meine YouTube Videos nicht ansehen“, dann sagt derjenige im Endeffekt „“Uh die Komponisten und Texter meiner Lieblingsband find ich sch…., weil wegen denen konnte ich meine YouTube Videos nicht kostenlos ansehen“.
Ende 2016 gab es dann eine Vereinbarung mit YouTube, die plötzlich sagten „Okay, wir zahlen euch was, wir geben aber trotzdem keine Verantwortung zu“. Sie haben uns also nicht recht gegeben mit unserer Forderung, aber sie zahlen jetzt einfach mal eine x-beliebige Summe. Die ersten Gelder davon verteilen wir übrigens dieses Jahr an alle unsere Mitglieder.

Raphael:
Der Streit geht aber in Brüssel weiter.

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Ralf:
Ja, dort hat sich der Rechtsausschuss des Parlaments im Juni ganz toll für die Autoren ausgesprochen und empfohlen, dass es eine Providerhaftung oder zumindest eine Lizenzpflicht der Plattformen gegenüber den Rechtsinhabern geben soll. Das Parlament hat diesen Vorschlag aber zunächst nicht angenommen.

(Anm. der Redaktion: Am 12. Sept. hat die 2. Abstimmung im EU Parlament den Weg für Trilog zur Urheberrechtsreform freigemacht. Dieses Interview wurde vor dieser Abstimmung geführt. Bisher ist noch nichts entschieden und in den nächsten Monaten werden der EU Rat, die EU-Kommission und das EU-Parlament weiter darüber diskutieren.) 

Google macht in Brüssel mit ihrer ganzen Anwaltspower wahnsinnig viel Lobbyarbeit für ein wie sie es nennen „freies“ Internet. Das ist natürlich in deren Interesse, weil dann weder Google noch YouTube irgendetwas für die Inhalte zahlen muss, mit denen sie Milliarden verdienen.
Für diesen Kampf werden von Google in vielen europäischen Ländern und auch in Deutschland Organisationen gegründet und mit Millionen unterstützt, die sich vehement gegen eine Verantwortung der Plattformen einsetzen. Da steht dann vorne nicht Google drauf, aber dahinter steht Google als Geldgeber. Nur weil man die Urheber vergüten soll, wird das Internet aber noch lange nicht unfrei!

Eine kleine Geschichte dazu mit Jean Michel Jarre. Der ist Präsident des weltweiten Verbands der Verwertungsgesellschaften für Kreative und Autoren (CISAC). Er war völlig verzweifelt letztes Jahr, als er bei der EU die Stapel an Änderungsanträgen zur Richtlinie der Künstler einerseits mit denen von Google und Co. andererseits vergleichen konnte.
Da Künstler kaum Lobbyarbeit machen können und nur wenige von ihnen sich in Verbänden organisieren, war deren Stapel mit um die 50 Anträgen recht klein. Auf Seiten von Google und Organisationen, die in ihrem Interesse arbeiten, waren es über 800 Anträge von Anwälten, und der Stapel ging quasi durch die Decke. Das nur um allein mal zu symbolisieren, welche monetäre Macht dahinter steckt. Jean Michel Jarre meinte dann, wir bräuchten eigentlich das gleiche Geld, das Google ausgibt, um diesen Konflikt auf Augenhöhe zu lösen. (Anm. d. Redaktion: auch via Twitter setzt sich Jean Michel Jarre sehr für die Anliegen der Urheber ein. Mit Ex-Beatle Paul McCartney gibt es einen weiteren prominenten Unterstützer.)

Jean Michel Jarre

Jean Michel Jarre ist neben seinem vollen Tourplan auch Präsident der CISAC

Raphael:
Ich springe mal von YouTube und Google zu Music-Streaming Diensten, die Musiker auch vergüten. Beim Marktführer Spotify gibt es ja seit jeher eine Zwei-Klassengesellschaft. Da gibt es zum einen den werbefinanzierten, kostenlosen Zugang und zum anderen den Bezahldienst. Spotify wälzt das finanzielle Risiko bei ihrem Geschäftsmodell aber komplett auf die Künstler ab. Wenn ein Fan mit Spotify Premium einen Song anhört, zahlt Spotify dafür um die 0,005 Euro aus. Bei 1000 Zuhörern macht das also bis zu 5 Euro pro Song. Wenn ein Spotify Nutzer ein Lied mit dem kostenlosen Dienst hört, landen dafür bei den Kreativen und dem Label gerade mal 0,0005 Euro pro Song, also gibt’s bei 1000 Klicks plötzlich nur noch 50 Cent. Für die gleiche Ware vom gleichen Lieferanten bekommt der eigentliche Hersteller der Ware nur noch ein Zehntel! In keiner anderen Branche in Deutschland würde so etwas funktionieren ohne dass es zu Tumulten auf der Straße kommt. Nur weil zum Beispiel ein Supermarkt sich entscheidet auf die eine Packung Milch Werbung zu kleben und diese zu verschenken, kann er deswegen den Milchbauern nicht nur ein Zehntel dessen bezahlen was ihnen zusteht.

Die Labels spielen dieses Spiel teilweise mit, weil sie die Millionen von Spotify für ihre Kataloge vorab bekommen haben. Jetzt haben wir die Situation, dass viele Musiker und Labels heutzutage fast leer ausgehen während Spotify mit über 30 Milliarden an der Börse bewertet wird. Auch bei den Urheberrechten, für die von Spotify an die GEMA bezahlt wird, gibt es diese Zwei-Klassengesellschaft. Hier bekommt ein Komponist oder Textdichter für einen werbefinanzierten Stream nur ein sechstel von dem, was bei einem Premium Abo gezahlt wird. Warum hat die GEMA eine solche Vereinbarung mit Spotify getroffen und unterstützt dieses Modell dadurch auch noch?

Ralf:
Also, erstmal stehen wir positiv zu Anbietern wie Spotify, weil sie im Gegensatz zu YouTube zumindest das Prinzip anerkennen, dass sie etwas für die Musik zu zahlen haben als Basis für ihr Geschäftsmodell. Und zwar nicht nur für das Lied an sich, sondern auch für die Urheber*innen und Musikverlage, die dahinter stehen. Das krasse ist ja, dass YouTube diese Musik-Streaminganbieter als Wettbewerber wirtschaftlich immens unter Druck setzt, weil der Konsument immer noch sagen kann „Dann hör ich’s mir halt kostenlos auf YouTube an.“ Das ist ja völlig verrückt. Daher helfen wir wo es geht jenen Geschäftsmodellen, die versuchen Portale aufzustellen, wo alle Beteiligten etwas davon haben. Inklusive Autoren und ausübende Künstler. Es ist nicht neu, dass die GEMA versucht, Geschäftsmodelle, die im Sinne der Autoren sind, zu unterstützen und damit auch hin und wieder bis zu einem gewissen Grad ins Risiko geht. Bei Tonträgern war und ist das auch so. Auch beim CD Verkauf geht ein bestimmter Prozentsatz an die Urheber der Musik. Die Künstler teilen auch hier das Risiko, etwas daran zu verdienen, da sie ja im Vorfeld noch nicht wissen, welcher Umsatz generiert wird und ob ein Album oft verkauft wird. Aber gleichzeitig gab’s auch schon bei Vinyl das Prinzip der Mindestvergütung. Das heißt die beiden Möglichkeiten -prozentuale Beteiligung bei Verkauf oder die Mindestvergütung – hat es immer schon gegeben.

Das Minimum, was du hier bei Spotify siehst, ist genau so eine Mindestvergütung. Wir Künstler sagen im Namen der GEMA also „auf keinen Fall lassen wir uns weiter runterhandeln als diese Mindestvergütung“. Das war im CD- und Plattenbereich früher total umstritten, weil die Hersteller natürlich schon immer „verramschen“ wollten, plötzlich wurden CDs nur noch für 2 Euro verkauft. Wenn Du da nur auf die prozentuale Beteiligung gehst, dann wäre dabei auch nichts übrig geblieben. Bis die Onlineauswertung kam, hatten wir diese Mindestvergütung aber praktisch immer durchsetzen können. Die Plattenfirmen mussten ihre Businessmodelle dem anpassen und ein Verkauf unter 5 Euro hat sich dann zum Beispiel gar nicht für die gelohnt. Jetzt haben wir nur ganz neue, internationale Player am Markt. Früher mussten in Deutschland die lokalen Tonträger-Hersteller ihre Verträge mit der GEMA unter gesetzlicher Aufsicht aushandeln. Heute sind es internationale Konzerne, die im weltweiten Internet agieren und nationale Gesetze sind oft nicht anwendbar.

Interview Ralf Weigand

Ein großer Fehler der EU war in meinen Augen, diese gesetzlichen Auflagen für Verwertungsgesellschaften und Nutzer zu lockern und den Markt innerhalb der EU zu öffnen. Sie wollten einen Wettbewerb der Verwertungsgesellschaften untereinander und die illusionäre Hoffnung war, dass die sich um die Autoren prügeln werden, um sie mit Dienstleistungen zuzuschütten. Natürlich hat es aber dazu geführt, dass große internationale Konzerne und andere Firmen, die als Musiknutzer auftreten nun zum Beispiel für Onlinerechte – sofern diese nicht sowieso schon von den Major-Publishern selbst wahrgenommen werden – alle Verwertungsgesellschaften abklappern, frei nach dem Motto „Wo kriege ich’s am günstigsten?“. Dadurch entsteht ein harter Preiskampf mit einer Spirale nach unten und für die Autoren bleibt immer weniger Geld übrig.

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Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Sehr spannend und aufschlussreich! Danke für das intelligent geführte Interview.

    Das Thema KI wird auch in vielen anderen Branchen schwere Umwälzungen verursachen. Damit umzugehen wird, da stimme ich dem Autor zu unumgänglich.

    Ich bin beruflich davon zwar nicht betroffen, hoffe aber inständig, dass die Verwertungsgesellschaften und somit die Urheber das permanente Erschleichen von Gewinnen im Netz durch Konzerne wie Google mittels des Gebrauchs geistigen Eigentums Dritter letztendlich beenden werden. Gebt nicht auf Leute!

  2. Profilbild
    Coin  AHU

    Ab Seite 3 hat mir der Kopf geraucht.
    Wahnsinnig komplexes Thema, für mich zu komplex.
    Da werden Vereine genannt, von denen ich noch nie was gehört habe.
    Etwas mehr Öffentlichkeitsarbeit kann der GEMA glaube nicht schaden.
    Von daher ist der Artikel schon sehr gut für die Aufklärung.

    Ich bin ja so ein Einzelkämpfer, oder war es.

    Denn meine Musik hört so gut wie niemand.
    Da wurde mir empfohlen die Musik möglichst weit zu streuen
    und Kontakte zu knüpfen.
    Nun bin ich auf Youtube, Soundcloud, Bandcamp, Myownmusic
    und war auch bei Heartthis.
    (Pro Account bei SC kostet auch Geld)
    Hatte ein paar Collabs und hab einen Remix gemacht.
    3 Livegigs hatte ich kostenlos gemacht.
    Mich kennt ja keiner.

    Leider half das alles nichts,
    ich habe nie was fürs Musik machen bekommen.

    Das führte mich dann zu der Frage,
    warum mache ich das überhaupt, wenn es niemanden interessiert
    und ich nichts „zurück“ bekomme ?

    Da ich Hartz4 Empfänger bin, habe ich nun beschlossen
    nicht mehr in das Hobby „Musizieren“ zu investieren.
    Selbst wenn ich könnte, ich kaufe keine Musikinstrumente mehr.
    Egal ob Hard- oder Software.
    Da kauf ich mir lieber was zu essen.
    Das macht wenigstens satt.

    • Profilbild
      AMAZONA Archiv

      Tut mir leid zu hören Coin. Wenn die Musik wirklich Deine Leidenschaft ist, mach weiter. Dazu brauchst Du nicht in Equipment zu investieren. Ohne Dich zu kennen, ich glaube, es ist wichtiger seine Fähigkeiten als Musiker zu entwickeln. Das geht auch durch Üben auf einfachem Instrumentarium, über Musik lesen, mit anderen Musikern spielen und Durchhaltevermögen. Elektronik oder nicht, das war eigentlich schon immer so.
      Es gab ja auch vor dem Internet keine Garantie mit Musik auch wirklich Geld zu verdienen zu können.
      Es entsteht andererseits schon ab und zu den Eindruck das die Begabung zur Selbstvermarktung im Netz der entscheidende Faktor auf dem Weg zum erfolgreichen Musiker ist und nicht mehr so sehr die Qualität der Musik selbst. Ich glaube zwar daran, dass sich Qualität letztendlich auf die eine oder andere Art durchsetzt, aber der Weg dahin ist gnadenlos und ob man das durchhalten kann oder möchte, hängt stark von der eigenen Persönlichkeit ab. In sofern wird unsere Gesellschaft durch diesen, im Endeffekt darvinistischen, Ansatz sicherlich vieler Talente und damit vermutlich auch einiger Meisterwerke beraubt.

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        AMAZONA Archiv

        Ihr zwei kommentiert die Essenz dieses Interviews. Bevor wir aber nun gegen eine KI „kämpfen“ und die, sind wir mal ehrlich, ganz wenigen Meisterwerke beklagen, die der Menschheit eventuell fehlen werden, sollten wir in uns gehen und unsere „Einzigartigkeit“ beleuchten. Kann eine KI tatsächlich ein Leben leben und die daraus entstandenen Erfahrungen in Musik gießen? Gerade höre ich Mozart, Debussy und Thomas Thallis. Kann das eine KI? Eine KI kann uns kopieren, repetieren und schlussendlich Chaos stiften. Letzteres ist wohl das was Herr Weigand als lustig bezeichnete. Unser Gehirn kann (leider) aus jedem Mist etwas interessantes ableiten und genau da schließt sich der Kreis zur KI.

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          AMAZONA Archiv

          Im besten Fall werden wir inspiriert und lernen ähnlich wie eine KI, im schlimmsten Fall übernehmen uns die Maschinen wie in Terminator. Wahre Genies wie die o.g. mußten nicht Zufallsmuster an der Klaviatur abwabern um einen Treffer (Hit) zu landen. Die hatten Visionen! Viel Spaß beim Musik generieren oder verkauft einfach euer Equipment, weil ohne Strom eh keine Partitur zu Stande kommt. Aus jedem musikalischen Erguß ein Recht auf monetärer Absicherung abzuleiten ist m.M.n. die eigentliche Dummheit. So gesehen ist die Gema eigentlich überflüssig. Wenn man bedenkt mit wieviel Mist Geld verdient und „gerecht“ umverteilt wird, kann ich daraus keinen nennenswerten kulturellen Wert ableiten. Da wäre ein Ansatz zur >Verbesserung< gegeben. Das Mc Cartney und JMJ sich engagieren, hat wohl eher einen egozentrischen als einen samaritären Aspekt. Wenn nur nicht all diese Wichtigtuerei in der Kunst wäre.....

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            AMAZONA Archiv

            Natürlich basiert das Engagement erfolgreicher Produzenten für die Gema auf Eigennutz. Ich finde das nicht verwerflich, solange unsere Gesellschaft Leistung mit Geld bewertet. Der Wert oder das Recht auf Absicherung wird nicht aus dem musikalischen Erguss abgeleitet, sondern aus der öffentlichen oder privaten Nutzung desselben.
            Das sich dabei nun vor Allem der musikalische Schrott gut verkauft ist nicht Schuld der Gema, sondern Abbild der Verteilung von Intelligenz und Bildung in der Bevölkerung.
            Genau das wird KI so effektiv machen. Ich glaube nicht, dass sich die Inspiration von Genies wie z.B. Debüssy künstlich erzeugen lässt, wohl aber der Müll den z.B. ein Dieter Bohlen rausgehauen hat oder der austauschbare Mist, der hier zur Zeit als Grundlage für einen Remix beworben wird. So was ist potentiell erfolgreich und lässt sich in Zukunft leicht autogenerativ erzeugen.

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              AMAZONA Archiv

              Was mir der Überflüssigkeit der Gema nicht widerspricht. Wenn Musik ungewollt (mal ehrlich, wie oft kommt das vor?) wirtschaftlich verwertet wird, leitet sich m.M.n. daraus nicht automatisch ein Profit des Schaffenden ab. Er ist ja kein Debussy, kann es aber werden, wenn durch die unfreiwillige Vermarktung sich Qualitäten im überdurchschnittlichen Ausmaß zeigen. Dann wird er schon gebucht werden und es lohnt sich auch für ihn. War das in jüngster Vergangenheit mal der Fall? Eher gehen „Künstler“ direkt zu Vodafon und lassen ihre Wurst darüber verbreiten. Wir tief schürfenden mussten immer an minder intelligente und gebildetete abgeben aber…. Auch ein Shakespeare hat mal für die „Volksbühne“ gearbeitet und ist mit seiner Arbeit bescheiden gesagt erfolgreich geworden. Dieser Weg ist nicht der Mozarts aber beide sind wegen ihrer Qualitäten nachhaltig Bestandteil unserer Kultur geworden und nicht wegen irgendeiner Gema. Wenn es die nicht gegeben hätte, hätten wir dann einen Dieter Bohlen wie er heute lebt? Ich denke nicht! Soviel zum Wert dieser Institution.

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                AMAZONA Archiv

                Hmmm. Interessanter Standpunkt. Nicht ganz von der Hand zu weisen. Ist die Gema schuld an Bohlen? Das ist ’ne Henne und Ei Frage. Dann zwar in der Konsequenz ziemlich extrem, aber Ich muss eine gewisse Sympathie für Deinen Standpunkt eingestehen. Realistisch oder nicht.

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                  AMAZONA Archiv

                  Na ja, Bohlen hat CD’s an die dumpfe Masse verkauft. Die Erlöse daraus wurden zum großen Teil über die Gema verteilt. Was ist daran unrealistisch? Das wollte Bohlen so und hat es auch gemacht. Das die Gema durch ihren wirtschaftlichen Aspekt sowas fördert ist nicht von der Hand zu weisen. Die Krise mit den Streaming-Plattformen hat es fast geschafft die Gema abzuschaffen aber Deutschland ist ein Sonderfall. So lange Die Amigos hier mehr CD’s verkaufen als U2, wird „die coole Socke“ Herr Weigand das System noch irgendwie rechtfertigen können. Ich mag übrigens weder U2 noch Die Amigos! ;)

                  • Profilbild
                    TobyB  RED

                    Hallo Hector,

                    die Amigos wohnen drei Dörfer weiter und sind sehr ziemlich nette Menschen. Die haben sich jahrelang neben der Arbeit den Bobbes abgespielt, Familien gegründet. Das normale Programm halt. Dann noch den Atem haben, diverse Hütten zu bespielen. Das muss man erst mal schaffen. Streaming macht im übrigen nicht die GEMA überflüssig. Sondern im Gegenteil. Ich bin kein Freund von shared economy. Wenn ich solche Buzzworte höre, will ich immer aufspringen und Triple Bingo rufen. ;-)

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                      AMAZONA Archiv

                      Nicht Streaming macht die Gema überflüssig, sie ist es generell! Ob die Amigos nette fleißige Menschen sind ist dabei nicht relevant. Deren kultureller Beitrag erstreckt sich maximal bis zur Demenzstation im örtlichen Altersheim und allem was in der Denkweise artverwand ist. Dort haben die ihre Daseinsberechtigung und überleben zur Not auch ohne Gema Das haben die mit Ausdauer und relativ wenig kreativem Talent geschafft. Dank der demografischen Entwicklung werden die auch immer erfolgreicher. Die Amigos sind quasi die Könige des Sub-Standards. Schade das es keine Aktien von denen gibt. :)

                  • Profilbild
                    AMAZONA Archiv

                    Mit unrealistisch meinte ich die Umsetzung Deiner These. Ich bezweifele, dass ein Abschalten der GEMA die Pest von Tötensen verhindert hätte. Der Gedanke ist aber durchaus reizvoll.

                    • Profilbild
                      Coin  AHU

                      Die Art der Musik spielt doch bei der Vergütung keine Rolle.
                      Es geht auch um die Arbeitsstunden.
                      Schon mal daran gedacht wie viel Zeit man für das Schaffen braucht, oder schon unvergütet verbraucht hat ?
                      Das finde ich sollte gerecht behandelt werden.
                      Ein einfaches Vergütungsmodell wäre besser,
                      denn je komplexer, desto unverständlicher,
                      desto weniger Akzeptanz.
                      Wir reden hier von einem Produkt
                      und nicht Hobbysachen.
                      Und wenn das „Produkt“ unbemerkt im Netz gedownloaded
                      wird, wie will man da Playzahlen ermitteln.

                  • Profilbild
                    TobyB  RED

                    Hallo Hectorpascal,

                    du machst natürlich musikalische Hochkultur. Und deine Musik wird generell in Hipsterkreisen abgefeiert. Ich finde das immer schwierig, wenn man so wie du einen über die Amigos raus haut und dann inhaltlich nichts hinter herkommt. Wenn du die Aufgabe der GEMA nicht kennst und verstehst ist das nicht unser Problem. Aber auch du kannst dich auf deinen Hosenboden setzen und dich gescheit informieren. Mehr Inhalt und weniger Parole würde dich sympatisch machen.

                    • Profilbild
                      AMAZONA Archiv

                      Natürlich produziere ich ausschließlich musikalische Hochkultur! Mein Hipsterverstand ist auch allen Amöben die in meinem Bart leben weit überlegen. Aber mal ehrlich. Ist die neue Devise jegliches Niveau so weit runterzufahren, das letztlich alle bei jedem Furz von Taylor Swift, Bohlen oder sonst wen vor Glück im Kreis tanzen? Und jetzt erkläre mal was ich bei den Amigos inhaltlich raushauen soll? Eine psychosoziale Analyse der Texte oder gleich eine Doktorarbeit über die Bedeutung der Amigos für die Gesellschaft allgemein. Zur Gema: Ich glaube(=Religion) das mit den vielen Beiträgen, neben dem Wasserkopf an Verwaltung, auch teure Anwälte beschäftigt werden, die genau ermitteln wie viel Frau Swift in die USA überwiesen bekommt. Ob da viel für Rente und Avantgarde übrigbleibt? Da erreiche ich privat mehr, ohne Gema.

                  • Profilbild
                    kiro7  

                    Aha, es gibt also die dumpfe Masse, und die elitäre, gebildete Masse, die den alleinigen Anspruch auf die Auswahl von Kunst und Geschmack hat.

                • Profilbild
                  Martin Gerke  

                  Ich bin sicher kein Bohlen-Freund und habe ästhetisch arge Probleme mit seinem Output, aber dennoch zahlt auch ein Herr Bohlen in den Sozialfonds der Gema ein. Damit werden z.B. auch avantgardistische Projekte gefördert, bzw. die Rente von anderen ordentlichen Mitgliedern, unabhängig vom Musikstil. Die Gema ist ein Verein, indem das solidarische Prinzip durchaus greift.

                  • Profilbild
                    AMAZONA Archiv

                    Das nennt sich dann „trickle down Ökonomie“.
                    Funktioniert 1A…

                    • Profilbild
                      AMAZONA Archiv

                      Vielleicht kann Herr Weigand mal Zahlen zu Herrn Bohlen nennen und wieviele Projekte und Renten er finanziert. Sorry, ich muss mal lachen. So hab mich gefangen. „Trickle Down“ ist reine Theorie. Natürlich kann kein reicher Mensch leben ohne Geld auszugeben aber das langfristig irgendwie alle davon profitieren….. Da lese ich lieber Grimms Märchen oder „Wie ich mit Stiftungen Steuern spare“ . ;)

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                      AMAZONA Archiv

                      Mein Kommentar zu „trickle down“ war selbstverständlich ironisch gemeint!

                      So ein schwachsinniges Konzept kann man nur unter zwei Bedingungen vertreten:
                      1. Man ist verblödet
                      2. Man profitiert selbst davon

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                      AMAZONA Archiv

                      Ach so! ;)

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      krautkopf  

      Hey Coin!
      Meld Dich kostenlos bei Bandcamp an, veröffentliche Deine Alben da und mach dafür Werbung (postings) in den passenden Facebook Gruppen. Da passiert in der Regel was und Du kannst ein paar Euros damit machen!
      Viel Erfolg und liebe Grüße!

      • Profilbild
        Coin  AHU

        Danke krautkopf, hab Dir mal ne PN geschrieben.
        Ob Du noch passende Gruppen auf Facebook kennst.
        Wen die Musik interessiert: Bandcamp – Custola – Volume 2

        • Profilbild
          gaffer  AHU

          Habe mal einige Titel angehört, verstehe deinen Ansatz und verstehe auch, music for the masses ist was anderes. ich habe selbst damit gerungen, ob Kunst radikal mein Eigenes ist. Wenn ich den Konsumenten mit einbeziehe, geht das in den seltensten Fällen. Ziehe ich ihn mit ein, ist es dann noch mein Eigenes?

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            AMAZONA Archiv

            Ja, das ist es. Ist ja auch spannend, zu erfahren, wie es rezipiert wird. Als Musiker ist man aus dem gleichen Stoff wie der potentielle Hörer. Die wahre Kunst ist ja, den Zugang zu den Menschen zu finden, mit dem, was man da macht. Viel anspruchsvoller, als sich auf seinem eigenen gedanklichen Planeten selbst zu befriedigen.

          • Profilbild
            Coin  AHU

            Hallo gaffer :)
            Ganz ehrlich ? Ich habe in Musik ne 5 und eigendlich gar keinen Plan davon.
            Die Liebe hat das aus mir gemacht.
            Muss ich mich halt damit zufrieden geben,
            was ich zustande bringe.
            Das ist immer intuitiv und das Ergebnis unvorhersehbar.
            Trotzdem Danke Dir :)

            • Profilbild
              gaffer  AHU

              Oh, Coin, ich fürchte, du hast mich falsch verstanden. Ich habe nichts über die Qualität deiner Musik gesagt. Lediglich, ob sie „verkaufbar“ wäre. Ich hatte meist eine Eins in Musik, mache sie aber trotzdem nicht besser als du. Das hat ja nun mal gar nichts zu sagen.

  3. Profilbild
    iggy_pop  AHU

    Vor gut anderthalb, zwei Jahren gab es schon in der GEMA-Hauspostille ein Interview mit selbigem Herrn.
    .
    Eigentlich ganz charmant zu lesen, nur hege ich leider ein tiefes Mißtrauen gegenüber allen, die so weit oben sitzen, da läßt mich eine Wand von Synthesisern nicht drüber hinwegsehen.
    .
    Liegt aber auch sicherlich daran, daß ich nach mehr als zwanzig Jahren GEMA-Mitgliedschaft Sinn und Nutzen derselben für mich und meine Zwecke immer mehr in Frage stelle — Nutznießer sind andere, und diese anderen will die GEMA am liebsten in ihren Reihen haben, damit auch sie nutznießt. Ich bin im Laufe der Jahre immer mehr zu dem Eindruck gekommen, daß es sich bei der GEMA um ein geschlossenes System handelt, bei dem der eine dem anderen in den Steigbügel hilft und wo man sich gegenseitig für die eigene Großartigkeit auf die Schulter klopft. Ist so ein bißchen wie die örtliche IHK. Oder der ADAC.
    .
    Weitestgehend bin ich mit Coin auf einer Linie, allerdings glaube ich auch nicht, daß Coin jemand ist, für den eine GEMA-Mitgliedschaft sinnig wäre, wenn der Output so gering ist und die Umstände ganz andere Prioritäten erfordern.
    .
    Wieder keine Winkelementeschwenkerei meinerseits. Ich bin ein schlechter Mensch.
    .

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      AMAZONA Archiv

      Menschen die sich als schlechte Menschen bezeichnen sind oft gute Menschen mit Erfahrung! ;)

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        iggy_pop  AHU

        Nicht im Internet… :P
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        Ganz im Ernst: Die GEMA handelt in erster Linie im eigenen Interesse und sieht zu, daß sie selbst und diejenigen, die als ordentliche Mitglieder mitmachen, gut aufgestellt sind. Ist halt in erster Linie Lobbyarbeit und Seilschaften. Schaut man mal, wer in ihren Reihen Funktionär ist, dann wird so mancher Punker und Rocker sehr schnell sehr unglaubwürdig (nicht, daß sie es vorher schon gewesen wären…).
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        Im Interesse der Mitglieder, die z. B. nur „angeschlossen“ sind, zu handeln, liegt nicht im Fokus der GEMA — auf meine Frage vor gut zehn Jahren, was die GEMA denn gegen illegale russische Downloadsites und die Schäden, die jene anrichten, zu tun gedenke, gab es die lapidare Antwort, dagegen vorzugehen sei Aufgabe der Künstler und Musikverlage, das gehe die GEMA nichts an.
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          iggy_pop  AHU

          Im Gegenzug durchforstete die GEMA geradezu hysterisch das Internetz auf der Suche nach Musik, deren Verwendung bei der GEMA nicht gemeldet war — ob Künstler da für sich in eigener Sache Reklame machten, weil sie sonst keine andere Möglichkeit hatten, auf sich und ihre Arbeit aufmerksam zu machen, hat die GEMA dabei nicht interessiert — und sie auch nicht von der Verhängung von Strafgebühren in z. T. fünfstelliger Höhe abgehalten hat. Eine Weile ging sogar das Gerücht, die GEMA beschäftige arbeitslose Anwaltsabsolventen, um den Missetätern auf die Schliche zu kommen — für mich ein Akt der Feigheit, sich an diejenigen zu halten, die sich nicht wehren können, statt denen die Hölle heiß zu machen, die kleinen Labels und Künstlern massiven Schaden zufügen.
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          Nervig ist auch die Drangsalierung seitens der GEMA, wenn mal ein Tonträger veröffentlicht werden soll — da merkt man deutlich den Behördencharakter und kann im Grunde genauso gut einen Antrag auf Wohngeld oder auf Zuschüsse zum Hartz-IV beantragen. Dann muß ich erst in Vorkasse gehen, um irgendwann — zusätzlich zu meiner Clubgebühr, die mal eben von 25 auf 50 Euro pro Jahr angehoben wurde — einen Teil meiner Einlage zurückzuerhalten.

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            krautkopf  

            ja, war auch 20 Jahre angeschlossenes Mitglied. Hat über 3 Jahre gedauert um rauszukommen. Nun muß ich für meine eigenen Releases nichts mehr zahlen und spare tatsächlich Geld! ;)
            Früher konnte man als tourende Band gute Kohle machen, aber es wurde immer weniger, da die Regeln immerwieder verschlechtert wurden.

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    Spartakus  

    Vor ca. 20 Jahren in meiner Jugend, hatte ich mich auch als Komponist bei der GEMA angemeldet. Ich wollte meine Musik schützen lassen und hatte mittels Cubase Notenausdrucke gemacht und die an die GEMA geschickt. Diese wurden von der GEMA aber nicht akzeptiert. Anscheinend war Cubase noch nicht so weit.
    Auf alle Fälle wollte die GEMA, dass ich nach München komme und in einem Test beweise, dass ich komponieren kann. Ich war damals berufstätig und konnte nicht einfach für 2 Tage nach München fahren. Ich habe meine Mitgliedschaft dann wieder gekündigt.
    Mußten Paul Mc Cartney und John Lennon diese Prüfung auch ablegen ?

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      justme  

      Genau dieser Punkt fehlte mir in dem Interview. Deutlicher zu machen seitens der GEMA, was tatsächlich zum Hinterlegen eines Werkes notwendig ist. Reicht Länge und Songname ? Ist eine Notation notwendig ? Klavierpartitur oder Orchestrierung/Instrumentierung etc. …

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        iggy_pop  AHU

        Das hängt von der Frage ab, welchen Status Du als Mitglied haben willst — Klimperfuzzis und Gelegenheitsmucker sollen gefälligst nicht die Zeit und Aufmerksamkeit der ordentlichen Mitglieder, die nicht nur komponieren, sondern auch Noten schmieren können, über Gebühr in Beschlag nehmen.
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        Ich bin auch nur angeschlossenes Mitglied, weil ich keine Lust hatte, irgendeine Partitur einzureichen — ich bin kein Technojünger, aber die GEMA hat ganz offensichtlich die Zeichen der Zeit verkannt. Man muß heute nicht mehr an einer Hochschule die höheren Weihen der Tonsetzerkunst erlangt haben, um seriös Musik machen zu dürfen, und man braucht heute auch kein Orchester mehr, welches von einem Lehnherren zwecks Zerstreuung gehalten wird. Da ist die GEMA noch in den Zeiten der Comedian Harmonists verankert, was die Mentalität angeht — da hilft auch kein modernes Getue.
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        Willkommen in der Gegenwart. Und „coole Socke“? Naja, „mit vollen Hosen ist gut stinken“, wie ein Freund von mir immer so treffend sagt.

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          martin stimming  

          ganz kurz, sorry aber das stimmt nicht. wenn ich mich recht erinnere wird man mittlerweile nach einer gewissen zeit (10jahre?) und umsatz automatisch ordentliches mitglied. wir reden von mind. einmal 15k umsatz pro jahr oder so. mich haben sie irgendwann angeschrieben und ich wurde es nach ausfüllen eines wisches automatisch. ich musste nichts beweisen, hab denen nur mal nen Stapel cds und lps geschickt.

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            iggy_pop  AHU

            Wer macht schon heutzutage 15.000 Euro Umsatz mit GEMA-Kohle oder mit Musik ganz allgemein? Und schon haben wir das bewiesen, was ich oben behauptet habe — man will unter sich bleiben und keine musikalischen Sozialfälle in den eigenen Reihen wissen.
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            Ich freue mich jedes Mal, wenn ich Abrechnungen über Ausschüttungen zu Streamingdiensten erhalte — neulich waren es sage und schreibe 18 Cent. Grandios.
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            Ich habe nicht alles auf einmal ausgegeben.

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          Martin Gerke  

          Genau, und jeder Hobbyfussballer sollte auch mal eine Chance haben, in der Bundesliga mal so richtig durchzustarten.

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            TobyB  RED

            Siehe Traumberuf Fussballprofi. Vier Punkte machen den Unterschied, Zitat: „Wille, das Fehlen von Überheblichkeit, die Fähigkeit, mit Rückschlägen umzugehen – aber vor allem die unbedingte Freude am Fußball sind elementar: Ehrgeiz allein genügt nicht.“
            Und man muss sich immer vor Augen halten, es gibt in Deutschland vielleicht 1500 Lizenzspieler die vom Traum leben können. Streiche Fussball und ersetze das durch Musiker oder Berufstätig.

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      AMAZONA Archiv

      Ich bin mir sicher, dass es Vieles gibt, das an der GEMA kritikwürdig ist. Die mangelnde Transparenz des Abrechnungsverfahrens wird ja im Interview erwähnt. Die hohen Kosten des Verwaltungsapparates sind ein anderer Punkt. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass da teilweise unverhältnismässig hohe Hürden für Berufseinsteiger aufgebaut werden, so wie Du es aus eigener Erfahrung schilderst. Das sollte man aber von der grundsätzlichen Frage nach der Notwendigkeit der GEMA trennen. Mir hat die GEMA sehr geholfen, als ich vor 20 Jahren für das Fernsehen komponiert habe und damit mein erstes Geld verdienen konnte. Ich hätte ohne GEMA vermutlich erstmal für lau arbeiten müssen, da meine Verhandlungsposition gegenüber den Produktionsfirmen des Senders als einzelner Berufseinsteiger denkbar schlecht war.

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      stevie h

      Ich bin seit weit über 20 Jahren GEMA-Mitglied und inzwischen seit vielen Jahren auch ordentliches Mitglied und musste nie etwas „vorkomponieren“ oder sonstwie bei denen vorstellig werden. Die Belege meiner Veröffentlichungen und (später für die ordentliche Mitgliedschaft) ein paar Notenauszüge meiner Kompositionen waren ausreichend.

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    mazevoice

    Ich selbst habe mich vor über 25 Jahren bei der GEMA als Komponist angemeldet. Profitiert habe ich bis heute davon nicht. Einnahmen erfolgten meist nur, wenn eine Plattenproduktion anstand, die ich in den meisten Fällen selbst finanziert hatte. Somit bekam ich einen kleinen Anteil meiner jeweiligen eingezahlten Beiträge wieder zurück. Ja, es gab auch einige kleine Ausschüttungen durch Aufführungen im Fernsehen, oder dem Radio, bzw. durch Fremdproduktionen, an denen ich beteiligt war. Aber das war alles nicht der Rede Wert. Selbst durch Konzerte hat man durch die schlechten Ausschüttungsbedingungen wenig Chance, etwas zu bekommen. Dass die GEMA an der heutigen Situation, der schlechten Verkaufszahlen von Tonträgern, oder dem Verbreiten der Musik durch Streamingdienste etwas ändern kann, bezweifel ich. Dazu waren sie in all den Jahren zu träge, sich den Gegebenheiten anzupassen. Vielmehr muss in den Köpfen der Verbraucher wieder etwas passieren, wofür man Werbung machen sollte: den Wert der Musik wieder schätzen zu lernen. Ich hatte mich gerade auf meinem Podcast dazu geäußert: https://vjc3by.podcaster.de/aufdersuche/wer-wahren-wert-nicht-kennt/ und denke, genau hier liegt das Problem.

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    TobyB  RED

    Cooles Interview,

    die Thesen zur KI teile ich nur bedingt, was derzeit belegt ist, das sich die Kompositionen den Hörgewohnheiten angleichen. Sprich, das Intro stirbt aus, mittlerweile sind 4 Akkorde komplex. Und Trends werden komplett ausgelutscht. Das hat aber erstmal was mit Statistik und Marktforschung zu tun. Und hier sind die Entscheider bei den Labeln gefragt. An deren musikalischer Geschmacksbildung zweifle ich. Sowohl als Produzierender und als Konsument. Die KI wie sie derzeit verstanden wirkt auf mich eher wie der Prototyp eines „Schachtürken“ von Kempelen. Viel Statistisk, viel Heuristik aber sonst nichts. KI wird keinen Komponisten ersetzen können und die Analyse von Bildern, Videos gepaart mit einem kompositorischen Vorschlag, ist so ein herrliches Buzzword wie Industrie 4.0 oder IoT. Siehe Daisy Bell auf einer IBM 704, 1961. Ich hab überspitzt gesagt weder Cortana, noch Siri singen hören.

    Was ich eher beunruhigend finde ist, das man dem Konsumenten, auf der einen Seite ein Smartphone gibt und das Mobilfunkprovider Streaming als Killerapplikation verstehen. Und das eben diese Leute irgendwann nicht mehr verstehen, das eine Flatrate nicht funktionieren kann, jeden Fall nicht ohne das sie zu Lasten der Produzenten und Künstler geht. Um es noch bekloppter zu machen, ich als Produzent muss Geld hinlegen, damit ich beim Streaming eingelistet werde.

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    AMAZONA Archiv

    Ich bin keine Gema Gegner, absolut nicht. Wenn Label korrekt arbeiten bekommt man da auch Geld raus … war vor 25 Jahren für Spartenmusiker durchaus relevant. Aber es hat sich eben in diesen 25 Jahren viel geändert im Musikgeschäft. UND solange die Technoparty am Eck sofort Gema abdrücken muss, dies aber in sogenannte Bohlentöpfe fließt, hat die Gema ein absolutes Glaubwürdigkeitsproblem. Da täuscht dann auch keine Socke im Topf drüber hinweg!

    @ Coin
    Kenne solch Gedankengänge. Musik sollte man aber in allererster Linie für sich Selbst machen. Oft hilft es auch wenn man sich nicht als verkannten Virtuosen versteht, sondern Musik als Hobby betrachtet. UND wer erlangt schon mit seiner Modeleisenbahn Weltruhm?
    Wenn man Harzt hat man natürlich weniger, wenn man arbeitet mehr. Wo man dies investiert obliegt einem selbst, ist eigenverantwortlich. Eigenverantwortung wird heutzutage allerdings gerne an Dritte weiter delegiert.

    @ iggy
    Da schließe ich mich weitgehend an.
    Aber Seilschaften sind ganz böse Verschwörungtheorien, an die nur böse AFD Wähler glauben. Ist doch weltbekannt!

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      Coin  AHU

      Tom, für mich ist das in erster Linie wie Tagebuch schreiben.
      Aber es war auch irgendwie mein (Vollzeit) Job.
      Ich bereue nichts, würd es wieder tun und ja ich hinterlasse was schönes.
      Das gibt schon ein bissl Zufriedenheit.
      Aber wenn es um Arbeit geht ist Vergütung zumindest ein Thema.
      Ich könnte auch sagen, HEY Kauft mein Album – Bla Bla
      Wenn das nicht von allein funktioniert, dann Shit happens.
      Bin doch zu faul für Promotiongetue.
      Scheiss auf das Geld und Illusionen.

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        AMAZONA Archiv

        Das Tagebuch ist ein schöner Vergleich!
        Ein Tagebuch ist aber immer auch sehr individuell, und man sollte bei einer Veröffentlichung nicht zwangsweise denken man fabriziert damit großes Leserinteresse. So ein Tagebuch ist etwas tief seelisches, was einem weiter nach vorne tragen kann. Dies sollte man nicht an Dritte knüpfen!
        Das Tagebuch ist dadurch aber auch keine Arbeit die der „Gemeinschaft“ zwingend vorteilhaft ist, oder sein muß, und verpflichtend durch diese vergütet wird. Dies entscheidet sich auf einer anderen Ebene. Einer Kollektiven, mit all Ihren dubiosen Parametern!
        Wenn ich z.B. in Vietnam ein Dorf besuche, und da schallt Modern Talking aus der Karaoke Maschine … dann muss jemand was absolut richtig gemacht haben. Kann man gut finden oder nicht, und dies folgend in sein Tagebuch eintragen.

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          kiro7  

          Völlig richtig. Da muss jemand alles richtig gemacht haben. Dieses ewige Bohlen/MT Bashing langweilt… „Ich finde dem Bohlen seinen Kram Müll, was ich höre / produziere ist viel besser, und deswegen hat er den Erfolg auch eigentlich gar nicht verdient, und jeder der was von ihm hört / kauft ist blöd…“ Echt Leute…
          Welche Eurer Produktionen funktionieren z.B. denn auch wiedererkennbar nur am Klavier?

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          AMAZONA Archiv

          Das Vietnam Argument zieht nicht, sorry. Der Faschismus oder die Grippe haben sich auch weltweit verbreitet. Das ist kein Qualitätsmerkmal.

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    paap narF ZK  

    „wir übernehmen keine Haftung, weil wir nichts mit dem Inhalt auf unserer Plattform zu tun haben. Es sind ja die Leute, die die Musik und Videos hochladen.“

    geil. kann ich dann please eine tauschbörse für diebesgut und hehlerware in meiner halle hosten ohne rechtliche probleme? hab ja nix mit dem shit zu schaffen der dort verhökert wird.

    ok, die halle steht hier auf dem gebiet des staates deutschland und eigentlich gilt dann deutsches recht hier (plus eu-recht), aber die können ja so tun als sähen und hörten sie nix. eventuell raffen die es auch gar nicht und brauchen ne weile zur infoverarbeitung. zur not schick ich jemanden nach berlin und nach brüssel. der klärt dann auf was sich in meiner halle so tut an folkloristischen kulturevents. das passt dann schon so alles.

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