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Ratgeber: Mini Pedalboard für Gitarristen

Kleines Effektboard mit maximalem Nutzen

15. März 2022

Viele von uns lieben sie: Die Kleinen und Großen, die Grünen und Bunten, die eierlegenden Wollmilchsäue. Die Rede ist von den All-inclusive-Lösungen für uns Gitarristen, die uns Vielseitigkeit versprechen, möglichst natürlich klingen sollen und ohne großen Aufwand mit zur Probe und auf die Bühne geschleppt werden können. Es gibt sie in allen Preisklassen, vom Harley Benton DNAfx für 139,- Euro bis zu den Platzhirschen der Branche: Kemper mit dem „Stage“, Neural DSP mit dem Quad Cortex oder Line6 mit dem Helix, für die man locker das Zehnfache hinblättert. Sie alle können alles, aber eins kommt dabei immer zu kurz: unsere geliebten Fußtreter. Die Stompboxen, die Pedale, deren Zauber und Schlichtheit uns immer wieder auf den Boden des Übungsraumes zwingen und deren Verkabelung oftmals mehr Know-how erfordert, als ein Physikstudent im zehnten Semester auch nur erahnen kann. Natürlich können auch mit den oben genannten Gerätschaften vereinzelt Pedale mit ins Setup aufgenommen werden, aber gerade mit Verzerrer-Pedalen und einer größeren Anzahl persönlicher Lieblingspedale sind diese Lösungen oftmals unpraktisch. Dazu kommt, dass man als Gitarrist natürlich auch gern als Individuum mit eigenem Sound wahrgenommen wird. Hier stehen die multifunktionalen Boards wie Kemper Stage oder Quad Cortex zwar im Ruf, absolut professionell zu sein, die Individualität geht aber, wenn man sich so durch die Foren liest, offenbar verloren. Ob das wirklich so ist, soll an anderer Stelle diskutiert werden und ist auch schon oft diskutiert worden, ohne dass man zu einer Lösung kommen würde. Unser Tipp an dieser Stelle: ein kleines, universell einsetzbares Brett voller Effekte. Das Small Session-Board.

Ratgeber: Mini Pedalboard für Gitarristen

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Von der Idee zur Praxis: Ein kleines Session-Board

Das individuelle Pedalboard für den schnellen Einsatz

Meine Idee für diesen Workshop bzw. Praxisbericht entstand vor ein paar Wochen, als mir die Firma Mooer zwei Pedale lieferte, die sowohl einen vollwertigen, mehrkanaligen Preamp, als auch ein fantastisch klingendes Cab Sim Pedal aufs Board zimmern. Der Gedanke liegt also nahe, sich, mit diesen beiden Pedalen als Basis, ein Board aufzubauen, das sowohl vor dem Lieblingsamp, als auch in direkter Verbindung mit der PA oder dem Recording-Equipment einsetzen lässt und trotzdem die persönlichen Lieblingspedale ausreichend berücksichtigt. Grundsätzlich spielt bei dieser Überlegung die Größe des Boards keine Rolle, mein Fokus liegt nun aber auch ein bisschen darauf, von Platzbedarf und Gewicht her irgendwo im Bereich meines Kemper Stage zu bleiben, der sich als platzsparender Begleiter und vielseitiger Sparringspartner bewährt hat. Meine Wahl fällt also auf ein  etwa 50 x 30 cm großes Board als Basis, auf dem es nun die einzelnen Komponenten zu verköcheln gilt, damit das gesamte Menü hinterher sowohl mir als auch dem Hörer mundet. Let’s go!

Das small Session-Board: Die Zutaten

Session Board für E-Gitarre

Cat not included: Das kleine Session-Board und seine Zutaten

Geld wollte ich jetzt nicht noch extra ausgeben, deshalb kommt zum Einsatz, was sich in meinem Umfeld bislang bewährt hat. Hier im einzelnen die verwendeten Geräte und warum gerade diese.

Natürlich geht es hier um die Basis, die beiden oben bereits erwähnten Mooer Pedale. Der Preamp Model X hat einen hervorragenden Eindruck im Test hinterlassen und wird die Basis des Sounds bilden. Davor und dahinter schalte ich die übrigen Pedale. Irgendwo am hinteren Ende der Kette findet sich dann der Mooer Cab X2 Cabinet Simulator. Dieser kleine Freund ermöglicht es mir, auch ohne den Verbund mit einem Amp in den Genuss des Sounds eines mikrofonierten Verstärkers zu kommen. Äußerst praktisch, falls man mal in einer Top40-Band aushilft, die komplett auf InEar-Monitoring eingestellt ist. Einfach zwei Kabel ins Pult und der Tontechniker wird euer bester Freund. Alternativ kann hier, fürs bessere Amp-Feeling, auch eine oder zwei FRFR-Boxen angeschlossen werden. Natürlich hat dieses Gerät auch einen Bypass, so dass man auch einfach den Return eines eventuell vorhandenen, beliebigen Amps nutzen kann. Das ergibt Sinn, wenn man einfach mal irgendwo zu einer Session eingeladen wird oder man, wie ich, einen Job in einem Ferienclub angeboten bekommt und dort nur ein einfacher, zweikanaliger Amp vorgehalten wird, man aber auf „seinen“ Sound nicht verzichten will. Warum erzähle ich das alles? Ziel ist ja, mit meinem vorhandenen Equipment und den beiden Mooer Pedalen ein Setup zu bauen, das mir in jeder Situation zu Diensten ist.

Session Board Preamp

Der Grundsound kommt aus dem Preamp

Session Board Cab Sim

Die Frequenzkorrektur erfolgt in der Cab Sim

Die beiden Basis-Pedale bekommen Unterstützung von einem Ernie Ball VPJR Tuner Volume Pedal. Für mich eins der besten Volume-Pedale, weil es neben dem wirklich grandiosen Tuner auch optisch jederzeit eine gute Kontrolle über den eingestellten Pegel ermöglicht. Zudem besitzt es einen Einschleifweg, der einem im Verbund wirklich nützlich sein kann. So kann hier zum Beispiel ein Zerrpedal in den Einschleifweg, so dass die Lautstärke ohne Beeinflussung des Verzerrungsgrades reguliert werden kann.

Session Board Volume Pedal

Volume-Pedal und Tuner in einem: Das Ernie Ball VPJR Pedal

Der Boss CS-3 Compression Sustainer. Was soll man darüber noch schreiben? David Gilmour wird schon wissen, warum ausgerechnet dieser Compressor immer wieder auf seinen elefantösen Boards landet. Klar, „Compressor muss nicht unbedingt sein“, das werden sich viele Leser jetzt denken. Aber für mich ist es eins der wichtigsten Pedale für „meinen“ Cleansound. Und auch ein angezerrtes Pedal mit einem Compressor anzupusten, wirkt bisweilen sehr Gilmouresque.

Obwohl der Mooer Preamp auch zerren kann, möchte ich auf meinen Carl Martin PlexiRanger nicht mehr verzichten. Das Teil kann cleanen Boost und kotzenden Plexi und klingt einfach wunderbar organisch. Zitat aus meinem Testurteil. „Zu keiner Zeit übernimmt das Pedal die Kontrolle, der Sound lässt sich immer wunderbar mit den Fingern formen. Der Klang und die Möglichkeiten des Pedals machen es für mich zu einem der besten Zerrpedale.“

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Nanoboard für E-Gitarre

Die Basis für Boost und Plexi: Der Carl Martin PlexiRanger

Darf’s ein bisschen Modulation sein? Klar, das muss sogar. Hier stand für mich jetzt schnell fest, dass ich dem Eventide MicroPitch den Vorzug vor einem schlichten Chorus-Pedal gebe. Ganz einfach, weil ich den Sound des Eventide H3000 so sehr mag und dieses Pedal auf genau dieser Technologie basiert. Natürlich kann hier jedes andere Pedal einen mindestens genauso guten Job machen, aber es geht ja um meinen Sound und die Vielfalt der Pedalwelt ist ja genau das, was uns so viel Spaß bereitet. Ab diesem Punkt in der Signalkette könnte der Sound, dank der Stereotauglichkeit des Cab Sim X2, auch komplett in Stereo weitergeführt werden. Leider macht mir da mein Reverb einen Strich durch die Rechnung…

Reverb ist immer ein sehr zweischneidiges Schwert. Einerseits erfüllt es den Sound mit Räumlichkeit und plastischer Tiefe, andererseits haben viele Locations, zu denen ich dieses Board später mitschleppen kann, bereits einen so starken, Eigenhall, dass ein Reverb-Pedal schon zu viel sein könnte. Ob das also nachher wirklich auf dem fertigen small Session-Board landet, steht noch nicht fest. Wenn, dann wird es ein einfaches Pedal ohne viel Schnickschnack. Das TC Hall of Fame 2 Mini nimmt kaum Platz weg und klingt großartig, die Toneprint-Funktion macht das Pedal sogar Ambient-tauglich, mal schauen, wohin uns das führt.

Ohne Reverb kann ich gut aber ungern, ohne Delay geht bei mir aber gar nichts. Hier ist für mich, neben dem „Klassiker“ Boss DD-3, das TC Flashback die Referenz. Zusätzlich zu den fantastisch klingenden Delays (das TC 2290 sollte wirklich jedem etwas sagen!) beinhaltet das Gerät noch eine rudimentäre Loop-Funktion, die ich bei Gigs im Duo mit einer Sängerin gern nutze.

Die Netzversorgung der Pedale besorgt ein günstiges, zentrales Netzteil von Donner, gibt’s bei Amazon für gut 30,- Euro und funktioniert zuverlässig. Sicherlich kann man auch rund um die Netzversorgung eines Pedalboards eine Religion stricken, das ist aber hier und heute nicht Thema. Eher Thema ist die Reihenfolge der Pedale. Hier gibt es tatsächlich keine Regel, was gut klingt, ist richtig. Ich bin da eher klassisch angehaucht. Die Reihenfolge der Pedale sieht also folgendermaßen aus:

  1. Volume-Pedal
  2. Compressor
  3. PlexiRanger
  4. Preamp
  5. MicroPitch
  6. Reverb
  7. Delay
  8. Cab Sim

Hier ist natürlich jetzt schon ein riesiger Berg optionaler Möglichkeiten des Routings gegeben. Das alles auszuprobieren und zu beschreiben, sprengt jetzt definitiv den Rahmen und wäre Thema für einen neuen Workshop. Eine für mich denkbare Routing-Alternative wäre folgende:

  1. Compressor
  2. Volume-Pedal (im Einschleifweg hier der PlexiRanger oder ein ähnliches Pedal)
  3. Preamp
  4. MicroPitch
  5. Cab Sim
  6. Delay

Vorteil bei diesem Routing wäre, dass die wirklich sensationelle Stereo-Funktionalität des MicroPitch zum Tragen käme und dass das Delay hinter der Speaker-Simulation hängt und etwas mehr „HiFi-Flair“ verbreitet. Um dieses Signal zu verhallen, müsste dann aber das Reverb-Pedal vor dem MicroPitch arbeiten, was mir persönlich nicht gefällt. Aber, siehe oben, Reverb muss nicht unbedingt sein, wenn man nicht klingen muss Mork vom Ork.

Wie klingt das kleine Session-Board in der Praxis?

Um euch die Möglichkeiten dieses kleinen Session-Boards aufzuzeigen, habe ich die Soundfiles in einem Setup aufgenommen, das der klassischen Livesituation sehr nahekommen dürfte. Das komplette Board ist in Mono verkabelt und zwar, wie oben in der ersten Auflistung beschrieben. Alle Geräte hängen in einer Kette, der Output des Cab X2 ist direkt mit der Soundkarte des Rechners verbunden. Nachträgliche Bearbeitung gab es keine, alle Sounds klingen also so, wie der FOH-Techniker oder der Produzent sie auch hören. Zum Einsatz kommt meine Ibanez AZ226, meine Allround-Waffe für jede Gelegenheit.

Das kleine Session-Board – ein Ausblick

Dieses Thema macht Spaß. Und bringt natürlich weitere Ideen mit sich. In meiner Schublade schlummert noch ein Lehle Switcher, der bis zu drei unterschiedliche Instrumente auf zwei unabhängige Geräte routen kann. Schließlich gibt’s ja auch noch Akustikgitarren und dazu passende Effektgeräte. Möglicherweise wächst mein kleines Session-Board ja noch ein wenig um diese Möglichkeit?

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Fazit

Mit Hilfe der beiden Helferlein Mooer Preamp Model X und dem Mooer Cab Sim X2 kann man ein kleines, schlagkräftiges Session-Board aufbauen, das einem in allen Livesituationen zur Seite stehen kann. Ich wüsste jetzt tatsächlich nichts, was ich vermisst habe, außer einem Noise-Gate. Bei höheren Gainsettings wird’s natürlich immer etwas rauschig.

Plus

  • Sound
  • Variabilität
  • Praxistauglichkeit

Minus

  • Suchtgefahr
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Intressanter Artikel.
    Reverb VOR Delay …. ist das wirklich so gemeint oder habe ich was verpasst😉?

    • Profilbild
      Jan Steiger RED

      Ist bei meinem Setup tatsächlich egal. Wenn ich es nicht parallel betreiben kann, betreibe ich es eigentlich fast nie zusammen. Und da ich das Delay gerne hinten in der Kette habe, vor allem wegen der Loopfunktion, sei dieser merkwürdige Signalweg bitte entschuldbar 😅

  2. Profilbild
    Trichter

    Auch wenn du schreibst, dass Vor- und Nachteile von MultiFX Boards an anderer Stelle diskutiert werden sollen, würde mich trotzdem interessieren wie nah man diesem Sound mit zB einem PodGo kommt.

    Den Vorteil von Pedalen sehe ich persönlich eher bei den großen, ausufernden Boards mit verrückten Effekten drauf (zB die gamechanger Pedale mit leuchtenden Edelgasröhren) wo Geld nur eine untergeordnete Rolle spielt.
    Ein small session board ist dagegen eben genau die Marktlücke der multifunktionalen Boards.

    • Profilbild
      Jan Steiger RED

      Guter Einwand! Ich sprech mal mit‘m Chef, vielleicht kriege ich noch ein vergleichbares Multieffektboard von Line6, Boss oder Zoom. Das Harley Benton DNAfx hätte ich noch hier. Dann könnte ich mal direkt vergleichen. Vielleicht sogar blind, ich spiele ein paar Soundfiles ein und ihr müsst raten, welche Lösung da gerade am Start ist 😃

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