Report: Buchla 200e, Modularsystem – History & Basics

6. Januar 2019

Wiedergeburt eines Klassikers

Das Buchla 200e Modularsystem rangiert in den AMAZONA.de-Charts auf Platz 2. Gemeinsam mit dem Vorgängersystem 200 aus den 70ern und gleich hinter dem großen Moog-Modularsystem. Bislang war der Chart-Eintrag leider nicht mit einem Beitrag hinterlegt. Und so ist es wohl vielen Lesern bisher ähnlich wie mir gegangen, wenn sie den Namen Buchla hörten. Eine vage Vorstellung von einem exklusiven, äußerst kostspieligen Modularsystem, entsprungen dem genialen Kopf eines Pioniers der Synthesizer-Technik. Wobei Don Buchla selbst den Namen „Synthesizer“ sogar ablehnte, weil er ihn an eine synthetische Imitation eines bereits bestehenden Klangs erinnerte. Lieber gab er seinen Modulen so verheißungsvolle, aber auch etwas verschrobene Namen wie „Source of Uncertainty“.

Eines der exquisitesten Modularsysteme überhaupt - das Buchla 200e

Eines der exquisitesten Modularsysteme überhaupt – das Buchla 200e

Wider die Diktatur der Tastatur

Vor allem hasste Buchla Tastaturen, die er für „diktatorisch“ hielt: „When you’ve got a black and white keyboard, it’s hard to play anything but keyboards music.“ (Don Buchla, zitiert in The New York Times, 17.09.2017) Vielleicht hat man auch schon mal etwas von Ostküsten- vs. Westküstenschule gehört. Oder – um in Herstellernamen zu sprechen – Moog vs. Buchla. Und während der eine sehr schnell dazu überging, Instrumente für den Bühnenmusiker zu bauen, schienen die Buchla-Instrumente lange ihren Stammplatz in Forschungs- und Universitätseinrichtungen zu haben. Es fallen einem noch Künstlernamen wie Morton Subotnick ein, der für Buchla die gleiche Bedeutung hat wie Wendy Carlos für Bob Moog. Hier die abstrakten Klänge von „Silver apples of the moon“, dort die elektronische Adaption von Barockmusik in „Switched-on Bach“.  Künstlerinnen wie Suzanne Ciani haben in jüngster Zeit mit ihrem Buchla 200e die Bühne erobert und eindrucksvoll gezeigt, dass speziell dieses Instrument für Live-Auftritte wie geschaffen ist.

Ein Buchla 200e-Touchboard

Buchla zog multifunktionale Touchboards herkömmlichen Keyboards vor

The Electric Music Box

Donald „Don“ Buchla starb am  14. September 2016. Zusammen mit Bob Moog, Alan R. Pearlman (ARP) und Peter Zinovieff (EMS) gehört er zu den großen Wegbereitern der frühen Synthesizer-Technologie. Das Modell 200e war der Versuch, das wohl bekannteste Buchla-Modularsystem – das 200, welches auch unter dem Namen „The Electric Music Box“ firmierte, wiederzubeleben. Von einem „Nachfolgemodell“ zu sprechen, ist nicht falsch, scheint auf den ersten Blick aber schon etwas absonderlich: Denn das System 200 wurde von 1970 bis 1978 gebaut. Ein populärer Ableger war zum Beispiel der Music Easel von 1972. Arturia hat den Music Easel als Plugin nachgeschöpft. Dazu empfehle ich den tollen Artikel von Markus Harsani auf AMAZONA.de. Bereits der analoge Buchla 200 konnte mit der digitalen Welt der Computer kommunizieren.

Buchla Music Easel

Der Buchla Music Easel als Plugin von Arturia

Alte Module im digitalen Gewand

Mit dem 2005 eingeführten System 200e versuchte Buchla die Möglichkeiten, die sich durch MIDI und die Digitaltechnik ergeben, konsequent in die alten 200er Module zu integrieren. Inklusive Speicherbarkeit und Preset-Verwaltung. Don Buchla sagt zur Wiedergeburt seines Klassikers: „Die Funktionsdichte des 200e ist fast doppelt so groß wie die des 200.“ Buchla erzählte im Interview mit Mark Vail, dass er das alte 200er-System immer sehr gemocht hatte und die vertrauten Module unbedingt in die Neuzeit überführen wollte. Dabei gab es „zwei entscheidende Schwachpunkte, die der 200e beseitigt. Die Patches können gespeichert werden, außerdem wurde MIDI dort zu einem sehr wichtigen Aspekt, und nun lässt er sich mit vielen verschiedenen Controllern steuern.“  (Mark Vail: Buchla 200e – der Übersynth“, Keyboards-Archiv)

Ein „kleiner Stein“ gab den Anstoß

Vor einiger Zeit bot sich mir die Gelegenheit, ein nahezu vollständig ausgebautes System Buchla 200e kennenzulernen. Der Anlass war eher trivial – eine Kleinanzeige, in der ein alter Small Stone Phaser von EH angeboten wurde. Diesen Phaser hatte ich seinerzeit zusammen mit meinem Crumar Organizer T1 verkauft und wollte ihn nun wieder meiner Bodentreter-Sammlung hinzufügen. Beim Studieren der anderen Kleinanzeigen des Verkäufers fielen mir fast die Augen aus dem Kopf: Oberheim OB-X, ARP Quadra, ARP Chroma, E-Mu Emulator II – alles, was gut und teuer ist. Und eben auch ein Buchla 200e. Da könnte mehr draus werden, als nur der schnelle Kauf einer Vintage-Tretmine, dachte ich mir.  Also nahm ich Kontakt mit dem Verkäufer auf und fragte höflich, ob er mir vielleicht ein paar Stunden Zeit reservieren könnte. Um ein bisschen über seinen Buchla 200e zu plaudern, ein paar Fotos zu schießen und das gute Stück auch einmal zum Klingen zu bringen. In solchen Fällen schicke ich dann gerne noch einen Link zu einem AMAZONA.de-Artikel mit. Das kommt als Referenz immer ganz gut an ;-)

Lorenzo und sein Buchla 200e

Lorenzo und sein Modularsynthesizer Buchla 200e

Ein Venezianer in Berlin

Ich bekam eine sehr nette Antwort, die Zustimmung signalisierte. Es stellte sich heraus, dass der Verkäufer Italiener ist und gerade erst von Venedig nach Berlin umgezogen war. Lorenzo schrieb mir, dass er sehr gerne an der Story mitwirken würde. Und so fuhr ich an einem Herbsttag vom beschaulichen Friedenau zum Rosenthaler Platz. Eine der angesagtesten Gegenden in Berlin, wo es laut, quirlig und bunt zugeht.  In einer geräumigen Altbauwohnung mit altem Parkettboden traf ich dann Lorenzo. Und war etwas überrascht. Ich hatte vermutlich auf Grund dieser Riesensammlung einiger der begehrtesten (und entsprechend teuren) Vintage-Synthesizer einen Herren im mittleren Alter erwartet – so einen Umberto Ecco-Typ mit Bart. Tatsächlich ist Lorenzo 29 Jahre jung, total locker und sehr sympathisch. Und er kennt sich aus. Lorenzo besitzt ein ziemlich umfassendes Wissen über elektronische Klangerzeuger und Studiotechnik, als ob er es schon mit der Muttermilch aufgesogen hätte.

Lorenzo in seinem Synthesizer-Reich

Lorenzo in seinem Synthesizer-Reich

Vintage-Träume in Berlin-Mitte

In jedem Schrank und aus jeder Schublade quellen die Vintage-Legenden: TR-808, TR-909, TB-303. Alles da. Und doch nur ein „Auszug“ dessen, was er in seinem Studio in Venedig noch so rumstehen hatte. CS80, Jupiter-8 – um einmal ein paar Hausnummern zu nennen. Aber auch der Teil der Sammlung, den ich in Berlin-Mitte zu sehen bekomme, ist noch eindrucksvoll genug. Es waren ein paar sehr kurzweilige Stunden. Lorenzo erwähnte im Gespräch einmal beiläufig, dass er einen Musik-Club in Venedig geleitet hätte. Natürlich lag mir die Frage auf der Zunge, wie er sich in relativ kurzer Zeit eine solche Wahnsinns-Kollektion zusammenstellen konnte. Ein Buchla 200e ist auch auf dem Gebrauchtmarkt nicht als Schnäppchen zu bekommen. Aber ich habe mir die Frage verkniffen. Sie ist indiskret und tut letztlich auch nichts zur Sache.

Hier zunächst einmal die Auflistung der Buchla 200e-Module in Lorenzos System, auf der zweiten Seite folgt das Interview mit ihm und einige Videos, die zeigen, wie hervorragend sich der Buchla 200e für Live-Improvisationen eignet. Kommenden Samstag steigen wir dann etwas tiefer ein und versuchen uns an einer Beschreibung der einzelnen Module. In diesem zweiten Teil will ich ein wenig über Don Buchla selbst erzählen und einige der bekannteren Künstler vorstellen, die mit Buchla-Instrumenten gearbeitet haben.

Lorenzos Buchla 200e-System

  • 255 Control Voltage Processor
  • 260e Duophonic Pitch Class Generator
  • Eardrill Pendulum/Ratchet Model 077
  • 261e Complex Waveform Generator 1/2
  • 261e Complex Waveform Generator 2/2
  • 281e Quad Function Generator
  • 292e Quad Dynamics Manager 1/2
  • 292e Quad Dynamics Manager 2/2
  • 210e Control and Signal Router
  • 227e System Interface
  • 225e Midi Decoder/Preset Manager
  • 250e Arbitrary Function Generator
  • 222e Multi Dimensional Kinesthetic Input Port
  • 222e Tactile Sensor
  • 201e 18 Case (plus Power Transformer)
  • 201-e3 Passive Frame
Lorenzos Buchla 200e Modularsynthesizer

Lorenzos Buchla 200e Modularsynthesizer

Klangbeispiele
Forum
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    herw  

    vielen Dank für das interessante und kurzweilige Interview
    Ich freue mich schon auf den Nachfolgeartikel.
    ciao herw

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      costello  RED

      Danke für Dein nettes Feedback. Nächsten Samstag ab 6:00 gibt’s mehr zu Buchla :-)

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    elektrock  AHU

    Tolles Interview. Von Buchla bekommt man ohnehin nicht viel zu sehen bzw. zum lesen
    und Lorenzos Sammlung ist auch echt fein!
    So ein Musikzimmer ist ja pure Erholung.

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      costello  RED

      Danke elektrock. Ich dachte in Lorenzos Musikzimmer auch, ich befinde mich im Synthesizer-Schlaraffenland. Zu Buchla gibt es tatsächlich nicht so viel. Zwei, drei gute Artikel in Keyboards, die etwas zwiespältige Rezension in SoS, die Red Bull Music Academy hat ein paar schöne Interviews veröffentlicht und dann sind 2016 ein paar Nachrufe erschienen.

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        weinglas  

        Nur noch eine kleine Anmerkung: In dem abgebildeten System ist auch noch ein 259e verbaut (oben ganz links).

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          costello  RED

          Guter Blick! Das ist absolut korrekt. Lorenzos System besitzt einen 261e Complex Waveform Generator und einen 259e. Insofern stimmt die Aufstellung oben (die von Lorenzo selbst stammt) nicht ganz. In dem zweiten Artikel stelle ich beide Module vor. Da war ich nicht nach der Liste gegangen, sondern hatte mich optisch orientiert, was da alles im Case verbaut ist ;-)

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    gaffer  AHU

    „Wobei Don Buchla selbst den Namen „Synthesizer“ sogar ablehnte, weil er ihn an eine synthetische Imitation eines bereits bestehenden Klangs erinnerte.“

    Sehr vernünftiger Ansatz.

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      costello  RED

      Finde ich auch. Wobei die jubilierenden Barock-Trompeten auf Switched-on Bach mehrere Grammys einheimsten. Bei Morton Subotnicks Silver Apples of the Moon waren die Reaktionen verhaltener.

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    dilux  AHU

    irre, was manche leute so im wohnzimmer rumstehen haben ;-) ich teile übrigens lorenzos ansicht zum jupiter 6, auch für mich einer der wichtigsten polyphonen; ich hätte allerdings den prophet weggeben und dafür den ob-x behalten…aber auch sonst beweist lorenzo ein feines händchen: für den ams rmx 16 wäre ich eventuell auch zu einer straftat bereit :o
    mich hat allerdings die grösse des buchla überrascht, wahrscheinlich ein eigener formfaktor aber tendenziell eher eurorack als 5u, oder?

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      costello  RED

      Hi Dilux, Du hast natürlich gleich Lorenzos Outboard-Rack inspiziert :-) Bei dem Jupiter 6 -Zitat habe ich mir beim Abtippen auch gedacht: Da wird er jetzt einigen aus der Seele sprechen, die das Getue um den J8 echt leid sind. Zur Größe: bei Schneidersladen steht zum Beispiel beim 281e Quad Function Generator: 4HE Modul mit Buchla-Formfaktor, ein Panel breit (17,8 x 10,8 cm).

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    AMAZONA Archiv

    Wieder mal schönes Feature und Interview vom Costello. Schön auch, dass er hier seine „Unwissenheit“ zum Thema nicht zu kaschieren versucht.
    Hat was vom Bordcomputer im Raumschiff von Galactus, das System. Rein optisch schon erkennbar, dass die Dinger anders ticken.
    Hab mich natürlich auch versucht, mit dem Nutzen des virtuellen Easels zum Thema klüger zu machen.
    Über den Namen Ciani stolpert man generell ziemlich schnell, wenn man in das Thema Buchla eintaucht. Sie macht da ja seit über 40 Jahren Pionierarbeit. In den USA weitaus bekannter als hierzulande – schade eigentlich.
    Über das Modularsystem kann ich natürlich nix sagen, aber der (virtuelle) Easel ist zumindest schonmal für den Einstieg erwähnenswert. Der lässt sich auch in stinknormale Produktionen einbetten. Man muss halt nur wirklich da ein bissken eintauchen.
    Was die Buchlas vielleicht ausmacht ist gar nicht mal so etwas Besonderes im Klang, sondern vielmehr, dass man – wie schon angedeutet – gewisse rhythmische Strukturen damit auf ungewohnte Weise fabrizieren kann oder dauerhafte unterschwellige „Teppiche“ etc.

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      costello  RED

      Hi Wellenstrom, danke für Dein nettes feedback. Und Du hast völlig recht, man muss sich da ehrlich machen. Vor dem Buchla habe ich ziemlichen Respekt. Die Dinger ticken wirklich komplett anders. Als Subotnicks 200er System mal kaputt ging, konnte es keiner reparieren, weil die Servicetechniker die Aufzeichnungen und Schaltpläne von Buchla schlicht nicht interpretieren und lesen konnten. Sicher hätte einer unserer Modular-Experten Lorenzo noch spezifischer befragt, während ich da jetzt eher naiv-staunend rangegangen bin. Nächste Woche bei der Einzelbeschreibung der Module kommt’s dann zum Schwur. Die Amazona-Leser können schon mal Tomaten und faule Eier zur Seite legen :-))

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        AMAZONA Archiv

        Hehehe, keine Sorge, wird eh nicht all zu viele Buchla Spezis geben, die mit Eiern und Tomaten werfen könnten. Hast mich übrigens mit dem Interview gerade dazu gebracht, den virtuellen Easel mal wieder in einem etwas experimenterellen Track zu verwursten (den ich erst mal wieder bei neueren Songs ad acta gelegt habe), bei dem ich eigentlich erstmal nur die Soundbox im Kopp hatte.

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      costello  RED

      Oops, wo ist denn der gute Wellenstrom hin verschwunden. Wenn bei seinem Post jetzt nur noch AMAZONA Archiv steht, heißt das ja wohl, das er sich abgemeldet hat. Sehr schade!

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    ArvinG  

    Es gibt auch ein knapp 1-stündiges YT Video mit Suzanne Ciani in dem sie ihr Buchla System vorstellt und gegen Ende auch mit einigen Zuschauern diskutiert.

    https://www.youtube.com/watch?v=CFD72PXOmxA

    So ganz ohne Umstände (Preis, Lieferzeit, Zoll usw.) kommt man ja leider da auch nicht heran, aber ein solches System ist ganz ohne Frage nicht ohne Reiz.

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      costello  RED

      Auf die Ausnahme-Künstlerin Suzanne Ciani aufmerksam gemacht zu werden, war für mich die große Entdeckung bei der Buchla-Recherche. In Deutschland hatte SchneidersLaden in Berlin das Buchla 200e-System angeboten. Die Module und Cases sind auch noch alle auf der Webseite. Allerdings alle mit dem Vermerk: Nicht mehr erhältlich!

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        psv-ddv  AHU

        Soweit ich gehört habe war Schneider mit der Verarbeitungsqualität der Module nicht einverstanden und bietet sie daher nicht mehr an. Ist aber Hörensagen.

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          costello  RED

          Nachdem was Lorenzo im Interview sagt, aber auch nach den Erfahrungen von Joachim Bohnes, der viel mit Buchla arbeitet, und nach dem, was teils so im Netz zu lesen ist, befürchte ich, dass an dem Gerücht was dran sein könnte.

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            psv-ddv  AHU

            Meine Befürchtung ist eher, dass mich das nicht vom Kauf abhalten würde, wenn ich die Kohle locker hätte ;))

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      iggy_pop  AHU

      Ja, und zuweilen nicht den Verkaufspreisen angemessen verarbeitet.
      .
      Die für mich musikalisch und klanglich interessantesten Buchla-Arbeiten sind die von Alessandro Cortini und Wolfgangschaltung.
      .

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        costello  RED

        Hallo Iggy, das Video zu „The hand that feeds“ von Nine Inch Nails habe ich im 2. Teil angehängt. Cortini war damals gerade frisch zur Band dazugestoßen und wollte für den Film einen „Hingucker“. Dann hat er es nach dem ersten Drehtag mit nach Haus genommen und sich unsterblich in den Buchla verliebt. Er hat später Don auch besucht und daraus soll eine richtige Freundschaft entstanden sein. Für Buchla war das in seinen letzten Lebensjahren eine schöne Erfahrung, dass eine ganz neue Musiker-Generation total auf seine Geräte abfuhr.

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      costello  RED

      Danke Bernd! Berlin scheint wirklich ein Hotspot für Synthesizer-Fans und teils sehr abgefahrene Sammlungen zu sein. Was ich in den letzten 2 bis 3 Jahren für Amazona-Recherchen und eigene Akquise zu sehen bekommen habe war wirklich nicht von schlechten Eltern. Na, und Du wohnst doch auch in Berlin :-))

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    psv-ddv  AHU

    Moin Costello, das war aber auch mal an der Zeit :)
    Endlich ein Buchla Feature auf Amazona, und dann noch von Dir, top. Sehr schöner Bericht, der Lust auf mehr macht. Toll, dass Du den netten Herrn Lorenzo angeschrieben hast und er mitspielt. Sehr geschmackvolle Sammlung! Ich freue mich schon auf die Vortsetzung Deines Berichtes. Buchla fasziniert mich schon seit Langem. Die Entwicklungsgeschichte der Systeme ist auch ziemlich abgefahren bis mysteriös. Leider hält mich der Preis von Kauf ab. Aber auch so macht es Spass sich mit den Teilen von Ferne zu beschäftigen.
    Noch eine Anspielempfehlung meinerseits, hier ist ein etwas kleineres Buchla System musikalisch eingesetzt und vor allem mal als Hauptinstrument zu hören:
    https://www.youtube.com/watch?v=Y-__JjohxCU

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      costello  RED

      Hi psv-ddv, ich fand auch, dass Buchla dringend mal einen Artikel auf Amazona.de verdient hätte. Und deshalb habe ich auch nicht gezögert, als sich jetzt die Möglichkeit geboten hat. Auch wenn ich selbst kein Modular-Experte bin. In der Tat, eine mit viel Geschmack zusammengestellte Sammlung. Schade, dass Lorenzo sie jetzt zu einem großen Teil auflöst, wobei ich seine Motive absolut verstehen kann. Mich selbst überkam kurz vor Weihnachten der große Rappel, weil alles zugestellt war und ich an nichts mehr rankam. Dann habe ich zwei Tage lang umgebaut, was zwischendurch das komplette Chaos war, und bin jetzt aber sehr zufrieden. Es lebe die neue Übersichtlichkeit ;-)

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        psv-ddv  AHU

        Gibt bestimmt auch Leute, die im Vollchaos kreativ sein können, aber mir geht es vermutlich wie Dir, ich brauche eine strukturierte, übersichtliche Techniklandschaft um mich rum, sonst bin ich nicht entspannt. Daher ja auch mein Kredo „weniger ist mehr“ ;)
        Dein Interviewpartner hat jetzt anscheinend, abgesehen vom Buchla, fast seine gesamte Berliner Synthisammlung zum Verkauf online gestellt. Allerdings zu eher gesalzenen Preisen, daher bin ich mir nicht sicher ob er vom Verkaufen wirklich überzeugt ist…

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          costello  RED

          Der OB-X für 12.500 – da habe ich Lorenzo auch gesagt, dass das der Berliner Markt wohl eher nicht hergibt. Bei dem Prophet 5 könnte ich ja fast schwach werden, hätte ich mir nicht ein striktes Kaufverbot auferlegt.

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          iggy_pop  AHU

          Gesalzene Preise? Ja, partiell — der OB-X für 12.500 Euro, der Rhodes Chroma aber für „nur“ 6.000, dafür unlängst ein ARP Quadra für 8.900 Euro, aber ein Matrix 12 für 7.500?
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          Wirkt ein bißchen willkürlich, die Preisgestaltung.
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          Pizza Hawaii ist teuer, vor allem die Dosenananas.
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            costello  RED

            Der Chroma liegt tatsächlich genau auf dem Niveau der Amazona.de-Tachelesliste. Die beiden Oberheim-Synthesizer finde ich overpriced, auch wenn Lorenzo den OB-X aufwendig hat überholen lassen. Der ARP Quadra hingegen scheint weg zu sein, derzeit ist nur ein noch teureres Angebot aus den USA auf dem (Ebay)-Markt. Der Fan-Kreis für den ARP-Quadra ist zwar absolut überschaubar., die Angebote aber auch. Und wer den wirklich will, der mag zwar lange geduldig warten. Aber irgendwann schlägt er zu :-)

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              iggy_pop  AHU

              „Die beiden Oberheim-Synthesizer finde ich overpriced, auch wenn Lorenzo den OB-X aufwendig hat überholen lassen.“ — Das ist sicherlich ein guter Punkt, aber diese Arbeit hat er in erster Linie für sich selbst durchführen lassen, um das Instrument spielbar zu halten.
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              Ich kann auch 2.000 Euro an Reparaturen in ein 500-Euro Auto stecken, darf aber dabei nicht erwarten, daß der Käufer bereit ist, dem Rechnung zu tragen, wenn ich eines Tages dieses Auto verkaufen will. Der Käufer würde mir erstmal nur den Marktpreis zahlen — mit ein bißchen Glück würde er auch meinen Aufwand honorieren, aber nur mit ein bißchen Glück
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              Leute mit zu viel Geld zum Verknattern zu finden, dürfte nicht leichter werden heutzutage.
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      swellkoerper  AHU

      Sehr schönes Video. Unglaublich, so ein volles 4er-Cabinet kostet gerne 35k€, und dann gleich zwei davon!
      Mir hat bei Buchla immer der erfrischend unverkrampfte Umgang mit Analog/Digital-Philosophien gefallen. Jenachdem wird der jeweilig passende Ansatz verwendet, auf der Bedienoberfläche bekommt man das aber gar nicht mit dem Silbertablett serviert. Etwas, das im Eurorack-Sektor auch immer mehr aufkommt – Mutable Instruments Marbles ist ein gutes Beispiel für ein digitales Modul mit analoger Bedienung und minimalen Menü-Einsatz.

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        psv-ddv  AHU

        Wenn Du genau hinsiehst, kannst Du in der Einblendung erkennen, das der Typ auch noch ein altes Buchla 200 am Start hat. Ganz böses Buchla Setup, was krasseres habe ich bisher nicht gesehen.
        Ja, den hybriden Ansatz mit weitgehend analoger Bedienoberfläche finde ich auch das eigentlich Spannende am 200e. Dazu kommt noch die hohe Funktionsvielfalt der einzelnen Module. Ich bin mit selbst bei einem Vollprofi wie Frau Ciani manchmal nicht sicher ob sie die Module wirklich beherrscht oder über weite Strecken einfach nur den Zufall kreativ nutzt. Was aber genauso ok wäre.

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          ArvinG  

          Wenn man sich das Video mit ihr mal anschaut in dem sie ihr System vorstellt (Link weiter oben in meinem ersten Post, ich hatte es vor einiger Zeit schon gesehen) gewinnt man imho schon den Eindruck dass sie weiß was sie da tut. Was natürlich durchaus auch Raum läßt für spontane Aktionen. Jedenfalls scheint sie mir schon strukturierter vorzugehen als so manch anderer, der oder die eher erratisch an den Knöpfen herumschraubt, egal mit welchem System.

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            costello  RED

            Suzanne Ciani hat 10 Jahre mit dem Buchla 200 gearbeitet. Ich glaube, sie kannte es in- und auswendig. Es sei allerdings sehr fordernd gewesen, berichtet sie und sie hatte immer panische Angst, dass es kaputt gehen könnte. Sie hätte sich wie eine Gegenspielerin gefühlt, der man sagt: Du hast keine Geige mehr. Buchla musste sie wirklich überzeugen, sich dann einmal auf den Buchla 200e einzulassen. Aber sie sagt selbst, was sie damals als junge Frau mit den Modulen anstellte, da kommt sie nicht mehr dran.

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              iggy_pop  AHU

              Ich habe 1993 mal Suzanne Ciani auf einem Festival in den Niederlanden kennengelernt und mich kurz mit ihr unterhalten — als ich das Thema auf den Buchla lenkte (in der Hoffnung, da was für mich an Land ziehen zu können), wurde sie doch eher schmallippig und selbst für einen Ami erstaunlich nichtssagend… war eindeutig ein Thema, das sie lieber nicht anschneiden wollte, hatte ich den Eindruck.

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                costello  RED

                Und das hatte sicher nicht nur mit Buchlas Synthesizern zu tun, obwohl auch die einem schlaflose Nächte bereiten konnten. Ich denke, Suzanne hat den Don sehr gemocht. Aber er war wenigstens am Anfang sehr zurückweisend. Seine absolute Muse war halt der Morton. Später beim Tennisspielen, hat sie mal erzählt, sind sie sich auf eine sehr entspannte Weise auch menschlich näher gekommen.

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                psv-ddv  AHU

                @iggy_pop: Interessante Story.
                Langsam versehe ich auch das mit den Daumenbewertungen hier im Forum: Es handelt sich wohl um ein Dadaistisches Kunstprojekt.
                Vielleicht heist Daumen runter aber auch einfach nur: Oi, my brain hurts!

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                  costello  RED

                  Ich verfolge das eher mit Sorge, in welche Richtung sich das entwickelt. Dieses anonyme Bashing tut AMAZONA.de gar nicht gut. Im römischen Zirkus zu Zeiten Neros hat man die Pappnasen wenigstens gesehen, die den Daumen gesenkt haben. Musikerplattformen gibt’s viele – aber nur wenige mit einem so lebhaften Austausch der Community wie hier. Nur leider färbt die Verrohung, wie man sie von FB und Twitter kennt, zunehmend auch auf AMAZONA.de ab. Wenn hier ein so profiliertes Mitglied wie Wellenstrom, der übrigens auch tolle Leserstories geschrieben hat, die Segel streicht, ist das ein echtes Alarmzeichen.

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                    psv-ddv  AHU

                    Die Daumen amüsieren mich normaler Weise, mir macht das sachliche Polarisieren ja Spass.
                    Wenn aber eindeutig rein informative Beiträge und wie hier einmalige Erlebnisse geteilt und dann massiv negativ bewetet werden, fragt man sich schon welche Motivation dahinter steht.
                    Das Herr Wellenstrom die Segel gestrichen hat, hatte ich garnicht mitbekommen. Das ist in der Tat schade!! Kennst Du den Grund? Ich hoffe dazu mit unseren teilweise hitzigen Diskussionen nicht allzusehr beigetragen zu haben. Ich habe mich bemüht sachlich zu bleiben.
                    Wellenstrom’s Sylvian Recherche war ein richtiger Knaller! Wie gesagt, sehr schade.

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                    lightman  AHU

                    Ich fände es gut, wenn dieser Like/Dislike-Käse deaktiviert werden würde, das erzeugt nur Polarisierung und immer wieder schlechte Stimmung.

                    Und ja, ich hab auch mit Bestürzung erfahren müssen, daß Welle nicht mehr hier ist, das ist wirklich schade, habe seine Beiträge immer mit Interesse und nicht selten einem Grinsen im Gesicht gelesen.

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                  iggy_pop  AHU

                  Keine Mr. T. F. Gumby Zitate, bitte — die gehen sowieso unter.
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                  Es sind halt arme kleine Menschenkinder, die in ihrem Leben noch nie etwas Interessantes erlebt oder jemand Interessanten getroffen haben.
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                  So eine anonyme Möglichkeit, sozialen Druck abzulassen, kommt dann sehr gelegen.
                  .

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            ArvinG  

            Ich finde dieses Like Gedöns auch höchst überflüssig, hatte ich an anderer Stelle schon mal geschrieben. Ich glaube es gab sofort 2 Thumbs down dafür ;-).

            Andererseits muss man das ja nun wirklich nicht persönlich nehmen.

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    swellkoerper  AHU

    Costello, bester Mann! Habe das Interview verschlungen und würde am liebsten gleich morgen zum Frühstück den zweiten Teil lesen. Du schaffst es immer wieder, den Leser in den Moment zurückzuversetzen und Sympathie oder Leidenschaft der Interviewpartner zu transportieren. Grosses Kino.
    Die East-/Westcoast-Geschichte ist heutzutage weniger ein Paradigma als ein Patching-Style. Sicher gibt es viele Hersteller, die sich teilweise an Buchla orientieren (Endorphin.es, Sputnik, Verbos, Make Noise,…) , letztendlich kann man auch mit einem normalen Doepfer-System 1A-Buchla-Sounds erzeugen. Meines Wissens nach kann man bei Analogue Zone in Budapest Buchla beziehen und antesten. Und da war mal was mit Ablegern in Wien und Bratislava, kenne aber den letzten Stand nicht mehr.

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      costello  RED

      Hallo Swellkoerper, an Teil 2 wird derzeit noch eifrig geschrieben. Aber wenn Druck da ist, arbeite ich am besten ;-) Obwohl SchneidersLaden, Berlin die Buchla-Teile nicht mehr führt, ist die Versorgungslage in Europa gar nicht so schlecht. Neben der von Dir erwähnten Analogue Zone in Budapest führen zwei Läden in London Buchla (KMR Audio und Postmodular), zwei in der Schweiz (Loops & Bits GmbH sowie ein Geschäft in Bellinzona). Weitere Buchla-Händler gibt es in Spanien, in Italien und Norwegen.

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      Lewis  

      Hallo zusammen, zum Thema „Bezugsquellen“: Analogue Zone in Ungarn ist korrekt, man wartet aber mitunter über ein Jahr (!) auf ein Modul. Liegt aber nicht an AZ (netter und guter Service), sondern an der katastrophalen Liefer-Mentalität von Buchla. Alternative Shops: Musicom.es und kmraudio in UK mit tendenziell ähnlichen Problemen (ich warte auf einen Blade-Adapter, um Eurorack-Module ins Buchla-System einbauen zu können, wieder Monate …). Nach Mail an Buchla wurde mir versichert, dass nach der letzten Firmenübernahme das Liefertempo verbessert werden soll, hat aber bisher nicht wirklich funktioniert … was mich aber nicht abhält: Ich besitze seit 1,5 Jahren ein System und bin damit sehr glücklich.

      Ich kann nur unterstreichen: der Buchla spielt MIT einem, genauso wie man ihn spielt. Dadurch kommt man zu ungeahnten Ergebnissen, was ihn für mich zu einem tollen Instrument macht:

      https://www.youtube.com/watch?v=nG20Qb-_sz8

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        costello  RED

        Schönes Video! Im Bass höre ich da ein wenig Carpenter heraus. Sag mal: Im Hintergrund ist das ein Four Voice? Interessant, weil Gordon Reid gerade beim Buchla 200e, der ja multitimbral ist und auch als vierstimmiger Polysynthesizer gespielt werden kann, eine Verwandtschaft zum Oberheim sieht.

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          Lewis  

          Hi, ja das ist ein 4 Voice. Ich denke, die Verwandtschaft ist eher zufaellig. Die Multitimbralitaet des 4 Voice ruehrt wohl eher aus der Rubrik “Not macht erfinderisch”, weil Oberheim nur ueber diesen “Kunstgriff” die Polyphonie hinbekommen hat … bei einem modularen System hast Du eigentlich immer Multitimbralitaet, sofern Du jede Stimme einzeln ueber einen geeigneten polyphonen CV-Controller bzw. Midi-to-CV mit separaten Midikanaelen ansteuerst … auf jeden Fall eine feine Sache!

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    tomk  

    Cooles Interview, welches mich unweigerlich an eine Fernsehserie aus 1975 erinnert: Der Junge mit den Goldhosen.

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      costello  RED

      Hi tomk, man könnte ja an so einer Stelle, wo lieber noch in ein API investiert wird, statt 25 Euro für ein blind panel zu „vergeuden“ schon zusammenzucken. Aber wenn dann Lorenzo entwaffnend lacht, kommt man nicht im Traum auf den Gedanken, das könnte arrogant gemeint sein.

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        tomk  

        Hallo costello,

        da Not bekanntlich Kreativität fördert, stopfte ich die vorübergehenden Lücken in meinem Eurorack mit einem hochwertigen Karton. Wem das zu schäbig ist, der sollte einen Spengler in der Nähe aufsuchen. Solche weisen meist in der Werkstadt eine Kiste mit Blechabfall/Verschnitt auf. Gegen einen Brotzeitzuschuß nimmt der Meister oft die Hebelschere zur Hand. Folgend dann gewollte Löcher bohren ist gleich erledigt!

        Mich hätte es echt interessiert wie Lorenzo in „so jungen Jahren“ sich so einen Fuhrpark hinstellen kann. Und laut Aussage ist das hier gesehene ja nicht alles. Das ist ja wohl den Traum in die Tat umgesetzt, und sowas empfinde ich meist als viel mehr interessant als das Ergebnis. Rein nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel!
        UND für ein „den richtigen Weg gefunden zu haben“, muß man sich in keinster Weise schämen. Denke ich zumindest.

        Schade das du vor dieser Frage „anscheinend“ gekniffen hast.

        LG!

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          costello  RED

          Lorenzo hat dazu zwei Angaben gemacht: Er sammelt seit 2008, konnte also einige Teile noch „günstig“ abstauben. Es gab damals ja (sicher auch in Italien) Leute wie mich, die Equipment im Gegenwert von gut 10.000 Euro quasi verschenkt haben, weil ein Musikzimmer zum Kinderzimmer umgerüstet wurde ;-) Und Lorenzo hat als DJ gearbeitet und Geld, das über war, in Instrumente gesteckt. Im Vorgespräch erwähnte er wie gesagt, dass er auch einen Club geleitet hat. Da ist dann am Monatsende sicher ein bisschen mehr übergeblieben.

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            tomk  

            Ja … das steht im Artikel! Habe ich gelesen, ehrlich.
            Ebay tötete das Schnäppchen im Regionalanzeiger, und Djs gibts wie Sand am Meer. Auch weiß ich um die Härte des Clubbusiness.
            Sorry, mich persönlich hätte diesbezüglich eine Frage wirklich interessiert. Da die offenbarte Fülle einen Gedanken ala: Wow, wie hat der das so schnell geschafft – generiert.

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              costello  RED

              Überzeugt! Ich werde versuchen, meine natürliche Schüchternheit künftig zu überwinden und investigativer nachfragen :-)

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            swellkoerper  AHU

            Ich finde es gut, dass Du in der Sache diskret geblieben bist, man fällt ja beim ersten Treffen nicht gleich mit der Tür ins Haus. Mich erinnert das an eine Anekdote, die im Resident Advisor Feature von Floating Points zu lesen war: der hat neben dem DJing und den ganzen Club-Aktivitäten immer seine akademische Karriere vorangetrieben und letztendlich seinen Doktor gemacht. So hat er sich dann auch eine mittelgrosse API-Konsole leisten können. Als die angeliefert wurde, konnten die Spediteure nicht glauben, dass die im Schlafzimmer installiert wurde. Mit Disziplin und Fleiss kann man sich auch in jungen Jahren so einen Traum hinstellen.

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    Lewis  

    Zum Preis: Ich stimme den im Artikel genannten Punkten voll zu (insgesamt zu teuer vor allem mit Blick auf die Verarbeitung), aber auf den zweiten Blick steckt in einem Buchla-Modul meistens mehr als in einem gleichnamigen Eurorack-Modul, somit relativiert sich das etwas. Zudem: Mittlerweile findet in der Buchla-Welt eine ähnliche Entwicklung statt wie in der Eurorack-Welt. Immer mehr Tüftler bieten Buchla-kompatible Module zu deutlich niedrigeren Preisen an (z.B. Eardrill, Northernlight Modular, etc.). Und als nicht mehr so geheimer „Geheimtipp“: In einschlägigen Foren (vor allem Muffwiggler-Forum) finden sich viele nette Nerds, die einem Module bauen, die noch der alten Series 200-Art entspringen. Ich habe z.B. einen Dual Oscillator mit originalen Bauteilen (voll analog) bauen lassen, der halb so viel kostet wie ein neuer Series-200e Oscillator. Man kann also auf diese Weise deutlich günstiger ein System zusammenbauen, das auch wirklich fantastisch klingt.

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      costello  RED

      Hallo Lewis, danke für Dein Feedback. Als Buchla-Fan kennst Du vermutlich auch die Seite von Jochen Bohnes (in der Linkliste mit aufgeführt), der das Buchla 200e-System ausprobiert hat, nicht 100% überzeugt war – zumal zwei Module gerade nicht funktionierten – und sich dann ein sehr umfangreiches System aus 200er Klonen zusammengestellt hat. Im übrigen freue ich mich schon jetzt auf Deine sachkundigen Anmerkungen, wenn’s kommenden Samstag um die Einzelmodule geht :-)

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        Lewis  

        Hallo Costello, ja die kenne ich … bevor ich mich in das musikalische und finanzielle Abenteuer „Buchla“ eingelassen habe, habe ich natürlich alles abgegrast im Netz, um nicht auf die Nase zu fallen … die Seite von Jochen Bohnes war da auch interessant …

        Ich freue mich schon auf die Fortsetzung des Artikels!

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      swellkoerper  AHU

      In diesen Preisregionen sind normale Relationen längst verflogen, ähnlich wie beim Moog System 55 Re-Issue sind da ganz andere Faktoren oder Emotionen ausschlaggebend für einen Kauf. Kann und will ich nicht mitreden. Ich besitze ein Eurorack im Wert eines schönen Kleinwagens, und das kommt mir hier vor wie Kinderspielzeug..

      Ich hab irgendwann mal eine Portierung des Eventide H9 ins Buchla-Rack gesehen, da bin ich schon etwas neidisch geworden.

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    Hectorpascal  

    Sehr gut das auch mal was über Buchla kommt. Danke Costello! :)
    Ich würde dennoch gerne was darüber erfahren woher all diese Vintage-Schätze kommen?
    Das ist so wie Lorenzo rüberkommt bestimmt nicht indiskret.
    Italien ist sowas wie ein verschlossener Schatz und sehr viele Ex-Italo-Disco-Produzenten pflegen immer noch ein riesen Arsenal an Analog-Synths. Venedig ist da bestimmt gut gelegen. Alexander Robotnick fällt mir bei Italien spontan ein, der liegt zumindest tonal auf meiner Wellenlänge.

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      costello  RED

      Danke Hektorpascal! Zu der Provenienz von Lorenzos Sammlung kann ich Dir leider nichts sagen. Er hat sie in 10 Jahren zusammengestellt, meines Wissens dabei nicht nur italienische Quellen genutzt. Und momentan ist das meiste davon auf Ebay-Kleinanzeigen Berlin zu finden. Es stimmt mich immer etwas melancholisch, wenn eine mit so viel Liebe und Expertise zusammengestellte Kollektion aufgelöst wird. Aber hey, so bleibt der Markt in Bewegung und andere bekommen eine Chance.

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    TobyB  RED

    Schön geschrieben Mr. C. Bei Buchla gehen mir immer die Ohren auf. Es gab in der Zeit um 1970 bis 1980 viele bekannte und unbekannte Filme die mit Buchla Systemen vertont wurden. Wie jener hier, https://youtu.be/j-R0kuHyBb8 , die Percussion kommt vom Percussotron, selbst von Gill Melle gebaut. The Shining von Kubrick ist auch so ein Film. Wobei ich mir nicht wirklich sicher sind ob in beiden Filmen Buchlas zum Einsatz kamen.

    Frohes Neues Jahr!

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      costello  RED

      Lieber Toby, Dir auch ein frohes Neues Jahr! Wie Du siehst, bin ich aus dem Feiertagsmodus raus und wieder schwer am Schaffen ;-)

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        TobyB  RED

        Hallo Costello,

        schlimmer ich hatte vier Wochen am Stück Urlaub :) Schwer am Schaffen ist gut, hab umgeräumt. Ich hab ein EHX Pedal gesucht und ziemlich lange gebraucht es zu finden. Nachdem ich dann auch noch zwei Insert Kabel suchte, hab ich eine 5S Sitzung gemacht ;)

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          costello  RED

          Na Du warst doch zwischen den Jahren superfleißig: Die EMU ESI-Reportage, dann noch etwas für die Beats-Redaktion :-) Umgeräumt habe ich auch: Da versinkt man zwar zwischendurch völlig im Chaos, aber das Ergebnis ist super geworden. Mein Tascam 24-Pult als Zentrale zwischen zwei Dreier-Synth-Racks.
          Auf der anderen Seite dann noch ein 6er, aus dem ich mir bei Bedarf einen Synthesizer auf einen mobilen Key-Ständer stelle. Einige Teile wie der Yamaha SY-1 und der Pro Soloist mussten allerdings erstmal im Kleiderschrank verschwinden – schnüff.

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            TobyB  RED

            Die Artikel waren ja größten Teils schon fertig :) Ich bin jetzt noch nicht ganz fertig mit dem umräumen, es fehlen mir noch zwei Keyboardständer und ich muss die Kabel noch in Kanälen verschwinden lassen. Bei der Gelegenheit hat ich alles mit Patchbays versehen. Momentan bastel ich grade ein Rack für System 1m, 2x Mother 32 und einen Behringer Neutron. So langsam wirds :-)

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      AMAZONA Archiv

      Jetzt, wo du es sagst…. war mir gar nicht mehr bewusst, welchen Gänsehautfaktor der Soundtrack von „Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All“ eigentlich hat. Zieh mir gerade den Soundtrack rein. Ja, raffiniert gestrickt, klingt definitiv nach Buchla. Gil Mellé hat aber auch ganz geschickt noch andere Klangerzeuger mit eingewoben.

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        TobyB  RED

        Hallo Welle,

        ich kann es nur nicht belegen, es gibt Indizien. Wenn du dir mal Melles Album TOME IV anhörst hörst du sein Percussutron und das was ich als Buchla bezeichnen würde. Und so ich es lesen konnte, war er im regen Austausch mit dem San Fransisco Tape Club und die kannten definitiv Buchla und Subotnik. Da ist halt nicht viel dokumentiert und diese Generation ist nun entweder post mortem oder im Seniorenalter. Wäre mal Zeit diese Ära zu erforschen oder anständig zu dokumentieren. Buchla war ja ziemlich innovativ und die Musik die damit entstamd ebenso.

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          costello  RED

          Subotnick war Mitgründer des Tape Centers. Buchla hat er per Zeitungsannonce dazugeholt, als sie etwas Geld von der Rockefeller Foundation bekamen, und „a new machine“ bauen wollten. Das war dann der Buchla 100. Also sehr gut möglich, dass Gil Mellé die Teile verwendet hat.

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            TobyB  RED

            Exakt, Tape Center nicht Tape Club. Das Percusstron hab ich gefunden, mit dem Meister da selbst. https://youtu.be/CQ28Ze65ixE Nebenbei hat Melle auch den Soundtrack für Columbo und der Sechs Millionen Dollar Mann gemacht. Buchla war wohl auch der erste der CMOS ICs in seinen Modulen verbaute, was damals ziemlich abgefahren ist, da die CMOS Halbleiter doch noch Raketenwissenschaften waren und ziemlich störanfällig.

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    costello  RED

    Geschafft, habe gerade Teil zwei der Buchla-Story abgeschlossen. Fast doppelt so lang wie der erste Teil. Also liebe Buchla-Fans: Fürs nächste Wochenende schon am Freitagabend einkaufen, oder den Besuch bei Tante Frieda verschieben. Auch wer nicht auf Einzelbeschreibungen von Modulen steht, dürfte auf seine Kosten kommen. Es geht um LSD-Happenings, verschmähte Liebe und alles andere, worüber ihr sonst beim Friseur oder Zahnarzt in der GALA lest :-)

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      AMAZONA Archiv

      Jau, super. Da habe ich mir dann diese Woche mal die 2 € gespart, die ich sonst für „Frau im Spiegel“ ausgebe.

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      swellkoerper  AHU

      Tante Frieda ist dabei, die hat anno dazumal auch am roten Modul geleckt! Ich freue mich auch schon auf ein geselliges Stelldichein der Buchla- und Costello-Fans mit anschliessendem Tanztee und Pdiumsdiskussion.

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        costello  RED

        Klasse!! Was nur blöde ist: Ausgerechnet nächstes Wochenende ist die Klausurtagung unserer Wirtschaftsredaktion (wo ich mir das Geld für die Vintage-Synths verdiene ;-) und meine Chefin wird nicht begeistert sein, wenn ich die ganze Zeit auf dem Smartphone rumfingere und hier poste. Also nicht böse sein, wenn ich erst mit Verzögerung auf Fragen oder einen möglichen Shitstorm reagiere :-))

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    lightman  AHU

    Tolles Interview, danke dafür. Ich fand Don Buchlas Philosophie schon immer interessanter als etwa die von Bob Moog, der radikale Ansatz gefällt mir.

    Die Instrumente, die mich von Buchla am meisten faszinieren, sind jedoch keine Modularsysteme, sondern der Music Easel und das System 700. Das sind beides große Würfe, die ich gerne für meine Musik verwenden würde, aber das ist preislich und im Fall des System 700 auch von der Verfügbarkeit her nicht drin.

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      costello  RED

      Danke lightman! Das System 700 ist wirklich der Hammer: 48 Oszillatoren, 15 Envelopes pro Stimme, unendliche Routingmöglichkeiten. Aber praktisch nicht mehr zu bekommen. Vor allem in funktionsfähigem Zustand.

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        lightman  AHU

        Benge, der Glückliche, hat ein System 700, davon gibts einen kurzen Videoclip auf YT. Alessandro Cortini hat auch eines, das ist im Sonicstate Studio Tour-Video zu bestaunen. Schon allein der Aufbau des Geräts und die Features sind so nicht von dieser Welt, daß ich fühle, nee, genau weiß, daß es absolut genau mein Ding wäre. :)

        Aber jau, praktisch nicht zu finden, und selbst wenn, würde ich es mir wohl kaum leisten können. Laß‘ da dann mal was kaputt sein, und du hast ein dickes Problem, ich schätze, daß praktisch alles in dem schicken Kasten irgendwie custom ist.

        Da ist der Easel schon deutlich erreichbarer, wird ja wieder gebaut, aber auch hierzu sagt der Geldbeutel nö. Schade eigentlich.

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          costello  RED

          Hast Du schon das Plugin von Arturia ausprobiert? Wellenstrom scheint damit ganz gute Erfahrungen gemacht zu haben. Ein echter Music Easel ist natürlich noch mal was anderes. Aber zumindest käme man mit dem Plugin schon mal in die Bedienungsphilosophie rein.

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            lightman  AHU

            Ja, ich habe den Arturia Easel ausprobiert und fand ihn sehr schön, ich arbeite aber nicht mit Synth-Plugins, in der DAW wird bei mir lediglich Audio (single track) aufgenommen und nachgearbeitet, MIDI läuft rein auf Hardware.

            Ich hatte mal die Gelegenheit, backstage bei einer Veranstaltung den Easel (aktuelle Version) eines Kollegen für eine Stunde zu quälen, er saß neben mir und wies mich in die Grundlagen ein. Nachdem ich das Konzept des Instruments ein wenig auf mich wirken ließ, hats geklickt und ich bin ihm regelrecht verfallen… in den Tagen danach war ich drauf und dran, die Hälfte meines Studios zu verkaufen, um mir die Wunderkiste leisten zu können, zum Glück fing ich mich wieder, denn da wäre es dann wirklich ans Tafelsilber gegangen, und sowas endet selten gut.

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          psv-ddv  AHU

          Kleines Detail: Benge hat zwar ein wahrlich beeindruckendes Studio Setup aber das Buchla 700 gehört ihm nicht.
          …und ja, das Teil ist der Oberknaller! Leider ein unerreichbarer Traum und vermutlich zu sophisticated für den Massenmarkt.

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            lightman  AHU

            Danke für die Info, ist doch auch irgendwo versöhnlich, zu hören, daß selbst ein Benge nicht alles hat. :) Vermutlich aber wollte er einfach nur keinen 700er, gemessen an den irren Synths, die er im Studio zu stehen hat, wäre es für ihn wahrscheinlich kein allzu großer Aufriß, sich ein funktionierendes Exemplar zu besorgen.

            Ich habe viel über das System 700 gelesen und jeden verfügbaren Film-Fitzel angesehen, das Konzept ist wirklich einmalig und fasziniert mich ohne Ende.

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              psv-ddv  AHU

              Weist Du eigentlich wieviele es von den 700er Systemen gibt?
              Dürften ja nicht allzu viele sein.

              Der Buchla ist natürlich einmalig aber eine moderne, grad noch bezahlbare Alternative wäre vielleicht am ehesten ein gebrauchtes Kyma System der älteren Generation in Kombination mit einem guten Midi controller.

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                lightman  AHU

                Bezüglich der Produktionszahlen des System 700 gehen die Meinungen auseinander, die Zahlen rangieren von 2 bis 20, wobei ich persönlich Richtung 10 bis 20 tendiere. Die Encyclotronic-Website gibt 5 bis 10 Einheiten an. Viele warens jedenfalls nicht, das macht es schwer, an ein funktionierendes Exemplar ranzukommen. Ich habe auf den üblichen Handelsplattformen bisher noch nie ein System 700 gesehen.

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                  costello  RED

                  Von Buchlas Touché, einem polyphonen Hammersynth, der im gleichen Jahr wie der Prophet V rauskam, soll es ganze vier Stück geben. Der Mann eilte von einer genialen Erfindung zur nächsten, aber bis auf das System 200 sah er kaum je einen finanziellen Erfolg.

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                    lightman  AHU

                    Ich frage mich, wie er jedesmal das Geld dazu aufgetrieben hat, so richtige Zugpferde hatte er aus Sicht der Kundschaft ja eher nicht im Programm, auch wenn ich seine Arbeit höchstmöglich schätze. Vermutlich kam das meiste Geld mit Verkäufen an Unis rein.

                    Über den Touché habe ich auch schon viel gehört und gelesen, das war offenbar der einzige Buchla mit konventionellen Tasten. Habe ihn aber noch nie live gesehen, das ist auch nicht einfach, da davon wohl weniger als 10 Stück gebaut wurden.

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                      costello  RED

                      Auf Youtube scheint es nur ein minikurzes Video mit Allessandro Cortini vom Touché zu geben, auf dem das Instrument kaum richtig zu sehen ist. Auf dem berühmten SW-Foto von Buchla (er inmitten von lauter Buchla-Synths) ist der Touché ganz hinten zu sehen, mit dem Bildschirm drauf.

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          swellkoerper  AHU

          Madrona Labs Aalto oder Cloudlab 200t aus der Reaktor Library sind auch sehr erwähnenswert, wenn es um virtuelle Westcoast-Geschichten geht. Und Reaktor Blocks natürlich. Es gibt vier hauptamtliche Westcoast-Blocks, Dual Complex VCO mit Waveshaper, Multimode-LPG, 4fach Rise/Fall-Generator, kartesischer Sequencer, alles da. Speziell das Lowpass Gate ist für meinen Geschmack eines der besten Filter überhaupt, ob Hard- oder Software. Unglaublich wie das knallt.

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    herw  

    Lorenzo: „Der Sound hat mich ziemlich umgehauen. Ich denke, ich bin auf den Buchla durch das phantastische Album aufmerksam gemacht worden, das Kaitlyn Aurelia Smith und Suzanne Ciani 2015 gemeinsam aufgenommen haben. ”

    Hmm – ich habe mir aufgrund dieser Empfehlung das Album bei iTunes gekauft und angehört. Ich war einigermaßen enttäuscht. Alle drei Stücke sind klanglich enttäuschend und kompositorisch schlecht aufgebaut; mehrere Teilstücke wurden zu einem zusammengefasst ohne inhaltlichen Zusammenhang; einfachste Andeutungen einer Melodie (ich denke mal im Gegensatz zur Philosophie Buchlas nicht automatisch erzeugt sondern gespielt?) – sehr Bass lastig.
    Die zufälligen Rhythmen und Klangänderungen sind nur anfänglich interessant und mein Verdacht ist, dass als „Taktgeber ” eine Art Geiger-LFO benutzt wurde, falls man etwas Ähnliches mit dem Buchla-System erzeugen kann, vielleicht ein Source of Uncertainty 265/266? Leider ist es nicht Bestandteil des hier vorgestellten Systems.

    Ich habe schon besseres von einem Buchla-System gehört.

    Die Kritik am Klang und der Komposition hat natürlich nichts mit dem Buchla-System an sich zu tun.
    Sorry, dass ich die Musik-Empfehlung nicht nachvollziehen konnte.

    ciao herw

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      costello  RED

      Hallo herw, danke für Deine Eindrücke. Ich selbst habe das Album noch nicht gehört. Bei dem im Report angefügten Video „Sunenergy“ , das Kaitlyn Aurelia Smith und Suzanne Ciani zusammen zeigt, werden die Melodielinien über das Modul 250e Dual Arbitrary Function Generator (Sequenzer) erzeugt.

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        herw  

        Die beiden Soundbeispiele dagegen sind phantastisch und beschreiben auf hervorragende Weise die Idee eines Buchla-Systems (mehr davon).
        Gerade solche Soundbeispiele erläutern die Verschiedenheit zu den East-Cost-Systemen.

        großes Lob!

        Ich werde mal versuchen, das 2. Soundbeispiel auf meinem Doepfersystem mit den Modulen A-149-1/2 und dem Sequenzern nachzubauen.
        Sonst bleibt mir noch REAKTOR mit einem Geiger-LFO.

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          costello  RED

          Das erste Soundbeispiel hat Lorenzo vor meinen Augen (und Ohren) on the fly gebastelt mit Hilfe des Eardrill-Moduls. Das zweite, etwas Aufwändigere hat er mir zugeschickt. Ich denke, da hat er den Buchlasound wirklich eingefangen. Dieses perkussiv-hölzerne Pochen und diese metallisch-abstrakten Klänge, die manchmal an einen PPG erinnern.
          Das wäre interessant, wie nahe Du da mit dem Doepfer rankommst. Kannst Du ja hier posten, das würde sicher für viele Leser spannend sein.

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            swellkoerper  AHU

            Genau, das ist dieser Buchla-typische Percussionsound, der meist durch Anregung („Pingen“) eines vactrol-basierten Lowpassgates entsteht. Kann man sich in etwa vorstellen, als ob man ein Gate in ein Filter schickt, welches ohne Eingangssignal kurz vor der Selbstoszillation eingestellt ist. Das Abklingen des Vactrols, welches Lautstärke und Filtercutoff gleichzeitig moduliert, gibt dieses schöne kurze Decay, welches uns an Naturinstrumente erinnert (und dich vielleicht deshalb „hölzern“ assoziieren lässt).

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              lightman  AHU

              Ich hab diesen Sound auch mal mit meinem Equipment zu erstellen versucht und brauchte fast einen halben Tag, bis ich damit zufrieden war.

              Dann habe ich das selbe auf einem geliehenen Make Noise 0-Coast probiert, damit hats nur 10 Minuten gedauert :)

              Der 0-Coast steht übrigens auch noch auf meiner Liste… geiles Teil.

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                costello  RED

                Diese Make Noise-Kisten müssen wirklich klasse sein. Lorenzo schwört im Interview ja auch total drauf!

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            herw  

            mal sehen, das kann aber dauern; mein Ehrgeiz ist schon geweckt ;)
            ich bin aber eher ein REAKTOR-Frickler

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    Piet66  RED

    Lieber Costello, herzlichen Dank für diese mitreißende und spannende Reportage. Freue mich schon auf den zweiten Teil!!

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      costello  RED

      Vielen Dank Piet66! Ich freue mich sehr, wieder mal einen Kommentar von Dir auf AMAZONA.de zu lesen :-)

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    herw  

    Bevor ich etwas Kritik an Suzanne Ciani los werde, möchte ich dir ,costello, nochmals ein großes Lob für deinen Artikel und Zusammenstellung des Begleitmaterials aussprechen. Ich habe deinen Artikel mehrfach diagonal mit den Kommentaren gelesen und es macht Spaß, sich entsprechendes Audio- und Videomaterial anzuschauen.

    jetzt zur Kritik: ich finde Suzanne Cianis Leistungen nicht überzegend. Sie erscheint mir in beiden Videos völlig verunsichert über die Fähigkeiten des Bucha-Systems. Der Patch sieht sehr komplex aus, entpuppt sich beim Zuhören als eine Collage einiger Klänge, die jeweils beigemischt werden. Wirkliches „Arbeiten” mit dem Patch ist nicht zu sehen, dagegen (sorry) Effekthascherei mit dem iPad-Midi-Controller (?) und sehr rudimentärer Gebrauch von Buchlas Keypad.
    Suzanne versteht in keinster Weise den Gebrauch eines Rauschgenerators (erkennbar an den unsinnigen Beimischungen zu Beginn und Ende des zweiten Videos, auf dem angegebenen Audio-Track und auch am Ende des ersten Videos), indem sie völlig unsensibel versucht, einen Blitz/Donner-Effekt einzufügen, wobei ich zugeben muss, dass man Blitz und Donner nicht „mal eben” erstellen kann. Filter-ähnliche Klangveränderungen scheinen ihr fremd zu sein.
    Ich glaube nicht, dass Suzanne Ciani eine Ausnahmekünstlerin oder Pionierin in Sachen Buchla ist.

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      costello  RED

      Hi Herw, ich denke jemand wie Du, der viel mit Modularsystemen arbeitest, hat da sicher einen ganz anderen Blick drauf, als jemand wie ich, der das Patch Spaghetti sieht und erstmal schwer beeindruckt ist. Speziell über Suzanne Ciani wird im zweiten Teil noch viel zu lesen sein. Sie hat ja durch den berühmten Coca Cola-Sound Buchla-Synthesizer überhaupt erst einem größeren Publikum nahegebracht. Sie ist bei Letterman aufgetreten und sie war in den 70ern eine der großen Meisterinnen auf dem 200er System. Und das hatte ja noch keine Presets. Sie war dann frustriert, weil der Synthesizer kaputtging und auch nicht mehr repariert werden konnte. Vermutlich hat unser iggy sie genau in dieser Phase getrffen. Da war sie sicher schmallippig zum Thema Buchla. Zum 200e hat Don sie dann mehr oder weniger „getragen“ und sie räumt auch selber ein, dass sie darauf nie mehr so souverän war wie in den 70ern auf dem 200er. Aber – und das hat man auch bei den zahlreichen Nachrufen zu Buchla 2016 gesehen – sie ist schon eine ganz wichtige „Buchla-Anwältin“ – als Zeitzeugin aber selbstverständlich auch als Musikerin.

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        TobyB  RED

        GDay,

        ich denke jeder kann einen schlechten Tag haben und manchmal funktioniert etwas nicht. Das schmälert aber nicht die Pionier-Leistung von Frau Ciani. Ich weiß nicht für wie viele Soundlogos von Coca Cola, Apple, Atari sie verantwortlich war. Aber das passt schon.
        https://youtu.be/CFD72PXOmxA
        Und wenn die jungen Kollege gespannt die Klappe halten und lauschen, sieht man schon das a) Pionierin war und ist und b) Einfluß hat. Für mich ist sie im positiven Sinne wirklich eine Diva der Diode.

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        herw  

        Ich muss klar stellen, dass ich im Bereich Modular eher theoretisch bewandert bin, da mein Hauptaugenwerk auf REAKTOR liegt, allerdings dort auch auf einem speziellen modular-Ensemble mit Patchmöglichkeit auf der Bedienoberfläche.
        Ich kann mir allerdings vorstellen, wenn ich elektronische Musik eines Modularsystems höre, wie in etwa der Patch konstruiert sein könnte; ich habe aber nicht den Anspruch, ein Experte zu sein oder gar gut im Patchen zu sein.
        Ich möchte Suzanne Ciani auch nicht weiter herunter ziehen, meine Meinung ist deutlich geworden. Ich habe mir auch Teile des verlinkten Red-Bull-Music-Academy-Videos angesehen, insbesondere die letzten fünf Minuten der Publikumsfragen. Es hat meine Meinung bestätigt. Da ich aber nur diese wenigen Quellen von ihr kenne, darf ich natürlich auch nicht anmaßend urteilen.
        Ich bin gespannt auf den zweiten Teil.

        Interessant finde ich dagegen:
        https://www.youtube.com/watch?v=7vZGeHBfxU0&index=2&list=RDLfcsC2ICfVs

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          TobyB  RED

          Hallo Herw,

          so analytisch gehe ich nicht vor, wenn ich so etwas höre. Entweder es funktioniert für mich oder nicht. Und Suzanne Ciani funktioniert. Performances von ihr gibt es zu Hauf auf Youtube, da sie in den letzten Jahren immer mal wieder auf den wichtigen Branchen Events auftrat. Die Extraklasse von Frau Ciani bekommt man spätestens dann mit, wenn du sie am Piano gesehen hast. Das stellt sie für mich in eine Reihe neben Delia Derbyshire, Laurie Spiegel etc.

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            herw  

            Hallo TobyB,

            ich mag dislikes nicht, da sie, wie ich finde, verletzend und auch missverständlich sind. Daher antworte ich lieber, damit klar ist, warum ich deine Meinung nicht teile.

            Ich muss allerdings auch beachten, dass die letzten Kommentare vom eigentlichen Thema, nämlich dem wunderschönen Bericht und Interview von Costello über Buchlas 200e, nicht ablenken.

            Ich mache es daher hoffentlich kurz und halte mich sehr zurück:

            Ich hoffe, du meinst nicht die Alben „Pianissimo I-III” von Suzanne Ciani. Andere Alben von ihr mit Piano habe ich ebenfalls angespielt und keine kompositorischen und spieltechnischen Unterschiede gefunden.

            Nichts desto trotz, lass uns auf den 2. Teil über Buchla freuen. Das haben wir, denke ich doch, gemeinsam. :)

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              costello  RED

              Hi Herw, hi Toby, ich habe eben euch beiden ein „Like“ gegeben. Von der Diskussion und von der Kontroverse lebt doch Amazona.de. Die Kommentare sind hier mindestens ebenso so wichtig wie der Beitrag, über den diskutiert wird. :-))

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                TobyB  RED

                G’Morning,

                ich hab eine Pint auf dich im Sack voll Kartoffeln getrunken :-) Gleich gegenüber der Aston University, Fachbereich Musik…

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                    TobyB  RED

                    Hallo Herw,

                    gestern war Musik Quiz im Sacks. War witzig :-) BTW, ich kenne die Aston, hab hier als Gasthörer mein Englisch gepimpt. Die Arts sind hier mit den Laws in einem College gebündelt, find ich witzig. Ansonsten, in Birmingham gibt es sehr viele gute und bekannte Musiker und Musik findet hier tatsächlich in den Pubs statt. Ich hab gestern u.A. mit einem angehenden Master geklönt, der studiert gemixte Komposition. Und fand Costellos Bericht über das Buchla spannend. Schwört aber selber auf sein Döpfer System.

                    Nächste Woche kann ich mir hier mal die Vintage Computer Music Collection ansehen. Da freu ich mich schon drauf.

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              TobyB  RED

              Hallo Herw,

              da kann ich mit leben ;-) Ich muss dir nicht meinen Geschmack aufdrängeln oder verargumentieren. Musik funktioniert oder eben nicht. :)

  18. Profilbild
    Lewis  

    So wie es aussieht, hat Schneidersladen den Vertrieb von Buchla wieder aufgenommen. Ist zwar auf der Buchla-Website noch nicht vermerkt, aber die Module sind bei Schneiders auf Anfrage verfügbar.

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