Test: Black Corporation Xerxes, Synthesizer Klon des Elka Synthex

25. Juli 2020

Ein moderner Elka Synthex im 19"-Gehäuse

Black Corporation Xerxes, Synthesizer

Test: Black Corporation Xerxes, Synthesizer

Was kommt dabei raus, wenn ein Synthesizer nach einem Gott benannt wird?

Gegen Ende 2019 erschien der dritte Synthesizer aus dem Hause Black Corporation, er ist nach dem persischen König Xerxes benannt und wird in Japan produziert, hier nun der Test. Die Idee hinter dem Gerät ist der analoge Vintage-Klassiker ELKA Synthex, es handelt sich hierbei jedoch um keine Replika oder direkten Klon. In dem Test wird kein direkter Vergleich zum Elka Synthex gemacht. Eigentlich sollte Xerxes von mir als DIY-Bericht erscheinen, jedoch wird das Gerät nicht als DIY-Option angeboten, entgegen der Ankündigung des Hersteller im Jahr 2018. Deshalb kam dieser Xerxes Bericht auch etwas später, da ich den Xerxes selber gekauft habe und bei 4.098 Euro ein „paar Tage“ länger sparen musste.

Lieferumfang zum Black Corporation Xerxes Synthesizer

Geliefert wird Xerxes in einem stabilen Karton (doppelt verpackt), dort sitzt er dank Passform-Schaumteilen transportsicher, dazu gibt es noch zwei Aufkleber und zwei hochwertiger Anstecker sowie ein Schreiben bzgl. der CE-Konformitätserklärung.

Black Corporation Xerxes, Synthesizer

Das mitgelieferte Steckernetzteil ist universell für 110/230 V AC Eingang  und samt Adapter für den EU/UK/US-Markt einsetzbar,  ausgangsseitig 12 V DC/2 A mit 5,5 mm/2,1 mm Hohlkammerstecker, Mitte positiv.

Weiterhin erhält man zwei schwarze 19“ Rack-Winkel samt vier Schrauben, die Echtholzseitenteile kann man leicht demontieren und dafür die Rack-Winkel befestigen.  Kleiner Hinweis: Andere bzw. längere Schrauben sollte man nicht benutzen, da diese sonst beim Einschrauben innen gegen Bauteile stoßen. Ein Benutzerhandbuch liegt nicht bei, jedoch gibt es auf meiner Website eine „Draft-Version“.

Außenansicht des Elka Synthex Klons

Insgesamt macht das Gerät äußerlich eine gute Figur, das Gehäuse und Frontpanel sind aus Stahlblech gefertigt und lackiert, die Beschriftung ist Siebdruck. Die nicht verschraubten Potentiometer lassen sich gut bewegen und wackeln nicht, dennoch würde ich in der Preisklasse noch hochwertigere Potentiometer wünschen, verstehen sollte man hier eine Tatsache, dass die Bauhöhe, wie bereits beim Kijimi die Taster, sehr flach und somit ist der Abstand zwischen Panel und PCB sehr gering ist, was den Einsatz von herkömmliche Potentiometer einschränkt.

Black Corporation Xerxes, Synthesizer

Der Xerxes Synthesizer von oben

Wem die D-Schaft-Knobs nicht gefallen, kann diese einfach tauschen. Bei meinem Xerxes habe ich die Kreuzschlitzschrauben gegen flache Linsenkopfschrauben mit Innensechskant getauscht, da sie dann optisch nicht mehr so ins Gewicht fallen. Die verbauten Taster sind wie im Kijimi hochwertig und haben eine gute Haptik. Die roten/grünen LEDs in den Tastern blenden nicht.

Beim OLED (Display) scheiden sich wieder die Geister, die Größe mit 0,96″ ist ausreichend für die Benutzung jedoch muss man sehr nah ran, um alles ablesen zu können – na ja ein bisschen körperliche Bewegung schadet ja nie.

Rückseitig finden wir ein MIDI-Trio mit ungewöhnlicher Belegung,  MIDI Thru sitzt in der Mitte, sonst üblicherweise immer rechts, also hier gilt „nicht einfach blind hinter das Gerät greifen und MIDI Out oder Thru verbinden“. Weiterhin gibt es zwei unsymmetrische Monoausgänge (L/R stereo)  in 6,3 mm Ausführung und einen USB-B-Anschluss für USB-MIDI. Der USB-Anschluss ist hervorragend isoliert und man hat keine Störungen im Audiosignal (im Gegensatz zum Deckardsdream (rev.1 und rev.2) sowie beim Kijimi. Eine Kabelzugentlastung ist nicht vorhanden, was beim Stromanschluss vorteilhaft wäre, sofern man das Gerät bei Live-Auftritten benutzt.

Wobei wir hier nochmals auf das Thema Rack-Montage zu sprechen kommen: Möchte man das Gerät in ein Rack einbauen, sind Standard-USB, MIDI-Stecker und Klinkenstecker von der Bauhöhe zu lang, man benötigt gewinkelte Stecker für USB oder MIDI und den beiden Audioanschlüssen. Diese findet  man für unter 10 Euro.

Black Corporation Xerxes, Synthesizer

Funktionserläuterung pro Sektion

Oszillator-Sektion

Xerxes ist 8-fach polyphon mit jeweils zwei digital kontrollierten analogen Oszillatoren (DCOs), somit 16 Oszillatoren, monotimbral. Eine Oszillator-Sync-Funktion bietet hier einen Sync von OSC2 auf OSC1 samt variabler Phase, weiterhin kann man das auch mit der LFO-Phase modulieren. Beide Oszillatoren verfügen üer einen Oktavschalter und ein Transpose-Potentiometer zur Tonhöhenbestiummung. Ein globales Tuning-Potentiometer existiert hier ebenfalls inkl. einer Detune-Funktion.

Die Oszillatoren besitzen jeweils Triangle, Saw, Square und Pulse – zum Pulse gehört natürlich auch die entsprechende Modulation – beim Xerxes sind das Cross-Modulation bzw. Pulse-Amplituden-Modulation (PAM) des anderen Oszillators sowie Ringmodulation und Pulsbreitenmodulation. Außerhalb der Oszillator-Sektion findet man zwei Potentiometer für „Drift“.

Da die Oszillatoren analog sind, aber digital angesteuert werden, driften diese nicht, somit gibt es hier eine Möglichkeit, ein Driften zu erzwingen, diese wirkt natürlich auf die Tonhöhe/Osc.-Frequenz. Das Speed-Potentiometer regelt hierbei, wie oft die Funktion einsetzt – z. B. ist mit der Stellung 10 der Einfluss alle 2 Sekunden, was dann auch definitiv hörbar ist. Der Density-Regler bestimmt, wie weit auseinander die Verstimmung sein soll, auf der Maximalstellung bedeutet das eine Verstimmung von 0 bis 20 Cent pro Note.

Filter

Xerxes liefert ein analoges Multimode-Filter, Tiefpass 24 dB, Hochpass 12 dB. Beim Bandpass gibt es zwei Optionen: Bandpass Option 1 lässt nur Frequenzen um den Filter-Cutoff-Punkt durch, alle Frequenzen darüber und darunter werden mit 6 dB angeschnitten, bei der Bandpass Option 2 (rechte LED leuchtet) wirkt der Bandpass mit 12 dB.

Zur Filter-Modulation kann eine Hüllkurve sowie das Keyboard-Tracking genutzt werden.

LFO-Sektion

Black Corporation Xerxes, Synthesizer

Viele Funktionen stecken in den beiden LFOs

Bei genauen Hinsehen erkennt man hier einen LFO A und B, ausgewählt werden diese per A/B-Switch. Natürlich findet man auch eine LFO-Sync-Funktion und LFO-Delay sowie 6 verschiedene Schwingungsformen. Als Zuweisungsziel steht für jeden LFO jeweils OSC 1 und 2 zur Verfügung oder jeweils beide sowie die Modulationstiefe. Ebenfalls stehen das Filter und der VCA als Modulationsziel zur Verfügung.

Sollte man die LFOs für die Oszillator-Pulsbreitenmodulation nutzen wollen, muss man vorher auch die Oszillatoren auf die Pulsschwingungsform umschalten, hier sollte der Entwickler eine Korrektur vornehmen und den Oszillatorstatus abfragen und z. B. durch Blinken der LEDs einen Bedienungsfehler anzeigen. Zusätzlich gibt es noch einen Taster für die Phase – hier kann Oszillator 2 die Sync-Phase modulieren – das funktioniert aber nur, wenn OSC-Sync aktiv ist, auch hier fehlt eine Abfrage.

Zu guter Letzt findet man noch eine Aftertouch-Funktion für die LFOs mit 3 verschiedenen Modi, die aufgrund der Komplexität hier nicht weiter beschrieben wird, jedoch wird diese im Handbuch ausführlich erklärt. In der „Software“, also im Menü, findet man weitere Einstellungen zum LFO wie Minimal/Maximalgeschwindigkeit und monophonen/polyphonen LFO-Mode.

Dynamics und Envelopes

Black Corporation Xerxes, Synthesizer

Dynamics

Nein, es gibt hier keinen Kompressor, jedoch eine Menge anderer netter Funktionen.

Aufgrund der MPE-Fähigkeit des Xerxes bieten sich hier ein paar zusätzliche Möglichkeiten der Modulation. Zunächst sollte man wissen, wie diese wirken können. Im reinen MPE-Modus wirken die Einstellungen auf jede einzelne Note, im Channel-Aftertouch auf alle gleichzeitig gespielten Noten.  Somit kann Velocity und Aftertouch jeweils bipolar auf das Filter und den Amplifier wirken.

Hier sollte man ein bisschen mit den VCA-Settings und seinen MIDI-CC-Einstellungen ausprobieren, hier ist ein Blick in das Handbuch gefragt. Weitere Einstellungen befinden sich ebenfalls im Menü.

Envelopes

Die beiden ADSR-Hüllkurven haben zusätzlich zwei Funktionen: zum einen eine Hold-Funktion, die gespielte Noten hält und eine Release Funktion. Nur wenn die Release-LED leuchtet, ist in der  AmplifierHüllkurve die Release-Funktion aktiv.

Weiterhin kann man in den Menü-Einstellungen einen Multiplikator von 1-4x festlegen (pro Preset speicherbar).

Black Corporation Xerxes, Synthesizer

Noise
Pink und White Noise samt Abschwächer

Portamento
Glide und Glissando sind ebenfalls implementiert als Modulationsziel kann man beide Oszillatoren oder nur Oszillator 1, 2 auswählen.

Chorus

Der Elka Synthex nutzt die guten alten BBDs vom Typ TDA1022 (512 Stage), da dieser jedoch nicht ausreichender Menge und nicht im SMD-Format verfügbar sind, wurden hier andere BBDs benutzt – MN3207/V3207 1024 Stage.

Diese stellen hier drei verschiedene Chorus-Modelle zur Verfügung, vom Hersteller beschrieben als Leslie-Effekt, Akustikraum-Effekt und String-Ensemble-Effekt. Mehr dazu in den Klangbeispielen.

Software/Menü

Zusammengefasst bietet der Xerxes bereits auf der Bedienoberfläche eine Menge Funktionen und Modulationsmöglichkeiten an, speziell wenn man MPE nutzt.

Ab Werk bietet Xerxes bereits zwei belegte Bänke an, weiterhin stehen neun leere Bänke zur Verfügung mit jeweils 128 Speicherplätzen, das ist absolut ausreichend. Die beiden Factory-Bänke nennen sich Vintage und Factory.

Im Software-Menü sollte man ein paar Einstellungen überprüfen und ggfs. an seine persönlichen Bedürfnisse anpassen, zum einen natürlich, ob man MPE, Channel-Pressure (C.P) oder Polyphonic-Aftertouch (P.A) nutzt. Zum anderen, wie die Potentiometer bei einer Veränderung abgeholt werden, dafür gibt es drei Optionen: Pickup, Merge und Immediate.

Weiterhin kann man per Menü-Einstellung wie bereits beim Deckardsdream und Kijimi die acht Voices  (fast) frei konfigurieren, zum einen Monopho- Mode (alle acht Voices auf eine Note) sowie Unison und Polyphonic-Mode. In Kombination mit der Cards per Voice Option kann man jedoch auch vier Oszillatoren pro Voice einstellen (4-fach polyphon) oder 8 Osc. Pro Voice (ergibt 2-fach polyphon) oder als Standard eben 2 OSC pro Voice (8-fach polyphon).

Weitere Einstellungen wie Legato, Sustain-Modes, VCF-Velocity, LFO-Speed, LFO-Mode – mono- oder polyphon, Modwheel- und Pitchbend-Einstellungen, Microtimings findet man im Menü ebenfalls.

Klangeindruck des Rack-Synthesizers

Meinen persönlicher Klangeindruck des Gerätes versuche ich zunächst auf die einzelnen Sektionen bezogen zu beschreiben und am Ende einmal zusammengefasst.

Das Multimode-Filter ist wirklich sehr gut, alle Filtermodi klingen hervorragend, vor allem die Resonanz kann von weich bis sehr aggressiv klingen. Gut testen kann man das mittels des Noise-Generators. Will man weg von Brot und Butter Sounds der 80er Jahre, braucht man nur mal einen LFO samt Hüllkurve und aus dem Dynamik Bereich die Aftertouch/Velocity als Modulation auf das Filter geben – hier packt das Filter ordentlich zu. Mehr dazu in den Klangbeispielen.

Bei den Oszillatoren fällt es mir schon schwerer, eine Meinung abzugeben, sie tun das, was sie sollen und klingen eher zurückhaltend, richtig interessant aber auch komplex wird es erst bei den Modulationsoptionen, vor allem deshalb, weil die beiden LFOs per Umschalter ausgewählt werden, hier fehlt die visuelle Ebene, um zu erkennen, was der andere LFO gerade macht. Ich bin mir sicher, dass wir hier Abhilfe in Form eines Editors bekommen werden, diesen gibt es bereits für den DDRM und in Kürze für den Kijimi.

Ingesamt gehen die Oszillatoren tief genug runter, um auch halbwegs präzise Bässe hervorzubringen, in den oberen Frequenzbereichen führt sich Xerxes wie auch sein Vorbild sehr wohl, mittels Detune und Drift fühlt sich das Ganze auch so an, als ob man einen alten ungewarteten Synthesizer vor sich hat bzw. dieser noch nicht auf Temperatur ist.

Der VCO-Sync macht das, was er soll, jedoch sollte man hier keine super extremen Hard-Sync-Sounds erwarten, er klingt hier eher etwas „drahtig“. Bei der Ringmodulation wurde ich ein bisschen enttäuscht, die Benutzung und der Klang überzeugen nicht – vermutlich kenne ich zu viele gute voll analoge Ringmodulatoren. Alle drei Chorus-Modes klingen gut, vor allem der „String Ensemble Typ“. Das bekannte Chorus-Rauschen wie alten Roland Junos hat man hier glücklicherweise nicht.

Zusammengefasst hat der Xerxes einen sehr eigenen Sound, er umhüllt vieles mit etwas Gläsernem, Pads schweben auch ohne Hinzunahme von Effekten im Raum. Metallische Klänge, Glocken und Laser-Sweeps sind ebenfalls seine Stärke. Bereits die beiden Factory-Preset-Bänke zeigen das Potential des Gerätes, natürlich fehlt auch hier nicht der typische Jean-Michel Jarre Laserharfen Sound.

Ich werde oft danach gefragt, ob DECKARDS DREAM, Kijimi oder Xerxes mir besser gefällt, eine klare Antwort gibt es hier genauso wenig wie bei einer Frage, ob ich lieber Salami oder Schinken mag. Schließlich liegt es doch daran, welche Art von Musik man machen möchte. Dennoch bin ich mir sehr sicher, dass ein Xerxes im Scoring/Filmmusik-Bereich mit seinem Charakter seine volle Leistung ausspielen kann. Und wenn man mal einen bisschen abschalten will, nimmt man einen Xerxes und spielt ein paar weiche Pad-Sounds.

Demos zum Black Corporation Xerxes Synthesizer

Vorab ein Demo von Mr. Firechild

 

Als Ergänzung findet ihr nach dem Artikel noch ein paar eigene Sounds bzw. Funktionsbeispiele. Ich hoffe, es ist nicht zu viel Bekanntes dabei. Es wurde direkt per RME Fireface UFX+ aufgenommen und danach nur einmal vor dem MP3 Rendern der Pegel normalisiert.

Ein Blick ins Innere des Xerxes

Nachdem ich nirgends im Netz und auch vom Hersteller keine Bilder bekommen habe, musste mein Xerxes also erst mal wieder aus dem Rack raus und ab auf den Tisch.

Sechs Schrauben und zwei Muttern später und nach fieser hin und her Schieberei der PCB hatte ich das Gerät auseinander. Da das alles wirklich sehr passgenau sitzt, rate ich dringend davon ab, das Gerät zu öffnen – wenn man es nicht wirklich muss, spätestens beim Zusammenbau besteht das Risiko, etwas zu beschädigen.

Black Corporation Xerxes, Synthesizer Platine

Black Corporation Xerxes, Synthesizer Platine 2

Insgesamt besteht das Gerät aus zwei Platinen: Controlboard samt den mechanischen Teilen wie Taster und Potentiometer sowie dem „Mainboard“ (oberes PCB im Bild). Was mich persönlich interessiert hat, sind der Chorus und die Voices.

Beim Chorus findet man ausgerechnet die v3207D aus dem Hause CoolAudio – oder soll ich gleich Musictribe/Behringer sagen?  Ja, man hätte hier wohl auch den XVIVE MN3007 nutzen können, der jedoch das Fünffache kostet. 

Die acht Voices kann man gut erkennen, da die Bauteilereihenfolge identisch ist.

Black Corporation Xerxes, Synthesizer Platine 3

Weiterhin findet man auf rechten Seite den DC-Wandler sowie den XMOS-Prozessor, dieser ist auch im KIJIMI vorhanden und überzeugt durch Rechenleistung, man darf gespannt sein, ob hier ebenfalls wie beim Kijimi per Firmware-Update noch mal Zusatzfunktionen hinzukommen (z. B. Arpeggiator).

Black Corporation Xerxes, Synthesizer DIY

Wie man sofort erkennen kann, besteht das Mainboard zu 99 % aus SMD-Bauteilen – anders würde man das Gerät auch nicht in der Baugröße hinbekommen. Sollte mal etwas defekt sein, kann man hier wenigstens noch selber reparieren, genügend Abstand und kein 0402 Format.

Womit ich auch noch einmal auf das Thema DIY zurückkommen möchte. Hätte man das Gerät als DIY-Option angeboten, wäre es hilfreich gewesen, die Schaltpläne mit zu veröffentlichen, damit wäre es leichter für andere Unternehmen, hier mal „abzugucken“, deshalb gibt es auch für den KIJIMI und DDRM rev.2 keine Schaltpläne. Ich nenne keine Namen, aber man kennt ja die Produktankündigungen und da hilft auch kein Copyright oder Patent, wenn man lediglich die Architektur versteht und sich grob danach richtet. Hier muss man nur mal den DDRM, Kijimi und Xerxes vergleichen und verstehen, was man so noch alles auf der „Plattform“ bauen kann. Beispielsweise wäre es relativ einfach, einen OB-X  oder Prophet-5 damit zu bauen. Schlussendlich dreht sich alles um die Voicecards und deren Ansteuerung.

An der Stelle möchte ich auch noch mal etwas loswerden. Der neue Deckardsdream MK2 (nicht rev.2) wird ebenfalls so flach wie der Xerxes sein (Desktop-Gerät), jedoch wird dieser nicht als DIY Version angeboten. Ich erwähne es deshalb, weil auf der Herstellerseite eine DIY-Option angeboten wird. Diese DIY-Option bezieht sich auf die herkömmliche DDRM rev.2 Version mit dem tiefen Gehäuse, da THT-Bauweise.

Zurück zum Innenleben. Die Voices haben ein AS3320 IC – das ist ein Filterchip, ein „Nachbau“ des CEM3320. Einen AS3360 VCA-Chip entdeckt man ebenfalls pro Voice.

Glücklicherweise finden wir nicht wie beim Elka Synthex tonnenweise TTL- und CMOS-Chips, denn das führt oft zu aufwendigen Reparaturen.

Black Corporation Support

Wie bereits beim Deckardsdream Expander im Frühjahr 2020 erwähnt, gab es Schwierigkeiten mit dem Support/After-Sales, das hat sich nicht verändert – leider!

Explizit ist damit gemeint, dass Handbücher nicht oder nur als Draft-Version vorliegen, diese aber nicht auf der Hersteller-Website liegen. Ebenfalls beim Thema Firmware-Updates: Ja, es gibt welche für DDRM und Kijimi, sogar ein EEPROM-File für den Expander, jedoch liegen sie nicht auf der Hersteller-Website. Man bekommt per E-Mail-Support und auch per Facebook-Gruppen oder Messenger-Dienste, das setzt jedoch voraus, dass Anwender diese Quellen finden.

Da ich selber alle Geräte von Black. Corp. besitze und die meisten selber gebaut habe, findet man auf meiner Website Handbücher, Firmware und weitere Infos.

Wie erwähnt findeich  es wirklich sehr schade und ich möchte auch niemanden diskreditieren, aber es ist wichtig, auch einmal darüber zu berichten. Deshalb empfehle ich, den Kauf über einen deutschen Händler zu tätigen, statt direkt beim Hersteller, sodass im Fall der Fälle wenigstens das deutsche Verbraucherrecht gegenüber dem Verkäufer in Anspruch genommen werden kann. Dennoch bin ich immer wieder positiv überrascht, dass neue Firmware-Updates für die Produkte veröffentlicht werden, der Funktionsumfang steigt und Fehler beseitigt werden.

Fazit

Wer auf der Suche nach etwas anderem als Brot und Butter Synthesizer ist, findet mit Xerxes eventuell das Richtige. Man findet immer wieder neue Nuancen in Pad-Sounds und verliert sich schnell in weiten Klangwelten. Durch seine MPE-Implementierung und Modulationsmöglichkeiten stehen dem Benutzer viele Möglichkeiten zur Verfügung, ausdrucksstark zu spielen. Die Bedienung ist intuitiv und die Verarbeitung ist sehr gut.

 

Plus

  • sehr guter Klang
  • MPE MIDI
  • Kopfhöreranschluss
  • USB-MIDI (isoliert)

Minus

  • Support stark verbesserungswürdig
  • keine symmetrischen Audioausgänge
  • kleines OLED

Preis

  • 4.098,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Marco Korda  AHU

    Zunächst mal ein dickes Lob an DSL-Man. Einen besseren Bericht kann man kaum schreiben. Es ist alles drin, was man wissen muss, nicht zu viel, nicht zu wenig. Auch wenn es manchmal recht technisch zuging, habe ich mich nicht überfordert gefühlt. Die Terminologie ist passend gewählt, die Klangbeispiele hinreichend. Alle Daumen hoch und die dicken Zehen dazu!

    Zum Gerät: ich orientiere mich jetzt in erster Linie nur an die Klangbeispiele. Dem Synth scheint eine gewisse Flexibilität innezuwohnen, wobei treffend vom DSL-Man resümiert wurde, Bässe sind nicht so die Domäne – stimmt! Die anderen Sounds sind recht gut, allerdings frage ich mich, warum das so teuer sein muss. Denn so teuer klingt er jetzt in meinen Ohren nicht. Für das Geld bekomme ich beinahe einen OB-6 plus einen Pro-3 und wahrscheinlich bin ich – was die Vielfalt angeht – besser bestückt, aber anders. Sicherlich klingen die ob der Filtertypen alternativ, aber das schraubt man sich doch sowieso schön. Klar, der Synthex hat 16 Stimmen, das ist aufwändig und teuer, aber hier gibt es nicht mal eine Tastatur.
    Nun denn, wer’s braucht. Bitte sehr!

  2. Profilbild
    Phakt  

    Der Synthex war schon immer ein Traum von mir.. aber das wars dann auch. 4 Scheine für das Teil finde ich aber schon recht heftig.

  3. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Die Klangbeispiele touchen mich nicht wirklich. Rau, kantig, steril – ohne Alleinstellungsmerkmal. Wäre hier mit EQing mehr beschäftigt als sonstwas. Der Oschi wäre mir nicht mal die Hälfte wert. Positiv: vermutlich schnelle Hüllkurven, Bass kann knacken.
    Aber das bietet mir auch jeder Brot- und Butter (Soft)Synth.

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    rio  

    Na du traust dir ja was, bei dem Preis das Gerät aufzuschrauben ;) aber ja – danke für den Einblick.

    Interessant finde ich das einige Kabel bzw. Caps manuell dem PCB ergänzt wurden. Apropos DIY – Das wäre mit den ganzen SMD Chips aber auch nicht geil.

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    Tyrell  RED 11

    Ich hatte lange Zeit das Original, trennte mich vor einem Jahr aber davon, da er zwar gut klang, aber in meinem Ohren auch irgendwie beliebig. Für mich hat der ELKA SYNTHEX den Hype um ihn herum nie wirklich verdient.

    • Profilbild
      Cavestudioschweiz  

      Mir geht es gerade andersrum. Habe hier viele tolle Geräte hier rumstehen (u.a. auch gleichbares wie Xpander, Prophet 5), aber ich schraube immer wieder gerne am Syntex rum. vor allem der coole Double Mode mit dem leichten Detune gefällt mir. Der Lüfter kann etwas nerven…

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      iggy_pop  AHU

      Ja, beliebig trifft’s — ich hatte zweimal die Gelegenheit, mehrere Stunden an Synthexen zu drehen, und zweimal hatte ich das Gefühl, es mit einem Polysix auf Steroiden zu tun zu haben: Mach den Chorus aus, und alles klingt irgendwie unspektakulär.

      Nett, aber unspektakulär. Rhodes Chroma für mich, bitte.

  6. Profilbild
    Lewis  

    Guter Bericht, alles schön auf den Punkt gebracht. Eine Frage zum Ringmodulator: Kannst Du mal ein paar Beispiele nennen bzgl. der „guten“ Ringmodulatoren, die Du kennst?
    Danke und Grüße

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    swissdoc  RED

    Vielen Dank für den detaillierten Artikel und die Soundbeispiele. Während der Synthex im Kern der Oszillatoren zwei kaskadierte LS193 Zähler nutzt, die über diskrete Widerstände eine 8-Bit Treppenspannung erzeugen, aus der dann die verschiedenen Waveforms abgeleitet werden, nutzt der Xerxes einen Analog Devices AD9833 (Marketing Code D68). Dies ist ein „direct digital synthesis (DDS) chip“, der Sinus, Dreieck oder Rechteck mit 10-Bit Auflösung erzeugen kann. Hier wird wohl das Dreieck-Signal verwendet.
     
    Das mit den digital kontrollierten analogen Oszillatoren (DCOs) oben im Text ist also nicht ganz korrekt. Die Black Corporation bezeichnet sie auf der Platine als NCOs.
     
    Sehr audiophil ist die Verwendung von je vier 330 pF Styroflex-Kondensatoren an den Filterchips.
     
    Speziell am Synthex ist die Beschaltung des Curtis 3320 als Multimode-Filter. Dies erlaubt Klänge, die andere Synths aus der Zeit nicht können.
     
    Bei den Beispielen fehlt mir noch einer der Trademark HPF-Sounds des Synthex. Der Laserharp-Sound ist leider sehr Staccato gespielt. Bei Sequencer.de gab es dazu mal einen 1:1 Vergleich (ist nun aber gelöscht). Der Xerxes ist schon nah dran gewesen.

    • Profilbild
      DSL-man  RED

      Es wurde bewusst darauf verzichtet diesen Laserharp Sound zu benutzen, da es sonst wieder mit „clone“ Diskussionen ausartet.
      In den Werkspresets ist er enthalten.
      Mit der NCO/DCO Bezeichnung hab ich mich bewusst für die Bezeichnung DCO entschieden wie es auch der Hersteller macht und es beide digitale Ansteuerungen sind, aber dennoch Danke für deine Erklärungen, es gibt hier schon noch Leser die am liebsten alles bis ins tiefste Detail und wissen wollen.
      Schade das Black Corp kein Servicemanual hat, wo genau so etwas beschrieben wird.

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        swissdoc  RED

        Der Oszillator im Xerxes und auch im Synthex hat halt nichts analoges an sich. Im Kern zumindest. Die Waveshapes und PWM sind dann analog, aber die Treppenspannung wird rein digital erzeugt. Ein DCO hat einen analogen Kern, nur der Reset der Rampe erfolgt von aussen. Das genau hat aber weder Xerxes noch Synthex.
         
        Der Hersteller wirft da ein wenig mit Blendgranaten, wobei dieses spezielle Mario Maggi Design die Instrumente gerade interessant macht.
         
        Auf Gearslutz ist ein User Pandomonium unterwegs, nicht ganz klar ob er mit Black Corporation etwas zu hat. Er schreibt in diese Post https://bit.ly/2D4ic8T einiges wirres Zeug zu den Oszillatoren im Synthex. Die von ihm genannte Current Source gibt es im Synthex ebensowenig wie den Kondensator.

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    WOK  

    Also ich weiß ja nicht – OK, durch die vielen Regler und Taster hat man Direktzugriff auf alle Parameter, aber sonst: was kann das Ding, dass ein Behringer Deepmind 12D nicht auch kann? Der Klang scheint mir angesichts der Beispiele jedenfalls nicht den siebenfachen Preis wert zu sein….
    Da scheint man doch eher nur auf einem Vintage-Hype mitreiten zu wollen. Korg hat mit dem Minilogue XD wenigstens mal neue Ideen eingebracht (leider nur vierstimmig).

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      astral_body  

      Das Minilogue Modul kann auch Polychain. Da kann man auch mehr als 4 Stimmen zusammenbekomme ;-)

      Alternativ gibt es den Minilogue XD auch mit Keyboard und 8 oder 16 Stimmen https://www.amazona.de/test-korg-prologue-hybrid-synthesizer/ . Nennt sich dann Prologue.

      BTW: Ich den Minilogue XD habe ich seit 1 Jahr und finde nach wie vor super. Habe auch Behringer Synth die ich sehr mag.

      Aber wenn man die Features vom Minilogue XD mit 4 Voice Poly mit 3xFX, digitalen Multiengine, Patches, Sequencer, usw. vergleicht, dann ist der Minilogue XD echt ein fast schon Premium-Synth zum Schnäppchenpreis (Im Anbetracht für Innovation, Features, Klang usw.). Damit habe ich immer wieder viel Spaß. Ist auch mal was anderes.

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    Bernd-Michael Land  

    Der Elka Synthex war immer schon recht selten. Den wollte schon damals kaum Einer kaufen, weil der Sound nicht überzeugen konnte.
    Daher verstehe ich auch den aktuellen Hype auch nicht.
    Und dann noch dieses OLED-Display, das man nicht ablesen kann, eine HE mehr hätte Niemanden gestört und alles wäre gut.
    Der Preis ist recht sportlich, das wird sicherlich kein Renner werden.

    • Profilbild
      lightman  AHU

      Ohne Jarre und seine Laserharp-Performance wären noch weniger Synthexe verkauft worden, das macht wohl bis heute seinen Reiz aus. Wegen seiner Seltenheit sind die Legenden über ihn ins Kraut gescho ssen, bei dem Gedanken an die frühen 80er gehen mit manchen Leuten offenbar die Pferde durch.

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        iggy_pop  AHU

        Nicht zu vergessen Stevie Wonder und Keith Emerson — hätte Emerson dem Synthex nicht attestiert, die GX-1-Bläser von „Fanfare to the common man“ einigermaßen überzeugend simulieren zu können, dann hätte erst recht niemand dieses Schiff gekauft, welches einfach zu spät auf den Markt kam. Dumm gelaufen im Hinblick auf das Marketing und die Marktforschung… ach ja, George Kochbek fällt mir noch ein, der dem Synthex („die dicke alte italienische Tante“) eine gewisse Wartungsintensität bescheinigte.

        Dieser nervige Laserharp-Klang ist kein Alleinstellungsmerkmal des Synthex, ein Prophet 5 kann das genauso überzeugend.

        Wenn man es denn unbedingt will.

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          nativeVS  AHU

          Der Sync klingt schon etwas anders als alle anderen (meiner meinung nach), aber ob das und die multimode implementation des CEM filters den preis des Originals oder Xerxes relativieren koennen?
          Wohl eher nicht.

          Fuer 4k wuerden die meissten doch wohl eher einen VCO synth nehmen.

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          lightman  AHU

          Wonder wußte ich, Emerson als Endorser war mir neu. Elka hat sich mit dem Teil verhoben, zwei Jahre später kam der DX7 und fegte den Rest des Interesses am Synthex weg. Der Ansatz, einen sehr stimmstabilen Synth mit aktuellem Sound zu bauen, war ehrenwert, gelang aber nur teilweise, der oft „drahtig“ genannte Klang ist für manche Zwecke/Stile gut geeignet, insgesamt ging das Teil jedoch am Markt vorbei.

          In dem Licht darf man gespannt sein, wie sich der Xerxes schlägt, in heutige Klangwelten paßt er vielleicht besser rein, wer weiß, kostet nur 4000 Steine, um es rauszufinden…

  10. Profilbild
    index  AHU

    ….tatsächlich fängt scheinbar an, bei dem, oder vielleicht wegen des grossen Angebots, so ein wenig Gleichgültigkeit zu entstehen, gegenüber den (Poly)-Analogen Synths die gerade rauskommen, sei es Clone oder auch „Neuentwicklungen“ . War auch irgendwie vorhersehbar…
    Halt eine Art Inflation…

    Plötzlich geht ein ganzes Stück Exklusivität verloren und die vorher angebeteten Götter werden….beliebig…
    Vor allem wenn andere Hersteller solche Dinger dann viel günstiger rausbringen und auch noch mit adäquatem Sound.
    Wenn dann irgendwann die Musik wieder im Vordergrund steht , die damit gemacht wird und nicht die Technik….
    Dann ist alles gut.

    Übrigens ein schöner Artikel hier auf Amazona:
    https://www.amazona.de/blue-box-elka-synthex-analogsynthesizer/

    • Profilbild
      lightman  AHU

      Die Inflation führt unter anderem dazu, daß sich manch Einer neu eicht. Man kann momentan aus dem Vollen schöpfen, dementsprechend sinkt die Sogwirkung vermeintlicher Legenden, weil die am Ende auch nur ein Haufen Holz, Metall, Plastik und Silikon sind.

      Ich finde das gut, das schafft Platz im Kopf für mehr Musik.

  11. Profilbild
    undertheecho  

    Vielen Dank an DSL-man für diesen tollen Bericht. Darauf hatte ich gewartet. Der Sound gefällt mir sehr gut. Bin ein großer Fan des Originals. Aber hier springt der Funke zum Kauf auf mich nicht über.

    Ich war letztes Jahr in den Staaten (Burbank) bei Perfect Circuit Audio. Hier erzählte mir ebenfalls der Verkäufer, dass der Sales Support von Black Corporation nicht besonders ist. Daher kann ich deine Aussage bestätigen. Wenn man preislich in solchen Segmenten unterwegs ist dann erwartet man auch einen Qualitätssupport.

    Dann wäre da der Preis. Ich bin gern bereit 4000 Euro auszugeben. Jetzt schaue ich auf das Innenleben und sehe zwei PCB Boards mit überwiegend maschineller Bestückung (so sieht es jedenfalls auf den Bildern aus), kein Keyboard und ein externes und aufgrund der Größe wahrscheinlich auch kein besonders hochwertiges Netzteil. Hier stimmt das Preis- Leistungsverhältnis für mich leider nicht.

    Falls ich etwas übersehen haben sollte, lasse ich mich gern belehren.

  12. Profilbild
    Violator   11

    Der Synthex konnte mich klanglich noch nie überzeugen.
    Ich verstehe den Hype über diese Kiste auch nicht.
    Und jetzt knappe 4k Euronen für ein „Replikat“ zu verlangen ist schon sehr gewagt.

  13. Profilbild
    NicGrey  

    … ist ja scheinbar die konsequente Preispolitik von Black Corporation. Deckard’s Dream, Kijimi und jetzt Xerxes – Preise sind praktisch identisch.

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