Test: EMC Schmidt Eight Voice Analog-Synthesizer

29. Mai 2019

Der Schmidt Synthesizer - Anti-GAS Therapie

EMC Schmidt Synthesizer

Fotomontage: Der Schmidt-Synthesizer in beiden Farbvarianten

Frage an die Leser:

Wurde jemals ein größerer Polysynthesizer in Serie gebaut?

Das erste Mal hatte ich Kontakt mit diesem Ausnahmesynthesizer, als ich ihn in Stefan Schmidts Wohnung probespielen durfte. Er hat ihn mir für diesen Termin freundlicherweise eigenhändig ein paar Stockwerke hochgeschleppt. Der Synthesizer hat mich beim Erstkontakt nicht sofort überzeugt, sondern erst Jahre später. Ich hatte eine gewisse Erwartungshaltung, wie er unbedingt sein muss und das sah ich damals nicht erfüllt. Ich war auch etwas überfordert, seine Stärken gleich zu erfassen. Also eines vorab: Lineare FM und Dreiecksignale sind definitiv nicht seine Stärken. Aber dafür kann er eine Menge anderes, unkonventionell anderes.

Der Schmidt Synthesizer in der schwarzen Version

Der Schmidt Synthesizer: Physisches

Vom Äußeren her ist dieser Synthesizer schon sehr beeindruckend. Schon einmal wegen seines Gewichts von 50 kg. Im Preis inbegriffen ist der Transport per Spedition vor die Haustüre, zusammen mit dem Flight Case, das auch noch einiges wiegt. Das ist schon eine besondere Hausnummer, wenn man das Monstrum vor sich stehen hat. Hier wird klar, dass man dieses noble Musikinstrument tunlichst nur zu Zweit bewegen sollte.

Der Schmidt Synthesizer in der weißen Version

Das Gehäuse besteht grundsätzlich aus Stahlblech, veredelt mit Teilen aus Holz. Das Frontpanel lässt sich hochklappen und in 3 verschiedenen Neigungen arretieren. Ein Netzteil ist natürlich in dieser Preisklasse intern verbaut, ein Lüfter ist innen leise zu hören. Dort verbindet ein Motherboard 8 Voice-Cards, jeweils in der Größe einer Pizzabox und bis zum Rand mit elektronischen Teilen vollgestopft. Kein SMD-Hühnerfutter, sondern solide Analogbauteile in konventioneller Technik. Die Analogschaltungen werden von Dutzenden Mikroprozessoren geregelt, das Audiosignal durchläuft aber keinen einzigen Digital/Analog-Wandler. Bei dem komplexen analogen Signalpfad sind wirklich keinerlei Rauschen und Nebengeräusche zu hören, das ist schon eine ingenieurstechnische Meisterleistung.

Nach dem Einschalten ist das Gerät innerhalb einer Sekunde spielbereit. Die Tastatur als High-End Modell von Fatar spielt sich sehr angenehm. Nichts klappert, Potis und Knöpfe machen einen hochwertigen Eindruck. Links davon, neben den üblichen Handrädern auch ein X/Y-Joystick und Regler für Programm up/down, Oktavierung und Steuerung der Modulatoren. Auch an einen Key-Hold-Taster wurde gedacht, wunderbar.

Umfangreiches und klappbares Panel zur Bedienung

Die Übersicht der Module liest sich so:

  • 4 DCOs
  • 4 Mischersektionen
  • 7 analoge Filter
  • 2 Distortions
  • 9 Envelopes
  • 1 Master VCA mit loopbarer Hüllkurve
  • 17 LFOs
  • Level und Panoramamodulation
  • Live-Sequencer

Der Schmidt Synthesizer: Die Oszillator Sektion

Also vier Oszillatoren, jeder mit eigenen Spezialitäten. So etwas Ödes wie Sinus- oder Dreieckschwingungsformen haben sie erst gar nicht, wozu gibt es schließlich Filter? Stattdessen bestehen die Grundschwingungen aus Sägezahn, Puls in ungewöhnlichsten Formaten und Rauschen.
Die Oszillatoren arbeiten nach dem klassischen Digital-Controlled-Oscillator-Konzept, d. h. ein Mikroprozessor steuert den Ladestrom eines Kondensators, dessen Pegel das analoge Oszillatorsignal darstellt. Zusätzlich werden verschiedene Rechtecksignale erzeugt und miteinander analog gemischt. Auch das erzeugte Rauschen ist ein binäres Signal mit zufälliger Pulsbreite – Wunder der Signaltheorie.

DCO1 mit Multi-PWM-Synthese und dafür zwei spezielle LFOs

Alle Oszillatoren lassen sich ± 1 Quinte chromatisch stimmen. Zudem gibt es einen Feinstimmungsregler mit Keyboard-Scaling. Die damit mögliche Oktavspreizung bewirkt, dass zum Beispiel zwei Töne im Oktavabstand nicht exakt im Verhältnis eins zu zwei, sondern etwas verstimmt werden können, was in schwebende Oktaven resultiert. Diese Technik nutzen auch heute gute Klavierstimmer, wenn sie einen Flügel stimmen (so ein guter Bösendorfer ist übrigens noch deutlich teurer als der Schmidt-Synthesizer). Durch die Oktavspreizung kann auch einstellt werden, dass zwei Oszillatoren über den gesamten Tonbereich gleichmäßig gegeneinander schweben. DCO1-3 haben noch eigene Suboszillatoren, die  von 64′ bis 8′ witzigerweise sogar über dem Master-Oszillator einstellbar sind.
Beim Sägezahn gibt es noch eine PWM-Option, bei der ein virtueller zweiter Oszillator noch einen verstimmten Sägezahn dagegenhält, für diesen Schwebeklang muss man also keinen zweiten DCO opfern.

Einfacher DCO2 und drei PWM-LFOs

Pulsschwingungen sind eine besondere Spezialität des Schmidtsynth. Es gibt natürlich eine Pulsbreitenmodulation, wobei jedem DCO sogar ein eigener PWM-LFO spendiert wurde. Darüber hinaus hat VCO1 auch die Schwingungsform „Pulse Train“: Hier werden zyklisch vier Impulse hintereinander erzeugt. Die Impulsbreiten und der Abstand zueinander sind mit zwei Reglern in einem zweidimensionalen Parameterraum zu verändern und sie können zudem noch zeitlich per „LFO diffuse“ unregelmäßig variiert werden. Mit Mode hat man verschiedene Methoden zur Auswahl, um überlappende Puls Trains zu addieren, subtrahieren oder exklusiv-oder-verknüpfen. Es gibt auch zwei spezielle LFOs zum Modulieren dieser Parameter. Das Ganze erzeugt ein Klangspektrum, das sich von einfachem PWM, Syncsounds, Phaser und spacigen Drohnen bewegt. Spätestens, wenn die beiden LFOs das Ganze in Bewegung setzen, klappt das Kinn herunter.

DCO3 mit eigenen FM- und RM-Modulationen

Der Schmidt Synthesizer: Audiomodulationen

Es gibt festverdrahtete Audiozuweisungen zwischen Oszillator 3 und den anderen Oszillatoren, diese ermöglichen Ringmodulation, Sync und FM. Auch die Suboszillatoren sind als Modulationsquelle einsetzbar. Ring- und Frequenzmodulationen erfolgen immer auf Rechteckschwingungen, was immer etwas drastisch wirkt und die Klangpalette etwas einschränkt. Na ja, RM/FM-Krach klingt aber auch so oder so irgendwie ermüdend. Eine Ausnahme machen die Filter, die auch mit Audiosignalen moduliert werden können und die ganze Sache klingt schon viel sanfter. Zusätzlich lassen sich alle Oszillatoren individuell mit Rauschen modulieren.

Der Schmidt Synthesizer: Oszillator 4

Dieser Oszillator ist auch wieder eine Besonderheit des Schmidtsynth. Hier werden die Signale von sechs Oszillatoren im subharmonischen Frequenzverhältnis nacheinander analog ringmoduliert und unterschiedlich verschaltet. Die  Programmierung der Parameter ist recht kompliziert, deshalb gibt es ein festes Set von 64 Wave-Presets zur Auswahl. Diese Presets können in einem etwas gezähmten Modus „Clean“ oder in einem geräuschhaften Modus „Ringmod“ betrieben werden. Jedes Preset hat grundsätzlich zwei Signalauskopplungen A und B, die mit dem Regler „A/B Mix“ gemischt werden. Das kann auch wieder moduliert werden, es entstehen dann Wavetable-ähnliche Klangverläufe.

DCO 4 „Metal Oscillator“ mit 64 Wave Presets und für alle 4 Oszillatoren separate ARs und LFOs

Was aus diesem Oszillator kommt, klingt generell sehr metallisch und geräuschhaft, komplett anders als die anderen DCOs. Hier wird ausgiebig im Terrain der digitalen Synthesizer gewildert, wobei es auch abwechslungsreiche Wiederholungszyklen geben kann. Sehr schön ist auch die automatisierbare Überblendung zwischen A und B, die schöne Klangverläufe einmalig oder zyklisch ermöglicht. Dieser Oszillator eignet sich z. B. recht gut, um dem Gesamtsound noch eine metallische Krone aufzusetzen oder metallische Transienten voranzustellen. Oder auch nur Geräusche bis hin zu Physical Modeling Drums. Viele der Röchel-Rausch-Klänge in den Soundbeispielen stammen aus diesem Oszillator und wären ohne ihn gar nicht möglich.

Der Schmidt Synthesizer: Die Filterbank

Was man hier vor sich hat, kann man eigentlich polyphone Filterbank nennen. Fünf Filtergruppen warten darauf, die rohen Oszillatorsounds zu formen. Jede Gruppe hat einen Mischer mit jeweils 2 Eingängen vorangestellt, denen jeweils ein beliebiger Oszillator zugeordnet werden kann. Die Regler lassen sich bis in die Sättigung einstellen. Ein Teil der Eingänge kann auch zur Filtermodulation verwendet werden und lässt sich amplitudenmodulieren, entweder durch einen LFO oder durch eine Mini-Hüllkurve. Zwei der Filtergruppen sind nach dem Moog’schen Vorbild konstruiert, also mit einer Flankensteilheit von 24 dB pro Oktave. Als Multimode-Filter sind diese stufenlos zwischen LP/BP/HP regelbar.

Die vier Hauptfilter

Zwei weitere Filtergruppen bestehen aus Dual-Filter, jeweils parallel geschaltete 12 dB Multimode-Filter. Man kann auswählen, in welchem Modus die einzelnen Filter sind, also HP+HP, BP+HP, BP+BP, LP+LP. Ein Regler bestimmt den Abstand zwischen den beiden Grenzfrequenzen. Zudem können beide Dual-VCFs auch noch gekoppelt werden, d. h. 4 Filter können einheitlich verschoben oder moduliert werden. Die Ausgangssignale können auf Wunsch durch jeweils einen eigenen Verzerrer geschickt werden, gekoppelt mit der eingangsseitigen Übersteuerung der Filter lassen sich extreme Sättigungen und Faltungen erreichen. Falls das nicht reicht, lassen sich auch noch die Phasen der einzelnen Filtergruppen invertieren, um bestimmte Frequenzen auszulöschen.

Jede Filtergruppe enthält einen eigenen ADSR-Generator und eigene LFOs mit netten Zugaben. Beispielsweise lassen sich zwei LFOs gegenseitig beeinflussen oder mit einer weiteren Zeitbasis modulieren. Auch an zwei Ramp-Generatoren wurde gedacht, die sich alternativ zur ADR-Hüllkurve aktivieren lassen. Diese Generatoren kennen 30 verschiedene repetierende Muster, die die Filterfrequenz oder Space modulieren können.

Die Ausgänge der Dual-Filter lassen sich in die Eingänge der 24 dB Filter einschleifen, um den Klang noch weiter zu formen. Die Resonanzeinstellung der Filter hört leider kurz vor der Selbstoszillation auf, sie können also nicht als eigenständige Oszillatoren verwendet werden. Dann gibt es noch eine fünfte Filtergruppe: ein 12 dB Tiefpass (VCF3), dessen Grenzfrequenz nur mit der Hand regelbar ist. Ist der aktuelle Sound mit all dem Resonanz-Gezwitschere in den höchsten Lagen zu dünn? Einfach dieses Filter bis in die Sättigung dazuregeln, einen passenden Oszillator aussuchen und schon hat man ein mächtiges Klanggebilde mit monströsen Bässen und Zwitschern.

Farbig beleuchtete Wheels entsprechen wohl dem Trend

Der Schmidt Synthesizer: Modulation

Es heißt, dass bei der Konzeption bewusst auf eine Modulationsmatrix verzichtet wurde, da ja fast jedes  Modul seine eigenen LFOs besitzt, die auch im One-Shot-Modus als AD-Hüllkurve dienen können. Aber dennoch: Es gibt eine Sektion bei den Modulationsrädern, wo ein beliebiger Drehknopf einer Modulationsquelle für den Hand- oder Fußbetrieb zugewiesen werden kann. Hier gibt es einiges: Aftertouch, Modulationsrad, X/Y-Joystick und vier Pedale. Das vierte Pedal ist fest dem Gesamt-Volume zugeordnet. Leider ist immer nur ein Ziel pro Modulation möglich.

Die Modulationen über die Pedale finde ich am besten. Mit diesen Fußschwellern wird der Synthesizer sehr lebendig und dynamisch spielbar. Ich habe zwei Boss EV-3 Pedale an die vier Eingänge angeschlossen, diese haben nämlich jeweils gleich zwei getrennte Kanäle. So kann man  bis zu 4 Parameter steuern, z. B. mit dem linken Schweller Resonanz und Filtercharakteristik gleichzeitig und mit dem rechten Grenzfrequenz eines VCFs und Lautstärke. In den Soundbeispielen wurde teilweise ausgiebig von dieser Steuerung Gebrauch gemacht.

Auf der Rückseite befinden sich noch weitere Anschlüsse, um vier Fußschalter anschließen. Zwei Eingänge sind für Sustain und Sostenuto (*) reserviert, zwei weitere Anschlüsse dienen zur Steuerung des internen Sequencers.

(*) Sostenuto: Wer das nicht kennt, es ist vom Sostenuto-Pedal eines Flügels abgeschaut. Es werden damit nur die Töne gehalten, die bei Betätigung des Pedals gedrückt waren, alle anderen fallen wieder ab, very cool.

Erwähnenswert ist noch die Group Level Modulation, das ist noch ein eigenes VCA-Modul, mit dem die Pegel der beiden Filtergruppen dynamisch geregelt werden. Mit einer Hüllkurve und/oder LFO kann zwischen den Filtergruppen überblendet werden und sie lassen sich jeweils dynamisch durch eine weitere Hüllkurve/LFO im Stereopanorama verteilen. Wenn der Sound nicht schon vorher genügend verzwirbelt wurde, hier geht es noch mal richtig zur Sache.

Output-Mixer, VCF3, Ausgangsmodule und Steuerzentrale

Der Schmidt Synthesizer: Effekte?

Als Stefan Schmidt mit der Entwicklung begann, hatte er keine eigenentwickelte Effekte in der Schublade. Da sind natürlich größere Firmen klar im Vorteil, wenn sie eine eigene Entwicklungsabteilung für Effekte haben oder eine aufgekauft haben. Was soll’s, es gibt auch wunderbare extern Effektgeräte nach Wahl und man muss sich nicht mit internen Kompromisslösungen abfinden. In dieser Qualitätsklasse lieber gar keine internen Effekte als etwas Durchschnittliches. Und er hat acht analoge Ausgänge, die direkt an ein Mischpult angeschlossen werden können.

Der Schmidt Synthesizer: Multimode

Es lässt sich auch ein Multimode aktivieren, bei dem die acht Stimmen auf verschiedene MIDI-Kanälen, verschiedene Tastaturbereiche oder verschiedene Layer verteilt werden können. Vor ein paar Jahren war dieser noch nicht implementiert und es war ein K.o.-Kriterium für mich gewesen. Inzwischen gibt es ihn, aber ich habe ihn bisher kaum genutzt. Mehrere Sounds auf diesem Synthesizer zu layern, ist eigentlich Overkill.

Im Multimode ist natürlich schnell der Punkt erreicht, an dem 8 Stimmen verbraucht sind. Für ein Multimode-Setup sind andere Synthesizer definitiv besser geeignet. Wenn man will, kann man das aber auch als 8 einzelne mächtige Monosynthesizer betrachten.

Die vorhandenen acht Stimmen sind entweder polyphon, monophon mit einer oder allen acht Stimmen gleichzeitig konfigurierbar. Es gibt mehrere Glide-Modi, auch für Oszillatoren und Filter getrennt regelbar, hat man so etwas schon gesehen? Ein Glide-Modus ist für polyphones Spiel optimiert: Damit die Töne im Bass und rechter Hand nicht ewige Glides hin und her erzeugen, wird nur in einem bestimmten Intervall zum Zielton hin gegleitet.

Auch die weiße Version kann optisch überzeugen

Der Sound des Schmidt-Synthesizers

Wie klingt er denn nun dieser Schmidtsynth, doppelt so gut wie ein Moog One oder fünfmal so gut wie ein Waldorf Quantum? Kann man schlecht sagen, schließlich eröffnen alle diese Synthesizer unerforschte Welten. Was ihn von den anderen abhebt, ist seine schiere Größe, gepaart mit einer äußerst benutzerfreundlich beknopften Oberfläche. Jede Funktion hat ihren eigenen Regler, keine Doppelbelegungen.

Er kann natürlich – das ist ja schließlich sein Gefilde – äußerst analog klingen. Die Sägezähne können wunderbar schweben, die 24 dB Filter tun ihr Übriges. Die DCOs sind natürlich immer richtig gestimmt, durch den Sample-and-Hold-Modus der LFOs kann man sie aber auch leicht verstimmt spielen, um so zusätzliches Leben hinzuzufügen. Die Potentiometer werden für den Preset-Prozessor digital ausgelesen, dabei arbeiten sie zum Teil mit einer beachtlichen Auflösung von 512 Stufen, das dürfte reichen – „Quantisierungszippern“ ist nicht zu bemerken.

Man kann den Signalpfad auf einen einzigen Sägezahn und ein 24 dB Filter reduzieren, der Sound klingt immer edel. Seine Eigenständigkeit besteht darüber hinaus  in den zusätzlichen Schwingungsformen der Oszillatoren, die es nur auf dem Schmidt gibt und in der äußerst umfangreichen Filterbank. Beim Herumschrauben fällt einem auf, dass eigentlich fast alle Sounds irgendwie gut klingen. Es gibt selten Situationen, wo gar nichts mehr herauskommt oder man in einer hässlichen Sackgasse feststeckt.

Ihm lässt sich nicht wirklich der Stempel einer speziellen Sounds aufdrücken, dazu ist er zu umfangreich. Er kennt nicht zuletzt wegen des VCF3 extreme Bässe, kann zudem durch seinen unglaublichen Frequenzgang glitzern und bleibt bis in den höchsten Lagen kristallklar. Er deckt daher viele Bereiche ab: Natürlich das, was man als typisch analog assoziiert, dann kann er aber auch nach DX7 Pianos (ohne FM zu bemühen). Er kann wunderbare digitale Flächen, viel Experimentelles ist möglich. Sogar Sounds, die an Physical Modeling erinnern, hatte ich plötzlich unter den Händen. Dank des DCO4 und der Filterbank gibt es noch unerhörte Variationen von Rauschklängen und endlose Verläufe dazwischen. Die Sound-Beispiele, die an Koto Drums erinnern, sind – man mag es kaum glauben – tatsächlich mit einem einzigen Single-Sound und dem internen Sequencer gespielt.

Alle einzelnen Module klingen schon hervorragend, das alles sogar in mehrfacher Ausfertigung erscheint fast erdrückend. Mit etwas Gewöhnung lernt man aber, dem Sound damit fein dosiert noch die eine oder andere Würzung beizugeben. Ich würde sagen, mit diesem Synthesizer ist ein Maximum erreicht, was mit der subtraktiven Klangsynthese prinzipiell möglich ist.

Der Sequencer des Schmidt Synthesizers

In der aktuellen Betriebssystem-Version erhielt der Schmidt noch als krönenden Abschluss einen umfangreichen Live-Sequenzer/Arpeggiator. Er ist ausschließlich im Menüfenster zu bedienen, seine Parameter sind in 2 Seiten aufgeteilt.

Erster Prototyp für die Sequencer-Funktion während einer frühen Phase

 

Weiterer Prototyp für die Sequencer-Funktion

Hier sind maximal 40 polyphone Schritte möglich, Anfangsschritt und Sequenzlänge ist frei wählbar. Man muss seine Spieltechnik etwas üben, denn die Steps lassen sich nur über das Keyboard einspielen, die eingebaute Quantisierung verzeiht aber einiges. Zudem gibt es einen Singlestep-Modus zum Einspielen von polyphonen Schritten. Die Abspielrichtung kann über 15 verschiedenen Patterns gesteuert werden (was viel interessanter ist als nur Vorwärts/ Rückwärts/ Pendel anderer Sequenzer).  Die Sequenzen sind nicht speicherbar – man muss sich immer wieder etwas Neues ausdenken. Externe Drum-Maschinen lassen sich über MIDI-Clock synchronisieren, sie kann auch zwischen halbem und Originaltempo umgeschaltet werden.

Und endgültig auf die Prozessoren des Schmidt-Synthesizers portiert

Um seine die Hände frei zu haben und nicht im Menü herumdrücken zu müssen, lassen sich an der Rückseite zwei separate Fußschalter anschließen: für Start/Stop und Play/Record Mode. Während des laufenden Sequencers können alle Parameter geändert werden und zwischen verschiedenen Modi gewechselt werden und es kann natürlich nach Herzenslust transponiert werden. Dadurch eignet er sich wunderbar zum Improvisieren und für Live-Performances.

Kritikpunkte am Schmidt Synthesizer

Irgendetwas gibt es immer zu bemängeln, machen wir hier mal einen Versuch. Bei den Oszillatoren sind die Audioquellen der FW- und RM-Modulationen auf Rechtecksignale beschränkt, so dass nicht das vollständig bekannte Spektrum an Modulationsklängen möglich ist. Was geht, ist die Filtermodulation mit einem Oszillator. Die Regler der Filterresonanzen hören kurz vor der Eigenschwingung auf. Das ist schade, denn so kann man die Filter nicht als Oszillatoren verwenden. Etwas verwirrend ist auch die Anordnung der Modulgruppe PWM-LFOs und Group-Out-Mixer, da sind Regler anders angeordnet, so dass sie nicht der gesamten Ablauflogik folgen. Na gut, man kann sich auch daran gewöhnen.

Quality from Franconia

Dieser Synthesizer wird tatsächlich komplett in Deutschland gefertigt. Angefangen vom Gehäuse,  der automatisierten Bestückung der zahlreichen Platinen in klassischer Through-Hole-Technik, bis zur Endfertigung in Erlangen und Abgleich durch Meister Schmidt persönlich.

Es wird zusehends schwerer, in Deutschland eigene Produkte kostengünstig zu fertigen und das gilt generell für den Bereich Konsumerelektronik – auch für Synthesizer. Es fehlen nicht nur Risikokapitalgeber, das hohe Lohnniveau, die hohe Abgabenlast und die ausufernde Bürokratie für kleine Firmen tun ein Übriges. Es finden sich immer weniger Zulieferer, die in kleinen Serien fertigen können und möchten. Viele benötigte Sonderteile sind auf dem Markt schwer zu erhalten, weil sie entweder nicht mehr hergestellt werden oder sich für Kleinserien einfach nicht rechnen. Damit auch ein Support in der nächsten Jahres noch möglich ist, muss der Hersteller auch noch Ersatzteile einlagern. Ich denke, der Schmidt Synthesizer wird der letzte dieser Art sein, der noch so aufwändig von einer kleinen Gruppe gefertigt wird.

Im Gegensatz zu vielen heute gefertigten Synthesizern wird man den Schmidt auch in 30 Jahren noch gut reparieren können, falls etwas kaputt gehen sollte. Er besteht ja fast ausschließlich aus Standardbauteilen in Through-Hole-Technik. Bei den anderen Synthesizern von heute wäre ich mir bei der Reparaturfähigkeit nicht so sicher.

Für diesen Synthesizer gibt es natürlich nur einen kleinen Nischenmarkt für Leute, denen dieses besondere Konzept der Aufwand wert ist. Ich gehe davon aus, dass durch dieses Mammutprojekt  auch niemand richtig reich wurde, auch wenn ich es ihnen wünsche. Es wurde von einer Gruppe von Enthusiasten bis zum Ende gebracht, das verdient meinen Respekt. Gebaut wurden jetzt 75 Stück, eine weitere Produktionsserie ist derzeit in Diskussion.

Soundbeispiele

Als Beilage zu diesem Artikel sind noch 60 Minuten Musik, ausschließlich auf dem Schmidt Synthesizer im Single-Mode gespielt, zum Teil auch mit dem internen Live-Sequencer und Drums vom Korg Kronos. Ich war so frei, auch Hall und teilweise Chorus beizumischen. Der Schmidt Synthesizer ist zu extrem klaren und komplexen Höhen in der Lage, bei diesen Aufnahmen können Artefakte durch das MP3-Format etwas auffallen.

Fazit

Der Doktor empfiehlt: Einmal täglich Schmidt Synth und Sie sind das „Gear Aquisition Syndrome“ los. Sowohl anhand der Spezifikation, als auch im Studio wird jeder andere Synthesizer neben ihm zum bloßen Spielzeug degradiert. Für den Probenraum und auf der Bühne nicht so geeignet.

Ich finde, hier hat die Kreativität und Syntheselust volle Fahrt.
Preislich toppt der Schmidt Synthesizer alle derzeit auf dem Markt befindlichen polyphonen Synthesizer und das hat seine bautechnischen Gründe. Ob man dessen Sound mit Reaktor zu simulieren versucht oder für den Preis der exklusiven Haptik bereit ist, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Manche Berufsmusiker legen z. B. für ein Fagott oder Flügel noch wesentlich mehr auf den Tisch.

Plus

  • Ausnahmesynthesizer mit riesigem Portenzial
  • ungewöhnlicher Metallic-DCO4
  • sehr dynamisch spielbar

Minus

  • DCO kennen keine Sinus/Dreieck-Schwingungsformen für FM/RM
  • VCFs nicht bis zur Eigenschwingung regelbar
  • sehr hoher Preis

Preis

  • 19.900,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    TobyB  RED

    Hallo lieber Kollege,

    ich möchte wirklich nicht meckern aber den Abschnitt Qualität aus Franconia, möchte ich doch teilweise widersprechen. Der Schmidt wird in einer Los Grösse gefertigt, die gemessen am Gesamtvolumen verkaufter Synthesizer verschwindend klein ist. Zum anderen, Consumer Electronic Made in Germany hat schlicht und vergreifend die Automatisierung und Trends wie Industrie 4.0 verpennt. Hinzukommen relativ günstige Frachtraten für diese Produkte aus Fernost. Was aber für die reinen Herstellungs und Vertiebskosten des Schmidt unerheblich ist.

    Deutschland ist nach wie vor beim Export ganz weit vorne, dass sicher nicht weil die Lohnstückkosten hoch sind. Die Bürokratie in Deutschland ufert nicht aus, Deutschland muss sich schlicht und ergreifend auch an EU Richtlinien halten. Von Dänemark, Schweden, Norwegen und Frankreich aus betrachtet ist Deutschland grade zu ein Billiglohn Land.

    Ich organisiere gerne mal einen Business Trip durch Europa und wir gucken mal hinter die Kulissen.

    Liebe Grüsse aus Basel

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      Tyrell  RED 1

      haha…. gut gebrüllt Löwe. Unterm Strich bleibt es trotzdem ein verdammt mutiges Projekt.
      Ich könnte mir vorstellen, dass ich als kleiner deutscher Betrieb, persönlich dazu neigen würde, die Produktion auch nicht ins Ausland zu verlagern. Der bürokratische Stress und die dafür notwendige Organisation, würde mir sicher schlaflose Nächte bereiten. Wie Robert schon schreibt, ist das ein Liebhaber-Projekt und war wohl nie dazu geplant einen lohnenswerten Profit abzuwerfen. Insofern ist man offensichtlich den leichtesten Weg gegangen, bei gleichzeitig höchster Kontrolle. Natürlich steigen dann die Fertigungskosten. Aber ob das Teil nun 15.000€ oder 20.000€ kostet, bei einer Auflager von unter 100 Stück, ist dann auch schon egal – zumindest für die Zielgruppe, die sich so ein Produkt leisten kann und will.
      Entscheidend ist außerdem, dass der Schmidt dadurch sicher auch kaum Wertverlust haben wird, ich würde eher sogar sagen, dass auf Grund der kleinen Auflage, der Schmidt in den nächsten Jahrzehnten eine deutliche Wertsteigerung erfahren wird.
      Angesichts dieser Faktenlage, ist es beim Schmidt einfach unsinnig, über den Preis zu diskutieren. Viel spannender ist doch die Diskussion über seine klanglichen Möglichkeiten, die Bedienung etc.
      :-)

      Und auch EMC, die offensichtlich einen Teil der Investitionsmittel beigetagen haben, sind mit dem Schmidt ein enormes Risiko eingegangen.

      • Profilbild
        TobyB  RED

        Klar ist das Projekt mutig und ich finds richtig gut, Ich stoss nur nicht in das Horn, alles ist so schwer und bürokratisch hier und dann erst die Kosten. Weil das schlicht nicht stimmt. Das kann man sich alles mit ein paar Klicks zusammen suchen. Stichworte Tarifbindung, Lohstückkosten in Deutschland und Consumer Elektronik Fertigung. Aber soll ich dir was verraten, die Fertigung in Fernost steht auf der Kippe. Trend 1 : Steigende Frachtraten, Trend 2: CO2 Steuer und sich daraus erhöhende Frachtraten Trend 3: die steigenden Lohnstückkosten in Fernost. Spätestens wenn sich die Erkenntnis durchsetzt das die Schifffahrt einer der Treiber für das Steigen der globalen CO2 Werte ist und Flugzeugkerosin verbrennt ja nun auch nicht in heisse Luft und Wasser. Und irgendwann ist das Öl global aufgebraucht oder ein Klimawandel hat den Rest erledigt.

        An anderer Stelle hatte ich schon was zur Umsatzentwicklung der Musikelektronik geschrieben. Es ist keine Frage ob Trend 1-3 zu einer Umkehrung führen, sondern die Frage, wann es passiert.

        Wenn ich die Kohle hätte, würde ich mir den Schmitt ohne mit der Wimper zu zucken hinstellen. Momentan reicht mir noch der DSI Sequential Prophet REV2 8-Voice. Obwohl, ich habe gestern das Erweiterungsboard geordert ;)

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          Tyrell  RED 1

          Wirklich hoch spannend, da bist du einfach Insider. Insofern vielen Dank für den Input,
          Peter

          • Profilbild
            TobyB  RED

            Danke Peter, gerne :-) Der Vorteil in der Logistik zu arbeiten ist, dass man Dinge früher sieht und mitbekommt. Auch wenn ich momentan eher mit bunten Pillen zu tun habe, bekomme ich das was Links und Rechts passiert schon noch mit :)

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      Skerjanc  RED

      Offen gesagt kenne ich Industrie 4.0 nur aus der Zeitung oder aus Stellenausschreibungen. Und klar, was du ansprichst, betrifft Deutschlands Exportschlager wie Automotive und Maschinenbau. Baut Siemens nicht auch 4.0-Fabriken? Nur leider im Ausland. Ich sehe in meiner Stadt immer mehr leerstehende Fabrikgebäude, die vielleicht noch für Karateschulen genutzt werden oder in Penthauswohnungen umgebaut werden. Fabriziert wird bei uns sonst nix mehr.

      Mannschaften für Synthesizerindustrie 4.0 können sich ganz Große wie Roland oder Behriger leisten. Was ich im Artikel meinte, sind Kleinunternehmen. Leute, die eine tolle Idee haben, freiberuflich arbeiten und versuchen, ein neues Gerät auf den Markt zu bringen, gründen eine Firma. Ich habe davon schon einige erlebt. Die Story ist immer die gleiche: arbeiten bis zum Umfallen, keine Lieferanten für kleine Stückzahlen, Qualitätsprobleme, Auflagen, fehlendes Marketing, kein Umsatz, weil zu teuer, etc. Und am Schluss: kein Geld mehr da.

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        TobyB  RED

        Hallo Skerjanc,

        ich hab auf der Superbooth viele Gründer kennengelernt und mich mit denen unterhalten, ich ziehe mal mein Fazit aus den Gesprächen. 1. Ein Supergrosses Ego ist nicht gut, um ein Projekt erfolgreich zu machen, es sind Kompromisse nötig. 2. Kontakte sind wichtiger als Wissen. 3. Make or Buy ist dein Freund. 4. Gutes Projekt und Ressourcenmanagement kann man lernen.

        Was den Schmidt und sein Team angeht, ich hab einem der Macher hinter verschlossenen Türen die Hand geschüttelt, kurz unterhalten und ich glaube, die Jungs wissen was sie tun. Mehr kann ich dazu nicht schreiben, NDA.

        Das Roland Entwicklungsteam ist auch nicht sonderlich groß und das Behringer Entwicklungsteam macht neben Synthesizern noch anderen Kram. Was die beiden unterscheidet ist, das Roland konsequent auf Meilensteinprozesse, Traceability-Konzepte, KVP- und TPM-Methoden setzt. Und das sollten sich kleinere Firmen auch aneignen. Im Endeffekt kann das sogar ein Wettbewerbsvorteil für KMU sein. Dann ändert sich auch das Ende der Story.

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    lightman  AHU

    GAS hab ich in den 1990ern gelassen, war mir zu anstrengend.

    Toller Synth, ein richtiges Klangraumschiff. Kostet ’ne Menge Geld, aber gemessen am Entwicklungs- und Herstellungsaufwand geht das wohl in Ordnung. Würde ich gerne mal live spielen.

    Die Klangbeispiele lassen erahnen, was die Maschine alles kann, echt beeindruckend.

    Der Schmidt ist übrigens einer der wenigen Synths, den ich mit weißem Frontpanel schöner finde als in Schwarz.

    Das Argument, der Synth würde in 30 Jahren noch funktionieren und reparabel sein, ist allerdings kein Grund für den hohen Preis. Meine 36 Jahre alte 202 läuft noch tadellos und es gäbe genug Reparaturstellen, wenn sie das nicht mehr täte, auch mein 50 Jahre alter Hohner Automatic Rhythm Player tickert und blubbert noch fröhlich und fehlerfrei vor sich hin, der hat seinerzeit allerdings nicht den Gegenwert eines Autos gekostet. :)

    Hab gerade beschlossen, daß ich zwei Schmidts brauche, einen für jede Hand.

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      Moogfeld  

      Wenn der Schmidt die aktuell einzig wirksame Medikation gegen GAS ist, müsste doch eigentlich die Krankenkasse die Kosten dafür übernehmen? In diesem Falle müsstest du von den zweien dann evtl. nur noch einen selbst bezahlen…………wär doch super……ich geh mich da jetzt mal schlau machen….. :-)

  3. Profilbild
    automix

    Hallo Skerjanc,

    dein Testbericht und deine wunderschöne Musik mit der du diesen Synthesizer würdigst haben mich restlos begeistert.Da ich selber auch einen Schmidt Synthesizer besitze, kann ich alles von dir geschriebene voll und ganz bestätigen.Meine GAS-Anfälle haben seit dem Erwerb des Schmidts ebenfalls stark nachgelassen.Es gibt einfach nicht mehr viele Synthesizer von denen ich mehr erwarten kann als das was der Schmidt mir jetzt schon bietet.

    Der neue Sequenzer ist etwas auf das ich schon lange gewartet habe.Eine absolute Spassmaschine.

    Vielen Dank für die schöne Musik mit der du diesen Bericht bereichert hast.

    MfG
    Frank Kleinwächter

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      Skerjanc  RED

      Hallo Frank,
      danke für die freundlichen Worte. Neben dem neuen Sequencer in der V3.20 musst Du dir auch die 32 neuen DCO4 Wave Presets anhören und die 20 neuen Ramp Types im DF1/2. Und der Repeat-Taster im Master VCA …
      Robert

  4. Profilbild
    Dirk Matten  RED

    Eine beeindruckende Ingenieursleistung, die (berechtigterweise) ihren Preis hat. Ob man damit „bessere“ Musik macht, hängt aber in erster Linie vom Nutzer ab. Es gibt keine Relation von technischem Aufwand und künstlerischem Erfolg. Oder?

  5. Profilbild
    iggy_pop  AHU

    Es gibt wenige Synthesiser, die mir unheimlich sind, und der Schmidt gehört definitiv dazu — das Teil ist erschlagender als ein Waldorf Wave, was seine bloße Präsenz angeht.
    .
    Zum Glück bin ich nie in die Verlegenheit gekommen, mir überlegen zu müssen, wie ich einen Schmidt finanzieren soll, diese Trauben hängen einfach zu hoch.
    .
    Dieses Instrument zeigt, was machbar ist, wenn man es a) wirklich will und sich b) nicht darum schert, was die Buchhalter sagen.
    .

  6. Profilbild
    Dirk Matten  RED

    Sicherlich gibt es eine Klientel, die sich den Synthesizer leisten kann und will, weil es eine große Freude bereitet, so ein Instrument zu besitzen und damit Musik zu machen. Mich würde aber interessieren, wer von den bisherigen Kunden damit erfolgreich im Sinne von Chart-Platzierung diesen Synthesizer eingesetzt hat. Hans Zimmer gilt nicht, der scheint ja alles zu kaufen, außerdem produziert er keine Hits.

    • Profilbild
      Hectorpascal  AHU

      Der Synth hat jedenfalls das Potential einen amtlichen Sound zu produzieren der neugierig macht. Die Klangbeispiele sind schon mal top und das liegt u.a. auch am Schmidt. Wendy Carlos in barocker Kleidung und in entsprechnder Umgebung würde gut passen. Dave Gahan mit Alan Wilder am Schmidt wäre da auch so eine Vision bei mir. Wie bei fast allem gilt aber: Es ist alles nur in deinem Kopf!

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      lightman  AHU

      Ty Unwin (Wiki: http://bit.ly/2I9DvF1 ) , ein vielbeschäftigter Komponist aus UK, ist ein Schmidt-Nutzer der ersten Stunde. Als häufiger Gast des Sonic TALK Podcasts hat er schon viel über den Synth erzählt und nach eigenen Aussagen auch in kommerziellen Produktionen eingesetzt.

      Chartplatzierungen gibts für seine (Film)Musik eher nicht und er ist bezüglich neuer Synths auch ein bißchen unmäßig (gibt er auch unumwunden zu), er kennt sich aber gut in der Branche aus und war mit seiner Arbeit bisher sehr erfolgreich, das Instrument dürfte sich also wohl schon bezahlt gemacht haben.

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      vco5

      Ich würde das Teil nicht unbedingt an Chartplatzierungen messen, ich glaube das auf Grund der heutigen Anzahl verfügbarer Klänge die Verwendung von eigentlich wirklich spektakulären oder wirklich neuen Klängen kaum noch groß auffallen würde, oder einen Hit prägen kann. Dazu reicht wohl, was bisher da ist. Es ist aber eine technische und organisatorische Meisterleistung für eine Musiker- oder auch Liebhaberklientel, die diesen Preis bezahlen. Wenn man manchmal sieht, was Menschen zum „Aufmotzen“ Ihrer fahrbaren Untersätze ausgeben, und da meine ich jetzt nicht unbedingt die gehobene Autoklasse, ist das in meinen Augen ein fairer Preis. Aber ob heute so ein Gerät noch eine so phänomenale, im Endeffekt bis jetzt lebenslange Faszination für elektronische Klänge und deren Herstellung wecken kann, wie bei mir mit dem Ersten hören des Moog Endsolo vom „Lucky Man“ auf einer potenten Stereoanlage, wage ich zu bezweifeln. Wobei man heute natürlich über die musikalische Qualität oder Kreativität darin streiten kann, aber es hat einen irgendwie „umgehauen“. Das war für mich Eintritt in eine neue Welt, und ich wünsche mir, dass es so etwas heute für die Leute auch noch gibt. Deswegen suchen….

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    mdesign  

    ein gerät für leute, die sowas wollen. profis, synthfreaks, liebhaber. das gemurre über den preis verstehe ich nicht. ein VW golf kostet genauso viel, und nach dem dreht sich keiner um.

    und nicht vergessen: jede branche braucht die spitzenmodelle, an denen sich günstigere modelle messen lassen, diese aber auch inspirieren. ohne die großen moogs hätte es den minimoog doch nie gegeben.

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      Skerjanc  RED

      Das mit dem Auto lag mir auch auf der Zunge, ich habe aber lieber den Vergleich mit dem Fagott gewählt :-)

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    Violator  

    Peter Gordeno hatte bei der Depeche Mode Tour einen in seinem Setup.
    Er hat während des ganzen Gigs vielleicht 2x max. 3x drauf „rumgetippst“ – das ist echt nur noch zum Heulen!!!

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    klingend  

    Ich muss Dirk Matten recht geben. Letztendlich kommt es nur auf das musikalische Endergebnis an. Ich kann mir noch so viele Schmidt, Moog oder EMS Geräte zulegen, aber wenn ich keine guten Ideen habe, dann bringt die teuerste Technik nichts.

    Meine Gerätschaften müssen zu meinem Geldbeutel passen und ich scheue mich nicht davor, auch mit preiswerten Klangerzeugern zu arbeiten. Wenn ich mir meine besten Ergebnisse vor Augen führe, dann sind diese immer mit besonders wenig und bezahlbarem Equipment entstanden.

    Aber gut. Das ist auch bei jedem anders.

    Hut ab, vor dem Schlachtschiff!

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    psv-ddv  AHU

    Danke für den ausführlichen Bericht mit den sehr aussagekräftigen Klangbeispielen.
    Ein besonderer Synthesizer, der mir grossen Respekt vor dem Entwickler und dem Hersteller abnötigt. Dieses Projekt umzusetzen war sicherlich nicht einfach, insbesondere wenn man sich vor Augen führt, dass das Teil noch lange vor dem sich aktuell abzeichnenden Poly-Synth Boom entwickelt wurde.
    Den relativ hohen Preis finde ich grundsätzlich ok für ein hochprofessionelles Musikinstrument, aber dann lege ich im Gegenzug auch professionelle Masstäbe an.
    Mich persönlich stört das etwas altbackene und ideenfreie Design, der Mangel an Spilhilfen (Poly AT, Ribbons, etc.), der zu kleine Tastaturumfang, das teils unnötig unübersichtliche Panel Layout. Und die Kindergarten-Farbauswahl bei der Panelbeleuchtung.

    Was den Klang angeht, sind die DCOs für meinen Geschmack etwas zu kantig, aber ich durfte den Schmidt mal durch ein Bricasti M7 Hall spielen und das war dann insgesamt schon eine wirklich beindruckende Klanggewalt. Fazit: Grossartiger Synthesizer aber not my cup of tea.

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      Skerjanc  RED

      Das Design wurde von Axel Hartmann wahrscheinlich bewußt Old School gewählt, das mit der farbigen Beleuchtung habe ich nicht so wichtig genommen. Poly-AT fände ich auch gut, es gibt leider keinen Lieferanten dafür. Mit dem Finger auf einem Plastikband herumzureiben überzeugt vielleicht mehr die Streicher unter uns.
      Und ja stimmt, DCOs sind kantig, z.B. im Gegensatz zu einem Through-Zero Sinusoszillator. Die überschüssigen Obertöne lassen sich zum Gück mit den Filtern herausschneiden, bzw fehlende durch andere Quellen ergänzen.

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        psv-ddv  AHU

        Bitte nicht missverstehen. Wie gesagt, die Kritikpunkte sind meinem persönlichen Geschmack und den hohen Ansprüchen entsprechend der knapp 20k€ Kaufpreis geschuldet.
        Ich bin mir sicher, dass das konservative Design eher auf Herrn Schmidt als auf Herrn Hartmann zurückgeht. Es gibt wunderschöne Old School Synths, ohne hier mit Einzelheiten zu langweilen der Schmidt gehört für mich leider nicht dazu.
        Was soll eigentlich der klobige Holzstreifen links zwischen der Tastatur und wheels oder warum fehlt er rechts? Warum schliesst die Panel Beschriftung rechts bündig mit der Tastatur ab, hat links aber keinen Bezug? Warum wurde die Breite des Synths nicht besser genutzt (Potiabstände) etc., etc. ist halt nicht ganz stimmig. Aber auch keine Katastrophe.
        Poly AT Tastaturen sind auch für kleine Hersteller baubar (Synthonovo) selbst als Nachrüstung an standard Tastaturen ist so etwas umsetzbar, habe ich schon gemacht.
        Ein Ribboncontroller ist an Tasteninstrumenten durchaus ernstzunehmen, siehe CS80 (Vangelis dive bombs), Moog Modular, Synclavier, Andromeda oder Nonlinear C15. Der Stick schlägt für mich spieltechnisch eher in die gleiche Kerbe wie die Wheels.

        Die DCOs klingen auch gefiltert noch recht starr und hörbar anders als VCOs. Man hört das in Deinen hervorragenden Klangbeispielen gut. Ich sehe das als Pluspunkt, da es ein klangliches Alleinstellungsmerkmal ist. Der Schmidt klingt sehr, sehr edel. Das er meinen Klanggeschmack nicht ganz trifft steht auf einem anderen Blatt.

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    costello  RED

    Ich konnte den Schmidt relativ ausführlich auf der Superbooth anspielen, .d.h. die Presets durchsteppen, denn für intuitives Schrauben ist dieser Riesensynthesizer doch etwas überkomplex. Erstaunlich viele Klänge decken digitales Terrain an, was den Vorlieben von Stefan Schmidt geschuldet ist. Fazit: Sehr beeindruckendes Instrument, aber (nicht nur preislich) nichts für mich. Genau deshalb liebe ich diese Vintagekisten, weil man sie im Schlaf mit verbundenen Augen bedienen kann ;-) Danke für den Bericht und die sehr schönen Klangbeispiele!

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    Thomas Columbo  

    Der Schmidt ist weder innovativ noch gar ein Meilenstein. Er ist ein teures Objekt, der in der geringen Auflage sicher diejenigen findet, die sonst schon alles haben.

    Richtig innovative Produkte schafft aber heute kein kleines Unternehmen, da braucht es Man – und Entwicklungspower im (grossen) Team.

    Made in Franconia ist für mich nicht besser (und sogar bald schlechter) Made in China. Die cleveren Chinesen entwickeln mit der schieren Manpower immer mehr eigene Produkte, die Europäer schauen nur zu und kaufen diese ein, kleben ihr eigenes Label darauf und verkaufen es den naiven Germanen für das dreifache.

    Die Solarbranche, die LED Produktion, um nur einige wenige zu nennen, ist schon fest in der Hand der chinesischen Konzerne, und die deutsche Autoindustrie ist bei den E-Autos meilenweit abgehängt. In China soll eine Fabrik existieren mit 1 Million Robotics…und Bayer erwartet hierzulande den Doomsday Monsanto.

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    lindenpfaffe

    Der S-Synthesizer ist in meinen Augen eine Art Statussymbol für die reichen und schönen aus der Musikwelt, der Excalibur oder gar der Maybach unter den Synthesizern. Edeles Holz, feinstes Blech, ein maximum an Blinkelichtern. Extrem entäuschend ist aber…, die Tatsache das J.M. Jarre mal eben einen von S. Schmidt geschenkt bekommen hat, natürlich nur für die Fotos. Das ist eine Art des Marketings die in unserer Branche, meine ich jetzt, wirklich nichts verloren hat Und wer diesen S-Synth einmal gehört hat, der muss nicht neidisch auf diejenigen sein die diesen besitzen, weil er feststellen wird, dass es genug Alternativen gibt, die für wirklich für JEDEN erschwinglich sind und… genauso klingen.

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    fatzratz  

    Brauch ich sofort … dann noch das passende Studio … verflixt, da fällt mir auf, dass mir das entsprechende Haus fehlt …

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