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Test: Universal Audio Classic Reverbs AKG BX 20, EMT 140, EMT 250, Lexicon 224, AMS RMX 16

AMS RMX 16

AMS RMX 16 - Digital Reverberation System

AMS RMX 16 – Digital Reverberation System

1981 kam die englische Firma AMS mit dem Digital Reverberation System RMX 16 auf den Markt. Wem die Company nichts sagt, kann vielleicht mit der Komplettfirmierung eher etwas anfangen: AMS Neve Ltd. Ja, der Tausendsassa des Musikequipments steckt hinter der Entwicklung des Reverbgerätes. Übrigens: Die Firma bietet auch heute noch Support für die nun fast 35 Jahre alten Gerätschaften an. Das nenne ich Service.

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RMX 16 Hardware

RMX 16 Hardware

Das RMX 16 konnte durch seine 16 Bit Auflösung und seinen Frequenzgang bis 18 kHz zur damaligen Zeit Maßstäbe setzen.

Implementiert sind 9 Programme, Ambience, Room A1, Hall C1, Plate A1, Hall B3, Chorus 1, Echo, Nonlin 2 und Reverse 1.

Die Zugriffsmöglichkeiten auf die Programme sind eher beschränkt. Predelay und Decaytime sind für die Hallprogramme wählbar. Das Echo kann pro Kanal mit Delaytime und  Feedback eingestellt werden. Der 5-stimmige Chorus lässt die Spreizung der Stimmen und die Effekttiefe zu. Für alle Programme kann mit den Decayfiltern LOW und HIGH Einfluss auf den Frequenzgang genommen werden, wobei bei HIGH nur eine Abschwächung, bei LOW auch eine Anhebung möglich ist.

Wenn die Einstellungsmöglichkeiten auch eher gering sind, so können die Parameter doch auf drei Arten verändert werden: Über ein Drehpoti, Up/Down-Taster oder ein numerisches Eingabefeld.

Starten wir mit Programm 1 – AMBIENCE. Darunter verstehen wir üblicherweise einen sehr kleinen Hall, der einfach etwas die Direktheit vom Signal nimmt. Ein typischer Einsatzzweck sind die Stützmikrofone bei einer klassischen Aufnahme.

Der Ambience im RMX 16 ist aber anders geartet, dieses Programm ist eine Mischung aus einem Raum und einer Plate. Die Decaytime reicht bis 9,9 sec, wobei in dieser Extremeinstellung ein endloses Reverb erzeugt wird, insofern die Filter hier nicht abdämpfen.

Als ersten Versuch wird unser Saxofon mit einem kleinen Hall von 1,9 sec veredelt, die Höhen sind etwas abgedämpft.

Sound 25 Sax_Ambience

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Interessant ist natürlich, ob der Effekt trotzdem seinem Namen gerecht wird, also wähle ich für einen Drumbeat eines sehr kleinen Raum. Die Bässe hebe ich im Filter maximal an, um die Kick voller zu machen. Hier der Beat, 2 Takte ohne, 2 Takte mit Effekt.

Sound 26 Drumbeat_Ambience

Die Endlos-Einstellung möchte ich natürlich nicht vorenthalten. Damit die Sache eben nicht bis zum jüngsten Gericht ausklingt, dämpfe ich die Bässe maximal und die Höhen zu einem Drittel. Ich stoppe das File trotzdem bei 28 Sekunden, es wäre noch länger gegangen.

Sound 27  Snare_Endless

Schon an diesem Punkt überrascht das englische Reverb. Trotz der Minimalparametrisierung lassen sich schon aus den ersten Programm sowohl recht natürliche als auch extreme Effektsounds zaubern. Ich bin gespannt, wie es weiter geht.

Dabei kommen wir zum nächsten Programm, ROOM. Hier sollen vorwiegend kleinere Räume mit 1-2 Sekunden Nachhallzeit simuliert werden. Tatsächlich klingen längere Decayzeiten recht künstlich, obwohl auch hier wieder 9,9 sec angeboten werden. Mit kleinen Einstellungen gelingt aber ein sehr angenehmer Raumeindruck, der das Instrument im Vordergrund hält. Hier die Akustikgitarre mit 0,9 sec Decay. Der Parameter Low Decay Filter wird in diesem Programm übrigens nicht angeboten.

Sound 28 Git_Room

Die beiden Programme 3 und 5, HALL C1 und HALL B3 sind recht ähnlich und sollen natürliche Reverbs mit deutlichen Höhen bieten. Sie werden zunächst in altbewährter Einstellung mit unserer weiblichen Gesangsstimme getestet.

Sound 29a Female Voice_Plate_2,8sec_0ms_stereo_Hall C1

Sound 29b Female Voice_Plate_2,8sec_0ms_stereo_Hall B3

Den Preseteinstellungen merkt man deutlich ihre Entstehungsdekade an, in den 80ern waren große Hallräume gefragt. So bieten unseren beiden HALLS als Starteinstellung 4,0 sec Decay an. Es geht aber auch eine Nummer kleiner, dann klingt der RMX 16 auf einmal wieder sehr modern. Hier die Funky Guitar mit 1,4 sec.

Sound 30 FunkyGit_Hall

Aber auch die Presets haben ihren Charme, das originale HALL B3 mit Violine.

Sound 31 Violin_Hall B3

Hier kann das RMX beides, schöne große und etwas altmodische Räume, aber auch moderne, kleinere Reverbeffekte mit den entsprechenden Höhen. Und der Clou ist, ich verliere mich nicht in zig Editebenen, sondern habe maximal vier Parameter zu bedienen.

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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    MidiDino  AHU

    Danke für detaillierten Erläuterungen, Armin, auch wenn diese mich nicht zum Kauf der Simulationen animieren können. Ich schätze, es gehört eine große Portion Nostalgie dazu, sich solcher Produkte zu bedienen. Was dies mit Kreativität zu tun haben könnte, wäre noch eine ganz andere Frage, besonders, falls man damit die Schaffung von Neuem anvisieren würde. Ich muss gestehen, mir fehlt ein Hang zu Nostalgischem – und nutze als Musiker weiterhin primär die mir zur Verfügung stehenden IRs des Lex 960 L.

    • Profilbild
      swissdoc  RED

      Ein Lexicon Hall mit einer IR zu simulieren mag ja funktionieren, die spezielle und stilprägende Modulation im Hallsignal geht aber verloren. IRs sind für statische Reflektionsmuster geeignet, wie sie in Räumen auftreten, leider aber nicht adequat für die Simulation algorithmischer Reverbs.

      • Profilbild
        MidiDino  AHU

        Danke swissdoc, für den Einwand. Aber: Vermutlich möchte niemand, der IRs nutzt, algorithmische Reverbs simulieren, nicht einmal ein Lex 960 L ließe sich mit IRs hinreichend simulieren, berücksichtigte man die Vielzahl an Einstellungen, die möglich sind. Man ist auf die Auswahl an IRs angewiesen; für mich reicht die mir zur Verfügung stehende Auswahl vollkommen aus.

        Weil Modulationen angesprochen worden sind: mich interessiert eine relative Natürlichlichkeit in Bezug auf Rauminformationen, in Abhängigkeit von der Musik, die im Zentrum steht. Ich weiß, dass andere Musiker andere Präferenzen haben. Mit Absicht sprach ich von mir. Ich habe dazu einen Leserartikel vorbereitet, der aktuell noch ‚in Prüfung‘ ist.

        Hinsichtlich der besprochenen PlugIns bleibe ich dabei: ich halte sie für nostalgisch. Spaß kann man freilich auch damit haben, wenn man es drauf anlegt ;-)

        • Profilbild
          swissdoc  RED

          Mir geht es um den bekannten und typischen Lexicon bigger-than-life Wölkchen-Wohlfühl-Hall, der eben von den Modulationen lebt und somit von einer IR nicht nachgebildet werden kann. Das ist etwas prinzipielles und hat mit modern oder nostalgisch erstmal nicht viel zu tun. Was man dann bevorzugt, ist Sache des persönlichen Geschmacks, wie Du schon richtig anmerkst.

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            MidiDino  AHU

            Dieser „Lexicon bigger-than-life Wölkchen-Wohlfühl-Hall“ wurde von einigen Musikern ja bei den neueren Modellen vermisst, gerade auch beim 960 L gegenüber dem 480er, aber nicht von mir. Ich bin hingegen von der plastischen Natürlichkeit des 960-L-Klanges sehr angetan und nutze ihn für zeitgen. Jazz / zeitgen. Klassik. Und dann auch bislang nur die Chambers und relativ dezent.

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    UAD macht hier wirklich einen TopJob! Ich werde mir diesen XmasSale das EMT140 gönnen. Am letztjährlichen Kauf des Lexicon erfreue ich mich bei jedem Einsatz. Das AMS gewinnt hier folgend auch bei mir, ist mir aber für ein PlugIn noch zu teuer. Danke dir!!!

    • Profilbild
      Armin Bauer  RED

      Hi tomk,

      danke für dein Feedback, ist immer wichtig zu hören, dass mein Eindruck vom Produkt geteilt wird.

      Bei dem AMS habe ich stark die Befürchtung, dass ich mich zu sehr daran gewöhne, solange meine Testlizenz noch läuft.

      Mit dem EMT140 wirst du sicher deinen Spass haben.

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