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Blue Box: Roland JX-3P, PG200, MKS30 und Circuit Beding

12. September 2009

Fetter als ein Juno 106

Das Jahr 1983: Die Firma Yamaha brachte mit dem DX7 einen Synthesizer auf den Markt, der mit seiner digitalen FM-Synthese nicht nur technologisch der Konkurrenz voraus war, sondern auch klanglich und optisch voll den Zeitgeschmack traf oder ihn schlichtweg neu definierte.

Mit einem Schlag war die Blütezeit hochpreisiger, mit Knöpfen übersäter Polysynths beendet, was mittelfristig zum Bankrott einiger großer amerikanischer und europäischer Hersteller führte. Auch die japanische Konkurrenz hatte keine vergleichbaren Innovationen in der Schublade. Man war daher gezwungen, der konventionellen Analogtechnik eine zeitgemäße digitale Anmutung zu verpassen und sich so über die mittleren Achtziger Jahre zu retten.

Das Äußere des gleichfalls im Schicksalsjahr geborenen Roland JX-3P ist tatsächlich gut für die hereinbrechende Synthesizer-Neuzeit gewappnet.

Erster Eindruck: Slicke Tricolor-Optik in kompaktem, leichtem Gehäuse, geziert von Hartplastik-Kunststoffwangen. Es gibt wenige Schieberegler statt vieler teurer Drehpotentiometer, elektronische Drucktaster statt mechanischer Kippschalter, Presetspeicher statt Echtzeitzugriff. Der JX-3P hat den bekannten Roland Pitch Bender, allerdings in der Größe XL. Allein die innenseitig mit Abschirmfolie bezogene Bodenplatte aus Pressspan erinnert an vergangene Zeiten. Aufmerksame Betrachter mögen ein Display vermissen, im Weiteren wird sich aber zeigen, dass das Bedienkonzept gut ohne auskommt.

Unter der Haube ist der JX-3P ein konventioneller, subtraktiv arbeitender Analogsynthesizer, dessen Innenleben gegenüber den Vorgängern modernisiert und dabei zugleich kostengünstiger und zuverlässiger gemacht wurde. So besaß der JX-3P Merkmale, die auch in den späteren JX-Synthesizern und MKS-Expandern zu finden sind. Als da wären: Zwei digital gesteuerte Oszillatoren (DCOs) pro Stimme, die digitale Ansteuerung der Klangerzeugung durch Tastatur und Bedienelemente und – voilà – eine MIDI-Schnittstelle, auch heute, ein Vierteljahrhundert später, immer noch der „Industriestandard“.

Das Instrument ist durch das Lösen nur weniger Schrauben zu öffnen, sein Inneres ausgesprochen aufgeräumt und servicefreundlich.

Roland JX-3P mit aufgesetztem Programmer PG-200

Roland JX-3P mit aufgesetztem Programmer PG-200

Für den JX-3P und seinen 19 Zoll gewordenen Bruder MKS-30 gab es einen Programmer namens PG200 zu kaufen. Der JX-3P kostete bei seinem Erscheinen 2590,- Mark, der PG200 490,- Mark. Das war günstig für einen sechsstimmigen Synthesizer mit insgesamt 64 Klangspeichern. In der Preislage war der JX-3P direkter Konkurrent des Yamaha DX9, einem aus heutiger Sicht wenig interessanten FM-Synthesizer mit nur 4 Operatoren und ohne Anschlagsdynamik, der den Verkaufszahlen des JX-3P auf Grund des Abglanzes seines großen Bruders DX7 trotzdem zusetzte.

Ziel des Tests

Im Jahre 2009 gehört auch der Roland JX-3P nicht gerade zu den begehrtesten klassischen Synthesizern, denn spätestens seit den mittleren neunziger Jahren sind direkte Zugriffsmöglichkeiten auf Klangparameter wieder gefragt. Zudem werden gerade seine unmittelbaren Vorfahren, die auf klangvolle Namen wie Jupiter oder Juno hören, von vielen Nutzern und Fachjournalisten als klanglich überlegen eingestuft und sind beim Gebrauchtkauf in aller Regel weit teurer zu bezahlen.

Wir haben untersucht, in wie weit der JX-3P dennoch heutige Wünsche an einen Hardware-Synthesizer befriedigt und dabei auch den Programmer PG200 und eine Hardware-Erweiterung auf ihren Zusatznutzen untersucht.

Klangerzeugung

Der JX-3P ist sechsstimmig. Dies mag dem flächenlegenden Stage-Keyboarder einer Hardrock-Coverband gerade zum beidhändigen Hinlangen gereicht haben, mit jedem beherzten Folgeakkord verstummt allerdings der zuvor gespielte – Release-Phase ade. Macht nichts, Hardrock-Coverbands und beidhändige Flächenleger sind mittlerweile Geschichte.

Pro Stimme verfügt der Synthesizer über zwei stimmstabile DCOs mit den Wellenformen Sägezahn, unsymmetrisches Rechteck und symmetrisches Rechteck, Oszillator 2 gibt wahlweise auch weißes Rauschen von sich.

Der JX-3P verfügt entgegen seiner Nachfolger weder über eine Legato-Funktion, noch ist er in der Lage, seine Stimmen gleichzeitig in einem „Mono“- oder „Unison“-Modus zu Gehör zu bringen. Deshalb ist er als Solo- oder auch Bass-Synthesizer weniger geeignet. Tatsächlich gehört auch keiner der 32 Preset-Klänge diesen beiden Kategorien an. Dafür gibt’s Streicher, Bläser, Orgeln, E-Pianos, Bläser und auch den einen oder anderen peinlichen Effektklang zum Angeben. Soviel zur angedachten Rolle des Instruments.

Für Eigenkreationen bietet der Synthesizer weitere 32 „Memory“-Speicherplätze.

Riesiger Pitch-Hebel, hier aber nur beweglich in x-Richtung. Fragwürdiger Ersatz für das Modulationsrad, aber ganz im Sinne des Zeitgeistes: LFO Trig

Die Pulsweite der DCOs von Roland ist generell nicht modulierbar. Der Trick: Cross Mod-Schalter auf Sync stellen, dann Mix ganz in Richtung DC0-2 drehen. Dann die Tonhöhe des DCO-2 vom LFO oder, besser, von der Hüllkurve, modulieren lassen. Anzuhören in den Klangbeispielen.

Beide DCOs lassen sich verstimmen, hart synchronisieren oder von dem einzigen LFO des Instrumentes modulieren, der leider nur weit unterhalb des Audiobandes oszillieren kann. Ferner bietet der JX-3P die Möglichkeit der Kreuzmodulation der Oszillatoren. Wie wir nachfolgend sehen werden, ist diese Funktion bereits das Bösartigste, was er in petto hat.

Im Signalpfad folgt ein Tiefpassfilter mit 24db/Oktave, dessen Resonanz ohne Modifikation der Innereien des Gerätes nicht bis zur Selbstoszillation reicht. Nur eine Hüllkurve steht zur Steuerung von Lautstärke, Tonhöhe und Filtereckfrequenz, allein der VCA kann wahlweise von einer werksmäßig festgelegten Orgelhüllkurve gesteuert werden.

Ein großer Brilliance-Steller mit Mittenrasterung regelt ein weiteres Tiefpassfilter erster Ordnung, welches global für alle Sounds wirksam ist. Das Filter erlaubt nur eine simple Abschwächung der Höhen, die man im Bedarfsfall wohl lieber am Mischpult vornimmt. Für Live-Keyboarder hätte eher ein direkter Zugriff auf das ebenfalls eher langweilige Hochpassfilter Sinn gemacht, um etwa dem Bassisten der Band mehr Spielraum einzuräumen. Dieses Filter ist aber nicht global wirksam und daher gemäß des Bedienkonzeptes nicht von der Synthesizer-Oberfläche aus zu bedienen.

Ein Choruseffekt lässt sich ein- und ausschalten, Geschwindigkeit und Tiefe sind ohne Änderungen an der Elektronik nicht veränderbar.

Der JX-3P ist wie sein Nachfolger JX-8P nicht multitimbral, das waren erst die „Super JXen“ JX-10 und der Expander MKS-70.

Die nicht anschlagsdynamische Tastatur bietet ein nur mittelprächtiges Spielgefühl und arbeitet mit Kontaktpads, die im Zuge einer längeren Rock’n’roll-Karriere auch verrutschen oder verdrecken können. Dann bleibt die betreffende Taste stumm.

Als „Spielhilfen“ müssen ein Haltepedal, ein Trigger-Taster zur Aktivierung der LFO-Modulation und der Roland-typische Pitchhebel in XXL-Ausführung mit dreistufig einstellbarem Regelbereich genügen.

Gestimmt wird das Instrument rückseitig über ein Drehpotentiometer, mangelnder Chorgeist der 12 DCOs muss jedoch im Inneren des Gerätes zur Raison gebracht werden.

Der JX-3P besitzt eine offenbar langlebige Taster-Reihe zur Klang- und Parameterauswahl. Der Nachfolger JX-8P muss mit Folientasten auskommen. Anstelle eines Displays erfolgt die visuelle Kontrolle der – wiederum – nur insgesamt 32 Klangparameter des JX-3P über die 16 Status-LEDs.

Taster-Reihe zur Klangauswahl und Programmierung. Oberhalb: Sequenzer-Steuerung

Sowohl der Sens-Slider des JX-3P als auch der Programmer sprechen die Klangerzeugung mit einer Auflösung von 8 Bit entsprechend 256 möglichen Stufen an – das ist immerhin die doppelte Auflösung der MIDI-Schnittstelle – und reicht auch für eine scheinbar stufenlose Steuerung von Filtereckfrequenz oder -resonanz aus. Allein der Hüllkurvengenerator neigt bei ungünstiger Stellung des Envelope Amount dazu, reichlich „gequantelt“ zu klingen.

Die 16 LEDs können folglich nur jeden 16. Zwischenwert darstellen, dazwischen arbeitet man „im Blindflug“ oder eben „nach Gehör“. In der Praxis ist das kinderleicht, für eine athletische Live-Performance ist ein nackter JX-3P aber ungeeignet.

Ein simpler, aber einfach zu bedienender Stepsequenzer erlaubt die Aufzeichnung von bis zu 128 Noten (nicht Schritten!) und ist zu einem eingehenden MIDI Clock-Signal synchronisierbar. Die Sequenz bleibt auch dann erhalten, wenn das Gerät vom Netz getrennt wird. Der Pitchhebel wirkt nicht auf die laufende Sequenz, praktisch für gepitchte Soli. Für die Klangbeispiele zum JX-3P habe ich – mit einer Ausnahme – ausschließlich den Stepsequenzer verwendet.

PG-200 für Arme: Eine Edit Map weist anhand von Zahlen zum gewünschten Parameter.

Am Tape Memory-Ausgang können Sie die Daten der Sounds und Sequenzen auf einer „Audio Cassette“ sichern (… im Jahre 1983 begann auch der weltweite Siegeszug des Commodore C64) und diese Daten bei Verlust wieder über den Tape-Eingang zurückspielen. Ebenso möglich ist die Datensicherung auf der Harddisk Ihres Rechners, nämlich über Ihr Audio-Interface im Sequenzerprogramm Ihrer Wahl – als Audiofile wohlgemerkt. Es gibt im JX-3P weder eine MIDI-Dump-Funktion noch einen Cartridge-Slot und damit auch keine wirkliche Alternative zu diesem Vorgehen.

Wer im Internet nach „Patches“ für den JX-3P sucht, sollte sich nicht wundern, wenn er auf Textdateien oder – Bingo – mp3-files stößt, die in den JX-3P „überspielt“ werden müssen. In Wirklichkeit findet man aber so gut wie nichts.

Einen MIDI-Eingang und -Ausgang gibt es, jedoch keinen Durchschliff. Wird ein Programmer angeschlossen, liegen die MIDI-Fähigkeit des Gerätes brach. Ab Werk verarbeitet der JX-3P nur Notendaten und Programmwechselbefehle, aber keine MIDI-Controller und sendet und empfängt nur auf Kanal 1.

Die Anleitung ist vielerorts im Netz herunterzuladen. Mit etwas Synthesizer-Erfahrung kann man sich diese Literatur sparen.

MIDI-Schnittstelle und sechspoliger Anschluß für den PG200

Zwischenbilanz: Der JX-3P besitzt keine einzige Funktion, die als echtes Alleinstellungsmerkmal herhalten kann. Dafür gibt es einige Schwachpunkte in der Klangarchitektur und gravierende Einschränkungen bei der MIDI-Implementierung.

Der Klang des Roland JX-3P

Die digital kontrollierten Oszillatoren tönen sauber und diszipliniert und immer gut gestimmt. Aus der Bierglas-halb-leer-Perspektive gesehen heißt das: Nüchterner oder weniger warm als etwa ein Jupiter 8, aber vielleicht klänge der ähnlich, wenn man ihn nur einmal „perfekt“ stimmen würde. Was halt niemand tut, weil es eben sehr schwierig und zugleich völlig uninteressant ist. Die Roland DCOs kann man jedenfalls sehr einfach VERstimmen, und sie klingen dann – „lebendig genug“. Und eine Spur bescheidener als jene des großen Bruders.

Oben herum brillieren die Oszillatoren durch eine angenehme Milde und weniger durch Aggressivität.

Wie alle Roland-Synthesizer besitzen auch die Modelle der JX-Ära gut klingende Filter, hier in Form kombinierter VCA/VCF-Chips aus eigener Entwicklung. Sie packen sehr gut zu, klingen aber eine Spur künstlicher als die ihrer Vorfahren. Das kann man freilich auch lieben. Ich finde den Klang sehr gut und ausgesprochen modern.

Da der Regelbereich des Resonanzstellers kurz vor der Selbstoszillation endet, verbaut sich der JX-3P leider die letzte Möglichkeit, einmal richtig durchgeknallt zu klingen. Aber das entspricht ohnehin nicht seinem Naturell.

Circuit Bender überbrücken den „Brilliance“-Regler auf der Leiterbahn und nutzen den Schieberegler zur Einstellung der Geschwindigkeit des nachfolgenden analogen Chorus-Sektion. Dieser reichert das Klangbild enorm an und macht schnell süchtig. Aktuelle elektronische Musik verlangt aber oft nach einem ungeschliffenen, sehr direkten Klang, den der JX-3P durchaus liefern kann, der ihm aber nach Zuschalten des Chorus abhanden kommt. Dieser ist somit eine große klangliche Bereicherung des Instrumentes, langweilig programmierte Streichersounds (wie das Preset 1 im Beispiel) fallen „ohne“ schon mal in sich zusammen. Dennoch ist der Chorus kein Effekt für alle Fälle. Bei späteren JX-Synthesizern war er übrigens immerhin zweistufig zuschaltbar.

Das Fehlen einer Anschlagsdynamik verleiht dem JX-3P beim händischen Einspielen (und damit auch vielen Rock/Pop-Playbacks der Achtziger) einen statischen und leblosen Sound. Unter Circuit Bending finden Sie Hinweise, wie man die Klangerzeugung (jedoch nicht die Tastatur!) anschlagsempfindlich macht.

Insgesamt liefert der JX-3P jedoch jenes dichte „Mittenbrett“, welches vielen ähnlich aufgebauten Synthesizern und auch aktuellen Plug-ins immer noch abgeht. Er ist keine Charakter“sau“, denn er klingt stets aufgeräumt und freundlich, drängt sich trotz seiner Klangfülle nie in den Vordergrund und bleibt stets ganz „Pop“. Nur wenige Instrumente besitzen eine solch angenehm unauffällige Klangsignatur, die sich ohne viel Nacharbeit und „ganz natürlich“ in ein Arrangement einbettet. Der JX-3P ist zugleich guter Freund und dienstbarer Geist des Pop-Produzenten.

Roland Programmer PG-200

Der PG200 haftet mit Magneten auf der dafür vorgesehenen Dummy-Freifläche des Synthesizers und wird über ein sechspoliges Kabel angeschlossen, das auch die Stromversorgung übernimmt. Auch das Gehäuse des Programmers wirkt trotz seiner drei Jahrzehnte modern, schick und solide, sämtliche Bedienelemente bestehen aus metallisiertem Kunststoff.

Nach Druck der Manual Taste lassen sich sämtliche Parameter in Echtzeit und während des Spiels verändern. Dass dies „ab Werk“ nicht im laufendem MIDI-Betrieb funktioniert, hatte ich schon bemängelt.

Man beachte: Der PG200 versteht sich als „Programmer“, weniger als „Real Time Controller“. In den Achtziger wurde ein Klang meist zuhause „eingestellt“ und später auf der Bühne „gespielt“.

Das merkt man dem Gerät auch an: Wichtige „Schrauberknöpfe“, wie jene zur Steuerung des Filters, stehen eng beieinander und in Reih und Glied mit weniger Bedeutsamen, wie etwa den Potentiometern zur Feinstimmung der Oszillatoren. Die Drehknöpfe haben zwar Stahlachsen, sind aber nicht auf der Frontplatte verschraubt und daher etwas wackelig. (Aktuelle MIDI- und USB-Controller sind aber meist auch nicht vertrauenswürdiger.)

Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich der PG200 jedoch zeitgemäß nutzen und bietet ohne umständliche Konfiguration Zugriff auf sämtliche Klangparameter des Instrumentes.

Das beschert bedientechnisches Aha-Erlebnis: Sie versetzen den PG200 in den Modus „Manual“, womit die aktuelle Einstellung der Bedienelemente vom Synthesizer übernommen wird, stellen mit der überschaubaren Zahl von Parametern den Klang Ihrer Wahl ein, drücken auf „Write“ und wählen einen Speicherplatz für die Ablage des neu geschaffenen Klanges aus. Fertig.

Ohne Druck der „Manual“-Taste sind auch relative Änderungen der Werkspresets möglich.

Von meiner Seite ist der Programmer eine unbedingte Kaufempfehlung.

Circuit Bending für den Roland JX-3P

In diesem Test wird der JX-3P im Auslieferungszustand vorgestellt.

Über die Jahre haben verschiedene Menschen das Innenleben des Synthesizers erforscht oder undokumentierte Zusatzfunktionen gefunden, die sich durch geheime Tastaturkombinationen aufrufen lassen, oft unter Verlust anderer Funktionen. Diese Dinge würden den Rahmen dieses Artikels sprengen, daher verweise ich auf die Links am Ende dieses Artikels.

Sehr empfehlenswert ist das Hardware-Upgrade von Laurens Schelling, der im Internet unter „Organix“ firmiert. Zu einem moderaten Preis werden die rudimentären MIDI-Fähigkeiten des Instrumentes erheblich erweitert.

Der Bausatz für die MIDI-Erweiterung von Laurens Schilling.

Der JX-3P empfängt nun auf den Kanälen 1, 2 und 3, die MIDI-Schnittstelle und PG200 sind nun auch gleichzeitig nutzbar. Der JX-3P wertet Standard MIDI-Controller zur Steuerung sämtlicher Parameter aus, und, der wahre Knüller, der PG200 mutiert an der MIDI-Out Buchse des Synthesizers tatsächlich zu einer Standard MIDI-Controller Box. Das alles ist mit etwas Lötpraxis und der guten, bebilderten Anleitung in gut zwei Stunden Arbeit Auf- und Einzubauen und hat bei mir sofort funktioniert. Natürlich muß der Synthesizer für den Einbau geöffnet werden, es sind auch einige Kabel im Inneren zu verlöten und Leiterbahnen mit dem Teppichmesser durchzuschneiden. Ausserdem wird das EPROM mit dem Betriebssystem ausgetauscht. Im Selbstzweifelsfalle sollte also die Fachwerkstätte des Vertrauens hinzugezogen werden.

…fertig gelötet…

Laurens verriet uns zu seinem Produkt:

„Begonnen hat es damit, dass ich mir im Jahre 2003 einen JX-3P gekauft habe, um sehr schnell festzustellen, dass die MIDI-Implementierung sehr limitiert war und der PG200 nicht gleichzeitig mit der MIDI-Schnittstelle genutzt werden konnte. Im Internet bestand offenbar ein breites Interesse an einer Lösung für diese Unzulänglichkeiten, und so habe ich mich entschlossen, eine solche zu entwickeln.
Zunächst habe ich mich intensiv mit der Firmware des Synthesizers und des Controllers beschäftigt, um diese zu verstehen. Dann habe ich eine Mergerbox entwickelt, die die eingehenden Datenströme der MIDI-Schnittstelle und des PG200 mischt. Später habe ich die Firmware des JX-3P so angepasst, dass er mit der Mergerbox kommunizieren kann.“

…und eingebaut.

In der nachstehenden Abbildung sind die Sequenzerdaten zum Klangbeispiel der „MIDIfizierten JX-Fläche“ zu sehen. Velocitydaten werden auch mit dem MIDI Hardware-Kit nur dann ausgewertet, beim bei jedem Einschaltvorgang der Taster Nummer 7 gehalten wird. Tastatur und Sequencer sind dann leider lahmgelegt. Die Sequenz ist durchgängig sechsstimmig, beim Auslösen eines neuen Note On-Befehls reißen die vorhergehenden Noten unvermittelt ab. Das schadet in dem Beispiel nicht, mit weniger Stimmen entsteht aber schnell ein Wirrwarr.

Sequenz mit Velocity, Controller 18 Resonanz, Controller 19 Eckfrequenz. Controller 85 schaltet den Chorus ein.

Sequenz mit Velocity, Controller 18 Resonanz, Controller 19 Eckfrequenz. Controller 85 schaltet den Chorus ein.

Alternativen

Sowohl einen MKS-30 wie auch einen MKS-50 (19 Zoll-gewordene Reinkarnationen von JX-3P und Alpha Juno) habe ich einst besessen, jeweils ohne Programmer. Beide Geräte umgibt ein gewisses „Graue Maus“-Appeal. Die Zeiten, in denen man Klänge durch Variation kryptischer Buchstaben- und Zahlenkürzel auf grünlich dahindämmernden 7 Segmentanzeigen kontrollieren mag, sind für die meisten Musiker sicher vorbei. Sie klingen identisch, ihre MIDI-Implementierungen sind bereits deutlich umfänglicher.

Ein JX-3P ohne PG200 ist bereits deutlich einladender, aber ich selbst würde ihn nur mit Programmer kaufen und benutzen wollen. Der JX-3P klingt nicht so speziell, als das man auf das gewisse Etwas an Bedienkomfort verzichten mag.

Zum Thema JX-8P und JX-10 verweise ich auf die beiden Tests von Moogulator und Theo Bloderer.

Der im Jahre 1985 erschienene Expander MKS-70 Super JX aus dem Jahre stellte die Krönung der etwas glanzlosen Ära der Roland DCO-Synthesizer dar, seine MIDI-Implementierung ist bereits als vollständig zu bezeichnen. Ich besitze ihn, arbeite aber häufiger mit dem JX-3P, weil es schneller geht und mehr Spaß macht. „32 Oszillatoren pro Stimme“ geht aber nur mit dem MKS.

Die Klangbeispiele belegen, dass der JX sehr wohl die bekannt-beliebten Juno-Standards für Techno und Eurodance parat hat. Ich kann nicht beantworten, ob die beliebten frühen Junos tatsächlich druckvoller klingen, da ich diese Instrumente nie besessen habe: Da der JX-3P als Novität zwei Oszillatoren pro Stimme zu bieten hatte, machen die Werkssounds natürlich reichen Gebrauch davon. Er klingt dann voller als jeder Juno, aber natürlich auch schwammiger. In Ermangelung eines Programmers mag man schnell vergessen, den zweiten Oszillator leise zu drehen. Schrille Solo-Sounds, bedrohliche Drones oder knackige Bässe hat der JX ab Werk auch nicht an Bord, die muss man schon mal eben selber machen. Kurzum: Man bekommt schnell einen falschen ersten Eindruck von dem Instrument.

JX-3P, JX-8P und alle Junos und spätere Alpha Junos haben gemein, dass sie auf Grund ihrer einfachen Architektur nicht für wirklich ausgefallene Klänge geeignet sind.

Der Vollständigkeit halber: Es gibt ein Shareware Plug-in namens Stumm PG-23P, welches die Klangerzeugung des JX-3P emuliert. Der Klangcharakter der Oszillatoren wird gut getroffen, das Filter packt weniger gut zu, und einen Chorus gibt es nur pro forma. Der Gesamtklang ist etwas statisch und vorlaut.

Roland JX-3P on YouTube

Fazit

Der JX-3P ist ein solide gebauter Mittelklassesynthesizer im Geiste der achtziger Jahre, der sich als gut klingender Teamplayer empfiehlt.

Wer, wie ich, großen Wert auf eine MIDI-Schnittstelle legt, sollte das vorgestellte Hardware-Kit gleich ins Budget aufnehmen, andernfalls sind die kommunikativen Fähigkeiten des JX-3P zu eingeschränkt. Richtig Spaß macht der JX-3P nur mit dem Programmer PG200, den man nach Möglichkeit gleich mit dem Gerät erwerben sollte. Der Einzelkauf wird meist teuer.

Obwohl beide Geräte recht robust und langlebig sind, sollten sie vor dem Kauf erprobt werden: Sind die Bedienknöpfe vollständig? Funktionieren alle Tasten und Bedienelemente ohne Gewalteinwirkung? Erklingen noch alle sechs Stimmen? Ist die Speicherbatterie einmal getauscht worden, oder ist sie womöglich ausgelaufen und hat im Inneren Schäden angerichtet? Wurde schon einmal ein Hardware Upgrade vorgenommen, und wenn ja, von wem, und in welcher Form?

Der Roland JX-3P ist ein recht gängiger Synthesizer. Viele Instrumente sind auch heute noch in gutem Zustand, sofern sie nicht in den Achtzigern eine längere Hardrock-Karriere gemacht haben. Sie gehörten sicher nie zu den typischen Gadgets neuzeitlicher Techno-Kinder und sind daher oftmals im Besitz gescheiterter Ex-New Romantics und anderen friedlichen Langweilern, die sie seit zwei Jahrzehnten nur noch zu Weihnachten eingeschaltet haben, um alle Jahre wieder festzustellen, dass die Speicherbatterie leider alle ist. Man bedenke aber: Es handelt sich um elektronische Geräte, die mittlerweile fast drei Jahrzehnte alt sind.

Für das Komplettpaket aus Synthesizer, Programmer und Upgrade Kit erscheint ein Gesamtbudget von etwa 400,- Euro angemessen.

Plus

  • gut verarbeiteter, übersichtlicher, einfach zu bedienender Analogsynthesizer für viele gute Standard-Sounds.
  • 32 Preset- und 32 User-Klangspeicher
  • Der Klang: voll, breit, sauber und voluminös oder auch einfach mitten ins Gesicht. Some people call it "hifi-mässig". Ich denke: sehr "modern"
  • Sahnechorus!
  • Hardware-Upgrade beseitigt viele Schwachpunkte, siehe Links
  • relativ günstiger Gebrauchtpreis
  • Programmer PG200 erhöht den Bedienspaß erheblich!
  • Wer sie mag: Die Optik!

Minus

  • nicht anschlagdynamisch, kein Aftertouch, LFO Trig ersetzt Modulationsrad
  • relativ simple Klangarchitektur mit diversen Spaßbremsen: nur eine Hüllkurve und ein lahmer LFO, keine echte PWM, Filterresonanz reicht ab Werk nicht bis zur Selbstoszillation, mit Sequenzer, aber ohne Arpeggiator
  • sehr rudimentäre MIDI-Implementierung lässt das Potential der Hardware ungenutzt: Heutige Ansprüche verlangen nach dem MIDI-Kit von Organix
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Pflosi  

    Netter Artikel über einen unterschätzten Synth. Allerdings gibt es Roland DCO Synths, die der PWM fähig sind: Juno 6/60 können die Pulsweite sowohl durch ADSR als auch durch LFO steuern, der 106er nur durch LFO…

      • Profilbild
        falconi  RED

        Hallo Florian,
        danke für Deine Korrekturen und Ergänzungen.

        Am morgigen Samstag gibt es meinen Praxistest zum Kiwitechnics Patch Editor und auch ein paar Infos zu dem Hard- und Software-Update von Kiwitechnics. Viel Spaß beim Lesen!

        http://www.....le_id=3329

        • Profilbild
          Pflosi  

          Bin grade wieder über diesen älteren Kommentar von mir gestossen und ich muss mich selbst ergänzen: der JX3P kann PWM „faken“ bzw. synthetisieren, mittels Oscillator Sync und den Square Wellenformen. Jeder Synth mit Sync kann das, im Prinzip… Der Trick ist sogar im Roland Benutzerhandbuch beschrieben. Richtig eingestellt ergibt das exakt den gleichen Effekt wie PWM.

          Gruss!

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    AMAZONA Archiv

    Ich finde der JX-3p ist der Vintage Analog-Synth mit dem derzeitig besten Preis/Leistungsverhältnis. Soviel analoge Hardware bekommt man nirgendwo für so wenig Geld. Ich persönlich ziehe zwar klanglich die Juno`s vor, aber der kleine JX ist nicht zu verachten. Die typischen Roland-Flächen und sehr nette Bass-Sounds macht er mit Bravour.

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    AMAZONA Archiv

    Damals mein erster Analoger.
    Die Sounds klingen oft „dünn und irgendwie langweilig“ im Vergleich zu den fetten Analogschiffen. Aber jeder, der schon mal versucht hat, einen fetten Moog-Sound in einem Song zu platzieren wird schnell merken, dass sich gerade die (solo gespielt) dünn klingenden Sounds sehr gut in Arrangements einfügen lassen. Es passt fast immer, sogar ohne EQ. Den Roland Chorus ersetze ich im Mix aber meist mit weniger „brachialen“ Effekten. Solo ist er aber ein echter Kracher.

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    tortuga

    Ganz interessant finde ich zur Unterschiedlichkeit der Juno/JX Serien, dass die JXe aus der Gitarrensynth-Abteilung von Roland stammen, was man in der sehr netten Sound on Sound – Serie „The history of Roland“ nachlesen kann.

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    AMAZONA Archiv

    JX 8P: warm und druckvoll
    JX 3P: kalt und dünn

    Sicherlich gibt es kälter und dünner klingende Geräte als den 3P und sicher auch wärmer und fetter klingende Teile als den 8P, aber wer mich fragt bekommt genau diese Antwort. Der 3P ist ähnlich dem Juno 106 eine „digital“ klingende Kiste. Alan Parson hat mit „Amonia Avenue“ den 106er und 3P erstmals verwendet, und das war für mich der Abschied von seine Musik.

    Im Übrigen habe ich als Zeitzeuge die Umstellung auf Synthesizer mit digitaler Parametereingabe (und immer den Blick in die Parameterliste!) als genau das empfunden was sie war: Ein üble Sparmaßnahme. Wenn Instrumentenbauer behaupten, sie mussten sich dem Trend zum Taster und Folienschalter beugen, den der DX losgetreten hat, dann scheint mir das eine freche Lüge.

    • Profilbild
      Dreitagebart

      Genau so ist es! Der JX-8P klingt fett, breit und druckvoll. Ich hatte letztens nur ein paar mal in Foren gelesen, dass der JX-3P da irgendwie mithalten könne, deswegen die Frage …

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    AMAZONA Archiv

    Man kann den Filter-Resonanz-Level deutlich erhöhen indem man auf der Platine die entsprechenden Poties für jede Stimme neu justiert.
    Das ist dann aber eine sehr harsch klingende Resonanz. Nicht so schön weich wie beim Moog.

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    Neven Dayvid

    Also: ich habe den Direktvergleich Juno-6 und JX3P gemacht, und die Unterschiede gemacht, und die Unterschiede sind wirklich minimal.
    Kann nur empfehlen, sich einen „kalten und dünnen“ JX3P zu holen, denn ich spiele den gerne, obwohl ich auch alle 3 Jupiters dahab.
    Es geistern hier wirklich viele Vorurteile rum.
    Schließlich sind alle Junos DCO-Synthesizer!
    Und extreme Resonanzeinstellungen klingen beim JX3P wesentlich organischer als bei JX8P und MKS70.

    • Profilbild
      falconi  RED

      Ich teile die Meinung. Die externe Beschaltung der Roland Custom-Chips ist bei dieser Synthesizergeneration sehr ähnlich, es gibt aber Unterschiede beim Abgleich. Beim JX-3P etwa ist die Filterresonanz auf einen zahmen Maximalwert eingestellt, der aber intern veränderbar ist.
      Wer wirklich in der heutzutage eher seltenen Situation ist, sich beim Kauf zwischen verschiedenen Roland DCO-Synthesizern entscheiden zu können, sollte seine Wahl eher vom gewünschten Funktionsumfang und dem Gesamtzustand des Instrumentes abhängig machen.
      Ich habe mir den JX übrigens gekauft, weil er in einem Keyboardständer umwerfend gut zu einem Nord Lead und einem Virus paßt;)

  8. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    So unterschiedlich sind die Wahrnehmungen. Wenn ich einen bekommen könnte, würde ich auch einen 3P kaufen. Solange freue ich mich an meinen 8P

    ;-)

    PS: Ich denke nicht, das die DCOs verantwortlich für meinen Klangeindruck sind. Was es tatsächlich ist kann ich aber nicht sagen.

  9. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Die Klang-Unterschiede zwischen JX3P und JX8P sind schon sehr deutlich.
    Erstaunlich finde ich beim JX8P diese Synth-Chöre ( Tangerine Dream Sound „Preset 20“)
    Ich hatte bisher noch keinen Analog-Synth der diesen Sound so überzeugend „emulieren“ kann (und schon garnicht der JX3P). Ist schon merkwürdig.
    Gerade ist bei ebay ein JX8P für 190 Euro verkauft worden und fast zeitgleich ein Yamaha CS01 (das ist der ganz kleine Analog-Synth aus dem Jahre 1980) für 195 Euro.
    Also mal ehrlich, die spinnen.

    der
    Klanggeist

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    nightstorm

    Hmm…guter Synth für wenig Geld -ganz klar.
    Aber für mich ist die Bedienbarkeit eines Synths von höchster Priorität.
    Dafür muss man denn aber noch mal den Pg 200 erwerben (zu Horrorpreisen).

    Sagen wir mal 250,00 Euro für den Jx-3p aber nochmal locker 250-300 Euro für den Programmer.Sind schon über 500 Euro-und dafür bekomme ich schon einen besser klingenden Juno 6/60 oder Juno 106 incl. Traumbedienung .
    Ich behalte zwar auch meinen Jx-3P (kommt klanglich oft dem Juno 106 nahe -und der Sequenzer ist auch ganz brauchbar),werde aber niemals so ein Wahnsinnspreis für den PG bezahlen—-soll heissen ,wer einen guten analogen Synth mit einfachster Bedienung sucht ,sollte doch eher einen Juno6/60 oder 106 suchen-„Preis/Klangl/leistung“liegt dort einfach besser.

    • Profilbild
      falconi  RED

      Wie im Fazit dieses Artikels zu lesen war: Ich halte 400 Euro für das Paket aus Programmer, Synth und Upgrade Kit für einen angemessenen Preis.

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      mummstyle

      Ich finde, dass man den JX-3P auch gut über das Frontpanel ohne Programmer bedienen kann, allerdings nur einen Parameter zur Zeit.

  11. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Hatte selbst schon einen JX-3P und kann nur sagen daß dieser wirklich gut klang, sehr saubere Strings und Brass-Sounds und diese schönen melancholischen Lead-Sounds, die ich mit anderen Geräten dieser Preisklasse überhaupt nicht hinbekommen habe. Hab meinen JX-3P vor 4 Jahren bei Ebay für schlappe 150 Euros erworben, was heute nicht mehr denkbar ist. Die Verarbeitung des Gerätes ist sehr gut (Roland-typisch) und die Verwandschaft mit den größeren Jupiter-Modellen ist klanglich erkennbar (auch wenn der JX-3P weniger Einstellungsmöglichkeiten bietet). Für Bass-Sounds ist er aber eher ungeeignet, der Grundklang ist trotzdem angenehm weich und nicht so rauh wie z.B. bei der damals angebotenen Korg-Serie. Aber das ist eben Geschmackssache. Toll fand ich auch daß der JX-3P Oszillatoren-Sync und Ringmodulation beherrscht.

  12. Profilbild
    stefan2010

    Ich suche dringend das beschriebene Midi-Expansions-Kit von Organix o.ä. für meinen JX-3P.
    Nach Informationen der Seite, hat Organix nämlich die Produktion und den Vertrieb des Kit’s eingestellt.
    Kann mir jemand weiterhelfen? Wilkommen wäre mir zur Not auch eine Anleitung für einen Eigenbau des Kits o.ä.
    Beste Grüße,

  13. Profilbild
    Florian Anwander  RED

    Hallo,

    Zunächst danke für den ausführlichen Test.

    Ich darf noch ein paar Ergänzungen anbringen:

    > Ein großer Brilliance-Steller mit Mittenrasterung
    > regelt ein weiteres Tiefpassfilter erster
    > Ordnung, welches global für alle Sounds
    > wirksam ist. Das Filter erlaubt nur eine
    > simple Abschwächung der Höhen, die man im
    > Bedarfsfall wohl lieber am Mischpult vornimmt.
    Das ist technisch nicht korrekt. Der Brillianceregler gibt einfach ein kleines bisschen Steuerspannung auf den normalen 24dB VCF. Man kann das modifizieren und bekommt dann einen vollwertigen Cutoff-Regler (http://fa......3p_mod.htm)

    > mangelnder Chorgeist der 12 DCOs muss
    > jedoch im Inneren des Gerätes zur Raison
    > gebracht werden.
    Ich warte und repariere jetzt seit bald 25 Jahren JX-3P und mir ist noch nie einer unter die Finger gekommen, bei dem einer der beiden Masteroszillatoren nicht korrekt gestimmt wäre.

    > Ein simpler, aber einfach zu bedienender
    > Stepsequenzer erlaubt die Aufzeichnung von
    > bis zu 128 Noten (nicht Schritten!)
    Auch das ist falsch. Der Sequencer zeichnet immer 128 Schritt von bis zu sechs Noten auf (insgesamt also 768 Noten)

    > Einen MIDI-Eingang und -Ausgang gibt es,
    > jedoch keinen Durchschliff.
    Nur die erste Serie hat keinen MIDI-Thru. Die zweite Serie sehr wohl.

    > Der JX-3P besitzt keine einzige Funktion,
    > die als echtes Alleinstellungsmerkmal
    > herhalten kann.
    Das kann man so nicht unterschreiben. Der polyphone Stepsequencer ist in seiner Art einzigartig; es gibt keinen einzigen Sequencer bei dem der Stepinput von gebundenen Noten nur einen einzigen Handgriff braucht. Wenn man eine noch so komplexe Seqeunz von 16 Schritten eingibt, es sind genau 16 Tastendrücke. ZB beim sonst sehr ähnlichen Sequencer im SH-101 muss man für eine gebundene Note immer zwei Tasten drücken, was beim Durchzählen durch die Sechzehntel eines Taktes ganz schön durcheinander bringt.

    > hier in Form kombinierter VCA/VCF-Chips aus
    > eigener Entwicklung
    Der JX-3P benutzt nur das klassische Roland VCF-Chip IR3109, das auch im Jpuiter 4,6 und 8, in Juno6 und Juno60 sowie im Sh-101 Verwendung findet. Der VCA ist ein Ein-Transitor-VCA – übrigens sehr ähnlich dem VCA im MS-20.

    Letztlich ist noch anzufügen, dass derzeit (Frühjahr 2011) ein komplett neues Betriebssystem Upgrade in den letzten Zügen der Entwicklung ist. Das den JX3P mindestens auf das Nivau der Klangerzeugung des JX8P hebt, allerdings zusätzlich noch Arpeggiator, Chordmemory und einen Slicer-Pattern bereitstellt. Siehe auch http://www.kiwitechnics.com

    Beste Grüße, Florian Anwander

    • Profilbild
      falconi  RED

      Hallo Florian,
      danke für Deine Korrekturen und Ergänzungen.

      Am morgigen Samstag gibt es meinen Praxistest zum Kiwitechnics Patch Editor und auch ein paar Infos zu dem Hard- und Software-Update von Kiwitechnics. Viel Spaß beim Lesen!

      http://www.....le_id=3329

  14. Profilbild
    Thor74

    @Fanwander: Ich suche nach einer Möglichkeit, den PG200 auch während der Aufnahme zu bedienen. Ich hörte, solch eine Möglichkeit gibt es, und zwargar keine so Aufwendige. Haben Sie darüber Informationen ? Vielen Dank im Voraus.

    • Profilbild
      falconi  RED

      Hallo,
      ich bin nicht so sicher, was Du genau vorhast:
      Wilst Du am PG200 „schrauben“ (und möglicherweise sogar die Controllerdaten im Sequenzer aufzeichnen), während der Sequenzer zugleich Noten auf dem JX-3P triggert?
      Dafür benötigst Du in jedem Falle ein Hardware-Update, das es mittlerweile nur noch von Kiwitechnics gibt.

      Gruß,
      Falk.

  15. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Mittlerweile sind die e-bay-Angebote auf ca. 500,-€ ohne / 800,-€ mit Programmer gestiegen. Aber auch ein gebrauchter JX-03 kann 400,-€ kosten, ein neuer wird für 550,-€ angeboten…
    Der JX3P hat mir schon immer gefallen, und auch die Bedienung ohne Programmer fand ich nicht so schlimm.

  16. Profilbild
    falconi  RED

    Meine Budgetempfehlung war schon zu damaliger Zeit wohlweislich eher am unteren Ende angesiedelt.

    Ja, die Bedienung ist auch ohne Programmer einfach und flüssig, aber die Erwartungen an die Bedienoberfläche eines Analogsynthesizers sind heute nun mal höher – zu Recht. Zitat: „Der JX-3P klingt nicht so speziell, als das man auf das gewisse Etwas an Bedienkomfort verzichten mag.“

    Ferner: „Sie (MKS-30 und MKS-50) klingen identisch…“.
    Das war zu pauschal und letztlich auch falsch.

    Heute empfinde ich den Klang der älteren Roland-Synthesizer der Achtziger als wärmer und kraftvoller – darunter die alten Junos, der Jupiter 8, frühe MKS-80 und der JX-3P – als den der neueren (späte MKS-80, MKS-70, Alpha Juno). Eine möglicher Ursache: Der IR-3109 VCF klingt tatsächlich lebendiger als der späte IR-3105.
    Florian Anwander wusste das vermutlich auch damals schon besser:

    http://www.....d_filters/

    Auch der tiefgründige Klang des Juno 6 (mit leichter Einschränkung auch 60) ist nach meinem Eindruck noch einmal „eine Klasse für sich“ und möglicherweise einer abweichenden Steuerungselektronik zuzuschreiben. Mehr dazu hier:

    https://www.youtube.com/watch?v=mqY6cVJS9fo

    All das entspricht den vorherrschenden Meinungsäußerungen in diversen Foren, aber mittlerweile auch meinem Eindruck.

    Wie auch immer: JX-3P – netter Synthesizer!

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