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Green Box: Yamaha SY77, TG77 und SY99

Yamaha SY99

Der Yamaha SY99 – die FM-Königsklasse seiner Zeit

Yamaha SY99

Dem Yamaha SY99 haben wir auf Grund seiner Ausstattung und Bedeutung auch einen komplett eigenen und sehr ausführlichen GREEN BOX Report gewidmet, den ihr HIER findet.

Der Yamaha SY99 ist die edle Hochsee-Yacht unter den Yamaha Keyboards jener Zeit, und zwar wegen seines voluminösen Erscheinungsbildes mit 76er sehr gut bespielbarer Tastatur und einer überaus leistungsstarken Engine. Gut ein Jahr nach der Präsentation des SY77 hat der Hersteller eigentlich alles reingepackt, was die Wunschliste der Musiker hergibt. Im nun 8 MB großen Sample-ROM sind 267 Instrumente und One-Shots in vorwiegend hochwertiger Klangqualität untergebracht, weitere können nicht nur per Card, sondern auch via Floppy-Disk geladen werden. Dafür stehen werksseitig 0,5 MB bereit, man kann zusätzlich Expansion-Blocks kaufen, das Maximum ist 3 MB. Neben proprietärem Format lädt der SY99 zudem Samples vom hauseigenen TX16W Sampler und akzeptiert MIDI-Sample-Dump-Standard. Es gibt gegenüber dem kleineren Bruder auch 63 Multi-Effekte der besseren Art, denn statt der Basis SPX50D im SY77, wo etwa die maximale Delay-Time von nur 300 ms kritisiert wird, stehen hier SPX900 und SPX1000 Pate. In Sachen Microtonal-Tuning gibt’s beim SY99 nun immerhin 64 Tables. Die Abteilung Sequencer vermeldet ebenfalls Zuwachs mit einer Kapazität von jetzt 20.000 Noten und 10 Songs.

Lassen wir an dieser Stelle Synthesizer-Enthusiast Robert Skerjanc zu Wort kommen. Seine Passion gilt oft Vintage-Orgeln der edleren Kategorie wie Allen Theatre Deluxe 3, Lowrey Celebration C500 und Yamaha HX-1. Über Letztere hat er bei AMAZONA.de auch einen Artikel beigesteuert, den Sie hier lesen können. Er besitzt aber auch einen Yamaha SY99 und hat für AMAZONA.de den oben erwähnten GREEN BOX Report beigesteuert, der wirklich sehr empfehlenswert ist, und verschiedene erläuternde Audio-Tracks bekommen Sie von ihm auch zu hören. Diesen Artikel finden Sie hier.

Cards und 3rd Party

Yamaha bietet eine ganze Reihe sogenannter Voice-Card-Sets mit Samples plus Presets an, darunter Brass Section, String Section, Sax, Syn Wave, Drums. Dazu weitere reine Presets-Soundbänke, programmiert von bekannten Sound-Designern wie Michael Bodicker und Shofuku, sowie speziell auf bestimmte Regionen abgestimmte Collections, etwa die European Collection, genauso wie welche für spezielle Styles, z.B. House & Latin. Diese Ambition ist nicht zufällig entstanden, sondern handfeste Gründe sind es: Das Kaufpublikum ist nach der Präsentation des SY77 von den Werksprogrammen nicht rundum überzeugt. Anhand der oben genannten Titel ahnen Sie sicher schon warum. Doch Yamaha ist rührig, das Headquarter in Tokio spricht mit den Produktspezialisten in sämtlichen Landesniederlassungen rund um den Globus und entscheidet sich, mit weiterem Content nachzulegen.

Yamaha Soundteam 1990

Nach einem knappen Jahr sind jede Menge neuer Samples und Presets unter Dach und Fach und wird danach vom deutschen Produktmanager so beschrieben: „Das Sample-ROM im SY-77 erscheint zuerst noch nicht optimal. Speziell die Drums überzeugen nicht. Deswegen bringt Deutschland die Konzept-Card Rock & Pop ins Rennen. Auf ihr werden amtliche Drums, Bässe und passende Bläser, E-Piano und Synthwaves kombiniert. Zusätzlich erstellt Japan eine Sax 1 Card, mit keinem Geringeren als John Robinson. Die Bläser von Tower of Power sind aufgenommen, ebenso ein angesagtes US-Streichorchester für die Strings Section Card. Das R&D Studio Tokio hat für Syn Wave 1 alte analoge Synthesizer gesampelt und aus dem R&D London kommt nach einer Session mit Percussions die Card House & Latin mit Unterstützung von Gerd Führs. Dave Bristow ruft das EMS-Software Project ins Leben, die Sounds von dort werden speziell auf die Musikstile in Europa abgestimmt. Auch für Tanzmusik, Filmvertonung, Klassik, New Age – einfach alle Bereiche und Wünsche werden abgedeckt. Dazu Cards von Profis wie Shofuku, so dass bis Ende 1990 über 30 Titel mit rund 3.500 Sounds durch die Yamaha Library verfügbar sind, wahrscheinlich die größte Klangauswahl, die ein Hersteller in weniger als einem Jahr zustande gebracht hat.“

Mit diesem Package geht die Reise für Leute des Soundteams nach Japan, wo die endgültigen Auswahlen getroffen werden und mithilfe der Alchemy Software alles ins SY77 Format gebracht wird.

Sound Source SY77 Sounds

Dazu kommen neben der Kompatibilität zu den hauseigenen PCM-Cards für SY55 und SY85 reihenweise Angebote der in jenen Tagen sehr rührigen 3rd Party Companys Sound Source Unlimited, Valhala, Patchman Music, Metra Sound und weiteren. Darunter ist die deutsche Firma Easy Sounds, bekannt als Haus- und Hof-Lieferant für Yamaha und namentlich Peter Krischker, der seine SY77 Soundbänke auch heute nach wie vor im Lieferprogramm hat, hier. Für den kompletten Überblick zum jemals produzierten Soundangebot schauen Sie einfach nach bei Klangarchivar Bobby Blues – und zwar hier.

Begonnen hat die Tutorial Tradition mit der DX-Serie und zumindest ansatzweise wird das auch beim SY77 fortgeführt. Alexander Publishing etwa veröffentlicht das Buch Yamaha SY77 Sound Making Book Level 1. Herbert Janssen bietet auf seiner Website hier eine ganze Reihe hilfreicher Texte sowie Sounds und Samples zum Download.

Yamaha SY77 Sequencing Handbook

Verglichen mit der vorhergehenden DX-Serie ist es seitens 3rd Party Aktivitäten außerhalb des Sound- und Tutorial-Business etwas stiller. Musitronics hat für SY77 und TG77 eine PCM-Expansion entwickelt, die den internen ROM-Content von 4 auf 8 MB verdoppelt. Geboten werden Rock-Piano, E-Piano, Clavinet, Acoustic Guitars, Bässe, Wind und Brass Instruments, Strings, Choir, Synthesizer-Sounds und Drums. Alles das inklusive einer Presets-Soundbank, wo die neuen Samples verwendet sind. Und Musitronics hat sich auch den SY99 vorgeknöpft. Unter der Systemvoraussetzung OS 1.57 können von denen Low Power Static RAMs verbaut werden, deren Inhalt mit Lithium-Batterien gehalten wird. Ob das aktuell ist? Die betreffende Page jedenfalls gibt’s hier noch.

Aktueller Status, Service

Die Instrumente sind insgesamt ziemlich robust verarbeitet und ertragen auch dauerhaften Bühnenstress. Mögliche Troublemaker sind Displays, die mal matt und halbblind werden können. So was kann man bei etablierten Servicestationen wie Ampology in Form bringen lassen. Andere Probleme sind nicht weniger untypisch für Keyboards generell, darunter fallen Low-Battery Status, Disk-Load Probleme und labile Tastenkontakte.

Kauftipps

Auf dem Gebrauchtmarkt sind diese Instrumente momentan durchaus als Schnäppchen zu bezeichnen. Für jemanden, der mehr FM als nur Yamaha DX7 will und dazu eine coole Hardware-Synth-Engine, dazu auch mit richtig guten Waveform-Samples und experimentellem RCM hantieren möchte, der ist mit einem Yamaha SY77 für gerade mal 250,- Euro bestens bedient. Ist es alleine der schnell verfügbare eigenwillige Sound dieser Serie und besonders viel Platz ist gibt’s auch nicht, dann genügt der Yamaha TG77 völlig, der nur 200,- Euro kostet, und mit Glück sind noch ein paar Cards dabei. Die Edelversion ist ein RAM-aufgerüsteter Yamaha SY99, der neben den klanglichen Möglichkeiten als Masterkeyboard noch eine richtig tolle Tastatur zu bieten hat, sofern man keine pianistischen Ansprüche stellt.

Audio-Tracks

Neben den verlinkten YouTube Clips haben wir hier als Audiodemos unsere Playlist mit den historischen Peter Jung Tracks von 1989. Die stammen, wie beschrieben, von einem Tape, das all die Jahre überlebt hat. Neben den RCM-Demos ist auch ein BC Breath-Control Track dabei. Viel Spaß :)

YT-Demos

Zu guter Letzt haben wir wieder einige interessante YT-Videos für euch zusammengestellt, die das Potential der SY-Serie beleuchten oder einfach nur geschichtlich von Bedeutung sind:

Tolle SY77 Demos von musctrack aus Japan mit den Klassiker-Sounds:

Der Yamaha SY77 mal ganz anders:

Ein wenig skurril, der TG77 als Alleinunterhalter mit seinen Demosongs. Deutlich zu hören, eine der Schwächen der SY-Serie, die dünnen Drumsounds.

Und hier im Demosong Cynthia lässt der Yamaha SY77 die 80er aufleben:

Fazit

FM ist gerade wieder im kommen. Da lohnt sich ein Blick auf diese Klassiker, die innerhalb der Yamaha FM-Familie ein Spitzenstellung einnehmen, was Sound und Bedienung angeht. Gerade die erweiterte FM-Synthese in Verbindung mit den sehr „eigenen“ Samples dieser Workstations macht den Yamaha SY77 und seine Geschwister immer noch zu brandheißen Soundlieferanten im Studio oder auf der Bühne.

Plus

  • überzeugender FM-Sound auf Wunsch gepaart mit Samples
  • übersichtliche Bedienung
  • umfangreiche Ausgangs-Sektion (vor allem TG77)
  • gute Effekte im Yamaha SY99

Minus

  • wirklich dünne Drumsounds
  • Effektqualität im TG77 und SY77

Preis

  • Laut Syntacheles-Liste, Stand 1/2018:
  • Yamaha SY99 ca. 380,- Euro
  • Yamaha SY77 ca. 280,- Euro
  • Yamaha TG77 ca. 300,- Euro
Klangbeispiele
Forum
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    phil_dr110  

    Schönes Feature über ein paar schöne Instrumente. Ich selbst besitze den TG – 77, den ich aber lieber über eine entsprechende
    Oberfläche von Ctrlr benutze, denn trotz des großen Displays finde ich die Menüführung alles andere als übersichtlich. Was aber auch daran liegt, weil es einfach extrem viel zu editieren gibt.

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      Codeman1965  

      Jaaaa, FM war schon immer ein extremer Zeitfresser…! :-)
      Mein Traum: Ich wache morgens auf, bin wieder 18 und habe einen goldenen Löffel im Ar…, damit ich meine Zeit nicht mit Arbeit vergeuden muss! Dann steht da auf einmal ein DX/ II/FD herum. Ich lächle nur noch ganz breit, und die nächsten 10 Jahre bin ich wie vom Erdboden verschwunden…!
      Früher war das Frustpotenzial hoch, denn es war ja alles Handarbeit. Heute hast Du im Netz abertausende Sounds zur Verfügung, die Du als Grundlage für Deine Soundvorstellungen verwenden kannst, Du kannst am PC editieren, und die Datenblätter eignen sich hervorragend, um den Grill anzufeuern.
      Meinen DX7 habe ich damals irgendwann abgegeben, weil er mir doch zu zeitintensiv war. Aber irgendwie fehlt mir der Sound…

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        AMAZONA Archiv

        DX7? Fehlt dir? Dachte ich auch mal und schwubbs war ein Tx802 im Haus, den finde ich kann auch kein Tg77 ersetzen, ich habe nämlich beide. Dieses rauhe ist einfach ne echte Charaktersau. Also wieder kaufen und nicht mehr vermissen.

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          Codeman1965  

          Ja, ich glaube, es wird auch so weit kommen… :-)
          Ich bereue es ja auch ein wenig, meinen DX7 damals weggegeben zu haben, er war wirklich neuwertig…
          Ich weiss nicht genau, ob die soundmäßigen Unterschiede von MK I zu II D/FD so groß sind, der würde mir besser liegen. Ich habe ihn seinerzeit oft bei Amptown befummelt. Du kannst halt mehr damit machen. Mal sehen… :-)

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            AMAZONA Archiv

            Ich wollte eigentlich auch wieder einen DX7ii aber ich habe den tx802 als Rack, den finde ich deutlich besser weil man Sounds layern kann und entweder am Main output mischen oder an Einzel output verteilen kann und am Mischpult mit verschiedenen Effekten bearbeiten, was ehrlich gesagt völlig irre Klingt! Das mit dem Layern wusste ich nicht bevor ich ihn kaufte. Eigentlich ging es mir nur um den Form Faktor und die Platz ersparnis aber der Sound Vorteil ist irre! Man kann bis zu 8 Sounds layern und an die Einzelnen Ausgänge verteilen was den Synthesizer dann nur noch 2 stimmig macht ist mehr als logisch, aber das klingt auch genial und hätte ich so nie erwartet!

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              Codeman1965  

              Jaaaaa, mal sehen, was es wird…
              Für mich ist die Haptik immer ziemlich wichtig: DX7 muss auch auf dem DX7 gespielt werden, JX-3P geht nicht über MKS-30. Ist eher so ’ne Herz- statt Kopfsache… :-)
              Ich mache Musik nur als Hobby, das ist vielleicht ein Luxus, denn ich muss nicht effizient denken. Und der II D/FD ist Einer der Synths, die ich gerne mal ganz in Ruhe bearbeiten möchte.
              Und um mal wieder zum Thread zurück zu kommen: Für ’nen gut erhaltenen SY-99 würde ich durchaus meinen Dispo belasten… :-)

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    mhagen1  

    Danke für den informativen Artikel! Ich habe meinen TG77 auch wieder verkauft, hauptsächlich aus Platzgründen. Er wurde ersetzt durch den Yamaha FS1R (1 HE), der mir die komplette FM-Palette inkl. der tollen Dynamik bietet und vieles darüber hinaus. Ich bin noch nicht in die Tiefen der Programmierung eingestiegen, aber RCM scheint der FS1R nicht zu haben, oder?

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    JohnDrum  

    Ich habe erst kürzlich die Hintergrundbeleuchtung von meinem TG77 getauscht und bin sehr zufrieden. Anleitungen dazu gibt es im Internet. Eine Sache von ca. 30 Minuten. Geht sehr einfach.

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    micromoog  AHU

    Toller Bericht…erwartungsgemäß :)

    Dem SY77 verdanke ich erstmal einen günstigen UR-DX7 Ende 89 weil der Vorbesitzer den SY wollte.
    Nach 5 Jahren DX9 und 2 Jahren TX81z musste endlich 6OP-FM ins Haus.
    Ein TG77 gesellte sich dann erst im Millennium hinzu.

    Ob man zZt wie angegeben einen SY99 für 380€ ergattern kann alte ich eher für ein Glück- und/oder Geduldspiel, wer einen schneller haben will muss in etwa 500€+ als Untergrenze kalkulieren.

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    Tolayon  

    In der Tat, die RCM-Funktion ist mit das Interessanteste, was SY77 und SY99 zu bieten haben. Die hier zu hörenden Klangbeispiele erinnern mich zum Teil an Bit-Crusher, man kann aber auch einfachen Natursamples – vor allem aus dem Bereich der Bläser – eine unglaublich „realistische“ Lebendigkeit und Dynamik einhauchen, wenn man erst mal weiß, wie.

    Allerdings haben wohl leider die Wenigsten die Zeit und Geduld aufgebracht, um sich intensiver mit diesem Feature vertraut zu machen – weshalb wohl auch der Yamaha Montage keine derartige Verbindung zwischen seinen beiden Engines zulässt (ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, falls doch).

    Beim Korg Kronos bin ich schon etwas zuversichtlicher, zumindest habe ich einige Male gelesen, dass sich dort Samples auch in andere Synthese-Engines einbinden lassen sollen, VPM inklusive.

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    HX  

    Schönes Thema: Anfang der 90iger verbrachte ich Stunden bei Brinkmann am SY77, leider war der Preis von 5 1/2 Tausend DM nicht gerade taschengeldkompatibel..

    Nachdem nun letztes Jahr mein D50 das Zeitliche gesegnet hat musste ein „moderneres“ Keyboard her, für lächerliche 200 EUR erfreue ich mich nun fast jeden Tag an den Klängen des SY77, jetzt fehlt nur noch Polyframe oder Sounddiver, falls jemand was weiß….

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    Organist007  

    Im Gegensatz zu anderen synths aus dieser Zeit klingt mein SY99 noch immer interessant und modern. Oft mute ich aber die effekte und häng ein eventide h9 dran.
    Fs1r hatte ich auch, hat aber nicht die fm power eines sy77/99.
    Sy 99 scheint für die ewigkeit gebaut zu sein, wie ein Panzer.Toller synth !

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    Theo Möbus  

    Reinhold Heil schrieb mal einen Testbericht in der KEYS, darin hat er den SY77 mit dem CS80 verglichen.

    Wer will, kann sich meine AWM-Soundkreationen (320 Sounds) für den SY/TG kostenlos von meiner Website herunterladen: http://www.....ounds.html

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      Saxifraga  

      „Du bist die Tänzerin im Sturm ..“
      Wünschte ich könnte auf meinem SY77 so gut wie er spielen. (Der Rest war Blödsinn. Edo Zanki hat ja für Ulla Meinecke Keyboard gespielt. Reinhold Heil wird mir für immer mit SPLIFF in Erinnerung bleiben, auch wenn das Erinnern langsam fehleranfällig wird. lol )

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        AMAZONA Archiv

        Nicht zu vergessen ist seine Mitarbeit bei dem Projekt seiner damaligen Lebensgefährtin (die leider fiel zu früh verstarb) Rosemarie Precht (Cosa Rosa). Vieles davon klang – auch im internationalen Vergleich – wirklich sehr hörenswert. Kleine Randnotiz: Übrigens wirkte R. Precht auch in vielen Songs mit auf dem Album, auf dem sich auch „Die Tänzerin“ befindet.

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          Saxifraga  

          Stimmt. Die Cosa Rosa Schallplatte hab‘ ich noch und werde ich auch bald wieder auflegen. Ihr früher Tod ist wirklich schrecklich. Das Reinhold Heil Interview hier habe ich erst 2011 oder so gelesen und es ging mir echt nah.

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    Moogfeld  

    Entweder man hat das DX-Gen oder nicht. Ich besitze es jedenfalls nicht, obwohl ein paar mal der Versuch damit warm zu werden durchaus da war. Unterm Strich blieb die Freude jedenfalls
    immer aufgrund der wenig spaßigen Bedienkonzepte auf der Strecke liegen und daran änderte auch die SY/TG Serie aus den Anfang 90ern nichts. So steht heute auch nur noch ein TX7 zwecks Nostalgieromanze bei mir im Studio rum. Schon in den 80ern war für mich z.B. die Casio CZ-Serie die weitaus bessere Schnittmenge aus Verstehbarkeit und möglicher Klangpalette. Meines Erachtens hat FM (vor allem in Verbindung mit AWM) ein rießiges Potential, das dazu passende User-Interface hat jedoch noch keiner so richtig erfunden. Mit ein paar „Tipseltaster“ und zwei drei Fader ist bei gegebener Struktur hier halt auch einfach nichts zu reißen um flächendeckenden Spaß zu bieten, das hat Yamaha meines Erachtens nie so richtig begriffen!

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      Saxifraga  

      Das liegt aber auch einfach physikalisch an der FM Methode. Man belkmmt viele inharmonische und gespiegelte Frequenzen um die Hauptfrequenzen herum. Das Spektrum kann schon teilweise nach Fraktal aussehen und klingt nicht gut fürs Ohr. Man kann nicht einfach Parameter drehen und kriegt schon irgendwas gutes zustande. FM ist was für Physiker. ;)

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        Tolayon  

        FM à la DX-7 auf jeden Fall. Sechs Operatoren mit jeweils eigenen Hüllkurven und noch mehr nur mit der Oberfläche des Original-Synths zu bedienen ist zudem noch eine zusätzliche (Höllen-)Qual.

        Ich denke, den bis dato besten Ansatz hat Korg mit dem DS-8 verfolgt:
        „Nur“ mit vier Operatoren, die zudem noch paarweise wie ein Oszillator-/ Filter-Gespann verschaltet sind (wobei die Modulatoren hier „Timbre“ genannt werden). Die einzelnen Paare selbst kann man untereinander ebenfalls noch FM- oder sogar ringmodulieren.

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      micromoog  AHU

      Yamaha hatte seit der CS-Serie kein komfortables UI mehr zu bieten (von Reface CS mal abgesehen), ist auch bei den komplexen Synthesen schwierig. Wenn man bedenkt, dass ein Jellinghaus Programmer damals das doppelte wie der Synth selbst gekostet hat.
      Ein FS1R ist bezüglich des UIs das größte Parameterversteck, ohne Editor wird man da reif für die Klapse. Ein Tod muss man halt immer sterben…

  10. Profilbild
    micromoog  AHU

    Ein kleine Angabe ist nicht ganz korrekt, anstatt 1,5 MB hatte der SY99 werkseitig nur 512kb Sample RAM.
    Die max. Ausbaustufe ohne 3rd Party Erweiterung ist 3 MB, in 5 x 512kb Schritten + die bereits vorhandenen 512kb. Mit Musitronics waren dann nochmal plus 5 MB möglich was dann insgesamt 8 MB ergibt.

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    ctrotzkowski  

    Ja, damals… Im Jahre 1991 war ich auf der Suche nach meinem ersten Synth, möglichst flexibel sollte er sein.
    Der freundliche Anselm von der münchener Filiale des legendären „Synthesizer Studio Bonn“ empfahl mir den neuen „Standard“ M1, wobei mir schon damals auffiel, daß mir eine Kombination eines Ensoniq SQ1-Racks mit einem gebrauchten DX7 besser gefallen hätte. „Naja, da haben wir was, nennt sich SY77, ist aber leider sehr teuer“. Nach tagelangem (!) Test im gemütlichen Kaufraum war mir klar: Das muß er werden – gegenüber dem M1 einfach die hochwerigeren Natur-Instrumente, und dann die ausdruckstarken FM E-Pianos… Schließlich hatte der gute Anselm genug von meiner endlosen Testerei, senkte den Preis nochmal um 400DM und legte noch 4 Disketten bei…

    Das Gerät lieferte dann die nächsten 15 Jahre alle meine Brot&Butter Sounds, in den späten 90ern ergänzt durch den seltenen aber genialen VL1-m für Solos, bis, ja, bis dann eines Tages die dicken VST Libraries mit den amtlichen Orchestern und dem Elektro-Overkill die heimische Festplatte fluteten und ein breites Masterkeyboard her mußte.
    Aber manchmal, wenn es eben doch den amtlichen Biß der FM Synthese braucht, oder heiser-kalte Effektsounds, da wird der SY77 wieder eingeschaltet und baut die Brücke zwischen heute und damals….

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      Dirk Matten  RED

      Bitte „Synthesizerstudio Bonn“, man schreibt ja auch nicht „Klo Brille“. Für Anselm Rößler war seine Zeit in meiner Münchner Filiale ein Sprungbrett für seine weitere berufliche Zukunft, wie auch für Gerhard Behles.

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        ctrotzkowski  

        Mensch, Dirk, wenn ich gewußt hätte, wer hier noch alles hinter den Kulissen lauert, hätte ich Dein Baby auch richtig geschrieben.
        Daß Anselm kurz darauf als Chefredakteur einer auflagenstarken Tastenzeitschrift auftauchte war mir nicht entgangen – aber auch nicht, daß die Bonner Geschäftsräume in dem kultigen Fabrikloft irgendwann verschlossen waren – kurz nachdem Ihr mein SY77 Floppylaufwerk repariert hattet, und kurz nachdem wir einmal über die Frage diskutiert hatten, ob die Geräteklasse der EMU/Akai- Sampler irgendwann aussterben wird, wenn die PC und Software-Power weiterhin anwächst.
        Doch was war mit den heiligen Hallen der fliegenden Kühe passiert? Hatte ich bei Euch etwa zu wenig gekauft, u.a. weil mir der SY77 zu lange gereicht hatte, d.h. Eure Baratung zu gut gewesen war…)?

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          Dirk Matten  RED

          Die Zeit für ein Spezialgeschäft mit entsprechendem Aufwand war wohl nicht mehr gefragt, reißerische Billigangebote diverser Händler ohne entsprechenden Beratungsservice schienen den Kunden wichtiger zu sein. Hauptsache 100 Stück zum Schweineausverkaufspreis … War mir zu doof.

          Angefangen hat das Elend mit Roland und Yamaha, die mit ihren „digitales Hallgerät 40% off“ Angeboten an den Handel ihre wirklich guten Geräte zu reiner Kartonware degradiert hatten. Das machte Schule. „Hauptsache weg die Scheiße.“

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            ctrotzkowski  

            …ja, der Fluch des „Geiz ist geil“ war schon vor der gleichnamigen Werbe-Kampagne im Markt.
            Ich hatte immer gehofft, daß die Michael Cretus dieser Welt Euch ausreichenden Uplift bescheren würden, damit es weitergeht.
            Beim kölner Kistenschubser kann man in der Tat einen ganzen Urlaubstag im Showroom und den Testräumchen verbringen, ohne daß man mit Beratung behelligt wird (na immerhin). Wobei diese Läden auch einiges richtig machen und zumindest bei Rückgabe und Garantie oft besser als der Markt sind – aber ich investiere mein Geld lieber dort, wo auch die Beratung noch vor Ort und persönlich und fahre auch einige Kilometer dorhin – und ein paar Beratungs-Oasen gibt es ja zum Glück noch…

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              Dirk Matten  RED

              Alles ist gut, so wie es ist. Jedes Ding hat seine Zeit. Alles um das Instrument Synthesizer ist mir heutzutage zu wenig Gegenbewegung, Aufbruch und Underground, bin dafür völlig ungeeignet.

  12. Profilbild
    Heiner Jürs  

    Der SY99 war mein erster direkter Kontakt „Teenager zu Synthesizer“. Damals hatte gerade ein Musikshop in unserer Kleinstadt aufgemacht und den hatte er (neben SY22, JD800 und D20) da.
    Das war also mein erster Eindruck von Synthesizern und ich bin bis heute beeindruckt von der klanglichen Qualität, der Stabilität und großzügigen Wirkung des SY99.
    Derzeit besitze ich keinen (hatte einmal 10 Jahre Musikpause gemacht), freue mich aber immer wieder über meinen TG77. Und halte immer mal wieder nach einem SY99 Ausschau. Ein Synthesizer für die Ewigkeit.

  13. Profilbild
    sonicbits  

    Ich bin froh, habe ich vor dem Einsetzen eines allfälligen Retro FM Hypes letztes Jahr sehr günstig einen SY77 und anfangs 2018 noch einen TX81Z kaufen können.
    Beide machen wirklich Spass und ergänzen mein Setup ideal.

    • Profilbild
      HX  

      ich frag mich das auch schon länger, gibt es wirklich Sounds aus dem TX81Z die ein SY77 so gar nicht hinbekommt? Oder ist es eher die Anmutung auf Grund anderer Wandler etc.?

      • Profilbild
        sonicbits  

        Ich vermute da spielt die Auflösung der Wandler eine Rolle.
        Ich muss da mal die Specs anschauen.
        Aber Hauptsache es klingt gut!

      • Profilbild
        Dimension D  

        Ich habe beide besessen. Der SY77 hat eher einen weichen, mittigen Karakter und der TX81Z klingt eher härter, roher und kantiger. Von daher klingen Sie schon recht unterschiedlich.

  14. Profilbild
    FairlightCX

    Vor zwei Jahren suchte ich einen SY77, um die doch sehr begrenzten K1 und TX81z abzulösen und wurde bei einem gestressten Familienvater mit Platzproblemen für schmale 120 Euro fündig. Noch die Rock & Pop-Karte dazu (da sind die wirklich guten Drums drauf, die im ROM taugen nichts) und es macht einfach nur einen Wahnsinnsspaß. Die Effekte sind eher mau, aber gut, hat man ja eh da heute. Das ganze Romplerprogramm der späten 80er/frühen 90er beherrscht der SY77 mit Leichtigkeit und die FM-Engine ist einfach nur großartig. Wurde hier schon erwähnt, dass er auch DX 7-Sysex annimmt ? Bin einfach bis heute sehr angetan, auch die Bauqualität überzeugt. Wenn man ihn für kleines Geld sieht – zuschlagen.

    (Ein Kollege holte sich einen SY99 davor, welchen er noch überschwänglicher preist)

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