Test: Doepfer Dark Energy III, Analogsynthesizer

Doepfer Dark Energy III – LFOs mit Reset

Seit der ersten Generation unverändert, generieren die zwei baugleichen LFOs wahlweise eine Rechteck- oder Dreieckschwingung, deren Frequenz mit separaten Reglern eingestellt wird. Zusätzlich verfügen sie über drei verschiedene Geschwindigkeitsstufen:
„Low“ ist für langsame Bewegungen bis in den Minutenbereich zuständig und „Medium“ für gewöhnliche LFO-Modulationen. Sobald „High“ aktiviert wird, reichen die Schwingungen mit bis zu über 5 kHz in den hörbaren Bereich. Gerade dieses Feature bietet ein enormes klangliches Potential und prägt den Charakter aller drei Dark Energy Generationen gleichermaßen.

Als Neuerung ist nun eine Reset-Funktion für beide LFOs hinzugekommen, die vielleicht unbedeutend wirkt, aber den Dark Energy III in ein kleines Groove-Monster verwandelt.
Die Ausgänge des LFOs und der Hüllkurve der früheren Versionen mussten dafür zwei Tigger-Eingängen weichen, die sich glücklicherweise schon mit einem 5 Volt Gate-Signal zufrieden geben – anders als zum Beispiel das A-147-2 Modul von Doepfer, das einen 12 Volt Impuls benötigt. Dadurch lassen sich die LFOs mit allen gängigen Sequenzern triggern, was einen Neustart bei 0 Volt gefolgt von einer steigenden Flanke der jeweiligen Schwingung bewirkt. Mit ein bisschen Feingefühl können so schöne rhythmische Modulationen erzeugt werden.

VCA und ADSR des Doepfer Dark Energy III

Fast identisch mit den Vorgängermodellen sind auch der VCA und die Hüllkurve, lediglich die Kennlinie des VCAs ist dieses Mal linear. Das ist etwas ungewöhnlich und erinnert ein bisschen an die frühen Minimoog Modelle.
Tatsächlich war es Dieter Doepfers persönlicher Wunsch, einen linearen VCA zu verwenden, da die Hüllkurve bereits expotentiell arbeitet und in dieser Kombination weichere Resultate erzeugt.
Wer mehr zu den Unterschieden zwischen linearen und exponentiellen VCAs erfahren möchte, sollte unbedingt auch folgenden Artikel lesen:

Special: And.Ypsilon (Fanta4) vergleicht Eurorack VCAs

Ansonsten bietet der VCA einen manuellen Amplitudenregler, der das unmodulierte Signal ertönen lässt, und einen Regler für die Intensität der Ampmodulation, die wahlweise per LFO1 oder ADSR erfolgt.
Die Hüllkurve besteht wie immer aus Attack, Decay, Sustain und Release und verfügt, ähnlich wie die LFOs, über drei verschiedene Geschwindigkeitsstufen.

Der Klang des Doepfer Dark Energy III

Zunächst einmal sorgt der CEM3340 basierte VCO für einen druckvollen und kräftigen Ton, der stets sehr sauber wirkt. Dank der zwei kombinierbaren Schwingungen lassen sich erstaunlich vollmundige Klänge erzeugen, die oftmals nicht nach einem einzelnen Oszillator klingen. Gerade wenn eine etwas schlankere Pulseinstellung mit dem Dreieck ergänzt wird, ist es erstaunlich, wie sich plötzlich der Bassbereich auffüllt, während das modulierte Rechteck für schneidige Mitten sorgt.

Doepfer Dark Energy III

Imputs

Natürlich wird der Dark Energy III aus der Kombination des CEM3340 mit dem A-121-2 Filter noch lange nicht zu einem Memorymoog, dennoch machen sie zusammen eine gute Figur. Das Lowpass sorgt für schöne und kräftige Bass-Sounds, während starke Modulationen des Notch-Filters Phaser ähnliche Klänge oder leichte Talks-Sound erzeugen. Auch das Highpass und Bandpass erfüllen zweckgemäß ihre Aufgabe, wobei das Bandpass ein bisschen unspektakulärer klingt.
Von den vier Filtercharakteristiken fällt die Lautstärke des Notch hörbar ab, wie das Klangbeispiel „Filter Modes“ zeigt.
Insgesamt ist der Klang des Filters etwas nüchterner und analytischer, aber dafür bietet es eine hohe Funktionsvielfalt und somit ein breitgefächertes Klangbild.

Während beim Dark Energy I der VCA, abhängig vom Pegel, eine exponentielle und lineare Kennlinie hatte, war der spannungsgesteuerte Verstärker des Nachfolgers rein exponentiell.
Die nun lineare Kennlinie des Dark Energy III VCAs ist tatsächlich etwas gutmütiger und der Klang wirkt im Gegensatz zu den Vorgängern ein bisschen weicher.
Nichtsdestotrotz, bei Bedarf kann die Hüllkurve unglaublich schnell sein und erzeugt dabei enorm zackige und im wahrsten Sinne des Wortes knackige bzw. knackende Sounds.

Auch wenn die bisher genannten Neuerungen ganz klar für einen guten, neuen Ton sorgen, so haben sie doch nicht eine so große Auswirkung auf das klangliche Gesamtkonzept der Dark Energy Serie wie die unscheinbar wirkenden Resets der LFOs.
Erstmalig lassen sich die beiden Modulatoren in einem Rhythmus orientierten Kontext verwenden und erschließen damit für den kleinen Analogsynthesizer einen ganz neuen Bereich.
Wobble Bässe für Dubstep oder Drum and Bass lassen sich spielend einfach kreieren, indem man das Tiefpass oder Hochpass Filter anwählt und per LFO moduliert.
Ebenso können schöne, technoide Sequenzen durch Frequenzmodulationen des VCOs erzeugt werden. Besonders spannend ist dabei die Möglichkeit durch die Häufigkeit der Resets mit der Länge der LFO-Schwingung spielen zu können und so individuelle Modulationsverläufe zu schaffen.
Auch FX-Percussion oder verschrobene Loops lassen sich wunderbar mit zwei unterschiedlich getakteten LFOs realisieren, wenn zum Beispiel einer im 16tel und der
andere im 8tel oder 4tel Schema läuft.
Wie schon erwähnt, müssen die Frequenzen der LFOs mit Feingefühl eingestellt werden und sind natürlich nicht wie bei einem per Midiclock gesteuertem, digitalen LFO sofort synchron. Gerade dadurch bieten die beiden aber ein viel größeres musikalisches Potential: Weil sie nicht streng im Rhythmusmuster laufen, sondern leicht nach vorne oder hinten versetzt werden können, sorgen sie erst so für einen richtigen Groove.

Ansonsten ist sich der Dark Energy treu geblieben. Nach wie vor bietet er trotz der minimalistischen Klangerzeugung eine große Soundvielfalt.
Die hochfrequenten, hörbaren Schwingungen der LFOs, mit denen sich metallische, digital anmutende Klänge oder Noise ähnliche Geräusche erzeugen lassen, unterstreichen seinen experimentellen, elektronischen Charakter und sind ein stückweit zum Markenzeichen der Dark Energy Serie geworden. Das Gleiche gilt für die 3-Weg-Schalter, die nicht nur einfach zweckgemäß, sondern auch wunderbar als Performancetools eingesetzt werden können.

Doepfer Dark Energy III

Test Setup

Fazit

Der Doepfer Dark Energy III Analogsynthesizer ist eine gelungene Fortsetzung der Vorgängermodelle. Die Qualität der verwendeten Bauteile und die Verarbeitung des Gehäuses ist unverändert sehr hochwertig und macht einen langlebigen Eindruck.

Zu den Neuerungen gegenüber dem Dark Energy II zählen der VCO, für den ein Curtis 3340 Baustein verwendet wird, die triggerbaren LFOs und die lineare Kennlinie des VCA.
Der VCO erzeugt seinen legendären, kräftigen Ton und ist äußerst stimmstabil, während sich mit dem VCA auch weichere Töne anstimmen anlassen. Insgesamt wirkt der Klang satter und vollmundiger als bei seinen Vorfahren.
Für maßgebliche Veränderungen sorgen allerdings auch die Resets der LFOs. Dank dieser einfachen Funktion können dem Dark Energy III rhythmisch orientierte Sounds entlockt werden, die je nach Einstellung der LFOs für einen enormen Groove sorgen.

Nach wie vor ist der Dark Energy III hervorragend geeignet für Einsteiger, die analoge Klangwelten erforschen möchten, aber auch für Fortgeschrittene dürfte der kleine Doepfer nicht nur als Ergänzung zu einem bestehendem Setup viel Spaß und Freude bereiten.

Klangbeispiele

  • Doepfer Dark Energy III
  • Sequencer: Korg SQ-1, Moog Mother-32
  • Studer 962
  • RME Fireface 800
  • Pro Tools
  • Die Klangbeispiele wurden nicht nachbearbeitet.

Plus

  • Original CEM3340 VCO-IC
  • Soundvielfalt trotz minimalistischer Klangerzeugung
  • LFOs mit Reset
  • USB-Midi-CV-Interface
  • Bedienungsanleitung

Preis

  • Straßenpreis: 469,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Ich habe ja noch einen der ersten Dark Energy 1, wie ich mal von Herrn Doepfer himself am Telefon erfuhr, den ich immer noch oft und gerne einsetze. Seine LFOs waren für mich die ersten, die in Audio-Range schwingen konnten, wodurch mir ein ganz neues Klangfeld eröffnet wurde; dazu noch die lineare Filter-FM. Er wurde dann auch relativ schnell erst durch ein, dann mehr MiniCases erweitert, daher hat mich der Nachfolger nicht so gereizt. Der VCO des Dritten macht mich allerdings hellhörig; in Verbindung mit dem Multimode-Filter wäre der DE 3 eine schöne Ergänzung zum Mk 1.
    Kleine Anmerkung zum Artikel:
    „Gerade wenn eine etwas schlankere Pulseinstellung mit dem Rechteck ergänzt wird,…“
    Da hat sich wohl ein Fehler eingeschlichen, denn Pulse und Rechteck gleichzeitig geht nicht.

  2. Profilbild
    SimonChiChi  AHU

    Großartiger Test – tolle Soundbeispiele – und dickes Lob an Doepfer. Klasse Synth für den kleinen Geldbeutel, der mit jeder Generation offensichtlich besser wird.

  3. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Klarer, nüchterner, analytischer Klang ohne großes Brimborium. Wäre so’n Synth, um eine gewisse Erdung in ’nen Track reinzubringen.

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