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Test: Neumann NDH 20, Studiokopfhörer

Technische Daten und Klangeindruck des Neumann NDH 20

Hinsichtlich der technischen Daten gibt Neumann für den NDH 20 Folgendes an:

  • Wandlertechnik: dynamische 38 mm Treiber mit Neodymmagneten
  • Impedanz: 150 Ohm
  • Übertragungsbereich: 5 Hz – 30 kHz (-3 dB)
  • Maximale Belastbarkeit: 1000 mW
  • Nennbelastbarkeit: 200 mW
  • Empfindlichkeit: 114 dB SPL (1 kHz, 1 Vrms)
  • Klirrfaktor: < 0,10% (1 kHz, 100 dB SPL)

Auffällig ist zunächst die hohe Impedanz mit 150 Ohm. Das könnte (muss aber nicht) dazu führen, dass der NDH 20 an mobilen Endgeräten etwas schwach auf der Brust ist. Dem entgegen steht die Aussage von Neumann, dass man den Kopfhörer auch an Laptop und mobilen Geräten ohne zusätzlichen Kopfhörerverstärker betreiben können soll. Ebenso fällt der erweiterte Frequenzbereich bis hinunter auf 5 Hz und oben bis zu 30 kHz auf. Und das mit einer Abweichung von nur 3 dB, klingt gut.

neumann ndh 20

Schon beim ersten „Anhören“ des NDH 20 fällt auf, wie gut er von außen kommende Geräusche abdämmt. Die Schallisolierung ist sehr gut und vor allem für den Recording-Bereich ein unerlässlicher Punkt. Wer will schon Signalanteile vom Playback auf den Aufnahmemikros haben. Getestet wurde der Neumann NDH 20 an verschiedenen Quellen: iPhone, SPL Phonitor Mini, Mackie 1604 und RME HDSP Kopfhörerausgang.

Grundsätzlich überzeugt der Neumann NDH 20 mit einem sehr natürlichen Klangbild. Hier wird nichts betont oder weggelassen. Das ist für alle potenziellen Einsatzgebiete dienlich, macht aber vor allem im Mix eine sehr gute Figur. Der Bassbereich ist gut vorhanden, wird sauber abgebildet und wirkt stets akkurat. Schön und wichtig ist, dass auch kleine Klangdetails wie Knarzen oder Saitengeräusche eines Kontrabasses gut abgebildet werden.

Recht unaufgeregt und neutral wirkt der NDH 20 auch im Mittenbereich. Gitarren und Keyboards kommen homogen ans Ohr und lassen sich gut separieren. Auch im Höhenbereich gibt es nichts zu beanstanden. Die Signale kommen sauber und brillant rüber, ohne scharf oder unangenehm zu werden.

Insgesamt macht der NDH 20 einen sehr guten und professionellen Eindruck. Musik hören macht mit ihm mehr Spaß als mit so manch anderem Kopfhörer, irgendwie bringt er das Material mehr zum Klingen, bleibt aber dennoch neutral und entspannt.

Die Annahme, dass man den NDH 20 aufgrund seiner hohen Impedanz nicht an mobilen Endgeräten betreiben kann, ist im Übrigen völlig unbegründet. Auch am Smartphone oder Tablet kommt ausreichend Leistung an.

Auch in den Bereichen Stereobühne und Impulstreue kann man dem NDH 20 eine Bestnote verleihen. Seine Stereobreite ist nicht all zu weit aufgesperrt und macht dadurch einen natürlichen Eindruck. Verschiebt man Instrumente/Vocals im Panorama, kann man dem Signal sehr gut folgen und entsprechend lassen sich diese auch gut positionieren. Auch nach vorne und hinten lassen sich die klanglichen Bestandteile eines Mixes extrem gut einsortieren.

neumann ndh 20

Beim Impulsverhalten agiert der NDH 20 sehr schnell und akkurat. Er gibt kurze Attacks wunderbar wieder und schneidet lang ausklingende Signale nicht vorzeitig ab.

Leider konnte ich den Neumann NDH 20 nicht direkt mit dem potenziellen Mitbewerber ADAM Audio SP-5 vergleichen. Mein Eindruck ist aber, dass der ADAM ein Tick analytischer und hinsichtlich der Aufdeckung von Fehlern entsprechend besser geeignet ist. Dennoch würde ich mich bei der Entscheidung, welcher der beiden Kopfhörer mir besser gefällt, für den Neumann entscheiden, einfach weil der Klang lebhafter und entspannter wirkt. Wohlgemerkt, ohne irgendetwas zu beschönigen.

Ein direkter Vergleich war allerdings mit dem AKG K812 Pro möglich. Dieser offene Kopfhörer wird von vielen Produzenten zum Mixen genutzt, in seinem Test hat er ebenso wie der SP-5 und der NDH 20 mit drei Sternen abgeschnitten. Aufgrund der offenen vs. geschlossenen Bauweise gibt es natürlich Unterschiede und insgesamt wirkt der K812 ebenfalls etwas analytischer als der NDH 20. Auch wenn der NDH 20 absolut für die Bereich Mix & Mastering geeignet ist und durch die Kombination als Recording-Kopfhörer somit für viele interessanter sein wird, würde ich dem K812 Pro hier den Vorzug geben. Auch die Positionierung auf der Stereobühne finde ich bei beim AKG noch besser als beim Neumann. Das sind allerdings Nuancen und letztlich auch subjektive Höreindrücke, der NDH 20 ist ein unglaublich guter Studiokopfhörer, den man uneingeschränkt empfehlen kann.

neumann ndh 20

Fazit

Mit dem NDH 20 wagt sich der Hersteller Neumann in ein neues Gebiet und setzt die Messlatte für kommende Produkte gleich ganz weit oben an. Der NDH 20 ist nichts weniger als eine Kampfansage an die etablierten Kopfhörerhersteller, denn hier stimmt einfach alles. Optik, Klang, Verarbeitung – in allen Punkten bekommt der NDH 20 volle drei Sterne. Daher ist er uneingeschränkt zu empfehlen, vor allem für die Interessenten, die ihren Kopfhörer für unterschiedliche Einsatzgebiete benötigen: Recording, Monitoring, Mix – das alles geht mit dem Neumann wunderbar.

Plus

  • Verarbeitung
  • Klang
  • Lieferumfang
  • Musik hören macht Spaß

Minus

  • hohes Gewicht

Preis

  • Ladenpreis: 499,- Euro
Forum
      • Profilbild
        Coin  AHU

        Hi Marko,
        gespart gegenüber dem genannten AKG K812.
        Nur, dass der nicht mehr 1400 kostet, sondern nur noch 790 Eu ^^
        Ich finde den Neumann auch sehr spannend : )

      • Profilbild
        Markus Schroeder  RED

        Was Coin schreibt. :)

        Ok, den starken Preisverfall beim K812 hab ich jetzt nicht nochmal recherchiert, da mein DT880Pro immer noch funktioniert und eine Neuanschaffung entsprechend entfernt ist.

  1. Profilbild
    Danny Who  AHU

    Ein Vergleich mit dem Beyerdynamic DT 1770 Pro wäre sehr interessant. Der ist ja ein viel gelobter und schnell etablierter Nachfolger des Klassikers 770 und spielt nach seiner Preissenkung jetzt ja ungefähr in der selben Liga. Auch seine größte Stärke ist ja die Impulstreue. Die Höhen sind leicht angeschärft, aber insgesamt bekommt er für seine Monitoringtauglichkeit und Sound immer sehr gute Noten.

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    Franz Walsch  AHU

    Seit den frühen 90er Jahren gehört Georg Neumann SENNHEISER. Auch dort werden alle Produkte (Mikrofone, Regielautsprecher – früher Klein & Hummel) gefertigt.
    Da Georg Neumann nie Kopfhörer im Sortiment hatte, wird wohl der Anstoß dazu von SENNHEISER kommen. In Berlin gibt es nur noch eine Entwichlungsabteilung und Service.
    Da Hören so individuell wie die menschlichen Gene sind, können Tests nur eine Anregung sein.
    Dieser Umstand erklärt auch die Vielzahl der verfügbaren Kopfhörermodelle.
    Unter diesem Aspekt ist es auch gut zu wissen wie gut das eigne Gehör ist, bevor so viel Geld in die Hand genommen wird.

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    synaesthesia

    So sehr ich Neumann schätze und meine KH120a liebe, halte ich diese Kopfhörer in Anbetracht des Preises für keinen Knaller und kann die Wertung nicht nachvollziehen.
    Habe sie im Justmusic getestet und fand die Kopfhörer eher dumpf in den Höhen und auch die Mitten waren keine Offenbarung, empfand sie nicht gerade als neutral. Was eine Messung auf sonarworks.com dann später auch bestätigte.

    Ich halte meine Bose Quietcomfort QC25 mit akiviertem Noise Cancelling und integrierter Frequenzgang-Korrektur „out of the box“ für geeigneter zum mixen, da linearer. Ich weiß, klingt irgendwie unglaublich, ausgerechnet Bose (mit +-3 db) linearer als Neumann, klingt unglaublich ist aber leider wahr.
    Kann jedem empfehlen sich mal die Sonarworks Demo zu laden und die Frequenzverläufe verschiedener Hifi- und Studiokopfhörer zu vergleichen.
    Da werden sicher einige überrascht sein.
    Mit SW-Callibration werden aber die Neumann NDH20 aufgrund der vermutlich bessereren Treiber wsl. besser spielen.

  4. Profilbild
    hubschat

    Ich bin der glückliche Gewinner dieses Kopfhörers (also definitv kein Fake) und möchte hiermit meinen Senf dazu geben. Zum direkten Vergleich steht mir ein Audio Technica ATH-7 (kurz AT). Nun ja – der erste Eindruck war etwas dumpf, bis mir die Bedienungsanleitung bzw. ein Test auf heise.de flötete, ich sollte gefälligst den Anschluss auf das rechte Ohr verfrachten.
    Der AT klang transparenter, bis ich mal ein Oboenkonzert von Albinoni angehört habe – da klang die Oboe auf dem AT im Vergeich irgendwie quäkig. Man muss sich halt eine Zeitlang reinhören, bis man sich an den Kopfhörer gewöhnt hat.
    Die reltiv hohe Impedanz hat sich lediglich bei meinem etwas älteren Sansa Clip+ negativ bemerkbar gemacht – aber wer benutzt schon einen 500-Euro-Kopfhörer zum MP3s abhören (Beats-Käufer vielleicht :-O)
    Unterm Strich sehe ich die Bilanz eher positiv.

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