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Blue Box: Sequential Circuits Pro-One, Analog-Synthesizer


Charakter-Modulation inbegriffen

Klang

Die Sounds des kleinen Propheten überzeugen voll und ganz. Der Sequential Pro-One bietet kräftige Bässe, aggressive Leadsounds, zum Teil extreme Effektklänge (von der schrägsten Sorte und in allen Schattierungen), bei Bedarf weiche Streicher oder „riffige“ Brass-Sounds – er ist an allen Fronten vertreten. Die Hüllkurven erlauben extrem kurze und knusprige Perkussivklänge, und die Modulationsmatrix ist für Musiker mit experimenteller Ader schlichtweg eine Goldgrube.

Kleiner Vergleich: Im Gegensatz zu Moog-Synthesizern klingt der Pro-One grundsätzlich etwas nüchterner (wohl der weniger „lebendigen“ Oszillatoren wegen). Sequential-Sounds gehen (sofern man das über einen Kamm scheren darf) eher Richtung ARP bzw. Oberheim denn Richtung Moog. Das hat aber musikalisch durchaus seine Vorteile. Knackige Bässe – noch dazu der trockenen Art – können zusammen mit der wunderbar zackigen Hüllkurve des Pro-One für geniale Grooves sorgen. Zuweilen erinnern die musikalischen Ergebnisse des monophonen Sequential sehr stark an den ARP-2600 (Vermerk von User RetroSound, ich stimme dem völlig zu…).

Bild einer eBay-Auktion. Diese Klang-Maschine muss genial sein: Vier Pro-Ones in einer Box...

Bild einer eBay-Auktion. Diese Klang-Maschine muss genial sein: Vier Pro-Ones in einer Box…

Eine wesentliche Hilfe puncto musikalischer Freiheit (und den daraus resultierenden guten, klanglichen Ergebnissen) stellen natürlich der Arpeggiator und – mehr noch – der Sequencer dar. Die Klangbearbeitung geht eben deutlich leichter von der Hand, wenn der Pro-One ein gelooptes Pattern abspielt (welches sich beliebig und in Echtzeit via Tastatur transponieren lässt). Dazu benötigt es keinen Computer oder sonstiger Hilfsmittel, der Pro-One macht die Sache völlig autark. Somit bleiben die Umstände „minimal“ und die Hände frei (um sich ausgiebig der Modulationsmatrix, dem restlichen Panel, den Wheels sowie zusätzlichen, externen Modulations-Zugaben – für Filter-CV-IN, sofern es Modulationsquellen in Reichweite gibt – zu widmen). Schnelles Arbeiten mit meist sehr eigenständigen, groovigen Klangergebnissen ist beim Pro-One garantiert…

Fragezeichen Hardware

Um bei aller Begeisterung für den zu 100 Prozent überzeugenden Klang und dem ausgereiften Konzept des Sequential Pro-One am Boden der Realität zu bleiben, gibt es doch ein Manko zu nennen: Die Hardware. Der Pro-One erreichte als Günstig-Synthesizer höchste Verkaufszahlen, nur leider wurde er als solcher auch gebaut.

Die Potentiometer sind aus billigem Plastik und alles andere als vertrauenswürdig. Die beiden OCTAVE-Range-Potis (die einzigen „Schalt-Potis“) sitzen sehr lose in ihrer Verankerung, weshalb es nicht selten passiert, dass beim Schalten von einer Oktave zur nächsten kurz die übernächste Oktave anspricht, weil man durch bloßes Drehen des Potentiometers gleich der übernächste Kontakt aktiviert (ungewollt, natürlich!). Das klingt (zugegeben) schlimmer als es ist. Dennoch sind die Einsparungsmaßnahmen bei den Potis im wahrsten Sinne des Wortes deutlich „zu spüren“.

Die Potentiometer sind von durchschnittlicher Qualität

Die Potentiometer sind von durchschnittlicher Qualität

Neben den Potentiometern wäre noch die Tastatur zu nennen, die zu den härtesten (und klapprigsten) des gesamten monophonen Synthesizermarktes zählt. Ihre lauten Eigengeräusche werden allenfalls von diversen Korg MS-20 oder Oberheim OB-1 Klaviaturen noch übertroffen. Auch wird oft von Kontaktproblemen des (frühen) Pro-One Keyboards berichtet. In der späteren Version des Pro-One wurde die Tastatur zwar verbessert, entspricht aber noch lange nicht der – etwa von einem Minimoog her bekannten – soften und geräuscharmen Qualität. Wie dem auch sei: Der Schwachpunkt Tastatur ist in Extremfällen (wenn nötig) zu umgehen, da eine externe Ansteuerung des Pro-One ohne Probleme möglich ist.

Das Innenleben des Sequential Pro-One – und das ist natürlich entscheidend – ist hingegen von guter Qualität. Ich benütze den Sequential Pro-One seit knapp 15 Jahren (und hatte zuweilen auch 2 Stück davon) – Fazit: Zu keinem Zeitpunkt waren technische Mängel zu beklagen. Auch spricht es für sich, dass man am Gebrauchtmarkt (fast) nur Pro-Ones im gut funktionierenden Zustand antrifft.

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Klangbeispiele

Leser-Stories zu diesem Produkt

  1. Profilbild
    Dreitagebart

    … bis zu 1000 EURO für einen gebrauchten PRO-ONE? Gibt es wirklich Leute, die soviel dafür bezahlen? Solchen Kandidaten kann ich nur empfehlen, sich vorher mal den Prophet 08 anzuhören, der ist zwar wesentlich teurer, dafür aber neu, achtstimmig und soundmäßig meiner Meinung nach keinen Deut schlechter als der PRO-ONE bei sehr ähnlichem Klangcharakter.

  2. Profilbild
    Bloderer RED

    Die Preise sind im Moment sehr hoch, das stimmt. Doch einen "Wert"-entsprechenden Aspekt möchte ich relativieren: Polyphonie ist grundsätzlich ein etwas irreführendes Argument, da es musikalische Qualität zu implizieren versucht. Doch dieser Zusammenhang ist nicht gegeben. Viele Pioniere der elektronischen Szene haben ihre Meisterleistungen auf großteils monophonen Instrumenten erbracht. Gerade die Reduktion auf jeweils EINE Stimme (was bei mehreren Instrumenten natürlich wieder einen polyphonen Klangeindruck ergibt) ist ein (mühsamer, aber lohnender) Weg zu kreativen, abwechslungsreichen und durchdachten Kompositionen.

  3. Profilbild
    Bloderer RED

    (Fortsetzung): Der Pro-One erzeugt auch nur eine Stimme, und die ist in beinahe jeder Facette kompromißlos gut. Nun ist es zu hinterfragen, ob eine singuläre Stimme des Prophet 08 dieselbe Dynamik, Präsenz und analoge "Aggression" wie der Pro-One aufzuweisen hat (oder eben nur mit "ähnlichem Klangcharakter" – das ist der Punkt). Der Prophet 08 bietet sicher seine eigenen Stärken und musikalische Möglichkeiten, doch einen Vergleich zum Pro-One würde ich nicht wagen…

  4. Avatar
    RetroSound

    Der Pro-One ist für mich einer der besten und leistungsfähigsten Mono-Synths überhaupt. Besonders Vince Clark setzte den Pro-One auf dem ersten Yazoo Album exessiv ein. Der Pro-One macht einen enormen Druck unten rum den so nur noch der Minimoog oder der Taurus toppen kann. Berühmt sind auch die schneidigen Sync Sounds des Pro-One. Dank der Polymodulation sind aber auch sehr abgedrehte Klänge möglich. Kurzum ein sehr vielseitiger und vorallem ausgezeichnet klingender Synth.

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    Rauschwerk

    Ein hervorragendes Instrument! Der Filter erinnert mich teilweise an den Synthex. Auch die ENVs verrichten hier sehr gute Dienste. Der Sound hier ist sehr beeindruckend..

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    Tricky

    Der Pro-One ist ohne Zweifel eine klasse Mono-Maschine!
    Jedoch hat er starke Konkurrenz aus eigenem Hause, Dave Smith MEK ;)
    Da einfach mal die digitalen OSCs abschalten, sounded superklasse.
    Dabei ist der MEK moderner & gar nicht soo teuer.

    Wozu also überteuert nen alten Klassiker kaufen, wenn man für
    ähnlich viel Geld einen modernen Klassiker ins Haus holen kann ! ;)

    just my 2 cents …

    • Profilbild
      Bloderer RED

      … ja, das stimmt. Mono Evolver Keyboard (oder Desktop) sind gute Instrumente und bieten sehr viel für's Geld! Ein 1:1 Vergleich von MEK und Pro-One wäre mal interessant…

    • Avatar
      Klanggeist

      Sehe ich nicht so. Die Stärken bei den Evolver-Synths liegen bei den digitalen Sachen.Die analoge Ecke schlappt dagegen ziemlich ab.
      Kein Ersatz zum Pro-one, leider.

      Jörg

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    Cornel

    Der MEK kann gar kein Ersatz für einen ProOne sein, weil die analogen Osz. nur Sync können. Im ProOne lassen sich beide Osz jedoch frequenzmodulieren!

  8. Avatar
    von mir

    Beim Evo lassen sich die Oszis durch die schnellen LFOs auch frequenzmodulieren. Ein Ersatz für einen Pro-One ist ein Evolver dennoch nicht. Der Evo ist meiner Meinung nach einer der innovativsten und bestklingenden Synths der heutigen Zeit. Der Pro-One hingegen ist ein Klassiker der analogen monophonen. Am besten beide haben ;)

  9. Profilbild
    Neven Dayvid

    Also ich finde, für 1000.- Euro lohnt sich der Synthesizer, wenn man einen weitestgehend kompromisslos implementierten Monosynth haben will. In Doepfer-Modulen würde das ganze mehr kosten.
    Ich habe das Vergnügen, einen ProOne zu spielen, bei dem die Tastatur mit neuen Bushings aus Silikon ausgestattet wurde, besser als ab Werk, da die Tasten nicht mehr so klappern.
    So eine Modifikation ist auf jeden Fall zu empfehlen.
    Der Sound ist erstklassig, nur an der Hardware wurde seinerzeit etwas arg gespart. Man kann halt nicht alles haben, und gerade aktuelle Instrumente scheinen mir da von den Potis her auch etwas wackelig zu sein…hallo Little Phatty.

  10. Profilbild
    Piet66 RED

    Ein schöner kompakter Mono-Synth mit vielen klanglichen Gestaltungsmöglichkeiten. Leider ist mein Gerät nicht ganz so stimmstabil wie z.B. der (ältere) Odyssey MKIII. Getriggert durch eine TR-808 ist es eine wahre Freude, den Pro One beispielsweise für Bass-Linien einzusetzen. Der sehr einfach zu bedienende Sequencer ist genial, ermöglicht er doch z.B. Bass-Läufe in Echtzeit zu transponieren. Ein inspirierendes Instrument, bei dem es einfach immer wieder grosse Freude macht, sich damit zu beschäftigen.

  11. Profilbild
    Filterspiel AHU

    Optischer Downgrade mit blauen (!) LEDs in den Wheels. Dabei habe ich eine lange Liebe zu LEDs i.A. und ursprünglich auch zu den blauen, gab es sie doch für Jahrzehnte nicht zu kaufen. Dann mussten sie aber (ob farblich sinnvoll oder nicht) in alles eingebaut werden und „schreien“ den Besitzer oftmals sogar im Stand-by an.

    Das hat der Pro-One nicht verdient.

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    Tyrell RED

    Ich spiele mich gerade mit dem kleinen Wunderzwerg und bin nach wie vor begeistert!!!

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Sequential Pro-One

Bewertung: 5 Sterne Bewertung des Autors
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