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Konzeptalben sind tot, lang lebe der Spotify-Hit

28. Januar 2021

Sind Spotify & Co der Tod der Musikalben?

Konzeptalben sind tot, lang lebe der Spotify-Hit

Konzeptalben sind tot, lang lebe der Spotify-Hit

Sind Streaming-Dienste der Untergang der klassischen Alben? Unlängst stolperte ich über einen Artikel im Stern, in dem es um die Aufmerksamkeitsspanne junger Menschen geht. Dem Artikel zufolge müsse, so die Quintessenz, ein Popsong in unter 3 Minuten abgehandelt sein. Die Aufmerksamkeitsspanne, die den Jugendlichen Hörern laut einer Studie von Samsung zuerkannt würde, sei in den letzten 20 Jahren von 12 auf 8 Sekunden gesunken. Demzufolge würden Songs anders strukturiert, müssten bereits nach wenigen Sekunden „auf den Punkt“ kommen. Die sogenannte „Skipping Culture“ der Streaming-Dienste unterstützen diese Entwicklung noch, da Songs, die innerhalb der ersten 30 Sekunden weggedrückt werden, keine Einnahmen generieren. Das bringt mich zwangsläufig zur Frage, ob komplette Alben, die zwar durch Single-Auskopplungen auch „Appetizer“ produzieren, um auf ein Album aufmerksam zu machen, vom Aussterben bedroht sind.

Streaming Dienste vs künstlerische Entfaltung

Führt das Streaming-Verhalten der „Generation Skip“ zum Tod des Albums, wie wir es kennen?

Die Single als Appetizer

Die klassische Single-Auskopplung ist nicht immer zwangsläufig der große Wurf, das ist klar. Oftmals verstecken sich die wahren Schätze irgendwo auf dem Album und erschließen sich erst nach mehrmaligem Hören. Genau diesem Phänomen stehen die Hörgewohnheiten der „Consumer“ und die Abrechnungspolitik der Streaming-Dienste entgegen. Hits werden am Reißbrett entworfen, um den Kriterien, nach denen die Hörer einen Song in Top oder Flop einteilen, zu entsprechen.

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Möglicherweise führte, auch bei der klassischen Auskopplung, das eine oder andere Mal ein vorab veröffentlichter Song zum „One-Hit-Wonder“. Ich erinnere mich an Lemon Tree von Fools Garden. Ein Überhit, der mit der Musik, die sonst von dieser Band auf CD gebannt wurde, wenig gemein hatte. So werden Käufer der 1995 erschienen Scheibe Dish of the Day vielleicht sogar enttäuscht vom Rest des Albums gewesen sein, obwohl die Musik qualitativ sicherlich dem Hit in nichts nachsteht.

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Streaming Dienste und das Album

Was aber passiert mit Künstlern, die ihre Alben als Gesamtkunstwerk verstanden wissen wollen? Was geschieht mit Konzeptalben? Hätte ein Album wie Pink Floyds The Wall auf dem heutigen Markt überhaupt eine Chance? Gerade letztgenanntes Album ist doch ein Füllhorn an großartigen, komplexen, aber eingängigen Songs, die erst im Kontext des Albums ihre ganze Wucht und Wirkung entfalten. Das setzt aber voraus, dass der Hörer sich Zeit nimmt und seine Aufmerksamkeit voll und ganz auf den Genuss der Musik richtet. Und das wird, so nicht nur meine Prognose, künftig immer weniger der Fall sein. Musik verkommt zum Hintergrundgeräusch für Konsumenten, wird beliebig, wird belanglos und langweilig. Und nicht zuletzt werden somit auch die Künstler belanglos und austauschbar. Schon jetzt sieht man an den aktuellen Charts, dass Interpreten als Marke etabliert werden, dass deren Songs untereinander austauschbar sind. Ist diese Entwicklung umkehrbar?

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Forum
  1. Profilbild
    iggy_pop AHU

    Die Zeiten, in denen man viel Geld mit Alben wie „The Lamb lies down on Broadway“ oder „Tales from the Topographic Oceans“ verdienen konnte, sind endgültig vorbei, das überrascht wohl keinen.

    Daß diese Art von Format von den nachfolgenden Hörergenerationen immer weniger entdeckt werden wird, wohl auch nicht — somit dürften diverse Genres vielleicht nicht vor dem unmittelbaren Exitus stehen, aber doch auf der roten Liste der aussterbenden Kunstformen.

    Liegt also an den Musikern, diesen Trends entgegenzuwirken — keiner wird gezwungen, sein Zeug bei Spotify, iTunes, Amazon oder ähnlichen Seelenverkäufern anzubieten in der Hoffnung auf Ruhm, Reichtum und ewiges Leben. Wer sich dort verkauft, darf sich nicht beklagen, daß seine Arbeit nicht entsprechend vergütet wird.

    Der Vorteil eines solchen riesigen und schwerfälligen Systems ist, daß es unmöglich alle Stilnischen besetzen kann — die unabhängige Underground-Szene wird fröhliche Urständ feiern.

    Wenn sie nicht vorher unter der Ruhrbrücke gelandet ist, weil dank Corona der Kulturbetrieb für alle Zeiten zum Erliegen gekommen ist.

    • Profilbild
      Jan Steiger RED

      Es gibt ja durchaus auch Bands, die bei dem System nicht mitmachen und ihre Alben über kleine Indie-Labels oder sogar ausschliesslich selbst vertreiben. Nur werden die nur schwer einen Hit produzieren, sofern sie das überhaupt wollen. Ich frage mich nur immer, ob sich die Hörgewohnheiten der Masse wegen der Möglichkeit des Streamings verändert haben, oder ob die Streaming Dienste einfach nur das bedienen, was die Masse will

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        richard AHU

        Ich denke die Streaming Dienste aber auch die Produzenten regieren teils darauf das viele Hörer sehr schnell weiterskippen. Ein Track muss gleich von Anfang an überzeugen, also produziert man immer kürzer, ohne Intro, ohne Outro. Ein 20 Minuten langer Track spielt den Produzenten ja auch nicht mehr Geld beim Streaming ein als ein 2,20 Stück wenn nur nach Klicks abgerechnet wird. Für kommerzielle Musik halte ich das zumindest für entscheidend.

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      roskiewicz

      Es ist so gewollt und kein Zufall. Man muss nur in alten Sci Fi Filmen suchen. Alle Tendenzen sind angekündigt. In dem Fall „Demolition Man“, die Szene im Polizeiauto und dem Autoradio. Es gab nur noch Minihits und das waren in Wirklichkeit Werbesongs. Und die wirkten sehr kindisch und albern. Und genauso ist Vieles heute auch. Lautes hektisches Gebrülle. Heute werden „Songs“ zu Hits gemacht, das hätte man vor 10 Jahren gelöscht weil man sich damit überall blamiert hätte. ;-) Und selbst wenn man sagt, da war eben noch nicht die Zeit dafür, bleibt zwangsläufig die Erkenntnis, dass das allgemeine Niveau stark gefallen ist. Zur Wahrnehmung der Jugend muss man sagen, dass die Musik nur ein kleiner Teil ist. Selbst wenn man in Ruhe hören wöllte…das Handy piept und vibriert alle zwei Sekunden bei den jungen Leuten. Es wird permanent Aufmerksamkeit eingefordert und das macht gaga im Kopf. Das bestätigen die Krankheitsbilder, von denen es einige vor 20…30 Jahren gar nicht gab. Deswegen gibt es ja schon lange wieder den Weg in die Analogisierung.

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    Markus Galla RED

    Es ist ja nicht nur das Konzeptalbum, das immer mehr verschwindet. Es ist das Album an sich. Musik findet leider fast nur noch in der Playlist statt, was mich bei vielen der jungen aktuellen „Künstler“ aber auch nicht weiter wundert. Es ist echt anstrengend, da ein ganzes Album zu hören. Oft ist nur der aktuelle Top Hit zu ertragen und den Rest vergisst man besser gleich wieder. Ich vermisse die gute alte Zeit, zu der man noch ein Album immer und immer und immer wieder gehört hat – bis die Rillen der Platte hin waren.

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      Jan Steiger RED

      Jip, so war es und so wird es nie wieder. Fürchte ich jedenfalls. Ich mach das tatsächlich noch, wenn auch nicht mehr mit Vinyl. Aber das komplette Hören eines Albums ist wie das Lesen eines Buches. Ich lese ja auch nicht nur die Kapitel, die mir gefallen.

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        liquid orange AHU

        Man könnte meinen diese Art Musik wäre schon ausgestorben… Also ich kann gar nicht alles kaufen, was nach wie vor als tatsächlich geniessbares Album veröffentlicht wird. Es gibt massenweise rattenscharfe Bands die mich immer wieder begeistern und deren Zeug ich auch kaufe. Ich brauche Streaming so wenig wie McDonalds, aber natürlich leuchten deren ihre M heller als die von guten Restaurants. Aber deswegen muss ich da doch nicht rein…
        Gut, ich komme aus der Psychedelc und Prog-Ecke, kenne nicht alle musikalischen Welten die es da draussen gibt, aber alleine da kommen mindestens 10 Starke Platten pro Monat raus. Also ich brauche nicht mehr…

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      Tyrell RED

      Konzeptalbum steht hier natürlich auch stellvertretend für Alben allgemein. Gekauft wurde ein Album oft wegen dem ein oder anderen Hit, richtig geliebt wurde es aber später wegen all der Stücke die auf keiner Single-Auskopplung zu finden waren.

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      Henrik Fisch AHU

      Du lieferst hier den Grund, warum ich überhaupt kein Radio und keine aktuellen Hits mehr höre. Und das seit 20 Jahren. Ich finde das alles – sehr gut formuliert – »anstrengend« und bestenfalls langweilig.

      Stattdessen habe ich mich auf einige Genres konzentriert, wo ich durchaus ein Album von vorne bis hinten durchhöre. Zum Beispiel »Ambient«: Ich fange gerade an, mich durch die »Pop Ambient«-Kollektion vom Label »Kompakt« zu arbeiten (weit bin ich allerdings noch nicht). Oder »Dub Ambient« bzw. »Dub Techno« (ich komme mit der Unterscheidung nicht so ganz klar), wo ich gerade den Künstler »Yagya« für mich entdeckt habe. Oder den Künstler Avi Kaplan; der hat eine so grandiose Stimme, dass ich da einfach alles hören kann. Es gibt sie noch, die Perlen, die aber abseits von Algorithmen und marktschreierischen Social-Media-Fanatikern stattfinden.

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    Tyrell RED

    Es gibt da noch einen interessanten Aspekt bzgl. Alben:
    Wenn die letzte Note des laufenden Songs verklungen war, hatte man schon den nächsten Titel im Ohr, bevor er anfing. Der Kopf hat die Stücke mit der Zeit automatisch zusammengefügt.
    Ich fand das immer faszinierend.
    Wenn ich mich richtig erinnere, war es das Album Parade von Prince, auf dessen CD-Veröffentlichung man die einzelnen Tracks nicht direkt anspringen konnte. Hat mich damals irritiert, aber rückblickend empfind ich das als mutige und musikalische Aktion.

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      richard AHU

      Richie Hawtin hatte Ende der neunziger auch damit experimentiert, CD´s die als Gesamtkonzept wie ein DJ Mix aufgenommen waren und keine Track Marker hatten. War aber natürlich auch nichts was je Chart Kompatibel sein sollte.

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      Markus Galla RED

      Das ist bei mir auch immer noch so, selbst dann, wenn ich ein Album länger nicht gehört habe. Ich habe mich früher und auch aktuell wieder viel mit Bruce Springsteen beschäftigt. Es ist sehr interessant, wie extrem wichtig ihm die richtige Zusammenstellung der Stücke auf einem Album ist. Man überlege mal, wie viele Outtakes es alleine von ihm gibt, die wiederum wieder so umfangreich sind, dass er damit dutzende Alben füllen könnte. Und dann noch die Songs, die er an andere Künstler gegeben hat. Und das oft nur, weil das Stück eben nicht ins Konzept des aktuellen Albums passte. Sehr extrem bei „Born in the USA“ oder bei „The River“. Und doch ist es am Ende so, dass es keine bessere Version gibt als eben die Alben wie sie schlussendlich erschienen sind. So funktionieren die Stücke am besten. Es irritiert mich, wenn plötzlich ein anderer Titel statt des erwarteten kommt. Das können wahrscheinlich weitaus jüngere Leute gar nicht nachvollziehen, weil es so etwas schon sehr, sehr lange nicht mehr gibt.

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      [aˈtoːm] [aːl] [ˈa(ː)tonaːl] AHU

      ja das funktioniert noch nach jahrzehnten. das dürfte auch das stärkste argument sein für die existenz von vollständigen alben.
      es gibt jedoch eine tendenz, ein album nur als ansammlung von superhits sehen zu wollen. quasi jede veröffentlichung schon als best-of und möglichst jeder track gleich geil…
      dieses sichtweise wurde leider von musikproduzierenden immer mehr umgesetzt.
      es gibt kaum noch experimente auf alben, alle songs müssen das gleiche gerippe haben, gleich klingen. abgesehen vom bereich purer elektronischer musik gibts es fast keine innovativen musiker mehr, weil auch genregrenzen kaum bis gar nicht mehr übersprungen werden.

      jedes genre sein eigenes karrieresprungbrett mit knetetraum, sowohl für die musiker als auch vor allem für produzenten. und wenns nicht funktioniert, wechselt man halt das genre…zuviele baumeister bobs, zu wenige revolutionäre im metier. wenn ich so die ganzen foren abgrase lese ich auch nichts anderes heraus…

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      bluebell AHU

      Und wenn wir ehrlich sind, war der Kauf eines Albums eine solche Investition, dass man sich etwas mehr Mühe gegeben hat bei den Liedern des Albums, die nicht gleich gezündet haben. Ich will nicht behaupten, dass man sich alles „schöngehört“ hat, aber man war bereit, sich mit dem Material zu befassen und Zeit zu investieren.

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        [aˈtoːm] [aːl] [ˈa(ː)tonaːl] AHU

        ja, und es kommt sogar noch etwas dazu. die eigene persönliche weiterentwicklung. wenn ich sehe, was ich heute alles höre, wo ich früher noch verächtlich drüber gelacht habe…oder tracks von alten favorites, wo man sich früher gefragt hat, warum zur hölle der/die sowas veröffentlicht hat. da wurde früher geskippt, wo heute einfach die nadel weiterläuft bzw der laser^^.

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      cosmolab

      Tjaa – das mit der Reihenfolge kann ich nur bestätigen, es ging mir dabei auch mal „anders herum“: Ich hatte mir das Album „A New Flame“ on Simply Red in etwas anderer Reihenfolge von anderswo auf Kassette gebannt – und war es dann für die nächsten 2-3 Jahre nur in „meiner“ Reihenfolge gewohnt. Etwas „verstört“ war ich dann, als ich nach einigen Jahren das Original wieder gehört hab – mit 1-2 Songs mehr drin, die ich seinierzeit weggelassen und daher vergessen hatte. Ich fand „meine“ Reihenfolge übrigens besser… ;-)

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    richard AHU

    Ich höre mir Alben immer noch gerne komplett durch. Kommt natürlich auch auf die Szene an, im Dance oder nu-skool Hip-Hop Bereich hat das klassische Album eigentlich kaum noch eine Bedeutung (was ich persönlich eigentlich sehr schade finde). Wir hatten in den letzten Jahren eine ganze Menge Veröffentlichungen, aber an Alben waren die Labels eigentlich nicht interessiert. Vielleicht hat letzteres natürlich auch damit zu tun das die Zielgruppe für Club Tracks erst mal DJ´s sind. Dennoch könnte ich mir Konzeptalben weiter sehr gut z.b für den Electronic oder Chill out Bereich vorstellen.

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    Henrik Fisch AHU

    Verschiedene Gedanken und Anregungen, die dazu durch meinen Kopf schießen:

    a) Bezogen auf die Aufmerksamkeitsspanne gibt es auch die schweigende zumeist ältere Mehrheit, die es durchaus zu schätzen weiß, ein Album von vorne bis hinten zu hören. Und denen ist die Diskussion einfach zu blöde ist. Weil’s meistens keine Diskussion ist, sondern eine Niederschreien von Social-Media-Jüngern. Da die sich kaum zu Wort melden, sind die natürlich auch schwer zu erfassen. Und in der Kultur der »Alternativen Fakten« werden die auch gerne mal gänzlich übersehen.

    b) Es gibt auch die »Entschleunigungs«-Gegenbewegung. Das sind die, die mit 45 noch keine grauen Haare haben und mit 60 auch noch keinen Herzinfarkt. Und sich mit 75 immer noch freudig (Original)-Pressungen von Elvis und den Beatles anhören.

    c) Wenn ich a) und b) zusammen nehme, dann sind das vermutlich auch Gründe, warum Bandcamp erfolgreich ist. Nicht »der« Grund, aber durchaus einer.

    d) Zu Zeiten des rauschenden CD-Verkaufs gibt es ja richtig heftige Beispiele für Abzocke am zahlenden Musik-Kunden (dazu zähle ich »Fools Garden« nicht). Ein oder maximal zwei Songs waren gut … der Rest schnell und billig produziertes 08/15-Popcorn. Von daher sind Streaming-Dienste eher ein Segen.

    { Fortsetzung unten … }

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      Henrik Fisch AHU

      { … Fortsetzung von oben }

      e) Mit Blick auf das, was so in den letzten 20 Jahren im Radio lief und läuft würde keine der 70er/80er-Bands und -Künstler als Newcommer heute auch nur den Hauch einer Chance haben. Phil Collins, Sting, Peter Gabriel, Foreigner, Depeche Mode, a-ha … alle chancenlos (nur mal querbeet, was mir spontan einfällt). Es gibt Abseits von Mainstream noch jede Menge geiler Künstler, die von den Spotify- und Google-Algorithmen nicht erfasst werden. Mein Liebling ist der ehemalige Bass-Sänger von »Pentatonix«, der jetzt als Solo-Künstler unterwegs ist: Avi Kaplan.

      f) Der »Stern« ist natürlich seinerseits massiv auf das Internet ausgerichtet und damit der Aufmerksamkeitsspanne jener Eintagsfliegen verhaftet.

      g) Man liest nicht den »Stern« (nicht ganz ernst gemeint). 😉

      P.S.: Geiler Beitrag! So etwas regt zum Denken an! 🤩

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        roskiewicz

        In der Summe geh ich da mit. Nur muss man eines wissen, das ist Absicht. Und der Sinn dahinter ist Verblödung. Deswegen werden gute und positive Dinge (egal ob Musik, Essen, Gesundheit, Filme, Bücher etc) IMMER blockiert bzw., nach der Umkehrmethode, der Mainstream-Schwachsinn wird manipuliert, also künstlich hochgedrückt. Früher haben die Labels ihre eignen CDs gekauft, heute braucht es nur eine indische Klickfarm. Vor 12 Jahren ging das noch für jedermann mit einer kleinen Software. Und das geht ja mal gar nicht für die Majors. Heute muss man die Klicks kaufen. Und auch hier sieht man die Absicht, denn bei anderen Dingen ist das Internet recht schnell mit Korrekturen. Bei Betrug, und nichts anderes ist die Klickkauferei, passiert nichts. Das muss auch manipuliert werden, weil der gesunde Geist diesen ganzen Unfug ablehnen würde. Da reitet eine Hupfdohle beim Konzert vor den Augen vorpupertärer Mädchen auf einem zwei Meter Dildo und das ist scheinbar normal. Aber wehe man parkt falsch ;-) Und genau daran zeigt sich die erfolgreiche Verblödung. Es ist auch völlig sinnlos etwas dagegen zu machen oder sich abzuwenden, genau genommen muss hier der Jugendschutz eingreifen.

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      Markus Galla RED

      zu d) Das stimmt. Ich habe vor allem Ende der 90er bis Anfang der 2000er so manche CD gekauft, weil ein Song im Radio rauf und runter gespielt wurde und richtig gut war. Dann die Enttäuschung, weil die CD so richtig mies und kaum zu hören war. Ist mir damals mit der Band „Texas“ passiert. Früher habe ich auf Plattenbörsen Schallplatten aufgrund des Covers gekauft und wurde selten enttäuscht. So habe ich als Jugendlicher Marillion über „Real to reel“ gefunden. Oder Iron Maiden entdeckt, mein Bruder fand die Plattencover der ersten Queen-Alben super und hat sie gekauft. Bei Dire Straits hat mich das Brothers in Arms Cover fasziniert, von da an habe ich dann rückwärts die alten Alben nachgekauft. Und so weiter. Heute würde ich im Traum nicht daran denken, so etwas zu machen. Meistens reicht ein kurzer Klick auf Apple Music, um zu wissen, dass die meiste Musik des jeweiligen Albums Schrott ist.

  6. Profilbild
    Jan Steiger RED

    Ich muss jetzt fairerweise mal sagen, dass gerade in der Technoszene eine Gegenbewegung in Sicht ist. Mein Sohn, seines Zeichens Deep House DJ, veröffentlicht komplette Sets auf SoundCloud. Die sind teilweise 2 Stunden lang und werden von den Jüngern tatsächlich komplett gehört!

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      richard AHU

      Ja, allerdings handelt es sich da um komplette Sets mit Tracks von diversen Künstlern. So was wurde schon in den neunzigern mit Erfolg veröffentlicht. Ich glaube das hängt auch damit zusammen das die Endkonsumenten im Prinzip kaum einzelne Singels aus dieser Szene kaufen um sie zuhause oder unterwegs zu hören. Ein Set bleibt von vorne bis hinten zumeist stilistisch ähnlich, die eigentlichen Künstler sind dann die DJ´s an denen sich die Konsumenten orientieren.

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          bluebell AHU

          Ohne abzustreiten, dass der DJ eine gewisse Leistung erbringt, muss ich doch zugeben, dass es mich sehr irritiert, dass von vielen Kids die DJs als Stars angesehen werden und nicht diejenigen, die die Musik gemacht haben.

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            richard AHU

            es gibt durchaus ein paar DJ´s wo ich sagen würde „zu Recht“ einige formen aus der Musik etwas ganz neues. Der Ursprungsgedanke im Techno war das es überhaupt keine Stars gibt, das alle im Club gleich sind. Das die Konsumenten dann doch irgendwelche Projektionsfiguren suchen und kurzerhand die DJ´s zum Star machen hatte wohl kein Protagonist der ersten Stunde auf dem Schirm. Aber es betrifft an sich ja nicht nur „Kids“ DJ Kultur ist mittlerweile Jahrzehnte alt und die Leute die in Deutschland die ersten Techno Sets abgefeiert haben sind inzwischen auch schon jenseits der 50 ;-)

  7. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Ich arbeite derzeit an einem neuen Album, das wir in mehreren Teilen releasen werden, am Schluß gibts nochmal einen Komplettrelease, vorerst mal rein digital, dann schauen wir, was passiert. Wir nennen es „Album“, weil mehr Material als auf einer EP drauf ist, es gibt zwar einen Zusammenhang zwischen den Tracks, aber der ist nicht so offensichtlich (ein Keks für jeden, der ihn erkennt).

    Das Album an sich fußt auf der Spielzeit einer LP von etwa 45 Minuten, und auch wenn es interessant sein kann, sich diesem Limit zu unterwerfen, ist es heute nicht mehr zwingend notwendig. Das sind die positiven Seiten der neuen Zeit, in der jeder Musik machen und sich Öffentlichkeit verschaffen kann, wenn er es richtig anstellt.

    Wenn man mal genau hinschaut, hat sich im Grunde zumindest beim Publikum/den Hörern nicht allzu viel verändert, ist alles nur technischer und ein bißchen kranker geworden

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    ISE500 AHU

    Da kann man doch zurückgehen bis auf den Beginn des Endes der physikalischen Trägermedien.
    Konzeptalben sind halt rein digital eher schwierig.

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      AMAZONA Archiv

      Eigentlich sind die heutigen Möglichkeiten noch viel umfangreicher als früher, man könnte nicht nur ein Konzeptalbum veröffentlichen, sondern gleich eine ganze Konzeptalbumwebsite, wo man die Musik mit Bildern und Clips begleitet, quasi als bewegliches, klickbares Plattencover, einen eventuellen Vinyl- oder CD-Release gibts extra mit einer Weiterführung der künstlierischen Gestaltung der Website und vielleicht einen QR-Code, mit dem man exklusives Bonusmaterial freischalten kann, usw., usf.

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        ISE500 AHU

        Und würdest du das ohne eine echt CD oder LP kaufen?
        Also ich nicht. Ich drucke mir doch keine digitalen Artworks aus.
        Aber vielleicht gibt es eine Zielgruppe dafür.
        Ich finde es ganz cool, Tracks rein digital zu kaufen und ein kleines Artwork dazu ist schon ok.
        Klar sind die Möglichkeiten heute umfangreicher als früher, CDs und LPs gibt es auch noch.

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        roskiewicz

        1995 gab es im Vergleich zu 1965 auch enorm mehr Möglichkeiten, man nehme nur das Homestudio. Und trotzdem hilft das nichts. So ist das heute auch. Ja man kann veröffentlichen usw. aber der Aufwand ist enorm gegenüber dem was zurück kommt. Die Möglichkeiten werden ja von denen „freigegeben“ die den Markt kontrollieren. Das heisst egal was die uns zum spielen geben, die sind immer im Vorteil. Weil die das Spiel kontrollieren.

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        KallePeng

        Das klingt nach dem Konzept von ‚Interaktiven Multimedia CDs bzw. DVDs‘. Gescheitert daran, das die meisten CD u. DVD Player viel zu rechenschwach waren um das Konzept überhaupt zur Geltung kommen zu lassen. Ein Klick und die Warterei ging los ;-)
        Heute müßtest Du von Deinen wenigen, generierten Einnahmen, durch die wenigen, die den Weg vom Mainstrean, auf Deine Gesamt-Kunst-Konzept-Seite finden auch noch Geld, Zeit und Energie dafür aufwenden, das Dein Material nicht doch bereits am ersten Tag der Veröffentlichung auf einem xTube für lau landet.
        Selbst wenn es Deinem Programmierer gelingt, den direkten Download zu verhindern, so bleibt immer noch der Weg, alles über einen Screenrecorder aufzunehmen und irgendwo hoch zu laden.
        Francesco Tristano veröffentlicht auf Soundcloud immer nur 1:00 – 1:30 Min. Happen.
        Wer den ganz hören will muß sich bei Polygram den Download oder die CDs kaufen.
        Ansonsten verdient dieser Künstler, indem er Konzertsääle und Diskotheken füllt, also direkt Einnahmen generiert.

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          AMAZONA Archiv

          Ich würde so vorgehen, daß die Website als erweitertes Booklet zur Platte erstellt wird oder man legt dem Medium einen Mini-USB-Stick bei, der zusätzliche Artwork enhält. Klar, kann man alles knacken und irgendwo hochladen, würde auch reichlich gemacht werden, aber als Goodie für normale Käufer wäre das eine feine Sache und technisch mit akzeptablen Aufwand zu realisieren, oder was meint ihr?

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    janschneider

    Konzeptalben waren doch seit jeher eine Nische, oder? Damals wie heute zum überwiegenden Teil doch eigentlich nur von sogenannten Prog- oder Artrockbands praktiziert. Nur sind halt in den Siebzigern einige wenige davon enorm erfolgreich gewesen, weshalb sie in der Erinnerung derer dominieren, die heute darüber schreiben…

    Und Alben allgemein sind ja allgemein waren ja auch nur zwischen Ende der sechziger und Anfang der Nuller Jahre das dominierende Format.
    Davor waren Singles der wichtigste Tonträger für Popmusik, und auch da haben bestimmt Leute schon über den Verfall der Aufmerksamkeitsspanne bei Jugendlichen geschrieben, die nur noch Drei-Minuten Popsongs durchhalten und nicht mehr ganze Beethoven-Symphonien…
    Normal. So ziemlich jede Generation hält die Musik der nachfolgenden Generation für schlechter als die eigene. Muss man eigentlich nicht drüber schreiben.

    P.S. und ich gehöre auch zu der Generation, höre Alben komplett, und kann heutige Popmusik nicht ausstehen. Muss ich auch nicht. Das wirkliche Problem ist, dass man damit quasi überall beschallt wird, nicht zuletzt durch den Siegeszug von Smartphones und Bluetooth-Boxen…

    • Profilbild
      NDA

      Stimme Dir in vieler Hinsicht zu; vor allem bzgl. „Konzeptalben … Nische“. Es ist seit jeher schlicht die eigene Einstellung, ob überhaupt und wie intensiv ich mich mit gewissen Dingen beschäftige/n will.

      Ich greife nur den Punkt mit den Generationen auf, denn das kann einen Weg aufzeigen das es nach wie vor Konzeptalben geben kann und wird.
      Es gibt zu fast jeder Bewegung irgendwann einmal eine Gegenbewegung. Die „Jugend“ sucht die Abgrenzung von den Eltern. Somit die erste Chance falls die Eltern selbst nur belangloses Gedudel hören ;-). Aber dann gibt’s ja noch die Nachfolgegeneration, die einige „alte“ Sachen neu für sich entdecken, aufgreifen und weiterentwickeln.
      Ich schätze, daß viele von uns hier in diesem thread unsere Jugend in den 70ern und 80ern hatten, einige evtl. noch bis frühe 90er. Wir haben es durchaus in der Hand, unser Wissen und Erfahrungen weiterzugeben; auch außerhalb der eigenen Familie. Sollte halt nicht als Besserwisserei ´rüberkommen, und auch mit einer gewissen Aufgeschlossenheit Neuem gegenüber verbunden sein. Gute Firmen leben z.B. von so einem Zusammenleben der Generationen.

  10. Profilbild
    Klettermax

    Gute Musik bleibt gute Musik. Daran ändern auch Hörgewohnheiten nichts. Ich höre mir jederzeit gerne Opern an, die über 200 Jahre alt sind und 2 oder 3 Stunden dauern. Was für ein Genuss!

  11. Profilbild
    Sputnik_09

    Antwort ist: Ja.

    Meine Alben erzählen immer eine Geschichte, ich mache mir immer Gedanken über die Songreihenfolge und verwende viel Zeit und Energie schon vor dem eigentlichen Schreiben welcher Song was wann erzählen soll. Sehe ich meine Stats bei Spotify an, sehe ich da keine Wertschätzung fürs Album. Nicht mal 1 % meiner Hörer hören die Alben komplett. Maximal 1-2 Songs vom Album und die dann immer wieder. Die anderen Songs finden da allenfalls nur minimal Aufmerksamkeit.
    Für Nischenmusiker wie ich, die mit der Musik noch Inhalte vermitteln wollen ist Spotify und Co. nix.

  12. Profilbild
    roskiewicz

    In der Summe geh ich da mit. Nur muss man eines wissen, das ist Absicht. Und der Sinn dahinter ist Verblödung. Deswegen werden gute und positive Dinge (egal ob Musik, Essen, Gesundheit, Filme, Bücher etc) IMMER blockiert bzw., nach der Umkehrmethode, der Mainstream-Schwachsinn wird manipuliert, also künstlich hochgedrückt. Früher haben die Labels ihre eignen CDs gekauft, heute braucht es nur eine indische Klickfarm. Vor 12 Jahren ging das noch für jedermann mit einer kleinen Software. Und das geht ja mal gar nicht für die Majors. Heute muss man die Klicks kaufen. Und auch hier sieht man die Absicht, denn bei anderen Dingen ist das Internet recht schnell mit Korrekturen. Bei Betrug, und nichts anderes ist die Klickkauferei, passiert nichts. Das muss auch manipuliert werden, weil der gesunde Geist diesen ganzen Unfug ablehnen würde. Da reitet eine Hupfdohle beim Konzert vor den Augen vorpupertärer Mädchen auf einem zwei Meter Dildo und das ist scheinbar normal. Aber wehe man parkt falsch ;-) Und genau daran zeigt sich die erfolgreiche Verblödung. Es ist auch völlig sinnlos etwas dagegen zu machen oder sich abzuwenden, genau genommen muss hier der Jugendschutz eingreifen.

    • Profilbild
      AMAZONA Archiv

      Der Jugendschutz oder die zweifelhafte Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien ist aus meiner Sicht sowas wie ein nachgelagerter Reparaturbetrieb, eigentlich sollte die richtige Grundeinstellung und der primäre Schutz doch von den Eltern kommen.

    • Profilbild
      TobyB RED

      Ganz so ist es nicht. Majors nehmen Social Media als Vehikel um globale Popstars aufzubauen. Und der A&R Manager des Acts hat heute eher mit Big Data und Business Intelligence zu tun. Auf Youtube findet man dazu Podcasts und Videos. Ebenso ist es heute üblich das exakt auf Format und Zielgruppe komponiert und hinproduziert wird.

      In Deutschland ticken die Uhren nun etwas anders, zum einen weil der deutsche Musikmarkt eher so ein Anhängsel im globalen Netzwerk der Unternehmen ist. Globale und Pannationale Acts kannst an zwei Händen abzählen. Wie deutscher HipHop funktioniert ist nun hinglänglich bekannt und dokumentiert. Deutscher Schlager ist mehr oder minder noch TV getrieben, was an der Zielgruppe liegt. Sonderformate wie DSDS und Co. haben in Deutschland ihre eigenen Regeln und eigentlich nichts mit den Originalformaten zu tun. So hart es klingt, die Teilnehmer werden vorgeführt und ausgelutscht. Und bei der Jury hat man echte Koniferen(sic!) besetzt.

      Im deutschen Indie und Alternative Bereich ticken die Uhren nun noch etwas anders. Hier geht zwar auch nichts ohne Social Media und Big Data aber Glaubwürdigkeit und Authentizität geben hier den Takt vor.

      Klickfarms wirds du im HipHop finden, was auch dokumentiert ist. Aber pauschal würde nicht nicht behaupten das damit gearbeitet wird.

      PS: ich denke nicht das Konzeptalben tot sind.

      • Profilbild
        roskiewicz

        Im Detail kann man sicher man solche und solche Sichtweisen haben. Grob gerastert sind aber Big Data und Big Major und Big TV ein Club und die passen sehr darauf auf das keiner zu groß wird der nicht unter deren Einfluss steht. Das ist in jeder Branche so weil es nur um Geld und Macht geht. Bei DSDS und dem Anhängsel ist DE genauso wie Spanien, Polen, Russland, Türkei, Algerien und arabischer Raum. Alle sind speziell wegen der Kultur. Das was man als globalen Act versteht, bedeutet doch eigentlich nur „amerikanisch“. Und das was die dem Rest der Welt aufdrücken….naja. Maria Carey ist Schlager und nichts anderes als eine Yvonne Catterfeld nur das eben die Umsätze größer sind. Und das pseudosentimentale US-Country-Geknödel ist ausserhalb der USA auch nicht zu vermarkten. Aber egal. Das Konzeptalbum wird immer funktionieren wenns ein gutes Konzept gibt. Neben der Wahrnehmung ist aber auch das Überangebot ein Problem. Im Grund kann heute jeder sowas machen und veröffentlichen. Die Plattformen sind voll und wer soll das alles hören. Nebenbei, wenn man die Werbung bei instagram für Musiktechnik und Software sieht, wird das immer stumpfsinniger. Die scheinen nichts mehr zu verkaufen und zielen nun mit „Rundumsorglos“ Paketen auf alle. Musikmachen kann nun jeder, mit vorgefertigten Loops, Chords und neuerdings sogar Vocals.

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      Henrik Fisch AHU

      Meiner Erfahrung nach ist es meistens keine Absicht, keine Steuerung, weil man Massen nur schlecht steuern kann. Es ist eher, dass die Massen keine Lust haben zu denken und dieses lieber irgend welchen Autoritäten überlassen (Beispiel mit dem »falsch Parken«). Das nennt man dann »Schwarmintelligenz«, die im Umkehrschluss kein Andersartigsein zulässt. Jeder Mensch, der irgend etwas – muss gar nicht Musik sein – anders macht als alle anderen, hat es schwer, »seins« durchzudrücken oder überhaupt machen zu dürfen. Das geht quasie schon mit der Erziehung durch die Eltern los.

      Evtl. sind wir Deutschen da auch besonders anfällig – da mag ich mich jetzt aber nicht aus dem Fenster lehnen – und zwar durch unsere Historie. Ich habe das Gefühl, dass Behörden in ihrer Entscheidungs-Findung und -Befugnis gerne mal wie im »Großdeutschen Reich« agieren. Und wir, die Bevölkerung, nicken das ab.

      Ist aber eigentlich müßig darüber zu diskutieren, warum es so ist. Man muss nur wissen, das es so ist und kann dann selber entsprechend agieren. Oder eben nicht, wenn man – nun wieder auf die Musik bezogen – sein Heil im Produzieren der immer selbstähnlichen aktuellen Popmusik sieht. Es gibt ja genügend Produzenten, die den Massengeschmack genau treffen und dadurch Kohle ohne Ende machen.

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        AMAZONA Archiv

        Oliver Kalkofe hat bei einer Preisverleihung mal einen schönen Satz gesagt: „Zu behaupten, die Menschen wären zufrieden mit dem aktuellen Fernsehprogramm und wollten gar nichts anderes, ist wie zu behaupten, daß ein Gefangener, der nur Brot und Wasser kriegt, auch nichts anderes will, weil er es ja jedesmal aufißt“.

        Das kann man auch auf die Musik beziehen – die Masse der Bevölkerung hört, was angeboten wird, und schaltet eher ab, wenn es nicht gefällt. Dem kann man vermeintlich durch Streaming entkommen, weil da ja eine individuelle Auswahl getroffen werden kann. Tatsächlich aber sorgen schon die Algorithmen dafür, daß sie am Ende wieder das gleiche Zeug reingedrückt kriegen. Die Basis, also die Musiker, die sich nicht der Popmaschine unterwerfen wollen, hat da wenig Chancen, wahrgenommen zu werden.

        Mitte/Ende der 90er hatten wir mal die Chance, das Web als Raum für uns und gute Musik zu erobern, bis in die 2000er hinein fuhrwerkte die Musikindustrie nur planlos mit dem neuen Medium rum und war mehr damit beschäftigt, Raubkopierer zu jagen, als eigene Strukturen zu schaffen. Der Zug ist abgefahren, es gibt zwar nach wie vor genügend Freiraum, aber die richtig dicken Datenströme gehen an unsereins vorbei. Da haben auch diverse Gesetzesänderungen eine Rolle gespielt, die teils nicht zum Wohl der Leute ausfielen.

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          roskiewicz

          Da haben wir es wieder, die Absicht und den Big-Club. ;-) Wenn jetzt jemand meint, es sei keine Absicht, dann bleibt nur eins übrig: Dummheit. Und das wäre genauso schlimm. Ich stimme dir zu, so ähnlich hatte ich es auch beschrieben. Beim TV ist es ähnlich, nur Schrott, nur Gewalt, Polizei, Tod, Drama, Kitsch und dann wieder von vorn. Die TV Anstalten reagieren auch nicht auf Wünsche oder Vorschläge. Das mit dem „rumfuhrwerken“ sehe ich eher als Neuausrichtung. Da brauchten die eine Weile, wussten aber das sie gewinnen. Es wurde ja ein Monopolsystem errichtet. Man kann sich noch gut erinnern wie 2012 facebook um jeden Preis hochgejubelt wurde.

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        roskiewicz

        Man sieht hier wie komplex es ist weil wir den Blickwinkel immer größer stellen. Da würden wir aber vom eigentlichen Thema wegkommen. Aber allein das man von einem zum anderen kommt, zeigt dass da System drin steckt. Nimm gleich mal die Erziehung durch die Eltern, das ist heute ein Problem. Den meisten entgleitet das und viele Eltern sind machtlos gegenüber dem Einfluss von aussen. Das ist die Realität und da muss man sich fragen warum das gemacht wird. Es wird aber gemacht und das nennt man Absicht. Es gibt da z.B. das Phänomen in den Medien, speziell TV. Am Tag kommt nur Schrott und nachts das Gegenteil. Manchmal wird auch nachts etwas gesagt, was tagsüber als Unsinn tituliert wird. Auch das ist Realität und es hat System. Damit ist es Absicht. Früher kam nachts der Schwachsinn ;-)

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          Henrik Fisch AHU

          Hehe … das mit der »Erziehung der Eltern« meinte ich eigentlich anders. Nämlich, dass bereits die Eltern gewisse Verhaltensweisen an die Kinder weiter geben. Ich liebe meine Eltern, aber ihre Erziehung hat mir etwas mitgegeben, was so gar nicht förderlich für die kindliche Neugierde ist:

          »Ist das schwer, Klavier zu spiele?«
          »Da musst Du unglaublich gut sein. Und jahrelang üben. Das können nur welche, die wirklich gut sind.«
          »Na gut. Dann nicht.«

          Stattdessen haben sie mich zum Blockflöteunterricht geschickt, und die Lehrerin hat einem dann mit den schief quietschenden Billigtröten fast alle Musikalität abgetötet. Musik ist halt was »Elitäres«, was ich nicht verstehe, habe ich damals gelernt. Das es an den grausamen Tönen lag, die aus den kruden Holzrohren kamen, das konnte ich als Kind nicht wissen. Bis ich dann – Gott sei Dank! – ein paar Jahre später in einer Kirchenaufführung eine große teure Blockflöte gehört habe, und die klang einfach … wunderschön.

          Die Schule hat ihr Übriges getan. Beispiel aus meiner Jugend:

          Lehrerin in der 6. Klasse im Kunstunterricht, nachdem sie ein Bild von mir gesehen hat:
          »Du hast zu viel Phantasie!«
          Ich betone: Kunstunterricht. Nicht Mathe oder Physik oder so. Nein, Kunst.

          Das sind, glaube ich, die Hauptprobleme, mit denen unsere Gesellschaft kämpft.

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            AMAZONA Archiv

            Kindergarten, Orff-Gruppe. Klein lightman fand das Xylophon toll und wollte auch außerhalb der Gruppenzeiten spielen. „Es wird nur gespielt, wenn wir es dir sagen, oder du spielst gar nicht mehr mit“.

            An meinem sechsten Geburtstag bekam ich eine Blockflöte geschenkt und wurde gegen meinen Willen zum Unterricht geschickt. Bis auf Notenlesen und das Klavier, an dem ich saß und dessen Saiten meine Flötentöne so schön zum Schwingen brachtem, fand ich Flöte doof und wollte lieber Klavier spielen lernen. Meine Eltern trieben mir den Wunsch mit Sätzen wie „werde erstmal was im Leben“ oder „verdiene eigenes Geld, dann kannst du klimpern, wie du willst“ aus.

            1979 kam eine einmanualige Bontempi-Orgel ins Haus, deren Tasten lauter klapperten, als die Orgel tönte. Spielen durfte ich nur mit Kopfhörer, und das auch nur, wenn der Fernseher nicht lief.

            Förderung meines immer größer werdenden Kunst- und Musikinteresses in der Schule? Fehlanzeige. Aus der Neigungsgruppe Cello wurde ich rausgeworfen, weil ich in einem Nebensatz erwähnt hatte, daß ich das Instrument zu Hause mal als Contrabass verwendet hatte.

            Die Kinder werden Im Kindergarten auf die Schule vorbereitet, wo ihnen das Rückgrat gebrochen und die Kreativität ausgetrieben wird, weil das nicht systemrelevant ist. Nicht immer, aber oft genug, um es als Problem anzusehen.

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              roskiewicz

              Da bin ich ganz bei dir und dem Beitrag von Henrik. Wenn man aber Neugier und Kreativität unterdrückt, muss man sich nicht wundern wenn die nächste Generation so ist wie sie ist. Das erinnert aber auch wieder an einige Sci Fi Filme. Die Drehbuchschreiber haben bestimmt eine Glaskugel ;-)

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    KallePeng

    >>Früher war mehr Lametta!<< Musiker, für die ich gerne Geld ausgegeben habe, weil mir die 'Bröckchen' aus dem Netz nicht genügt haben: "Budgee Weseltoft, Nils Frahm, Laurant Garnier, Francesco Tristano." Wenn ein Musiker gut genug ist in mir diese Neugier auf Mehr zu wecken, dann hat er auch mein Geld verdient. So einfach ist das.

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    KallePeng

    Im übrigen erwische ich mich beim selektieren von Musik und schauen von Serien ebenfalls beim ungeduldigen Skippen.
    Geschichten, die mit anderen Schauspielern neu aufgelegt werden interessieren mich nicht. Ich kenne die Story, den Plot und das Ende.
    Songs, die ich bereits in den 80ern u. 90ern gehört habe waren, zumindest, was den Mainstream betrifft bereits Remixes aus den 40ern – 70ern.
    Und heute werden die zum dritten, bis vierten Mal durch die Mangel gedreht.
    Ums mal ganz deutlich zu sagen: „Ich kann keine ‚Nina Simone‘ Remixes mehr hören.
    Was das Verve Label in den 90ern begonnen hat, hat bei mir funktioniert, weil das für meine Generation neue Songs waren, die mir in meiner musikalischen Sozialisierung bis dahin noch nicht vorgesetzt wurden also für mich neu schienen.
    Heute schaue ich über den Tellerrand und streame aus dem Ausland, bevorzugt Jamaika, GB und Frankreich. Die haben ein komplett anderes Musikprogramm, anspruchsvoll, talentiert, unterhaltsam.
    Hat eigentlich schon mal jemand darüber nachgedacht, dass die Vorschläge á la „wer diesen Song gut fand, fand auch folgende Titel toll!!!“ Möglicherweise nicht nur vom Algorythmus gesteuert werden, sondern auch Proxyserverabhängig nach Nationen.
    Soll heissen, wenn ein Belgier sich ‚Alors On Danse‘ anhört ganz andere Vorschläge bekommt, als ein Deutscher???

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      AMAZONA Archiv

      Länderspezifische Unterhaltungsmusik ist kein neues Phänomen. Ein bekanntes Beispiel aus jüngerer Zeit war die Aufsplittung des Musiksenders MTV in nationale Einheiten. Als das Kabelfernsehen in Deutschland Anfang der 80er loslegte, wurden Sky Channel und MTV eingespeist, anfangs konnte man da als Nicht-Amerikaner noch ein winziges Bißchen an Musik hören, die bei uns zu der Zeit nicht so gängig war, aber es dauerte nicht lange, bis nationale MTVs gegründet wurden, die schnell wieder zum Bewährten zurückgingen, auch um die jeweils lokale Popindustrie ins Boot zu holen und mehr Knete zu machen.

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    cosmolab

    Den Thesen mit der „Aufmerksamkeitsspanne“ usw. stimme ich gerne zu. Aber wenn ich ehrlich bin, brauche ich dazu kein Spotify, sondern es reicht mir dazu schon die eigene MP3- Sammlung, die so seit ca. 20 Jahren kontinuierlich wächst und inzwischen eher als „nachrichtliches Archiv“ geführt wird – weil ich angesichts des Umfangs sich auch hier schon permanent das Gefühl einstellen kann, im selben Aufenblick „anderswo“ was zu verpassen… ;-)

    Was mich mit einer gewissen Schadenfreude erfüllt ist der Glaube an „Goldene Regeln“, die von kulturlosen Marketingfuzzies durchgezogen werden mit der einzigen Absicht auf Gewinnmaximierung. Wartet nur ab. Es wird sicher noch ein paar Jahre dauern, aber dann hat sicher der ganze Mainstream auf Spotify&Co. derart „totoptimiert“, dass er darüber irrelevant wird. :-)

    Aber wer glaubt, dass das neu wäre, der irrt wohl. Ich denke schon vor 50 Jahren hat es solche Tendenzen gegeben – allerdings auch wegen teschnischer Beschränkungen. Soweit ich weiß durfte ein Popsong auch damals schon nicht länger sein als ca. 3,5min – schlicht weil er sonst nicht auf die Single-Side einer 45er Platte gepasst hätte…

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      Henrik Fisch AHU

      > […] Wartet nur ab. Es wird sicher noch ein paar Jahre dauern, aber dann hat sicher der ganze Mainstream auf Spotify&Co. derart „totoptimiert“, dass er darüber irrelevant wird. :-) […]

      So etwas in der Art denke ich auch. Irgend wann will das auch der lobotomisierteste Smartphone-Nutzer mit den hippesten Noise-Cancelling-Airdingens in den Ohren nicht mehr hören und es kommt irgend etwas anderes. Allerdings werden natürlich dann alle auf diesen Zug aufspringen und wiederum den totoptimieren.

      In diesem Zusammenhang bin ich sehr gespannt auf KI in der Musik. Ob die wohl als »kreatives Tool« oder als »schnelle Nummer zur wirtschaftlichen Optimierung« genutzt wird? Ich spoiler mal nicht meine Vermutung. 😉

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        KallePeng

        Das selbe höre ich bereits seit 25 Jahren über das sog. Formatradio und dessen ‚Playrotation‘.
        Die Privaten legten 1989 los und allen voran FFN mit der ‚Comedy‘ und den moderierten Musikshows wie ‚Grenzwellen‘.
        Das ging keine 10 Jahre gut, dann kam die große Stunde der Controller und der Startschuss für Playrotation.
        Antenne und FFN bekamen 80 Titel in die Playrotation, jahrelang konnten die damit gut weitermachen.
        Jetzt sind es ca. 1000 Titel in der Rotation und nach dem Motto das beste von heute, das beste der 80er, 90er, bla-bla-bla. Aber Terristisch kannste im Auto nix anderes mehr bekommen und die Leute lassen es sich gefallen und hören es.
        Niemand schaltet sein Autoradio aus weil er zum 100.000sten Mal Peter Gabriel ertragen muß. Skippste weiter kriegste Sting oder Queen. Es gibt Menschen, die sind jünger als 30 Jahre, die haben überhaupt nichts anderes kennen gelernt.
        NDR2 Der Club, FFN Grenzwellen, WDR3 Schwingungen, das gibt es leider nicht mehr.
        ÄÄÄHHH… Bildungsauftrag der öffentlich rechtlichen??? OK, FFN nicht, aber die waren damals angetreten mit der großen Fre*** es besser machen zu wollen.

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          KallePeng

          Meine Lösung zum Umgehen dieses Mankos: Ich habe eine 40GB Datenflatrate von O2. Ein ausrangiertes Mobiltelefon mit einer O2-Simkarte nur zum Musik streamen. Damit kann man über LTE den ganzen Tag, Streams aus aller Welt über das Auto-Hifi System via AUX oder Bluetooth wiedergeben und macht sich keine Sorgen über die Kosten.
          Keine Bla-Bla-Moderatoren. Wenn man über ausländische Server geht keine Werbung.
          Meine Tips: Dandelion Radio, FipGroove, FipNouveautes, FipReggae, swiss groove, radio salsa amsterdam, Djam Radio.
          Viele ausgesuchte Tageszeit und Wochenend abhängige Playlisten, von Menschen zusammengestellt.
          Teilweise nehme ich die Radiostreams mit dem guten alten WinAmp 24 Std. lang auf und wenn ich mal offline bin, wie z.B. in Untergeschossen großer Supermärkte, dann kann ich mir dort immer noch über Kopfhörer ‚mein‘ Programm anstelle der Supermarktbeschallung geben.

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          Henrik Fisch AHU

          > […] Niemand schaltet sein Autoradio aus weil er zum 100.000sten Mal Peter Gabriel ertragen muß. […]

          Exakt. Denn leider ist es ja auch immer wieder das massentaugliche »Sledgehammer« oder so. Selbst »Don’t Give Up« wird nicht gespielt. Vermutlich weil zu langsam und kein »Stampf« im Sound. Ich bin zum Beispiel ein glühender Fan von »a-ha«, aber mit »Take On Me« muss mir echt niemand mehr kommen. Und ich meine auch auf den Gesichtern der drei Norweger immer notdürftig unterdrückte Verzweiflung zu erkennen, wenn irgend ein Interview-Fuzzi zum fünfmillionsten mal diesen Song erwähnt.

          Ich höre übrigens gar kein Radio beim Autofahren. Ich habe mir angewöhnt, auf den Motor zu hören (das geht mit meinem Verbrenner noch), und auf die Straßengeräusche. Erwähnte ich, dass ich so’n Ambient-Fuzzi bin? Hach, herrlich, wenn man mal ein wenig zu weit nach rechts gerät und die weißen Streifen unter den Reifen einen Rhythmus takten.

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    schmudo

    „Fresh News“ sind das ja nun eher nicht. Ich bin Jahrgang 1971 und selbst in meiner Jugend Mitte der 80ziger waren Konzeptalben schon ein Relikt der Vergangenheit. Und auch seinerzeit wurden die Charts zu einem nicht unwesentlichen Teil von Künstlern besetzt, die nur deshalb ein ganzes Album herausbrachten, weil man das halt damals so machte. Man denke nur an Italo-Disco.
    Ich denke damals wie heute war es schwierig, sich über ein Album zu etablieren. Etablieren musste man sich über die Singles, das trifft auch auf Bands wie Police, Depeche Mode oder andere zu. Die richtig etablierten Bands können dann mit Alben als Gesamtkunstwerk brillieren. Coldplay oder Muse können das auch heute noch.
    Mir fällt da eher auf, dass das langfristige Aufbauen von Bands durch Plattenfirmen nicht mehr so wie früher stattfindet, aber auch das ist eine Entwicklung, die schon lange vor Spotify vollzogen wurde.
    Ansonsten ist das Thema eine ganz große „Früher war alles besser“-Falle. Auch als wir jung waren, fanden die Alten unsere Musik degeneriert und sch*** (und sie konnten das auch damals schon für sich selbst schlüssig begründen). Heute sind wir halt die Alten.

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      KallePeng

      Mein erster Reflex war, mal darauf zu verweisen, dass ich beim Eindigitalisieren meiner Vinyl u. CD Sammlung rund 80% verwerfe, weil dass einfach nur Füllsel ist. Sei es Art Of Noise, Human League oder sonst wer, es ging immer nur darum das Album zu füllen.
      Echte Konzeptalben waren ja auch nie wirklich Mainstream. Mike Batt oder Jean-Michel Jarre, die kompositorisch arbeiteten, Themen wie klassische Komponisten erfunden haben und in der Lage waren diese über viele Stücke zu variieren.
      Die wurden aber auch damals schon von ihren Labels komerziell ausgeschlachtet. Die Melodiösen und eingängigen Stücke von Jarre z.B. landeten auf Samplern wie ‚the best of…‘, ‚the very best of…‘ die sperrigen Stücke, die für den Conaisseur zur Spannung und der damit verbundenen Entspannung gehörten blieben immer nur den Insidern aka Käuferen des Gesamtwerkes vorbehalten.
      Aber lustigerweise habe ich gerade heute Nachmittag, nachdem ich hier Mittags meinen ersten Salmon zum Thema abgelassen hatte, auf dem französischen radiostream FipGroove ein schönes 20 Minütiges, meditatives, bongo-konga-Solo in einem tollen Latingroove nebenbei gehört, es ist also durchaus in anderen Gefilden, ausserhalb des deutschen Spotify möglich lange Titel zu präsentieren.

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    KallePeng

    Vollig davon frei, beobachte ich meine heute 8 jährige Tochter, die mit Kinderlieder Sampern von mir ausgewählt und als physikalische Datenträger gekauften CDs aufgewachsen ist. Diese sagte zu mir vor ca. 2 Monaten, so ca. um Weihnachten herum, dass sie meine Musik viel cooler findet. Vor 14 Tagen hat sie ein eigenes Tablet bekommen und weil sie meine Musik so cool findet habe ich ihr kurzerhand meine eigene Musiksammlung mit auf den Speicher kopiert.
    Es hat genau einen Tag gedauert, da hatte Sie ‚Bailando von Loona‘ und ‚Mambo No5 von Lou Bega‘ in Ihrer sehr kurzen Playliste von morgens bis abends geloopt. Zur Auswahl standen 11.500 Handselektierte Titel von mir.
    Das läßt darauf schliessen, dass der von uns ‚Indies‘ verbrähmte ‚Mainstream‘ eben doch etwas hat was die Menschen anspricht.
    Wohlgemerkt, solche Titel befinden sich in meiner Sammlung, um auf Partys, auch die Klientel bei Hochzeiten oder Familienfesten zu bedienen, die man mit ‚anspruchsvolleren‘ Titeln nicht zum feiern bringt.
    Ziel ist es schliesslich, alle irgendwie frohgestimmt und glücklich von einer Party zu entlassen.

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    mudi2000

    Ich denke, dass das Album schon eine Relevanz hat. Ich bin eh schon so alt, dass ich ein klassischer Albumhörer bin und nutze Streaming um all das zu hören, das ich während meiner Jugend verpasst habe :).
    Aber auch bei meiner 18-jährigen Tochter sehe ich, dass sie auf Alben der Künstler, die sie mag, wartet und diese auch dann ganz hört. Ansonsten aber schon eher Playlists.
    Aber war das nicht früher auch ähnlich? Ich habe auch eher MIxtapes als Alben gehört und auch bei Alben meist unterwegs von Cassette, wo ich dann auch nicht immer die Originalreihenfolge hatte oder Lieder, die ich nicht mochte, weggelassen habe…

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    4damind

    Tja, grundsätzlich spielen Alben schon eine immer kleinere Rolle. In Deutschland wurden 2019 nur noch ca. 50 Mio Alben verkauft. In den USA sieht es nicht viel besser aus, da waren es 2019 irgendwas um 120 Mio. Es gibt zwar ein interessantes zurückkommen von Vinyl das sogar in den Verkäufen wohl über der CD liegen soll.. aber das hat sicherlich noch andere Gründe….

    Alben sind zwar nicht tot und spielen bei einigen Künstlern, insbesondere wenn sie mit diesen Alben auch auf Tour gehen, sicherlich noch eine große Rolle. Das große Ding „du musst ein Album produzieren“ ist es aber sicherlich nicht mehr.
    Das liegt natürlich am Streaming, sowohl Audio als auch Video. Die Leute haben immer weniger Lust und vielleicht auch Zeit sich vielleicht mal 1h hinzusetzen und dann ein komplettes Album zu hören.

    Mir ist auch aufgefallen das Künstler vereinzelt auch mal zwischendurch einen einzelnen neuen Track veröffentlichen. Die Tracks werden dann über die üblichen Plattformen verkauft inklusive Bandcamp und werden oft auch an unterschiedliche Labels lizenziert. Es gibt also anscheinend auch nicht mehr diese starre Bindung an ein einziges Label und die Idee immer ein komplettes Album lizenzieren zu wollen. Die Künstler passen sich also auch dem Konsumverhalten an.

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    gaffer AHU

    Ich habe vor ein paar Wochen ein 5-monatiges Probeabo bei Apple Music gestartet. Bisher war Musik hören so, dass ich aus den knapp 100.000 Stücken auf meinen Festplatten irgendwas ausgesucht habe. In der Regel ein ganzes Album. In Apple Music wird, wie auch bei Spotify hauptsächlich in Playlists gedacht. Das führt dazu, dass ich anfangs überhaupt nichts fand, das mich interessierte. Erst wenn der dahinterstehende Algo kapiert, was ich mag, wird das besser.

    Die bessere Alternative ist, in den Musikzeitschriften Besprechungen zu lesen und dann parallel die Musik dazu bei einem Streamer anzuwählen. Da komme ich am besten weiter. Meine Kids machen das komplett anders, da stehen Playlist viel weiter oben. daher denke ich schon, dass Alben keine große Zukunft haben.

    Zur Aufmerksamkeitsspanne würde ich sagen, dass da ein bisschen was dran ist. Ein Titel/Album wie Lark’s Tongues in Aspic mit minutenlangem Geklingel bevor es richtig los geht ist heute nicht mehr denkbar. Allerdings werden die Kids von heute diesbezüglich auch leicht unterschätzt. Viele beissen sich da schon rein. Nur halt nicht albumorientiert.

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    Stephan Merk RED

    Ich denke, dass wir akzeptieren lernen müssen, dass unsere Generation eine andere war. Wir haben die Errungenschaft des Fernsehens kennen gelernt, genauso die Wählscheibe bedient und pro Minute sogar Geld für Kommunikation bezahlen müssen. Einem 10jährigen Kind wird das ebenso seltsam vorkommen, wie uns eine Welt ohne Fernseher oder Radio. Klar kann man kritisch sehen, dass große Konzerne schlussendlich die Trendsetter sind und der Mainstream folgt diesen dann, aber man wird als Einzelner dagegen wenig machen können, siehe Record Store Day oder was auch immer. Ich denke, dass entweder gute Musik unbezahlbar wird und einer gut betuchten Minderheit vorbehalten bleibt, oder man muss eben mit diesem Trend gehen. Es ist ja auch toll, dass heute jeder Künstler die Möglichkeit hat, mit geringem Budget seine Titel weltweit zu verteilen. Aber wer hauptberuflich davon leben muss, kann das auf diese Weise vergessen. Es sei denn, man wird entdeckt und spielt nicht, was einem gefällt, sondern was in diesen Mainstream passt, wie es die Radiosender auch machen, außer abends vielleicht noch.

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    Woody

    Hi Stephan, großflächig vermarktet wurde die Musik bereits seit dem Verkauf von Tonträgern wie etwa Schellack-Platten; ja, und mit den Generationen veränderte sich die Technik und zugleich die Vermarktung.

    Durch die Schellack-Platte und später durch das Radio kam ein Großteil der Bevölkerung ja überhaupt erst in den Genuss, Musik von großen Künstlern zu hören und etwas mehr über den musikalischen Tellerrand zu horchen, wobei die Betonung hier auf Genuss liegt.

    Ich weiß nicht, welche Studien es sonst noch so gibt, aber die Ergebnisse der Studie zur Aufmerksamkeitsspanne junger Menschen halte ich soziologisch betrachtet, insgesamt für bedenklich – ob bezüglich der Aufmerksamkeit für Musik oder etwa für komplexere Zusammenhänge in Texten (fake-news). Das Problem an solchen Studien ist: sie werden nicht primär soziologisch und oder kulturell, sondern primär marktwirtschaftlich betrachtet und ausgewertet. Beispiel: „Skipping Culture“

    Irgendwann in der Geschichte betitelte man u.a. auch den Musikliebhaber als Konsument, und der Konsument mutierte mit der Zeit fast ausschließlich zu einem solchen; er ist kein Musikliebhaber mehr, sondern viel mehr Konsum- bzw. Einwegliebhaber, also jemand, der Zeit und Aufmerksamkeit schnell für Verschwendung hält. Ich glaube, in vielerlei Hinsicht ist dabei der Genuss und vermutlich noch ’ne Menge mehr auf der Strecke geblieben.

  23. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Wir haben neulich ein Konzeptalbum als VinylOnly gemacht, um diesen Trend, zumindest mal mit einem Release symbolisch entgegenzutreten…

    Tatsächlich kaufe ich mir alle Alben die ich als Gesamtkunstwerk interessant finde auf Vinyl. Vinyl hat mich zurückgeführt zum Alben hören und genießen – ganz ohne push notifications zwischendrin.

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