AMAZONA.de

Interview: Robert Schroeder, EM-Musiker der ersten Stunde – Teil 1


Klaus Schulze verhalf zum Karriere-Kick

Robert Schroeder 1981 Live in Oberhausen

Robert Schroeder 1981 Live in Oberhausen

Robert Schroeder, geboren 1955 in Aachen, gehört zu den Pionieren der EM-Musik und ist uns als Interviewpartner in den Sinn gekommen, als wir vor wenigen Wochen sein neues Album AMBIENT OCCLUSION zugesandt bekamen. Ein wenig Web-Recherche und schon kamen spannende Details zu Tage, wie die Tatsache, dass er seinen zweiten Sohn nach Klaus Schulze benannt hatte und ihm dies darüber hinaus zu einem enormen Karriereschub verhalf. Unser Interesse war also geweckt – und wir wurden nicht enttäuscht. Robert Schroeder ist mit gut sechzig Jahren immer noch so umtriebig wie in seiner Jugend und kann die Finger nicht von den Tasten lassen.

Peter:
Hallo Robert, du bist seit gefühlt einer kleinen Unendlichkeit Komponist elektronischer Musik – um das erst mal ganz weit zu fächern. Ich möchte das Interview gerne beginnen mit einem einschneidenden Erlebnis, der Geburt Deines zweiten Sohnes, den du nach deinem musikalischen Vorbild Klaus Schulze, Klaus genannt hast. Wow! Demnach müsste einer meiner Söhne heute Vangelis Grandl oder Kraftwerk Grandl heißen.

Robert:
Hi Peter, ja, daraus lässt sich unschwer schließen, dass die Idole in meiner Jugend stark genug waren, meine Kinder zu Ehren dieser Künstler auch so zu benennen. Mein ältester Sohn Marc wurde seinerzeit ebenso nach Marc Bolan benannt.
Und in dem speziellen Fall bei meinem jüngeren Sohn Klaus war es tatsächlich ein einschneidendes und entscheidendes Ereignis, das von da an mein ganzes zukünftiges Leben bestimmt hat. Der Erfolg meines Lebens als Musiker konnte tatsächlich nur funktionieren, weil eine Reihe von bestimmten Komponenten zur richtigen Zeit und am richtigen Ort zusammen trafen. Und das war in meinem Fall glücklicherweise so.

Peter:
Na dann erzähl mal.

Robert:
Es war 1977, ich war fanatischer Fan von Klaus Schulze und von dieser Art Musik und natürlich besuchte ich Schulze-Konzerte und schrieb ihm auch hin und wieder einen typischen Fanbrief.

Mit dem Ziel, selbst auch solche Musik machen zu wollen, baute ich schon seit ein paar Jahren meine ersten Synthesizer. Ich wollte Synthesizer und Geräte für Musiker und Tonstudios bauen und sah Klaus Schulze da als ideales Sprungbrett. Dazu musste ich ihn persönlich kennenlernen. Berufsmusiker war zu dieser Zeit noch nicht mein Ziel.

Robert Schroeder heute in seinem eigenen Studio

Robert Schroeder heute in seinem eigenen Studio

Glücklicherweise stand zu dieser Zeit die Geburt meines Sohnes kurz bevor. Klaus Schulze gab am 17.9.1977 ein Konzert in der Grugahalle in Essen, die Eintrittskarte habe ich noch heute. Da wollte und musste ich unbedingt hin. Mit meiner damals hoch schwangeren Frau sind wir dann in einem ziemlichen kaputten VW-Käfer zu diesem Konzert nach Essen gefahren. Mein Plan war, Schulze nach diesem Konzert einfach anzusprechen. Mein Traum war, ihn als Taufpaten für meinen kommenden Sohn zu gewinnen und ihn so auf diesem Wege persönlich kennenzulernen. Und so klappte das auch.

Nach dem Konzert war Schulze von einer Menschentraube umstellt und ich rief durch die Menge zu ihm: „Klaus, mein Sohn wird in Kürze geboren, ich würde mir dich zum Taufpaten wünschen.“ Diese Idee fand er spitze und sagte tatsächlich spontan zu. Ich konnte es kaum glauben. Damals wohnte Klaus in Berlin und ich in Aachen und mein Idol und Gott wollte nur wegen der Taufe meines Sohnes nach Aachen kommen. Und tatsächlich, er war gekommen.

1 2 3 4 5 6 7 >

  1. Profilbild
    Synthfreak ••••

    Ich finde diese Interviews am Wochenende echt interressant. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass diese gesamte Website für den Nutzer kostenlos ist, ist das ein super Service.
    Bitte weiter so.

  2. Profilbild
    Son of MooG AHU

    Dito. Das Bild mit der Heimorgel auf Seite 4 erinnerte mich an ein verschollenes Foto meines „Equipments“ von 1977: Eminent Orgel mit Akai Bandmaschine und ein alter Bass-Verstärker (Marke vergessen).

  3. Profilbild
    costello RED

    Von der Dash-Bass Drum zum Midi-Akkordeon. Robert Schroeder ist wirklich EM-Urgestein. Bei youtube findet sich einiges von ihm: Vom Mellotron-Bombast früherer Tage bis zu aktuelleren Sachen, die teilweise ziemlich chillig klingen. Schönes Interview!

  4. Profilbild
    dilux AHU

    dass der mann im besten sinne oldschool ist, beweist der atari-monitor in seinem heutigen studio :)
    IC war übrigens auch das erste label von ideal, da wurde musikalisch also wahrlich ein weiter bogen gespannt…

  5. Profilbild
    • Profilbild
      RS

      Hi Iggy, schön, dich hier zu treffen.
      Das mit dem PPG war wohl ein Fehler der Redaktion … ist natürlich der Wave.2 …
      War schon ein feines Teil …

  6. Profilbild
    lightman ••••

    Kurzweiliges Interview, freue mich auf eine Fortsetzung. Schulze und Schroeder sind musikalisch nicht ganz mein Ding, ihr Werdegang in der EM-Szene ist jedoch beispielhaft, und wer Synthies nicht nur spielen, sondern auch selbst bauen kann, hat bei mir sowieso schon mal einen schweren Stein im Brett.

    Den Spirit des Selbermachens halte ich immer noch hoch, vielleicht nicht auf Bauteilebene, dafür aber umso mehr bei der Nutzung elektronischer Instrumente, die es nicht ins Rampenlicht oder Sammlerregal geschafft haben und daher auch für finanziell Unterbeeimerte wie mich bezahlbar sind. Die damit verbundenen Kompromisse werden durch kreatives Gebastel wieder wettgemacht. Das geht natürlich nicht so glatt ins Ohr wie Peter Alexander (schöne Grüße an Loriot), erfreut aber mein Musikerherz, das dem Sound der Hinfälligkeit schon immer mehr abgewinnen konnte, als seidiger Finesse. Das ist es, was ich aus den Anfangstagen der Szene mit in meine Jetztzeit nehme, und dafür danke ich den Pionieren aus jenen Tagen aus der Tiefe meines Herzens, ganz gleich, welche Musik sie auch machten und noch machen.

    • Profilbild
      RS

      hallo lightman,
      manchmal weiß man eben nicht, ob einem die Musik besser gefällt, oder die Technik dahinter. Für mich ist beides interessant und hat mir Lebensinhalt gegeben. Und dein Satzt stimmte auch bei mir: „Die damit verbundenen Kompromisse werden durch kreatives Gebastel wieder wettgemacht.“

  7. Profilbild

Kommentar erstellen Kommentar erstellen Leser-Story erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.

Über den Autor

Bewertung

Interview: Robert Schroeder, EM-Musiker der ersten Stunde – Teil 1

Bewertung: 0 Sterne Bewertung des Autors
Leserbewertung: 5
Jetzt anmelden und dieses Produkt bewerten.

Aktion