Blue Box: Roland System 700, Analoges Modularsystem Teil 1

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Das 700 hört man sehr oft in Produktionen von Mute Records. Daniel Miller hatte offenbar so ziemlich alle Acts bis weit in die Neunziger damit versorgen können – es stand im Mute-Studio und die Produzenten arbeiteten damit – Gareth Jones ist einer von ihnen.

Ich habe mir mal den Spaß gemacht, mit dem iPhone 4 ein schnelles Video zu machen, vielleicht erkennt der ein oder andere ja den Song – inspiriert von Daniel Miller. Das Original wurde allerdings mit einem MS-20 gemacht. Hier kommt das 700er zum Einsatz (Bandpass Filter) für den „Bassbereich“ und das 100m, welches nicht ganz so breit klingt. Den Versatz des Mannes mit der Nase bitte ich durch die Spontaneität des Augenblicks zu entschuldigen, ebenso alles andere (Qualität, hochkant etc.)

Daniel Miller war immer der Mensch, der bei den Bands für Technik „warb“ (laut eigenen Aussagen). So finden sich die Sounds von Depeche Mode über Vince Clarke/Erasure und sehr stark die von Nitzer Ebb auf vielen Synthpop und EBM Alben wieder – in vielen Fällen sehr starke Bässe, Leadsounds und Effekte. Diese auch weit über die große Zeit der Analogen hinaus, während man auf Sampler und FM-Synthese aus den DX-Synthesizern setzte. Der Einsatz bleib offenbar zeitlos bestehen. Human Leagues Dare Album (mit „Don’t you want me“) durch den Produzenten Martin Rushent offenbar ebenfalls mit System 700 Sound bereichert. Der Roland Sound prägte zwar die beiden Dekaden vor dem Jahrtausendwechsel maßgeblich, jedoch hatten die wenigsten diese Möglichkeiten. Schließlich war das System fünfstellig bepreist und deshalb konnten auch die meisten Musiker es auch nur preisen aber nicht nutzen und griffen auf die SHs, Junos oder Jupiter Serie zurück.

Fazit

Insgesamt sind die Module im Vergleich zu dem, was es für Euro-Racks heute gibt, sicher „konservativ“ zu nennen. Einen vergleichbaren Klang gibt es allerdings besonders zu Moog und dem System 700 kaum in Euro-Größe. Vorweg nehmen für den zweiten Teil kann man jedoch, dass die Verhaltenswerte von Oszillatoren, Hüllkurven-Fähigkeiten (Zuschnappfaktor), Grundklang, Filterverhalten und den VCAs neben anderen Modulen sicher bescheinigen, es mit einem sehr guten langfristig hochwertigen System zu tun zu haben. Beschwerden wird es eher bei der Beschaffung und den Preisen geben. Die Qualität des Systems selbst ist hoch. Man findet heute nicht mehr viel in dieser Schwere und Qualität. Inzwischen kann man leider froh sein, wenn man vierstellige Eurosummen für eine Main Unit ausgeben kann. Einzelne Seitenflügel oder ähnliches bekommt man seltener angeboten. Wenn das jedoch so ist, so lohnen sich auch genau die Oszillator und Filter-Bank, denn auch damit hat man ein sehr beachtliches System zusammen, mit dem man gut arbeiten kann. Die Hauptflügel, das Main Cabinet oder Lab Unit liegen finanziell alle grob an der 10k€ Grenze. Hier kommt es eher darauf an, dass man es überhaupt angeboten bekommt. Die meisten dieser Art Synthesizer bekommt man „unter der Hand“. Freunde und „Synthesizer-Szene“ mit Hang zu Veränderungen stoßen sie meist eher aus finanziellen Gründen ab. Ein ganzes System mit allen Elementen wird selten unter 20k€ angeboten.

Hier noch historisches Bildmaterial vom Synthesizerstudio Bonn, das komplette System kostete damals 40.000 DM, was die Kosten mehrerer (4 bis 5) Kleinwagen wie dem damaligen VW Golf entsprach. Mit bestem Dank an Dirk Matten, die Anzeige im FACHBLATT vom April 1978 und das weitere Foto hier verwenden zu dürfen.

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Im zweiten Teil wird es eine genaue Betrachtung der einzelnen Module geben und die Unterschiede zwischen ähnlichen Modultypen beleuchtet.

Plus

  • sehr guter Klang
  • durchdachtes Patch-Konzept / Prepatching - spart Kabel

Minus

  • selten

Preis

  • je nach Konfiguration, pro Cabinet ca. 7.000 bis 10.000 Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    mdesign  

    spannendes thema, umfangreicher artikel, viele details. sprachlich an einigen stellen leider sehr unverständlich. grammatik ist auch keine stärke des autors.

    2 beispiele:

    ‚Allerdings sind zusammen die beiden Hauptseitenflügel ebenso wie ein gutes System anzusehen.‘ – ???

    ‚Neben dem System 100m baute Roland nie wieder Modularsysteme. Somit sind nur das 100m und 700 wirklich modular.‘ – ???

    • Profilbild
      moogulator  RED

      Dann dazu:

      1) Die Seitenflügel: Sollte man es schaffen die VCO und die VCF/VCA Bank ohne andere Module zu besorgen, so ist das ähnlich sinnvoll zu nutzen wie eine Lab-Unit

      2) Roland baute 2 wirklich modulare Systeme:
      -A) System 700
      -B) System 100m
      – C) und das halb offene System 100, welches eben nur Teile nach außen zugänglich macht.

      vielleicht tröstet es ja etwas.

  2. Profilbild
    Ishido

    danke für den bericht…aber bitte wenn möglich, textlich überarbeiten.das hat mich ab der zweiten seite ziemlich angestrengt ;)

  3. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Aussagekräftige Hörproben jenseits Filterblubber, Geräusch oder Kleinkind Melodie wären ebenfalls nett.
    Was mitunter hier als Klangbeispiel geboten wird lässt jeden Musiker mit Fassungslosigkeit zurück.
    Musik ist Melodie und Harmonik!

    • Profilbild
      jaxson  

      Machs erstmal besser…Anscheinend weiß kaum einer zu schätzen, was hier inhaltlich hier geboten wird,…wahrscheinlich gehörst du auch zu den Leuten die einen Synthesizer nach Presets beurteilen…

      • Profilbild
        Klaus Joter  

        Ach Gottchen – was für eine Antwort! Wenn ich auch nicht komplett mit der Aussage von „knutinge“ übereinstimme, kann ich bei dieser Antwort nur feststellen, dass sie auf eine typische Weise durch Extrempositionen einen Vorschlaghammer zu imitieren versucht.
        „Mach´s erst mal besser“ – nein, das muss er nicht, denn er hat lediglich Kritik geäußert und das entbindet ihn per se von jeder Beweispflicht, es besser machen zu können.
        “ …. wahrscheinlich gehörst Du auch zu den Leuten, die Synthies nach Presets beurteilen“ – das kommt in diesem Umfeld natürlich einem vernichtenden Urteil gleich. Aber erstens: warum muss man auf eine Kritik derartig unsachlich und spekulativ antworten?
        Und zweitens: was hast Du gegen Preset-Spieler? Ich gebe gerne zu, dass ich seit längerem einfach nicht mehr die Zeit habe, endlos lange an Synthies zu schrauben, weil ich es vorziehe, zu üben und zu komponieren. Beides ist mE deutlich wichtiger für einen Musiker als das Schrauben. Erfolgreiche Musiker schrauben übrigens meistens gar nicht mehr, sie lassen nämlich von Sound-Designern schrauben.

  4. Profilbild
    Wavemaster  

    Hallo allerseits,

    den Artikel selber kann man schon mal als recht umfassend ansehen. Was es nützt, da einen Teil 2 mit Beschreibung der einzelnen Module hinterher zu schieben, ist vom Sinn her fragelich. Schliesslich kann man die Teile nicht mehr ohne weiteres käuflich erwerben.

    Mir persönlich fehlt jedoch der wesentliche Hinweis, dass die Qualität der Baugruppen und vor allem die Stimmstabilität der insgesamt neun Oszillatoren einem Moog System um Quanten voraus sind.

    Wer einen derart ausführlichen Bericht über das System 700 abfasst, dürfte es somit einige Zeit zur Verfügung (gehabt) haben. Da verwundert es dann schon, welche bescheidenen Hörproben erstellt wurden.
    Schon alleine der Bereich Sample & Hold in Verbindung mit diversen sich gegenseitig modulierenden Quellen stellt schon für sich einen gewaltigen Kosmos dar.

    • Profilbild
      nativeVS  AHU

      Auf die qualität der baugruppen kann man bei dem system 700 nicht oft genug hinweisen, denn die sind wirklich erste klass. Vor allem macht das System 700 alles sehr präzise, es könnte quasi als referenzsynth genutzt werden.

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