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Test: Magix Samplitude Pro X7, Digital Audio Workstation

Samplitude geht in die 7. Runde

25. Juli 2022
magix samplitude pro x7 test

Magix Samplitude Pro X7, Digital Audio Workstation

Magix Samplitude Pro X7 nahm 1992 bei SEK’D damals noch auf einem Amiga seinen Anfang. Bereits vor dem neuen Jahrtausend kam Magix ins Boot. Heute – dreißig Jahre später – gibt es Samplitude nur noch für den Windows-Rechner. (Zugegeben: Die Amiga-Version Samplitude Opus wird noch privat weiter gepflegt.) So gesehen ist Magix Samplitude Pro X7 die „Anniversary“-Edition.

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Magix Samplitude Pro X7

Wie immer erscheint Samplitude in drei Editionen: Samplitude Music Studio 2022, Samplitude Pro X7 und Samplitude Pro X7 Suite. Wer es ganz genau nimmt, muss noch Sequoia hinzurechnen. Hierbei handelt es sich um die ganz große Version von Samplitude für den gehobenen Anspruch und das große Portemonnaie: Immerhin will Magix mit 3.000,- Euro für den Erwerb entlohnt werden. Das Music Studio 2022 wurde bereits im letzten Jahr mit Samplitude Pro X6 veröffentlicht.

Magix Samplitude Pro X7

Was ist neu in Samplitude Pro X7?

Zum 30. Geburtstag von Samplitude wurde die Bedienoberfläche renoviert, so dass es ab sofort eine dunkle und eine helle Version gibt, der Mixer und der Plug-in-Browser sind nun frei andockbar, externe Hardware-Effekte lassen sich wie Plug-ins einbinden und VST-MIDI-Plug-ins werden nun unterstützt.

Es gibt bei den beiden großen Versionen etliches an Software dazu, bei der Suite sogar Spectral Layers von Steinberg. Die Grafik-Engine soll laut Magix auch deutlich effizienter und schneller (bis zu 20x) ausfallen. Seien wir gespannt:

Magix Samplitude Pro X7

Der erste Eindruck ist erstmal gut!

First Look mit Magix Samplitude Pro X7

Die Installation mutet so an, als ob SEK’D noch mit im Boot wäre und die 90er noch nicht allzu lange her seien. Allerdings nur optisch, ansonsten läuft der Prozess so schnell und einfach durch, wie bei den Marktbegleitern auch, evtl. sogar etwas besser. Die 3rd Party Software lässt sich dabei sehr einfach in einem Rutsch mitinstallieren. So geht das! (Hoffentlich wird in Hamburg, Berlin und Burlington mitgelesen?)

Magix Samplitude Pro X7

Melodyne kommt etwas umständlich ins Spiel, die anderen ARA-Plug-ins erscheinen nicht

Nach dem Start zeigt sich Magix Samplitude Pro X7 allerdings allzu vertraut, denn die Oberfläche ist kaum im Hier und Heute angekommen. Vergleicht man mit den Branchen-Primi, lautete das Fazit: Chance verpasst.

Nicht verschwiegen werden sollte, dass dieser Look und die daraus resultierende Bedienungs-Philosophie auch Jünger und Anhängerinnen unter uns Audiologen hat. Die Welt der GUI ist nur oberflächlich betrachtet schwarz oder weiß. Mehr Übersichtlichkeit und eine klarere Struktur wären nichtsdestotrotz wünschenswert.

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Magix Samplitude Pro X7

Gute Effekte!

Während Pro Tools, Cubase/Nuendo, StudioOne und so manch anderer Sequencer – für die, die bereits Vorerfahrung haben – relativ gleich die wichtigsten Funktionen offenbart und nach sehr kurzer Orientierungsphase recht zeitnah losgelegt werden kann, ist Samplitude anders. Die Orientierungsphase dauert im Allgemeinen etwas länger und so braucht es eine Weile, bis dem Sequencer ein erster Ton zu entlocken ist. Das ist zugegebenermaßen jammern auf ganz hohem Niveau – immerhin startet man nicht täglich mit einer neuen Software durch – aber die meisten Marktbegleiter sind hier etwas besser.

Magix Samplitude Pro X7

Das virtuelle Rack: Plug-ins

Magix Samplitude Pro X7 liefert die Independence Library mit. Das Music Studio nur die 2 GB Variante (Independence Standard), Pro X7 kommt schon auf 12 GB (Independence Pro Plus Suite) und die Pro X7 Suite kann mit 70 GB (Independence Pro Premium Suite) aufwarten. VITA-Instrumente bietet das Music Studio 32 Stück, Pro X7 ganze 21 und die Suite 47 Stück. Natürlich sind die „alten“ VSTi als Legacy-Version ebenso mit dabei. Hier gibt es also ordentlich was fürs Sauerverdiente.

An Effekt-Plug-ins wird einiges mitgeliefert und natürlich werden VST2, VST3 und ARA2 Plug-ins unterstützt. Der ARA2-Support ist tadellos (da hatten Marktbegleiter durchaus auch mal Probleme) bei Pro X7 und der Suite liegt Celemony Melodyne 5 essential bei, so dass gleich eifrig getestet werden kann. Leider ist damit auch der ARA-Support zu Ende. Meine anderen ARA-Plug-ins wurden nicht in Samplitude angezeigt, obschon das funktionieren sollte, laut Support -> bitte nachbessern.

Magix Samplitude Pro X7

Neu ist in diesem Update, dass nun externe Hardware-Effekte wie Plug-ins eingebunden werden können. Keine Raketentechnik, das haben andere schon sehr viel länger, aber Samplitude eben jetzt auch.

Um einen Hardware-Effekt aus dem heimischen Rack zu nutzen, muss einfach das Plug-in „External FX“ in den Insert-Slot (oder auf den Clip) gezogen werden. Nun müssen noch die jeweiligen Ein- und Ausgänge der Audio-Hardware angegeben werden, fertig.

Das funktioniert gut, geht aber deutlich eleganter: In Cubase lassen sich beispielsweise externe Effekte und Instrumente anlegen, denen die Ein- und Ausgänge fix zugewiesen werden. So kann nun diese externe Hardware wie ein Plug-in geladen werden. Diese Lösung kommt allerdings an Grenzen, wenn mehr als nur ein externer Effekt in die Chain geholt werden soll, dann wird das Audiosignal dauernd zwischen Rechner und FX-Rack hin- und hergeschickt. Gerade in Kombination mit einem Steckfeld ist die Lösung in Magix Samplitude Pro X7 der Steinbergschen eher überlegen. Trotzdem wäre es ein nettes Feature, wenn auch fest zugewiesene „externe Plug-ins“ möglich wären. Aber: Es muss ja noch was zum Wünschen bleiben.

Magix Samplitude Pro X7

Optisch wirkt der Kompressor schon etwas „in die Jahre“ gekommen

MIDI-Plug-ins in Samplitude Pro X7

Ganz neu in diesem Update ist der Support von VST-MIDI-Plug-ins. Auch das ist nicht gerade eine Weltneuheut und auch teilweise wieder in Vergessenheit geraten, das aber vollkommen zu Unrecht. MIDI-Plug-ins gibt es leider viel zu wenige. Manche Sequencer liefern ein paar mit, aber 3rd Party gibt es vergleichsweise wenige, wenn direkt mit den Audio-Kollegen verglichen wird. So bekommen wir einen Arpeggiator, Mini-Sequencer und Chord-Utilities. Humanizing ist auch möglich, da geht aber noch mehr. Hoffentlich nehmen sich einige Entwicklerinnen und Entwickler dieses Update zum Anlass und schaffen ein paar nützliche Plug-ins für die MIDI-Ebene. Ideen wären da!
Die vorhandenen MIDI-Plug-ins tun, was draufsteht und funktionieren zuverlässig. Echte Innovation ist hier jedoch nicht zu finden.

Magix Samplitude Pro X7

MIDI? Kein Problem!

Workflow-Verbesserungen in Samplitude Pro X7

Der Export-Dialog wurde strukturell verbessert. Die Optik ist aufgeräumter und es ist alles übersichtlich in einem Dialog untergebracht. Musste früher bereits im Menü das Zielformat für den Export gewählt werden (MP3, Wav …), ist nun alles in einem übersichtlichen Dialog zu finden. Presets können auch angelegt und diese direkt ausgeführt werden, sehr hübsch. Das gibt es bei dem ein oder anderen Marktbegleiter auch, jedoch nicht so formvollendet.

Magix Samplitude Pro X7

Links der Dialog von Samplitude Pro X6, rechts von Version 7

Der Mixer und das Plug-in-Fenster können nun angedockt werden. Einige Kollegen haben das schon seit Geburt, Cubase hat es vor ein paar Jahren nachgerüstet und Pro Tools hat es gar nicht. Generell ist das „alles-in-einem-Fenster“ GUI nicht jedermanns Sache. Hier ist es eine Option, kann, aber muss nicht. Daher: gut.

Magix Samplitude Pro X7

Einfacher Synthesizer, aber klanglich geht er in Ordnung

Die Crossfade-Editoren aller Sequencer und Audio-Programme sind in den letzten Jahren – einer nach dem anderen – deutlich aufgewertet worden. Mir ist das eher ein Rätsel, bin ich doch einer der Genügsamen, wenn es um Crossfades geht. Weder bin ich das Maß der Dinge, noch ist jeder Workflow gleich und so hat man bei Magix auch den Crossfade-Editor einer Renovierung unterzogen. Dabei war der Vorgänger auch kein kleiner Dialog und bot durchaus Optionen. Jetzt sind die Settings auch noch als Snapshots abrufbar, sehr bequem.

Magix Samplitude Pro X7

Links der Crossfade-Editor aus Version 6, rechts Version 7

Generell scheint der Workflow allerdings nicht so auf der Höhe der Zeit zu sein. Zwar wurde das GUI überarbeitet, modernisiert und bietet jetzt einen hellen und einen dunklen Skin, doch die Oberfläche erinnert noch immer an die ersten Versionen und an Windows-Inkarnationen der vergangenen Jahre.

Magix Samplitude Pro X

Magix Samplitude Pro X

Einige Plug-ins sind optisch einfach stehengeblieben, teilweise auch funktionell: Der EQ116 ist sehr gut, aber die Bedienung ist nicht ganz modern und High-/Low-Cut mit maximal 36 dB/Okt Flankensteilheit ist auch etwas flach, schade. Die Menüstruktur ist nicht immer ganz nachvollziehbar. Damit ist Samplitude aber nicht die Speerspitze des Geschehens. WaveLab 6 war – durch die hinzugewachsenen Funktionen – deutlich unintuitiver. Allerdings wurde in Hamburg die Konsequenz gezogen und das GUI zweimal komplett renoviert, das wäre Magix Samplitude Pro X7 auch zu wünschen.

Magix Samplitude Pro X7

Hier kommt der Mixer!

Zwar zieht Magix in dieser Version mit Features nach, die andere schon länger mit an Bord haben, andererseits gibt es auch ein paar Dinge, die Magix Samplitude Pro X7 bereits seit etlichen Jahren mitbringt. So gibt es schon „immer“ Clip- UND Spur-Effekte – ein komplett non-destructive Workflow. Auch das Editing direkt während der Aufnahme ist möglich. Ob das notwendig ist, sei dahingestellt. Wichtiger wäre ein Smart-Tool zum Editing – wie in ProT ools – oder eine Toolbox – wie in Cubase. Intuitives Editing ist definitiv anders als hier in Samplitude.

Magix Samplitude Pro X7

Sicherlich wird die eine oder der andere nicht jedes dieser neuen und alten Features für lebensnotwendig erachten, aber Samplitude kann’s; Punkt. Dafür kann Samplitude auch manches nicht, schade.

Magix Samplitude Pro X7

Unverständlich ist hingegen, dass Samplitude noch immer ein reines Windows-Dasein fristet. Selbst WaveLab (ich habe mir jahrelang auf der Musikmesse in endlosen Argumentationsketten erklären lassen, warum es WaveLab niemals, auf überhaupt gar keinen Fall für den Mac geben könne) und FL Studio haben den Schritt zum Apfel unbeschadet überstanden. Jetzt wäre Magix an der Reihe.

Fakt ist: In der Musik- und Medienproduktion kommen beide Betriebssysteme vor, also sollten beide Märkte bedient werden. Ein wirklich nicht kleiner Minuspunkt.

Ebenfalls ein Minuspunkt ist, dass Magix Samplitude Pro X7 leider keine Macros oder gar Skripte im Angebot hat. Das machen andere besser, bei Magix gibt es Macros erst ab Sequoia, ebenso wie Mehrkanalton, der über 5.1/6.0 hinausgeht.

Magix Samplitude Pro X7

Sehr bemerkenswert ist, dass bei Magix der Faden zur 32 Bit Ära noch nicht ganz abgeschnitten wurde: So lassen sich in der 64 Bit Version von Samplitude noch immer alte 32 Bit Plug-ins integrieren, dank einer funktionierenden VST-Bridge. Andere Sequencer hatten diese Schnittstelle bereits vor Jahren geschlossen; Magix kann und weiß es besser: bravo! Auf Nachfrage wurde bestätigt, dass weder der VST2-Support noch die VST-Bridge ein Enddatum haben!

Wer die Programmhilfe aufruft, bekommt ein Flashback in die Windows 95 Ära, das geht besser!

Magix Samplitude Pro X7

Magix, ist das euer Ernst? Die Programmhilfe ist technisch aus den 1990ern!

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Fazit

Magix Samplitude Pro X7 ist ein Schritt in die richtige Richtung. Der Update-Preis geht in Ordnung, wenn auch gerade so. Die fehlende Mac-Version schmerzt ein wenig und die Oberfläche bedürfte der Generalüberholung – ganz stringent wirkt diese nicht immer. Etliche Features kommen (zu?) spät ins Geschehen, sie kommen aber (endlich) an Bord. Surround ist bei Samplitude schon lange ein Thema, wenn auch nicht sehr komfortabel. Die mitgelieferten Plug-ins können überzeugen und die virtuellen Instrumente gehen in Ordnung. Kaufempfehlung für alle Samplitude-User, alle anderen sollten mindestens einen genauen Blick riskieren.

Plus

  • zusätzlich gelieferte 3rd Party Software
  • Perpetual Licence (kein Abo-Zwang, wohl aber die Option)
  • Bemühung um Barrierefreiheit
  • externe Effekte wie Plug-ins
  • Stabilität
  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • 32 Bit Bridge ist noch integriert und läuft stabil

Minus

  • nur für Windows lieferbar
  • Oberfläche nicht sehr intuitiv
  • keine Macros
  • ARA-Support scheint unvollständig

Preis

  • Samplitude Pro X7 - Vollversion: 389,- Euro (Boxed), 279,- Euro (Download)
  • Samplitude Pro X7 - Upgrade: 189,- Euro
  • Samplitude Pro X7 Suite - Vollversion: 579,- Euro (Boxed), 419,- Euro (Download)
  • Samplitude Pro X7 Suite - Upgrade: 289,- Euro
  • Samplitude Music Studio 2021: 69 ,- Euro
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Forum
    • Profilbild
      Florian Scholz RED

      Finde ich nicht! PDF kann ich flexibler untersuchen, mir auf ein iPad (…) laden und ob die alte Hilfe auch noch sicher ist (in Bezug auf Patches durch MS) ist auch so ein Thema!

      LG
      Florian

  1. Profilbild
    Neogeo

    Die Software wirkt irgendwie wie eine Freeware-DAW. Mich wundert das schon etwas, bei so einer Firma wie MAGIX. Wird ja jetzt kein Einmannbetrieb sein.
    Aber vielleicht haben die eben diese eine Fangruppe, die die Software auch genau so haben möchte, wer weiss. Aber neue Kundschaft anlocken wird in der Form schwierig werden.

  2. Profilbild
    SoundForger2000

    Und ich wette, es gibt immer noch keine Amplitudenstatistik !

    … aber wen interessieren schon Pegel in der Audiotechnik. ;-)

    Bin auch gespannt, wann es das erste Update dazu geben wird, da sicherlich wieder 3 Dutzend Bugs vorhanden sind.

  3. Profilbild
    ollo

    Samplitude X3 Suite habe ich 2018 für 149$, also ca 126€ neu gekauft, dabei waren noch Soundforge 12 und SpectraLayers 4. So einen Deal gab es irgendwie nie wieder, bisher waren selbst die Updates auf die aktuelle Version immer noch teurer.

    • Profilbild
      2r2n

      Stimmt nicht ganz. Dank Corona gab es Samplitude X4 Pro Suite im Juni 2020 für 149€ anstatt 599€. Soundforge und SpectraLayers waren glaub ich auch dabei. Plus Independence Library mit 70 GB. Da hab ich mal zugegriffen.

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