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Test: Red Panda Bitmap V2, Bitcrusher-Pedal

23. Januar 2021

Distortion Sounds und Vintage Bits

Wer meine Tests ab und zu liest, weiß um meine Schwäche für Red Panda. Zugegeben, die Pedale sind nicht jedermanns Sache, aber als Kreativwerkzeuge und inspirierende Klangmaschinen stehen sie neben Chase Bliss Audio, Meris und Hologram Electronics meiner Meinung alleine auf weitem Feld. Persönlichen Geschmack außen vor, muss man den Geräten mindestens eine hervorragende Klangqualität, eine grundsolide Verarbeitung und einen Reichtum an Klangoptionen attestieren.

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Das große Manko der Red Panda-Pedale ist die etwas umständliche Stereo-Handhabe. Für Hallpedale wie das Context V2 sind diese erweiterbaren Monoklinken nicht ideal und auch das Particle V2 geht das Thema genauso an. Stereoklinken fährt das Bitmap V2 leider auch nicht, dafür erweitert die aktuelle Version das Prinzip des Vorgängers clever und umfassend und rechtfertigt somit die Neuauflage – wie es bei allen V2-Pedalen der Firma bislang der Fall war. Ich gebe zu, dass ich aus persönlichen Gründen nach wie vor am ersten Particle festhalte, obwohl das V2 im Grunde das bessere Pedal ist. Trotzdem hat das Particle V2 in manchen Modi einen Charakter, den ich nicht mehr missen möchte. Die erste Bitmap-Version habe ich persönlich nie probiert – meine Bitcrusher Suche endete mit dem Ottobit von Meris, aber wir sind mehr als gespannt, dem Sound der Neuversion des Distortion- und Bit-Pedals auf den Zahn zu fühlen – für Gitarre, Synthesizer und Drum-Maschine.

Red Panda Bitmap V2 – Bitcrushing und Samplerate-Distortion

Gleich vorweg – eine exakte Gegenüberstellung sämtlicher Features mit denen des Vorgängers wird das nicht. Wir gehen das Bitmap V2 völlig frisch an. Ein grundlegender Unterschied dürfte der sein, dass die zwei Mod-/Crush-Modi ausgetauscht wurden durch einen flexibleren Ansatz, der unter anderem mit Schwingungsfaltung/Envelopes und automatisierten Cutoffs arbeitet. Ganz typisch für Red Panda also – ein bisschen komplizierter als ein herkömmliches Pedal, das Ganze. Aber der Reihe nach.

Wie immer gilt: Topverarbeitung ist bei Red Panda fast schon eine Selbstverständlichkeit. Der robusten Metallhülle liegt ein mattes Frontpanel auf. Das Design ist schlank, die Pedale bei aller Dichte sehr kompakt und Pedalboard-freundlich (120,6 x 77,5 x 63,5 mm). Die grundlegenden Features unterscheiden sich im Grunde nicht von den anderen V2-Pedalen: USB-Anschluss für Editor oder MIDI und multifunktionale TRS-Klinke sind die zwei Schlüsselpunkte in Sachen Features. MIDI geht über beides, aber dem TRS-Anschluss kann eine Reihe von weiteren Funktionen zugewiesen werden. Als Expression-Buchse, Tap- oder Switch-Anschluss. Vier Presets kann auch das Bitmap V2 unmittelbar aufrufen, es sind aber insgesamt 127 Speicherplätze per MIDI aufrufbar. Ansonsten, wie gesagt – wer an den Genuss von Stereo kommen will, muss mit einem Y-Stecker arbeiten. Der Bypass ist analog und die zwei Fußschalter decken neben (Momentary oder Latching-) Bypass eine Aux-Funktion ab: hier kann entweder das Durchschalten der Presets erfolgen oder Tap-Tempo eingestellt werden. Inwiefern Tap-Tempo bzw. die Möglichkeit zur MIDI-Clock-Synchronisation mit diesem Pedal einen echten Zweck erfüllt, werden wir im Praxisteil nachvollziehen.

Red Panda Bitmap V2 – Frequenzen, Schwingungsformen und Verzerrung

Es ist vielleicht hilfreich, das Bitmap V2 als ein Distortion-Tool zu verstehen. Will heißen: Extreme Verzerrung und Signaldegradierung stehen im Vordergrund, aber durch die Envelope-Kapazitäten können die ADSR-Elemente frei eingestellt werden und die Cutoffs und Swells können für rhythmische und Arpeggio-artige Texturen sorgen. Das Bitmap V2 ist für ein Bitcrusher-Pedal enorm komplex – vielleicht zu komplex? Wenn man sich den Signalfluss ansieht, der im Bitmap V2 stattfindet, bekommt man eine ungefähre Idee davon, wie viel hier passiert.

Das Bitmap V2 arbeitet grundsätzlich mit einer Bit-Reduktion von 24 auf bis zu 1 Bit sowie eine Sampling-Rate von 48 kHz bis 110 Hz. Ganz vorne im Signalfluss befindet sich der Drive-Schalter, den ihr auf dem Panel unter dem Filter-Regler findet. Grundsätzlich kann hier geklippt werden – Hard-Clipping wird genutzt, um das Signal zu verstärken. Das geklippte Signal kann nun durch den Wave-Folder, Window und den Shaper moduliert werden. Sechs LFOs stehen hierbei grundsätzlich zur Auswahl, die die Modulation der Samplerate leisten. Doch zu den kommen wir gleich – erst einmal die Regler:

  • Depth: Die Klangintensität, Tiefe und Saturation des Input-Signals wird hier eingestellt und zwar über den LFO und seine Modulation (die sich hier auch komplett rausdrehen lässt). Je nachdem wie Drive eingestellt ist und wie verzerrt das Input-Signal ist, verstärkt sich hier wahrnehmbar die harmonische Grundierung des Signals.
  • Freq: Nach Drive und dem Waveshaping passiert die Sampling-Rate-Reduktion – namentlich über den Freq-Regler. Die oberen Harmonischen werden quasi auf das Niederfrequenz-Beet „runtergedrückt“ und ergeben einen sehr eigenen Distortion-Sound.
  • Crush: Bit-Reduktion zerbröselt die Schwingungsform und erhöht den Noise-Faktor erheblich – hier passiert quasi das White Noise und die verzerrten Klangartefakte, die den Bitcrusher-Effekt so ausmachen.
  • Filter: Ein Lowpass-Filter am Ende des Signalflusses, der euren Sound notfalls ein wenig aufweichen kann und dessen Cutoff mithilfe der LFOs eingestellt werden kann.
  • Rate: Nein, hier wird nicht die Sampling-Rate eingestellt, sondern die Modulationsfrequenz des LFOs. Und eben hier kommt MIDI-Synchronisation ins Spiel – mit einer Clock könnt ihr die Rate mit eurer Drum-Maschine, anderen Modulationspedalen oder Synthesizern synchronisieren – in Viertelnoten, doch über den Webeditor lassen sich die Subdivisions für die Synchronisation einstellen.
  • Mix: Hier wird das Verhältnis von Dry- und Wet-Signal eingestellt, wie sich das eben gehört – 100 % dry ist ebenso drin wie 100 % wet.

Jetzt ist das aber noch nicht alles. Red Panda haben dem Bitmap V2 eine recht große Auswahl an LFO-Schwingungsformen gegeben, die es euch erlauben, eure Presets noch ausführlicher zusammenzustellen. Die vier Signalleuchten rechts zeigen euch an, ob hier Triangle, Square, Random, Wavefolder, Wave Window oder Waveshaper aktiviert sind. Der Depth-Regler kümmert sich hierbei nicht nur um die Modulationstiefe, sondern ist auch zuständig beispielsweise für die Anzahl der Faltungen im Wavefolder-Modus. Phew. Hier geht was. Ach so – Modulation des Envelopes erfolgt durch den kleinen Regler rechts.

Test Red Panda Bitmap V2

Zu guter Letzt werfen wir einen Blick auf den etwas verwirrenden Kippschalter – der Envelope-Follower kann die Amplitude des Eingangssignals auslesen und angepasst an der Auslesung die Sampling-Rate modulieren. Kein anderes Bitcrusher-Pedal auf dem Markt kann das – mithilfe eines Envelope-Followers die Sampling-Rate modulieren. Für ein Bitcrusher-Pedal ungeheuer komplex, das Ganze. Da bleibt die Frage nach der Klangqualität ganz selbstverständlich nicht auf der Strecke.

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So klingt das Red Panda Bitmap V2 Bitcrusher-Pedal

Muss man das Pedal in seiner Fülle und Gänze verstehen, um etwas Interessantes zu erschaffen? Nein. Aber intuitiv ist das Red Panda Bitmap V2 definitiv nicht. Ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass von allen Red Panda Pedalen das Bitmap V2 das Sperrigste ist. Wer dem Ganzen aber Zeit gibt, dem wird ein zum Teil unglaublich tiefes Distortion-Tool an die Hand gegeben. Wir haben uns bemüht, mit Gitarre den Distortion-Aspekt zu betonen, ehe wir mit dem Malekko Manther und die LFOs experimentierten und mit einer einfachen Volca Drum-Maschine die Degradierung des Sounds erforschen.

Bitcrusher auf der Gitarre haben wenig Freunde – nichtsdestotrotz lassen sich mit den Vintage und Arcade-Sounds ganz eigene Atmosphären schaffen, die keine andere Pedalklasse hervorbringt. Der große Unterschied zu den anderen Bitcrushern da draußen ist die ungemein dynamische und sensitive, durch den Envelope vielfach nutzbare Degradierung. Die Bitrate durch die Stärke des Anschlags zu modulieren, das kann auch nicht der Ottobit. Die LFO-Schwingungsformen erlauben wabernde Texturen, die tonal ausreißen, wenn man mit Depth experimentiert und die Frequenzen laufen lässt. Im ersten Beispiel nutzen wir die Squarewave, ehe wir beim zweiten Beispiel mit einem Expression-Pedal Filter und Sample-Rate gleichzeitig während des Spiellaufs modulieren. Im dritten Beispiel holen wir Rotary- und Tremolo-artige Sounds durch hohe LFO-Raten heraus. Im vierten Beispiel arbeiten wir mit randomisierter Schwingungsform, ehe wir im letzten Beispiel das Filter auf Highpass setzen. Man braucht Geduld, aber so ist das eben bei Bitcrusher – sie garnieren die Soundscapes bestenfalls, wenn man mit Gitarre arbeitet.

Nun nehmen wir den Bitmap V2 und werfen die Volca Beats einmal hindurch – raus kommen knarzige Industrialbeats, die ordentlich Biss haben. Speziell der Depth-Regler zaubert eine ordentliche Soundtiefe, die man eigentlich nicht mehr missen möchte bei seiner Volca. Im unmittelbaren Vergleich jedoch lässt sich sagen, dass das Filter des Ottobit eine gleichmäßigeren und saftigeren Frequenzschnitt hinkriegt.

Wir synchronisieren das Tempo der LFOs mit dem Manther und jagen drei Sequenzen durch. Speziell hier lassen sich mit ein bisschen Geduld zahlreiche Sounds – speziell, wenn man on the go zwischen den Schwingungsformen hin- und herschaltet und mit dem Filter arbeitet. Glaubwürdiger Dirt, der den 80er Synthie-Sound bis zur Unkenntlichkeit verzerren kann und mithilfe des Mix-Reglers in aller Ruhe angepasst werden kann. Was den Bitmap V2 in dem Zusammenhang auszeichnet: Durch die tonal auffällige Modulation beim Depth-Regler entstehen unvorhergesehene, spannende Klangartefakte.

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 Beats  DJ  Gitarre & Bass  Keys  Stage  Studio  Vintage
Forum
  1. Profilbild
    Vito Mendes

    Endlich mal ein Bitcrusher mit Dry/Wet Regler! Hätte der Ottobit einen hätte ich vermutlich schon längst da zu geschlagen aber ohne Mix Knob ist mir das zu unflexibel bzw. plakativ.
    Und dann auch noch in Stereo und Midi! Ich bin hyped!

    • Profilbild
      Dimi Kasprzyk  RED

      Da geb ich dir uneingeschränkt Recht – das Fehlen eines Blend-Reglers ist das einzige echte Manko des Ottobit.

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