
Das 1 HE Memotron
Es gibt Synthesizer, deren räumliche Positionsveränderung nur mit Hilfe von geschicktem Einsatz des Drehmoments (stückchenweises Wuchten um die eigene Körperachse) und unauffälligen Gewaltausbrüchen möglich ist. Der Oberheim Four Voice gehört in jene Kategorie, ebenso wie der Yamaha CS-80 und Korg PS-3300. Auch ein Yamaha DX-1 wäre hier zu nennen, doch lassen wir die allzu raren Edelteile mal beiseite und nähern uns dem hoffentlich endlich an seinem richtigen Platz befindlichen Four Voice.
SEM – vom Modul zum Monster
Das SEM als solches ist ja eine nette Sache. Ein kompakter Synthesizer in cremefarbenem Design – quadratisch, praktisch, gut! Klanglich nebenbei auch zur “Crème de la Crème” gehörend, spielen diese Instrumente in der Oberliga mit. Ganz oben, dort wo sich diverse Moogs und ARPs tummeln. Als Stand-Alone Variante ist das SEM ja ganz ok. Auch als Two Voice, denn schließlich kommt hier gleich der feine 8-Step Sequenzer mit dazu. Als Four Voice nimmt das Paket langsam elephantöse Dimensionen an, und von einem Eight Voice wagen wir gar nicht zu sprechen – für dessen Besitz wäre im Grunde ein Waffenschein nötig. Tom Oberheim hat jedenfalls eine hervorragende Produktlinie geschaffen, die bis heute zu den edelsten Errungenschaften der Synthesizergeschichte gehört. Das zeigt sich auch am Gebrauchtmarkt, wo SEMs jeglicher Art mittlerweilen Mangelware geworden sind. Wenn es überhaupt etwas im Angebot gibt, dann hat dies meist einen stolzen Preis. 1000 Euro für ein einzelnes SEM sind keine Seltenheit...
Erscheinungsbild
Mit Deckel sieht der Four Voice wie eine Kleidertruhe oder ein überdimensionaler Koffer aus. In dieser Form ist er selten zu sehen, da meist die Abdeckung bei irgendwelchen Gigs in der Ecke zurückgelassen oder am Dachboden vergessen wurde. Doch das spielt keine große Rolle. Seiner Unbeweglichkeit zum Dank wird der Four Voice selten das Studio verlassen. Ein Grund, warum es viele schöne und gut erhaltene Four Voice gibt.
Aufbau
Ein SEM ist sehr einfach aufgebaut. 2 VCOs, 2 ENVs, 1 VCF, 1 VCA, 1 LFO. Das Ganze mal vier macht in Summe schon ein nettes Paket. Acht VCOs klingen nun einmal anders als zwei. Als Besonderheit verfügt der Four Voice noch über ein schönes Mixermodul, mit dem sich alle Stimmen (vier an der Zahl) im Stereobild positionieren lassen. Der Programmer ist natürlich immer willkommen, wenngleich er nur bedingt das tut, was man von ihm erwartet. Die Keyboardmodes sorgen regelmäßig für Kopfschütteln und Stirnrunzeln, denn irgendwie blickt man da nie ganz durch, wie jeder Schalter hier nun tatsächlich funktioniert...
Kurz die Klangbausteine eines SEM im Detail...
VCOs
Derer gibt es zwei. Jeweils mit den Wellenformen Sägezahn und Pulswelle, das war’s. PWM ist vorhanden, beide VCOs können synchronisiert werden...
VCF
Das Filter ist natürlich das Herzstück. Es bietet jenes wunderbare (manuelle) Filtermorphing, das den Klang der SEMs unbestritten einzigartig macht. So wie etwa das parallele BandPass Filter des Roland SH-5, oder wie das eigenwillige Gummi-Filter des OSCar... das SEM Filter gehört zu den unverrückbaren Meilensteinen der Geschichte und Gegenwart!
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Nun, das hat sowohl Supertramp als auch Styx (Dennis DeYoung) scheinbar nicht davon abgehalten, dieses Monster mit auf die Bühne zu nehmen. Man kann ihn bei alten Videos auf youtube jedenfalls sehr deutlich erkennen (zB Supertramp 83 München).
Im SEM sind einige CA3080 OTAs verbaut, die dank RoHS abgekündigt wurden, d.h. nicht mehr hergestellt werden und mittlerweile schon relativ hoch gehandelt werden.
Diese machen anscheinend einiges vom Klang des SEM aus, können also nicht einfach so mit neueren Chips ausgetauscht werden. Zumal es ausser dem LM13700 eh keine OTAs mehr gibt, soweit ich weiss.
Im SEMTEX sind jedenfalls auch CA3080 enthalten.
Der etwas andere Klangcharakter kommt wahrscheinlich durch die nicht 1:1 geklonte Platine, die waren damals ja auch noch von Hand gezeichnet mit schönen Rundungen, statt den heutzutage üblichen eckigen und daher oft parallel laufenden Bahnen.
Da das bei der heute dominierenden Digitaltechnik egal ist, interessiert sich wohl auch kein Software-Hersteller für die Unterstützung solch "runder" Lötbahnen.
Den Vourvoice hab ich bei Supertramp mehrfach gesehen (Breakfast in America Tour, ganz vorne auf der Bühne), die haben das Ding mit einem Eigenbau Pitch-to-Voltage-Converter von Heliwells Saxofon aus angesteuert.