
HALion Sonic
Seit einiger Zeit bringt die Firma Uberschall neben den gewohnten Samples und Sounds verschiedenster Musikrichtungen auch immer wieder neues...
Jump. Jeder kennt diesen Song. Spätestens als Van Halen 1984 mit ihrem Hit die Charts stürmten, war der Oberheim Synthesizer OB-X eine Legende. Seit einiger Zeit gibt es dazu aus der Schweiz eine passende VST Emulation. Sonicprojects entwickelt den OP-X Pro sowie den etwas im Funktionsumfang eingeschränkten OP-X. Der OP-X besitzt kein Multimode Filter sowie weniger Tuning Möglichkeiten. Der OB-X ist also der originale Synthesizer, OP-X die Emulation. Den alten OB-X Synthesizer virtuell nachzubilden, besonders dessen Klangcharakter, ist keine einfache Aufgabe. Laut Sonicprojects wurde bei der VST Emulation eine völlig neue Methode angewandt. Die Sound-Engine basiert auf 6 unabhängigen Stimmen. Jede Stimme hat ihren eigenen Signalweg und unterscheidet sich leicht von den anderen. Zusätzlich können nicht nur die Oszillatoren sondern auch die Filter, Hüllkurven und das Portamento untereinander verstimmt werden. Ungenauigkeit wird also zum Prinzip. Eine feine Sache, aber reicht es aus, um den filigranen Klangcharakter des OB-X nachzubilden?
Historischer Überblick
Die amerikanische Synthesizer Schmiede Oberheim wurde 1970 gegründet. Bekannt wurde Oberheim vor allen Dingen durch das SEM-Modul (Synthesizer Expansion Modul), welches ursprünglich als monophones Expander Modul für den MiniMoog gedacht war. Ab Mitte der 70er Jahre erschien das SEM-Modul auch als zwei-, vier- und achtstimmige Tastaturversion in einem Flightcase-Gehäuse. So entstand damals der erste multitimbrale Synthesizer der Welt. Jedem Modul konnte ein eigener Tastaturbereich zugeordnet werden. Die SEM-Module etablierten sich ab 1979 als so genannte „Voice-Cards" unter dem Gehäuse vieler bekannter und relativ einfach zu bedienender Synthesizer, wie zum Beispiel dem OB-X. Dieser war als vier-, sechs- und achtstimmige, polyphone Variante erhältlich. Interessant ist, dass nur in dem OB-X die analogen 12 dB/Oktave Filter der alten SEM-Module verbaut wurden, jedoch nicht mehr in dessen Nachfolger wie zum Beispiel dem OB-Xa oder dem OB-8.
Typische Merkmale des OB-X waren also die einfache Bedienung, die einzelnen untereinander verstimmbaren Voice Cards, sowie der daraus resultierende kraftvolle aber auch weiche Analogklang.
Installation und Testumgebung
Die Installation ist einfach und verläuft ohne Probleme. Nachdem der entsprechende PlugIn Ordner ausgewählt wurde, kann der OP-X Pro im Sequenzer aufgerufen werden. Vor der ersten Anwendung müssen die Registrierungsdaten eingegeben werden. Nachdem nun der OP-X Pro neu gestartet wurde, kann's los gehen. Als stand-alone Version kann er allerdings nicht betrieben werden.
Der OP-X Pro lässt sich einfach mit einem Midi Controller bedienen, der ein Pro52 Preset unterstützt. Mit dem Alesis Photon25 hat das super geklappt; alle Regler waren sofort den entsprechenden Funktionen zugeordnet.
Erster Eindruck und Bedienung
Ich finde den OP-X Pro ausgesprochen interessant anzusehen. Das Original wurde sehr detailliert nachgeahmt. Die Größe des Fensters hätte vielleicht etwas kleiner ausfallen können. Für Benutzer, die nicht mit zwei Monitoren arbeiten, kann das große Fenster des OP-X Pro schon eine Behinderung darstellen.
Insgesamt fehlt mir nur eine Art Display, in dem der jeweilige Wert des entsprechenden Controllers angezeigt wird. Zum Beispiel kann die Geschwindigkeit des Arpeggiators gut eingestellt werden und auch zum Tempo des Sequenzers synchronisiert werden, jedoch am OP-X Pro nicht separat abgelesen werden. Hilfreich wäre eine solche Anzeige auch bei anderen Controllerwerten wie Filter-Cutoff oder Filter-Resonanz.
Die Oberfläche unterteilt sich lediglich in neun verschiedene Bereiche. Selbst Einsteiger sollten mit der Struktur relativ leicht zurechtkommen, nur die verschiedenen Trimmpotentiometer sorgen für etwas Verwirrung, doch dazu später mehr. Übrigens können natürlich alle Parameter im Sequenzer automatisiert werden.
Technik und Klang
Um es gleich vorweg zu nehmen: der OP-X Pro klingt wirklich gut. Das Erstaunliche daran ist, dass ich ihn fast ausschließlich für zeitgenössische Musik verwenden würde. Inwieweit der OP-X Pro den OB-X gut nachahmt, kann man selbst, wenn man stolzer Besitzer eines originalen OB-X ist, schwer nachvollziehen. Mit dem Klang der Emulation lässt sich aber auf jeden Fall eine Menge machen, trotzdem fügt er sich in fast jedem Mix wunderbar ein. Besonders in den höheren Frequenzen klingt er ziemlich weich, wodurch zum Beispiel Bässe sehr rund aber trotzdem wuchtig daher kommen.
Wie ist das Ganze nun strukturiert? Wie weiter oben erwähnt, unterteilt sich die Oberfläche in neun verschiedene Bereiche, welche sich durch ihre verschiedenen technischen Funktionen auszeichnen. Fangen wir zuerst mit den Voice LED's an.
Diese zeigen an, welche Stimme, oder verglichen mit dem analogen Vorbild, welches Voice Board aktiv ist. Bei Unisono Klängen erklingen alle Stimmen gleichzeitig, bei mehrstimmigen Klängen wird jeder weitere Tastenanschlag mit einer anderen Stimme getriggert. Das ist ziemlich einzigartig, denn man erhält so nie zwei exakt gleiche Klänge hintereinander.
In der Manual-Section hat man die Möglichkeit, die Oszillatoren, Filter sowie die ADSR-Hüllkurven der einzelnen Stimmen zu verstimmen, wobei die Hüllkurven der unterschiedlichen Stimmen natürlich nur zeitlich verstimmt werden können. Mit den kleinen Trimmpotentiometern können die einzelnen Filter der sechs Stimmen getrennt voneinander verstimmt werden.
In der Control-Section hat man Einfluss auf die Portamento bzw. Glide und Unisono Einstellungen, wobei auch hier wieder ein kleines Trimmpotentiometer zu finden ist. Damit wird die Regelmäßigkeit der Taktung zwischen Oszillator 1 und 2 verändert. Hiermit wird also auch versucht, das analoge und niemals wirklich synchrone Verhalten der originalen Oszillatoren nachzuahmen.
Die Modulation-Section ist natürlich ganz dem LFO gewidmet. Der LFO kann auf Filter, Oszillatoren und Lautstärke angewandt werden.
Auch die Oszillator-Section ist relativ übersichtlich gestaltet. Als interessantes Feature finden sich auch hier wieder einige Trimmpotentiometer, mit denen es möglich ist, die beiden Oszillatoren sehr fein zu verstimmen bzw. eine Frequenz Modulation zwischen Oszillator 1 und 2 und damit ein disharmonisches Spektrum zu erzielen.
Die Filter-Section wurde ganz darauf zugeschnitten, die originalen SEM-Module nachzuahmen. Laut SonicProjects soll das Filter bei hoher Resonanz genauso gut klingen wie bei niedriger Resonanz, also im Prinzip so wie das originale Filter. Hingegen konnten die alten SEM Filter nicht zur Selbstoszillation gebracht werden. Auch dieser Aspekt wurde auf den OP-X Pro angewandt. Andererseits bietet er jedoch die Möglichkeit, die Filter auf 24db/Oktave Flankensteilheit zu stellen.
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Im Vergleich zu anderen wahren analogen Emulationen klingt er etwas ungeschliffen, was sicher an der fehlenden Effektsektion liegt und noch sicherer nicht negativ ist.
Schaltet man bei manchen Sounds des Wettbewerbes nämlich mal sämtliche Effekte ab, dann ist da sehr schnell Hängen im Schacht.
Die Software kann keinesfalls das Original ersetzen. Da liegen einfach noch Welten dazwischen.
Gerade die Nähe zum Original macht den OP-X doch interessant, warum also keine "oldschool" Presets mit liefern? Plugins und Hardware mit "modernem" Sound gibt's doch genug und Schrauben kann man ja auch selbst noch, oder?
Die CPU Belastung ist sicher unschön, aber leider bei allen gut klingenden "Analog-Klonen" zu beobachten...
Nach mehrmaligem Check des Demo Plugins ging mir der Sound nicht mehr aus den Ohren... Der OP-X klingt wirklich ungemein gut. Vielleicht wirklich eines der wenigen Plugins mit Character.
Nur die Störgeräusche nerven, aber dagegen gibt es Abhilfe, man kann eine Vollversion kaufen ;)
Der Kontakt zu Sonicprojects ist zudem immer zügig, angenehm und hilfreich.
Einen Unterscied gibts ja sicher.
Würde mich mal interessieren, hat da jemand erfahrungen?
MFG
Dennis
Ja, der Jump-Sound der ersten Versionen war wohl noch etwas lausig, der wurde aber in Version 1.1 (und OP-X 2.0) ersetzt.
Ein interessanter Vergleich zum "Jump" sound gibt es auf YouTube, gespielt auf den jeweiligen Instrumenten (ist nicht von uns):
OB-8 (original war's ein OB-Xa):
http://www.youtube.com/watch?v=yCltbnzK7ZE
OP-X PRO (ist noch die alte Version):
http://www.youtube.com/watch?v=F78H6mPcETM
Die einzigen Vergleiche, die es es meiner Ansicht nach wirklich bringen, sind trocken-trocken-Vergleiche; normalerweise ist alles mit Effekten aufgeblasen und kaschiert; darauf verzichtet der OP-X bewusst;
Ein 1:1 Beispiel OP-X (nicht PRO) - OB-X gib's hier (völlig trocken):
http://www.youtube.com/watch?v=sQqHR1HIelE
Grüsse & keep on rockin'! :-)
Peter, SonicProjects
Der Sound entspricht nicht wirklich dem Original "Jump".
Mit etwas Amp-Simulator (Cubase4 - Preset: Direct Clean) und Roland-Chorus (Bei mir Dimension-D von der UAD / gute Alternative: http://kunz.corrupt.ch/downloads/TAL-Chorus-60.zip) kommt es dem Original doch schon recht nahe.
Und wenn das Preset "Matrix Brass" nicht dem Sound von "Fatback: is this the Future?" entspricht, dann fress ich 'nen Besen, der 10 Jahre in Sirup gestanden hat (Zitat von Scotty !!)
Grüße,
HK.
ok das stimmt. Aber immerhin gibt es ein Preset im OB-X Pro das "Jump" heißt. Allerdings klingt das nicht sonderlich gut.
Wer jemals "Fatback Band (is this the Future ? / Lover Undercover)" gehört hat, weiß was ich meine. Und ob er nun dem Original nicht ganz entspricht oder nicht ist mir wurscht.
Klasse Teil, absolut empfehlenswert !!
Grüße,
HK.
die hätten meiner Meinung nach die Lizenz besser bei Arturia gelassen . Ein Oberheim wäre unter der Knute der Franzosen wohl ein wenig umfangreicher und wohl auch klanglich ergiebiger geworden.
Wie gesagt, meine Meinung.
Gruß
Piet
Hier mag ich widersprechen, da der Arturia CS-80V genau dieses Prinzip für seine acht Voices in dessen Multimode verwendet. Dieser Multimode ist im übrigen ursprünglich als Vorarbeit zu einer damals geplanten Xpander Emulation entstanden. Diese kam dann aber bekannterweise nicht zustande, da Gibson die Zusage hierfür wieder zurückzog. Deshalb hat man diesen dann im darauf folgenden CS-80V verwendet.
Gruß
Tomeso
Wenn letzteres zutreffen sollte, würds mich wundern, dass es den OP-X überhaupt geben darf. Der ist ja nun ein eindeuziger Clone.