Interview: Dr. Walker alias Ingmar Koch

Dr. Walker Evil 2001 (Bild: Mago Reim)

Dr. Walker Evil 2001 (Bild: Mago Reim)

Peter:
Und was hältst du von dieser ganzen Controller-Entwicklung wie Maschine oder MPC-Renaissance?

Ingmar:
Controller sind DAS Mittel, um aus Software-Tools echte Instrumente zu machen. Ohne sie kann Mensch ja nicht wirklich sinnvoll mit moderner Audiosoftware arbeiten. Das einzige, was mich nervt, ist das Design der Dinger. Das könnte echt liebevoller, cooler gestaltet werden. Da fallen wir durch die angesagten Underground Clubs des Planeten, jammen uns in verpilzten Kellern die Seele aus dem Leib, wo im Takt der Bassdrum der Beton von der Decke rieselt, machen brutalen Krach und dicken Bass, üben vorm Spiegel und im Alltag das bad-mthrfkkr-onstage-sein und träumen von Wänden von Marshall-Stacks als Bühnenmonitore und benutzen dann Controller, die fröhlich quietschig bunt wie ein Schlumpfbordell in Coney Island aussehen. Passend zum Astroland Rollercoaster und der Rollschuhdisko. Ich würde mir mehr credible Controller-Instrumente und weniger Bonbon-Großraumdissen-Lichtorgel-Look wünschen. Bitte dringend!

Peter:
1996 hast du einen drauf gesetzt und in Köln den Club LIQUID SKY gegründet. Der war damals ziemlich angesagt. Einen Club zu leiten und zu bespielen, ist doch wieder eine ganz andere Sache als ein Label leiten. Wie war das?

Ingmar:
Thomas (Thorn) und meinereiner haben damals das Liquid Sky Cologne gegründet. Ja. Eigentlich wollten wir nen Liquid Sky Klamottenladen aufmachen in Köln. Halt so wie das Liquid Sky Mothership in New York – damals in der Lafayette Street – ein Kultklamottenladen mit Wasserfall im Schaufenster. Claudia (Rey) und Carlos Slinger (drumnbass star„DJ Soul Slinger) waren die Masterminds der Liquid Sky Künstlerfamlie. Die hatten dort in Manhattan diesen super Laden, wo sich alle trafen und neue Produktionen und Partys beredeten. Das war toll und „sowas in Grün“ wollten wir in Kölle auf die Beine stellen. Und auf der Suche nach nem Ladenlokal für ein Klamottenlabel fanden Thomas und ich den Laden in der Kyffhäuser. Eine alte persische Disko. Wir haben gesagt „PRIMA!“, denn vom Trinken verstanden wir mehr als von Klamotten. Wir sind mit dem Leih-Lkw durch Köln gefahren und haben alte Sofas für lau eingesammelt – ich habe aus meiner privaten Sammlung ein paar Jesus und Jungfrau Maria Kitschbilder geholt, Anlage rein und 2 Tage später haben wir aufgemacht. Der Rest ist Geschichte.

Air Liquid Aquarium 1994 (Bild Markus Schulze)

Air Liquid Aquarium 1994 (Bild: Markus Schulze)

Klar gibt es Unterschiede zwischen Labelarbeit und Barbusiness, aber halt auch irgendwie nicht. Es war immer und grundsätzlich unsere Handschrift, unsere Ideen, unser Geschmack, unser Sound – auch wenn viele Leute sich über uns geärgert haben oder auch heute noch sich über uns ärgern. Es war immer ein Egotrip. Es geht nicht um die Befriedigung des Massengeschmacks. Aber wir haben ein relativ freies Land. Niemand zwingt einen, auf eine Liquid Sky Party zu gehen oder sich Musik anzuhören oder Videos von uns anzugucken. Und sicherlich gibt es auch noch Millionen an mehr talentierten Künstlern und Künstlerinnen, als wir es waren und sind. Ich erhebe nicht den Anspruch darauf, irgendwas zu können oder wissen oder gar besser zu können oder besser zu wissen. Liquid Sky Cologne, die Labels, Liquid Sky Crete, die Monte Christo Hotel Projekte mit Heike Windsberger und Wolfgang Münch und jetzt halt Liquid Sky Berlin und Telepathic Bubblebath und noise.berlin usw. sind die Egoprojekte von uns, von unseren Freunden, unserer Crew. Für uns, damit es uns besser geht. Schön, wenn es andere Menschen auch schön finden, aber wir würden auch weitermachen, wenn wir damit alleine auf der Welt wären.

Forum
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    costello  RED

    DAW’s sehen aus wie ein Schlumpfbordell in Coney lsland. Selten so gelacht! Die Musik von Dr. Walker ist nicht so mein Fall, die Doggies ehrlich gesagt auch nicht – aber das Interview fand ich toll. Der Mann brodelt ja regelrecht. Vom mexikanischen Totenkult bis zur Kölner Technoszene. Da ist viel drin. Und zum Musikmachen braucht’s nur ein paar Basics: 808, Juppi 8 und nicht vergessen den 2600 für die Blubbersounds. Super!

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      Tyrell  RED 111

      Genau aus dem Grund musste meine Maschine von NI und auch die TR-8 wieder gehen. Das Disco-Geflimmer ist für mich ein absolutes NoGo. Selbst bei der RYTM nervt mich das, aber dafür ist der Rest an der RYTM ziemlich cool.

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    psv-ddv  AHU

    Schade, dass da fast nur schlechte Promo-Fotos gezeigt werden. Dabei sind die „echten“ Bilder viel interessanter. Es wäre doch sehr spannend zu sehen, wie sein JP8 oder die geliebte MPC3000 aussehen nachdem er sie mit den Krallenringen bearbeitet hat :-)))

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    iggy_pop  AHU

    Doktor Wackler schmeißt Bierflaschen auf Synton Syrinxe. Entsprechend werden Jupiter und MPC ausgesehen haben.

    Schlumpfbordell — super!

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    AMAZONA Archiv

    Klasse Interview! Das Keyboards-Interview hab ich leider nie gelesen, obwohl ich ab 03/95 regelmäßig Keyboards las. Des Doktors Platten fand ich damals meist sehr interessant – In etwa so, wie eine völlig aus der Kontrolle geratene Kellerparty, mit einer Anlage kurz vor dem Exitus, nach dem Genuß von Designerleckereien. Irgendwann hatte ich mir mal die „Mission2sun“ Sample-CD zugelegt, in der Hoffnung, dass ich damit ein paar Sunsyn-Sounds in meine Tracks einbauen kann. Dazu kam es aber nie! Denn die Sounds sind 100 % Air-Liqude style! Einige der Drones und Sequenzen höre ich jetzt hin und wieder zum relaxen :D Schön das der Doktor noch aktiv ist!

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    TobyB  RED

    Schlumpfbordell, gröhl… Ich hab besagte Keyboards noch im Keller. Gleich mal nachgekuckt. Klasse Interview!

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    Flying C  

    Danke für dieses Interwiev das einige Dekaden durchleuchtet. Air Liquide ist aus heutiger Sicht der Sound meiner Jugend, auch wenn ich die 20 zu jener Zeit bereits dezent überschritten hatte. Nicht von dieser Welt. „Was, die sind aus Deutschland?“ Wollte kaum einer für wahr haben. Deren Scheiben, im Delirium Frankfurt erworben, besitze ich bis heute.
    Ich will Herrn Koch nicht auf Air Liquide reduzieren, waren und sind ja einige Feuer am brennen wie zu lesen ist.
    Auf die Neuverfilmung von Liquid Sky bin ich gespannt…Eim a Tschörmen Seientist… ;)
    Die Aussage über aktuelle Controller-Modelle ist mal so auf den Punkt!

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    changeling  AHU

    Ich erhebe nicht den Anspruch darauf, irgendwas zu können oder wissen oder gar besser zu können oder besser zu wissen.
    Habe ich 2006 auf Kreta irgendwie anders erlebt. Damals hatte ich das Gefühl ich bin als Lehrling irgendwo statt im Urlaub.

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    sanomat

    sehr schönes interview. habe damals die blüte meiner jugend im kölner camouflage erlebt, das waren wirklich gute zeiten. besonders die jam sessions, bei denen jeder ein gerät mitgebracht hat, jemand gab ne midi clock aus und dann gings los… oder der zweite floor „kompressionskammer“ ganz unten im keller. mit 10 leuten war der floor voll und die party war IMMER gut :) hach…

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      dr w  

      die jams fuehren wir bis zum heutigen tag fort!
      jetzt nicht mehr im eigenen club sondern vorwiegend im berliner maze – einem der schoensten clubs von berlin, meiner meinung nach.
      vorbeikommen – mitspielen!
      :)

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    acidnoid  

    Danke für das schöne Interview – mein 2. Wohnzimmer damals, das Camouflage mit PacMan Tischen – das hat begeistert – gibt es „The Beast“ noch, das TEAC M15 …
    Tja ich pendel immer noch ziwschen Berlin und Köln – Berlin zum Arbeiten Köln zum Leben – aber der Vibe ist wirklich nicht mehr in Köln – der wurde damals schon mit dem „Kölner Loch“ und den Abriss eines Gebäudes am Neumarkt definiert.

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      dr w  

      nein. das teac pult gibtz nicht mehr.
      das war ein grosser fehler es zu verkaufen.
      :S
      der (widerrechtliche) abriss des josef haubrich forums war ein weiterer grabstein in der kulturgeschichte kölns. unfassbar – bis heute!
      naja. in berlin gibtz gleich dutzendfach vergleichbare aktionen….

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    her75  

    Tolles Interview, Danke! Habe auch damals sehr viel im Gebäude 9 und im Liquid Sky mitlauscht. Leider habe ich nur noch sehr vernebelte Erinnerungen an dicke Teppiche auf der Bühne und tonnenschweres Analogequipment und genialen Zaubersound, hat nicht sogar der Herr Czukay da ab und an mitgemischt? War eine tolle inspirierende Atmosphäre damals. Durch des Doktors Sneak Preview bin ich auch auf die ACID8 gestoßen, habe mir dann die S/N 8 gesichert (als alter Zahlenjunkie). Tolles Kistchen. Bin schon sehr gespannt auf die neue Hartware die überall in der Mache ist. Gibt´s bald wieder Sneak Previews?

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      dr w  

      das mit den teppichen sollten wir mal wieder einfuehren. diese tugend haben wir ganz aus den augen verloren…. danke fuer erinnern!
      :)
      acid8 – ja. das ist ein super kistchen!
      allerdings was im fruehjahr kommt ist auch sehr sehr spannend!
      sneak previews: 21. april auf jeden fall mal merken!
      und eventuell am 18. februar. mal gucken ob wir das timing halten koennen…

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    FJDeluxe

    Riesen Interview,Underground Helden mit substanz,ich denke mal mich hat nichts so beeinflußt wie der deutsche Acid Techno des Doctor’s & Jammin‘ Unit,Ink etc….die Groove schrieb in den frühen 90’ern über Air Liquide „Intelligent Techno“,das hatten wir damals auch so empfunden…..und so sehe ichs auch heute noch und finde es sehr beruhigend zu lesen das Dr.Walker noch einiges vor hat …..

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    Bob Humid

    Bei der Stelle unten musste ich herzhaft lachen, sehe ich ganz genau so, Ingmar! Zum Anzeigen verschiedener Betriebsnmodi sind Farbwechsel prima, aber die Controllerindustrie hat da schon lange sämtliche Stylegebote überrant. Hardware sollte schon eine gewisse Eleganz und Stil ausstrahlen und nicht bunte Beliebigkeit. Regenbogenassoziationen helfen da auch nicht weiter. Schönes Interview btw.. /.-) …

    „… Da fallen wir durch die angesagten Underground Clubs des Planeten, jammen uns in verpilzten Kellern die Seele aus dem Leib, wo im Takt der Bassdrum der Beton von der Decke rieselt, machen brutalen Krach und dicken Bass, üben vorm Spiegel und im Alltag das bad-mthrfkkr-onstage-sein und träumen von Wänden von Marshall-Stacks als Bühnenmonitore und benutzen dann Controller, die fröhlich quietschig bunt wie ein Schlumpfbordell in Coney Island aussehen…“

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      dr w  

      danke, robert!
      genau!
      wer 1.000 oder 1.500 euro fuer nen controller ausgibt der muss sich ja dann nicht nach der investition dafuer wegen des looks noch schaemen!
      fuer soviel kohle erwartet man schon was coolen geilen #gearporn…

  13. Profilbild
    bpmf

    This is a great interview and I learned a lot from it. I’ve known Ingmar for over 20 years and I’m still learning new things about him.
    I really want to emphasis the last point now. The 90s were fun and exciting but the best time to be making electronic music ever is right NOW! Never has the gear been more user friendly or more affordable. Never has there been a time where the artist was more free to make sounds like what ever he could imagine than NOW! Now is the best time!

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