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Making of: Supertramp – Breakfast in America (1979)

4. Juli 2021

Take the long way home

Making of: Supertramp - Breakfast in America (1979)

Making of: Supertramp – Breakfast in America (1979)

Supertramp veröffentlichte „Breakfast in America“ im März 1979 –  bis heute das kommerziell erfolgreichste Album der Band. Es hat über 20 Millionen Exemplare verkauft und lieferte mit „The Logical Song“, „Take the long way home”, „Goodbye Stranger” und dem Titelsong “Breakfast in America” vier internationale Tophits. Supertramps Musik wird geliebt und gehasst. Für die Fans ist es perfekter Pop, mit einem guten Schuss Jazz und Rhythm and Blues und tiefgründigen Texten. Die Hater verspotten Supertramp als seichte Fahrstuhlmusik mit larmoyantem Gesang. Ich saß im Jahr 1979  zwischen allen Stühlen: Es war das Jahr, in dem Joy Division ihr ikonisches Debüt-Album „Unknown Pleasures“ veröffentlichten, The Clash „London Calling“ und Police „Regatta de Blanc“. Bis heute schaffe ich den Spagat, alle vier Alben gerne zu hören. Wobei auch damals einige DJs überhaupt kein Problem damit hatten, “The Logical Song“ und „Walking on the Moon“ in einem Set aufzulegen. Okay, in einer Diskothek, die „Disorder“ spielte, standen „Supertramp“ sicher auf der schwarzen Liste.

Making of: Supertramp - Breakfast in America

Für mich immer mit dem Supertramp-Sound verbunden: Das Wurlitzer 200 A. (Foto mit freundlicher Genehmigung von Morriwienc0)

Weltschmerz-Musik für Heranwachsende

Ich finde Supertramp toll, seit ich als 14-Jähriger ihr Album „Crime of the Century“ gehört habe. „School“ und „Dreamer“ trafen genau den Nerv von pubertierenden Gymnasiasten mit Weltschmerz.  Hier sind auch erstmalig die repetitiven E-Pianofiguren auf dem Wurlitzer zu hören, die zu einem Markenzeichen von Supertramp werden sollten. Als ich 1979 selbst in einer Band spielte, war der Einfluss von Supertramp noch so stark auf mich, dass ich mir statt des obligaten Fender Rhodes ein Wurlitzer 200 A kaufte. „Crime of the Century“ ist immer noch mein persönliches Lieblingsalbum der Band. Roger Hodgson, der bei Supertramp für E-Piano, Gitarre und den soundprägenden Tenorgesang zuständig war, meint allerdings in der Rückschau zu „Crime of the Century“: „Wir haben uns zu ernst genommen. Anschließend wurden wir immer daran gemessen. Weshalb „Crisis (what Crisis?) für viele eine große Enttäuschung war, es hat die Fackel nicht weiter getragen. Bei ‚Breakfast‘ war die einzige Vorgabe, die wir uns selber machten: Lasst uns die besten Songs nehmen, die wir haben und ein tolles Album aufnehmen.“ (eclipsed.de)

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Bevor ich genauer auf die Entstehungsgeschichte von „Breakfast in America“ eingehe, möchte ich kurz die Bandgeschichte rekapitulieren.

Ein niederländischer Millionär als Mäzen

Welcher Musiker träumt nicht davon, nach einem Live-Konzert von einem Fan angesprochen zu werden: „Hör mal, Du spielst fantastisch. Aber in der Band verkaufst Du Dich gerade etwas unter Wert. Was hältst Du davon, Dir eine Gruppe ganz nach Gusto zusammenzustellen und dann Platten zu produzieren. Ich übernehme alle Kosten.“ Der exakte Wortlaut ist nicht verbürgt. Aber so etwas in der Art muss der niederländische Millionär Mill Stanley August Miesegaes damals 1969 in München gesagt haben. Und der Umworbene war kein Anderer als der britische Pianist und Sänger Rick Davies. Der ergriff die gebotene Chance, stieg bei seiner Band „The Joint“ aus und suchte per Anzeige im Melody Maker neue Spielgefährten. Unter den Musikern, die sich meldeten, befand sich auch ein gewisser Roger Hodgson, der später die Supertramp-Hits nur so aus dem Ärmel schütteln sollte. Die neue Combo nannte sich zunächst „Daddy“, doch die Musiker mussten feststellen, dass es bereits mehrere Bands dieses Namens gab. Vielleicht hätten sie noch ein „Sugar“ voranstellen sollen ;) Mit der Umbenennung in „Supertramp“ bewiesen sie dann immerhin ein glückliches Händchen. Inspiration gab ein Buchtitel: „The Autobiography Of A Supertramp“ von W.H. Davies.

Making of: Supertramp - Breakfast in America

Eine Blüte mit Gesicht schmückt das Cover des ersten Supertramp-Albums.

Plattenvertrag aber kein Erfolg

Die Band unterzeichnete 1970 einen Vertrag mit A&M Records.  Das im gleichen Jahr erschienene Debütalbum hieß einfach „Supertramp“. Gemeinsam mit dem Schlagzeuger Bob Millar und dem Gitarrist Richard Palmer wandeln Rick Davies und Roger Hodgson hier auf den Pfaden von Procol Harum, Caravan oder King Crimson. Rick und Roger komponierten in diesen frühen Tagen der Band noch gemeinsam, später schrieb jeder seine Stücke für sich allein. Palmer war für die Texte zuständig, später wechselte er übrigens als Lyrics-Schreiber zu King Crimson. Der Erstling bietet etwas melancholisch angehauchten ProgRock, der im 12-minütigen „Try Again“ gipfelt, dessen ausgedehnte Gitarre-Orgel-Jamparts einen Kritiker von AllMusic an „hochtrabende instrumentale Mäander“ erinnerten. Insgesamt kam das Opus bei der Kritik aber recht gut an, bei den Plattenkäufern leider nicht. Die große Blüte mit Gesicht auf dem Cover erinnert unwillkürlich an „Supper’s Ready“ auf dem Genesis-Album Foxtrot: „We watch in reverence, as Narcissus is turned to a flower. A flower?“

Indelibly Stamped – Tattoos und harter Bluesrock

Für das 1971 erschienene Nachfolgealbum „Indelibly Stamped“ wurden Millar und Palmer durch Kevin Currie und Frank Farrell ersetzt. Mit Dave Winthrop am Saxophon wuchs die Band vom Quartett zum Quintett. Stilistisch ging es jetzt in Richtung Blues-Rock und Rock’Roll. Auch das Cover mit dem tätowierten barbusigen Frauentorso verweist auf eine irdischere Facette der Band. Nichts deutet hier auf den späteren, hochglanzpolierten Hifi-Popsound von Supertramp hin. Auch die zweite Platte erwies sich als veritabler Flop. Dem Mäzen ging nun auch langsam die gute Laune flöten und er stellte die finanzielle Unterstützung ein. Frei nach dem Motto: „Die Band hat mich zum Millionär gemacht. Vorher war ich Multimillionär.“ Desillusioniert und ohne finanzielles Backing löste sich Supertramp  auf.

Making of: Supertramp - Breakfast in America

A&M investierte viel Geld in die Werbung für Supertramps drittes Album „Crime of the Century“. Das Album brachte Supertramp den Durchbruch.

Crime of the Century bringt den Durchbruch

Aber nur  ein Jahr später reaktivieren Rick Davies und Roger Hodgson die Combo mit neuen Bandmitgliedern: dem Schlagzeuger Bob Siebenberg, dem Saxophonisten John Helliwell und dem Bassisten Dougie Thomson. In dieser Besetzung sollten sich Supertramp festigen und „ihren“ Sound finden – die richtige Mischung aus Beatle-esken Melodien, die sich sofort ins Ohr bohrten, und ausladenden Art-Rock-Arrangements  à la Pink Floyd, garniert mit bissigen Texten wie auf „Bloody Well Right“. Die hämmernden Stakkato-Akkorde auf dem Wurlitzer wurden zum Erkennungszeichen der Band, ebenso wie Helliwells Einwürfe auf dem Saxophon und Roger Hodgons hoher Gesang.

Der Nachfolger „Crisis? What Crisis?“ konnte die Hitformel zwar nicht ganz wiederholen – auch wenn „Lady“ wie eine Reprise von „Dreamer“ klingt. Songs wie „Ain’t Nobody But Me“, „Easy Does It“ und „Sister Moonshine” untermauerten aber den Ruf der Band als Produzent schöner Melodien und makelloser Arrangements. Das Album wurde gerne im Radio gespielt und schaffte es in Großbritannien sogar in die Top 20-Charts.

Making of: Supertramp - Breakfast in America

Die neue Supertramp-Formation auf der Rückseite des Crime of the Century-Albums.

Musik und Spiritualität

1977 erschien „Even in the Quietest Moments“, das mit dem Eröffnungssong  „Give a little bit“ einen sehr poppigen Ton anschlägt. Der Rest des Albums wird allerdings eher dem Albumtitel gerecht – die Musik ist von ruhiger Eleganz. Bei den Fans steht vor allem die 11-minütige „Fool’s Overture“ hoch im Kurs, die etwas avantgardistischer und elektronischer klingt durch eingeblendete Klangcollagen und den Einsatz eines Oberheim Four Voice und eines String Synthesizers. Etwas aus dem Rahmen fällt der Song „Babaji“. An dem spirituellen Anspruch dieses Songs schieden sich die Geister und auch die Differenzen zwischen Rick Davies und Roger Hodgson wurden deutlich.

Roger Hodgson sagt von sich selbst in einem Interview mit Anthony Jenkins: „Ich bin ein spiritueller Mensch, kein religiöser.“ Was ihn ständig umtreibt ist die Suche nach einem tieferen Lebenssinn: „Es gab eine echte Sehnsucht in mir, etwas zu finden, das einen Sinn ergibt, das mich leitet. Ich war 10 Jahre lang auf einem Internat in England. Es war eine ziemlich raue Umgebung und ich war ein ziemlich schüchternes, sensibles Kind, und es war schwer für mich. Ich schottete mich auf vielen Ebenen ab und verließ die Schule ziemlich verwirrt und fragte mich, wo ich Stabilität in meinem Wesen finden könnte. Ich wollte wissen, wer oder was Gott ist.“ (The Globe and Mail)

Rick Davis ging  damals im New Musical Express klar auf Distanz: „Ich bleibe lieber anonym, als religiös zu werden. Vielleicht streite ich mit Roger auf dem nächsten Album darüber … Es ist nicht richtig. Du hast Leute in der Band, die sich einen Dreck darum scheren.“ (ultimateclassicrock.com)

Making of: Supertramp - Breakfast in America

Die Supertramp-Cover besitzen hohen Wiedererkennungswert: So auch beim 5. Album „Even in the quietest Moments…“

Supertramp: Streiten ist so anstrengend

Falls Rick sein Missfallen über spirituell gefärbte Songinhalte Roger persönlich mitgeteilt hat, dann blieb es zumindest folgenlos. Denn auch auf „Breakfast in America“ gibt es einen Song mit deutlich religiösem Unterton: „Lord is it Mine“.

You know I get so weary from the battles in this life
And there’s many times it seems that you’re the only hope in sight
Is it mine
Oh Lord is it mine

Und das war nicht der einzige Song, der bei Davies Stirnrunzeln auslöste. Aber Rick Davies scheute sich, solche Konflikte offen auszutragen: „Wenn ich mir einen von Rogers Song anschaute und überzeugt war, dass da etwas im Argen lag, musste ich wirklich zu 100 Prozent einsteigen um dagegen zu kämpfen. Und meistens hatte ich nicht die Energie dafür, weil ich sah, wie das Ganze zu einem riesigen Missverständnis aufgeblasen wurde.“ (ultimateclassicrock.com) Ein Phänomen, von dem Beziehungsberater ein Lied singen können. Das aber wiederum führte dazu, dass Rick und Roger inzwischen nur noch wenig kommunizierten.

Zwei Kauze, die sich gut ergänzen

Es ist „Breakfast in America“ musikalisch nicht anzuhören: Im Vergleich zu den ernsteren Vorgängeralben kommt es recht leicht und poppig daher.  Doch die beiden Songwriter Hodgson und Davies hatten sich damals kaum noch etwas zu sagen. Später – als Hodgson sich von Supertramp trennte – wurde viel Porzellan zerschlagen.  Roger Hodgson gab 1979 aber in einem Interview mit dem Melody Maker unumwunden zu, dass Supertramps Erfolg sich auch aus der Spannung zwischen den beiden so gegensätzlichen Charakteren speiste: „Wir sind beide Kauze und wir konnten uns auf verbaler Ebene noch nie besonders gut verständigen. Es gibt eine sehr tiefe Verbundenheit, aber es ist definitiv hauptsächlich auf einer musikalischen Ebene. Wenn wir nur zu zweit zusammen spielen, gibt es eine unglaubliche Empathie. Seine bodenständige Art zu schreiben, die sehr Rock ’n‘ Roll ist, gleicht meinen leichteren, melodischen Stil aus.“ (ultimateclassicrock.com)

Making of: Supertramp - Breakfast in America

Keyboarder und Sänger Rick Davies brachte sein erdiges R&B-Feeling bei Supertramp ein. (Inner sleeve „Even in the quietest Moments…“, Foto: Kenneth McGowan)

Der Mann mit der Mundharmonika

Rick Davies, Jahrgang 1944, ist knapp 6 Jahre älter als Roger. Rick ist im Jazz, Soul und R&B zu Hause. Er ist nicht nur ein versierter Pianist, sondern bringt mit seiner Blues-Mundharmonika etwa bei „Take the long way home“ eine besondere Farbe in die Musik. Erinnert sei auch an das legendäre Intro bei „School“ auf dem Album „Crime of the Century“. Neben Morricones „Spiel mir das Lied vom Tod“ der vermutlich bekannteste Einsatz der Mundharmonika in der Populärmusik – wenn wir von Bob Dylan und seiner zuweilen etwas fiepsig klingenden Blues Harp einmal absehen. Die musikalische Heimat Roger Hodgson dagegen sind die Beatles, The Kinks, The Who und Traffic: „Die erste Band, die ich wirklich mochte, waren The Shadows. Aber als die Beatles ein paar Jahre später auftauchten, hat das mein Leben wirklich verändert.“(accousticstorm.com) 

Blue Collar vs. Public School

Auch der soziale Hintergrund der beiden Supertramp-Masterminds unterscheidet sich: Der im südenglischen Swindon geborene Rick kommt aus einfachen Verhältnissen. Der Vater war Seemann, die Mutter Friseurin. Bereits mit 12 trommelt er in einer Band. Als er 19 ist, stirbt sein Vater. Der aus Portsmouth, Hampshire stammende Roger Hodgson wächst in der Universitätsstadt Oxford auf. Aber auch er hat sein Päckchen zu tragen: Er wird von seinen Eltern auf ein Internat geschickt, wo der sensible Junge sich ähnlich unwohl fühlt, wie Tony Banks in Charterhouse.

Rogers Eltern trennen sich, als er 12 Jahre alt ist. Sein Vater hinterlässt ihm immerhin seine Gitarre. Die hatte der Junge nicht mal anrühren dürfen, solange der Vater noch zu Hause wohnte. „Die Gitarre war der Platz, zu dem ich fliehen konnte, in meine Traumwelt, in die Welt der Musik“, berichtet Roger Hodgson in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. „Kaum hatte ich die Gitarre, begann ich, Songs zu schreiben. Mein Musiklehrer zeigte mir drei Akkorde. Das war’s. Mit diesen drei Akkorden habe ich zwölf Songs geschrieben. Buddy Holly hat es genauso gemacht!“ (SZ)

Making of: Supertramp - Breakfast in America

Roger Hodgson schrieb die meisten Supertramp-Hits. (Inner sleeve „Even in the quietest Moments…“, Foto: Kenneth McGowan)

Die 50/50-Formel

Die beiden Protagonisten Davies und Hodgson hatten für das Songwriting bereits sehr früh auf eine 50/50-Quote geeinigt. Auch wenn später die großen Hits aus der Feder von Roger Hodgson stammten, dürfen wir nicht vergessen, dass es Rick war, der mit seiner Anzeige im Melody Maker die Initialzündung für die spätere Band Supertramp gegeben hatte. Auf „Breakfast in America“ stammen das Titelstück, „Logical Song“, „Take the long way home”, “Lord is it mine” und „Child of Vision“ von Hodgson. Davies zeichnet für “Goodbye Stranger”, “Gone Holywood”, “Oh Darling”, „Just Another Nervous Wreck“ und “Casual Conversations” verantwortlich. Bei Roger Hodgson hat diese Arbeitsaufteilung dazu geführt, dass er mit der Zeit auf einem ganzen Koffer von unveröffentlichten Songs sitzen sollte.

Auf Tournee kann ich nicht komponieren

Roger Hodgson ist ein Vielschreiber, ihm geht das Komponieren neuer Stücke leicht von der Hand: „Ganz anders war es bei Rick“, berichtet Roger Hodgson: „Er hat nur geschrieben, wenn er musste, und zwar genau so viel, wie er gerade brauchte. Das hat auch die Richtung der Alben beeinflusst: Ich habe mir angeschaut, was er hat, und bin dann meine Kiste durchgegangen, um zu schauen, was dazu passen könnte. Ich habe seine Stücke sehr gemocht, weshalb ich ihm auch bei den Arrangements half.“

Rick hat das 1979 im Melody Maker sogar bestätigt, allerdings machte er den Tourneestress für seine überschaubare Autorentätigkeit verantwortlich: „Die fünf Songs, die ich auf ‚Breakfast‘ gemacht habe, sind die einzigen, die ich in drei Jahren geschrieben habe. Ich kann nicht klar denken, wenn wir auf Tour sind. Ich denke nur daran, wohin wir als nächstes gehen …“ (ultimateclassicrock.com)

Making of: Supertramp - Breakfast in America

Deftige Eierspeisen, Hush Browns und natürlich Ketchup dürfen bei einen American Breakfast, wie hier im New Yorker Stadtteil Manhattan, nicht fehlen. (Foto: Costello)

Smoothie statt Hash Browns und Sausage Gravy

Ein „American Breakfast“ ist ein üppiges Frühstück mit Bacon, kleinen Würstchen, Eierspeisen und Hash Browns, Pancakes mit Ahornsirup und Frühstücksflocken, Toast, Biscuits, Sausage gravy, Butter, Marmelade, Früchten, dazu dünner Kaffee („would you like a refill?“)  und Orangensaft. Danach ist man bestenfalls pappsatt und verspürt nicht selten sogar ein ungutes Völlegefühl. Das ist bei dem Supertramp-Album zum Glück nicht der Fall. Roger Hodgson ist ohnehin Vegetarier und zieht einen frischen Smoothie „Hash Brown Potatoes“ – die amerikanische Spielart von Rösti – allemal vor. Und auch der Toningenieur und Co-Produzent Peter Henderson schätzt keinen zugekleisterten Sound. Die Stücke klingen nicht überproduziert. „Wir hatten die Idee, eine wirklich gute Band-Performance zu bekommen“, berichtet Produzent Peter Henderson im Interview mit Sound on Sound. „Alles war frisch und das mochte ich an dem Album – auch wenn es am Ende etwa neun Monate dauerte, bis es fertig war: Die Stücke besitzen immer noch ein wirklich lebhaftes, frisches Gefühl.“

Co-Produzent Peter Henderson

Produzent Peter Henderson hatte seine Lehrjahre im Londoner AIR-Studio verbracht. Sein Mentor war der berühmte Geoff Emerick, bekannt vor allem durch seine Zusammenarbeit mit den Beatles auf Alben wie Revolver, Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band und Abbey Road. Bei Geoff Emerick erwarb Henderson sein Rüstzeug. Das erste mal ins kalte Wasser geworfen wurde Henderson bei Jeff Becks Album „Wired“ (1976), von dem der Toningenieur  heute selbstkritisch sagt, es klinge , „als ob er es direkt auf einen Kassettenrecorder aufgenommen“ hätte. Tatsächlich vollzog sich in den Studios damals gerade ein folgenschwerer Wandel. Der Standard war damals noch 16-Spurtechnik, beim Schlagzeug reichte ein Mikrofon für die Snare und eins für die Bass Drum, dazu zwei Overheadmikrofone – fertig. Eigene Mikrofone für die Toms und die Hihat waren durchaus unüblich. Henderson erinnert sich an Aufnahmen mit Paul McCartney beim Album „Wings at the Speed of Sound“: „Paul machte zwei Gesangsaufnahmen und fragte: ‚Welche ist die bessere?‘ Und wenn er Gitarre gespielt hat, hat er sich wirklich reingehängt und alles gegeben, was er konnte. Nun, Geoff war genauso. Alles musste gespielt werden, und er sagte immer, dass er es mag, wenn der Sound aus den Lautsprechern springt.“ (Sound on Sound)

An die Stelle dieses stark Performance-orientierten Ansatzes trat langsam aber sicher ein elaborierter Produktionstil. Henderson Verdienst ist es, dass er auf „Breakfast in America“ den Fortschritt bei der Studiotechnik souverän nutzte, ohne die Performance-Qualitäten von Supertramp zu opfern. Seine Sporen als Ingenieur verdiente sich Henderson bei Frank Zappa’s „Sheik Yerbouti“. Mit Supertramp arbeitete er zuerst bei den Aufnahmen zu „Even in the Quietest Moments“ zusammen, das von Geoff Emerick gemixt wurde. „Dann wurde ich gebeten, das Folgealbum aufzunehmen und wurde schließlich Co-Produzent der Band.“

Die Demoaufnahmen – Klavier und Gesang

Supertramp hatten im Frühjahr 1978 Demoaufnahmen von einigen neuen Songs in den Southcombe-Studios im kalifornischen Burbank aufgenommen.  Henderson fuhr nach LA in der Annahme, dass sie direkt mit den Aufnahmen loslegen könnten. Allerdings war noch nichts so richtig ausgereift. Die Home-Demos der beiden Komponisten Hodgson und Davies für die einzelnen Songs  bestanden fast alle aus Gesang mit einer Begleitung auf dem Klavier oder dem Wurlitzer E-Piano. In dem Probenraum in Southcombe hatte sich die Band mit den neuen Stücken vertraut gemacht.  Das gab Henderson die Gelegenheit, mit der Band am Arrangement der Basic Tracks zu feilen.

Auftakt mit Schrecken

Das Album wurde dann im berühmten Studio „The Village“ (auch bekannt als „The Village Recorder“) aufgenommen, einem früheren Logentempel der Freimaurer in der Butler Avenue in Los Angeles. Die Produktion startete mit einem ordentlichen Schrecken, weil Henderson auf dem Weg zum Studio mit dem Auto verunglückte. Ein betrunkener Fahrer rauschte in seinen Wagen, in dem auch seine Frau saß. Zum Glück wurde niemand ernsthaft verletzt. „Ich sah aus wie nach einem Kampf mit Muhammed Ali“ erzählt Henderson. „Das war nicht der beste Start, aber wir waren glücklich einigermaßen unbeschadet davon gekommen zu sein.“

Die Ausstattung im „The Village Recorder“ war luxuriös: zwei Ampex 1200 24-Spurmaschinen und ein 2448 Harrison-Mixer. Henderson war kein allzu großer Fan des Harrison-Pultes – mit einer Ausnahme. Bei Dougie Thomsons neuem Music Man Stingray Bass bewirkte die EQ-Sektion des Mixers wahre Wunder: „Wir legten eine Menge EQ drauf – buchstäblich +10dB bei 100Hz und +10 bei 200Hz – und schickten es dann durch einen Urei 1176. Das Pult hatte ein wirklich gutes Low End, und so wie Dougie es spielte, hatte der Bass auch so viel Tiefe. Dougie wurde als Bassist sehr unterschätzt, sogar innerhalb der Band, aber ich denke, sein Beitrag war großartig.“ (Sound on Sound)

Making of: Supertramp - Breakfast in America

Supertramp-Schlagzeuger Bob Siebenberg. (Inner sleeve „Even in the quietest Moments…“, Foto: Kenneth McGowan)

Supertramps Live-Mixer Russel Pope schraubt am Drumsound

Dank des grundlegenden Artikels von Sound on Sound, ist auch genau dokumentiert,  wie das Ludwig Drum Set von Bob Siebenburg abgenommen wurde: Für die 24-inch Bass Drum wurde ein Sennheiser 421 eingesetzt, ein Sennheiser 421 für die Toms, ein Neumann KM84  für die Superphonic Snare und AKGs 451 für Overhead und die Hi-Hat. Die ersten Tage im Studio war Henderson damit beschäftigt, verschiedene Standorte für das Drumset auszuprobieren. Unterstützt wurde er von dem 2017 verstorbenen Russel Pope, verantwortlich für den fantastischen Live-Sound der Band. Russel Pope wird häufig als 6. Supertramp-Mitglied bezeichnet :“Wir nahmen den Sound auf, machten ein paar Takes und machten dann eine halbe Stunde Pause, während Russell Pope und ich mit Bob das Schlagzeug stimmten. Russell war ein weiteres Ohr, fast ein Teil der Band, also gingen wir da rein, während Bob eine Verschnaufpause hatte, und änderten ein paar Dinge.“ (Sound on Sound)

Making of: Supertramp - Breakfast in America

Das Neumann U 87 wurde bei „Breakfast in America“ für mehrere Zwecke verwendet: für John Helliwells Saxophon und für Roger Hodgsons akustische Gitarre.

Saxofonist John Helliwell wird aufs Klo verbannt

Am Ende spielten Drummer, Bassist und Roger Hodgson am Wurlitzer in einem Raum, während der Flügel für Rick Davies, der für Einstreuungen natürlich besonders anfällig war, in einer weiteren „Booth“ untergebracht wurde. Und was war mit dem Saxophonisten? Nun, der wurde ins Klo abgeschoben: „John hat eine Menge deswegen rumgemosert, aber ich glaube, es hat ihm sogar gefallen“, meint Henderson. John Helliwells Saxophon wurde mit einem STC 4038 Bändchenmikrofon in der Glocke aufgenommen und zusätzlich einem Neumann U87, das einen guten halben Meter entfernt war.

Die Basic-Tracks sind entscheidend dafür verantwortlich, dass das ganze Album „Breakfast in America“ so konsistent geraten ist und der Sound zwar poliert klingt, ohne dabei an Unmittelbarkeit zu verlieren: „Bei dem Song ‚Child Of Vision‘ zum Beispiel war das gesamte Flügelsolo live, und über die ganze Platte hinweg konnten wir eine Menge Sachen behalten, die nicht neu gemacht werden mussten. Es waren nur fünf Leute, die in einem Raum spielten. Es gab keine Click-Tracks und kein Splicing der Backing-Tracks.“ (Sound on Sound) 

Dafür, dass die Basic Tracks in wenigen Wochen so leicht von der Hand gingen, nahmen die Overdubs mit weiteren 7 Monaten recht viel Zeit in Anspruch. Doch nun ging es an die Feinarbeit.

Making of: Supertramp - Breakfast in America

Bassist Dougie Thomson und Saxophonist John Helliwell. (Inner sleeve „Even in the quietest Moments…“, Foto: Kenneth McGowan)

Logical Song – Das Meisterstück auf Breakfast in America

Beim größten Hit des Albums „The Logical Song“ ergänzten sich ein moderater Beat, eine eingängige Melodielinie und ein bissiger Text, den jeder nachempfinden kann, dessen überschwängliche Träume von einem kalten, auf Effizienz und Leistungsdruck getrimmten Bildungssystem zerstört wurden. Roger Hodgson hat gesagt, der Song würde eindeutig autobiographische Züge tragen.  Erst wird eine wunderbare Jugend heraufbeschworen:

When I was young, it seemed that life was so wonderful
A miracle, oh it was beautiful, magical

Dann folgt der jähe Absturz:

But then they send me away to teach me how to be sensible
Logical, oh responsible, practical
And they showed me a world where I could be so dependable
Oh clinical, oh intellectual, cynical

Roger Hodgson hat nach eigener Aussage viel Arbeit in den Text gesteckt: „Ich musste all die Wörter finden, die auf ‚-al‘ endeten. Das war das einzige Mal, das ich beim Verfassen eines Textes ein Wörterbuch zu Rate gezogen habe“.   (classicrock.net)  

Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung erklärt Hodgson dazu: „Die Texte drückten meinen Schmerz aus. Aber wer ich wirklich war, das kommt über die optimistischen Melodien zum Vorschein. Kinderbilder von mir zeigen einen Wonneproppen, ein Kind, das sich über alles freuen kann. Dann kommt das Internat und treibt einem Kind all die Freude aus. Und den Rest unseres Lebens verbringen wir dann damit, diese Wunden zu heilen.“

Making of: Supertramp - Breakfast in America

Das Wurlitzer 200 A ist maßgeblich für den typischen Supertrampsound verantwortlich. Der Klang ist mittiger und bissiger als beim Fender Rhodes, das  glockiger klingt. (Foto mit freundlicher Genehmigung von Morriwienc0)

Ausgefeiltes Arrangement

Ausgangspunkt des Songs ist das E-Pianoriff – die Achtel des Wurlitzer sind in zwei Dreiergruppen mit einem starken Akzent auf der 1 und der 4 und zwei angehängten Achteln gruppiert: „Das hatte ein sehr perkussives, rhythmisches Gefühl, das mir wirklich gefiel.“ (classicrock.net)

Wenn Hodgson freilich von „optimistischen Melodien“ spricht, müssen wir festhalten, dass das für den Logical Song nur bedingt gilt: Die Ton-Art ist c-moll, die Beethoven gerne benutzt hat. Ob für seine Egmont-Overtüre oder für seine Klaviersonate „Pathétique“ – c-Moll ist „dramatisch, leidenschaftlich, voll pathetischem Gestus“. (swr.de)

Das Song-Arrangement hat Roger Hodgson bis ins kleinste Detail ausgefeilt: „Ich war der Haupt-Arrangeur in der Band. Ich ging durch alle Parts, bis hin zu den Drum-Fills. Das ist wie ein Puzzle. Alles, was da nichts verloren hatte, sollte nicht da sein. Alles war orchestiert, deswegen funktionierte es so gut.“ (classicrock.net)

Making of: Supertramp - Breakfast in America

Obwohl wohl niemand Supertramp als elektronische Band bezeichnen würde, haben sie doch ein echtes analoges Schlachtross eingesetzt: den Oberheim Four Voice.

Logical Song – Die Instrumentierung

Eine Les Paul-Gitarre wurde durch ein Leslie geschickt und anschließend komprimiert. Dazu kamen die gedoppelten Spuren einer 12-saitigen Guild-Gitarre, aufgenommen mit einem Neumann U 87. Für Stringsounds wurde ein Elka Rhapsody String Synthesizer und ein Oberheim Four Voice eingesetzt. Das Elka wurde durch einen Boss Chorus CE-1 geschickt, ein Effekt, den Henderson sehr schätzte. Das Boss Chorus CE-1 war auch für den Sound von Roger Hodgsons Wurlitzer 200 A verantwortlich. Wurde es früher durch einen Roland Jazz Chorus gespielt, nahm es Henderson bei  „Breakfast in America“ über eine DI-Box auf und splittete den Klang. Ein Teil lief durch den Chorus, der andere blieb trocken.

Kurioserweise sorgte ausgerechnet das, was den Song so unverwechselbar macht – nämlich Rogers Wurlitzerspiel – sowohl bei Rick Davies als auch beim Produzenten für leichtes Kopfschütteln. „Roger ist ein natürlich begabter Musiker – alles fällt ihm sehr leicht – aber er hatte immer einen sehr schwerfälligen Stil für das Wurlitzer“, erzählt Henderson. „John bezeichnete ihn immer als ‚Hammerhände‘.“ (Sound on Sound)

Making of: Supertramp - Breakfast in America

Der Boss CE-1 sorgte für fette Schwebungen beim Stringsynthesizer und dem Wurlitzer E-Piano.

Flamenco-Feeling im Intro

Speziell der Song „The Logical Song“ gewinnt eine Menge Atmosphäre durch den Einsatz ungewöhnlicher Percussion. Bob Siebenberg  spielt eine kleines Becken, Kastagnetten die fast ein Flamenco-Feeling aufkommen lassen.  Im Outro verwendet er eine Kuhglocke und Timbales. Roger Hodgsons Stimme wurde mit einem Neumann U47 aufgenommen und der Gesang durch   Universal Audios Kompressorlegende 1176 geschickt. Trotz Doubletrackings und Gesangsharmonien im Background, fehlte dem Song noch etwas. Bis Rick Davies den Vorschlag machte, im zweiten Chorus seine Stimme auf Rogers Gesang  antworten zu lassen. Und das war die Lösung. Dazu kamen noch einige Special Sounds: Tiefe Seufzer verdeutlichen die schwere Bürde, die dem Helden des Songs auferlegt wird. Am Ende  ist eine Pfeife zu hören und – an der Stelle an der Hodgson „digital“ singt – sogar der piepsige Sound eines elektronischen Fußballspiels von Mattel. John Helliwell steuerte ein knackiges Saxofon-Solo bei.

Making of: Supertramp - Breakfast in America

Roger Hodgsons Gesang beim „Logical Song“ wurde mit einem Neumann U 47 aufgezeichnet (Foto: Thomann)

Hodgson war von diesem Song zutiefst überzeugt: „Wenn man ein Stück schreibt, spürt man manchmal, dass es einem zu 80 Prozent ge­­lungen ist, aber bei ‚The Logical Song‘ hatte ich das Gefühl, einen hundertprozentigen Volltreffer gelandet zu haben. Als Melodie, Text, Arrangement und Aufnahme ist es wirklich perfekt in seiner Komplettheit.“ (classicrock.net)

Breakfast in America – der Hit aus der Krabbel-Kiste

Der andere Blockbuster-Hit auf „Breakfast in America“ ist der Titelsong: Roger hat ihn als Teenager am Harmonium geschrieben: „Ich glaube, ich war 17, als ich diese wunderbare Pumporgel fand – ein Harmonium, das man mit den Füßen pumpt. Ich fand es im Haus einer alten Dame auf dem Lande in der Nähe meines Wohnortes in England. Ich kaufte es für 26 Pfund, und als ich es zurückbrachte, schrieb ich all diese Songs darauf: ‚Breakfast In America‘, ‚Two Of Us‘, ‚Soapbox Opera‘, sogar den Anfang von ‚Fool’s Overture‘ und ‚Logical Song‘. Es ist erstaunlich, was dieses Instrument aus mir herausholte.“ (songfacts.com)

Hodgson kramte den alten Song buchstäblich aus der Kiste mit alten Kompositionen. Während er auf „Crime of the Century“ nicht recht gepasst hätte, funktionierte er im Kontext des neuen Albums großartig. Wenn allerdings Produzent Henderson sagt, die Stimmung bei der Produktion sei großartig gewesen, so muss es um den Text zu „Breakfast in America“ zwischen Roger Hodgson und Rick Davies doch einige Diskussionen gegeben haben.

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Making of: Supertramp - Breakfast in America

Supertramp ist eine Keyboarderband. Neben dem Wurlitzer E-Piano ist vor allem ein Steinway-Flügel soundprägend. (Bild: Steinway.com)

Ärger um die erste Zeile

Speziell die erste Zeile des Songs fand Rick ziemlich daneben: „Take a look at my girlfriend, she’s the only one I got.“

In einem Interview mit dem Melodie Maker 1979 räumte Roger Hodgson ein: „Er mochte den Text von ‚Breakfast‘ nie. Er ist so abgedroschen: ‚Sieh dir meine Freundin an.‘ Ihm geht es viel mehr darum, einen Song zu gestalten. Er wäre glücklicher gewesen, wenn ich den Text entweder in etwas Lustigeres oder Relevanteres geändert hätte. Ich habe es versucht, aber es hat nicht geklappt, also blieb ich beim Original.“ (songfacts.com)

Und tatsächlich beschreibt Hodgson den perfekten Mr. Normal, der vom sonnigen Kalifornien und den Mädchen dort träumt. Und schon weiß, dass es wohl beim Träumen bleiben wird.

„Take a jumbo across the water
Like to see America
See the girls in California
I’m hopin‘, it’s going to come true
But there’s not a lot, I can do“

Es gibt kein großes Intro, das Klavier fällt direkt ins Haus. Dick „Slyde“ Hyde unterstützt mit Posaune und Tuba den etwas rumplig-unbeholfenen „umpa umpa“-Beat von „Breakfast in America“. Mit einer Länge von nur 2:39 bietet der Song ideale Radio-Kost.

Making of: Supertramp - Breakfast in America

Supertramp bei einem zünftigen „American Breakfast“ in einem kalifornischen Diner.

Der Last Minute-Hit: Take the long way home

Roger Hodgson erzählt, dass er „Take the long war home“ auf den letzten Drücker komponiert hätte. Kurz bevor die Studioaufnahmen begannen, er habe sich mit dem Song „selbst überrascht“. Der Ton ist ziemlich ironisch:

„So, you think you’re a Romeo
Playing a part in a picture show
Well, take the long way home
Take the long way home“

Hodgson erzählt, er wollte das Thema „zu Hause“ auf zwei unterschiedliche Ebenen thematisieren. Neben der offensichtlichen Ebene, die den bedauernswerten Helden des Songs als „Joke of the neighbourhood“ beschreibt, der von seiner Frau wie ein Möbelstück behandelt wird („and then your wife seems to think you’re part of the furniture“) gibt es auch noch eine tiefere Ebene: „Ich glaube wirklich, dass wir alle unser Zuhause finden wollen, diesen Ort in uns, an dem wir uns zu Hause fühlen, und für mich ist Zuhause im Herzen, und das ist wirklich, wenn wir in Kontakt mit unserem Herzen sind und wir unser Leben aus dem Herzen heraus leben, dann fühlen wir uns, als hätten wir unser Zuhause gefunden.“ (accousticstorm.com)

Goodbye Stranger – Warten auf das Gitarrensolo

Rick braucht gerne etwas länger, um auf den Punkt zu kommen: „Goodbye Stranger“ – sein einziger Hit auf dem Album – ist eine schöne Midtempo-Nummer, mit einem halb melancholisch, halb ironischen Text über einen beziehungsunfähigen Lover, der von einer Frau zur anderen zieht. Er will sich nie festlegen, scheut jede Verbindlichkeit und versteckt sich hinter einer oberflächlichen,  glatten Freundlichkeit.

Goodbye stranger it’s been nice
Hope you find your paradise
Tried to see your point of view
Hope your dreams will all come true

Das Problem des Songs ist, dass er sich ein wenig in die Länge zieht. Interessant wird es wieder, wenn das Gitarrensolo einsetzt, dann nimmt der Song noch mal richtig Fahrt auf. Rick Davies hätte sich übrigens gewünscht, dass die Platte in Anlehnung an diesen Song „Hello Stranger“ getauft worden wäre. Aber auch hier setzte sich Hodgson durch und machte ausgerechnet den Namen des von Rick wenig geliebten „Breakfast in America“ zum Albumtitel. Roger konnte die anderen davon überzeugen, dass dieser Titel Spaß suggeriert und deshalb sehr gut zu dem Album passen würde.

Making of: Supertramp - Breakfast in America

Gone Hollywood. Der Hollywood Boulevard in Los Angeles in den 90ern. Man beachte die Werbung für ein Probenstudio. (Foto:Costello)

Versteckte Kritik und eine schwache Ballade

„Breakfast in America“ lässt sich wunderbar als Album hören, seine Energie bezieht es aber aus den vier Single-Hits. Eingerahmt wird das Album von „Gone Hollywood“ von Rick Davies über gescheiterte Ambitionen eines Möchtegern-Hollywoodstars:

So many creeps in Hollywood
I’m in this dumb motel near the Taco Bell
Without a hope in hell
I can’t believe that I’m still around

Als Äquivalent zu Davies Eröffnungssong setzte Roger Hodgson „Child of Vision“ an das Ende des Albums. Ich habe diesen Song immer sehr gemocht, mit dem unglaublich tighten E-Pianospiel, das einen fast automatenhaften Sog entwickelt, und dem langen Klaviersolo auf dem Steinway. Inhaltlich kann auch dieser Song als ironischer Kommentar auf den „American way of life“ interpretiert werden.

You tried to be a hero
Commit the perfect crime
But the dollar got you dancing
And you’re running out of time

Hodgson hat aber auch angedeutet, dass er bei dem Song Rick Davies im Sinn hatte. Und auch dieser scheint die sich verschlechternde Kommunikation zwischen den beiden in einem Song mit dem bezeichnenden Titel „Casual Conversations“ thematisiert zu haben:

It doesn’t matter what I say
You never listen, anyway
Just don’t know what you’re looking for
Imagination’s all I have
But even then, you say it’s bad
Just can’t see why we disagree

Der wirklich Schwachpunkt auf dem Album ist für mich Roger Hodgsons Ballade „Lord is it Mine“. Und das keineswegs wegen des spirituellen Inhalts. Der schmachtende, manchmal etwas wimmernde  Gesang von Roger Hodgson macht sich am besten, wenn das Vehikel dafür ein echter Pop-Song ist. Wird aber auch noch das Tempo runtergefahren, dann fängt es schnell an, nervig zu werden. Abwechslung bringt immerhin ein Klarinetten-Solo von Helliwell.

Making of: Supertramp - Breakfast in America

„Breakfast in America“ ist wegen der zuweilen bissigen Texte als Kritik am „American Way of Life“ interpretiert worden. Dabei war das nach eigenem Bekunden gar nicht die Intention der Band.  (Foto: Costello)

Als es an den Mixdown ging, wurde Co-Produzent Henderson noch einmal mit der Nase auf die Schwächen des Harrison-Pultes gestoßen: „Die Equalizer waren so harsch, dass es unmöglich war, einen helleren Sound einzustellen, ohne dass es elektronisch klang.“ Also zog die Band noch einmal um: In die legendären Barefoot Studios (vormals Crystal Studios). Merkwürdigerweise fingen jetzt die Probleme an , es entwickelte sich eine Diskussion, ob das Album mehr einen cleanen Hifi-Sound oder einen volleren Klang haben sollte. Das führte zu einigen Umwegen. „Merkwürdigerweise wurden wir nicht unter Druck gesetzt, obwohl man uns durchaus hätte unter Druck setzen sollen. Weil die Plattenfirma A&M eine harte Zeit durchmachte und es für sie ein wirklich entscheidendes Album war.“ (Sound on Sound) 

Breakfast in America – Grammy für die Mischung

Die Songs wurden Strophe für Strophe, Refrain für Refrain gemixt. Manche Songs drei- oder viermal. Mal bemühte sich Henderson um einen cleanen Sound, wobei die Musik aber einen Teil ihrer Energie einbüßte, ein anderes Mal war das Schlagzeug zu laut. „Wir verloren die Objektivität und auch die Geduld. Insgesamt klang das ja alles verdammt gut, aber über die Monate entwickelte jeder unterschiedliche Vorstellungen, wie das Album am Ende klingen sollte. Es war wirklich verwirrend“ Am Ende wurde es dann auch zeitlich noch eng, aber Peter Henderson und die Band schafften es schließlich, sich auf einen Mix zu einigen. Gemastert wurde „Breakfast in America“ von Bernie Grundman bei A&M. Für Peter Henderson und Russel Pope, die nach dem Endmix praktisch kein Auge zugetan hatten, sollten es aufreibende Stunden werden. Als Bernie Grundman sich das Album anhörte gab es viel Kopfkratzen und verdutzte Blicke. Und auch als eine Probepressung  produziert wurde, ging das Kopfschütteln weiter. „Ist ja ’ne ganze Menge Bass auf den Aufnahmen drauf“, brummte Bernie. „Ja, so machen wir das in England“, antwortete Henderson, dem das Herz in die Hose sank. Er dachte tatsächlich einen Moment lang, er hätte es komplett verbockt und das wäre das Ende seiner Karriere. (Sound on Sound) 

Es kam anders: „Breakfast in America“ gewann einen Grammy für die Abmischung, und setzte sich gegen Alben von Led Zeppelin und Talking Heads durch. Auf der Grammy-Party bedankte sich Henderson bei seiner kleinen Ansprache höflich auch beim Master-Ingenieur Bernie Grundman. Der kam später auf ihn zu, bedankte sich seinerseits für die freundliche Erwähnung und sagte: „Als ich das Album das erste Mal gehört habe, wusste ich, dass es einen Grammy gewinnen würde.“ So kann’s gehen.

Making of: Supertramp - Breakfast in America

Das Albumcover zu Breakfast of America ist ein echter Geniestreich und wurde mit einem Grammy ausgezeichnet.

Breakfast in America – Grammy fürs Cover

Supertramp-Cover waren immer Hingucker: Das Gefängnisgitter vor Sternenhimmel bei „Crime of the Century“, die Liegestühle auf der Müllhalde bei „Crisis, what Crisis?“ oder der eingeschneite Flügel bei „Even in the quietest Moments“. Die Covergestaltung zu „Breakfast in America“ von Mike Doud (Konzept), Mick Haggerty (Design) und Aaron Rapoport (Foto) war allerdings ein regelrechter Geniestreich, der mit einem eigenen Grammy gewürdigt wurde. Man blickt durch ein Flugzeugfenster und sieht eine Kellnerin, die die Freiheitsstatue verkörpert. Sie scheint direkt dem nächsten Diner entsprungen. Ihre emporgereckte rechte  Hand balanciert auf einem kleinen Teller ein Glas Orangensatz als Fackel. In der Linken hält sie die Speisekarte, auf der der Albumstitel zu lesen ist. Im Hintergrund sieht man aufeinandergeschichtete Schachteln, die man sofort als die berühmten Zwillingstürme des World Trade Centers identifiziert. Bis zu ihrer Zerstörung durch die Al Quaida-Terroristen am 11. September 2001  prägten sie die Skyline von New York. Kaffeekannen, Cornflakes-Packungen, Milchflaschen, gestapelte Tassen, Salz- und Pfefferstreuer stellen weitere Wolkenkratzer dar. Essbestecks gehen strahlenförmig von dem Geschirrberg ab und symbolisieren die Pieranlagen von Lower Manhattan.

Roger Hodgson erzählt, dass die Plattenfirma gerne eine vollbusige junge Kellnerin gezeigt hätte. Aber das war gerade nicht das, was sich Supertramp vorgestellt hatten: „Also arbeiteten wir uns durch einen Modelkatalog und stießen auf diese etwas altmodische Dame, die ein strahlendes Lächeln hatte. Das war Libby.“  Die Schauspielerin Kate Murtagh hatte später noch einen weiteren Auftritt bei Supertramp –  im Video zu  „It’s Raining Again“. (eclipse.de)

Epilog

„Breakfast in America“ verkaufte sich wie geschnitten Brot und räumte richtig ab. Sogar die Kritiken waren insgesamt sehr positiv. Der Rolling Stone spricht von einem “ lehrbuchhaft perfektem Album des post-Beatles-Ära, Keyboard-zentrierter englischer Art-Rock, der die bestmögliche Balance zwischen quasi-symphonischer Klassik und Rock & Roll findet“ Für Stephen Thomas Erlewine von AllMusic markieren die „straff geschriebenen, eingängigen, gut konstruierten Popsongs“ den Höhepunkt von Supertramp. Roger Hodgson hat das nur als gerecht empfunden: „Ich wusste immer, dass es ein großes Album werden würde. Ich wusste, dass unsere Zeit gekommen war und wenn es nicht passiert wäre, hätte uns der große Mann im Himmel einen Streich gespielt. Ich hatte das Gefühl, dass es passieren musste, allein die Tatsache, dass wir so lange dafür kämpfen mussten.“ (ultimateclassicrock.com)

Die Band begab sich auf eine ausgedehnte Welttournee. Rick Davies genoss den Starruhm, auf die Frage, an welche Ära der Band er besonders gerne zurückschaut, antwortet er: „Ganz klar der Erfolg mit Breakfast in America in den USA. Da wurden wir in kürzester Zeit immer größer und größer, plötzlich waren wir sogar Nummer eins der Charts! Eine tiefe Genugtuung. Und endlich mussten wir nicht mehr in miesen Hotels übernachten.“ (Classicrock.net)

Bandkollege Roger Hodgson beantwortet die Frage nach der „schönsten Zeit“ der Band bezeichnenderweise ganz anders: „Unsere Anfänge in den frühen Siebzigern – als wir zwar nicht viel Geld, aber viel kollegialen Spirit und Spaß an der Musik hatten. Wir waren eine tolle Band, mit fünf Jungs, die sich prima verstanden und wahnsinnig gute Musik zusammen gemacht haben.“ (Classicrock.net)

Hier der Logical Song, dargeboten von Roger Hodgson im Juli 2015 im ungarischen Veszprém:

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Supertramp nahmen 1980 das Live-Doppelalbum „Paris“ auf und 1982 ein Studioalbum mit dem vielsagenden Titel „…famous last words…“ Nach einer ausgedehnten Abschiedstournee verließ Roger Hodgson 1983 die Band: „Nach 14 Jahren in der Band ging die Leidenschaft Stück für Stück verloren, auch beeinflusst vom Druck des Erfolges. Geld, Reichtum – all das kann Menschen verändern. Und Musiker blockieren in ihrer Kreativität. Und das ist bei uns damals passiert. Davor hatte ich Angst, das wollte ich für mich nicht mehr. Außerdem war ich Vater von zwei Kleinkindern – Ihnen Zuliebe habe ich in der Karriere eine Pause eingelegt. “ (neuh.com)

Rick Davies behielt die Rechte am Namen „Supertramp“ und sagte zu, nur seine eigenen Songs zu spielen. Doch bereits bei der zweiten Tour spielte die Band auch Hodgsons Hits. Das war, als ob ihm jemand „ein Messer in den Rücken gerammt“ hätte, beklagt Roger. Bei einem Sturz brach er sich beide Handgelenke. Gegen alle ärztlichen Prognosen schaffte es Hodgson, wieder Gitarre und Klavier zu spielen. Er ist unermüdlich auf Tour unterwegs, zuletzt nur ausgebremst durch die Corona-Pandemie.

Es gab auch Gespräche zwischen Rick und Roger für eine Reunion-Tour von Supertramp. Die verliefen allerdings im Sande.

 

 

 

 

 

 

 

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Fazit

Die Sonne Kaliforniens hatte Supertramp offensichtlich gut getan: „Breakfast in America“ entwickelte sich zum Chartbreaker. Makellose Popmusik mit ausgreifenden Klavierlinien und einigen echten Killer-Hooks. Dazu Texte von ironisch-verspielt bis bissig-sarkastisch, die sich als Kritik am „American Way of Life“ verstehen ließen. Supertramps 6. Album hat auch soundmäßig für ein Album der späten 70er Jahre den Test der Zeit bemerkenswert gut standgehalten – vielleicht auch weil die Band und ihr Produzent Henderson bewusst auf den Einsatz plakativer Effekte verzichtet hat. Dafür wurde viel Energie in ausgetüftelte Arrangements gesteckt. Der „Logical Song“ war für  Roger Hodgson zugleich seine innere Kartharsis. Dass es Supertramps größter Hit werden sollte, beweist die Allgemeingültigkeit der von ihm beschriebenen Gefühle. Er wurde verstanden. Was mehr kann ein Künstler verlangen?

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Forum
  1. Profilbild
    Sven Blau  

    Danke für den kurzweiligen Artikel :)

    Ich bin Jahrgang ’86 und als ich mit 13-14 anfing, Supertramp für mich zu entdecken (mit der „It was the Best of Times“, zwar ohne Hodgson aber ich mag die Platte trotzdem und auch heute noch!), wurde ich nicht nur von meinen Mitschülern schief angeguckt.

    Einzig mein Musiklehrer fand das irgendwie cool.

  2. Profilbild
    ach herrjemine  

    Wieder eine wunderbare Reise in die Musikgeschichte. Super recherchiert und mit Spass lesbar. Toller Artikel! Allein dafür lohnt es sich hier vorbei zu schauen. Sonst finde ich nimmt die Qualiät hier leider ein wenig ab.
    …wenn ich wissen will was Thomann im so im Angebot hat schaue ich doch lieber gleich dort vorbei. Egal.
    Hinweis: Auf dem Foto von Mr. Hodgsons Gesangsmikrofon ist fälschlicherweise eine U47 FET zu sehen. Benutzt hat er eine U47 (Röhre). Grosser Unterschied.

  3. Profilbild
    teofilo  

    Damals unzeitgemäß, später zeitlos. Da meine „Musiksozialisation“ ca. genau 1980 losging, bekam ich die Songs von BiA zwar vom Radio mit, dachte jedoch immer, das wären Oldies, so von 1970. Meine Bibliothek hatte die gesamte Platte (Amiga) erst ca. 1984, dazwischen lag Punk, NDW, New Wave, HipHop, High Energy, was das Album noch „älter“ machte. Niemand in meiner Umgebung hätte damals zugegeben, dass das gute Musik wäre;o)

  4. Profilbild
    Organist007  AHU

    „Gemeinsam mit dem Schlagzeuger Bob Millar und dem Gitarrist Richard Palmer wandeln Rick Davies und Roger Hodgson hier auf den Pfaden von Procol Harum, Caravan oder King Crimson. “

    aber nicht wirklich !

  5. Profilbild
    liquid orange  AHU

    Toller Artikel, besten Dank.
    Ich kann mich noch erinnern als das Album veröffentlichte wurde (tja, bin nicht mehr der Jüngste) und die grossen Diskussionen was denn jetzt besser ist, ein Frühstück oder eine Mauer losgingen. Ich wurde zwar Pink Floyd Fan, aber Supertramp mag ich nach wie vor sehr. Was mich aber bis heute auf der Breakfast nervt ist dieser hirnlose Fadeout bei Child of Vision, gerade wenn das Sax loslegt. Wer macht denn so was krankes…?

  6. Profilbild
    ukm  

    Schöner Bericht, auch mit interessanten Hintergrundinformationen.
    Ich hatte vor einigen Jahren mal die Gelegenheit, Roger Hodgson mit Band live zu erleben – war ein schönes Open-Air-Konzert. Lediglich bei dem typischen Wurlitzer-Sound fehlte ein wenig die Authentizität. Da standen aber auch nur rote Keyboards.

    • Profilbild
      costello  RED

      Wobei ich die Wurlitzer-Sounds von Clavia echt nicht schlecht finde. Vor kurzem hatte ich ja das Nord Grand hier getestet und mit etwas tweaken kommt das schon recht nahe ran :)

      • Profilbild
        ukm  

        Stimmt schon, aber als Tastenspieler versucht man ja schon seit Jahrzehnten seine Sounds so zu optimieren, dass sie möglichst nah am Original sind (mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg). Vielleicht bin ich deshalb so hellhörig diesbezüglich geworden, auch bei Orgel- und Piano-Sounds).
        Viele Musiker, die früher Original-Instrumente live gespielt haben, mussten irgendwann auf neuere Geräte umsteigen. Selten hat das zu einer Verbesserung des Klangbildes beigetragen. Allerdings hängt das sicher auch von der gesamten Signalkette (also auch FX und Amps) ab.

  7. Profilbild
    Henrik Fisch  AHU

    Ich weiß gar nicht, wie man dieses Album nicht gut finden kann. Und zwar auch ohne, dass nur eine einzige Schwingung von den Rillen der Platte des Hörers Trommelfell erreicht (bzw. auf heute gemünzt, die Bits des Streams).

    Weil: Bei DEM Cover? Also bitte! Das MUSS man doch gut finden. Oder? ODER?!? 😄

    Spaß beiseite: Ich kann nicht behaupten, dass ich auch nur ansatzweise Fan der Band bin. Aber was ich da höre ist genialer Pop, tolle Laune Musik, ausgezeichnetes Handwerkszeug, wenn das im Radio läuft, dann drehe ich’s lauter (bei aktuellen Stücken wechsele ich den Sender). Die Musik ist doch einfach … geil!

  8. Profilbild
    fanatic  AHU

    Beim Stöbern in meinen Vinylbergen ist mir aufgefallen das irgendwie ganz viel Qualität bei a&m records veröffentlicht wurde.
    Dieses Album habe ich meinem Vater entwendet als ich ca. 12 war. Passte so garnicht in meine kleine Sammlung aber ich habe schon verstanden das dort gute Musiker gute Songs geschrieben haben.

  9. Profilbild
    mudi2000  

    Danke an Costello für den schönen Artikel. Ich bekam irgendwann Mitte der 80er Crime of the Century zum Geburtstag geschenkt und mag Supertramp seitdem sehr. Abseits von einer Best of habe ich mir die anderen Alben allerdings erst viel später besorgt und kennengelernt. Mein Lieblingssong von Breakfast in America ist der Logical Song und ich kann auch die Kritik an Lord is it Mine sehr gut nachvollziehen, das fand ich auch immer viel zu jaulig.

  10. Profilbild
    Herr_Melin  

    Ja, Roger Hodgson … Seine Hits sind bei irgendwie seltsame Attraktoren, auf die ich beim Stöbern in meiner fünf-Sterne-Playlist immer wieder zurückkomme. So wie einiges von ABBA, die kommen irgendwie vom selben Stern und waren unter progressiven Hörern damals genauso „verboten“.

    Und die Band ist ein weiterer Beleg dafür, was herauskommen kann, wenn zwei ganz unterschiedliche Persönlichkeiten sich aneinander reiben. Das Paul&John-Prinzip halt. Obwohl ja die Hits meist von Roger kamen, aber wer weiß, ob er alleine so erfolgreich geworden wäre.

    Egal. Supertramp ist schuld daran, dass ich ein Wurli immer irgendwie cooler fand als das Rhodes, das für mich lange eher mit schrägem Jazz assoziiert war. Witzig auch, dass ich erst jetzt erkannt habe, was auf dem Cover ist – der Fluch des CD-Zeitalters ;-)

    Ganz großartig geschriebener Artikel übrigens! Hut ab!

  11. Profilbild
    TobyB  RED

    Mir gehen langsam die Superlative aus, Costello. Für mich persönlich litten Supertramp immer etwas unter dem Zeitgeist. Das grelle Licht von New Wave, New Romantics, Punk haben die Klasse der Band immer etwas überstrahlt. Was aber nichts an der Klasse der Band, der Kompositionen und Produktionen ändert.

  12. Profilbild
    0gravity  

    Und wieder ein super informativer und toll geschriebener Artikel von Costello.
    Breakfast in America war meine erste Scheibe von Supertramp und für mich ist das ihre Beste, obwohl ich auch die anderen sehr schätze.
    Die Gruppe ist imho eines der vielen Beispiele, wo die Reibung und Konkurrenz zweier musikalischer Talente zu großartigen Ergebnissen geführt hat.
    Obwohl RH sicherlich hauptsächlich die Evergreens geschrieben hat, finde ich die RD-Titel mindestens genauso interessant.
    Mein Lieblingsstück auf BiA ist übrigens Child of Vision, dass für meinen Geschmack leider etwa 20 Minuten zu früh ausgefadet wurde.

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