Test: Icon QCon Pro X, DAW-Controller

9. Januar 2017

Voll bedient - der Remote-Alleskönner

Beim Gang durch das heimische Musikgeschäft oder beim intensiven Studium des Online-Shops könnte man den Eindruck gewinnen, dass es unendlich viele DAW-Controller auf dem Markt gibt. Einige Hersteller kopieren das Konzept der Marktführer und verändern es leicht – man muss sich ja unterscheiden, ob es sinnvoll ist oder nicht. In den letzten Jahren sind ja so einige Fader- und Poti-Boxen erschienen und auch wieder gegangen.

Umso erfreulicher ist es, wenn ein durchdachtes Konzept in einer neuen Version frisch aufgelegt wird: Der Icon QCon Pro X ist so ein Beispiel. Der neue Schwarze ist die logische Weiterentwicklung des „kleinen“ Weißen: Das Grundkonzept bleibt bestehen – also keine konzeptionelle Innovation – aber dafür wurden Verbesserungen untergebracht, das haben wir uns genauer angesehen.

Icon QCon Pro X

Icon QCon Pro X

Eins vorweg: Kürzlich hatten wir den kleinen Bruder des QCon Pro X bei uns zum Test, alles Wichtige zu Platform M und D findet ihr in unserem Test.

Unboxing

Schon beim Schälen aus der Verpackung fällt die verbesserte Optik des Icon QCon Pro X auf. Das mag sich unwesentlich anhören, aber höchstens weil das Thema Arbeitsergonomie ein deutlich unterschätztes Thema ist. Nicht nur, dass der Icon QCon Pro X – im Vergleich zu seinem Vorfahren – schwarz und nicht weiß ist, er ist auch schlanker und nicht so klobig – er wirkt zumindest nicht mehr so. Auf Fotos mag das schwer zu erkennen sein, der Unterschied ist jedoch deutlich bemerkbar, er wirkt weniger wuchtig. Besonders bei der Nutzung mehrerer kaskadierter Controller ist das ein klarer Vorteil.

Noch völlig boxed: Der QCon Pro X

Noch völlig „boxed“: der Icon QCon Pro X

Mit der DAW-Welt Kontakt bekommt der Icon QCon Pro X über USB. Nichts Neues, sondern altbewährtes. Prinzipiell wird jeder Sequencer unterstützt, dem Mackie Control-Protokoll sei Dank. Spezielle Modi zur Softwaresteuerung und Overlays für die Drucktaster gibt es für die üblichen Produkte: Cubase/Nuendo, Logic Pro, Samplitude, Reason, Studio One, Reaper, Ableton Live und Bitwig – auch nicht ganz alltäglich, vor allem die Overlays.

Lieferumfang, sogar eine Cubase LE und Samplitude Silver-Lizenz, sehr schön!

Lieferumfang: Sogar eine Cubase LE und Samplitude Silver Lizenz ist mit dabei, sehr schön

Der Icon QCon Pro X Controller wird als MIDI-Ein- und Ausgang automatisch erkannt, das ermöglichen die USB-Geräteklassen. Für den Mac gibt es eine Steuersoftware, die auch das Firmwareupdate ermöglicht. Aber was macht der PC-User? Besagte Software gibt es auf der Hersteller Website auch für Windows. Schade ist nur, dass das Handbuch das nicht zu wissen scheint.

Wahrscheinlich ließe sich der Qcon Pro X auch an einem Linux-Rechner nutzen, den USB-Geräteklassen sei Dank. Getestet habe ich das jedoch nicht. Soviel nennenswerte Sequencer- und Audio-Software ist für Linux auch nicht verfügbar. Bitwig gehört da zu den großen Ausnahmen.

Overlays für (fast) alle Sequencer!

Overlays für (fast) alle Sequencer

Im Sequencer wird das gute Stück als Mackie-Control angemeldet (in Pro Tools als Mackie HUI). Zwar steigert das die Kompatibilität, lässt aber keinen Spielraum für eigene Adaptionen und Features zu. Klar muss jedoch auch sein, wenn die Software-Gurus bei Icon ein eigenes Übertragungsprotokoll entwickeln sollten, um mehr Features zu implementieren, würde das den Preis deutlich in die Höhe treiben. Auf Standards zu setzen, ist in diesem Fall also gut!

Was für unter den Weihnachtsbaum?

Was für unter den Weihnachtsbaum?

Auf den ersten Blick

Wenn man sich den Icon QCon Pro X etwas genauer betrachtet, wird die direkte Abstammung überdeutlich. Die Anordnung der Bedienelemente und die Leuchtfarben der Taster haben sich kaum geändert. Dafür bestand auch zu keiner Zeit Anlass: Never Change A Winning Team.

Für den PC: Keine Steuersoftware!

Für den PC gibt es leider keine Steuersoftware auf CD-ROM! (Aber auf der Herstellerseite)

Schon beim Auspacken hatte ich den Eindruck, dass der Icon Qcon Pro X eine deutlich bessere Haptik hat als sein Vorgänger, allerdings ist eben dieser Vorgänger schon eine ganze Weile nicht mehr hier im Studio gewesen. Trotzdem: Die Verarbeitung wirkt wertiger und stabil. Die Bedienelemente des Icon QCon Pro X fasst man einfach gerne an. Die teilweise etwas spitz wirkenden Kanten des „alten“ Modells gehören der Vergangenheit an, sehr schön! Der Controller ist – in puncto Verarbeitung und Optik – durchaus auf Augenhöhe mit den meisten Mitbewerbern, wenn nicht sogar etwas darüber.

Die blaue LED zeigt an, dass der Fader berührt wird. Wichtig für gute Automatisierung!

Die blaue LED zeigt an, dass der Fader berührt wird, wichtig für gute Automatisierung

Die Potis (eigtl. Inkrementalgeber) besitzen einen neu gestalteten LED-Kranz in verschiedenen Farben. Es wirkt zunächst wie eine Spielerei, ist aber (je nach der dem Poti zugewiesenen Funktion) sehr sinnvoll und steigert die Übersicht.

Farbig, der LED-Kranz. So kann effizient visualisiert werden!

Farbig, der LED-Kranz. So kann effizient visualisiert werden.

Interessant ist, dass der Controller nicht mit jedem USB-Kabel sauber funktioniert! So habe ich mit meinem Standard-USB-Kabel (da ist normalerweise auch ein Controller angeschlossen) im Test keine Steuerbefehle aus dem Controller heraus bekommen. Empfangen hat er jedoch alles tadellos, seltsam. Erst das mitgelieferte Kabel stellte die Funktion in beide Richtungen sicher.

Auch zwei Fußschalter können angeschlossen werden

Auch zwei Fußschalter können angeschlossen werden

Über den eingebauten USB-Hub lassen sich bis zu drei Erweiterungsboxen anschließen. Da gibt es dann Fader satt oder auch einen Joy-Stick zum Surround-Panning, Das gefällt dem eigenen Spieltrieb und dem Kunden, der zur Auftragsabnahme vorbeikommt.

Egal welcher Sequencer: Der QCon Pro X stellt sich darauf ein!

Egal welcher Sequencer: Der Icon QCon Pro X stellt sich darauf ein!

Forum
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    Leverkusen  

    Interessanter Bericht – wo finde ich denn was zu den möglichen Kanalerweiterungen und Joystickexpandern? Bei Thoman oder iCon irgendwie nicht.

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    Filterpad  AHU

    Optisch ein absoluter Hingucker für jedes Homestudio und ab diesem Zeitpunkt sieht das Zimmer jedenfalls für jeden erkennbar nach Musikstudio aus. Ob man 800€ für ein externes Mischpult ausgibt, muss jeder für sich beantworten. Wie sieht die Langlebigkeit in Verbindung mit den Softwares aus? Das Gerät sollte ja in ~10 Jahren auch noch kompatibel mit der DAW sein, sonst lohnt sich das Geld wirklich nicht.

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    q3tommy

    Ich finde es erstaunlich dass die DAW-Hersteller oder meinetwegen andere Firmen bisher keine bzw wenig hochwertige, moderne und bezahlbarere Motorfadercontroller bauen. Den alten Icon fand ich haptisch und von der Verarbeitung sehr enttäuschend. Der hier sieht schon wirklich sehr viel besser aus.

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    Marco Korda  

    Lieber Florian,
    Danke für Deinen tollen Bericht. Ich finde es sehr gut, wenn Gear auch mal wirklich kritisch bepunktet wird, denn in der Gearszene scheint es ja Usus zu sein, immer etwas zu beschönigen an dieser Stelle (womöglich um niemanden wehzutun?). Nun denn, was mich interessieren würde wäre, mit welcher der DAWs es denn einigermaßen funktioniert hat oder gab es bei jeder „dicke Bugs“? Soweit ich es verstanden habe, war das der Fall. Also raus damit :-)…
    Lieben Dank im Voraus

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    stephan

    ich vermisse immer noch eine Neuauflage des Tascam US 2400 DAW Controllers bzw. endlich mal einen Hersteller der sich das Ding zum Vorbild nimmt und etwas mehr innovation rein packt.

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    PeterLustich  

    Finde den Controller zu dem Preis wirklich interessant, aber due unbeschleunigten Potis etc sind für mich ein echtes no-go, das kenn ich schon von anderen Geräten.
    Wie ist das denn bei dem Hersteller, verbessert er sowas i.d.R. Irgendwann oder werden nur richtige Bugs gefixt?

    • Profilbild
      Florian Scholz  RED

      Gute Frage,

      ich denke eher, dass es nicht gefixt wurde. Ich habe die Unit aber nicht mehr hier, kann also kein Update testen. Hat das gute Stück jemand und kann das verifizieren?
      LG
      Florian

      • Profilbild
        PeterLustich  

        Nach einiger Recherche bin ich zu dem (vorläufigen) Ergebnis gekommen, dass eine Nachbesserung der Firmware bezüglich Beschleunigung wohl eher unwahrscheinlich ist.
        Eine Möglichkeit wäre noch, den Support anzuschreiben. Oft denkt man ja, das lohne sich eh nicht, da ja hunderte von Leuten das schon getan haben. Doch oft ist das gar nicht der Fall.
        Also, ist noch jemand bereit, den Support zu kontaktieren? Wenn in kurzer Zeit mehr als nur eine Anfrage reinkommt, steigen auch die Chancen!

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