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Test: TAL Software MOD halbmodularer Synthesizer

17. Juli 2019

Eine echte Perle ... mein Geheimtipp

TAL MOD mit geöffneter Effekteinheit

Obwohl es den TAL MOD schon einige Zeit am Markt gibt, bin ich trotzdem erst jetzt über diesen wunderbaren Ausnahmesynthesizer gestolpert. Verzeiht uns also diesen verspäteten Test, aber der TAL MOD hat es noch immer verdient, entsprechend gewürdigt zu werden.

Um nicht jedes kleinste Detail an diesem VA-Synthesizer erklären zu müssen, seht euch bitte die Screenshots an, die Tech-Liste und holt euch die Demoversion. Für 63,- Euro ist der TAL MOD wirklich ein Schnäppchen.

Main-Fact-List

  • 3 Oszillatoren mit Saw, Pulse, Triangle und Sine
  • 1 zusätzlicher Noise-Generator mit einstellbarer Klangfarbe
  • 2 resonanzfähige Filter (LP, HP, Notch, Allpass, BP) mit vielseitigen Routing-Möglichkeiten
  • alle Signalpfade sind stereo ausgelegt
  • FM, Ring-Modulation und Sync
  • 2 LFOs
  • 3 Hüllkurven
  • jedes Modul bietet einiges an Patch-Möglichkeiten
  • Sequencer und Arpeggiator
  • Effektmodul mit Highpass-Filter, Chorus, EQ, Reverb und Delay

Woher wir TAL kennen?

Angefangen hat alles 2012 mit dem Vergleichstest des damals noch unbekannten TAL U-No Software-Synthesizers und dem Roland Juno-60. Selbst bei meinen eigenen Versuchen war der Unterschied zwischen U-No und Juno-60 nur sehr schwer zu hören – und das auch nur bei intensiver Resonanz. 2015 begeisterte mich TAL schließlich mit der Emulation vom Vintage-Sampler. Der TAL Sampler war die preisgünstige und leicht zu bedienende Software-Wiedergeburt meines geliebten Emulator II. Und auch hier konnte ich nicht anders als Höchstnoten vergeben,

Nun war ich natürlich sehr gespannt, was Patrick Kunz, der Mastermind hinter dem TAL MOD, nun wieder ausgeheckt hat. Und bevor ich den Test begann, bat ich ihn zum Interview.

Patrick Kunz TAL Software 2019

Interview zum TAL MOD mit Patrick Kunz

Peter:
Hi Patrick, was ist das Besondere am TAL Mod?

Patrick:
Die Nutzer beschreiben TAL-MOD als verhältnismäßig CPU-sparsamen Synthesizer mit sehr vielen Möglichkeiten und mit gut klingenden Oszillatoren und Filter. Besonders speziell ist, dass der ganze Signalpfad stereo ist und ein Oszillator bis zu 7 Unisono-Stimmen mit einstellbarer Stereo-Intensität, Detuning und Lautstärke produzieren kann. Ebenso die Hard-Sync-Option von Oszillator 1 und 2 zum dritten Oszillator, welches auch mit Unisono funktioniert. Es ist so möglich, auch Stereo-Hard-Sync-Sounds mit vielen Obertönen zu erzeugen.

Die Idee dahinter ist, dass man auch ohne Effekte oder mehreren Aufnahmen einer Mono-Spur zu machen, einen Stereo-Klang erzeugen kann.

TAL MOD mit geöffnetem MOD Env

Peter:
Man kann zwar patchen, aber man kann keine Module austauschen oder ist das mal geplant?

Patrick:
Es war eigentlich nie geplant, dass man patchen kann. Es ist dazu gekommen, da ich mich nicht festlegen konnte und wollte wie das Modulations-Routing aussieht. Eine offene generische Lösung war da sehr willkommen.

Peter:
Bei vielen deiner Synths gab es ein reales Vorbild. Wer war hier der Vater des Gedankens? ;-)

Patrick:
Bei den Oszillatoren war der JP-8000 mit seinen Super-Saw-Oszillatoren sicherlich ein Vorbild. In diesem Fall Aliasing-frei, was Vor- und Nachteile hat. Bei den Filtern eine Mischung zwischen Moog und Roland. Es war in diesem Fall vor allem der eigene Klang im Fokus, ohne etwas konkret zu emulieren.

Peter:
Deine GUIs fallen immer auch durch ein sehr reduziertes GUI aus. Ganz klar Absicht, aber warum?

Patrick:
Das wird immer mehr der Fall sein. Ich erzeuge bei den neuen Plugins das UI direkt im Code. Es ist praktisch ein Vektor-UI. Das hat den Vorteil, dass es skalierbar und einfach mit neuen Funktionen erweiterbar ist. Gerade die Skalierbarkeit wird immer wichtiger, da der Range von Bildschirmauflösungen sehr groß ist. Ich denke auch, dass sich das generell etwas geändert hat und es immer weniger UIs mit Bitmaps gibt.

Peter:
Schon Pläne, was du als Nächstes angehst?

Patrick:
Ich bin gerade in einer experimentalen Phase, wo ich neue Algorithmen und Filter in Prototypen austeste. Es gibt aber noch keine konkreten Pläne für ein Produkt. In nächster Zeit wird es vor allem neue Features und Verbesserungen für die bestehenden Produkte geben.

Der TAL Mod mit geöffnetem Sequencer/Arpeggiator

Der TAL Mod in der Praxis

Der TAL Mod ist auf der einen Seite ein sehr übersichtlicher und vor allem leicht zu bedienender Software-Synthesizer. Wie immer bei TAL fehlen irgendwelchen schnörkeligen Effekte fürs Auge, dafür bekommt das Ohr umso mehr Qualität zu hören.

Das Patchen – vor allem mit diesen reduzierten Möglichkeiten – macht ewig Spaß. Anders als bei ausufernden Modular-Software-Synthesizern mit Tausenden von Modulen, lädt der TAL MOD vor allem Neulinge und Patch-Faule dazu ein, einfach mal ein paar Kabel umzustecken, zu experimentieren und einen experimentierfreudig an der Hand zu nehmen.

Die Ergebnisse sind am Ende nicht weniger abgefahren und erstaunlich, als wenn man ein Mega-Modularsystem vor sich hat. Für mich ist der TAL genau die goldene Mitte zwischen Festverkabelung und purem Patch-System.

Wie klingt der TAL Mod Software-Synthesizer?

Das Ding ist ein kleines Sahneschnittchen. Absolut rund und warm. Wem der Klang zu kalt erscheint, schaltet einfach auf das rote GUI um ;-)

Spaß beiseite: Der TALMOD klingt absolut überzeugend. Ich habe mal eine einfache Sequenz erzeugt und mindestens 10 Parameter manuell moduliert. Die CPU-Last bleibt dabei gelassen und da beginnt auch nichts zu britzeln. Aus Spaß habe ich auch mal einzelne Oszillatoren im Panorama wandern lassen oder die Hallstärke variiert.

Hier das Ergebnis:

 

Fazit

Für 64,- Euro spielt der TAL MOD ganz weit oben mit. Klanglich hat er mich ebenso überzeugt wie von seiner einfachen Bedienung.

Für Einsteiger in Modularsysteme ist der TAL MOD auch ein ausgezeichnetes Tool, um zu verstehen (und zu hören), was passiert, wenn man vorgegebene Signalpfade verlässt und experimentelle Dinge ausprobiert.

Nach U-NO und SAMPLER macht der TAL MOD das Trio perfekt und kann uneingeschränkt empfohlen werden.

Plus

  • sehr guter Klang
  • einfache Bedienung
  • Routing frei über Patch-Kabel bestimmbar
  • echtes Stereo, bereits ab Oszillator

Preis

  • 64,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Sven Rosswog  RED

    TAL verfolge ich schon seit seiner ersten Freeware. Und Amazona hat ihn auch schon sehr lang auf der Liste. Kein anderer Entwickler verdient mehr Aufmerksamkeit als TAL.

    • Profilbild
      Hectorpascal  AHU

      Das stimmt! Vielleicht hat er auch noch eine zündende Idee für eine Modmatrix. Irgendwie bin ich diese Kabel in Software satt. ;)

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        teofilo  

        Vielleicht habe ich das mit Modular/Kabel nicht verstanden, aber ist eine Modmatrix nicht viel flexibler? Man kann mehrere „Kabel“ in eine „Buchse“ stecken und die „Kabeldicke“ einstellen?

        • Profilbild
          Green Dino  AHU

          Um „mehrere Kabel in eine Buchse zu stecken“ braucht man im Modular halt einen Mixer und wenn du mit „Kabekdicke“ die Modulationsintensität meinst, dafür nimmt man einen Attenuator. Ein Attenuverter kann zusätzlich signale nicht nur abschwächen sondern auch invertieren.

  2. Profilbild
    Mick  AHU

    Also der TAL-MOD ist definitiv neu, ich bin öfter auf der Togu Audio Line Seite und habe ihn heute zum ersten mal gesehen! Danke, dafür!

    Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll!?
    -super einfach zu bedienen
    -also Farben da geht nicht nur „rot“, sondern alles
    -er hat den TAL – (JUNO)Chorus das hört man sofort
    -man kann FX, Modulations ENV. und SEQ sperren d.h. sie bleiben stehen auch bei Presetwechsel (das ist einmalig soweit ich weiß)
    -frei skalierbar
    -top Preis!

    Die GUI ist halt nicht so dolle, ist aber hat Vektor-Grafik und dafür skalierbar
    Weiß einer was ein Trigger-Button beim Filter macht, das ist mir neu!?

    Ich konnte jetzt nur mit U-he Bazille (ähnliche Architektur) vergleichen, und der doppelt so teure U-he ist dagegen chancenlos!!!
    Hammer der MOD, warm, fett, aggressiv, einfach richtig geil!

  3. Profilbild
    Flying C  

    True Stereo ab Osc. Sound stimmt, die Module in blau haben einen sanften Hauch von Emu [naja, wenn man will], 64 Doppel-D-Mark ist ein fairer Preis.
    Beinahe schade, softwareseitig wird bei mir nur noch gemastered, durch den Wolf gedreht und EFX.

    TAL hat, mal abgesehen von Uno und Sampler, noch mehr zu bieten, z.B. die Dub-Delays, die Filter, die Mod-FX, Bitcrusher etc.
    Insgesamt Qualitativ hochwertige PlugIns die früher oder später Ihren Platz oder ihre Nische im Setup bzw. im Klanggebilde finden.

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