Blue Box: Casio HT-6000, Analog Synthesizer

11. Mai 2013

Casios Analog-Abenteuer

„Wat willste denn mit den ollen hässlichen Tischhupen!“ kam mir schon öfters zu Gehör, wenn ich Freunden, Bekannten oder Interessenten meine Keyboards der Casio HT-Serie, insbesondere den Casio HT-6000, gezeigt hatte. Zugegeben, besonders hübsch sind sie ja nicht mit ihren klobigen Plastikgehäusen – und dann diese eingebauten Lautsprecher. Pfui. Aber ein paar angespielte Sounds ließen dann die Ohren größer und die Mundwinkel freundlicher werden, denn jeder begriff, dass man es hier nicht mit normalen Tischhupen zu tun hat.

Dass die Firma Casio seit den 70er Jahren quasi als Synonym für Portable Keyboards steht, ist schon eine Erfolgsgeschichte für sich. Diese kleinen, teils gut designten Kinderinstrumente haben ihren Charme und bieten oft eine Menge innovativer Features. Dass Casio auch professionelle digitale Synthesizer bauen kann, haben sie 1985 mit der CZ-Serie und 1988 mit VZ/FZ Serie bewiesen, allesamt sehr eigenwillige und inspirierende Instrumente. Aber warum brachten sie 1987, kurz vor Erscheinen des VZ-1, diese HT/HZ-Serie heraus, die so gar nicht ins Schema passt? Oder doch?

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Die Keyboards der HT-Serie. Das fehlende HZ-600 hat keine Lautsprecher.

Schaut man in die Bedienungsanleitungen, ist auf einmal von analogen subtraktiven Synthesizern die Rede, deren Aufbau und Funktion lehrbuchartig erklärt wird. Andererseits ist wieder von Begriffen wie „Spectrum Dynamics“ und „Waveforms“ die Rede, sogar der Unterschied zwischen Klang und Geräusch wird nett erklärt.

Liest man weiter, wird einem bewusst, dass man es schon fast mit Workstations zu tun hat, bei denen neben den doppelt vorhandenen Synthesizer-Funktionen (Upper Tones und Lower Tones) auch eigene Begleitpattern und komplette Songs programmiert und abgespeichert werden können, inklusive Drums, Bass und Chords. Alles sehr schön, aber mit was für Instrumenten haben wir es denn eigentlich jetzt zu tun?

Ich möchte hier nicht so sehr auf die einzelnen Unterschiede der 4 Instrumente dieser Serie eingehen, sondern eher das Potential am Spitzenmodel Casio HT-6000 vorführen. Dabei werde ich ausschließlich auf die Klangerzeugung der „Upper Tones“ eingehen und nicht auf die erwähnten zahlreichen Extrafunktionen.

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Der Casio HT-6000 Synthesizer

Bedienelemente und Ausstattung

Beim Casio HT-6000 fällt auf, dass er 2 Jogwheels besitzt, was ihn von den anderen Keyboards der HT-Serie unterscheidet. Das linke Wheel ist für die Einstellung der Parameter zuständig, das rechte für die Werte-Einstellung. Die Parameter und Werte werden als Zahlen ohne Text in einem ausreichend großen LC-Display angezeigt. Zudem gibt es jeweils 2 Taster pro DCO (als „Line“ bezeichnet) zur Einstellung von Lautstärke, Tuning und Velocity. Alle einstellbaren Parameter sind löblicherweise mit Nummer und Bezeichnung auf dem Gehäuse aufgedruckt, inklusive Velocity-Kurven. Diese Bedienhilfen machen die Programmierung der Sounds für 80er Jahre Verhältnisse relativ einfach und lassen sogar Veränderungen in Echtzeit zu.

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Casio HT-6000 Programmierabteilung

Die 61 Tasten der anschlagdynamischen Fullsize-Tastatur lassen sich ganz gut spielen, sind aber eher durchschnittlich verarbeitet. Pitchbend- und Modulationsrad erinnern an den DX7 und befinden sich an der richtigen Stelle.

Anschlussmäßig gibt es zwei einzelne Klinkenausgänge für den Stereobetrieb und eine Kopfhörerbuchse an der Vorderseite, die bei Benutzung die Lautsprecher stummschaltet. Zudem sind Buchsen für Sustain-Schalter und Lautstärke-Pedal vorhanden, wie es bei „Alleinunterhalter“-Keyboards Standard ist. Erfreulich ist zudem das MIDI-Trio, welches eine saubere Einbindung ins vorhandene MIDI-System zulässt. Leider sind nur wenige (aber die wichtigsten) Controller-Daten über MIDI steuerbar und es ist auch kein Datenaustausch per Sys-Ex möglich. Aber für den normalen Sequencer-Betrieb reicht die Steuerung aus.

Für die Upper-Tones stehen 20 Preset-Sounds zur Verfügung, die allesamt ganz ordentlich als „Brot und Butter“-Sounds zu gebrauchen sind. Als Speicherplätze kann man 20 Sounds auf dem internen Speicher ablegen und nochmals 20 Sounds auf der optionalen RAM Karte RA-100. Das klingt erst mal ganz gut, aber leider haben wir es mit einem flüchtigen internen Speicher zu tun, der die Sounds nach einiger Zeit verliert, es sei denn, man lässt das Gerät unter Dauerstrom. Die Speicherkarte ist zudem sehr rar, so dass man schon Glück haben muss, sie heutzutage günstig zu erwerben.

Der Betrieb des Gerätes ist über ein Standard 9-12V Netzteil oder per Batteriebetrieb möglich. Ein kleines nützliches Feature ist die Möglichkeit, die bei batteriebetrieben Keyboards prinzipiell immer vorhandene (und oft nervende) Auto-Power-Off Funktion auszuschalten.

DCO

Der Casio HT-6000 besitzt 4 DCOs, die 64 Waveforms beherrschen. Über die genaue Erzeugungsweise der „SD“-Waves gibt es nur Vermutungen und kaum veröffentlichte Infos. Es wird wohl für immer Casios Geheimnis bleiben. Vielleicht auch aus der damaligen Sorge heraus, wieder verklagt zu werden, wie es im Fall der PD Synthese durch Yamaha der Fall war.

Eine andere Theorie wäre, dass Casio verschweigen wollte, dass sich die Erzeugung der Waves nicht großartig von den billigen „Tischhupen“ Keyboard-Serien unterscheidet. Denn sie werden pro DCO von je einem NEC 935G Chip erzeugt, der vermutlich eine Weiterentwicklung des schon in den Kultkeyboads MT 68/100/400V verbauten NEC 931G ist. Diese erzeugen jeweils 2 Multipulsewaves, die festgelegte Tonlagen und dynamische Muster durchlaufen. Als Ergebnis stehen Standardwaves (Saw, Triangle, Square mit verschieden Pulsbreiten) und spezielle Waves mit unterschiedlichen Lautstärkeanteilen, Harmonischen oder Zeitverläufen zur Verfügung. Diese sich zeitlich und dynamisch verändernden „SD“-Waves sind schon ein sehr besonderes Feature, welches z.B. glockenartigen Klängen mehr Dynamik oder Flächensounds mehr Fülle und „Leben“ verleihen kann.

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Die 4 DCOs der SD-Synthese, schön symmetrisch ausfgebaut

Die 64 Waveforms sind in 2 Gruppen aufgeteilt. Zum einen in 32 „normale“ Waves, zum anderen in 16 Waves mit zusätzlichem Rauschen und 16 Waves, die eine Ringmodulation des dritten und vierten DCOs erlauben. Leider kann man die Waves nicht für jeden DCO getrennt einstellen, jedoch bieten die Standardwaves und die Ringmodulation schon sehr viele Möglichkeiten. (Soundbeispiel 1)

Als Zusatz-Feature kann man dafür jeden DCO separat in der Lautstärke verändern, mit verschiedenen Velocity-Kurven belegen (siehe „Velocity) und ganz wichtig, tonal stimmen. Das fängt an mit 30 Schritten bis zum nächsten Halbton, und ab dann in Halbtonschritten nach oben bis zum Wert 99, d.h. über mehr als 5 Oktaven! (Soundbeispiel 2)

Somit sind allein pro Stimme schon interessante „Chord Memory“ Sounds möglich, so dass bei 8 möglichen Stimmen ein gewaltiges Tonspektrum entstehen kann (Geisterorgeln lassen grüßen). In Verbindung mit der Ringmodulation entstehen noch sehr viel komplexere Sounds. (Soundbeispiel 6)

Der eher harsche, schneidige und obertonreiche Klangcharakter der Waves erlaubt aber auch das Konstruieren von authentischen „8-Bit“ Sounds (alleine die Triangle-Wave klingt wie bei meinem Nintendo MIDINES System). Durch leichtes Detuning der einzelnen DCOs lassen sich wiederum fette „Super-Saw/Square“ Sounds erstellen, mit denen nur wenige Synthesizer ohne zusätzliche Effekte konkurrieren können. (Soundbeispiel 3+4). Alles in allem also eine interessante vielfältige Klangsynthese. Bravo!

Waveforms

Übersicht der zwei Waveformgruppen beim Casio HT-6000

VCF

Die obertonreichen Waves gelangen im nächsten Schritt durchs analoge 24 dB Tiefpass Filter, von dem pro Stimme jeweils eins zur Verfügung steht, also 8 Stück. Der gänzlich unbekannte Filterbaustein JRC 2090D scheint eine Casio Eigenentwicklung zu sein, bisher habe ich noch kein Datenblatt finden können. Er wird ähnlich aufgebaut sein wie z.B. ein CEM 3391 Chip mit Spannungseingängen für Cutoff, Resonanz, Amount und einer vollständigen ADSR-Envelope. Diese Werte lassen sich auch alle einzeln programmieren, leider jedoch nur jeweils in 32 Schritten, die Resonanz sogar nur in 8 Schritten. Das ist sehr schade, da eigentlich schon eine Auflösung in 64 Schritten beim Cutoff (z.B. Korg DW-8000) eine Zumutung ist und hörbare Abstufungen erzeugt. Zudem wird keine Eigenresonanz zugelassen, zu der das Filter eigentlich in der Lage wäre. Man wollte wohl die damalige Käuferschaft nicht mit schreienden Acid-Fiepsounds erschrecken, aber dazu mehr beim Thema „Modifikationen“.

Die ADSR Hüllkurve lässt sich ganz passabel einstellen und ist wirklich schnell. Leider sind die Attack- und Decay-Werte recht kurz geraten, so dass langsame Filtersweeps kaum möglich sind. Positiv ist wiederum die Key-Follow-Funktion und das Einstellen von 5 verschiedenen Velocity Kurven inklusive Empfindlichkeit.

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Die eher unscheinbaren 8 analogen Filterchips des Casio HT-6000 mit Trimpoti

DCA

Beim DCA sieht’s beim Casio HT-6000 ähnlich aus wie beim VCF: ADSR Envelope in jeweils 32 Schritten einstellbar, schnell und knackig, jedoch mit recht kurzen Attack- und Decay-Werten und Key Follow – für Percussive-Sounds ideal, für lange Sweeps eher mäßig. Hier kann jedoch als Bonus zwischen zwei unterschiedliche Attack- und Decay-Kurven gewählt werden, wobei nur die Änderung für Decay merklich etwas verändert bzw. den Wert etwas verlängert. Eine eigene Velocity-Funktion ist nicht vorhanden, wahrscheinlich weil sie ja schon bei den DCOs ausführlich eingestellt werden kann (siehe „Velocity“). Interessant ist jedoch, dass bei der Einstellung der DCO-Velocity auch die Länge des Decay-Wertes hörbar mit beeinflusst wird, sprich: schwacher Anschlag -> kurz, starker Anschlag -> lang. Auch ein interessanter Effekt für gefühlvolles Spiel.

Noise

Die Schwingungsformen 1-15 der Gruppe 2 enthalten zusätzlich zu den Standard-Waves zwei verschiedene Rauschgenerator-Sounds. Zum einen ein kurzes gelooptes weißes Rauschen, zum anderen ein eher undefinierbares metallisches Geräusch. Diese Sounds können unabhängig von den Waves durch eine eigene ADSR Hüllkurve geformt werden, so dass interessante klangliche Akzente gesetzt werden können. Danach wird der Sound durchs VCF geschickt und bleibt auch dahinter völlig unabhängig vom DCA den anderen Waves.

LFO

Der LFO ist leider sehr mager ausgefallen. Er bietet zwar 5 verschiedene Schwingungsformen an (unter anderem auch Random und Saw-Up/Down), aber er kann nur auf die DCOs angewendet werden. Zudem ist der Geschwindigkeitsbereich sehr begrenzt (insgesamt sehr langsam) und die Intensität sehr zaghaft. Für FX-Fans eher eine Nullnummer, aber für nette Akzente und Vibrato ganz OK. Schade.

Velocity und Spielhilfen

Hier kann der Casio HT-6000 wieder voll auftrumpfen. Zum einen gibt es ein gewöhnliches an- und abschaltbares Modulationsrad und ein Pitchbendrad, das jedoch nur auf +/- 2 Halbtöne begrenzt und nicht einstellbar ist. Zum anderen hat man dafür eine ganz gute anschlagsdynamische Tastatur und ungewöhnliche Velocity-Funktionen an Board:

Für die DCOs stehen 10 verschieden Kurven zur Verfügung, die jeweils in Art und Tiefe für jeden DCO eingestellt werden können. Dies erlaubt beispielsweise interessante Layer-Sounds mit verschiedenen Stimmungen in Abhängigkeit vom Anschlag (DCO1+2 normale Kurve, DCO 3+4 inverse Kurve). Zudem gibt es 5 eigene Velocity-Kurven fürs VCF (auch mit inverse Kurven), was eine interessante ausdrucksstarke Spielweise ermöglicht. Ein tolles Konzept, was mir bisher bei keinem anderen analogen Synthesizer aus dieser Zeit begegnet ist (Soundbeispiel 5).

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Erwähnt werden muss natürlich auch noch der eingebaute Chorus Effekt, der in 3 Stufen einstellbar ist. Er verbreitert das Stereobild schon hörbar, aber er ist nicht mit dem wundervollen breiten Sound eines Roland Chorus vergleichbar (z.B. Juno Serie). Ein gut gemeinter Zusatz, aber für solche Effekte wäre es wahrscheinlich besser externe Geräte zu nehmen.

Modifikationen

Wie schon erwähnt, ist das Regelkonzept des analogen Filters bei der HT-Serie etwas misslungen. Durch relativ einfache Eingriffe kann das Filter jedoch von seinen Fesseln befreit werden, denn die Steuerung des Filterchips geschieht, wie bei analogen Filtern üblich, über Spannungswerte. Diese werden vom Prozessor festgelegt, der sich wiederum nach den eingestellten Parametereinstellungen richtet. Trennt man nun die Chip-Eingänge für Cutoff und Resonanz von den vorgegeben Werten und ersetzt die nötigen Spannungen durch eigene, ist eine komplett neue Reglung möglich. Sprich, man trennt die Leiterbahnen zu den Eingängen für Cutoff und Resonanz auf und gibt eigene Spannungen über externe Regelpotentiometer rein. Diese kann man wiederum auch per MIDI/CV-Interface vom Sequencer steuern lassen. (Soundbeispiel 7+8).

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Ersetzt man am Filterchip den unteren blauen 5,1 kOhm Widerstand durch 10 kOhm, erhält man Resonanz mit heftiger Selbstozillation

Infos und Beispiele findet man im Internet unter anderem auch auf meiner Seite www.legoluft.de.

Soundbeispiele:

Alle Soundbeispiele, außer dem „HT-6000 Song“, wurden in Wavelab aufgenommen und sind nur im Pegel nachbearbeitet worden.

  1. Selected Waveforms: diverse ausgesuchte Waves mit leicht detuneten DCOs: 01 Selected Waveforms   
  2. DCO Tunebereich: DCO 1 bleibt auf Grundton stehen, DCO 2 stufenweise hoch geregelt: 02 DCO Tunebereich
  3. Detune DCO 1-4: Nacheinander werden DCO 1-4 leicht detuned addiert (Supersaw): 03 Detune DCO 1-4
  4. Supersaw-Vergleich: Es folgen 2 Blöcke mit jeweils 4 ähnlichen Supersaw-Sounds: 1) Roland Alpha Juno, 2) Korg DW 8000, 3) HT-6000 detuned, 4) HT- 6000 ringmodulated, Block 1: ohne Chorus/Delay, Block 2: mit Chorus/Delay: 04 Supersaw-Vergleich  
  5. Velocity Sounds: 3 Beispiele zur Veränderung des Klangbildes durch Anschlagdynamik: 05 Velocity Sounds
  6. Diverse Sounds: Geisterorgel mit Cutoff, Spaciges Vibraphon, Sequenz mit Decay- Veränderung, Chord-Memory Sound: 06 Diverse Sounds
  7. Filter Mod Sounds: 2 Sequenzer Sounds nach Filtermodifikation: 07 Filter MOD Sounds
  8. Filter Mod Sweep: Langer manueller Filtersweep nach Filtermodifikation: 08 Filter MOD Sweep
  9. HT-6000 Song: Kurzer Song aus HT-6000 Sounds. Alle Sounds nur mit EQ nachbearbeitet außer Solo-Sound mit Hall, aufgenommen mit Logic Audio: 09 HT-6000 Song

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Fazit

Der Klang des Gerätes ist definitiv als sehr eigenwillig anzusehen. Die harschen, obertonreichen, teils unsauber klingenden Waveforms machen das Gerät einerseits zum Billigkeyboard mit 8-Bit Charakter. Ordentlich detuned oder ringmoduliert sind andererseits erstaunlich weiche, lebendige, organische Flächen mit analoger Filterbearbeitung möglich. Die unabhängigen DCO Tunings und Velocity-Funktionen erlauben neben allerlei schrägen Sounds auch das Erstellen von polyphon spielbaren „Chord-Memory“ Synth-Sounds und komplexen Orgelsounds, die man quasi nach dem Drawbar-Prinzip zusammen bauen kann.

Das Filter klingt eigen und dünn im Bassbereich (bei viel Resonanz), aber durchaus typisch weich analog. Die fehlende Eigenresonanz ist ein Manko, aber andererseits ist dies auch bei einigen anderen analogen Synthesizern keine Selbstverständlichkeit (z.B. Yamaha CS Serie). Die schnellen Hüllkurven erlauben gute perkussive Sounds, die mit Hilfe der flexiblen Velocity-Funktionen dynamisch spielbar sind. Durch Ringmodulation sind exzellente Glocken- und ungewöhnliche Sequencer-Sounds möglich. Der mit seiner eigenen Hüllkurve unabhängig einstellbare Rauschgenerator kann zudem besondere Akzente setzen.

Unterm Strich bietet das Gerät klanglich ein breites Spektrum. Trotz der starken Verwandtschaft zu den digital-analogen Hybrid Synthesizern wie dem Korg DW-8000 oder Microwave 1 ist er aber doch wieder recht anders und klingt rauer. Für die einen eher trashig mit starkem Charakter, für die anderen eher zu dünn und vielleicht etwas billig. Bei der Erstellung der Soundbeispiele fiel mir persönlich wieder auf, wie flexibel der HT 6000 ist und mit welch einfachen Mitteln man ausdruckstarke ungewöhnliche Sounds erstellen kann. Er wird in Zukunft definitiv einigen meiner Geräte die Arbeit wegnehmen.

Angesichts der niedrigen Gebrauchtmarktpreise (ca. 100-200 €) ist das Gerät eine lohnende Investition. Leider sind die Geräte recht rar, da die Produktion schon nach ca. einem Jahr (1988) wieder eingestellt wurde. Noch mehr lohnt sich der HT-6000 (und auch die anderen Geräte der HT-Serie) für Bastler, da man relativ einfach das Filter modifizieren kann.

Plus

  • eigenwilliges DCO-Konzept mit 4 Oszillatoren pro Stimme, insgesamt 32
  • sehr gute Velocity Funktionen
  • Ringmodulation möglich und eigenständige Noise-Hüllkurve
  • 8-fach polyphones Analogfilter
  • MIDI-fähig
  • einfache, übersichtliche Programmierung mit sinnvollen Bedienhilfen
  • neben der Klangerzeugung auch andere interessante Features vorhanden

Minus

  • Regelung wichtiger Parameter nur mit schlechter Auflösung
  • keine Eigenresonanz des Filters von Werk aus
  • nur 20 flüchtige Speicherplätze, Speicherkarte sehr rar
  • Hüllkurven recht kurz (Attack & Decay)
  • kein Sys-Ex möglich
  • LFO wirkt nur auf DCO, schlechter Einstellbereich

Preis

  • 100,- bis 200,- Euro
Klangbeispiele
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    krismopompas

    hatte das teil auch schon öfter auf dem radar ….. mittlerweile aber keinen platz mehr für 5 oktaven synthies :/

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    TobyB  RED

    Hallo,

    guter Bericht. Die Casio Kisten sind schon lustig.Meine Casio Hupen leben zumindest noch im Sampler weiter.Mein CZ-1 kann mir irgendwie keiner reparieren.

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    Tischhupe

    Moin,
    Ihr solltet euch mal die Legoluft Seite und dort speziell die Bending Seiten ansehen und vor allem anhören. Macht extrem viel Spaß zu hören, was aus den „Tischhupen“ nach dem Bending so raus kommt.

    Tschö
    Markus

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    Xiata

    Ich habe ne frage und zwar geht es um die auto power off funktion: die kann man anscheinend ausschalten. Stimmt das und wenn ja, wie mach ich das?

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      legoluft  

      Moin, ja das ist eigentlich ganz einfach: Gerät einschalten, auf „Pattern/Midi“ drücken, mit dem „Mode“-Wheel den Wert „60“ einstellen und mit dem „Data“-Wheel den Wert „1“ einstellen. Leider behält das HT-6000 die Einstellung nicht und man muss die Auto-Power Funktion bei jedem Einschalten erneuert deaktivieren.

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    klingend  

    Witzig – Alter Artikel, aber durch den 3000er bin ich überhaupt zur elektronischen Musik gekommen. Bei uns stand einer im Zimmer von meiner Schwester, die ihn zwar haben wollte, aber das Interesse relativ schnell daran verloren hatte. Der 6000er war dann mein zweites Instrument, bis dann klassische Synthesizer ohne Lautsprecher in meine Erstlingssammlung kamen. Schöner Artikel.

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