Feature: Thrash Metal – Equipment, Bands und Geschichte

14. Oktober 2018

Die Geschichte des Thrashmetals

Thrash Metal - von der Bay Area bis nach Schweden

— Thrash Metal – Equipment, Bands und Geschichte —

Nun also der Thrash Metal – die historische Verwebung von musikalischem Equipment und Klangbild hat uns ja bereits bei der Strömung des Grunge beschäftigt. Stompboxes, die Geschichte schrieben, zerschlagene Jazzmasters und muffende Fuzzsignale waren die bestimmenden Merkmale. Der Grunge kam einer rohen, schmerzlichen Geste gleich – eine wilde Melange aus Rückkopplungen, treibenden Mitten und ramponierten Fender-Amps, die schlussendlich domestiziert wurde und mit der Zeit in unzählige Subgenres diffundierte.

Redet man also heutzutage von „Einflüssen des Grunge“ beim Klangbild einer Band, attestiert man ihr zugleich eine gewisse Retroqualität. Die Stilistik Grunge beschreibt in der Gegenwart inzwischen eher einen Kanon an vergangenen Einflüssen, anstatt ihr eigenes Genre – das ist bei unserem nächsten Thema definitiv anders.

Die Geschichte des Thrash Metal hingegen ist munter und am Leben. Die Vergangenheit war nicht weniger bewegt als die des Grunge und dennoch ist die Musikrichtung in ihrem traditionellem Gewand bis heute erhalten geblieben. Woran das liegen mag, über welche Wege sich der Sound des Thrash Metal definierte und welche modernen Ableger das Equipment des Thrash Metal hat, wird uns hier beschäftigen.

Redet man von Thrash Metal, redet man also nicht zwangsläufig von der Vergangenheit. Klar – die Geburtsstunde der aggressiven Metal-Sparte liegt ein paar Jahrzehnte zurück und es wird bis heute darüber diskutiert, ob es Venom waren, die mit „Welcome to Hell“ den ersten handfesten Vertreter dieser brutalen Zunft schufen. Fest steht jedoch – es war der Wunsch nach mehr Brutalität, nach einer Abkehr vom manchmal gefühlsduseligen Pathos des Heavy Metals, der den Geist des Thrash Metal begründete.

Eine erschöpfende Darstellung der Geschichte dieses Genres könnte ein ganzes Buch füllen – wir werden mehrere Stationen dieser Geschichte besuchen und uns genau ansehen, was für Amps, Tonabnehmer und Gitarren die Pioniere und zeitgemäßen Vertreter nutzten oder immer noch nutzen, um Stakkatoriffs loszuwälzen und „Hannemannsche Soloeskapaden“ zu fabrizieren. Ein Versuch, die Klassiker des Thrash Metals aufzuzählen, soll dies also nicht werden. Das Internet ist bereits voll von Listen, die „Reign in Blood„, „Master of Puppets“ oder „Among the Living“ auf die Spitzen umfassender Top-20-Listen setzen. Wir wollen uns eher ansehen, welches Equipment die Kerrys und Mustaines nutzten, um die Klassiker zu schaffen, die sie schufen.

Thrash Metal – Hart und dreckig!

Thrash Metal

Einen kurzen Überblick über die Historie wollen wir trotzdem mal wagen. Kaum ein Name ist mit der Geburt des Thrash Metal so verbunden wie die San Francisco Bay Area. Hier fanden Slayer ihren Sound, hier tummelte sich die Szene zwischen eimerweise fließendem Bud-Bier und dem rauschenden Meer der kalifornischen Küste. Hier nahmen Metallica das vielleicht wichtigste Album ihrer Geschichte auf, „Kill ‚em all„, das neben „Show no mercy“ von Slayer die prägenden Anfänge der kalifornischen Szene markierte. Exodus demolierten die Bühnen, Testament erfanden das Riffing neu und Jungs wie die von Death Angel prägten die feierwütige Mentalität. Man kannte sich. Man mochte sich, tauschte Tapes und unterstützte sich, wo es ging.

Denn auch wenn die Thematik der Alben und das allgemeine Klangbild düster und brutal anmutet – wer sich in diesen Jahren in der Bay Area tummelte, dürfte vor allem die Energie in der Luft gespürt haben. Anders als die wälzende, zerebrale Qualität des Grunge, die sich nach Innen richtete, explodierte die Bay Area in den frühen 80ern regelrecht. Man zelebrierte nicht den Schmerz, sondern sich selbst. Ähnlich wie die deutsche Thrash Metal Szene, die ungefähr gleichzeitig im Ruhrgebiet aufkam, bestand auch die kalifornische Szene in erster Linie aus Jungs aus dem Arbeiterviertel. Ein Milieu, das es gewohnt war, zu schuften und zu ackern, in den Fabriken und auf den Dächern der Bay Area, Arbeiterkinder, die in den Zeiten des Kalten Krieges erwachsen wurden, Außenseiter, die eine heftige Wut im Bauch trugen. Auch deshalb haftet dem Thrash Metal seit jeher eine gewisse Katharsis an.

Das aggressive Klangbild verschaffte der eigenen Wut Abhilfe, entsprechend legendär war die Trinkfestigkeit der lokalen kalifornischen Szene. James Hetfield brachte es auf den Punkt, als er gestand, sich an große Teile der 80er nicht erinnern zu können. Und während Anthrax die New Yorker Bühnen demolierten und sich Ende der 80er Jahre langsam die Thrash Metal Depression und eine Stagnation des Sounds bemerkbar machten, experimentierten Bands wie Voivod und Coroner bereits mit neuen Sounds. Dann kam der Neo-Thrash – und damit nach der Grunge Ära ein neues, wichtiges Kapitel dieser Musikrichtung.

Bekannte Gesichter und (noch) unbekannte Namen

Thrash Metal

Anfang/Mitte 80er also – die Bay Area tummelte sich neben den großen Namen mit unzähligen Gruppen, die darauf aus waren, ihre Songs in die Welt zu tragen. Selbstredend gelang das nicht allen und es oblag einzelnen Producern, den Sound des Thrash Metal in Stein zu meißeln, Studio Know-how ins Herz der Szene zu tragen und dafür zu sorgen, dass die Intensität dieser Arbeiterkids und ihrer Bands ihren Weg aufs Band fand.

Viele Namen waren hier von Bedeutung, einer davon, der speziell Anfang der 80er in der Bay Area häufig fiel, war der von Randy Burns. Nachdem er mit den Suicidal Tendencies einem der amerikanischen Punkpioniere soundtechnisch seine Konturen verlieh, kam er über Possessed das erste Mal 1985 mit härteren Gefilden in Berührung. Die amerikanische Death Metal Band war von großer Bedeutung für die Bay Area und Burns‘ wegweisende Produktion des „Seven Churches“ Album von Possessed gab der Szene eine ungefähre Idee davon, was in Sachen Studiosound alles möglich war.

Bald schon standen die Thrash Metal Kapellen der Bay Area bei Burns Schlange und das, obwohl er sich als besonders ungnädiger und perfektionistischer Producer nicht nur Freunde machte. Er galt als Albtraum für die Gitarristen und pochte auf Tightness wie kaum ein anderer Producer zuvor. Denn er war auch einer der Ersten, die verstanden, dass die Tightness für das Riffing des Thrash Metal fast noch wichtiger war als die eigentliche Komposition.

In Sachen Sound orientierte sich Burns hauptsächlich an einem großen Namen: Marshall. In engem Austausch mit seinem damaligen Freund Michael Soldano belieferte er in seinem Studio die Bands gut und gerne mit modifizierten Marshall Amps, aus denen Soldano alles rauskitzelte. Es würde noch eine Weile dauern, bis Mega Boogie und der berühmte Mid-Scoop-Sound geboren würde. Bis es soweit war, dominierte ein Amp die Landschaft, sei es in der Bay Area oder an der Ostküste: der Marshall JCM800.

Thrash Metal

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