Hersteller-Report: Marshall

Marshall – die Marke, die wohl ohne Übertreibung schon fast jede Bühne dieser Welt gesehen hat, ist das Lebenswerk des 2012 im Alter von 88 Jahren verstorbenen Briten James Charles „Jim“ Marshall.

1926 geboren, wurde er während des Zweiten Weltkriegs als kriegsuntauglich ausgemustert. Als jugendlicher Musiker, hier sei das Schlagzeug als Hauptinstrument erwähnt, brachte er sich in einem Elektronikunternehmen für Rüstungsgüter Wissen über Elektrotechnik selbst bei und war dabei so talentiert, dass er es dort zum Chef-Elektroniker brachte.

Im England der Nachkriegszeit gab Marshall Schlagzeugunterricht und konnte 1960 ein kleines Musiklädchen in London Hanwell eröffnen. Zu dieser Zeit wurde er von diversen Kunden, wie Ritchie Blackmore (später Deep Purple) oder dem experimentierfreudigen Pete Townsend (The Who) nach Verstärkern mit speziellen Eigenschaften angefragt, deren Realisation dann zusammen mit einem Angestellten 1962 zur Gründung von Marshall Amplification führte.

Der erste Marshall Verstärker „Plexi“ entsprach gerade in Sachen Verzerrung genau Townsend’s Geschmack, was aus heutiger Sicht eine neue Ära einläuten sollte.
Der Plexi JTM45 Röhren Amp basierte auf der elektrischen Schaltung des Fender Bassman-Amps. Der Amp, der erstmals den typischen Marshall-Sound lieferte, war der 1964 erbaute Marshall Combo „Bluesbreaker“.

Neben der Fertigung der röhrenbasierten Marshall-Amps baute man auch erste Boxen. Anfangs wurde für Townsend eine 8×12″ Modell konstruiert. Wegen der Schwierigkeiten beim Handling ging Jim Marshall dazu über, zwei separate, stapelbare Boxen zu bauen: Der Marshall Full Stack war geboren.

Mitte der 70er Jahre ging die „MK II Master Series“ mit dem „2203“ Topteil in die Fertigung. Ab 1980 wurde die „JCM-800“ Serie, ab 1998 die „JCM-2000“ Serie in die Läden dieser Welt ausgeliefert. Marshall geht mit der MIDI-fähigen „JVM“ Serie mit der Zeit. Heute sind Amp Simulationen und Plug Ins für Softwareanwendungen Teil der Produktpalette. Weitere Bauformen der Marshall-Produkte sind Topteile, Cabinets, Combos, Rack-Komponenten, Effekte, Tools, Endstufen, Fußschalter und Ministacks.

In Auszügen hier die chronologische Übersicht der Releases:

1962: JTM45 basierend auf dem 1959 Fender Tweed Bassmann
1965: Combo Modelle 1961 & 1962
1975: Master Volume Amps 2203 & 2204
1981: JCM 800
1989: 9000 Rackserie
1994: DBS Dynamic Bass System
2000: TSL JCM 2000

Etwas aus der Reihe fallen der MHZ15 Mundharmonikaverstärker, der JTM1 1 Watt Combo, der Hanwell Hi-Fi-Verstärker oder gar der Marshall Kühlschrank, mit Drehknöpfen bis 11.

Das klassische Firmenlogo nebst den typischen Farben für sämtliche Obermaterialien ist seit Mitte der 1970er Jahre beinahe unverändert auf den genannten Marshall Produkten zu sehen. Anniversary-Serien weichen vom Design etwas ab. Marshall ist seit der Gründung durch und durch britisch, der Firmensitz ist in Bletchley, das sich zwischen Oxford und Cambridge befindet, gelegen. Der Status als britischer Pionier in Sachen Gitarrenverstärker und dem des wohl weltweit führenden Gitarrenamp-Herstellers hat Jim Marshall den Beinamen „Father of Loud“ eingebracht.
Mr. Marshall himself signierte wie selbstverständlich noch bis ins hohe Alter seine Merchandise Artikel und Giveaway-Stuff, sehr häufig war er Dauergast der Frankfurter Musikmesse.