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Interview: John Bowen, Mister Solaris, Teil 2


Synths, Solaris, & Rock'n' Roll

Und weiter geht’s mit John Bowen. Dem Mann, der seinen Fingerabdruck in der Musikinstrumentenindustrie hinterlassen hat wie kaum ein anderer. Wie das? Nun, wenn Sie Teil 1 des Interviews gelesen haben, dann wissen Sie ja schon eine ganze Menge darüber. Ich hatte es für Teil 2 auch ordentlich angeteasert, dass John aus dem Nähkästchen plaudert mit Sachen, die es nicht jeden Tag zu lesen gibt. Falls Sie also noch nicht im Bilde sind, dann klicken Sie einfach hier zu Teil 1:

John Bowen pic by Christopher Steller

Klaus:
Als Yamaha SCI übernahm, wurde daraus eine neue Jobgelegenheit für Dich, da sie Shareholder von Korg waren. So konntest du deine Prophet VS Konzepte auf eine Weise in Form der Wavestation fortsetzen, richtig?

John:
Oh ja? Ich weiß nichts davon, dass Yamaha Shareholder von Korg war. Das müsstest Du verifizieren mit einigen Details, denn als ich bei Korg war, habe ich davon nichts gehört.

Klaus:
Yamaha übernahm 51%, das hatte Gordon Reid recherchiert und 2002 in seinem Artikel bei Sound on Sound publiziert. Auch dass Tsutomu Katoh die Anteile 1993 wieder zurückgekauft hat. Ist bei Wikipedia notiert. Doch kommen wir zurück zu Korg. Ich erinnere mich an ein Roundtable in den späten 80ern, wo ein Prototyp namens WS präsentiert wurde. Kannst Du uns ein paar Details über das Making of sagen und warum das dann zu Wavestation umbenannt wurde?

John:
Von welchem Roundtable sprichst du?

Klaus:
Der deutsche Korg Vertrieb organisierte das, die Leitung hatten Michael Filgraebe und Michael Geisel, und es fand im Sheraton Frankfurt Airport statt. Teilnehmer waren knapp 15 Presseleute und welche aus dem Handel, darunter auch ich.

John:
Wir begannen mit der Wavestation unmittelbar nachdem wir zu Korg gegangen sind, das war so etwa Mai 1989. Man gab uns pauschal 7 bis 8 Monate Zeit, um einen Prototyp für die NAMM Show 1990 fertig zu stellen, was wir aber nur gerade so schafften. Ich glaube der Name kam von Jack Hotop. Was unsere Gruppe betrifft, kann ich mich jedenfalls nicht an die Bezeichnung WS erinnern.

Nicht ganz stimmig ist der gelegentlich geäußerte Gedanke, dass unsere Gruppe von Sequential irgendwas mit den Yamaha Vector Control Produkten zu tun gehabt hätte, also dem SY22 und SY35, mit denen hatten wir absolut nichts zu tun!

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    iggy_pop AHU

    Ganz frühe Exemplare der Wavestation wurden tatsächlich mit dem Aufdruck WS(-1) ausgeliefert — womöglich Messe- und Demomodelle?

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      k.rausch RED

      Ah, interessantes Detail. Ich kannte ja nur diesen einen Prototyp, der beim Roundtable zu sehen war. Der war auch schon spielbereit. Die Korgies betonten, dass es endlich wieder ein richtiger Synthesizer wäre und die Jagd nach dem Klavier, wie beim M1, da nicht stattfinden würde. Nun, während des Mittagessens war ich kurz alleine mit diesem Instrument, hatte den Kopfhörer genommen und mal angespielt, weil mich ja keiner erwischen konnte. Und Überraschung: Es waren einige Presets mit Klavier Versuchen drin :)

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          TobyB RED

          Hallo digital-synthologie ,

          das gabs schon in der M1. Was halt die WS so besonders macht ist das Wave-Sequencing. Sie ist zwar nicht das Megamodulationsmonster, macht aber in Ambient und ähnlichen Genres noch Sinn und ist für mich klanglich interessant.

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        TobyB RED

        Hallo Klaus,

        da hätte ich gerne mal dein überraschtes Gesicht gesehen ;-) Korg und Klaviere das ist so ein Thema. Ich musste mich zu der Zeit immer für die Klaviersounds meines M1 rechtfertigen. ProgRocker sind da so speziell. Aber davon ab, M1, T Serie und die Wavestations waren und sind sehr gute Instrumente. Für mich eigentlich auch „Klassiker“.

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          k.rausch RED

          Die Korgies wollten die Wavestation zuerst klar als puren Synthesizer vermarkten. In dieser Zeit übte allerdings die Kundschaft mit „und, wie ist das Klavier?“ bei jedem Instrument enormen Druck aus. Es folgte eine sanfte Kehrtwende mit PCM Cards, EX Version und sogar Werbung, wo die Wavestation den Tanzmusikern schmackhaft gemacht werden sollte. Heute lächelt man drüber :)

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            TobyB RED

            Hallo Klaus,

            ich denke als reiner Synthesizer ist das Killerfeature der Morph-Joystick. Bei den PCM Cards sind einige Sounds und Cards dabei, die wirklich Klasse sind und wo das Potential, der WS, M, T Korgs das Potentlal ausgelotet wird. Persönlicher Favorit Akira und die Synth 1+2 Karten. Die Klaviersounds/Orgelsound haben mich ja auch zum Kauf des M1 bewegt. Damals fand ich z.b. das Rolands LA Organ/Pad was fehlten. Ich konnte mich damals nicht zu einem D 70 entscheiden. Das waren damals schon komische Zeiten ;-)

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              k.rausch RED

              Und wie nachhaltig gelungen das zeitlose Wavevstation Konzept geraten ist, sehen wir ja 25 Jahre später an den Adaptionen in der Legacy und im Kronos. Trotz der Beschränkungen in der Filter Section, die John Bowen im Interview erwähnt hat. Tolle Sache!

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                TobyB RED

                Hallo Klaus,

                dem kann ich nur zustimmen. Und wenn ich mich recht erinnere hatte Marko doch mal was geschrieben, wie man die begrenzten Filter etwas pimpen kann.

                • Profilbild
                  digital-synthologie ••••

                  Das Filter hatte ja keine Resonanz, aber es gab einen irgendeinen Effekt der Resonanz hatte. Die Filterfrequenz dieses Effekts konnte man z.B. per Modulationsrad in Echtzeit ändern. Vielleicht konnte man ihn auch von einer Hüllkurve ansteuern, um zumindesten für einen Monosound ein Resonanzfilter zu haben. Da ich einen Wavestation mehr habe, kann ich es nicht mehr überprüfen.

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                    k.rausch RED

                    Ein Trick mittels Effects Section ist die Overdrive-Filter-EQ oder Distortion-Filter-EQ mit runtergeregeltem Edge und hoch aufgeregeltem Resonance Parameter. Je nach Waveform klingt das einigermaßen ähnlich. Während des Roundtables betonten die Korgies, dass man das mittels der Wave Slices erledigen solle, die extra für diesen Zweck vorhanden seien. Wie wir nun durch Johns Interview erfahren haben, war das aus der Not eine Tugend gemacht.

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    lightman ••••

    Tolles Interview, danke dafür. Es war schon immer mein Traum, an der Entwicklung eines Hardware-Synths mitzuwirken, und John hat das gleich mehrfach mit Erfolg getan, dazu noch mit vielen großartigen Leuten zusammengearbeitet und auch musikalisch sein Ding durchgezogen – besser kanns für einen Musiker wohl nicht laufen.

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    costello RED

    Vielen Dank für das sehr interessante Interview mit John Bowen. Es quillt vor Fakten ja nur so über; ich persönlich fand es schön, ein paar Hintergründe zu seiner Zeit bei Creamware/Sonic Core zu erfahren. Für Bowen scheint Scope ein wichtiger Schritt hin zu seinem umfassenderen Solaris-Konzept gewesen zu sein. Als reine Repliken der großen Vintage-Vorbilder liegen die ASB-Teile aber – mindestens was den Sound betrifft -immer noch ganz weit vorne.

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      k.rausch RED

      Gut zu wissen. Vielleicht kriege ich John ja nochmal vor’s Mikro. Was würde dich denn ganz besonders interessieren?

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        digital-synthologie ••••

        Den Teil zur Wavestation fand ich enttäuschend kurz.
        Ausserden würde mich noch interessieren, wie er beim Design vorgeht. Hat er bestimmte Regeln, nach denen er vorgeht? Macht er das intuitiv? Welche Weisheiten hat er dazu im Laufe der Jahre gewonnen? Ist der Solaris schon sein Traumsynthi, den er schon immer machen wollte oder nur ein Schritt dahin?
        Und gerne noch mehr Anekdoten.

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    amazonaman AHU

    Den Solaris als Scope plugin von Zarg John bowen ist so ein verrückter Synthesizer, als Hardware sicher noch verrückter. Ja das Interview könnte 20 mal so lange sein. Der Pro wave ist der handlichere Synthesizer und klingt einfach saugeil

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