Amazona Projekt: Musik für TURMSCHATTEN

12. Juli 2020

Musik für einen Thriller & Verlosung

Raphael Nybl im Kurzfilm TURMSCHATTEN von Renato Novakovic

2016 starteten wir mit 10 Komponisten eine Aktion zur Vertonung eines Romans, der damals gerade in der Entstehung war. AMAZONA.de-Autor Klaus-Peter Rausch hatte uns zu dieser Aktion inspiriert, da er kurz zuvor einen Science-Fiction Roman seiner Lebensgefährtin vertont hatte, über das Projekt berichteten wir ausführlich.

Und so fanden sich schließlich 10 Komponisten, die sich je einen Charakter des Buches vornahmen, und ebenfalls … ganz ähnlich eines Filmmusik-Themas, vertonten. Die Teilnehmer aus der ersten Runde waren:

Die dabei entstanden Aufnahmen sind wirklich hörenswert und möchten wir auf jeden Fall empfehlen.HIER DER LINK ZUR SOUNDCLOUD PLAYLIST der ersten Runde.

4 Jahre später vollendet Peter Grandl seinen Roman und hatte das große Glück, auch einen Verleger dafür zu finden, der das Buch schließlich im März 2020 in den Handel brachte – mitten in der Corona-Krise. Trotz geschlossener Buchhandlungen erreichte der Roman aber innerhalb kurzer Zeit eine enorme Aufmerksamkeit, was sicher auch der Thematik geschuldet war. Vor allem in der Buchblogger-Szene hatte sich TURMSCHATTEN schnell rumgesprochen und ist zum heutigen Stand in über 60 Buchblogs besprochen worden. Danach folgten zahlreiche Rezensionen in Zeitschriften, Magazinen und Podcasts.

All das führte dazu, dass auch unsere Musikaktion von 2016 davon profitierte. Immer wieder erreichten die Redaktion Anfragen, ob es nicht möglich wäre, die Aktion nochmals fortzusetzen. Und genau das tun wir mit dieser Aktion. Den Anfang machen diesmal sieben Komponisten, deren Kompositionen wir hier gleich präsentieren werden. Darüber hinaus möchten wir aber jedem Leser die Möglichkeit geben, selbst an dieser Aktion teilzunehmen (dazu mehr am Ende des Artikels). Außerdem verlosen wir drei signierte Bücher unter allen Lesern, die uns einen Kommentar in diesem Artikel hinterlassen.

Der Plot

Um was geht es überhaupt in TURMSCHATTEN? Hier der Klappentext:

„Ein spektakulärer Fall von Selbstjustiz versetzt eine Kleinstadt in Aufruhr. Drei Neonazis werden im Keller eines Turms festgehalten, der Geiselnehmer überträgt das Ganze live im Netz und fordert seine Zuschauer zum Voting auf: Freilassung oder Hinrichtung? Gleichzeitig beginnt eine großangelegte Befreiungsaktion. Womit die Polizei nicht gerechnet hat: Sie haben es mit einem ehemaligen Mossad-Agenten zu tun, der nicht bereit ist zu verhandeln … Ein packender Thriller, der die Grenzen von Gut und Böse aufhebt. Wer hat das Recht auf seiner Seite, und wo fängt Unrecht an? Was muss ein Mensch getan haben, um den Tod zu verdienen?“

Der Film

Tatsächlich hat ein befreundeter Regisseur, Renato Novakovic, mit einem professionellen Filmteam, einen Kurzfilm produziert, den wir euch nicht vorenthalten möchten, da die Vertonung des Kurzfilms durch Siggi Müller geschah, der zum einen ein bekannter Filmmusik-Komponist ist, zum anderen auch von uns bereits ausführlich vorgestellt wurde HIER KLICKEN. Die Hauptrolle des Neonazi „Steiner“ spielt in diesem Kurzfilm Raphael Nybl, Kamera führte Alexander Hackinger, Schnitt Tobias Beul. Viel Spaß:

Den reinen Audiotrack – so wie Siggi ihn ursprünglich geplant hatte – und bevor die Wünsche des Regisseurs den Stil in eine klein andere Richtung lenkten, sowie ohne den ganzen Audio-Effekten und Geräuschen, gibt es bei Siggi auch auf Soundcloud:

An dieser Stelle sei aber auch erwähnt, dass es nicht bei dem Kurzfilm bleibt. Inzwischen hat die Filmrechte eine namhafte Produktionsfirma übernommen, die den Roman als achtteilige TV-Serie umsetzen wird.

Die 7 Komponisten

Die meisten der „glorreichen Sieben“ kennen die meisten von euch als Autoren für AMAZONA.de. Die einzige Ausnahme stellt Martin Gerke dar, den wir aber bereits mit seinem Musikprojekt GROENALUND umfangreich vorgestellt haben.

  • Torsten Bäumer (TobyFB)
  • Martin Gerke
  • Lutz Haller
  • Vincent Rohr (Vince)
  • Markus Schröder & Opa Jott
  • Selcuk Torun
  • Christian Uhlig (costello)

Jeder der Sieben hatte diesmal die Gelegenheit, das ganze Buch zu lesen. Daraufhin hat sich jeder Komponist für einen Charakter entschieden und diesen vertont. Mischung und Mastering übernahm jeder dabei in seinem eigenen Studio.

Jeder Komponist wurde von uns zu einem kleinen Interview gebeten, mit denselben Fragen, die wir auch schon 2016 in der ersten Runde gestellt hatten.

Also legen wir los:

Komponist Torsten Bäumer

  • Torsten Bäumer
    Ich mache im weitestgehendem Sinn elektronische Tanzmusik und fühle mich bei Trance, Drum & Bass richtig wohl. Mit zunehmendem Alter entdecke ich aber auch Funk und Soul für mich. Hier meine Soundcloud-Page

Gewählter Charakter

  • Kriminalhauptkommissar Koch

 Kurze Charakterbeschreibung

KHK Koch hat die Verantwortung über das Spezialeinsatzkommando zur Befreiung der 3 festgehaltenen Neonazis. Er ist das Bindeglied zwischen dem Innenministerium und dem Einsatzleiter für den direkten Zugriff. Auf Grund einer familiären Tragödie, ist er zum Zeitpunkt des Einsatzes in einem sehr labilen Zustand. Zudem war er als Jugendlicher selbst wegen seiner dunklen Hautfarbe diskriminiert worden. Das alles bringt ihn fortwährend in ein moralisches und emotionales Dilemma und beeinflusst seine Entscheidungen teilweise auf irrationale Weise.

Torsten Bäumer

Interview mit den Komponisten

AMAZONA.de:
Hast du schon vor dem Projekt TURMSCHATTEN Gelegenheit gehabt, an der Musik zu einem Film zu schreiben oder z. B. für eine Vernissage Bilder zu „vertonen“?

Torsten:
Ich habe bis dato einige Industriefilme, Schulungsfilme und Imagefilme vertont, da sind die Vorgaben und die Einhaltung des Budgets immer Voraussetzung. Meistens gibt es da schon ein Storyboard, an dem man sich abarbeiten kann. Und in der Regel ist es so, dass mit dem Kunden, Auftraggeber vorab gesprochen wird, wohin es gehen soll. Man bewegt sich hier in einem sehr engen Rahmen, hat aber dennoch die Möglichkeit, seinen persönlichen Charakter einzubauen.

AMAZONA.de:
Für welchen Charakter des Romans hast du dich entschieden und warum?

Torsten:
Das war keine schwere Entscheidung. Es wurde KOCH. Er ist ja nun eine eher tragische Figur im klassischen Sinne. Gefangen in seiner Psyche und seinen Vorschriften.

AMAZONA.de:
Wie bist du die musikalische Umsetzung angegangen?

Torsten:
Beim Lesen des Buches oder Stoffs versuche ich weniger eine Szene oder sprachliches Bild zu verstehen, sondern versuche mich da emotional reinzuversetzen und beobachte innerlich das Handeln und die Situation. Hier war es so, dass mir bei KOCH II die Idee einer Zugriffssituation der Polizei durch den Kopf fuhr. Also es ist Nacht, wir befinden uns auf einer leeren Straße und hören Schritte und entfernt gehen Sirenen und dann kommen wir zu einem abgesperrten Bereich und hören Menschen reden …

AMAZONA.de:
Welche Rolle spielte deine Wahl der Sounds bzw. Instrumente bei der Umsetzung?

Torsten:
Hier war es ja so, es gab eine konkrete Idee und dieses gab ein Stück weit das Equipment vor, also ein Fieldrecording mit dem iPhone. Instrumente geben mir mit dem Timbre und der Tonart die gesamte Stimmung vor. Dann dachte ich mir, ein einfacher sequenzierter Basslauf gibt das Tempo und die Tonart vor. Dazu habe ich hier in diesem Fall mit dem Mother 32, Neutron, Roland S1m Rack einen Patch gesucht und auch gefunden. Die Schwierigkeit war, den Patch in der „richtigen Akkordfolge und Bewegung“ umzusetzen, da kam dann ein Moog Theremini ins Spiel. Generell versuche ich nicht immer, an einem Instrument oder Sound zu kleben, klar gibt es Brot und Butter Sounds und man hat schließlich seine „Lieblinge“, nur ist es halt extrem spannend und lehrreich, mal ausgetretene Pfade zu verlassen, hier der KARP Odyssey, der den Leadpatch macht, durch einen Roland JC 40 zu jagen.

Im Prinzip ist es bei der Auswahl so, wenn die Idee da ist, setze ich mich mit einem Zettel hin und mache mir ein grobes Arrangement und lege die Technik, Tools, Instrumente fest. Da ich hier entgegen meiner Gewohnheit nicht am Klavier Noten gesetzt habe, gab es auch keine Partitur. Ich habe also die Sounds und die Elemente zum quantisierten Fieldrecording und einem Click-Track improvisiert. Hier war es halt so, dass ich KOCH in einer Szenerie à la Edgar Wallace Filme sah, aber nicht den Bezug zur heutigen Zeit verlieren wollte. Was dann letzten Endes hieß, einen Kompromiss zwischen heutigem Instrumentarium, Sounds und der Vergangenheit zu finden. Das muss sich ja nicht ausschließen. Entscheidend ist für das Stück, am Ende sollte es ohne großes Argumentieren funktionieren.

Vielen Dank für das Interview, ich hoffe auf Turmschatten auf der großen Leinwand und einen zweiten Teil.

Komponist Martin Gerke

  • Martin Gerke
    Als Auftragskomponist bin ich stilistisch vielseitig. Ich schreibe sowohl orchestral als auch experimentell oder mache klassisches Songwriting. In den letzten zehn Jahren kam eine Expertise für Pop im 70er/80er-Jahre Sound hinzu, welche vor allem durch mein Projekt Groenalund voran getrieben wurde. Ich habe diese Gelegenheit genutzt, um seit Langem mal wieder ein rein elektronisches Stück zu machen.

Gewählter Charakter

  • Karl Rieger

 Kurze Charakterbeschreibung

  • Karl Rieger, knapp 30, ein Neonazi, der in der „Szene“ als Stratege und kluger Kopf gilt. Während seines Studiums wurde er immatrikuliert, Auslöser war u. a. eine Facharbeit über die „Holocaust-Lüge“. Nach einer späteren Gefängnisstrafe meldet er sich freiwillig zu einer Aktion seiner Kameradschaft, bei der der private Spender für die Finanzierung einer neuen Synagoge eingeschüchtert werden soll. Seine Initiative beruht aber einzig und allein darauf, einen dreizehnjährigen Neonazi seiner Kameradschaft beschützen zu wollen. Noch kurz vor dem Einsatz beschließt er, die Aktion an seine Bewährungshelferin zu verraten, scheitert vergeblich.

Martin Gerke

AMAZONA.de:
Hast du schon vor dem Projekt TURMSCHATTEN Gelegenheit gehabt, an der Musik zu einem Film zu schreiben oder z. B. für eine Vernissage Bilder zu „vertonen“?

Martin:
Ich habe zahlreiche Dokumentarfilme fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen vertont. Zuletzt habe ich für ARTE die Musik für eine Serie über Flüchtlingsschicksale komponiert.

AMAZONA.de:
Für welchen Charakter des Romans hast du dich entschieden und warum?

Martin:
Ich habe mich für Karl entschieden, weil ich die im Buch so schön angelegte Ambivalenz spannend fand, dass er einerseits auf moralisch verlorenem Terrain agiert, aber andererseits diese Verantwortung für Thomas spürt bzw. auch einem türkischstämmigen Mitbürger statt einer Patrone, eine Mund zu Mund Beatmung verabreicht, um ihm das Leben zu retten.

Ich habe versucht diese Ambivalenz in der Musik widerzuspiegeln, frage mich aber, ob meine Musik nicht noch zu „schön“ ist für so einen Gewaltmenschen. Andererseits könnte in einem Spielfilm gerade dieses „zu schön“ eine Kontrastwirkung haben, die den Charakter noch stärker herausarbeitet. Dafür müsste man letztendlich die Bilder sehen, ob es funktioniert. Bzw. der Regisseur würde entscheiden, ob das für seine Vision passt.

AMAZONA.de:
Wie bist du die musikalische Umsetzung angegangen?

Martin:
Meine Musik beleuchtet eher die Reste von Emotionen und Verantwortungsgefühl, die im Charakter Karl noch schlummern mögen, darunter liegt aber eine Unruhe und Getriebenheit, bis sich schließlich die Gewalt Bahn bricht. Die Unruhe entsteht durch untypische metrische Akzente und Wechsel, die es schwer vorhersehbar machen, wann die Harmonie von c nach d wechselt und wieder zurück. Auch der Herzschlag ist unsymmetrisch, Pads schwellen an, reißen abrupt ab, Melodielinien versickern in tonleiterfremden Tönen, insgesamt soll ein Eindruck von Orientierungslosigkeit, Schmerz und Gewaltbereitschaft entstehen.

AMAZONA.de:
Welche Rolle spielte deine Wahl der Sounds bzw. Instrumente bei der Umsetzung?

Martin:
Das Erste war der böse Sound, den ich auf meinem Modularsystem zusammengestöpselt habe. Dabei spielt das Oberheim Filter Gemini von AJH-Synth die wesentliche Rolle. Danach ist die Sequenz hinzugekommen, die von einem Behringer Pro-1 und einem Model D erzeugt wird. Der Filterverlauf der beiden ist dabei jeweils konträr zum anderen moduliert worden.

Der tiefe Herzschlag ist ein Sound vom Waldorf Microwave, die Flächen kommen von einem MKS-70 und einem Juno-106. Die Glöckchen erzeugt ein Polysix und ein Korg Lambda. Beim zweiten Mal werden die Glöckchen rückwärts gepielt.

Die brassartigen tiefen Drones kommen vom Korg 800DV und von meinem Modularsystem. Die chaotischen Ringmodulations- und Rauscheffekte kommen vom Yamaha CS30.

Insgesamt also ein überwiegend analoges Setup, keine Synthesizer-Plugins kamen zum Einsatz. Alle Sounds sind über einen Presonus ADL600 Röhrenverstärker in Logic X aufgenommen worden, was die Texturen noch einmal zusätzlich abrundet und dreidimensionaler wirken lässt.

Komponist Lutz Haller

  • Lutz Haller
    Klassisch ausgebildet an Klavier, Orgel und Bass. Unterwegs als Studiomusiker in vielen Genres von EM bis Fusion, Klassik bis Prog-Rock.

Gewählter Charakter

  • Esther

 Kurze Charakterbeschreibung

  • Es ist der 6. März 2008. Ein bewaffneter Palästinenser stürmt in Jerusalem die Religionsschule Merkas Haray. 10 Minuten dauert das Massaker, an dessen Ende 9 Tote und 35 Verwundete stehen, darunter Esthers Familie, die ihre Tochter zum ersten Arbeitstag begleitet haben. Sie selbst überlebt den Anschlag nur knapp. Das taubstumme Mädchen ist von einer Minute zur nächsten Vollwaise und hochgradig traumatisiert.
    Rabbi Joffe überwindet in monatelanger Arbeit alle bürokratischen Hürden, bringt die junge Frau nach Deutschland und gibt sie in die Obhut von Ephraim Zamir. Esther und Ephraim gelingt es, sich gegenseitig Kraft zu geben, um das Leben wieder meistern zu können.

Lutz Haller

AMAZONA.de:
Hast du schon vor dem Projekt TURMSCHATTEN Gelegenheit gehabt, an der Musik zu einem Film zu schreiben oder z. B. für eine Vernissage Bilder zu „vertonen“?

Lutz:
Ja, ich war unter anderem an diversen Image- und Werbefilmen in der Automobil- und Raumfahrtindustrie beteiligt.

AMAZONA.de:
Für welchen Charakter des Romans hast du dich entschieden und warum?

Lutz:
Esther. Ihre stoische Ruhe vor dem blutigen Sturm, die aufrecht ihr Schicksal trägt und Licht in die schwarze Seele eines alten und desillusionierten Mannes bringt.

AMAZONA.de:
Wie bist du die musikalische Umsetzung angegangen?

Lutz: (Achtung Spoileralarm)
Ich habe das Buch gelesen, zweimal. Der Anfang, diese Ruhe zwischen zwei Stürmen (II. Weltkrieg und die Ermordung) in Form von Esther hat mich tief beeindruckt. Dieses Thema hatte ich recht früh im Kopf, auf Noten schnell fixiert und später auf meinem Lieblingsinstrument – dem DK Synergy – eingespielt. Dazu wurden nach noch Yamaha FM und andere digitale Klangerzeuger bemüht. Auch das sehr analog klingende Schlagzeug ist digital.

AMAZONA.de:
Welche Rolle spielte deine Wahl der Sounds bzw. Instrumente bei der Umsetzung?

Lutz:
Eine eigenartige Frage. Bei jedem Arrangement einer Komposition spielen die Wahl der Instrumente bzw. deren Sound (bei elektronischen Klangerzeugern) die wichtigste Rolle, da diese das Fundament eines Songs setzen. Ich kann jede gute Melodie mit dem falschen Arrangement kaputt machen, aber jede schlechte Melodie mit einem guten Arrangement aufwerten.

Komponist Vincent Rohr

  • Vincent Rohr
    Ich war schon immer „son of a thousand sounds“ – das genreübergreifende Interesse an Musik führte dazu, dass ich sowohl in der elektronischen als auch der handgemachten Musik tätig wurde – als Produzent, Komponist und Musiker. Ich selbst würde mir kein Ressort zuweisen, in welchem ich eine größere Expertise vorzuweisen habe als in einem anderen – am bekanntesten bin ich aber wohl für Additional-Production und Mixdown im elektronischen Bereich. Über allem steht für mich die Symbiose aus verschiedenen Richtungen, deshalb habe ich für Peter eine Art cinematische Trailermusik mit Einflüssen aus Elektronica, Stoner Rock und jüdisch-traditionellen Elementen kreiert. Musik zu (bewegten) Bildern, Plots oder Storys zu erschaffen, war ebenfalls immer meine große Leidenschaft, da die dadurch erschaffenen Limitationen und Eindrücke den Horizont unfassbar erweitern können. 

Gewählter Charakter

  • Ephraim Zamir

 Kurze Charakterbeschreibung

  • Als kleiner Junge muss Ephraim im KZ miterleben, wie seine Mutter brutal von einem SS-Offizier liquidiert wird.
    Zunächst verliert sich seine Spur, bis er als alter, vermögender Mann in seiner deutschen Heimatstadt wieder auftaucht, dort eine turmartige Villa von Grund auf renovieren lässt und der ansässigen jüdischen Gemeinde anbietet, den Bau der geplanten neuen Synagoge mit einem großen Geldbetrag zu unterstützen. Über seine Vergangenheit spricht Ephraim nicht – und auch die ihm anvertraute Esther wird nicht schlau aus dem alten Mann, der Nacht für Nacht im Schlaf schreit.
    Als Hans und seine Kameraden in die Villa einbrechen, um Ephraim einzuschüchtern, begehen sie einen großen Fehler: Sie unterschätzen Ephraim Zamir und geraten in seine Gewalt. Und mit jeder Stunde der unvorhergesehenen Geiselnahme wird offensichtlich, dass Ephraim nicht der ist, für den er sich ausgibt.

Vincent Rohr

AMAZONA.de:
Hast du schon vor dem Projekt TURMSCHATTEN Gelegenheit gehabt, an der Musik zu einem Film zu schreiben oder z. B. für eine Vernissage Bilder zu „vertonen“?

Vincent:
Glücklicherweise bot sich mir schon recht früh die Gelegenheit, Musik für Filme sämtlicher Art zu komponieren. Im Alter von 16 Jahren durfte ich das erste Mal für den Berlinale-Nominée „Open Cage“ Musik schreiben, im selben Jahr ergab sich noch ein Projekt, dessen Kontrast größer nicht hätte sein können: Ich schrieb Musik für die Marke Philips, ein paar Imagefilme galt es hier kreativ zu vertonen. Seither bietet sich immer mal wieder die Gelegenheit – kürzlich das erste Mal Trailermusik im Dienste einer bekannteren Streaming-Plattform – aber es kann nicht oft genug passieren, vor allem dann, wenn gehörig Raum für Kreativität besteht. Bilder jeglicher Art zu vertonen, bereitet mir großen Spaß!

AMAZONA.de:
Für welchen Charakter des Romans hast du dich entschieden und warum?

Vincent:
Ich musste mich „leider“ für Ephraim entscheiden, wie es wahrscheinlich jeder zweite hier ebenfalls getan hat. Ich finde seine Geschichte, seine „Causa“, unfassbar berührend und beeindruckend, mag man all seine Entscheidungen billigen oder nicht – was er alles geschafft hat gemessen daran, wo er herkommt, ist verblüffend! Genau das habe ich auch versucht, musikalisch zu beschreiben.

AMAZONA.de:
Wie bist du die musikalische Umsetzung angegangen?

Vincent:
Es geht los mit dem Krieg, in dem er seine Liebsten verlor. Es geht weiter mit einer Menge Wut, die in Rauschen, Einsamkeit und Unkonzentration verpufft, dann der Fokussierung, dem „Aufrappeln“, dem Weitermachen und dem Schmieden all seiner Pläne, gestützt von Wut und Verzweiflung, die in Effizienz und Konzentration kanalisiert werden. Am Ende kommt der letzte Kampf, gestützt von jiddisch-völkischem Akkordeon und Melodika, rebellisch und kraftvoll, „ungeschminkt“, woraufhin in den letzten Zügen das Gelingen seines Plans und seiner Flucht etwas Zufriedenheit hervorbringt. Schließen tue ich die Komposition zu guter Letzt mit dem persönlichen Wunsch, dass Ephraim nun vielleicht noch ein paar letzte und unbeschwertere leichtere Jahre bevorstehen. Eine Flucht ins Ungewisse – aber irgendwie positiv konnotiert.

AMAZONA.de:
Welche Rolle spielte die Wahl der Instrumente bei der Umsetzung?

Vincent:
Los ging es für mich in der DAW Bitwig – hier wollte ich industrial-kriegsähnliche Sounds erstellen, um etwas Krimi-Blockbusterdramatik gleich zu Beginn erzeugen zu können – auch um selber mehr „auf den Trip“ zu kommen – als wäre das Buch nicht schon Inspiration genug. Hierfür kam eine Menge Granularsynthese und auch FM zum Einsatz, Bitwigs Modular-Umgebung macht es möglich. Mit ein paar darin erstellen Synthesizer und Drum-Patches (z. B. der prägnante Sub oder die sich bewegenden Arpeggios sind aus Bitwig) baute ich mir ein grobes Arrangement zusammen, dessen Audiospuren ich mir nach Abschluss dessen in mein Pro Tools gepackt habe. Von hier an geht die eigentliche Reise los: Zunächst mit dem Einklopfen vom akustischen Schlagzeug einer Library, danach E-Bass und elektrische Gitarren. Bis hierhin war ich bereits recht zufrieden, diese Mischung aus „Stoner Rock“ und „Cinematic“ war das, was ich mir atmosphärisch vorgestellt habe – der persönliche Bezug fehlte allerdings noch etwas. Also: Melodika geschnappt und ein paar an jüdischem Volksgut orientierte „Licks“ gespielt, gestützt von einem Akkordeon aus der Nord Library. Mit der Akustik-Western noch ein paar Licks anderer Art drüber, um generell noch etwas mehr Akustik und Verwegen-/Abgebrühtheit an die Nummer zu bringen– passt.

Generell – auch wenn man es nicht mehr direkt hört – orientiere ich mich hier an recht simplen Akkorden der Volksmusik. Aus dem Nord kam dann noch eine Art Dulcimer dazu als zweiter „Pluck“-Sound neben der AC-Gitarre und noch ein schöner Berliner Schule / Industrial / Sync ARP Sound – einfach für den Peter! :D Bei Weitem nicht zuletzt zu erwähnen sind auf jeden Fall auch die Drone-Sounds – einige davon sind in Bitwig erstellt, ein sehr Maßgeblicher kommt aber aus dem Wahnsinnsgerät Lyra-8 von Soma Labs (Test bald hier auf AMAZONA.de), einem achtstimmigen Dronesynth mit Eimerketten-Delay am Ende. Man hört schon – ob man das Stück nun mag oder nicht – das Buch hat eine Menge Bilder bei mir im Kopf erzeugt – so hatte eher das Buch Einfluss auf die Wahl der Instrumente als ich selber. ;) Das generelle Setting und der Plot der Buches haben in mir die Spannung und Gefühle hervorgerufen, die ich vielleicht das letzte Mal hatte, als ich in Jungendjahren die ersten Thriller abends im TV sehen durfte – dementsprechend hier ein Stück, das wohl mehr von wohlig-gespannter Euphorie – als vielen anderen Dingen zeugt. :)

Komponist Markus Schröder und Opa Jott

  • Markus Schröder
    Ich bin Noise-Musiker, der seit seiner Kindheit der Klangtextur und Klangfarbe verfallen ist. Die mittlerweile langjährige Freundschaft und Zusammenarbeit mit Opa Jott sind für mich die perfekte Ausrede, meinem Genre gelegentlich untreu zu werden, weil seine Textqualität und seine Stimm-Performance für mich einfach inspirierend sind. So sehr, dass ich das Nebenprojekt „Lenfer‟, das sich als ein musikkabarettistisches Re-Imagining der 70/80er Musik beschreiben lässt, ins Leben rief und in dessen Geiste auch dieser Track entstand.
  • Opa Jott
    Ich komme aus dem Rap und begleitete zeitweise das Slam Poetry Genre, bevor ich im Zeichen der Trap-Musik wieder auf den mir vorgeschriebenen Pfad zurückgekehrt bin. Ich bezeichne mich derzeit selbst als „Lyriker mit Pop-Appeal und einer Affinität zu ‚Street‘-Musik.“ Meine Texte liegen eher abseits der Genre-typischen Thematiken.

Gewählter Charakter

  • Wolfgang Danner

 Kurze Charakterbeschreibung

Wolfgang Danner erlebt am 8. Januar 1945 einen verheerenden Bombenangriff mit. Als Ortsvorstand der NSDAP obliegt ihm die Zuteilung für Schutzraumplätze im massiv gebauten Turm des Ortes. Dabei kommt es zu einer unglaublichen Tragödie. 65 Jahre später ist derselbe Turm Schauplatz einer Geiselnahme und Zentrum eines gigantischen Medienspektakels. Sein Enkelsohn Manfred Danner ist als Kriminalkommissar in die Ereignisse involviert.

Markus Schröder (l) und Opa Jott (r)

AMAZONA.de:
Hast du schon vor dem Projekt TURMSCHATTEN Gelegenheit gehabt, an der Musik zu einem Film zu schreiben oder z. B. für eine Vernissage Bilder zu „vertonen“?

Markus:
Ja, mit Vertonung habe ich ja quasi angefangen, Musik zu machen und bei diversen Gelegenheiten, z. B. bei den Heidelberger Stummfilmtagen, mit der Gruppe Glaswald dies auch vor Publikum live performt. Aber auch als VJ habe ich einige Live-Acts, Veranstaltungen und gelegentlich auch Musikclips mit visuellen Live-Performances untermalt. Das Konzept „Soundtrack/Kopfkino‟ liegt eigentlich jeder Musik zu Grunde, die ich mache.

AMAZONA.de:
Für welchen Charakter des Romans habt ihr euch entschieden und warum?

Markus:
Für die Vertonung habe ich für uns beide Wolfgang Danner ausgewählt, denn als kleinbürgerlicher Nazi ist er eine Figur, der man auch in Echt öfter begegnet. Menschen, deren Lebensinhalt es ist, andere zu denunzieren und „die Ordnung‟ zu wahren, deren Erhalt auf ihren Schultern allein lastet. „Das Böse‟ hat, ihn Anlehnung an Hannah Arendt, im Banalen sein alltägliches Zuhause. Aber eben nicht nur das „Böse‟, sondern auch das „Gute‟. So lernt in TURMSCHATTEN die Figur Wolfgang Danner aus seinem Erlebnis und sieht ein, wie falsch er lag, wenn auch zu einem horrenden Preis.

AMAZONA.de:
Wie seid ihr die musikalische Umsetzung angegangen?

Opa Jott:
Jeder Mensch hat eine Erfahrung, die ihn völlig auf sich zurückwirft. Wenn man nur noch die Tür schließen will, gerettet sein möchte, alle weg, Flucht und wegschließen. Die Amygdala schreit und übertönt alles andere. Die einen erstarren, die andern schließen sich weg. Weg!
Ich selbst habe die Erfahrung des Beinahe-Ertrinkens nicht gemacht, aber Freunde von mir berichteten sehr … lebhaft … davon.
Diese Situation nahm ich als Ausgangspunkt, um der Story von Wolfgang Danner eine gewisse Ergänzung zu geben, denn was hätte es gebracht, wenn ich als Texter einfach nur die im Buch vorgegebene Situation kopiert hätte? Ich denke, dass durch diese Beschreibung Danners der Geschichte noch etwas mehr psychologische Tiefe gegeben wird.

Markus:
Ich hatte ja erwartet, dass Opa Jott einen Rap zur dieser Szene macht, aber wir hatten das nicht weiter besprochen. Einzige Vorgabe von mir war Downtempo. Aber dann kam er völlig aus dem Left-Field mit dieser, wenn auch nicht minder bewegenden, aber der Figur frei hinzugefügten, „Todeserinnerung‟, die während der Sekunden „Danner an der Tür‟ spielt. Seinen Tod vor Augen, aber immer noch erfüllt von Überlebenswillen – was geschieht da in einem? Erinnerung und Augenblick vermischen sich.

Das Wichtigste war mir der Flow von Sprache und Klang. Die Schwierigkeit dabei war, dass die meisten meiner sonstigen Vertonungmethoden und -effekte hier nicht passten und den Text verwässerten. Deswegen auch diese gegensätzliche und minimale Musik. Einer, wie ich finde, verqueren Mischung aus 70/80er Horrorfilm- und Chanson-Ästhetik. Auf der einen Seite sollte es „Easy-Listening‟ sein, auf der andern sich aber „uneasy‟ anfühlen.

AMAZONA.de:
Welche Rolle spielte deine Wahl der Sounds bzw. Instrumente bei der Umsetzung?

Markus:
Die Wahl der Sounds war natürlich sehr wichtig. Die Wahl der Instrumentierung  aber weitaus weniger, als die Klangfarbenpaletten, die damit erzeugt werden konnten. Ich denke abstrakt in Klängen, nicht in Instrumenten. Das Ergebnis ist, wie bei jeder Komposition, ein Schnappschuss der Aussage, die man zu diesem Zeitpunkt macht.

Komponist Selcuk Torun

  • Selcuk Torun
    Selcuk Torun ist seit vielen Jahren professioneller Komponist für Film und TV. Musikalisch komponiert er hauptsächlich im Stil der modernen Filmmusik. Das kann mittlerweile zwar alles sein, aber er nutzt hauptsächlich die Welt der Klassik und verschmelzt diese gerne mit modernen Sounds, ganz im Sinne des modernen Scorings.

Gewählter Charakter

  • Ephraim Zamir

 Kurze Charakterbeschreibung

  • Als kleiner Junge muss Ephraim im KZ miterleben, wie seine Mutter brutal von einem SS-Offizier liquidiert wird.
    Zunächst verliert sich seine Spur, bis er als alter, vermögender Mann in seiner deutschen Heimatstadt wieder auftaucht, dort eine turmartige Villa von Grund auf renovieren lässt und der ansässigen jüdischen Gemeinde anbietet, den Bau der geplanten, neuen Synagoge mit einem großen Geldbetrag zu unterstützen. Über seine Vergangenheit spricht Ephraim nicht – und auch die ihm anvertraute Esther wird nicht schlau aus dem alten Mann, der Nacht für Nacht im Schlaf schreit.
    Als Hans und seine Kameraden in die Villa einbrechen, um Ephraim einzuschüchtern, begehen sie einen großen Fehler: Sie unterschätzen Ephraim Zamir und geraten in seine Gewalt. Und mit jeder Stunde der unvorhergesehenen Geiselnahme wird offensichtlich, dass Ephraim nicht der ist, für den er sich ausgibt.

Selcuk Torun

AMAZONA.de:
Für welchen Charakter des Romans hast du dich entschieden und warum?

Selzuk:
Ephraim Zamir. Weil sein komplexer Charakter den gesamten Film dramaturgisch am besten wiedergibt. Wut/Zorn, Trauer, Liebe und Enttäuschung. Aber seine wichtigste Eigenschaft, die mir im Kopf blieb, war sein großes Herz und Mitgefühl, trotz seines Traumas und bitterer Erfahrungen.

AMAZONA.de:
Wie bist du die musikalische Umsetzung angegangen?

Selzuk:
Grundsätzlich fange ich immer am Klavier an, um mich nicht von irgendwelchen „Sounds“ ablenken zu lassen. Erst wenn es am Klavier Sinn ergibt, ich eine Melodie oder ein Thema habe, fange ich mit der Orchestrierung/Umsetzung an. Es ist wie ein gutes Gespräch. Da kommst du auch nicht an einen Tisch und fängst einfach an zu improvisieren und bombardierst dein Gegenüber mit sinnlosen Wörtern ohne Inhalt.
Zur Umsetzung: Einerseits wollte ich es breit und groß anlegen, also eher cineastisch, damit das Ganze Tiefe bekommt. Andererseits hörte/las ich aus seinem Charakter bzw. Gefühlswelt mehrere kleine Leitmotive, die ich einarbeiten wollte. Das habe ich dann subtil mit einer hebräisch, orientalischen Note umgesetzt. Natürlich würde ich im Falle einer Verfilmung viel präziser ins Detail gehen.

AMAZONA.de:
Welche Rolle spielte deine Wahl der Sounds bzw. Instrumente bei der Umsetzung?

Selcuk:
Die Story und die Welt, in der sie stattfindet, spielt für mich die größte Rolle. Das ist meine Inspiration und hilft mir bei der instrumentalen Navigation durch den Film. Ob es dann klassisch orchestral oder modern Hybrid wird, hängt von der Dramaturgie und Emotion ab, die man musikalisch unterstützen will. Die Charaktere und ihre Stimmungen geben mir vor, wie es klingen muss. Hinzu kommt die Buchvorlage, die den kulturellen Background und das Trauma Ephraims immer wieder beschreibt. Daher geschah der Griff zu orientalischen Instrumenten und Middle-East-Elementen instinktiv. Aber auch das muss man wohl dosieren, weil die Geschichte in Deutschland passiert. Gefühl steht immer vor Sound. Sound ist lediglich das Sprachrohr einer Emotion. Daher ist es mir so wichtig, zuerst ein Thema am Klavier zu entwickeln. Sonst besteht die Gefahr, dass man sich in einem blutleeren Soundteppich verfängt.

Komponist Christian Uhlig

  • Christian Uhlig hat als Wirtschaftsredakteur mit DAX und BIP zu tun, aber seine geheime Liebe gilt ARP und Moog. Seit 1978 in diversen Bands gespielt. Für AMAZONA.de schreibt er über Vintage Gear und Meilenstein-Alben in der Reihe „Making of“.

Gewählter Charakter

  • Der Turm

 Kurze Charakterbeschreibung

  • DER TURM ist, wenn auch kein menschlicher Charakter, eine der Hauptfiguren des Buches. Seine Geschichte beginnt bereits im 2. Weltkrieg, wo er der hilflosen Bevölkerung als Zufluchtsort vor den Bombenangriffen der Alliierten dient. Doch bereits damals ereignen sich dramatische Dinge in seinem Schatten. Als in der Gegenwart Ephraim Zamir den Turm bezieht und renovieren lässt, lebt er mit Esther fast ausschließlich im oberen, lichtdurchfluteten Dachgeschoss. Als Zamir schließlich die rechtsradikalen Einbrecher in seine Gewalt bringt, steigt er in die dunklen, kalten Gewölbe des Turmes hinab. Und je länger er dort seine gepeinigten Geiseln vernimmt, desto mehr verlangt der Turm auch von ihm seinen Tribut.

Christian Uhlig

AMAZONA.de:
Hast du schon vor dem Projekt TURMSCHATTEN Gelegenheit gehabt, an der Musik zu einem Film zu schreiben oder z. B. für eine Vernissage Bilder zu „vertonen“?

Costello:
Kurz vor dem Fall der Berliner Mauer habe ich für eine Produktionsfirma Featurefilme über die alliierten Schutzmächte in Berlin gedreht. Da hatte ich Gelegenheit, einige Szenen mit eigener Musik zu unterlegen.

AMAZONA.de:
Für welchen Charakter des Romans hast du dich entschieden und warum?

Costello:
Meine Wahl fiel auf den Turm. Er hat eine „bedrohliche Aura“ und einem Kommissar erscheint es gar so, „als sei er längst nicht mehr nur ein Bauwerk, sondern eine Kreatur, die die Geiseln festhielt“. Der Turm stand schon, als die Deportationszüge in die Vernichtungslager fuhren, er hat das Inferno des Bombenkrieges gesehen und nun wird er in der Gegenwart zum Schauplatz dramatischer Ereignisse: Ein Mord, Angreifer, die plötzlich zu Gefangenen werden, der Konflikt zwischen Gerechtigkeit und Rachegelüsten. Da kann man auch musikalisch in die Vollen gehen. „Turmschatten“ ist ja nicht nur ein politisches Buch, sondern vor allem auch ein gut gemachter Thriller. Das ganze Setting mit SEK-Teams und über dem Turm kreisenden Hubschraubern, schaulustigen Gaffern und quotengeilen Medien – das schreit ja förmlich nach einer Verfilmung.  Und so habe ich in der Art eines Fimtrailers Themen zusammengefasst, die mein Kopfkino beim Lesen des Romans wiedergeben.

AMAZONA.de:
Wie bist du die musikalische Umsetzung angegangen?

Costello:
Ich habe mit dem Rhythmus begonnen und versucht, mit treibenden Drum-Loops das Atemlose, Dramatische auch Brutale der Handlung im und um den Turm herum einzufangen. Erst als das rhythmische Gerüst komplett stand, habe ich mir Gedanken um Harmonien und Melodien gemacht. Hörner und Posaunen stehen für das Gravitätische des Turms, wobei die rastlosen Violinenfiguren – ein wenig in der Art von „Walk of the Dead – mit Marcato-Celli und -Bässen das Unheil schon andeuten. Der zweite Abschnitt entwickelt das gewalttätige Drama im Turm mit tiefen Synthbässen und Risers. Eine anschwellende weibliche Stimme leitet zu einem ruhigeren Part über, die Melodie erinnert an Smetanas „Moldau“. Dann folgt eine Art Klagegesang – da dachte ich ein bisschen an Ofra Haza und ihre „Yemenite Songs“. Anschließend eilt die Handlung im Turm mit Hörnern und Staccato-Strings unentrinnbar ihrem Finale entgegen..

AMAZONA.de:
Welche Rolle spielte die Wahl der Instrumente bei der Umsetzung?

Costello:
Obwohl ich den AMAZONA.de Lesern ja als Vintage- und Hardware-Fan bekannt bin, habe ich dieses Projekt komplett in Logic Pro umgesetzt. Für den Kinotrailer-Ansatz benötigte ich „larger than life“ Drums und ein Orchester. Fündig wurde ich bei „Quantum Force – Cinematic Drums“ und „Ultimate Cinematic Bundle“ von Ghosthack, und „Orchestra Complete V1“ von Best Service. Um die Orchesterparts einzuspielen, habe ich mein Kurzweil PC3X verwendet. Mein besonderer Dank geht an das Masteringstudio Vincent Uhlig in Mainz. Vincent setzt analoge Equalizer und Kompressoren ein, die der DAW-Produktion wieder Wärme einhauchen.

Verlosung: 3x TURMSCHATTEN zu GEWINNEN

Unter all jenen, die nun Lust haben, ebenfalls einen Charakter von TURMSCHATTEN zu vertonen, verlost der Verlag DAS NEUE BERLIN drei Exemplare des Romans – auf Wunsch mit Signierung.

Bitte schickt uns eine kurze Info, ladet den Song auf Soundcloud oder auf einer anderen Musikplattform hoch und setzt den Link hier in die Kommentare. Soweit möglich, setzen wir sie dann als „Player“ zu dieser Story hinzu. Selbstverständlich unter Nennung des Komponisten und wenn gewünscht, Verlinkung zu eurer Plattform.

Einsendeschluss für diese Aktion ist der 19. August 2020

Entscheiden wird das Los. Es gibt also keine Beschränkung in Stil, Qualität oder anderen Kriterien.

Um sich einen Eindruck vom Roman zu machen, um Ansätze für die Musik zu haben, kann TURMSCHATTEN zu einem großen Teil kostenlos auf wattpad.com lesen.Einfach Account anlegen und TURMSCHATTEN in die Suchfunktion von wattpad.com eingeben, fertig.

Wir sind auf eure Umsetzungen gespannt und würden uns über rege Teilnahme freuen :)

Forum
  1. Profilbild
    Martin Gerke  

    Sieht so aus, als hätte ich den Loudness-War verloren, dreht bitte ein bisschen lauter bei meinem Track :-D
    Aber Dynamik ist auch nicht zu verachten, oder?

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      lena  

      Dein Stück ist mein klarer Favorit, gefolgt von Siggi Müller und Selcuk Torun. Liegen aber alle für mich sehr nah beieinander.

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      TobyB  RED

      Du hast nicht verloren, nur leiser gemischt. :) Die Grundlautheit ergab sich aus den Schritten und dem Polizei/Feuerwehr Fieldrecording. Bei den Schritten in der Werkhalle habe ich ungefähr dreimal in die Tischplatte gebissen und zweimal gedacht, Geräuschmacher ist ein sehr ehrbarer Beruf. Sowas aufzunehmen ist wirklich hart. Der Material-Klang der Sohlen wird oft unterschätzt. In Logic hab ich nicht viel gemacht. In der Masteringkette sind der Adaptive Limiter, Multipressor, Channel EQ, Multimeter, Specan32 und das wars. Der LUFS Pegel liegt etwas unter dem Soundcloud Spitzenwert. Allerdings bevor die Multitracks in die DAW gehen passiert schon was. Da geht alles durch den Bus und parallel über die Direct Out in die Backup Kiste. Der Bus besteht aus BBE Sonic Maximizer 482, 2xWA76, ART Pro VLA II, ART PWM Dual Limiter, Drums durch DBX266XS, Alesis 3630.

  2. Profilbild
    hejasa  AHU

    Kurzer Hinweis vorweg , Karl Rieger wurde ex- und nicht immatrikuliert.
    Habe das Buch soeben zu Ende gelesen, Ideen zu einem musikalischen Beitrag zu diesem tollen Projekt schon im Kopf, arbeite am Arrangement…
    Tolle Story, konnte nicht aufhören zu lesen, Kompliment an Peter Grandl für den sehr gut recherchierten Thriller!

  3. Profilbild
    Sven Rosswog  RED

    Ein tolles Projekt,

    und meinen Glückwunsch an Peter Grandl.

    ich bin auch mit von der Partie und reiche was bis. 19.08 ein

    Viel Erfolg allen

    Sven

  4. Profilbild
    wintegralle

    hallo hoffe das ist die richtige rubrik?..ok hier mein beitrag zu dem buch, das ich selber nicht gelesen habe aber gerne gewinnen würde.danke für alle die sich daran beteiligen eine bessere welt zu erschliessen.der sound ist mehr in form einer soundcollage, die nicht jeden anspricht.dennoch bin ich der meinung warum nicht.den das feld der kopositionen bzw sound musik etc ist gewaltig.ich hoffe es gefällt jemand und regt an. beste gruesse vangerst

    geräte sind eig. alle irgendwie analog:-)mit dabei sind evolver, matrixbrute, mfb dominion,easel buchla. daw ist ableton und soundkarte ist universal audio..

    gratuliere zu einem buch das die welt nun sieht…:-)

    ps: gerne vorschläge wie man es besser machen kann bezug soundqualität usw..lerne eig. immer noch nicht aus..danke

    hier der link:

    https://soundcloud.com/user-411289811/llidio-20

    peace not war

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