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Zeitmaschine: Lexicon Alex, Digitaler Effektprozessor (1993)

4. September 2021

Einst der Preisbrecher unter den Lexicon-Hallgeräten

Lexicon Alex, Digitaler Effektprozessor (1993)

Lexicon Alex, Digitaler Effektprozessor (1993)

Das Lexicon Alex kam 1993 zu einem absoluten Kampfpreis auf den Markt. Ich erwarb es Ende 1994 für 825,- Euro. Damals war es für mich die ideale Ergänzung zu meinem recht übersichtlichen Park an Effektgeräten.  Der bestand aus einem Roland RE-201 Space Echo, einem Yamaha SPX-90 und einem Alesis Midiverb II, ergänzt durch einige Effekt-Pedale. Auf meinem Apple PowerBook war zwar Cubase installiert, aber noch ohne Effekt-Software, wie sie heute für jede DAW selbstverständlich ist.  Mal eben einen Hall/Echo- oder Modulationseffekt in Studioqualität auf die einzelnen Spuren eines Mix zu legen, das war nicht möglich. Jedes weitere Outboard-Gerät schenkte mir deshalb zusätzliche Flexibilität. Und auf der Frontseite stand Lexicon – das war für mich ein Qualitätsversprechen.

Zur klanglichen Einstimmung hier die Presets Chamber, String Hall  und Inverse.

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Zu den Beispielen noch zwei Anmerkungen: Das klassische Thema für die Streicher habe ich dem letzten Satz von Beethovens Klaviersonate Nr. 1 f-Moll op. 2 Nr. 1 entnommen. Allerdings musste ich das Tempo für die „Streichquartett-Bearbeitung“ deutlich reduzieren –  von Prestissimo auf Adagio. Der Synth-Bass im Inverse-Beispiel wurde mit dem Guitar Room-Preset bearbeitet.

Report Lexicon Alex

Einfach gestrickt: Das Lexicon Alex bietet 16 Presets (Foto: Costello)

Die englischsprachige Fachpresse hat das kleine Lexicon bei seiner Markteinführung sehr warmherzig aufgenommen: „Lexicons Alex zielt vielleicht in erster Linie auf den Markt für kleine kommerzielle/private Studios ab, aber ich denke, sie werden es stapelweise auch an professionelle Nutzer verkaufen. Ich kann schon nicht mehr zählen, wie oft ich bei einer Mixing-Session alles für ’nur ein Lexicon mehr‘ gegeben hätte.“ (Recording Musician, Mai 1993)

Report Lexicon Alex

Der Preis von 825,-DM war eine echte Ansage (Foto: Costello)

Lexicon Alex – ein Paradebeispiel für Skaleneffekte

Lexicon beobachtete damals, wie der Markt für Effektprozessoren mit immer preiswerteren Geräten geflutet wurde. Die Wettbewerber saßen nicht nur in Fernost: Auch ein US-Hersteller wie Alesis mischte in der zweiten Hälfte der 80er-Jahre mit Produkten wie Microverb, Midiverb und Quadraverb den Effektgeräte-Markt ordentlich auf. Da war es naheliegend, das eigene Know-how auch für Budget-Geräte zu nutzen, zumal der Lexicon-Klang bei Musikern einen ausgezeichneten Ruf hatte. Schauen wir uns das Lexicon Alex an, dieses Leichtgewicht mit der geringen Einbautiefe von gerade mal 10 cm, drängt sich mir unwillkürlich der Vergleich mit dem Alesis Midiverb II auf. Das setzt sich bis in die schwarz-blaue Farbgebung fort.

Report Lexicon Alex

Lexicon Alex und das Midiverb II (Foto: Costello)

Das Lexicon Alex ist ein später Abkömmling einer illustren Ahnenreihe. Und es gehört schon ein bisschen Fantasie dazu, dieses unscheinbare Effektgerät mit den  legendären Klassikern 224, 224X und XL, dem 480 L, oder auch PCM 70/80/81 in Verbindung zu bringen.

Das Brighton Studio kommt zu einer realistischen Einschätzung: „Das Alex ist ein Paradebeispiel für die Skaleneffekte, die Lexicon erreicht hat – ein kostengünstiges Lexicon-Effektgerät in einem kompakten 1U-Gehäuse“.

In den beiden nächsten Klangbeispielen veredelt die „Recital Hall“ einen Rhodes-Sound und ein Drumsound wird durch „Gated Reverb“ gejagt. Dieser sehr plakative Schlagzeug-Effekt war auch Anfang der 90er-Jahre noch sehr beliebt.

Report Lexicon PCM 70 Multieffektgerät

Das PCM 70 stellte den berühmten Lexicon-Hallsound in einem schlanken und ranken 19“-Gehäuse mit nur einer HE zur Verfügung (Foto: Costello)

Lexicons langer Weg in den Massenmarkt

Die Firma Lexicon hatte bereits mit dem PCM 70 versucht, die begehrten Algorithmen zu einem erschwinglicheren Preis unter die Leute zu bringen. Wobei das mit der Erschwinglichkeit angesichts eines Verkaufspreises von 7.000,- DM doch sehr relativ war. Einen echten Schritt in Richtung benutzerfreundlicher Preise unternahm Lexicon im Jahr 1988 mit Einführung des LXP-1 und LXP-5. Timm Brockmann hat die beiden Effektgeräte hier vorgestellt, die klanglich ihre Meriten haben, deren Bedienungsmöglichkeiten freilich stark eingeschränkt sind. Solange man die Effektgeräte nicht über  die separat erhältliche Remote-Control-Einheit MRC ansteuert.  LXP-1 und LXP-5 sind mit nur halben 19‘‘-Rack-Maß superkompakt.  Das Alex ist dagegen ein echter 19-Zöller mit Rack-Ohren.

Lexicons erste echte Budgetgeräte waren das LXP-1 und das LXP-5 in halber 19“-Rack-Breite. Dazu gab es die links abgebildete Fernbedienung MRC.

Der Alex-Chip werkelt auch im LXP-15

Ein engeres Verwandtschaftsverhältnis besteht daher auch eher zum Lexicon LXP-15 aus dem Jahr 1991, das ebenfalls ein 19‘‘-Gerät ist. Das Lexicon LXP-15 ist zwar in jeder Hinsicht üppiger ausgestattet als das Alex, aber in beiden Geräten schlägt zumindest das gleiche Herz – nicht zum Nachteil des Alex, wie in einer Besprechung des Alex im The Music Technology Magazine vom September 1993 zu lesen ist: „Dies ist eindeutig einer der Prozessoren, der Sie allein mit seinen programmierten Halleffekten beeindrucken kann. Aber ich denke, das ist auch zu erwarten. Schließlich verwendet Alex denselben zentralen Verarbeitungschip, den Lexicon auch im LXP-15 einsetzt.“

Das Lexicon Alex arbeitet mit einem Burrbrown PCM54 Digital-Analog-Wandler, der mit 16 Bit auflöst. Die Samplingrate beträgt 31,25 kHz. Das schränkt das obere Frequenzspektrum zwar etwas ein, merkt der Kritiker von „Recording Musician“ an, was musikalisch aber nicht störend auffalle: „Während neue Designs jetzt ausnahmslos eine Bandbreite von 20 kHz haben, liegt das Alex wie das legendäre PCM70 bei 15 kHz (Effektweg-Signal) bei -3 dB. Dennoch mangelt es ihm nicht an Brillanz oder Klarheit; Spezifikationen können, genau wie Statistiken, isoliert betrachtet irreführend sein.“

Report Lexicon Alex

Ein berühmter Herstellername ziert das Frontpanel des Alex (Foto: Costello)

Keine falsche Bescheidenheit

Und auch das keine 20 Seiten starke Lexicon-Handbüchlein übt sich nicht gerade in Bescheidenheit: „Lexicon stellt Ihnen ein Hallsystem von Weltklasse zur Verfügung, dazu Effekte, die jede Audio-Performance verbessern. Sechzehn Effekt-Presets liefern Ihnen ein weites Spektrum ausgezeichneter Klänge, die unmittelbar zur Verfügung stehen. Drei beeinflussbare Parameter erlauben Ihnen Veränderungen der Presets – von subtil bis dramatisch, die auf 16 Speicherplätzen abgelegt werden können.“

Da reibt sich der Lexicon-Liebhaber erstmal verwundert die Augen. Der hier von mir bereits vorgestellte Klassiker Lexicon PCM 70 bietet allein für die Feinjustierung der Hallprogramme zwei Dutzend Parameter an. Es erregt nachgerade unser Mitleid, wenn die Handbuchautoren rechnerisch auf „4096 mögliche Effekt-Variationen“ beim Alex verweisen, wo doch der Nutzer des PCM 70 die Parameterflut nur mit Makros bewältigen kann.

Ob diese überbordende Menge an Einstellmöglichkeiten das Ergebnis tatsächlich immer verbessert? Die beiden folgenden Klangbeispiele wurden beide mit dem populären „Tiled Room“-Preset aufgenommen. Einmal kommt es vom Lexicon Alex und einmal vom PCM 70.

Ich finde, das Lexicon Alex schlägt sich hier mehr als beachtlich. Wie überhaupt sämtliche Kombinationen von Drums mit den einschlägigen Programmen (speziell Gate, Inverse, Percussion Plate) sehr brauchbare Ergebnisse liefern.

Report Lexicon Alex

Eine einfache Skizze im Alex-Handbuch genügt vollauf, um die simple Bedienung zu erläutern.

Lexicon Alex – Das übersichtliche Frontpanel

Die Frontplatte kommt mit 5 Knöpfen und 3 Tasten aus. Der „Input“-Knopf regelt die Lautstärke des eingehenden Signals. Eine LED zeigt an, ob Übersteuerung droht, wobei ein kurzes rotes Flackern meist noch unproblematisch ist. Daneben stellen wir mir dem „Mix“-Regler ein, in welchem Verhältnis bearbeitetes und unbearbeitetes Signal zu den Ausgängen geschickt wird. „Output“ regelt natürlich die Ausgangslautstärke. Ein kleines Display in der Mitte zeigt Zahlenwerte von 1-16 an. Sie entsprechen den insgesamt zur Auswahl stehenden 16 Presets plus 16 Nutzerspeicherplätze, die bei Lexicon Register genannt werden. Angewählt werden die Programme mit dem Knopf ganz rechts. Die Effektnamen sind auf dem Frontpanel aufgedruckt, beginnend unten mit Programm 1 „Large Hall“ bis Programm 16 „Delays“.

Viele Presets signalisieren bereits mit ihrem Namen eine bevorzugte Anwendung: Wie etwa „Brass Plate“ oder „Guitar Room“. Und meistens führt das auch zum Erfolg. Der Bass beim Beispiel „Brass Plate“ wurde übrigens auch durch den „Guitar Room“ geschickt. Die Drums wiederum standen im Badezimmer ;) Also im „Tiled Room“.

Aber natürlich lohnt sich das Experimentieren. Schon der Rezensent von Recording Musician stellte fest: „‚Guitar Room‘ klingt großartig für ein Bläser-Sample; ‚String Hall‘ bevorzuge ich für Gesang, und für Streicher würde ich eher ‚Recital Hall‘ verwenden.“

Die Presets können nicht überschrieben werden, individuell angepasste Effektklänge müssen auf einem der Registerplätze gespeichert werden. Ein kleiner Drucktaster schaltet zwischen den beiden Modi um. Mit einem weiteren Taster links neben dem Display können veränderte Presets gespeichert werden.

Report Lexicon Alex

Mit einem kleinen Taster wird zwischen Presets und Nutzerspeicherplätzen (Register) hin- und hergeschaltet (Foto: Costello)

Ein bisschen schrauben

Rechts vom Display befindet sich ein dritter Taster, der für die Parameter-Anwahl zuständig ist. Die drei sind auch neben dem Display aufgedruckt: Decay, Delay und FX Level. Beim Durchsteppen zeigt ein kleiner Punkt im Display an, welchen Parameter wir gerade angewählt haben. Gleichzeitig wird vorübergehend der im Preset abgespeicherte Wert angegeben – wiederum als Ziffer zwischen 1 und 16. Welche Halllänge oder welches Predelay sich hinter dieser Ziffer nun genau verbirgt, müssen wir im Handbuch nachschlagen. Mit dem Value-Knopf können wir nun die Parameter verändern. Von einer Feinjustierung möchte ich bei 16 Stufen wirklich nicht sprechen. Ein Punkt hinter der Zahl zeigt an, dass ein Effektprogramm bearbeitet worden ist.

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Die schlichte Rückseite des Lexicon Alex (Foto: Costello)

Die Rückseite des Lexicon Alex

Auch die Rückseite ist an Schlichtheit nicht zu überbieten. Zwei Eingänge, zwei Ausgänge – selbstredend für unsymmetrische Klinkenkabel ausgelegt. Der jeweils linke Kanal ermöglicht den Monobetrieb des Effektgeräts.  Ein Fußschalter kann angeschlossen werden, um die eigenen Programme durchzusteppen. Der von Lexicon damals angebotene „Dual function“-Fußschalter bot auch die Möglichkeit, das Alex auf Bypass zu stellen. Ein Eingang für ein etwas klobiges externes 9 V Netzteil vervollständigt das Bild.

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Die Ein- und Ausgänge des Lexicon Alex sind als unsymmetrische Klinkenbuchsen ausgeführt (Foto: Costello)

Was denn – kein MIDI?

Und doch scheint etwas zu fehlen, das der Käufer eines Effektprozessors im Jahr 1993 eigentlich stillschweigend voraussetzte. Ja genau: Keine Spur von MIDI. Brüstete sich Lexicon beim PCM 70 noch mit Dynamic MIDI, das die Steuerung einzelner Effektparameter über jeden erdenklichen MIDI-Controller von der Anschlagstärke über das Modulationsrad bis zu den Pedalen ermöglichte, wird das MIDI-Trio beim Alex einfach mal eingespart.  Eigentlich hätte ich erwartet, dass das für die damaligen Kritiker ein absolutes No-go darstellte.

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Die übersichtliche Rückseite des Lexicon Alex. Sofern ins Auge springt das Fehlen von MIDI-Buchsen. (Foto: Costello)

Aber weit gefehlt. Im The Music Technology Magazine lesen wir im September 1993: „Nun, Sequencer-Fanatiker werden vielleicht enttäuscht sein, dass das Alex keine MIDI-Implementierung hat (ich persönlich könnte nicht glücklicher über das Fehlen der gefürchteten DIN-Buchsen sein), zudem hätte das Hinzufügen von MIDI den Preis in die Höhe getrieben.“ Auch der Kritiker von Recording Musician stellt im Mai 1993 lediglich lakonisch fest: „Kein dynamisches MIDI, nicht einmal eine MIDI-Programmanwahl – nichts, was über das hinausgeht, was für die grundlegende Aufgabe, einen Lexicon-Hall zu einem erschwinglichen Preis anzubieten, notwendig ist.“

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Unter den Presets des Alex befindet sich auch der berühmte „Tiled Room“ (Foto: Costello)

Viele Parameter, aber leider kaum Zugriff

Es ist nicht so, dass das Lexicon an sich unterparameterisiert wäre. Das Handbuch betont, dass jedes Preset sich aus bis zu 32 verschiedenen Parametern zusammensetzt. Allein – der Nutzer hat darauf praktisch keinen Zugriff.

Beim Versuch, die kaum vorhandenen Eingriffsmöglichkeiten des Alex zu relativieren, bemühten einige Rezensenten ihre ironische Ader: „Dieses Produkt ist wirklich das Gegenmittel zu Geräten, die darauf bestehen, dass Sie in Ihrem Raumsimulationsprogramm angeben müssen, welche Farbe der Teppich und die Vorhänge haben sollen; hier müssen Sie nur den Effekt einstellen, Decay und Pre-Delay für den Kontext optimieren und fertig.“  Recording Musician

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Neben dem Display sind die drei veränderbaren Parameter des Alex auf dem Gehäuse aufgedruckt (Foto: Costello)

Bescheidene Tweaking-Möglichkeiten

Der Alex-Besitzer kann bei gerade mal drei Parametern selbst Hand anlegen. FX LVL definiert bei allen Effekttypen die Stärke des Effekts, der zum Signal hinzugefügt wird. Das Mix-Verhältnis von trockenem und Effektsignal wiederum kann nicht abgespeichert werden. Dafür haben wir den Mix-Regler auf der Frontseite.

Die beiden anderen Parameter – „Decay“ und „Delay – übernehmen unterschiedliche Aufgaben. Und zwar in Abhängigkeit vom gewählten Effekt. In den Hallprogrammen (Hall, Room und Plate)  legt „Decay“ die Abklingzeit des Nachhalls für eine vorbestimmte Raumgröße fest. „Delay“ bestimmt die Verzögerung zwischen Schallereignis bis zum Einsetzen des Halls. Bei den „Inverse“ und „Gate“-Programmen verändert Delay nicht nur die Raumgröße, sondern auch den Klangcharakter. Delay ist wiederum für das Predelay zuständig.

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Bei den Programmen Chorus, Echo und Delays kontrolliert Decay das Feedback, beim Flanging die Resonanz.

Delay legt bei Chorus und Echo jeweils die Verzögerung fest, beim Flanging die Effektstärke. Beim Programm „Delays“ schließlich setzt der Delay-Parameter die Verzögerungszeit für das erste von vier gleichen Echo-Taps.

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Bei der Parameter-Einstellung stehen 16 Abstufungen zur Verfügung. Was die jeweils praktisch bewirken, muss man im Manual nachlesen. Hier ist die Effektstärke (FX LVL) angewählt. (Foto: Costello)

Lexicon Alex – Feinjustierung unmöglich

Dass die lediglich 16 Abstufungen, die überhaupt nur möglich sind, keine sehr subtilen Anpassungen zulassen, versteht sich dabei von selbst. Bei der „Large Hall“ stehen Nachhall-Zeiten von 0,6 Sekunden bis maximal 8,9 Sekunden zur Verfügung. Erfolgen die Abstufungen anfangs noch im Abstand von Zehntelsekunden, geht es ab Stufe 5 (1 Sekunde) dann hurtig voran. Bietet Stufe 11 noch 2,4 Sekunden sind es bei 14 schon 4,9 Sekunden, 15 entspricht 6,1 Sekunden und dann gibt es noch mal einen ordentlichen Sprung bis zum Maximalwert von 8,9 Sekunden bei Preset 16. Damit kombiniert werden können Predelay-Zeiten zwischen 0 und 245 Millisekunden.

Report Lexicon Alex

Erster Teil der einstellbaren Parameter des Lexicon Alex

Was beim Hall noch angehen mag, schränkt die Möglichkeiten bei den Echo- und Delay-Programmen doch sehr stark ein. Beim Echo Delay reichen die  Werte von 24 ms bis maximal 1,5 Sekunden. Die 16 wählbaren Zwischenstufen lassen praktisch keine Synchronisation etwa mit dem vorgegebenen Tempo eines Sequencers zu. Es sei denn, man würde das Pferd von hinten aufzäumen und sich nach den Vorgaben des Effektgerätes richten. Aber wer will das schon?

Wobei die Effekte für sich genommen, gar nicht schlecht klingen:

Im zweiten Beispiel habe ich die Drums, das Piano und auch den Bass mit „Delay“ versehen. Den Bass allerdings nur mit einem kurzen Single-Delay.

Report Lexicon Alex

Und der zweite Satz Parameter

Lexicon Alex – Das sagen die Nutzer

Ich habe auf equipboard keine bekannten Nutzer des Lexicon Alex ausfindig machen können. Die Prominenz hält sich dann doch eher an die Klassiker. In den einschlägigen Musikerforen habe ich aber doch einige Stimme zum Alex gefunden.

So schreibt der User „farview“ 2011  im tape op message board: „Das Alex ist ein gutes kleines Gerät. Der einzige Nachteil bei der Verwendung der kleineren Lexicon ist, dass man nicht so viel Kontrolle über die Parameter hat. Die Qualität des Reverbs konnte immer mit der meines PCM80 mithalten, er war nur nicht annähernd so gut einstellbar.“

Weniger begeistert zeigt sich  Jester700 2002 auf jemsite.com : „Das sind nicht nur keine High-End-Geräte, die sind nicht einmal aktuell. Du bist mit einem moderneren MPX-Gerät viel besser bedient. Das Alex hat außerdem kein MIDI.“

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Für einige Nutzer ist schon das Fehlen von MIDI ein echtes K.O.-Kriterium (Foto: Costello)

Auf der gleichen Seite bricht Kyle Odom eine Lanze für das kleine Lexicon-Gerät: „Eigentlich mag ich die Reverbs des Alex sehr. Es ist zwar nicht so flexibel wie die neueren Geräte, da es keine Multieffekte bietet und nicht MIDI-steuerbar ist. Das macht es aber durch die Klangqualität der Reverbs wieder wett. Es hat einige der besten Reverbs, die ich je gehört habe. Besonders gut gefällt mir der ‚Guitar Room‘-Hall. Ich habe einen MPX-100 und einen (TC Electronic) G-Major und ich bevorzuge immer noch die Reverbs vom Alex für Aufnahmen.“

Ein anderer Nutzer – LGMT – positioniert sich auf jemsite.com eindeutig gegen das Alex: „Ich besitze ein Alex und benutze es nicht mehr. Reverb und Delay sind gut, aber ich denke, es bietet nicht viel mehr als einige andere Effektgeräte, die heute erhältlich sind. Jetzt habe ich ein PCM 80. Sparen Sie Ihr Geld und lassen Sie die Finger vom Alex. Kaufen Sie ein anderes gebrauchtes Rackgerät.“

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Das Alex von oben: Es hat eine Tiefe von gerade mal 10 cm

Wunderbar für Kopfhörer-Mixe

Wesentlich freundlicher fällt das Urteil von User „earworm“ 2005 im Thread von homerecording.com aus: „Ich habe das Alex, und ich mag es, ein super einfaches Gerät, sehr leicht zu bedienen, und die Reverbs sind auch brauchbar… Es ist großartig für Kopfhörer-Mixe, und ja, ich habe es schon in eine Gitarrenkette eingebaut, mit guten Ergebnissen, es ist keine Killer-Maschine, aber es ist nett, so viel besser als ein paar andere Boxen, die ich benutzt habe…“

Auf Sequencer.de wünscht sich der User „verstaerker“ noch im Jahr 2019 die Alex-Effekte im handlicheren Format:  „Ich schätze den Sound des Alex sehr… etwas speziell, aber manchmal passt es eben perfekt. Besonders Preset 12 (Percussion Plate) mag ich. Gibt’s so was auch als Bodentreter oder ein ähnlich kleines Gerät? “

Report Lexicon Alex

Die „Gold Plate“ scheint ein echtes Alleinstellungsmerkmal des Alex unter den Lexicon-Echos zu sein (Foto: Costello)

The gold plate patch is worth the price of admission

Jim Williams von Audio Upgrades setzt das Alex neben anderen Lexicon-Geräten und einem Bricasti M7 ein. Seine Meinung zum Alex: „Ich liebe meins… Das Goldplatten-Patch ist den Anschaffungspreis wert.“ (Tape Op Message Board) Für 150 US-$ bietet Jim Williams übrigens eine Frischzellenkur für den Alex an: „Ich ersetze digitale Wandlerteile, Sample- und Hold-OpAmps, Timing-Caps, den Demultiplexer durch w 74HS-Typen, den Komparator durch NOS LF211. Das senkt das Rauschen und glättet die Hallfahne sehr schön. Das ist eine schwierige Arbeit, die Geschick und Erfahrung bei der Fehlersuche erfordert.“ (Tape Op Message Board)

Und weil Jim Williams so begeistert von ihr ist, hier kommt die „Gold Plate“:

Lexicon Reflex als Alternative?

Wenn wir Alternativen zum Alex suchen, bietet sich das wenig später erschienene Lexicon Reflex an. Das Reflex besitzt 8 Algorithmen (beim Alex sind es nur sieben), 128 Nutzerspeicherplätze (statt 16), 10 veränderbare Parameter (statt drei) und – dynamisches MIDI. Die Entscheidung klingt zunächst mal nach einem No-Brainer. Was aber etwas verwundert: Die Preise etwa auf eBay Kleinanzeigen unterscheiden sich für beide Geräte derzeit kaum. Sie fangen bei etwa 70,- Euro an und gehen bis 100,- Euro. Anscheinend besitzt das Alex, trotz wesentlich geringerer Möglichkeiten, doch noch einen gewissen Kultstatus. Es könnte aber auch damit zusammenhängen, dass das Alex unterm Strich etwas wärmer klingt, denn das Reflex wurde mehr in Richtung HiFi-Sound getrimmt: „Im Inneren verwendet der Reflex einen der neuen Lexi II-Chips, die für den PCM80 entwickelt wurden und die neuesten Hall-Algorithmen bieten. Die Verbesserungen sind vor allem bei der Definition der frühen Reflexionen der Hallprogramme bemerkbar, zusammen mit einem viel natürlicheren Hochtonanteil (im Vergleich zu einem LXP15).“ (Sound on Sound, März 1995)

Report Lexicon Alex

Im Lexicon Alex werkelt derselbe Chip wie im LXP-15 (Foto: Costello)

Und das ist genau die altbekannte Diskussion, die auch zwischen PCM 70-Fans und PCM 80-Liebhabern geführt wird. Diese beiden Geräte wären für erschwinglichen Lexicon-Sound ohne Kompromisse sicher meine erste Wahl. Sie müssen hier aber nicht in die Betrachtung miteinbezogen werden, weil sie ungefähr 10-mal so viel kosten wie ein Alex oder Reflex.

Ob dieser preisliche Unterschied gerechtfertigt ist? Hier noch einmal ein Vergleich zwischen Alex und PCM-70 mit einem Plattenhall-Programm und einer großen Halle:

Ich finde, die „Large Hall“ des Alex macht bei Ambience-betonten Sachen einen wirklich guten Job. Vor allem, wenn wir auf Maximal-Einstellungen verzichten und auch ein angemessenes Mix-Verhältnis von trockenem Signal und Effektsignal finden. Sonst endet es schnell in Klangbrei. Aus diesem Grund würde ich mich bei der Kirchenorgel wohl immer für das PCM 70 entscheiden. Der Hall ist insgesamt dichter und auch sauberer – vor allem auch im Abklingen der Hallfahnen. Bei den Plates ist es wieder mehr Geschmackssache, wobei auch das Mallets-Beispiel die Vorzüge des  PCM 70-Halls ganz gut ins Licht rückt.

Lexicon MPX-200 und MX-200

Lexicon hat übrigens auch später erschwingliche Effektgeräte gebaut, wie die MPX und die MX-Reihe. Tests zum Lexicon MPX-200 und dem Lexicon MX-200 liegen auf AMAZONA.de von Thorsten Walter vor. Das Lexicon MX 200 wurde 2018 noch zu einem Ladenpreis von 166,- Euro angeboten. Attraktiv ist sicher, dass hier zwei identische FX-Prozessoren werkeln, so dass zwei Effekte gleichzeitig abgerufen werden können. „Jeder der beiden Prozessoren verfügt über eine große Zahl an hochwertigen Algorithmen, die jeweils mit genau drei Parametern den Bedürfnissen angepasst werden können.“ Da lässt das Alex grüßen :)

lexicon mx200

Beim Lexicon MX-200 lassen sich auch immer genau 3 Parameter pro Effekt einstellen.

Auch hier ist vermutlich die erste Reaktion: Warum noch einen Gedanken auf das Alex verschwenden, wenn diese neueren Geräte doch offensichtlich so viel mehr auf dem Kasten haben? Ich persönlich denke, dass bei der Entscheidung für ein MX-200 eher der Gedanke im Vordergrund steht, ein Hardware-Gerät einzusetzen. Und weniger der Lexicon-Sound. Die Grenzen zu einem gleichwertigen Gerät etwa von TC Electronic verschwimmen hier langsam. Das Alex – trotz all seiner Limitierungen – bietet noch einen Abglanz des alten Lexicon-Sounds.

Wenn das Effektgerät immer auf Preset 1 eingestellt ist

Als das Lexicon Alex auf den Markt kam, stellten die Rezensenten durchweg das sensationelle Preis-Leistungs-Verhältnis heraus. Und das war im Jahr 1993 ja auch völlig okay, ist heute aber kein Entscheidungskriterium mehr. Ich persönlich mag es sehr gern, was ihr beim Lesen und Hören des Reports  bestimmt schon bemerkt habt. Trotzdem bemühe ich mich um Objektivität und möchte aufgrund der wirklich starken Einschränkungen keine eindeutige Empfehlung für das Alex aussprechen. Wer MIDI braucht, für den scheidet es vornherein aus. Für die Delay- und Modulationseffekte würde ich es mir auch nicht unbedingt anschaffen wollen. Da sind die Pingpong-Effekte an meinem Tascam-Pult teilweise noch flexibler.

Report Lexicon Alex

Für Hardware-Liebhaber kann ein (günstig angebotenes) Alex immer noch einen Versuch wert sein (Foto: Costello)

Die Hall-Programme sind allerdings immer noch sehr brauchbar. Und da kommt eine interessante Beobachtung ins Spiel, die der Rezensent von „Recording Musician“ gemacht hat:  „Das Alex ist ein Produkt, das gut ankommen wird. Nicht nur als erschwingliches Lexicon, sondern auch, weil viele Leute immer mehr erkennen, wie unsinnig es ist, ein Gerät zu kaufen, das 200 verschiedene Effekte bietet, aber sein ganzes Arbeitsleben damit verbringt, auf Preset 1 ‚Hall Reverb‘ eingestellt zu sein. Einfach weil das alles ist, was jemals von ihm verlangt wurde.“

Und dafür taugt das Alex auch heute noch allemal – auch wenn es bei mir nicht Preset Nummer 1 wäre ;)

Zum Schluss noch der obligatorische Costello-Song: „In cold blood“. Den Drums habe ich ein fettes „Gated Reverb“ verpasst, für den Bass wieder das bewährte „Guitar Room“-Preset ausgewählt. Die verschiedenen Synthesizerstimmen arbeiten mit „Recital Hall“ und „Chamber“ und die Stimme verwendet die „Vocal Plate“:

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Fazit

Es muss nicht immer Kaviar sein: In unserer Zeitmaschinen-Reihe möchten wir euch nicht nur die absoluten Klassiker präsentieren. Das Bedürfnis nach Studiogeräten und Instrumenten für ein kleineres Budget war in den 90er-Jahren genauso groß wie heute. Das Lexicon Alex bot dabei mehr als nur einen Abglanz des berühmten Hallklangs, der die Lexicon-Geräte so populär gemacht hat. Weggelassen wurde beim Alex alles, was verzichtbar war. Im Fall der Echoeffekte hat die Firma dabei sogar über das zuträgliche Maß hinaus den Rotstift angesetzt. Die Halleffekte sind aber immer noch schön und könnten für Hardware-Fans, die keine MIDI-Einbindung benötigen, die Anschaffung lohnend machen. Ich hatte das Alex jetzt eine ganze Weile nicht in mein Aufnahmeset eingebunden – auch weil mir inzwischen qualitativ hochwertigere Effektprozessoren wie das Lexicon PCM 70 oder das Roland SRV-2000 zur Verfügung stehen. Jetzt wieder mit dem kleinen Lexicon Alex zu arbeiten, hat mit richtig Spaß gemacht.  Ich habe die simple Bedienung genossen und die Ergebnisse gefallen mir auch.

Plus

  • intuitive Bedienbarkeit
  • brauchbare Hall-Sounds

Minus

  • nur drei Parameter einstellbar
  • nur 16 Abstufungen
  • Echo/Delay-Effekte sehr eingeschränkt
  • kein MIDI

Preis

  • Mit Glück: 50,- Euro, meist 70,- bis 100,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    fanatic  AHU

    Schöner Bericht Costello!
    Ich hatte das Alex auch des öfteren auf dem Schirm die letzten 20 Jahre.
    Einzige Minikritik ist der Vergleich zwischen Alex und PCM70 mit identischem Programm aber unterschiedlichem Ausgangsmaterial…
    Warum?

    • Profilbild
      costello  RED

      Hi fanatic, beim „tiled room“ lässt sich das Klangmaterial beim Alex und beim PCM 70 ganz gut vergleichen. Die beiden anderen Beispiele habe ich lediglich als kleines Extra direkt aus dem PCM 70 Bericht transferiert, einfach um einen Eindruck von der doch überlegenen Klangqualität des PCM 70 zu geben.

  2. Profilbild
    iggy_pop  AHU

    825 Euro oder 825 D-Mark? :P

    Was sollen denn Skaleneffekte sein? Mit Sicherheit meinen die sowas wie „Effekte, die Maßstäbe gesetzt haben“ oder so. Oder soll das „eingedampft“ heißen, im Sinne von „scaled down“?

    Alex, Reflex, Vortex und Jamman waren die vier Lexicon-Teile in diesen Winzeinschüben, bei denen das Netzteil schwerer war als das gesamte Gehäuse. Da rutschte auch schonmal gerne der Netzteilstecker aus der Buchse.

    Drei Parameter zur Editierung muß nicht verkehrt sein — ich hatte mal kurzzeitig ein MPX-1, das ich nicht nur wegen seines völlig sterilen Klanges, sondern auch wegen seiner kryptischen Bedienung wieder abgestoßen habe. Ich habe einfach keine Lust, 500 Seiten Manual zu lesen, nur um zu erfahren, daß die maximale Hallzeit 20 Sekunden beträgt.

    • Profilbild
      costello  RED

      Hi Iggy, das waren 1994 natürlich DM-Preise, bei der Bildunterschrift zum Kaufbeleg steht es richtig. Das Brighton Studio spricht von der „Economies of scale“, deutsch „Skaleneffekte“, damit sind Kosteneinsparungen durch Massenproduktion gemeint. Ohnehin vorhandenes Knowhow wie die Hallalgorithmen konnte für ein preiswertes Massenprodukt verwendet werden. Das klotzige Netzteil kann gewichtsmäßig tatsächlich das Alex vom Tisch ziehen. Aber eher noch rutscht der Stecker raus :)

      • Profilbild
        iggy_pop  AHU

        Danke für die Aufklärung — dann würde ich es auch als „Kosteneinsparungen durch Massenproduktion“ übersetzen, denn ich glaube, ich bin nicht der Einzige hier, dem diese Begrifflichkeiten nicht geläufig sind.

        Bin kein Ökonom.

        • Profilbild
          swissdoc  RED

          Das ist eine krasse Bildungslücke bei Dir, Iggy. Sogar Tante Google weiss, was Skaleneffekte sind. Raus aus Nische. SCNR.

          • Profilbild
            iggy_pop  AHU

            Es gibt Dinge, die mich nicht interessieren und für die es keinerlei Anlaß gibt, bei mir Interesse zu wecken.

            Computer gehören dazu. Und diverses Andere auch — mit dem, was mich nicht interessiert, kann man Bibliotheken füllen.

            Läuft bei mir unter „intellektueller Hygiene“.

  3. Profilbild
    Kazimoto  

    So ein langer Artikel für ein von mir ungeliebtes Effektgerät? Weil Lexicon ein großer Name war, bin ich damals direkt in den Laden und war maßlos enttäuscht. Am Ende hatte ich eine Anwendung dafür gefunden. Die Eingangsstufe konnte über den weit abgestimmten Input-Regler sehr angenehme und warm klingende Verzerrungen erzeugen, mit der Bässe und Sequenzen unerwartet aufgewertet wurden und plötzlich „amtlich“ im Mix saßen. Könnte mir das auch bei Rhodes o.ä. Sounds vorstellen. Die Reverbs habe ich nie genutzt, lediglich die Delays für Dub-Sounds. Tolle Klangbeispiele, leider sind es Perlen vor die Säue. ;)

    • Profilbild
      costello  RED

      Hi Kazimoto, wie ich schon im Fazit schrieb: Es muss nicht immer Kaviar sein. Ich finde aber, dass das Alex in den Klangbeispielen gar nicht so schrecklich klingt. Zum Beispiel auch das Echo, es ist nur total unflexibel wegen der vorgegeben Parameter.

  4. Profilbild
    Henrik Fisch  AHU

    Wenn ich mir das Alex ansehe, dann scheint das so ziemlich die gleiche Bedienung und auch Effekte zu haben, wie das MPX-100 von Lexicon, welches ich mir etwas später gekauft habe. Das war für mich ein Wunder: Ein Hallgerät von Lexicon für einen Preis von damals (glaube ich) irgendwas bei DM 300,00. Allerdings habe ich damals danach generell die Lust an Musik machen verloren – einfach viel zu viel anderen Kram gemacht – so dass ich das nie richtig eingesetzt habe. Ich besitze es allerdings immer noch.

    Im Moment ist mein Hall allerdings das VST VintageVerb von ValhallaDSP. Ich bin noch nicht in der Phase meines Musikschaffens, dass ich verschiedene Hall-Effekte so richtig wertschätzen kann. Im Moment ist es eher pragmatisch: Ich brauch einen Hall und das ValhallaDSP-VST macht die Sache sehr gut (für meine Ohren). Und ist auch noch praktisch, weil VST und nicht Hardware. Also: Zack, drauf, kurz einregeln und alles freut sich.

    Aber es kommt sicherlich die Phase, da ich mich ausgiebig mit Hall-Effekten befassen werde (und Outboard-Kompressoren, aber das ist eine andere und noch einmal ganz spezielle Geschichte). Wobei – siehe eine andere Diskussion vor einiger Zeit – so ein PCM 80 … da hätte ich schon Bock drauf. Ach ja, ein Lexicon MPX-1 liegt hier auch noch ungenutzt herum und schaut mich sehr traurig an. 😇

  5. Profilbild
    Anthony Rother  AHU

    Ein toller Bericht.
    Vielen Dank.
    Sehr schöne Zeitreise.

    Ohh… was ich hatte ich damals keinen Plan was es für Unterschiede gab in der Qualität :-)
    Wir hatten uns damals auch das Alex gekauft als es frisch auf den Markt kam.

    Wenn ich das hier alles lese dann ist es beinahe wie eine Erleuchtung.

    Damals hatte ich keinen Unterschied gehört zwischen meinem geliebten QuadraVerb und dem Alex.
    Das QuadraVerb war/blieb für mich das bessere Effektgerät weil es viel mehr Möglichkeiten hatte.

    Wo ich da beim Alex wegen dem Hall hinhören sollte das wußte ich nicht und hören konnte ich es auch nicht.
    Man hat ja seine Demos noch auf Kassette aufgenommen :-)))

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      costello  RED

      Danke Anthony :) Mir fehlten damals auch die Vergleichsmaßstäbe, aber ich ahnte schnell, dass das Alex nicht das ganz große Lexicon-Klangerlebnis bieten würde. Trotz der recht überschwänglichen Testberichte. Wie Sudad G unten auch schreibt: Ein Alesis Midiverb II (oder auch das Quadraverb) bieten da schon eher einen besonderen Klang.

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    dAS hEIKO  AHU

    Bei solchen Produkten schwingt halt auch immer ne Prise Pathos und der „Qualitätsvermutungsgedanke“ mit. Dass da für 800 Maaak kein PCM und schon 10 mal kein 224/480 drinstecken kann, sollte klar sein. Aber von Hallgeräten zum Preis eines ordentlichen Autos verkaufst Du halt keine tausende. Und Alesis‘ Vorstoß mit Micro- und Midiverb hat nicht nur Lexicon wachgerüttelt.
    Mich haben immer die Chamber Algorithmen beeindruckt. Eigentlich zu trocken, dass man eigentlich nicht von Hall reden kann. Aber plötzlich steht das Signal im Raum. Das fand ich umso beeindruckender, als man damals oft die maximale Halllänge als Qualitätsmerkmal anprieß. Gut, das war ja auch der 2 Sekunden-Snare-Hallfahnen. ;-)

    Die „nichtvorhandene“ Parameterisierung sehe ich als konsequenten Schritt, die Zielgruppe nicht zu überfordern. Wer basteln und biegen wollte, sparte auf einen SPX-90, der in seiner Klasse das „Budgetmodell“ mit haufenweise Funktionen war.
    Ein nicht zu unterschätzender Vorteil bei wenig Eingriffsmöglichkeiten ist außerdem der Zeitgewinn. Möchte nicht wissen, wieviel Zeit ich beim „rumoptimieren“ von Parametern mit elektronischen Musikinstrumenten oder gar Software verbummelt hab.

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    Sudad G  

    Toller und ausführlicher Bericht!
    Zu jener Zeit als ein Lexicon PCM-70 nicht unter 3.000 DM zu bekommen war, aber man als Musiker davon träumen durfte, kamen die abgespeckten Lexicons aus der LXP-Familie, Alex und Reflex recht gut bei vielen Musikern an. Sie gaben einem wenigstens das Gefühl nun doch endlich den Lexicon-Hall zu haben. Später löste die MPX-Familie die LXP-Familie ab.
    Wenn man aber ganz ehrlich ist und zum ersten Mal dann mit einem PCM-70 oder gar PCM-91 arbeiten durfte, war gerade die Räumlichkeit und Durchsichtigkeit der Hallalgorithmen auf einem völlig anderen Niveau. Allenfalls das MPX-1 konnte bei entsprechender Programmierung so wie ein PCM-81 klingen.
    Heutzutage im Plugin Zeitalter, wo ein PCM-91 schon für ca. 500 EUR zu bekommen ist, machen nur noch diejenigen Low-Budget FX-Geräte Sinn, die einen außergewöhnlichen Klang bieten, wie z.B. Alesis Midiverb II, Yamaha SPX-90, Roland SRV-2000, DEP-5, Dynacord DRP-20 etc.
    Genau das gewisse Etwas fehlt meiner Meinung nach aber den kleinen Lexicons.
    Zwar brauchbar, aber eben nicht genau „der begehrte Lexicon Hall“, den man eigentlich wollte.
    Mit den Plug-Ins von Valhalla DSP, UAD und Relab bekommt man heute schon einen recht guten Lexicon Ersatz für das Studio, der jedes LXP schlägt.
    Wer aber 100% „echten Lexicon Hall“ will, der muss halt doch zum PCM-91, PCM-81 oder gar M300 bzw. 480L greifen.

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      costello  RED

      Danke für Dein nettes Feedback :) Du hast recht: „das gewisse Etwas“ fehlt dem Alex. Auch weil man es automatisch mit den amtlichen Vertretern von Lexicon vergleicht. An die Alesis-Geräte ging man unbelasteter heran.

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        Kazimoto  

        Wenn man bedenkt wie ein Alesis Midiverb Mk1 von 86 klingt, so ist das Alex fast beschämend schlecht. Mit Midi und nur mit festen Presets bestückt, konnte man sehr schnell die Räume für verschiedene Tracks festlegen und aufnehmen. Die sehr langen Räume waren vergleichsweise fantastisch und selbst die Nachfolger hatten nie wieder diesen 12bit Charme.

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    Son of MooG  AHU

    Der Alex war mit ein Grundstein für Geräte wie MX200 & MX300, mit denen jedermann (frau) sich ein Lexicon leisten konnte. Damals war jedoch für mich allenfalls ein Alesis MicroVerb drin…

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    TobyB  RED

    Sehr schön geschrieben! Kleiner Tipp zum Alex, damit der Effekt nicht so schnell langweilig wird. Das Ausgangssignal erst durch einen Chorus der Wahl. Langsame Modulation und dann durch einen Kompressor und sanft komprimieren und mit dem Release die Hûllkurve formen.

    • Profilbild
      costello  RED

      Danke Toby :) Ein bisschen Chorus dazu ist sicher eine gute Idee, das Ganze etwas abwechslungsreicher zu gestalten. Dazu sanfte Kompression – das ist dann schon Gourmetklasse.

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    fanatic  AHU

    Man kann neben Sequenzern, preamps, Kompressoren und Klangerzeugern also vermutlich auch nicht genug Effektgeräte haben!….

    Ich habe nicht nur einmal im Pro-Bereich neben Bricasti, Eventide & Co. ein Alesis Multieffekt stehen sehen. Zum Angeben wird er nicht dort gestanden haben. Irgendeinen Einsatzzweck wird‘s dafür schon geben und genau dort macht er es dann wie kein zweiter.

    Ich liebe mein für 80€ erworbenen Ibanez DM1000.

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    Tyrell  RED 111

    Das kann doch kein Zufall sein, dass ich nach Costello Artikel immer gleich zur gekdbörse greife ;)
    Virtuell versteht sich.

  12. Profilbild
    Markus Schroeder  RED

    Witzig der Zeitpunkt, ich bin erst gerade vor sehr kurzem um ein Lexicon Alex rumgeschlichen, als preiswerten unkomplizierten Live/Gig-Hall. Stereo I/Os für Line waren das ausschlaggebende Kriterium, also fielen die meisten Bodentreter schonmal weg.

    Aber dann hat mir ein Freund ein Eventide Space angeboten zu Konditionen, die ich wahrlich nicht ablehnen konnte. So kam dann eben das zu mir. :)

    Schöne Klangbeispiele im ürbigen

  13. Profilbild
    swissdoc  RED

    Danke für den schönen Artikel und die super Soundbeispiele. Da ich bei Lexicon beim PCM80 angefangen habe und mich dann über 200M und 224 mich bis zum PCM92 hochgearbeit habe, lag ein Alex nie am Weg. Aber da ja ein Hallgerät immer geht, sind so manche anderen Underdogs im Studio gelandet. Der Vergleich zum Alesis Midiverb erscheint allerdings etwas unfair. Hier gefühlt eine gewollte scaled down Version der grossen Kisten, mit dem Ziel den Usern mit geringerer Kaufkraft mit dem guten Namen Lexicon das Geld aus der Tasche zu ziehen, dort der mit viel Herzblut und absolutem Engineering Know-How geschaffte Einstieg in spezielle und gut klingende Hallräume.

    • Profilbild
      costello  RED

      Merci :) Das ging mir damals auch recht schnell auf, dass mein Midiverb II keineswegs durch das Alex entthront wurde. Der Zusammenhang zwischen beiden Geräten freilich liegt auf der Hand, denn die Alesis-Reihe war für Lexicon sicher ein entscheidender Grund, sich über eine Budgetlinie verstärkt Gedanken zu machen.

  14. Profilbild
    Dimension D  

    Schöner Bericht, danke dafür.

    Ich hab das Ding hier auch noch im Rack und damals war das für den Hobbymusiker wirklich ein schönes, erschwingliches Hallgerät. Im Gegensatz zu den Alesis klangen die Lexicon immer ein bischen „Dicker und Wärmer“. Ich hatte damals auch einige hier, an ein PCM 70 kam es überhaupt nicht klanglich ran.

    Heute ist so ein Gerät wer mit Software arbeitet obsulent. WIe schon geschrieben kann ich mit einem 50 Dollar Vahalla Vintageverb das Ding ersetzen und es klingt noch besser.

    Nur meine Meinung.

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