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Musikmesse 2019, Rundgang News: Gitarre & Bass

5. April 2019

Frankfurt Musikmesse 2019 - Ein Rundgang für die Saiten

Musikmesse Frankfurt

Musikmesse Frankfurt

Es ist wieder soweit: Frankfurt öffnet seine Pforten für die Frankfurt Musikmesse 2019. Das Messe- und Kongresszentrum gibt wieder den Mittelpunkt für das europaweite Musikgeschehen. Im Laufe der letzten Jahre hat die Veranstaltung eine Veränderung durchgemacht: Während die Musikmesse ihren Eventcharakter verstärkte, ein kleines Line Up zusammengestellt hat, bei dem in diesem Jahr unter anderem Samy Deluxe auf die Bühne stehen wird, wurden andere Sparten zurückgefahren.

Die Gitarrenabteilung der diesjährigen Musikmesse ist jedenfalls, das lässt sich leider nicht anders ausdrücken, nur noch ein Schatten ihrer Selbst.

Dass das in den letzten Jahren bergab ging, hatte sich bereits abgezeichnet. Von Jahr zu Jahr hatten immer weniger Gitarrenbauer, -hersteller und -zulieferer einen Stand angekündigt. Die Gründe für die Marginalisierung dieser Sparte auf der Musikmesse Frankfurt sind vielschichtig. Dass Veranstaltungen wie die Guitar Summit in diesem Bereich der Musikmesse den Rang ablaufen, dürfte einer dieser Gründe sein. Vergleicht man jedenfalls die letztjährige Guitar Summit mit der diesjährigen Musikmesse, sind die Verhältnisse klar: Ein echtes Szenetreffen sieht anders aus.

Dafür legt die Musikmesse Frankfurt ganz andere Schwerpunkte. Weg vom instrumentalen Sammelbecken, hin zur Eventmesse.  Weg von der riesigen Auswahl an Gitarren, Saiten, Pedals und Analog Synthesizer, hin zu Bühnenkonzepten. Mit der Prolight + Sound Sparte jedenfalls tut sich die Frankfurt Musikmesse nicht allzu schwer mit der Suche nach einem neuen Konzept. Beim Rundgang durch die Hallen zeigte sich jedenfalls recht schnell, dass, während die Abteilung mit den Gitarren teilweise wirklich leer schien, die Prolight + Sound Halle nur so überquoll mit Besuchern. Alles, was mit Eventmanagement zu tun hat, mit integrierten System, über Mischpulte und Medientechnik generell: Die Frankfurt Musikmesse hat ihr neues Steckenpferd gefunden. Dass Instrumentalisten da mit einem erheblich abgespeckterem Programm Vorlieb nehmen müssen, das sei…nun ja, das sei mal hingestellt.

Tatsache ist, der Event-Zweig ist formidabel aufgestellt und auch so ziemlich die einzige Halle, wo man auf große, etablierte Namen trifft. Bestes Beispiel: Celestion.

Das britische, allgegenwärtige Bollwerk für Verstärker ist einen weiten Weg gekommen. Seit dem SL6 hat sich viel getan. Anlass für die diesjährige Präsenz sind die Coaxial Speakers, die eine minimale Verzerrung und vollem Frequenzspektrum von 50 bis 20.000 Hz versprechen.

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Stagetec hatten ebenfalls einen der größeren Stände vorzuweisen. Diesjähriges Aushängeschild: Das Aurus Platinum Flaggschiff, das eine ganzheitliche Lösung für Theater, Übertragung, Live- und Studiosituationen anbieten soll. Voll automatisierbare Fade-Optionen, on-air/off-air Techniken, die das Leben einfacher machen sollen sowie Kontrollmöglichkeiten über 16 externe Tape-Maschinen.

Als nicht ausgebildeter Stage-Mixer oder Bühnentechniker erschließen sich einem nicht alle technischen Details, aber eine Beurteilung der Atmosphäre bot sich trotzdem an. Es herrscht ungefähr die Atmosphäre, die man sich in der Gitarrenabteilung gewünscht hätte: Ein Hauch von Aufbruch, ein umfangreiches Getümmel zwischen Ständen und angeregte Konversationen. Es entsteht der Eindruck, dass hier eine Szene nach vorne guckt und eine Vielzahl von technischen Neuerungen frischen Wind gebracht hat.

Auch BMS warteten mit einem beeindruckendem Stand auf. Die Firma aus Hannover hat sich in den letzten Jahren zu einer Bank etabliert, wenn es um hochwertige Speaker und Wandler geht. Elegant zur Schau gestellt in einer Vitrine konnte man die Handwerkskunst bewundern, die in Produkten wie dem 4596ND eingeflossen ist. Cone Drivers und Compression Drivers sind beide gleichermaßen geprägt vom patentierten Design der Hannover’sche Firma. Hier passiert alles in Eigenproduktion, von der CNC Fräsung bis zur Herstellung der Membranen.

Man versucht ein bisschen was von der Atmosphäre mitzunehmen und wünscht sich im Vorfeld, wie gesagt, dass diese rege Energie auch in den anderen Arealen der Musikmesse anzutreffen ist. Doch die Enttäuschung ist groß, sobald man die Gitarrenhalle betritt. Klein, überschaubar, wenig bis kaum Interessenten – die Gerüchte und Bestätigungen, dass sich alle nennenswerte Größen der Branche von der Musikmesse fernhalten würden, ergeben vor Ort ein ernüchterndes Bild.

Dass es nicht komplett leer ist, ist vor allem den asiatischen Gitarrenbauern geschuldet, welche die Gunst der Stunde nutzten und sich präsentieren können, ohne von den etablierten der Größen an den Rand der Wahrnehmung gedrängt zu werden.

Die meisten Anbieter stammen also aus Fernost – insofern betritt man hier zweifelsohne Neuland, was die Namen angeht. Trotzdem: So wird aus dem Umstand eine Chance, und die Anbieter aus Südkorea, Indonesien und China treten selbstbewusst genug auf, um Neugier zu wecken. Nutzen wir die Gelegenheit also und schauen uns ein paar Namen mal genauer an.

Joyo haben sich vor allem der Pedalkunst verschrieben. Die noch recht junge Firma aus Shenzen in China haben keinen einfachen Stand: Mitzuhalten mit den Boutique-Fähigkeiten zahlreicher, westlicher Hersteller und eigene Akzente zu setzen in diesem doch etwas überfluteten Markt – man kann sich leichteres vorstellen.

Doch der Stand hat seinen Charme, und die schnuckligen banTamP TUBE Guitar Amps gefallen ebenfalls. Jackman, Zombie, Vivo, Meteor – allesamt tragen sie 20 Watt unter der Haube, variieren im Sound zwischen britischem Charakter. Vintage und modernem Touch. Durchaus kratzbürstig und laut, die kleinen Helden und absolut ungnädig im Sound. Eine Pedaltrain, bestückt mit Pedalen aus der R-Serie, sind ebenfalls dabei. Hervorstechen tut dabei der kleine Tauren, ein Overdrive Pedal mit reichlich Gain.

Auch wenn die Abstände auf der Musikmesse Frankfurt zwischen den Ständen groß sind und dadurch (und auch der geringen Laufkundschaft) alles ein bisschen leer und verloren wirkt, führt eine die internationale Präsenz vor Augen, wie sehr man doch die westliche Hemisphäre als Alleinherrscher über die Gitarren- und Pedale-Gefilde verinnerlicht hat. Ich persönlich hatte bislang jedoch länger keine russische Firma mehr auf dem Schirm, die sich nennenswert mit einem Produkt hervorgetan hat. Das heißt nicht, dass es dort keine fleißige Szene gibt!

Auch Italien hat einen eigensinnigen Vertreter auf der Frankfurt Musikmesse. F. lli Gottoli, oder einfacher und prägnanter auf den Punkt gebracht: STONE GUITARS – zu Ihren Diensten. Die Neugier auf die Firma war groß, ein bisschen etwas über den Prozess der Firma in Erfahrung zu bringen, ein Prozess, der Schönheiten wie die Nero Marquina hervorbringt. Leider fand sich auch nach einer halben Stunde kein Ansprechpartner am Stand. Tatsache ist, dass die fünf bis sechs Kilo schweren Gitarren Seltenheitswert haben und die Neugier wecken und anscheinend auf Anfrage in einem Custom Shop in Pescatina, einer Gemeinde in Norditalien, hergestellt wird.

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Ein zweifelsohne bekannterer Name ist Tesla-Tec. Der koreanische Hersteller für Pickups hat mit seiner PLASMA-Reihe in der Vergangenheit durchaus Akzente setzen können, wie beispielsweise dem PLASMA-STS Single Coil oder dem Opus-4, der gut und gerne in Fender Korpi verbaut wird. Leider waren Hörbeispiele nicht drinnen, stattdessen waren die guten Teile einfach in ihren Verpackungen aufgereiht zum…naja, angucken?

Eine etwas ungewöhnlichere, aber spektakuläre Entdeckung hat eine recht kleine Kammer neben dem Tesla Stand. Steampunk-Ästhetik zwischen Futurismus und Vintage auf der Musikmesse Frankfurt – warum ist da noch keiner vorher drauf gekommen? Martper Guitars aus Spanien bauen jedenfalls kleine Schätze in ihrem Custom Shop in Sevilla, die mit ihrer ganz eigenen optischen Ästhetik überzeugen können.

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Leider war auch hier aufgrund des kleinen Standes keine Möglichkeit gegeben, den Klang der Strats aus einer anderen Zeitlinie zu testen, aber der Eindruck blieb haften!

Ähnlich der vielleicht größte Stand in der Gitarrenhalle, der mehrere Hersteller aus einem Land unter einem Hut vereinte: Indonesien.

Kunstvolle Gitarren von Blueberry sind nur ein Beispiel für die indonesische Schaffenskunst. Genta Trikarya aus Bandung in Indonesien sind in ihrer Heimat bekannt für echte, akustische Schaffenskunst und arbeiten mit hochwertigen Hölzern. Vor Ort jedoch präsentiert die Firma stolz die Genta GLP Natural Sunburst. Träger des Zepters, wenn man so möchte, ist jedoch Bekraf, eine von der indonesischen Regierung geförderten Agentur, die zuständig für die kreative Ökonomie des Landes ist. Ein mit Regierungsgeldern finanzierter Messestand – auch nicht unbedingt etwas, das man alle Tage sieht. Die Handwerkskunst ist jedoch zweifelsohne gegeben, und auch eine kurze Recherche zeigt, dass das Arbeiten mit akustischen Klangkörpern eine lange Tradition in Indonesien hat.

Insgesamt aber fällt die Bilanz ernüchternd aus: Kaum Firmen, wenig Spektakuläres. Frankfurt hat sich bewusst ein bisschen von der klassischen Instrumenten-Sparte entfernt, wie eingangs bereits erklärt. Das sporadische Verteilen internationaler Unternehmen wirkt jedoch arg lieblos und auch irgendwie…planlos. Tatsache ist: Hier ist erhebliches Potential vorhanden, und man sollte dem Marketing-Konzept vielleicht einen zusätzlichen Zweig zumuten und eine ausgeklügelte Präsentation hinsichtlich Weltmusik und ihrer Kohorten wagen. Nicht alle Pedalbauer der Welt stammen aus Illinois, USA, nicht alle Gitarrenbauer aus Detroit. Würde man das räumliche Potential besser ausschöpfen und eine erkennbare, internationale Präsentation mit System wagen, könnte hier was Großartiges erwachsen. So wirkt das ganze ein bisschen unwürdig. Internationale Hersteller und Tüftler verdienen ein angemessenes Konzept und könnten hier zahlreicher vertreten sein. Vielleicht war die Akquise nicht gewieft genug, vielleicht fehlte schlichtweg das Interesse, aber das, was man in den Hallen 3.1 und 3.2 vorfindet, wird dem Potential schlichtweg nicht gerecht.

Hoffentlich erkennen die Veranstalter die Möglichkeiten.

Eine wahrhaft internationale Instrumenten-Messe mit mehr Vertreten (nicht nur aus Fernost), in Ergänzung zum glänzend aufgegangenen Prolight+Sound Konzept. Man darf hoffen!

 Beats  DJ  Gitarre & Bass  Keys  Stage  Studio  Vintage
Forum
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    Bernd-Michael Land  

    Die Preise für die Aussteller wurden so lange immer weiter angezogen, bis keiner mehr kam. Besonders kleinere Hersteller tun sich schwer, denn neben dem Messestand selbst kommen ja noch viele andere Kosten hinzu und so bleiben die einfach weg.
    Das es auch anders geht, sieht man am Superbooth in Berlin, der sich in kürzester Zeit sehr gut im Synthiebereich etabliert hat. Das zeigt auch, das die Leute immer noch Fachmessen besuchen möchten.
    Die Musikmesse ist durch, ich glaube nicht, das sich da noch etwas retten läßt.
    Ich bin seit 1980 dort, früher oft mehrere Tage, aber letztes Jahr nur zwei Stunden.
    Meine Freikarten liegen hier und mit der S-Bahn bin ich sehr flott auf der Messe, aber wozu soll ich meine Zeit verschwenden?

    Musikmesse: R. I. P.

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