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Blue Box: Moog Minimoog

Eine Legende die lebt.

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Nun ja, was soll man da sagen? Dieses Instrument hat Geschichte geschrieben, und es schreibt sie immer noch. Nur ein Minimoog ist ein Minimoog, oder nicht? Es gibt unterschiedliche Meinungen für und wider den Minimoog Kult, die vor allem seit Erscheinen des Moog (Minimoog) Voyager stärker differieren denn je. Ist ein originaler Minimoog sein Geld überhaupt wert? Einen gebrauchten Voyager gibt es zum selben Preis, warum also nicht die Neuauflage mit Midi und all den schönen halbmodularen CV-Eingängen nehmen? Noch dazu, wo man Programmspeicher, Velocity, umfangreiche Modulationsroutings und ein Touch Pad als Controller hat? Eine Antwort darauf ist schwierig, doch der Markt gibt uns die Richtung vor. Wer geglaubt hat, dass mit Erscheinen des Voyager der originale Minimoog einem argen Preisverfall erliegen würde, hat sich beschämend getäuscht und darf als Spekulant an den Pranger gestellt werden. Des Minimoogs Gebrauchtmarktpreis liegt seit vielen Jahren konstant bei 1800-2200 Euro. Woran liegt es also, dass das alte Fahrrad der neuen Harley gegenüber noch immer nicht blass geworden ist?

Moog Minimoog

Moog Minimoog

Nun ja, nur ein Minimoog ist ein Minimoog…

Wie es zu einem Klassiker kommt
Er fällt nicht vom Himmel, der Klassiker. Das wäre auch zu gerfährlich, also wächst er lieber von unten nach oben. Langsam und stetig. Aus vielen Einzelheiten entsteht so nach mehreren Jahren ein Klassiker, der – wenn er Glück hat – bei sorgfältiger Pflege sogar zum zeitlosen Objekt wird. Der Minimoog hat dies geschafft, doch dass es so weit kommen konnte, ist das Ergebnis vieler positiver Einzelheiten.

Optimales Design
Grundsätzlich benötigt es natürlich ein gutes Produkt. Als portabler Synthesizer konnte sich der Mini in den frühen 70er Jahren schnell etablieren. Neben der übersichtlichen Signalführung war und ist es vor allem das klassisch “einfache” Design, welches den Mini noch heute auszeichnet. Vergleichen Sie zum Beispiel den Mini und einen ARP Odyssey. Gerade die frühe, weiße Version des ARP Synthesizers mit den hoch aufstehenden Seitenwänden (sehr praktisch zum Schutz der Fader, keine Frage!) sieht doch in Summe eher einem verunglückten Haushaltsgerät denn einem Synthesizer ähnlich. Der Minimoog ist anders. Wie schon bei den Modularsystemen dominiert hier Holz die klassische Linie. Eingebettet in eine klare und äußerst funktionale Holz-Chassis wurde im Minimoog die unübertroffen ideale Gehäuseform verwirklicht.

Moog Minimoog

Moog Minimoog

Einfache Signalführung
Ohne dem Mini mangelnde Klangvielfalt zu unterstellen, ist seine Signalführung vorbildlich einfach und musikerfreundlich übersichtlich aufgebaut. Wie bei kaum einem anderen analogen Synthesizer sind die einzelnen Klangbausteine deutlichst und auf einen Blick zu erfassen. Oszillatoren – Mixer – Filter – Hüllkurven – Amplifier, wie sonst könnte es sein? Wer beim Soundbasteln am Minimoog “verloren” geht, sollte besser zu einem anderen Hobby wechseln (Gartenarbeit etwa, das ist nebenbei auch sehr gesund). Das Besondere am Mini ist die Synthese von klarer Signalführung und dennoch erstaunlich flexiblen klanglichen Möglichkeiten.

Fähiges Marketing
Moog Music hatte es in den frühen 70er Jahre schwer, Synthesizer auf breitem Markt zu etablieren. Musikhäuser waren an Gitarren, Drums und Klaviere gewöhnt. Was jedoch ein tastenbestücktes Etwas mit Namen wie “Oscillator Bank” oder “Filter” sein sollte, darüber wussten nur wenige Bescheid. “DAS soll ich in meinem Laden verkaufen?” war eine von vielen – weniger herzlichen – Reaktionen. Es ist einem enthusiastischen Moog Mitarbeiter und engagierten Marketing-Experten zu verdanken, dass der Durchbruch schließlich gelang. David Van Koevering nahm sich alle Zeit und Mühe, um quer durch Amerika den zunächst verunsicherten Verkäufern in ihren Läden den Minimoog (be)greifbar zu machen. Von da an griff ein Zahnrad in das nächste. Musiker begannen, den Mini in ihre Auftritte einzubeziehen, sie verewigten seinen Sound in ihrer Musik, drückten dem progressiven Rock einen neuen klanglichen Stempel auf, machten das Instrument populär. Wo zunächst mit einer bescheidenen Auflage von wenigen hundert Minimoogs gerechnet wurde, entwickelte sich die Sache nun in ganz anderen Dimensionen. Bis 1981 wurden über 12 000 Minis gebaut…

Aufbau

Controllers
Wir beginnen ganz links außen und arbeiten uns Stück für Stück bis ganz rechts weiter. Die Controller Sektion verfügt über grundlegende Einstellungsmöglichkeiten. TUNE bestimmt die Gesamtstimmung des Mini. GLIDE kann in seiner Geschwindigkeit eingestellt werden, und der MODULATION MIX bestimmt, in welchem Verhältnis VCO3 und Noise als Modulationsquellen zum Einsatz kommen.

Moog Minimoog

Moog Minimoog

Oscillator Bank
Drei VCOs mit je sechs Wellenformen. Das Scaling von LO bis 2’ umfasst 6 Oktaven, was ausreichend sein sollte. VCO 2 und 3 lassen sich gegenüber VCO 1 verstimmen, für den (mühelos) fetten Bass. VCO 3 kann als (high range) LFO genützt werden, mit all seinen Wellenformen. Damit ist er einem Standard-LFO der meisten monophonen Analogsynths – wie etwa aus dem Hause Roland – weit überlegen.

Klangbeispiele

  1. Avatar
    RetroSound

    "Nun ja, was soll man da sagen." Damit ist auch schon alles gesagt. Nur ein Minimoog klingt wie ein Minimoog! Eine Kopie und klingt sie auch noch so gut, verblaßt im Angesicht des Originals. Der Mini ist nicht nur klanglich unerreicht, auch das Gefühl vor einer echten Synthesizer Legende zu sitzen, trägt zum Charme dieses Klassikers bei. Es läßt sich schwer in Worte kleiden, jeder Keyboarder sollte das einmal getan haben. Der Mini wird nie out sein.

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    Heiko Mehring

    Habe auch einen Lintronics Minimoog und diesbezüglich sollte noch unbedingt erwähnt werden, daß der Mini durch diese sehr umfangreiche MIDI-Erweiterung auch noch einen LFO bekommt, der auch ohne externes MIDI-Signal genutzt werden kann. Eine Einschränkung ist nur, daß sich Frequenz und Wellenform nur per MIDI-Programmwechselbefehl einstellen lassen. Ich habe den LFO i.d.R. auf Wellenform Dreieck und auf kleiner Frequenz für Standard-Vibrato stehen. Sprich einer Standard-Einstellung für Solo-Sounds. Fortsetzung s.u.

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    Heiko Mehring

    Fortsetzung: Dieser LFO ist in meinem Mini so verdrahtet, daß entweder sein Signal oder das des Rauschgenerators am Modulation-Mix-Regler anliegt. Umgeschaltet wird mit dem External-In-Schalter, da dieser bei Mini-Usern 1. meist selten benutzt wird und 2. einen zweiten unbenutzten Schaltkontakt besitzt. Die flexibelste Lösung wäre aber sicher ein separater Schalter, wodurch aber zwangsläufig auch die Original-Optik leidet. Da ich aber i.d.R. den Audio-Eingang gar nicht nutze stellt die o.g. Lösung für mich keine Einschränkung dar. Ich habe aber auch schon Minis gesehen, die dafür einen kleinen Schalter neben der MIDI-Buchse haben, was sicherlich die Optik auch nicht großartig stört.

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    Martin Krahe

    Ich besitze ebenfalls einen von Rudi Linhard midifizierten Minimoog. Der Moog ist soundtechnisch der Rolls Royce unter den analogen Synthesizern. Der Sound setzt sich in JEDER akustischen Umgebung durch. Mit dem Bass kann man ein Orchester umblasen! Der Mini produziert so gut wie keinen Müllsound – auch geräuschig experimentelle Sounds klingen immer gut. Zu erwähnen ist noch, dass die einfache und intuitive Bedienoberfläche ihn zu DEM Live-Instrument. Ich jedenfalls habe auf der Bühne nie das Fehlen von Speicherplätzen. Die Monophonie “erzieht” den Spieler zu einfallsreichem (auch zweihändigen) Spiel!

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    panulli3

    Wieso bietet der Minimoog eigentlich die Möglichkeit, auch Oszillator 1 und 2 im “Low Frequency”-Bereich zu verwenden? Meines Wissens nach kann ja nur Oszillator 3 zur Modulation herangezogen werden. Kennt jemand den Sinn dahinter?

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