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From TYRELL N6 to DeepMind 12

Februar 2013 – Watashi Wa Ryo San To Moshimas

… oder abgekürzt Ryo Ishido, ein namhafter GUI-Designer, meldet sich bei uns und bietet sich an, eine neue Skin für den TYRELL N6 zu gestalten. Wir sind natürlich alle sofort begeistert, denn richtig glücklich waren wir mit der letzten Version nicht.

Mein Briefing lautet in etwa: „Es soll aussehen wie eine abgenutzte Konsole, irgendwo in Rick Deckards Apartment.“

Und nach meiner Meinung hat Rio diesen Wunsch perfekt in Szene gesetzt. Seitdem präsentiert sich der TYRELL N6 in diesem euch sicher bekannten Look:

Das gleichzeitig mit Rio geführte Interview ist wirklich lesenswert.

Nur wenige Wochen später hatte ein User einen extrem ausgefallenen Controller zum TYREL N6 konstruiert, den wir euch auch nicht vorenthalten möchten.

Und auch dazu gibt es natürlich eine ausführliche Beschreibrung und Bauanleitung – HIER.

November 2014 – Uli meldet sich „zurück“

Ich hatte ja schon nicht mehr dran geglaubt. Für mich war klar – alles, was Uli und ich im November 2009 in China und den Philippinen ersonnen und gesponnen hatten, war längst in Vergessenheit geraten.

Da erschien auf der Facebook-Seite von Behringer eine merkwürdige Umfrage, die nur einen Schluss zuließ: Uli hatte die Fährte wieder aufgenommen. Ich weiß noch, wie ich wirklich jede nur erdenkliche Nummer wählte (und Uli wechselt die von Zeit zu Zeit), Messages schrieb und selbst die Zentrale in China löcherte, ich wollte einfach mehr wissen.

Und siehe da, wenige Stunden später erhielt ich einen Rückruf. Er war gerade mal wieder auf einem Flughafen, keine Ahnung wo, aber er hatte knapp 30 Minuten Zeit. Natürlich wollte ich etwas Offizielles und nichts Inoffizielles – ich bekam beides.

Das offizielle Interview könnt ihr HIER nachlesen, Korg hatte mittlerweile den Korg MS20 wieder aufleben lassen und als ich Uli darauf ansprach, dass er einige Jahre Vorsprung verloren hatte, antwortete er:

„Leider kann man im Leben nicht immer seinem Herzen folgen und wer selbst eine Firma führt, kennt die Gesetze der Ökonomie. Wie du weißt, haben wir uns über die letzten Jahre auf die Entwicklung von digitalen Mischpulten fokussiert – sowohl bei Behringer und Midas. Wir sind sehr stolz, dass das X32 heute das erfolgreichste Digitalpult der Welt geworden ist und Gleiches wollen wir natürlich auch im Synthesizer-Markt erreichen. Dies wird allerdings Zeit brauchen.
Auch waren wir in den letzten Jahren nicht untätig und haben viel Zeit in die Analyse legendärer Synthesizern von Roland, Korg, Moog, Sequential Circuits, ARP und PPG etc. investiert. Die damals verwendeten Curtis und SSM Halbleiter sind heute praktisch nicht mehr verfügbar und wir haben deshalb viel Zeit verwendet, diese mit zeitgemäßen und hochwertigen VCAs und OTAs nachzubilden. Und jetzt ist uns das endlich auch gelungen. Diese  Schaltungen werden nun die Grundlage für unsere Synthesizer bilden.“

Inoffiziell verriet er mir schließlich, dass zunächst das PHAT  Projekt wieder in Angriff genommen würde – allerdings hätte man das Projekt umbenannt in PHAT 12, da 6 Stimmen heute einfach zu wenig seien. Außerdem erzählte er mir, dass er auch plane, einen Minimoog unter 500,- Euro zu bauen.  Tatsächlich war das die Essenz unserer AMAZONA.de-Umfragen gewesen: Unter den Monophonen war der Minimoog als Replik der absolute Spitzenreiter und bei den polyphonen Synthesizern führte der Juno-60 die Liste an.

Einen Zeitplan wollte er noch nicht nennen, aber fürs Erste war ich zufrieden. Da war nur ein letzter Punkt: „Wenn der Phat 12 erstmals als Prototyp verfügbar wäre, wollte ich ihn als erster testen.“ „Klar, versprochen … ich ruf dich an.“ Und dann … dann hörte ich lange Zeit wieder nichts von ihm … bis …

November 2015 – Eine Reise in die Vergangenheit

Alles ging mit einer E-Mail im April 2015 los. Uli stellte mich seinem Synthesizer-Projektleiter Pete Sadler in Manchester vor:

„Over the past year we spoke about us making a revolutionary analog synthesizer. Now we have done it and it’s playing. The team under Pete Sadler in Manchester has designed a 12 voice analog synthesizer. We would then like to invite you to come to Manchester…“

Es dauerte nochmals ein paar Monate, bis der Termin tatsächlich zustande kam. Exakt 6 Jahre nach meinem Besuch in Manila, im November 2015 war es dann soweit, ich durfte den Behringer Phat 12 zum ersten Mal live in Manchester sehen und anspielen:

Es ist schon ein erhebendes Gefühl, wenn man erstmals einen Synthesizer anspielt, an dem man – wenn auch in bescheidenem Maße – mitgewirkt hat. Für mich war das in Manchester definitiv der schönste Klang, den ich je aus einem Synthesizer gehört habe. Aber wie wir natürlich aus der Psychologie wissen, die eigenen Kinder sind bekanntlich die Schönsten.

Aber die größte Herausforderung war … ich musste weitere 7 MONATE!!! dieses wunderbare Geheimnis für mich bewahren. Gut, ich sprach mit meiner Frau, aber für sie sind Synthesizer-Namen nur Schall und Rauch. Im Juli 2016 ließ Uli schließlich die Katze aus dem Sack und ich stellte mein Video vom November des vergangenen Jahres nun endlich bei YouTube ein.

Inzwischen hatte sich Uli einen neuen Namen überlegt und so ging der PHAT 12 als DeepMind 12 in die Synthesizer-Geschichte ein.

Es liegt mir fern, nun eine Diskussion beginnen zu wollen über Klang, Preispolitik und die Behringer-Synthesizer im Allgemeinen. Ich hatte das Gefühl, die Entstehung des DeepMind 12, aber auch die des TYRELL N6, müsste einmal öffentlich erzählt werden, denn es ist eine Geschichte, die das Leben schrieb und die sind bekanntlich die Besten. Und in gewisser Weise hängen beide Geschichten auch eng miteinander zusammen.

Ich freue mich nun auf eure Kommentare, aber auch Fragen. Aber noch mehr freue ich mich über viele weitere neue Synthesizer von unterschiedlichsten kreativen Köpfen, ob Hard- oder Software, ob analog oder digital … sie sind der Antrieb, warum es AMAZONA.de überhaupt gibt und dafür, dass diese Community hier so gewachsen ist. Peace :-)

PS:
Ich vergaß fast zu erwähnen: Wir brüten etwas Neues aus. Lasst euch überraschen.

Forum
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    Moogfeld  

    Sehr coole Story………und heute steht und spielt die Verkörperung des Ganzen als DM12 in meinem Studio. Und dort wird er trotz allem hin und her in der Öffentlichen Diskussion auch lange bleiben, weil er im seinem Kern einfach ein supergeiles Teil geworden ist!

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      Tyrell  RED 3

      Freut mich für Dich .. und jetzt hat er auch ncoh eine Geschichte bekommen :-).

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        Moogfeld  

        Na, dann bin ich mal super gespannt, welches unausgebrütete Ei aktuell im Amazona-Nest liegt……….Frage: benötigt ihr zusätzliche Hilfe beim Ausbrüten, ich würde mich auch gerne mal ein paar Stunden draufsetzen?

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            Moogfeld  

            Jetzt hatt hat sich gerade eine Synapse in meinem Kopf gebildet und ich weiß nun genau was da im Nest liegt: Der DM24 !!!……in Worten ausgesprochen DeepMoog 24. Ein zweimanualiges, 24-stimmiges Joint Venture zwischen Moog und Amazona, sozusagen die Analogtraum-Synergie zwischen Moog One und Tyrell 2010…..gezimmert aus 98% diskreten Bauteilen, jeder Menge Holz und ganz viel Aluminium…..wow, das wird ein Fest geben!
            Aber jetzt mal Spass bei Seite Peter, du kannst uns doch jetzt nicht einfach so mit einer Andeutung am Rande im Leeren stehen lassen….wie sollen wir jetzt weiter durch die Woche kommen?

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              AMAZONA Archiv

              Herzlichen Glückwunsch zur neuen Synapse. Ich habe hier heute zwei verloren. Der Danelectrotest ließ sie verkümmern und seitdem rauscht es durch meinen Schädel: „Kauf mich, Kauf mich!!!!“

  2. Profilbild
    Maxi  

    Mich würde es total freuen, wenn Ihr den Tyrell noch etwas ressourcensparender hinbiegen könntet und das Skin „Tyrell N6“ hätte ich dann auch noch gerne zum Switchen, sieht einfach super aus! Dann kann ich gerne auf einen Hardware Synth verzichten. Gibt ja eine schöne Auswahl hervorragender Controller, die man gleich für viele Instrumente und Studio Tools verwenden kann. Tyrell ist klasse, Kompliment!

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    AMAZONA Archiv

    Einiges auf die Beine gestellt. Kann man schon stolz drauf sein

    Hehehe… den Satz mit dem „Infotainment“ begrüße ich besonders.

  4. Profilbild
    mdesign  

    schöner bericht, danke! ganz ohne das verbreitete china bashing samt kritikloser moog-ausloberei.

  5. Profilbild
    calvato  

    ich hab damals die ganze aktion mit spannung und, zugegebenermaßen, auch etwas skepsis verfolgt. und als dann er tyrell rauskam war ich hin & weg!
    er ist echt grandios geworden, hat alles was man braucht, klingt wirklich toll! ich nutze ihn sehr sehr häufig!

    und als die ersten gerüchte von „Phat12“ aufkamen dachte ich auch sofort: „hey, das ist doch auf amazonas mist gewachsen“

    gratulation!

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    Martin Andersson  RED

    Spannende Geschichte, danke für den lesenswerten Artikel.
    Der Tyrell ist seit Jahren mein Standard Software Synthesizer, da er einfach gut klingt und sehr übersichtlich aufgebaut ist.

  7. Profilbild
    Marco Korda  

    Toller Bericht, vielen Dank. Vielleicht trägt er auch dazu bei, die Hackerei auf Uli sein zu lassen. Der kommt im Bericht sympathisch und unprätentiös rüber. Von mir aus kann er alles klonen, was nicht niet- und nagelfest ist. Da die Gebrauchtmarktpreise teilweise unverschämte Ausmaße angenommen haben (ich sag nur D50 für 500 Euro….), ist das nur konsequent. Und Uli zeigt auch, dass es geht!

  8. Profilbild
    Cornel Hecht  

    Der Analog-Trend begann vor 2000, als Doepfer nämlich das erste Eurorack-Modularsystem vorstellte. Schon damals, durch Techno, gab es einen „Run“ auf alles Analoge, insbesondere
    der TB303 und den Drummachines 808 und 909.

    • Profilbild
      fritz808  

      da war es ganz sicher kein trend. analog war ja nie ganz weg und dieter hat imer gut verkauft, vor allem seine euroracks, aber ein trend war es definitiv bei herstellerseite nicht. ein trend ist es dann, wenn die ganz branche davon erfasst ist, aber von den majors zog da 2000 noch keiner mit. die setzten alle nur auf va. da darf man dave smith als vorreiter bei den polyphonen bezeichnen, aber der war auch eine kleine Bastelbude. leider merkt man das den evolvern auch an. ich glaube, ab dem zeitpunkt als die volcas und der ms20mini auf den markt kamen, da begann es ein trend zu werden. und auch der eurorack-hype kam lange nach dem jahr 2000. meine meinung, die spitze des eisbergs wird 2019 erreicht werden und dann sakct das alles in sich zusammen und kehrt auf ein normales niveau zurück, wie eben in den 90ern. ein bischen moog, ein bischen dave smith, ein bischen doepfer und ein bischen behringer ;-)

  9. Profilbild
    Dave the Butcher  AHU

    Ich find den Artikel gut, aus einer subjektiven Perspektive geschrieben, ohne Wahrheitsanspruch zu erheben. So wird mir auch die allgemeine Begeisterung von Amazona für die B´s nachvollziehbar. Die Berichte über die Arbeitsverhältnisse haben mich auch ein wenig versöhnt mit den B´s, man ist ja im Westen wirklich vor lauter Horrorreportagen der Meinung, sobald Asien draufsteht ist Sklavenarbeit drin. Wirds sicher geben, sonst würde KIK seine Fetzen nicht für den Preis verramschen können, umso besser dass es ordentliche Verhältnisse schon auch gibt. Wenn die jetzt wirklich den EMS VCS3 klonen, muss ich kaufen…

  10. Profilbild
    Robocob11  

    Der Bericht hat meine Meinung zu Behringer, vor allem Uli Behringer, grundlegend geändert. Bin gepannt wann sich Uli hier zu Wort meldet.

  11. Profilbild
    SynthNerd  

    kann mich den positiven Kommentaren nur anschließen: hab den Artikel gern gelesen, wissenswertes erfahren und nutze den DM6 seit über einem Jahr ohne Reue. DANKE :-)

  12. Profilbild
    andreas2  

    Danke Tyrell, ich hab es mit Genuss gelesen. Auch ich habe damals an der Umfrage teilgenommen, VST-Plug installiert, und den Deepmind12 gekauft, der für immer bei mir bleiben wird ! Model D ist eine tolle, zeitgemässe Interpretation des MiniMoog, der Neutron ein Modulsynth mit semimodularer Vorverschaltung. Und es ist endlich bezahlbar, ohne gleich ein Möbelstück unterbringen zu müssen ! Uli Behringer hat sein Wort gehalten, danke dafür ! LG, ich bin wirklich begeistert .. ;-)

  13. Profilbild
    Synthie-Fire  AHU

    Danke für den schönen Bericht.
    Ist mal was anderes :-).
    Bin zwar sonst mehr auf Hardware aber den TYRELL N6 schau ich mir mal an ;-).

  14. Profilbild
    Woody  

    Ohja, da kann ich mich noch gut dran erinnern. Wie die Zeit vergeht…
    Der Tyrell werkelt bei mir immer noch, er ist einfach in der Bedienung und es gibt ja auch tolle Soundbänke. Der Deepmind ist inzwischen auch dazu gekommen.

    Schöne kurze Zusammenfassung und interessanter Reisebericht :-)

  15. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Bin erst durch den heutigen Newsletter wieder auf diesen Artikel gekommen, daher die späte Reaktion. An der Umfrage hatte ich auch teilgenommen und alles, was damit zusammen hing, mit großem Interesse gelesen. Damals war der DSI Prophet-8 der einzige polyphone Analog-Synthesizer in bezahlbaren Regionen, und ich bin froh, dass mich letztendlich der Deepmind12 vom Kauf des P-8 abgehalten hat. Ich mag das Curtis-Filter in meinem DSM01 sehr für Monophones, aber bei Polyphonen bin ich durch meinen Juno-6 mehr auf den Roland-Sound geeicht, an den der Deepmind12 sehr dicht rankommt. Bisher hatte ich von Behringer sowohl Höhen (UB1832FX-Pro Mixer) als auch Tiefen (X V-Amp) kennengelernt, aber mit dem DM12 und später dem Model D hat B. zwei Glanzstücke präsentiert, die leider nur viel zu lange für die Lieferung brauchten. Insgesamt beinhaltet der DM12 fast alle meine Wünsche, die ich damals in der Umfrage geäußert hatte…

  16. Profilbild
    miniHAHN

    Als DM12 Fanboy bin ich nun auch erst über Umwege auf diese faszinierenden Dokumentation und das Projekt Tyrell gestoßen: man sollte amazona.de doch mal regelmäßiger checken – der Newsletter ist nun (endlich) abonniert! ;)
    Nun verstehe ich auch, warum das Verzeichnis der DM12 /DM6 Patches des Behringer Editiors auf dem PC den Namen „Phat12“ hat! Übrigens DER Ordner über den man prima die Sounds archivieren/ laden kann.

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