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Interview: Elektronik-Legende Jean-Michel Jarre (2022)

Unser erstes Interview mit Jean-Michel Jarre

10. Dezember 2022

Irgendwann im August 2022 gab Jean-Michel Jarre bekannt, dass er im Oktober sein neues Album Oxymore veröffentlichen werde. Sofort erzeugten die Synapsen in meinen Kopf das Wort: Interview! Nachdem ich Dutzende E-Mails verschickt hatte, landete ich endlich bei dem richtigen Ansprechpartner und nachdem nochmals einige Wochen vergangen waren und ich mehrfach mein Interesse bekundet hatte, Jean-Michel Jarre zu interviewen, wurde mir mitgeteilt, dass er sich am 20. und 21.10.2022 in Berlin aufhalten werde.

Was bis dahin ein vages Unterfangen war, wurde plötzlich sehr konkret und vor allem sehr real. Als ich mich am 20.10 in den ICE nach Berlin begab, war das eine unglaublich surreale Situation. Man fährt ja nicht jeden Tag nach Berlin, um sich mit einer Legende zu treffen. Da wird man schon nervös. Ich fahre also nach Berlin, um am Nachmittag einer Vorführung von Jean-Michel Jarres neustem Werk Oxymore in Dolby Atmos in einem Kino zu lauschen und danach würde Jean-Michel Jarre noch Rede und Antwort stehen.

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Das neue Album Oxymore

Am 21.10. um 11 Uhr würde ich Jean-Michel Jarre eine halbe Stunde befragen dürfen. Mehr Zeit konnte mir nicht gewährt werden, denn er war natürlich in erster Linie in Berlin, um sein neues Album der Öffentlichkeit vorzustellen. Das ist ein harter Job! Von früh bis spät hat Jean-Michel Jarre im Halbstundentakt Fragen beantwortet. Es ist gar nicht daran zu denken, in einer halben Stunde in die Tiefe zu gehen, wie es mir beispielsweise in den Interviews mit Robert Henke, Anthony Rother und Anne Clark gelungen ist.

Ein bisschen Jean-Michel Jarre Geschichte

Wann trat die Musik von Jarre eigentlich zum ersten Mal in mein Leben? Damals gab es einer kurzen Zeitspanne Geschäfte, in denen man CDs ausleihen konnten. Sie funktionierten ähnlich wie Videotheken. Dort habe ich Oxygene und Equinoxe ausgeliehen und ich war begeistert und gleichzeitig empört, weil mir noch nie solche Musik gezeigt wurde.

1993 fieberte ich dem Album Chronologie entgegen, die erste Veröffentlichung von Jarre, die ich bewusst erlebt habe. Zu diesem Zeitpunkt hatte Jean-Michel Jarre schon über 20 Jahre Musik gemacht und in den Musikmagazinen konnte ich nachlesen, dass die Kritiker mit seinem Werk überhaupt nicht einverstanden waren. Da war z. B. zu erfahren, dass sich diese Musik nur noch dafür eignen würde, seine Massenspektakel zu untermalen, aber ansonsten nicht von großem Wert sei. Die Meinung der Kritiker konnte ich nicht nachvollziehen, aber es war ein Grund, die sogenannten Massenspektakel auf Video zu besorgen und die haben mich als Teenager ungemein beeindruckt.

Paris La Defence 1990. Foto von jeanmicheljarre.com

Houston und Lyon (1986), Docklands London (1988), Paris (1990): Laser-Harp, Instrumente als Designobjekte, die Integration von ganzen Städten und Hochhäuser als Kulissen für seine Konzerte. Musiker aus allen Genres: Tänzer, Orchester, exotische Musikinstumente und visuelle Kunst erzeugten ein Multimediaspektakel, als das Wort Multimedia noch gar nicht existierte. Ständig brach Jean-Michel Jarre Zuschauerrekorde und steht bis heute im Guinnessbuch der Rekorde mit einer Besucherzahl von 3,5 Millionen Zuschauern zum 850. Geburtstag der Stadt Moskau inklusive Verbindung zur Raumstation MIR.

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Natürlich erscheinen Alben von Jean-Michel Jarre, die der Zuhörerschaft besser gefallen und überhaupt nicht gefallen. Er ist in der Lage, unglaublich coole Musik zu machen, aber gleichzeitig kann er auch zuckersüße Melodien aus dem Hut zaubern, die die Massen zum Mitklatschen einladen. Mich wundert es nur, dass andere Musiker aus diesem Genre auch Melodien zum Mitklatschen entwickelt haben und bei diesen aber großzügig darüber hinweggesehen wird, dass sie auch Kitsch und Pathos bedient haben, der jenen von Jean-Michel Jarre sogar überbietet.

Unvollständige Jarre CD-Diskographie: Welche Alben fehlen und warum? Jarre Fans wissen, was fehlt und warum.

Er hat dazu beigetragen, dass instrumentale elektronische Musik unglaublich populär wurde. Im Gegensatz zu vielen anderen Mitstreitern seiner Generation verwaltet Jean-Michel Jarre nicht nur seinen Back-Katalog, sondern veröffentlicht kontinuierlich neues Material und traut sich auch, neue musikalische Wege einzuschlagen. Am bekanntesten ist er natürlich für die Alben Oxygene und Equinoxe. Es wäre sehr einfach, das musikalische Rezept dieser Alben endlos zu wiederholen. Das ist aber nicht das Anliegen von Jean-Michel Jarre. Dadurch wird das Publikum irritiert, das nur Oxygene hören möchte. Alle anderen werden immer wieder mit Überraschungen konfrontiert und ich lasse mich gerne überraschen.

Oxymore-Welt in der VR

Jean-Michel Jarre ist ein echter Technik-Freak, der immer versucht hat, die neuesten Entwicklungen der Musiktechnologien in sein Werk zu integrieren. Das fängt damit an, dass er immer einer der Ersten ist, der neue Instrumente auf seinen Alben Gehör verschafft. Dem Fairlight CMI hat er mit Zoolook ein Denkmal gesetzt. Viele werden den Elka Synthex nur von dem Album Rendez-Vous kennen und der Roland D-50 ist unüberhörbar auf dem Album Revolutions vertreten. Als Anfang der 200er-Jahre Dolby Surround ein Thema wurde, gab es zu den entsprechenden Alben auch immer eine DVD mit Surround-Mix. Vor ein paar Jahren entwickelte er die App EON. Für diese App komponierte Jean Michel Jarre Musik, die von einer künstlichen Intelligenz kontinuierlich neu erschaffen wird. Ich habe diese App schon stundenlang zugehört und nie hat sich die Musik wiederholt. Heute leben wir im Zeitalter der virtuellen Realität, Dolby Atmos und dem binauralen Hören, die in sein neustes Werk Oxymore ebenfalls integriert wurden.

Die Dolby Atmos Vorführung von Oxymore im Kino

Als ich in Berlin angekommen war, machte ich mich sofort auf dem Weg in das Kino. Jean-Michel Jarre bat das Publikum, die Augen zu schließen. Dann wurde Oxymore ohne filmische oder grafische Unterstützung im Dunkeln abgespielt. Im Vorfeld wurde mir das Album zur Verfügung gestellt. Den Vergleich mit dem Album Zoolook halte ich für übertrieben. Die einzige Gemeinsamkeit der beiden Alben besteht darin, dass Jarre gesampelt hat. Auf Zoolook ging es aber um den Fairlight, Stimmen, Atmosphäre und Melodien. Oxymore greift die Arbeitsweise der Musique concrète auf. In der Konsequenz hat Jean-Michel Jarre Melodien in den Hintergrund gedrängt, so viel Noise produziert wie noch nie und viel mit Rhythmus gearbeitet.

Ähnelt Oxymore Zoolook? Was denkt ihr?

Dem Album liegt auch eine binaurale Kopfhörerversion als Download bei. Dies ermöglicht ohne technischen Aufwand räumliches Hören mit Kopfhörern. Ich würde binauralen Kopfhörernklang als Super-Stereo bezeichnen, tatsächlich kann der Mix aufgeräumter und viel räumlicher klingen.

In der Vergangenheit habe ich eine Dolby Surround Show von Jean-Michel Jarres Musik im Planetarium Bochum angehört, was ganz ok war. Wie wird wohl Dolby Atmos klingen?
Mein Platz war währenden der Dolby Atmos Vorführung alles andere als optimal und trotzdem war es ein umwerfendes Erlebnis. Die Elemente der Musik bewegten sich tatsächlich durch alle Dimensionen im Raum. Die Klänge waren über mir, unter mir und neben mir. Sie waren weit weg und sie waren ganz nahe. Gleichzeitig bewegten sich die Klänge auf mich zu und verschwanden wieder. Ich kann mich noch daran erinnern, wie Sounds und Melodien von allen Seiten in das Zentrum gewandert sind, dort in einem Break explodierten und in ein tiefes Loch stürzten.

Roboter Avatare in der Oxymore VR.

Die Beats verwandelten sich in stampfende Roboter, was ich in der Kopfhörer- und Stereo-Version nicht wahrgenommen hatte. Der Klang der Beats erinnert an metallische, mechanische, stampfende und quietschende Roboter. Die visuelle Suggestion der Musik war beeindruckend. Interessanterweise wurde mir erst im Nachhinein bewusst, dass die Avatare für die virtuelle Welt im Artwork des Albums zu finden sind und an Roboter erinnern. Nach der Vorführung fand ein Talk mit Jean-Michel Jarre statt. Er beantwortet Fragen aus dem Publikum und ging auf die schwierigen Bedingungen der Tonträgerindustrie ein und wie sich diese sich in Zukunft besser positionieren könnten.

In der Sony-Zentrale Berlin: Kurz vor dem Interview

Am nächsten Tag machte ich mich auf dem Weg zu dem Interview. Wer jetzt glaubt, dass die ganze Vorbereitung was gebracht hat, der sieht sich getäuscht. Wenn man einem Künstler von solch einem Kaliber und Geschichte entgegentritt, kann es schon passieren, dass man nervös wird. Nach Betreten der Sony-Zentrale wurde ich sogleich mit einer Frage konfrontiert: Ich sei also JENS, der mit Jean-Michel Jarre über Synthesizer reden wolle? Ob ich Andreas Schneider kenne? Jean-Michel Jarre würde gerne noch Schneiders Laden besuchen und ihn treffen, doch leider verfügt sein Team über keine aktuelle Telefonnummer.

Aber gerne! Ich habe unseren Chefredakteur Tyrell angerufen, der glücklicherweise erreichbar war und mir die Nummer nannte. Jean-Michel Jarre wurde die freudige Nachricht überbracht und das war das erste Mal, dass er mich wahrgenommen hatte. Der hat also die Nummer von Andreas Schneider, konnte man in seinem anerkennenden Blick lesen. Leider kam das Treffen aus Zeitgründen nicht mehr zustande.

Jean-Michel Jarre wäre noch gerne in SchneidersLaden gegangen.

Jean-Michel Jarre merkte man die Anstrengungen des Interview-Marathon an. Er war trotz allem entspannt und merkte, dass ich nervös war. Er ignorierte das aber und beantwortete meine Fragen sehr freundlich und professionell. Der hat wirklich schon jede Frage gehört! Meine Nervosität zeigte sich dadurch, dass mein sonst so souveränes Englisch öfters zum Erliegen kam und ich auf den Fotos ein Gesicht wie ein Honigkuchenpferd mache. JENS, du träumst nur, dass du Jean-Michel Jarre triffst und gleich wachst du auf, steht in meinem Blick geschrieben. Das Team von Jean-Michel Jarre war sehr freundlich. Seine Managerin Fiona Commins war ebenfalls anwesend, die Jarre Fans sicher ein Begriff ist. Superstar Arroganz oder Starallüren konnte ich bei keinem feststellen.

Das Interview mit Jean-Michel Jarre

Jean-Michel Jarre und Sven Rosswog beim Interview in Berlin

Jetzt genug von meinem Geschwätz, lassen wir den Meister zu Wort kommen. Hier ist es also: Mein Interview vom 21.10.2022 von 11.10 Uhr bis ca. 11.40 Uhr in der Sony Zentrale Berlin. Weil mich die Vorführung von Oxymore in Dolby Atmos sehr beeindruckt hatte, wollte ich von Jean-Michel Jarre erst einmal wissen, was Hören für ihn bedeutet?

Jean-Michel Jarre:
Mit ist es wichtig, dass meine Musik unter den bestmöglichen Bedingungen gehört wird. Es ist merkwürdig, dass heutzutage Musik-Abspielgeräten keine große Bedeutung mehr zugemessen wird. Man kann es so umschreiben: Es besteht ein Unterschied darin, ob man Fast Food isst oder ob man in ein Restaurant geht und sich zum Essen hinsetzt. Natürlich haben Musiker und Musikerinnen eine ganz eigene Vorstellung davon, wie man ihre Musik hören sollte. Oxymore habe ich wie einen Kinofilm konzipiert. Daher ist es sinnvoll, das Werk in einem Kino zu hören, obwohl es nichts zu sehen gibt. Heutzutage werden wir von visuellen Eindrücken und von Bildern aus dem alltäglichen Leben bombardiert. Indem ich die Zuhörer aufgefordert habe, ihre Augen zu schließen, konnten sie ihre eigenen Bilder mit den Ohren erschaffen. Man könnte auch sagen, dass die Ohren die Augen geöffnet haben.

Sven:
So beeindruckt ich auch von der Vorführung gewesen bin, habe ich mich doch gefragt, wann ich Oxymore so wieder hören kann? Die wenigsten Zuhörer und Zuhörerinnen werden sich einen Dolby Atmos Raum einrichten.

Foto von Francois Rousseau

Jean-Michel Jarre:
Aus diesem Grund liegt Oxymore auch in einer binauralen Version vor. Natürlich ist es nicht das gleiche Erlebnis wie in einem Dolby Atmos Raum. Jeder Kopfhörer, den ich ausprobiert habe, ist in der Lage, das Gefühl von einem 360° Hörerlebnis zu vermitteln. Ansonsten wird nichts weiter benötigt. Ein anständiger Kopfhörer, ein MP3-Player oder ein Handy ist ausreichend. Ein handelsüblicher Kopfhörer ist sogar besser als diese extrem teueren audiophilen Kopfhörer oder solche, die über zu viel Bass verfügen. Diese sind überhaupt nicht sinnvoll, um irgendeine Art von Musik zu hören. Wenn der Kopfhörer über zu viel „Umpf“ verfügt, wenn er über zu viele tiefe Mitten verfügt, vernebelt er die Mitten und die hohen Mitten. Ich will jetzt keine Werbung machen, aber mit einem Bose oder einen ganz normalen Sony Kopfhörer wird man ein gutes Hörerlebnis haben. Nach meiner Meinung geben die hochpreisigen Apple Air Max und Beats by Dre keine Abmischung anständig wieder, weil sie über zu viel Bass verfügen.

Sven:
In der Dolby Atmos Situation hatte ich das Gefühl zu verstehen, was sie mit dem Werk aussagen wollten. Nach meiner Meinung ist es eine Komposition für einen Raum.

Jean-Michel Jarre:
Eigentlich wollen sie sagen, dass es wie eine Live-Performance klang. Eine Live-Performance erlaubt es, die Musik mit einer stärkeren Ausdrucksweise zu präsentieren. Das ist der Unterschied zwischen einer Studio-Aufnahme und einem Konzerterlebnis. Die Vorführung in Dolby Atmos war fast wie eine Live-Aufführung.

Sven:
Wie mischt man so ein Werk in 360°?

Jean-Michel Jarre:
Was ich jetzt sage, gilt für jede Art von Musik, aber elektronische Musiker werden wissen, was ich meine. Wenn man in Stereo Spuren schichtet und mit Effekten z. B. einem Hall ergänzt, wird alles sehr groß. Wenn ein Maler zu viele Schichten Farbe auf die Leinwand aufträgt, wird alles grau. In 360° kann jede Klangschicht einem bestimmten Platz im Raum zugeordnet werden. Deswegen würde ich sagen, dass in Stereo weniger mehr ist und in 360° ist mehr tatsächlich mehr.

Dolby Atmos Plug-in in Logic Pro

Sven:
Auf Kopfhörern klingt es wie Super-Stereo. Es war auch zu merken, dass der Kinosaal nicht für Musik gemacht ist, sondern für Film und es deswegen nicht immer so brillant klang wie beispielsweise ein sehr gut abgemischte musikalische Aufnahme.

Jean-Michel Jarre:
Ja, das stimmt. Ich habe mir zwar die Mühe gemacht und es im Londoner Dolby Atmos Studio aufarbeiten lassen, aber um diese letzten Prozent Perfektion herausholen zu können, hätte ich ein paar Tage früher nach Berlin kommen müssen und es an die Gegebenheiten des Saales anpassen müssen. Dasselbe Problem hat man natürlich auch mit Kopfhörern, weil es einfach so viele gibt und viele von diesen die Tendenz besitzen, einen großen Bass zu erzeugen. Ein so fetter Bass richtet eben auch viel Schaden an. Hip-Hop Musik bedient diese Frequenzen, daher ist es in diesem Genre ok. Für einen Großteil anderer Musikstile ist es einfach nur grauenhaft.

Sven:
Sie haben das Album Oxymore genannt und nehmen damit Bezug auf ihr Album Oxygene. Ich denke von Oxygene ist aber nicht mehr viel übrig. Ich habe den Eindruck, dass Sie sich auf Musik beziehen, die vor Oxygene entstanden ist. Ich wurde beim Hören an Stücke wie z.B. „Happiness Is A Sad Song“ (1968) erinnert, als Sie noch Student bei Pierre Schaeffer waren. Oxymore klingt wie eine modernisierte Version Ihrer Musik, bevor Oxygene veröffentlicht wurde.

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Jean-Michel Jarre:
Da haben Sie Recht. Oxymore könnte ein Vorläufer von Oxygene sein. Ich wollte mich vor den Erschaffern der französischen elektro-akustischen Musik verneigen. Pierre Henry und Pierre Schaeffer haben Lärm und Klänge erforscht, um sie in die moderne Musik zu integrieren. Sie haben die Grundlagen geschaffen, wie heute Musik produziert wird. Ob wir Hip-Hop, Techno oder Pop machen, spielt keine Rolle, weil jeder dieser Stile auf Sound-Effekte und Sounddesign zurückgreift. Es besteht aber eine Verbindung zwischen Oxymore und Oxygene. Bei beiden Werken handelt es sich um Reise durch Räume. Bei Oxygene musst ich mit Stereo arbeiten, weil es keine andere Technologie gab. Ich war aber besessen von der Idee, das räumliche Erleben von Stereo zu erweitern und zu verbessern. Oxymore basiert auf Klangtexturen und die Melodien wurden von mir versteckt. Zuerst habe ich die Klangtexturen erschaffen und Melodien hinzugefügt. Bei Oxygene war es umgekehrt, dort habe ich zuerst die Melodien geschrieben und sie dann in einen elektronischen Kontext integriert.

Sven:
Das letzte Album, auf dem Sie Melodien ausgearbeitet haben, war Equinoxe Infinity (2018). Darauf folgte das Album Amazonia (2021), das erste Album von Ihnen in binauralem Klang, auf dem Sie sich Klangtexturen zuwendeten und Melodie nicht mehr im Vordergrund standen. Oxymore scheint mir eine Fortsetzung dieser Idee zu sein, auch wenn es natürlich viel härter als Amazonia klingt.

Jean-Michel Jarre:
Wissen Sie, was interessant im Leben eines Künstlers ist? Wenn Sie etwas erschaffen haben, was die Menschen kennen und lieben, wird erwartet, dass sie immer wieder und wieder das Gleiche machen. Ich will mich jetzt nicht mit anderen Künstlern vergleichen, aber wenn man an Picasso denkt, sieht man doch, dass er immer wieder neue künstlerische Territorien erobert hat.

Mit Amazonia wollte ich einen Soundtrack für einen Wald kreieren. Natürlich war das was ganz anderes, was ich bisher gemacht habe. Es war nicht mein Ziel, Musik zu machen, die wie Equinoxe oder Oxygene klingt. Oxymore behandelt die Wurzeln der elektro-akustischen Musik, und daher klingt das Ergebnis auch ganz anders. Es gibt Menschen, die meine Musik hören und die sagen: Ja, das haben wir aber nicht erwartet. Wenn man sich wiederholt, sagen die Leute, das hat er doch schon davor gemacht, aber es ist nicht so gut. Mit dem ersten erfolgreichen Werk findet eine Identifikation und eine persönliche Beziehung mit dem Publikum statt, die einen Künstler oder Künstlerin definiert. Das Werk wird zu etwas, was die Leute aus ihre Kindheit und Jugend kennen und es ist unmöglich diesen Eindruck zu überbieten.

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Björk hat neulich was ganz Interessantes gesagt: Wenn ich Musik mache, denke ich nicht darüber nach, ob es von 30 Menschen oder 30 Millionen Menschen gehört wird. Ich mache das, was ich denke, fühle, was ich erforschen möchte. Als ich mit Oxygene anfing, hatte ich überhaupt keinen Druck, weil ich Kompositionen erforschte, die ich niemals zuvor gehört habe, ich hatte überhaupt keine Vorbilder. Ich hatte sehr viel Spaß, Oxygene zu produzieren, weil ich mich in einem unschuldigen Schaffensprozess befand. Ich habe schon damals versucht, mich nicht zu wiederholen oder an vorangegange Werke zu denken, die mich inspirieren könnten.

Mit Oxymore war es ähnlich, weil ich einen neuen kompositorischen Weg eingeschlagen habe, da ich eine musikalische Komposition in 360° konzipiert habe und Klänge im Raum platziert habe, wie ich das zuvor nie gemacht habe. Die musikalische Kompostion habe ich wie bei Oxygene in 6 bis 7 Wochen umgesetzt. Wie bei Oxygene hat der Mix sehr viel Zeit beansprucht, weil ich lernen musste, die 360° Technologie des Mischens zu beherrschen.

Sven:
Es nicht möglich, Ihr Schaffen auf Oxygene zu reduzieren. Die Idee wurde mit dem Nachfolger Equinoxe aufgegriffen, dann folgte Magnetic Fields, wo Sie anfingen, mit dem Fairlight CMI zu arbeiten, die ihren Höhepunkt in Zoolook hatte. Auf Rendez-Vous setzen Sie dem Elka Synthex ein Denkmal und auf Revolutions dreht sich alles um den Roland D-50 und so weiter. Natürlich ist Oxygene ein unglaublich wichtiges Werk, weil es ganz anders klingt als das, was z. B. Kraftwerk, Klaus Schulze, Vangelis und Tangerine Dream damals gemacht haben. Eines meiner liebsten Stücke von Ihnen ist aber B-Seite des Album „Waiting For Cousteau“, der Ambient Track. Für dieses Werk sind Sie aber nicht sehr bekannt.

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Jean-Michel Jarre:
Da sprechen Sie einen interessanten Punkt an. Ich habe viele Fans, die meine Ambient-Werke zu schätzen wissen und sich für nichts anders interessieren. Ich habe mich nie so wahrgenommen, dass ich Oxygene und Equinoxe wiederholen würde, sonst hätte ich sofort aufgehört. Für mich ist Oyxmore genauso wichtig wie Oxygene und alles andere, was ich gemacht habe.

Sven:
Ich sehe das genauso, weil Sie über 50 Jahre Musik machen. Künstler, die so lange dabei sind, sollte man nach ihrem Werk beurteilen und nicht auf einen Abschnitt aus ihren Schaffen reduzieren.
Miles Davis auf Kind Of Blue, Prince auf Purple Rain und Frank Zappa auf Bobby Brown zu beschränken, würde diesen Künstlern nicht gerecht werden.

Housten 1986, Foto von jeanmicheljarre.com

Damit komme ich zu meiner nächsten Frage: Sie nehmen schon so lange an der technischen Entwicklung in der Musikindustrie teil und haben bis jetzt alle Richtungen und Entwicklungen verfolgen können. Haben Sie einige Ratschläge für unsere Leser und Leserinnen, auf was sie sich im Studio fokussieren sollten?

Jean-Michel Jarre:
Heutzutage erzeugt Technologie in uns das Gefühl, dass keine Beschränkungen vorhanden sind. So zu denken, ist eine Falle, denn der Schlüssel für jeden erfolgreichen kreativen Prozess sind Beschränkungen. Ich würde sogar noch weiter gehen und sagen: Primitive Werkzeuge sind der Schlüssel zur Kreativität. Als ich mit elektronischer Musik angefangen hatte, fühlte ich mich gefangen, weil ich so gut wie nichts hatte. Als ich elektroakustische Musik studierte, besaß ich nichts außer ein Mikrofon, eine Tonbandmaschine und Rasierklingen. Ich hatte kein Geld, eine Eminent 310 mit ein paar Pedalen und einen EMS VCS3, der aussah wie eine billige Telefon-Schaltzentrale. Diese Beschränkungen erlaubten mir aber, die Grenzen meiner Kreativität auszuloten.

EMS VCS3

Auf Oxymore musste ich ebenfalls mit vielen Limitierungen kämpfen. Dolby Atmos ist kein Werkzeug für Musiker. Es wurde für Kinofilme entworfen und damit als Musiker zu arbeiten, ist ein Albtraum. Im Kino muss, unabhängig vom jeweiligen Sitzplatz, der Dialog immer von vorne zu hören sein. Die Musik kommt von den Seiten und die Effekte kommen von hinten. Diese Form der Klangaufteilung wird allozentrisch genannt. Als Musiker möchte man aber immer Zentrum der Musik stehen, also egozentrisch und jeden verfügbaren räumlichen Grad für die Klangbausteine ausnutzen. Jedes Klangelement im Raum, das sich auf unterschiedlichen Graden befindet, soll gleich gut zu hören sein und verfügt über die gleiche Wichtigkeit, wie alle anderen Elemente auch. Mit Dolby Atmos ist das nicht möglich umzusetzen, daher musste ich das System modifizieren. Aus diesen schwierigen und limitierten Ausgangslage können sich neue Möglichkeiten ergeben, um der Kreativität Ausdruck zu verleihen.

Jungen Künstlern und Künstlerinnen würde ich raten, sich Zeit bei der Auswahl einer Software und einem Hardware-Synthesizer zu nehmen. Wenn man mit diesem Equipment ein Jahr arbeitet, wird man feststellen, dass man etwas erschaffen hat, von dem man überhaupt keine Ahnung hatte, dass es möglich ist. Es wird aus ihnen selbst kommen und nicht aus der Maschine.

Sven:
Stimmt es wirklich, dass Sie niemals ein Instrument verkauft haben, das Sie besessen haben und dass sich alle in ihrem Studio befinden?

Jean-Michel Jarre:
Ja, das stimmt. Ich habe meine E-Gitarre und Amplifier verkauft, um mir meinen ersten Synthesizer zu kaufen. Damals war das ein Statement. Bevor ich elektronische Musik studiert habe, habe ich Rock and Roll gemacht. Ich hatte kein Geld, also musst ich meine Gitarre verkaufen. Das habe ich sofort bereut, weil ich diese Gitarre heute immer noch gerne besitzen würde. Deswegen habe ich nie wieder was verkauft. Meine ersten Synthesizer, den EMS VCS3 und den ARP 2600 benutze ich bis heute und sind auf allen meinen Alben zu hören, auch auf Oxymore. Diese Instrumente sind für mich wie Haustiere. Wie viele Leser und Leserinnen von AMAZONA.de pflege auch ich eine emotionale Beziehung zu meinem Equipment.

ARP 2600

Sven:
Vor ein paar Jahren nannten Sie Ihre Instrumenten noch liebevoll „Old Ladys“.

Jean-Michel Jarre:
Ja, deswegen ist bei er Vinyl Ausgabe von Oxymore ein großes Booklet dabei. Ich wollte an die Periode der 1940er-Jahre zu erinnern, als die Musique concrète erschaffen wurde. Deswegen haben wir schwarz-weiß Fotos von einigen der Instrumente gemacht. Es war mir wichtig, dass die Instrumente nicht nur fotografiert wurden, sondern darum, die Texturen der Instrumente sichtbar zu machen.

Sven:
Welche Instrumente sind den derzeit für sie am interessantesten?

Jean-Michel Jarre:
Ich habe diesmal nicht so viele Synthesizer benutzt, aber viel gesampelt. Es sind Waterphones, Oceandrums, Thunderdrums und sogar ein Cristal Baschet zu hören. Ich fand es toll, an die frühere Geschichte der Klangerzeugung anzuknüpfen, wie z. B. den Klang von Feuer mit Tonbändern und poppenden Mikrofonen zu simulieren. Es bereitet mir sehr viel Freude, alte Techniken anzuwenden, die auch Sounddesigner in Filme benutzen.

Cristal Baschet

Neben modernen Technologien wie Dolby Atmos und Granular-Synthese kamen auch zwei neue Instrumente zum Einsatz. Ich habe den Nonlinear Labs C15 mit einem Resonanzkörper der französischen Firma La Voix de Luthier verwendet. Ich habe ihn wie einen Lautsprecher an den C15 angeschlossen. Dadurch konnte ich akustische Resonanzen der digitalen Klänge erzeugen, die aus dem C15 stammen. Ich liebe auch Osmose von Expressive E. Es ist ein unglaubliches Instrument. Einer der besten Synthesizer, den ich je hatte. Er stieg sofort in meine persönliche Top 5 auf.
Es ist möglich, jeder Taste 8 Parameter zuzuweisen, die den Sound modulieren um komplexe Texturen zu erschaffen.

Einer von Jean-Michel Jarres Lieblingssynthesizer: Osmose von Expressive E

Sven:
Das klingt ein bisschen nach dem Roli Seaboard und dem Animoog.

Jean-Michel Jarre:
Genau, es funktioniert wie der Animoog, aber in 3-D. Der Osmose ist für mich wie eine Stradivari der modernen Synthesizer. Ich mag aber nicht nur Flagship Synthesizer, ich habe auch Blipblox eingesetzt, der aussieht wie ein Spielzeug. Außerdem mag ich von Critter & Guitari den Organelle M oder den Lyra8 von Soma.

Soma Laboratory Lyra 8

Soma Lyra 8

(Anmerkung des Autors: Diese ganze Sektion ist unterbrochen von uns beiden, wie wir nach den Firmennamen oder der Modell-Bezeichnung suchten. Es war wie Ping-Pong spielen: Beispielsweise so: I used Lyra8….you know which Company i mean, und ich yes…mhhhhh SOMA! Und er: Exactly! )

Ich habe auf Oxymore Sounds benutzt, die mir von Pierre Henry zur Verfügung gestellt wurden, aber am Ende des Tages habe von diesen nicht so viel eingesetzt. Er war aber eine wichtige Inspiration für Oxymore und der Periode der elektronischen Musik, die mich inspiriert hat, dieses Album zu machen. Damals war es den Künstlern und Künstlerinnen wichtig, an Texturen zu arbeiten. Heutzutage arbeiten viele elektronische Musiker und Musikerinnen wie Archivare oder Bibliothekare, weil sie auf so viele Presets und interessante Klänge zurückgreifen können. Wir arbeiten aber viel zu wenig an der Entwicklung der Texturen von Klängen. Auf Oxymore habe ich dieses Themenfeld erforscht, denn dort werden diese ständig verändert.

Der Nonlinear Labs C15 mit dem Resonanzkörper von La Voix de Luthier: Oxymore Artwork

Sven:
Sie haben immer wieder betont, wie wichtig Pierre Schaeffer für Ihre Entwicklung als Musiker war. Interessant fand ich, dass Sie im Sommer 2022 Teil einer Arte-Dokumentation waren, wo Sie auch betont haben, wie sehr Sie von Iannis Xenakis beeinflusst sind. Dass Sie sie Oxymore Pierre Henry widmeten, hat mich sehr überrascht.

(und da kam es schon von drausen: letzte Frage)

Jean-Michel Jarre:
Pierre Schaeffer ist mir sehr wichtig, weil er einer der Gründungsväter der Groupe de recherches musicales (GRM) war, wo ich drei Jahre studiert habe. Dadurch war ich über drei Jahre jede Woche in Kontakt mit ihm. Pierre Henry hatte sein eigenes Studio, wo ich ihn mal getroffen habe, aber er war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr Teil des GRM. Xenakis hatte für uns Studenten eine Art von Masterclass gehalten. Er war aus anderen Gründen eine große Inspiration für mich. Pierre Schaffer war der große Theoretiker, er hat gar nicht viel komponiert, er schrieb über Sound-Theorien. Pierre Henry war in erster Linie Komponist, der sein ganzes Leben Musik gemacht hat. Daher war eine gute Idee, mit Pierre Henry zusammenzuarbeiten, um aufzuzeigen, wie seine Musik und Arbeit bis heute nachwirkt.

Sven:
Werden Sie bald wieder live spielen?

Jean-Michel Jarre:
Ja. Ich arbeite derzeit an einer Tournee für das Jahr 2023. Diese soll in 360° Klang umgesetzt werden. Das ist sehr kompliziert, weil sich dafür nicht jede Location eignet.

Jean-Michel Jarre und Sven Rosswog in Berlin

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Fazit

Ich bedanke mich bei AMAZONA.de und Peter Grandl, dass sie einem Interview mit Jean-Michel Jarre zustimmten. Ich danke außerdem dem Promoter Florian Striedl, der Termin, Ort und Zeit für das Interview festlegte. Meinen besten Dank auch an Sony und dem Team von Jean-Michel Jarre, die dieses Interview ermöglichten. Mein herzlichen Dank an Jean-Michel Jarre für seine Aufmerksamkeit und Geduld. Wenn in Zukunft ein ausführliches Interview möglich wäre, würde ich mich sehr freuen.

Plus

  • Legende

Preis

  • unbezahlbar
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Forum
  1. Profilbild
    Flowwater AHU

    Boa, Sven … Neid und Missgunst, dass Du die Chance hattest mit Jean-Michel Jarre zu sprechen. Nein, Spaß, natürlich nicht! Abgesehen von dem Interview, was dabei heraus kam, war das sicherlich eine spannende Sache. Mit dem Mann würde ich auch gerne mal sprechen … ich hätte ihm nur nix zu sagen, fürchte ich. 🙂

    Danke für das Interview! 👍

      • Profilbild
        anselm

        Ich habe den Eindruck bei früheren Interviews, daß Jarre sich sehr wünscht, daß man ihn wie einen normalen Menschen behandelt.
        Auf jeden Fall macht ihn das Fehlen von Star-Attitüde umso sympathischer.

        • Profilbild
          Sven Rosswog RED

          Dazu kann ich nichts sagen, aber es war bei ihm eine Begeisterung für das alles zu spüren. Auch der Wunsch neben dem ganzen Stress noch schnell in Schneiders Laden reinschauen, weil es eben darum geht. Das instrumente nicht nur Sachgegenstände sind, die mit der neuesten Generation ausgetauscht werden, dass er sie liebt, wie all die Leute die hier tagtäglich schreiben. Er ist jetzt 75 und andere Leute in dem Alter machen nichts mehr und er redet von der nächsten Tour in 360 Grad Sound, dabei wäre es so einfach den Rest der Karriere auf Nummer sicher zu gehen und nur noch das Werk aufzuführen. Was mich freut, dass diese Pioniere endlich durch die ganzen Dokumentationen gewürdigt werden. Das Thema war ja lange ein rotes Tuch irgendwie. Rock, Pop und Schlager, sonst nichts.

          • Profilbild
            dAS hEIKO AHU

            Ich denke schon, zumindest von dem was man von ihm sieht und hört, dass er zwar extrem professionell fixiert und interessiert ist, sich deshalb aber nicht über ander stellt. Jean Michelle hat sich auch im Rentenalter den Kleinen Jungen erhalten. Und alle sind eingeladen daran teil zu haben, was er macht.
            Insgeheim denke ich, dass es für ihn auch immer prägend war, dass sein Vater, der Starfilmkomponist, sein Schaffen niemals ernst genommen, ja sogar abgelehnt hat. Das bekräftigte ihn wohl auch dazu seine Musik von vorneherein auch live einem großen Publikum nahe zu bringen, als wolle er sagen „Mein Vater fands scheiße – was sagt ihr?“.
            Dass sich daraus die größten Livekonzerte aller Zeiten entwickelt haben …ist halt passiert🙂

            • Profilbild
              Sven Rosswog RED

              Deswegen würde ich so wahnsinnig gern Melancholy Rodeo lesen. Sein Vater ist nach dem Krieg in die USA abgehauen und hat keinen Wert drauf gelegt, Kontakt zu seinem Sohn zu haben. In späteren Jahren haben sie sich getroffen, aber Jean-Michel hat erzählt, dass er in einer Hotellobby empfangen wurde wie ein Fremder. Seine Mutter war im Widerstand gegen die Nazis aktiv und er wuchs bei seinen Großeltern auf. In seinen tiefsten Momenten hört man diese Einsamkeit und Traurigkeit in seiner Musik. Vielleicht hat das auch alles nichts miteinander zu tun. Er hat es aber mehrfach erzählt, daher wird es wohl stimmen.

  2. Profilbild
    Markus Schroeder RED

    Sehr gute Fragen und noch befriedigendere Antworten die ich voll und ganz nachemfinden kann. Es sah zwar eine Zeit lang für mich nicht mehr danach aus, aber der Meister hat’s echt noch drauf!

    DANKE, Sven und Monsieur Jarre!

    :D

  3. Profilbild
    nokul

    Danke für das Interview und die Geschichte drumherum!

    Und… na toll, ein Ratespiel. Welches Album fehlt und warum?
    [Kram, kram…]
    Ok, außer Maxis, Remixen, einigen Live-Alben und Compilations fehlt m.E. nur die Musik für Supermärkte, aber ich habe das Gefühl, dass all das nicht gemeint war. Mist. Bin ich jetzt noch ein Jarre-Fan?

    • Profilbild
      Sven Rosswog RED

      Hallo Nokul,
      Maxis, DVDs und Boxen habe ich nicht aufgezählt. Ansonsten liegst du richtig. Die Supermarktmusik hat gefehlt, der Grund dürfte klar sein, ebenso Interrior Music, die ich im Sommer mal für 1000 Euro gesehen habe. Diese Geschichten auch noch zu erzählen, wäre dann zu viel geworden. Oxygene 3 habe ich einfach vergessen dazuzulegen, schätze ich aber sehr. Außerdem habe ich vergessen zu fragen, ob die Bio endlich mal übersetzt wird, Französisch zu lesen ist dann echt eine Nummer zu hart. :-)

      • Profilbild
        nokul

        Ich habe eine Bio auf Englisch, weiß aber nicht, ob wir die gleiche meinen. Ist von Michael Duguay und Nicolas Kern und wirkt etwas… inoffiziell.

  4. Profilbild
    Sensimood

    Immer wieder interessant über den Altmeister zu lesen. Wenn JMJ keine Geräte verkauft und er immer Schritt mit der Technologie gehalten hat, dann wird sich ganz schön was an Gerätepark angesammelt haben😁
    Vielen Dank für das Interview!

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    Sven Rosswog RED

    Vielen Dank für all die netten Kommentare. Wer noch Fragen hat, kann sie gerne stellen. Vielleicht hat ja jemand eine, die ich im Text noch nicht beantwortet wurde.

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    Nik Elektrik

    Magnifique. Life: complete, n‘est-ce pas?

    Herzlichen Glückwunsch zum Treffen und zum Inhalt des Interviews ebenso. Trifft gerade sehr meinen Nerv bezüglich Dolby Atmos. Mit OXYMORE finde ich seit längerem auch wieder Jarre interessant, auch in good old Stereo. Aber in Dolby Atmos ist es eine echte Empfehlung. Hab es „nur“ über AirPods Pro (2nd gen) gehört. Hat aber schon gefetzt.

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      Sven Rosswog RED

      Danke Nik,

      man kann schon sagen, dass ein Traum in Erfüllungen gegangen ist. Etwas was bisher nur auf ein Sockel stand, wurde Real. Er geht tatsächliche unter unserer Sonne ist ein Mensch mit allem, was dazu gehört, was schon merkwürdig ist, denn normal sieht man ihn ja nur bei der Arbeit, also überlebensgroß.

      Amazonia, liegen auch die binauralen Versionen bei und in Live in Notre Dame gibt es 5.0 Mix. Ich habe aber so was wie die Dolby Atmos Aufführung noch nie gehört, das war unglaublich, vor allem, wenn Sound nach oben schießen oder abstürzen. Nach meiner Meinung überträgt sich das in den binauralen Versionen nicht in dieser Form. Die Geschichte online war ja nur binaural. Wenn die kommenden Konzerte tatsächlich so umgesetzt werden, wäre es der Hammer. So zu hören ist wirklich ein Erlebnis und zwar so, wie es Jarre erklärt hat, also nicht allozentrisch, sondern egozentrisch.

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    Wah-Wah

    „Überlebensgroß“ macht man sich die Musiker ja selbst, bzw. unser Kopf. Ich hatte auch schon die Gelegenheit, einige meiner Helden zu treffen und kam eigentlich, nach anfänglicher Nervosität, auch immer zu dem Schluss, dass die auch nur normale Menschen mit den gleichen Problemen und Freuden wie man selbst sind. Und letzten Endes geht es ja um die Musik, nicht um die Person. Man kann es auch anders sehen : jemand, der sich nicht für elektronische Musik interessiert, würde Jarre an der Supermarktkasse gar nicht erkennen.

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      Sven Rosswog RED

      So ist es. Ich war mal bezahlter Zuschauer in einer Sportsendung mit Superfußballer. Mega Öde. Als ich Fußballfans erzählt habe, wer da 2 m von mir entfernt gesessen ist, haben sie Schnappatmung bekommen. So hat halt jeder seine Helden. Aber natürlich sollte man Jarre erkennen, wenn man in einem Supermarkt geht, wegen Music for Supermarktes :-)

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    PaulusS

    2008 habe ich eines seiner Konzerte in München mit einem Freund besucht. Nach der Show kam mir Francis Rimbert entgegen und mit ihm habe ich ein paar Worte gewechselt. Jarre kam auch zu einem kurzen Signieren aus dem Gebäude. Ich habe allerdings kein Bedürfnis verspürt, mich ihm nähern zu müssen. Weder für ein Autogramm, noch für ein kurzes Hallo. Mir reicht völlig aus, was er geschaffen und uns damit u. a. inspiriert hat, eigene Musik zu machen.

    Ich bin definitiv dabei, wenn es um Limitierungen beim Schaffensprozess von elektronischer Musik geht. Hatte ich viel, dann hatte ich „0“ Böcke. Hatte ich fast nichts, dann hat es umso mehr Spaß gemacht und ich war kreativ.

    Danke, Sven!

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    SkandinAlien

    Sehr schönes Interview 😊 Ich kann das Muffensausen nachvollziehen. So ging es mir als ich noch freischaffender für zB das Orkus Magazin war und vom Chefredakteur ganz casual gefragt wurde ob ich nicht Bock hätte mit Richie Blackmore ne Stunde über das kommende Blackmores Night Album zu plaudern. Er ist ja nur der Gitarren Held meiner frühen Jugend – alles easy 😅

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      Sven Rosswog RED

      Smooooooke on the Water..und da sind wir wieder bei Frank Zappa, der im Interview auch erwähnt wird :-)

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    TobyB RED

    Sauber Sven! Auf der ersten Sooperbooth im FEZ sassen Markus und ich vollkommen vertieft in Berichterstattung in Pressezentrum. Herr Schneider kam rein und fragte uns total ernst, „Wer möchte sich denn zu einem Rundgang mit ihm und JMJ anschliessen?“ Wir so, „Och nö.“

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      Anjin Sun

      @toby
      Schade, folgend dem Interview wäre die fachlich, begründete Begierde von Hrn. Jarre sicherlich sehr interessant gewesen.

      @Interview
      Solch musikalische Aktivität von z.B. Kraftwerk, oder auch Yello – ein Traum !! 😎

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      Tomtom

      „Herr Schneider kam rein und fragte uns total ernst, „Wer möchte sich denn zu einem Rundgang mit ihm und JMJ anschliessen?“ Wir so, „Och nö.““

      Ernsthaft TobyB?? Ich bin entsetzt! 😂

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    teofilo

    Vielen Dank für die Art des Interviews. Legende? Nun ja, „Musik aus Zeit und Raum“ Amiga (DDR), 1985 aus der Stadtteil-Bibliothek ausgeliehen, auf einem (dem einzigen?) Stereoplattenspieler mit zwei Boxen (mehr Boxen braucht es nicht😉), hat mir eine unglaubliche Klangwelt geöffnet, die ich erst 20 Jahre später selbst umsetzend ausleben konnte.
    Immer wenn ich mich dazu austauschen will/wollte, ging es nur um kaufen (Geräte, Software, Soundware…).
    Und dann zeigt eine 75-jährige „Legende“, was einen antreiben sollte. (Dolby und Gerätenamen im Artikel – geschenkt.) Das Zitat „Musik zu machen, egal ob für 30 oder 30 Mio.“ oder eigentlich nur für einen selbst, in der Hoffnung, dass andere dran Freude haben. So habe ich den Artikel verstanden🙂

  12. Profilbild
    Jens Barth

    Wirklich tolles Interview, Respekt.

    Zu Oxymore kann ich nur sagen, daß es sich mir bislang überhaupt nicht erschlossen hat. Es ist sicher toll, eine 3D – Geräusch – Kulisse nachzubilden, aber mir ist das zu viel zu wenig. Irgendwie bringe ich Musik immer noch mit Melodien in Verbindung, was als gelernter Klavierspieler nicht so ungewöhnlich ist.

  13. Profilbild
    Tomasino

    mich wundert nur das er seine eigene Landes Kopfhörer Marke nicht genannt hatte Focal. ich persönlich würde nie Bose oder Sony hören als Kopfhörer. über Bass im Kopfhörer kann man streiten es kommt auf die Bauart an geschlossen oder offen. ich bevorzuge die geschlossene Variante gerade bei Elektronischer Musik braucht man den Bass. eher das Bass Fundament. ich habe mir es angehört mir gefällt es nicht wirklich das Album. hier haben mir die älteren Alben besser gefallen.

  14. Profilbild
    Garfield Modular AHU

    Hallo Sven,

    Herzlichen Dank für das sehr interessante Interview mit J.M. Jarre. Zurück in die Anfang 80-er Jahren habe ich seine Musik kennen gelernt, nicht nur als erste Elektronische Musik aber überhaupt mein erste Pop Album, ich glaube es war Equinoxe. Vorher war ich gar nicht interessiert an Musik weil mir alles nicht gut oder uninteressant erschien. Equinoxe und weitere Jarre Alben hatten mich dann in die (Elektronische) Musik Welt katapultiert! :-)

    Du hast da ein guten Punkt erwischt, wenn er mit 75 Jahre noch ein neues Konzert plant, wow! Nur Klasse & Respekt :-) Das Interview von Dir mit J.M. Jarre ist für mich einfach nur fantastisch und bringt ganz alte Erinnerungen wieder hoch :-)

    Du warst nervös? Ja kann ich mir völlig vorstellen aber gemerkt habe ich das nicht beim Interview lesen :-)

    Herzlichen Dank noch mal und viele Grüße, Garfield.

    P.S.: Jetzt noch ein Interview mit Kitaro (der leider nicht mehr sehr aktiv ist) und Du hast zwei von meine größte „Helden“ interviewt ;-)

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      Sven Rosswog RED

      Hallo Garfield Modular,

      Danke für deinen Beitrag. In einer Abschrift merkt man natürlich nichts von meiner Nervosität, da ich den Lesern ja ein schönes Erlebnis bieten möchte, sonst würde hier gulchgkfökugötukc,k stehen 🙂

      Ja, er hat es geschafft ein interessantes Gleichgewicht zwischen Experiment und Zugänglichkeit zu schaffen und finde es toll, dass er immer experimenteller wird. Vielleicht auch deshalb, weil wegen seiner Vorarbeit elektronische Musik nun fester Bestandteil des Mainstream ist. Wer hätte schon gedacht, dass die Jugend heute in schöner Regelmäßigkeit solche Musik feiert, die man nur alle paar Jahre in einem Massenspektakel von Jarre vorgeführt bekam. Auch wenn sich Ausdruck geändert hat, benutzen wir alle die gleichen Werkzeuge.

      Kitaro wäre interessant das stimmt, aber ich glaube der chillt mittlerweile….

      Ja

  15. Profilbild
    DW71

    Wenn ich in dem Alter so fit, neugierig und voller Schaffenskraft sein darf… dann kann ich mehr als zufrieden sein. Toller Mann und mein persönliches. Danke =]

  16. Profilbild
    Sinus Surfer

    Sehr, sehr interessantes Interview. Und sehr angenehmer, sympathischer Mensch. Viele Legenden sind ja sehr abgehoben.

  17. Profilbild
    KallePeng

    JMJ ein Vorbild durch seine kompositorischen Werke. Bei Ihm sind es nicht 20 belibige Stücke auf einem Album sondern wie bei den großen klassischen Komponisten vollständige Werke.
    Ich habe Oxygen und Equinoxe immer und immer wieder gehört und auf Karopapier die einzelnen Stimmen wie Wind und Geigen als Spuren nachgezeichnet um zu verstehen was er da gemacht hat.
    Einige Jahre später habe ich JMJ glaube ich dann genau so gehört, wie er sich das gewünscht hat.
    Ein klassisches 80ger Klischee habe ich mir in den frühen 90gern geleistet.
    Ein Musik-hör-Zimmer mit einem 4cm dicken Berberteppich, im Schneidersitz im gleichschenkligen Dreieck zu meinen in Kopfhöhe aufgeständerten Celestion Boxen, einem Orthophonsystem für Klassische Musik auf einer Waschbetonplatte entkoppelt an einer Cyrus two mit PSX.
    Zoolook war eine Offenbarung. Bei geschlossenen Augen wandert der Stereosound vom Vinyl um einen herum.
    Die Zoolook auf Vinyl, den Plattenspieler, die Celestionboxen und die Cyrrus Two habe ich selbstverständlich noch und ich habe vor 2 1/2 Jahren sehr viel Geld in die Hand genommen, um die Cyrus two vollständig recappen zu lassen und die Kontakte zu vergolden.
    In so fern freue ich mich, meine Art mit Musik als Consumer um zu gehen von einem von mir sehr hochgeschätzten Musiker im Interview bestätigt wurde :-)
    Die Waschbetonplatte hat meine Wohnungswechsel nicht mitgemacht ;-P

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