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Legendäre Keyboarder: Manfred Mann – seine Musik, seine Geschichte

Manfred Mann - Mr. Minimoog

16. April 2022
Report: Manfred Mann

Manfred Mann an seinen Keyboards. (Foto: Pat King, Verwendung mit freundlicher Genehmigung der offiziellen Manfred Mann’s Earth Band-Seite manfredmann.co.uk)

Gäbe es den Titel „Mr. Minimoog“ – Manfred Mann hätte ihn sich verdient.  Niemand bringt dieses Instrument mehr zum Singen, als der aus Südafrika stammende Ausnahmekeyboarder, der beim Spielen den Synthesizer in einem fort tweakt, die Töne verbiegt und so den Minimoog wie ein natürliches Instrument klingen lässt. Mögen andere Keyboarder ihre Signature-Sounds haben – bei Mann ist es die Art, wie er den Moog spielt, die absolut einzigartig und unverwechselbar ist: „Gitarristen, Saxofonisten, Trompeter usw. haben es da besser – in ihren Instrumenten liegen vielseitige Möglichkeiten in der Klangformung, man muss nur lernen, sie aus den Instrumenten herauszukitzeln“, erklärt Manfred Mann in Keyboards Digital. „Und genauso musst Du nach Möglichkeiten suchen, einem elektronischen Sound etwas Lebhaftes und vor allem persönlichen Ausdruck zu geben. Ich spiele bei einem Solo nicht einfach nur die Tasten, sondern ändere ständig den Sound mit Filter, Attack, Decay usw.“

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Das für viele Manfred Mann-Fans beste Minimoog-Solo ist in dem Song Davy’s on the road again zu hören vom Album Watch. Und für dieses Solo (ab 2:25) gilt wie für alle anderen, dass es aus der Inspiration des Augenblicks entstanden ist: „Ich habe nie ein Solo auch nur eine Sekunde lang nach Noten gespielt. Sie kommen alle aus der Improvisation. Ich weiß vorher nie, was ich spielen werde.“ (fidelity-online)

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Manfred Mann – Keyboarder, Bandleader, Arrangeur

Dabei ist Manfred Mann weit mehr als nur ein besonders begnadeter Keyboarder. Er ist Bandleader, ein hervorragender Arrangeur – vielleicht kein Zufall, dass einige seiner größten Erfolge Coverversionen sind: Mighty Quinn von Bob Dylan oder Blinded by the Light von Bruce Springsteen. „Ich bin kein Stückeschreiber“, erzählt er 2015 im Interview mit fidelity-online. „Vor langer Zeit habe ich deshalb beschlossen, lieber die Songs von anderen auf meine Weise zu spielen. Sie erhielten den Manfred-Mann-Sound.“

Manfred Manns Alben Solar Fire und Roaring Silence standen in den 70er Jahren in jeder gut sortierten Plattensammlung. Und die Manfred Mann-Fans stellten später mindestens noch Watch mit dem großartigen Davy’s on the Road Again dazu und Anfang der 80er Somewhere in Africa, das bereits Jahre vor Paul Simons Graceland westliche Popmusik mit starken afrikanischen Einflüssen mischte.

Aber wer in den 70er Jahren auf Manfred Mann aufmerksam wurde, hatte eigentlich schon die Hälfte von dessen Musiker-Karriere verpasst. Diese ist so vielfältig, dass sie gerne in Chapter – in Kapitel – unterteilt wird.

Anfänge in Südafrika

Manfred Mann wurde in Johannesburg, Südafrika am 21. Oktober 1940 als Manfred Sepse Lubowitz geboren. Seine Eltern waren Nachfahren jüdischer Immigranten. Der Vater arbeitete als Drucker, die Mutter war Pianistin. „Als ich etwa sechs Jahre alt war, zog es mich in die Ecke des Zimmers, wo das Klavier stand“, erzählte Manfred Mann 1993 in einem Interview mit dem Keyboard Magazine. „Ich war zunächst Autodidakt. Irgendwann nahm ich Unterricht, aber das langweilte mich bald, denn ich lernte Noten lesen, aber ich konnte viel besser spielen, als ich lesen konnte…Meine ersten Einflüsse waren Boogie, eigentlich eine Art Blues. Ich besorgte mir ein Buch und arbeitete mich mühsam durch, aber da ich damals in Südafrika aufwuchs, was konnte man da schon hören? Ich hatte nur sehr wenig Zugang zu irgendetwas.“ (The Manfred Mann’s Earthband Archive)    Später studierte Manfred Mann klassische Musik an der Witrandersrand-Universität und verdiente sich Geld als Jazz-Pianist in den Johannesburger Kneipen. 1961 zog er nach London, wo er sich den Künstlernamen Manfred Mann zulegte. Neben seiner Ablehnung des Apartheid-Regimes gab es noch einen weiteren handfesten Grund für Manfred und seinen Musiker-Freund Harry Miller Südafrika den Rücken zu kehren: Das Land am Kap verließ 1961 den Commonwealth, nach einer einjährigen Übergangszeit war es für Südafrikaner nicht mehr möglich eine Arbeitserlaubnis im Vereinigten Königreich zu erlangen.

Report: Manfred Mann

Dieser Sampler gibt einen guten Überblick über Aufnahmen der frühen Manfred Mann-Formation in den Abbey Road Studios: Von 5-4-3-2-1 bis Do Wah Diddy Diddy sind alle Hits vertreten. Manfred trug damals noch seinen berühmten Lincoln-Bart.

Manfred Mann – Chapter 1: Do Wah Diddy Diddy

Als Vollblut-Jazzer gründete Manfred Mann mit dem Schlagzeuger Mike Hugg die Mann Hugg Blues Brothers, aus der freilich bald die Manfred Mann Band werden sollte. Als Sänger stieß Paul Jones dazu, eine der besten British Invasion-Stimmen. Die Band, im Sound „etwas jazziger und glatter als die frühen Rolling Stones und die Animals“ (All Music), schlug ziemlich ein. Mit „5-4-3-2-1“ lieferte die Gruppe die Erkennungsmelodie für die TV-Sendung „Ready, Steady, Go“. Besonders großen Erfolg hatte Manfred Mann mit Coverversionen diverser Girl Groups: „Do Wah Diddy Diddy“ von The Exciters oder „Sha La La“ von The Shirelles.  „Do Wah Diddy Diddy“ war eine Nummer 1 in den USA und in Großbritannien. Dazu kamen ein paar kleinere Hits wie „Pretty Flamingo“ , bei dem übrigens das spätere Cream-Gründungsmitglied Jack Bruce den Bass zupfte, und „Come tomorrow“. Dieses Video von einem Live-Auftritt der Manfred Mann Band von 1965 bringt gleich zwei der damals populären Nummern aus der Paul Jones-Ära: „Water Melon Man“ und „Do Wah Diddy Diddy“ .

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Manfred Mann – Chapter 2: Mighty Quinn

Als Sänger Jones die Band 1966 verließ, soll – so geht die Sage – auch Rod Stewart zum Vorsingen gekommen sein.  Und wurde abgelehnt. Manfred Mann möchte sich in einem Interview im Jahr 2007 daran allerdings nicht mehr erinnern: „Falls das so war, handelte es sich um einen schrecklichen Fehler!“ (Record Collector 2007)  Jedenfalls entschied sich Mann am Ende für Mike D’Abo. Der Sound war jetzt näher am Pop. In dem Song „Ha! Ha! Said the clown“ aus dem Jahr 1967 spielt Manfred Mann übrigens ein Mellotron, das damals noch einen ziemlichen Exoten-Status besaß. Der Titel startete genauso in den Charts durch wie „My name is Jack“ aus dem Jahr 1968. Als absoluter Millionenseller sollte sich allerdings das Dylan-Cover „Mighty Quinn“ (1967) erweisen. Eine Nummer 1 in UK und Deutschland, in den USA Platz 10. Ganze zehn Jahre später sollte Manfred Mann den Song „Mighty Quinn“ noch einmal veröffentlichen –  als Live-Version  auf seinem Watch-Album. Manfred Manns Bearbeitungen von Dylan-Songs (u.a. „With God On Your Side“, „Just Like A Woman“, If You Gotta Go, Go Now) wurden sogar vom Meister selbst gelobt. Es lief also richtig rund für Manfred Mann und seine Band. Aber Manfred Mann wollte nicht die kommenden Jahre damit verbringen, Hits am Fließband zu produzieren: „Künstlerisch wurde es im Laufe der Zeit unergiebiger. Erst als ich mit Mike Hugg ein Jazz-Rock-Band-Konzept entwickelte, fühlte ich mich den alten Idealen wieder näher. Es war jene Zeit, als sich Musiker des Free Jazz mit Rock-Musikern zusammentaten, um neuen musikalischen Horizonten entgegenzustreben.“ (svz vom 15.12.2017)

Hier die spätere Live-Version der Manfred Mann’s Earth Band von Mighty Quinn. Mann spielt eine Hammond M3 – ein Spinet Modell, das aber wie die großen Konsolenmodelle eine Waterfall-Tastatur besitzt. Die M3 wird deshalb manchmal auch als kleine B-3 bezeichnet. Auf der Orgel thronte 1978 längst der Minimoog; er kommt bei diesem Song allerdings nicht zum Einsatz.

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Manfred Mann – Chapter 3: Voller Bläsereinsatz

1969 wird die Platte „Manfred Mann Chapter Three“ veröffentlicht. Übrigens eine der ersten drei Platten des neugegründeten Vertigo-Labes. Die anderen beiden waren die „Valentyne Suite“ von Colosseum und das Debütalbum von Juicy Lucy.  Der Song „Konekuf“ ist reiner Jazz-Rock. Eine psychedelische verzerrte Orgel wechselt mit einem wilden Saxofon, später mischen sich schwere Akkorde der fünfköpfigen Bläsergruppe in das Geschehen ein. Auch „Devil Woman“ beginnt wie eine Jazzimprovisation, bevor der heisere Gesang von Mike Hugg einsetzt. Zu den stärksten Momenten gehört der blueslastige Siebenhalbminüter „Time“. Weiterer Anspieltipp: „Travelling Lady“. „Es begann mit viel Dampf, viel kreativem Feuer, viel Enthusiasmus“, erinnert sich Manfred Mann 1973 im Rock Magazine. (The Manfred Mann’s Earth Band Archive) Er erzählt, dass ihm damals ein bestimmter Bläsersound vorgeschwebt hätte. Statt Terzen verwendete die Band offene Quarten und Quinten: „Viele der Bläserarrangements und das sehr lockere Spiel auf einigen Stücken sind stark von Mingus-Sachen beeinflusst, bei denen alle sehr grob zusammen geblasen haben. Alle Bläsereinflüsse waren Jazz und wir haben versucht, sie über eine sehr rockige Rhythmusgruppe zu legen.“ Es war zweifellos Manns ambitioniertester Versuch, der populären Musik etwas wirklich Neues hinzuzufügen. Die Kritiker erkannten Ähnlichkeiten zu „Blood, Sweat & Tears“ und zeigten sich sehr angetan – bis heute: „Stelle Dir eine dunklere, stimmungsvollere Version von Traffic vor, bei der Manfred Mann anstelle von Steve Winwood an der Orgel sitzt.“  (All Music)  

Auf YouTube gibt es eine rare Aufnahme des Songs Snakesskin Garter vom 9. Februar 1970 aus den Beständen des französischen Institut National de l’Audiovisuel. Ich habe das Video wegen der unübersichtlichen Rechte-Situation hier nicht eingebunden. Aber das Reinhören lohnt unbedingt: Ab 2:20 gibt es ein ziemlich abgefahrenes Orgel-Solo von Manfred Mann zu hören. Beeindruckend auch die vollen Bläsersätze. Und Mike Hugg sitzt am Piano und singt mit brüchiger Stimme.

Es lässt sich wohl schwerlich ein größerer Gegensatz zu dem leichten und fröhlichen Sound von „Do Wah Diddy Diddy“ vorstellen. Ein Großteil der alten Fans konnte mit diesem anspruchsvollen Jazz-Rock mit Sicherheit nichts anfangen. Auch nach der zweiten Platte in dieser Formation blieb der Durchbruch Manfreds Mann versagt, dazu kamen finanzielle Probleme. Die Gehälter für die Roadies und die anderen  Musiker verschlangen nach Angaben des Bandleaders 2.400 Pfund pro Woche.  Für Manfred Mann war es trotzdem eine wichtige Station seiner Karriere:  „Chapter Three war ein Versuch von mir, mir selbst zu beweisen, dass es bestimmte Dinge gibt, die ich tun kann, wenn auch letztlich nicht von Erfolg gekrönt, so doch zumindest mit Ernsthaftigkeit“ (The Manfred Mann’s Earth Band Archive).

Messin‘ von 1973 war bereits das dritte Album der neuformierten Earth Band. Interessant ist, dass sich Manfred Mann damals schon mit dem Thema Umweltverschmutzung auseinandersetzte.

Manfred Mann’s Earth Band

Es war an der Zeit für Manfred Mann, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Er wählte dafür mit Bedacht auch einen neuen Namen: „Das Problem war, dass ich bislang an einem Namen aus dem Jahr 1967 festhielt, und sein früheres Image hat nichts mit der Musik zu tun, die Earth Band heute macht“, erzählte Mann 1972 einem australischen Musikjournalisten. „Außerdem denke ich, dass dies die beste Band ist, die ich je hatte, und ich denke, dass sie ganz vorne stehen sollte.“ (The Manfred Mann’s Earth Band Archive)

In dieser Zeit entdeckte Manfred Mann auch das Instrument, das für seinen Sound absolut prägend sein sollte – den Minimoog. Die ganzen Jahre zuvor hatte Manfred Mann die Möglichkeiten, die ihm als Keyboarder zur Verfügung standen, als einengend und frustrierend empfunden, wie Mann dem Keyboard Magazine 1993 anvertraute: „Als ich mit dem Spielen anfing, gab es nicht viel Auswahl bei der Wahl des Keyboards. Man spielte ein akustisches Instrument, über das man keine Kontrolle hatte, außer die Tasten anzuschlagen. Dann kam die Orgel, bei der man zwar eine geringe Kontrolle über den Klang hatte, bei der aber die Anschlagsdynamik wegfiel. Das war so die ganze Zeit in den Sechzigern. Entweder Klavier oder Orgel.“  (Manfred Mann’s Earth Band Archive)

 

Der Moog Minimoog ist das Soloinstrument von Manfred Mann.

Der Meister des Minimoogs

Im Februar 1973 berichtet Manfred Mann dem Reporter des Rock Magazine: „Vor etwa eineinhalb Jahren sah ich eine Anzeige für einen Moog. Ich probierte einige aus und entschied mich schließlich für den kleinen Moog.“ Zuvor fand Manfred Mann Werbung für Moog-Synthesizer eher abschreckend. „Das waren immer riesige Kisten mit Steckern und Klinkensteckern und Computern zur Voreinstellung und Gerätschaften im Wert von einigen Tausend Pfund.  Aber dann  sah ich dieses kleine Ding.  Ich war so ziemlich der erste in England, der einen hatte.  Ich finde das Instrument sehr ausdrucksstark, und ich glaube auch nicht, dass es sich dabei um ein Gimmick handelt, wenn es richtig eingesetzt wird.  Das Instrument hat das Potenzial, eine neue Art von Tasteninstrument zu sein.“ (The Manfred Mann’s Earth Band Archive)

Das ist wichtig: Manfred Mann ging es bei der Verwendung von Synthesizern weder um ein avantgardistisches Image, noch um den elektronischen Sound. Er wollte nicht Frontrunner einer neuen Technologie sein, sondern er hatte mit dem Minimoog schlicht sein Solo-Instrument gefunden. Mit dem Minimoog konnte Manfred Mann endlich mit Saxofonisten und Gitarristen gleichziehen, die er zuvor glühend beneidet hatte, wegen des engen physischen Kontakts mit dem Klang, den sie erzeugten. Er als Keyboarder vermochte nur eine elektrische Verbindung herzustellen. Und während der Gitarrist einfach nur die Saiten stärker anschlagen musste, um ein Mehr an Lautstärke zu erzielen, blieb dem Organisten nichts anderes übrig, als das Volume Pedal ein paar Zentimeter weiter nach unten zu bewegen. 1975 aber konnte Mann dem Magazin „Sounds“ mit großer Genugtuung verkünden, dass sich die Lage der Keyboardspieler mittlerweile drastisch verbessert hatte: „Es ist also ein großes Paradoxon, dass die Entwicklung der Synthesizer eine Rückkehr zu einer Art physischer Verbindung mit dem Klang mit sich brachte. Es gibt so viel Kontrolle über die Noten, was das Verbiegen von Noten, das Verschieben von Noten, Filter usw. angeht.“ Daraus ergab sich für Manfred Mann eine zwingende Schlussfolgerung: „Ich spiele alle meine Soli auf dem Synthesizer – mit etwas anderem bekomme ich einfach kein Gefühl mehr.“ (The Manfred Mann’s Earth Band Archive)

Ein Oberheim SEM – hier der spätere Nachbau von Tom Oberheim.

Manfred Mann – Filter und Module

Im Interview mit Keyboards Digital erklärt Manfred Mann, wie er seinen Sound erzeugt: „Wichtig ist es vor allem, eine kräftige, harsche Schwingungsform als Ausgangsbasis zu haben, die man dann mit einer intuitiv zu handhabenden Klangbearbeitung formt. Ein gut klingendes und flexibles Filter reicht allein nicht aus, man muss es auch vernünftig ‚tweaken‘ können. Nimm z. B. den Mutator – ein tolles Filter, das auch das Klangspektrum des Voyager noch mal erweitern kann. Die wichtigsten Controller dafür hätte ich am liebsten direkt neben Pitch- und Modulationsrad, um jeden Ton artikulieren zu können.“ Neben seinen Minimoogs, die Mann später MIDIizieren ließ, setzt Manfred Mann also später auch den Nachfolger Voyager ein. Und er kombiniert den Synthesizer mit zusätzlichen Filtern. Bereits früher war Manfred Mann dafür bekannt, ein Oberheim SEM Modul im Zusammenhang mit dem Minimoog zu verwenden, um ein größeres Klangspektrum zur Verfügung zu haben. Im Forum Moog Music findet sich sogar eine Skizze für die notwendige Modifikation am Minimoog. Manfred Mann hatte damals aber noch einen weiteren ausgewachsenen Synthesizer am Start.

Die Mutator Filterbank aus dem Hause Mutronics.

Electrocomp 101

Neben dem Minimoog benutzte Manfred Mann auch den ziemlich raren Electrocomp 101, der von der US-amerikanischen Firma Electronic Music Laboratories zwischen 1972 und 1982 hergestellt wurde. Theo Bloderer beschreibt den Electrocomp 101 auf seiner Seite „Great Synthesizers“: „Konzeptionell ist der EML 101 in Ansätzen dem ARP-2600 ähnlich (interne Vorverdrahtung plus zusätzliche Patch-Bay, Zweiteilung von Synthesizer und Tastatur) und weist optische Parallelen zum Minimoog auf (Oszillator-Einheit – Mixer – Filter-Abteilung).“ Besondere Leckerbissen sind „das stufenlos überblendbare Multimode-Filter, 4 VCOs mit ebenso überblendbaren Schwingungsformen, ein ungewöhnlicher ‚Sampler‘ (S/H), ein Ringmodulator“. Klanglich sei der Electrocomp 101 „völlig eigenständig“.

Report: Manfred Mann

Nur 1000 Stück stellte die Firma Electronic Music Laboratories vom Electrocomp EML 101 her. (Foto mit freundlicher Genehmigung von Lalaland Synth Repair & Mods Gardabaer, Island)

Manfred Mann jedenfalls gerät angesichts dieses Synthesizers und seiner Möglichkeiten geradezu ins Schwärmen: „Nicht viele Leute benutzen den Electrocomp, aber er ist unglaublich gut, weil er eine Zwei-Ton-Kapazität hat. Er ist unglaublich vielseitig und trotzdem ganz einfach zu bedienen. Normalerweise springt der Oszillator auf die tiefste Note, die auf der Tastatur ausgelöst wird. Der Konstrukteur des Electrocomp hatte die geniale Idee, einen Oszillator zu haben, der auf die tiefste Note springt, und einen anderen, der auf die höchste springt. Es ist so eine einfache Sache – es ist nicht wie polyphon – aber der Unterschied zwischen einer und zwei Noten ist ein großer Fortschritt.“  (The Manfred Mann’s Earth Band Archive)

Der Electrocomp EML 101 besitzt 4 Oszillatoren. (Foto mit freundlicher Genehmigung von Lalaland Synth Repair & Mods Gardabaer, Island)

Manfred Mann hat also durchaus auch Interesse an der technischen Seite des Keyboardspielens und der Soundkreation. Aber diese muss immer zweckdienlich sein. L’art pour l’art ist nicht sein Ding: „Das große Problem ist, wann man etwas einsetzt, es geht nicht darum, was man tut, um den Sound zu bekommen. Es geht darum, wie man ihn in den Kontext gewöhnlicher Musik einfügt, anstatt selbstverliebt an der Elektronik herumzufummeln. Das ist das Problem.“

Manfred Mann: Pragmatische Einstellung zu Keyboards

Bei seinen Synthesizern ist Manfred Mann eigen, bei den übrigen Keyboards hat er eine pragmatische Einstellung. Die wird in einem Interview mit dem Fachblatt aus dem Jahr 1991 deutlich: „Abgesehen von den Leadsounds ist es nicht wichtig, was man wählt. Man braucht Klavier, Orgel und ein paar gute Streichersounds. Und die bekommt man aus den meisten Geräten heraus. Ein Gitarrist hat auch nur vier oder fünf gute Sounds, mit denen er arbeiten kann. Schau dir an, was Bruce Springsteen auf der Bühne benutzt: Klavier, Orgel, ein paar Synth-Sounds. Das war’s. Die Atmosphäre ist das, was wichtig ist.“ (The Manfred Mann’s Earth Band Archive)

Gehörte Anfang der 90er Jahre zu Manfred Manns Live Rig – der Yamaha SY77.

Zum Zeitpunkt des Fachblatt-Interviews nutzte er einen Yamaha SY77, der durch die Filter seines Minimoogs lief, und einen Korg M-1  für Klaviersounds: „Ich probiere alles aus, was neu auf dem Markt ist. Die meisten Sachen klingen live nicht gut, nur ein anderer Streichersound und mehr Bläsersounds. Und alle Klaviere sind schrecklich. Ich wollte das Klavier, das ich auf der Bühne benutze, ersetzen. Im Moment ist es das M-1, aber ich bin nicht glücklich damit.“ (The Manfred Mann’s Earth Band Archive) Die Korg Workstation hatte immerhin den Vorteil, dass sie auch Stringsounds lieferte, wofür Mann früher einen ARP Omni mit sich rumschleppen musste.  Gewichtsersparnis wurde anscheinend mit der Zeit zu einem durchaus wichtigen Kriterium für Manfred Manns Keyboard Rig: Denn auf früheren Touren hatte Manfred Mann gerne Yamahas elektrischen Flügel CP-70 genutzt. Aber auch die Hammond-Orgel M-3 wurde später schon mal durch eine Korg CX-3 ersetzt. Auch Rolands V-Combo setzte Mann ein, die von dem japanischen Hersteller als das „ultimative All-in-one Bühnen-Keyboard“ beworben wurde. „Es kann echt funky sein, wenn du damit richtig umgehst“, vertraute Mann Keyboards Digital an.  Weitere Instrumente, die Mann spielte, waren der Korg Z1 und der Yamaha VL 1. Yamahas Physical Modeling Synthesizer schickte Mann beim Song Two Friends vom Album 2006 durch einen Verzerrer. Diese Vorliebe, teure Synthesizer durch eine Fuzz Box zu jagen, teilt Manfred Mann übrigens mit dem Genesis-Keyboarder Tony Banks.

Das Yamaha CP-70 gehörte eine Zeitlang zum Live Rig von Manfred Mann. (Foto mit freundlicher Genehmigung von psv-ddv)

Manfred Mann goes Prog Rock: Solar Fire

Ein ätherischer Chorsound eröffnet das vierte Studio-Album der Manfred Mann’s Earth Band. Das Album heißt „Solar Fire“ (1973). Und der Song „Father of Day, Father of Night“. Kaum zu glauben – aber es handelt sich tatsächlich um die Bearbeitung eines Bob Dylan-Songs.  Die Band errichtet eine majestätische Kathedrale von Sounds, das Ganze ist virtuos gespielt und auch produktionstechnisch auf höchstem Niveau. Manfred Mann schwelgt in Mellotron-Streichern. Und am Ende des Songs ist bereits eines der berühmten Minimoog-Soli zu hören, die Manfred Mann immer weiter perfektionieren sollte. In seiner ursprünglichen Heimat Südafrika eckte der Song übrigens mit der Zeile „Father of black, father of white“ an, weil er als Kritik an der Apartheidspolitik verstanden wurde. „Solar Fire“ ist ein Konzeptalbum, das – inspiriert von Gustav Holsts „The Planets“ – ein kosmologisches Thema aufgreift. Der ausgefeilte Prog Rock hat mit den drei Vorläuferalben Manfred Mann’s Earthband (1971), Glorified Magnified (1972) und Messin‘ (1973) nicht mehr viel gemeinsam. Das erste und dritte Album sind noch sehr dem Blues verpflichtet. Am ehesten bereitet wohl Glorified Magnified mit langen, ausgearbeiteten Instrumentalteilen den neuen Stil der Earth Band vor.

Die Live-Version von „Father of Day, Father of Night“ verzichtet auf das Chor-Intro und die Mellotron-Streicher, den Synthesizer benutzt Manfred Mann zur Bassverstärkung und spielt das Solo auf der Orgel.  Die Magie des Songs entfaltet sich trotzdem:

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Das Musikmagazin eclipsed rechnet „Solar Fire“ zu den 150 wichtigsten Prog-Alben überhaupt, mit dem sich Mann einen Platz in der „Ahnengalerie des Progrocks“ erspielt habe. War das 10-minütige „Father of Day, Father of Night“ nicht unbedingt Radio-Kost, hatte „Solar Fire“ mit dem Dreieinhalbminüter „Joybringer“ auch für die Charts etwas zu bieten. Insgesamt ist „Solar Fire“ ein Meisterwerk des Genres. Übrigens auch mit einer guten Portion Humor, wenn in dem Song „Pluto the Dog“ plötzlich ein Hund bellt.

The Good Earth und Nightingales & Bombers

The Good Earth knüpfte da sozusagen nahtlos an. Ein lauter Hahnenschrei eröffnet das Album. Bemerkenswert  beim Eröffnungsstück ist neben dem Gegacker vor allem ein weiteres phantastisches Minimoog-Solo von Manfred, das Mike Rogers an der Gitarre kongenial weiterspinnt. Das Album lotet das Spannungsfeld zwischen Hard und Prog Rock aus – mit gelegentlichen Ausflügen in britischen Bluesrock. Die Platte wurde mit einem speziellen Marketing-Gag promotet – Gutscheine für ein kleines Stück Land in Wales. Auf der Rückseite des Covers war zu lesen: „Der Eigentümer dieses Albums hat Anspruch auf Rechte an einem Quadratfuß Erde in Llanerchyrfa in der Grafschaft Breron, Wales in Großbritannien, vorbehaltlich der Registrierung am oder vor dem 31. Dezember 1975.“ Dieser Gimmick half dem Album aber auch nicht auf die Füße. Kommerziell war The Good Earth ein Flop, in den USA wurde nicht einmal eine Single veröffentlicht. 

Nightingales & Bombers ist das letzte Album Manns in der ursprünglichen Earth Band Formation. Die Songs sind kürzer, poppiger und gehen größtenteils richtig ab. Das gilt gleich für das Eröffnungsstück „Spirits in the Night“, das erste Bruce Springsteen-Cover der Earth Band. Der Song schaffte es prompt in die Charts und gab auf einen Vorgeschmack auf das, was da noch folgen sollte.  Fans von Manns Synthesizerorgien kommen wiederum voll auf ihre Kosten. Der Album-Titel  spielt auf einen britischen Ornithologen an, der während des 2. Weltkriegs im britischen Surrey Nachtigallen aufnehmen wollte –  und dabei zufällig eine über ihm fliegende Bomberstaffel mit auf Tape bannte. Die Originalaufnahme wurde für das Ende des Songs „As above so below“ verwendet.

Das markante Cover von The Roaring Silence. Es ist das erfolgreichste Album der Earth Band.

Manfred Manns Meisterwerk: Roaring Silence

Das nächste Album „Roaring Silence“ (1976) besitzt ein ikonisches Cover, das ein Ohr zeigt, in dem ein Mund sitzt. Das Album lieferte ein weiteres Springsteen-Cover, das sich zu einem  absoluten Ohrwurm entwickeln sollte: „Blinded by the Night“.  Kurz nach dem perkussiven Orgelintro setzt die unverwechselbare Stimme des neuen Sängers Chris Thompson ein. Manfred Mann prägt das Album mit starken Effekten  wie etwa dem Synthesizer-Glidesound bei „Blinded by the Light“ und den Phasersounds auf „Singing the Dolphin through“. Insgesamt aber  spielt er eher zurückhaltend und geradezu „songdienlich“. In jedem Moment des Albums ist zu spüren, dass die Chemie zwischen Keyboarder und neuem Sänger hervorragend funktionierte. Der bisherige Gitarrist und Sänger Mick Rogers wirkte an dem Album nur noch als Backgroundsänger mit. Den Gitarrenpart übernahm David Flett.  Das Album hat viele starke Momente, wie etwa das Chor-Intro von „The Road to Babylon“. Es wirkt fast wie eine Reminiszenz an „Father of Day, Father of Night“  von „Solar Fire“. Mike DeGagne schreibt auf All Music: „The Roaring Silence ist von verschleierter Poesie durchdrungen, kryptisch und gleichzeitig faszinierend, an der Grenze zur Komplexität des Progressive Rock, aber weit entfernt von dessen Wichtigtuerei. ‚The Roaring Silence‘, das schließlich Goldstatus erreichte, wurde sowohl kommerziell als auch künstlerisch das beste Werk der Gruppe.“

Im Live-Video ist übrigens sehr schön das Oberheim Modul zur Linken des Minimoogs zu sehen. An die Stelle der Hammond ist eine Korg-Orgel getreten, die auf einem Yamaha CP-70 ruht. Ebenfalls gut zu erkennen – ein Roland Space Echo.

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Alle konnten mit dem Album glücklich sein – bis auf Bruce Springsteen. Im Gegensatz zu Bob Dylan, der Manfred Mann bescheinigte, dessen Coverversionen seien besser als die ursprünglichen Originalkompositionen, war Springsteen wohl nicht sonderlich erbaut. Im Original heißt es „Blinded by the light – Revved up like a deuceAnother runner in the night – Blinded by the light.“ „Deuce“ ist bei Springsteen eine Referenz an das Ford Modell B aus dem Jahr 1932 mit V8-Motor. Ein Klassiker unter den Automobilen, der auch Deuce Coupé genannt wurde. Manchen ist der Wagen vielleicht bekannt durch Stephen Kings „Das letzte Gefecht“. „Revved up like a deuce“ wäre demnach zu übersetzen mit „Auf Touren bringen wie einen Deuce“. Daraus wurde bei der Earth Band „Wrapped up like a douche“ – „Eingepackt wie eine Intimdusche“.

Erfolg mit Intimspülung

Manfred Mann ist die Sache heute noch etwas peinlich. Im Gespräch mit Record Collector gibt er sich zerknirscht. „Ich glaube nicht, dass Springsteen unser Blinded By The Light mochte, denn wir sangen „Wrapped up like a douche“ und es war nicht so geschrieben und ich habe es komplett vermasselt. Es klang wie ‚Douche‘ statt wie ‚Deuce‘, und das hatte produktionstechnische Gründe – ein fehlerhafter Azimut aufgrund der Winkel der Tonbandköpfe, und das bedeutete, dass wir es nicht remixen konnten.“  Dabei machte das Plattenlabel Warners in den USA mächtig Druck auf die Band, den Fehler zu beheben. Die Radiostationen im sogenannten „Bible Belt“ würden Probleme mit so einem Song haben. Texte, in denen von einer Vaginalspülung die Rede wäre, könnte man den Zuhören nicht zumuten. Doch alle Versuche, die Stelle auf dem Master zu verändern, so dass es wieder nach „deuce“ klang, gingen zu Lasten des Gesamtsounds.  „Es klang nur schrecklich“, erklärt Mann und so ließ man die Stelle unverändert und übte sich in Fatalismus: „Wenn es kein Hit ist, dann ist es halt keiner. Aber am Ende war es die Nr. 1 in Amerika, und so viele Leute kamen danach zu uns und sagten: ‚Wisst ihr, warum es die Nr. 1 wurde? Alle haben darüber geredet, ob von einem Deuce oder einer Dusche die Rede ist’.“ Der Boss fand das wohl nur mäßig amüsant, erinnert sich Mann:  „Anscheinend dachte Springsteen, wir hätten es absichtlich gemacht, was nicht der Fall war, und wenn ich ihn mal sah, ging ich ihm aus dem Weg und schlich mich davon wie ein eingeschüchterter kleiner Junge.“(Record Collector 2007)

Watch war bereits das achte Album der Earth Band. Mit Davy’s on the road again enthält es einen der populärsten Songs der Gruppe.

Watch – Quintessenz oder lauwarmer Aufguss?

Mit „Watch“ aus dem Jahr 1978 konnte die Earth Band den Erfolg teilweise fortsetzen. Die beiden großen Hits des Albums sind Coverversionen – Bob Dylans „Mighty Quinn“ hatte sich Manfred Mann bereits 10 Jahre zuvor mit großem Erfolg angenommen. Und Davy’s on the Road Again stammt aus der Feder von John Simon und Robbie Robertson. Beide Lieder sind übrigens Live-Aufnahmen, die für die Veröffentlichung auf dem Album im Studio nachbearbeitet wurden und weitere Overdubs bekamen. Watch verkaufte sich besonders in Deutschland und den skandinavischen Ländern gut, in UK und den USA dagegen konnte das Album bei Veröffentlichung nicht durchstarten. Die Meinungen über Watch gehen auseinander: Der All Music-Kritiker Mark Allan moniert das Fehlen von starkem Song-Material, vergleichbar den beiden Springsteen-Stücken der früheren Alben, und vergibt lumpige zwei Sterne: „Mit den Jazz-Anleihen des Keyboarders Manfred Mann, die mit einer Rockband verschmolzen werden, klingt das Ganze wie Colosseum ohne Bläser.“  Für viele Fans stellt „Watch“ dagegen schlicht die Quintessenz der Earth Band dar.  Auch die auf Prog Rock abonnierte Fachzeitschrift eclipsed kürt „Watch“ zu  Manfred Manns bestem Album. Eines steht wohl außer Frage: Dass Davy’s on the Road Again einer der stärksten Songs in Manfred Manns Repertoire sein dürfte mit seinem vielleicht berühmtesten Solo auf dem Minimoog. Weil wir das Video dazu bereits am Anfang des Beitrags abgefeuert haben, hier ein anderer Song vom Watch-Album – California, mit einem sehr gefühlvollem Synthesizer-Solo ab 4:00.

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Manfred Mann als Uni-Dozent

Manfred Mann hatte inzwischen akademische Verpflichtungen angenommen: Von 1977 bis 1979 lehrte er das Fach Popmusik am Goldsmith College der London University. Ende 1978 löste er die Earth Band sogar auf, doch da hatten die Arbeiten an „Angel Station“ schon begonnen.   Veränderung und Auflösung lagen in der Luft. Die Fans konnten das auch daran erkennen, dass auf der Rückseite des Covers angekündigt wurde, dies sei das letzte Album mit Sänger Chris Thompson . Wiederum verkaufte sich das Album hervorragend in Deutschland, aber nicht auf dem britischen und US-amerikanischen Markt. Nach der akademischen Pause war das Album „Chance“  im Jahr 1980 so etwas wie ein Comeback-Versuch. Aber obwohl Chris Thompson bei drei Songs doch noch einmal den Sänger gab und mit „For You“  wieder ein Bruce Springsteen-Cover auf dem Menü stand, mochte der Funke nicht mehr so recht überspringen. Neben Thompson wirkten fünf weitere Sänger (inklusive Manfred Mann selbst) mit,  wodurch „Chance“ weniger kohärent klingt als die Vorgänger-Alben.

Hier der Song „Lies (Through The 80’s)“, bei dem Manfred Mann auch selber singt. Beim Editing des Clips muss etwas durcheinandergeraten sein: Manfred Mann hat bei Passagen, die hundertprozentig auf dem Minimoog gespielt wurden, die Hände auf dem ARP Omni. Der Refrain erinnert mich übrigens sehr an einen bestimmten Nena-Song…

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Somewhere in Africa

Unter den späteren Alben Manfred Manns nimmt Somewhere in Africa aus dem Jahr 1982 eine Sonderstellung ein. Es ist Manfreds Manns „Ode an sein Heimatland Südafrika“ (All Music) , eine Abrechnung mit der Apartheidspolitik und zugleich (zusammen mit den Arbeiten von Peter Gabriel) ein Pionieralbum, das Einflüsse afrikanischer Musik in westliche Pop-Musik integriert. Die afrikanischen Gesänge zeichnete der Bassist der Band – Matt Irving – vor Ort auf. Später wurden sie im Studio mit den Aufnahmen der Band abgemischt. Drums und Percussion spielen auf Somewhere in Africa eine größere Rolle als bei anderen Alben der Earth Band. Wiederum finden sich einige Cover-Versionen: Demolition Man von Sting, Redemption Song von Bob Marley und Nostradamus von Al Stewart. Seit Roaring Silence erfuhr Manfred Mann erstmalig wieder eine gewisse Resonanz in den Staaten (Platz 40). Ich teile allerdings die Einschätzung von All Music-Kritiker Mike DeGagne, wonach das Album eine wesentlich höhere Platzierung verdient hätte. Nur vier Jahre später brachte Paul Simon sein hochgepriesenes Album „Graceland“ heraus. Nicht ohne gewisse Süffisanz hat Manfred Mann in einem Interview Ende der 80er Jahre auf das Vorbild für Graceland hingewiesen. „Ich will jetzt nicht zu viel daraus machen, aber einige der Musiker, die ich getroffen habe und die an Graceland mitgearbeitet haben, haben mir erzählt, dass er meine Platte ständig als Referenzpunkt benutzt hat.“ (The Manfred Mann’s Earth band Archive)

Manfred Mann hat große Teile von  Somewhere in Africa auf einer Tournee durch 10 Länder auf 50 Konzerten vor mehr als 350.000 Besuchern aufgeführt. Während der Tour wurde auch ein Live-Album aufgenommen: Budapest.

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Manfred Mann: Mein bestes Album

Einen vergleichbaren Ansatz wie bei Somewhere in Africa wählte Manfred Mann 1992 für das Album Plains Music, das auf der Musik der nordamerikanischen Indianer basiert. Manfred Mann liegt es besonders am Herzen, wie er 2015 dem Reporter der Süddeutschen Zeitung verriet. „Mein bestes Album war Plains Music 1991 unter meinem eigenen Namen. Das wurde in Südafrika aufgenommen, mit einigen tollen einheimischen Musikern, zudem wurden Melodien nordamerikanischer Indianer verarbeitet“. Dieses Album war tatsächlich für mich eine persönliche Entdeckung, als ich jetzt für diesen Artikel noch einmal Manfreds Manns musikalisches Schaffen durchforstete. Ein sehr ruhiges, introspektives Album, das manchmal fast an New Age erinnert  – aber im guten Sinne.

Zusammenarbeit mit Thomas D

Wer Demons and Dragons – Titelsong auf Manfred Manns Album 2006 – hört, der merkt auf. Plötzlich ertönt deutscher Rapgesang. Die Stimme: Thomas D, Mitglied der bekannten Hip-Hop- und Rap-Band Die Fantastischen Vier.  Zuerst hatte er Manfred Mann sogar eine Absage erteilt, doch der ließ nicht locker und schickte ihm einfach die Bänder zu. Und am Ende biss Thomas D doch noch an. Auch beim Schlussstück Independent Woman ist er dabei: „Ich wollte jemanden, der etwas auf Deutsch auf dem Album sagt. Es schien einfach eine interessante Sache zu werden“, erzählt Manfred Mann. „Seine Beteiligung bei Independent Woman war zunächst gar nicht geplant, aber wir haben es einfach ausprobiert, und es hat gut funktioniert. Ich verstehe leider nur schlecht Deutsch, aber man hat mir gesagt, dass er sehr gute Texte geschrieben hat.“ (svz vom 15.12.2017)

Report: Manfred Mann

Manfred Mann am Minimoog auf dem Cover eines etwas obskuren Samplers, der mich nach dem Verkauf meiner LP-Sammlung mit Earth Band-Essentials versorgte: Von Father of Night, Father of Day bis Demolition Man.

Manfred Mann is on the road again

Das alles zeigt, dass Manfred Mann neugierig geblieben ist und immer wieder etwas Neues ausprobieren möchte. Ständig die gleichen Formeln zu verwenden ist seine Sache nicht. Ganz tief im Herzen ist er natürlich immer ein Jazzer geblieben, der aber ein unglaubliches Händchen für Pop-Musik besitzt. Noch 2007 antwortet er im Interview mit dem Record Collector auf die Frage, in welcher Band er wahnsinnig gern mal gespielt hätte, mit Mahavishnu Orchestra – für die sei er aber nicht gut genug gewesen. Und er liebt den norwegischen Jazzmusiker Jan Garbarek. Als seine Lieblingsplatten nennt er Bachs Kunst der Fuge mit dem Stuttgarter Kammer Orchester und Dave Brubecks Jazz Goes To College. Guter Geschmack ist es, was diesen Musiker zu allererst auszeichnet. Auch wenn ich mich hier vor allem auf die Meilensteine konzentriert habe, und auf Alben wie Criminal Tango (1986) oder Masque (1987) mit der Sängerin Maggie Ryder nicht weiter eingegangen bin – anders als etwa bei Rick Wakeman gibt es bei Manfred Mann keine Werke, die des Dichters Höflichkeit verschweigen müsste. „Auch wenn sein kommerzieller Magnetismus zurückgegangen war, bewies Mann…dass seine Kreativität ungebrochen ist.“ (B. Graves, S. Schmidt-Joos: Das neue Rock Lexikon, Hamburg 1990 S. 495)

Vor zwei Jahren ist er 80 geworden. Immer noch arbeitet Manfred Mann an neuen Stücken und geht auf Tour – in diesem Frühjahr und Sommer ist er wieder in deutschen Landen unterwegs. Und er wird den Moog genauso beseelt spielen, wie zu den Zeiten der alten Earth Band Mitte der 70er Jahre: „Ich versuche, das Instrument kreativ zu spielen, und ich versuche persönlich, gute Musik zu machen, aber es geht mir nicht darum, mich im Gegensatz zur Band zu promoten. Es geht mir nicht darum, ein Keyboard-‚Name‘ zu sein – ich bin mehr an der Richtung der Band interessiert.“ (Manfred Mann’s Earth Band Archive)

 

 

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Forum
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    Emmbot AHU

    Cooler Künstler, geile Mukke. Den hab ich auch schon live gesehen. Kann ich weiter empfehlen.

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    LivUsic

    Meine Wahrnehmung von Manfred Mann und seiner Earth Band war bislang eher limitiert, die größten Hits kannte ich und Somewhere in Africa hatte ich seinerzeit gekauft und geliebt. Aber so richtig habe ich die Band zu ProgRock-Zeiten leider nicht erlebt (Jahrgang 1966). Dein Artikel hier hat mich wieder neugierig gemacht. Und Gänsehaut war beim Hören der ein oder anderen Perle auch im Spiel. Danke dafür, und für die Würdigung eines großen Musikers. Jetzt lege ich ihn aber erst mal auf den Plattenteller… frohes Fest!

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      costello RED

      Danke LivUsic für Dein nettes Feedback! Neugierde beim Leser zu erwecken, einen Künstler sich noch mal genauer anzuschauen/anzuhören – mehr kann sich ein Autor nicht wünschen :)

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    calvato

    Achja, Manfred Mann….!
    Ich hab ihn 2003 getroffen, wir teilten eine Garderobe. Ein sehr netter, leicht kauzig aussehender älterer Herr, sehr freundlich aber zurückhaltend.
    Auf die Frage, was er derzeit für Musik höre, antwortete er „Wo ich gerade in Deutschland bin: ich mag Rammstein!“ :D
    Leider fanden unsere Konzerte fast zeitgleich statt, weshalb ich ihn mir nicht ansehen konnte… :/

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    mdesign AHU

    manfred mann und minimoog waren für mich immer eins. neu für mich ist, dass er schon damals drahtlos unterwegs war, wie das erste foto eindrucksvoll zeigt.

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      costello RED

      Hi mdesign, ich war sehr froh, dass ich von der M. Mann-Lizenzabteilung überhaupt ein Original-Foto zur Verfügung gestellt bekommen habe. Kommerzielle Webseiten kaufen ein Agenturfoto ein und gut ist. Ich hätte auch lieber ein farbiges Foto gehabt, weil bei schwarzweiß denken viele gleich an einen Nachruf – und Manfred ist ja rüstige 82 Jahre alt und tritt noch auf.

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        mdesign AHU

        alles gut, lieber costello, im historischen kontext ist das erlaubt. auch wenn das foto in sachen lieblosigkeit und mangelnder professionalität maßstäbe setzt (kein anschluss der geräte, zu hartes licht, partielle überbelichtungen, unschöner mikroschatten und vor allem die demonstrative unlust des protagonisten), so ist es doch gerade deshalb ein zeitdokument, das auch hinweise auf MM gibt.

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          costello RED

          Lunatic und MichBeck haben weiter unten wohl die Lösung des Rätsels gefunden: Vor einem Konzert – noch vor der Verkabelung, wenn die Spielhöhe der Instrumente kurz gecheckt wird. Oder bei einer Video-Produktion. Das Foto stammt ja vom Bassisten der Band Pat King und wird bei einer dieser beiden Situationen entstanden sein. Das erklärt auch das nicht professionelle Licht und den etwas muffeligen Gesichtsausdruck des Keyboarders.

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        mort76

        Das ist ja hier auch nicht die BRAVO.
        Da finde ich so ein seltsames Foto erfrischend „anders“…jedenfalls hat die Lizenzabteilung wohl Humor.

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    0gravity

    Und wieder wird einer meiner musikalischen Helden hier gewürdigt, vielen Dank dafür.
    Manfred Mann war immer mein zuverlässiges Gegenbeispiel, wenn ich mal wieder mit der clichéhaften Aussage konfrontiert wurde, „Synthesizermusik“ sei kalt und seelenlos.

    Neben seinem ausdrucksstarken Synthesizerspiel finde ich auch bemerkenswert was er aus den Songs anderer Musiker gemacht hat.
    Bisher wurde ich noch immer enttäuscht wenn ich die Originalversion eines Songs gehört habe, den ich zuvor als Coverversion von Manfred Manns Earth Band kennengelernt hatte.

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      costello RED

      Danke 0gravity! Die Kunst des Cover-Songs hat Manfred Mann wirklich perfektioniert. Bob Dylan hat uns ja ein Universum großartiger Lieder geschenkt, aber seine eigenen Interpretationen speziell in der Frühzeit sind wirklich etwas für Klangasketen.

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    steme

    Vielen Dank fuer den prima Artikel. Sehr gut recherchiert und geschrieben!
    Bestes Pop/Rock live Konzert gesehen in Ludwigshafen, Anfang der 80er mit Chris Thompson. Das war unglaublich: Die Spielfreude der Band, Lightshow, und vor allem: 1A Sound. Habe ich seitdem nie wieder irgendwo auf der Welt auch nur anaehernd so erlebt! Was fuer ein Erlebnis…

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      costello RED

      Danke steme! Und mit 82 geht er immer noch auf die Bühne. Wenn ich das in dem Alter (wenigstens theoretisch) noch könnte, würde ich mich freuen :)

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    Dirk Matten RED

    Ganz abgesehen davon, dass beide Instrumente auf dem ersten Foto weder an den Strom, noch an einen Verstärker angeschlossen sind, das erwähnte Minimoog Solo aus meiner Sicht nichts Erwähnenswertes darstellt, das macht/kann jeder halbwegs begabte Musiker mindestens ebenso (habe in meiner Firma einige hundert Minimoogs an den Mann gebracht), hatte sich bei mir in den 60er-Jahren immer die Frage gestellt, warum sich die Musikgruppe „Manfred Mann“ genannt hat, die Rolling Stones hießen ja auch nicht „Brian Jones“. Aus meiner bescheidenen Sicht, keine stilprägende Formation, egal in welcher Besetzung. Das oft in den Videos zur Schau gestellte merkwürdige Gehampel des Bandgründers und das grenzdibile Dauergrinsen vo Tom McGuinness empfand ich (vorsichtig ausgedrückt) als unschön.

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      costello RED

      Lieber Dirk, Dein Kommentar zeigt nur, dass nicht jeder Musikalienhändler auch automatisch Ahnung von Musik haben muss. Trotzdem frohe Ostern :)

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        Dirk Matten RED

        Lass uns festhalten, dass du anders bewertest, das sei dir gestattet, deinen persönlichen Affront gegen mich halte ich für unhöflich und überflüssig.

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          costello RED

          Unhöflich und überflüssig finde ich es, im Gestus des ewigen Besserwissers einen Künstler runterzuputzen (dabei durchaus persönlich zu werden – „Gehampel“, „grenzdebiles Grinsen“), beim Inabrede-Stellen des musikalischen Gehalts eines Synthesizer-Solo die Kompetenz des Rezensenten irgendwie gleich mit in Frage zu stellen und sich über nicht angeschlossene Instrumente auf einem Foto zu mokieren. Mir wäre es auch lieber, wenn ich aus einer professionellen Foto-Datei mir die Bilder für meine Stories zusammenstellen könnte. Wie Du weißt, hat die Redaktion aber dafür keinen Etat. Dann kann man sagen, das ist halt so, oder man schreibt lange nette Mails an Lizenzabteilungen und bittet um die Rechte für ein Foto. Als Amazona-Insider weißt Du um diese Umstände und deshalb finde ich solche missgelaunten Kommentare überflüssig.

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      digital-synthologie AHU

      Ich hatte nach der Beschreibung auch irgendwie mehr bei den Solos erwartet.
      Aber vielleicht waren damals die Ansprüche anders.

      Und das Ding hatte ja nicht mal Anschlagsdynamik.

      Aber eh nicht meine Musik.

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        costello RED

        Hi digital-synthologie, für einen umfassenderen Überblick über Manns Minimoog-Soli müsstest Du Dir vielleicht noch die Original-Platten anhören. Manfred war halt früh dran mit dem Minimoog und hat vieles, was heute selbstverständlich erscheint bei der solistischen Spielweise eines Synthesizers, mitgeprägt. Etwa dieses Down-bending eines Tons, was wie ein Seufzen klingt. Dieser typische warme Minimoog-Klang ist auch typisch Mann. So wie Rick Wakeman fast ständig einen Portamento-Effekt beim Solieren hatte und mehr mit Filterresonanz-Sounds arbeitete. Oder Jan Hammer wiederum den Minimoog über übersteuerte Gitarren-Amps laufen ließ, um seinen speziellen E-Gitarrensynthesizersound zu erzeugen. Vieles davon haben spätere Synthesizerspieler sich angeeignet als eine Art Kanon von Ausdrucksformen – deshalb ist der Einfluss von Manfred Mann tatsächlich nicht zu unterschätzen.

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      mort76

      „Das oft in den Videos zur Schau gestellte merkwürdige Gehampel des Bandgründers und das grenzdibile Dauergrinsen vo Tom McGuinness empfand ich (vorsichtig ausgedrückt) als unschön.“

      Ja…aus dem Mann hätte glatt was werden können, wenn er sich auf solche Kritik eingelassen hätte…schade.
      So muß er halt auch nach 51 Jahren noch weltweit durch die Konzerthallen tingeln- es ist tragisch.
      Möge dir dieses Schicksal erspart bleiben…

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    Tyrell RED

    Meine Begeisterung für Manfred Mann wurde erst 1980 geweckt durch das Album Chance. Für mich ein grandioses Meisterwerk, dass ich auch heute noch oft höre. Definitiv eines meiner TOP 10 FAVORITES. Gerade die Mischung aus progressivem Rock und Pop hat mich total gefesselt. Danke Dir Costello für diese umfangreiche und schöne Ehrung!!!

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      costello RED

      Danke Peter! Chance mag durch die diversen Sänger etwas weniger Zusammenhang haben, als die Alben wo Thompson den Job alleine gemacht hat. Aber die Songs und das Spielgefühl sind top. Erholsame Feiertage !

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        vco5

        Ich halte in der „mittleren“ Erfolgsphase die Stimme von Chris Thompson mindestens genau so entscheidend, wie evtl. die Ausführungen von M.Mann. Für mich ist diese Stimme eine der Besten in der Rockmusik, kräftig, prägnant und nie nervend, ausdrucksstark.
        The golden helmet blinded mine…….das ist bei mir Gänsehaut.

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          costello RED

          Absolut – Chris Thompson hat eine tolle Stimme, sofort wiedererkennbar – ein Glücksfall für die Earthband.

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    chardt

    1980, Kiel, Ostseehalle: MMEB auf Chance-Tour, mein erstes Rock-Konzert jenseits von Schüler-Bands. „Chance“ war zwar schon der Beginn des musikalischen Abstiegs, aber das Konzert war für mich einfach ein prägendes Erlebnis.

    Danke für den Artikel, Costello, und nur eine ganz kleine Anmerkung: Wenn man Mighty Quinn und Davy’s on the road again zu häufig gehört hat, dann kommt die Wahrheit ans Licht – DAS Lied auf „Watch“ ist natürlich Martha’s Madman!

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      0gravity

      „Marthas Madman“ ist neben „Angels at my Gate“ auch mein Lieblingstitel von MMEB.
      Wobei für mich „Angel Station“ und „Chance“ die perfekte Symbiose aus Rock, Pop und lebendigen Synthesizerklängen darstellen. Dazu kommt noch die Stimme von Chris Thompson, die in meiner Jugend dazu beigetragen hat, dass ich auch Musik mit Vocals gut finden konnte.;)
      Irgendwie hat Manfred Mann bei mir aber sowieso eine Ader getroffen, ich finde fast alles was er von „Solar Fire“ bis „Somewhere in Africa“ gemacht hat großartig.

  10. Profilbild
    lunatic AHU

    Die Frage > wann wurde das obige Foto geschossen < ist mmn nicht ganz uninteressant. Fotos sind heutzutage leider nahezu Beweismittel No.1…. Politik beiseite, ist ja schließlich Ostern. Ich glaube ganz fest daran, daß die Keyboards gerade vom Roadie aufgestellt wurden und der Tastenmann gerade checkt ob sie vernünftig stehen. Ein Foto während eines Livekonzerts sehe ich da nicht. Daher eventuell der etwas strenge und unmotivierte Gesichtsausdruck. Wäre das ein topofthepops oder hitparaden- Auftritt, ok, da ist ein Verkabeln nicht wichtig. Trotzdem hätte der Protagonist auf dieses Detail sicherlich geachtet. Das sage ich als Nichtfan

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      MichBeck

      Das Foto scheint bei der Entstehung des Musikvideos von „For you“ entstanden zu sein.
      Selbes Outfit, selbe Anordnung der Instrumente und keines davon angeschlossen.

      Entweder musste es schnell gehen (da es so scheint als sei es ein Mitschnitt einer Musiksendung) oder Herr Mann ist doch nicht so detailverliebt.

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        lunatic AHU

        Ok Mich,
        wenn das so sein sollte wärs auch ok. Seit H.P. Baxxter, Blümchen und DJ Bobo ist mir grundsätzlich vieles egal und ich nehme es wie es ist. Synths nicht verkabeln ist selbst Orbital im TV passiert Anfang der 90er. Von daher

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          costello RED

          Das Foto ist ja vom damaligen Bassisten der Band Pat King aufgenommen, und der wird vermutlich während eines Konzerts die Finger auf dem Griffbrett und nicht an der Kamera gehabt haben. Deshalb passen diese beiden Erklärungen zur Entstehungsgeschichte des Fotos sehr gut – vor einem Konzert, oder beim Drei zu einem Video. Bei „Lies (Through The 80’s)“ wurde beim Schnitt ja auch nicht darauf geachtet, welches Instrument Manfred tatsächlich gerade spielte. Da wurde auf Perfektionismus anscheinend nicht so viel Wert gelegt.

  11. Profilbild
    ukm

    Ich habe mehrere Konzerte der MMs Earthband erlebt, und es war jedesmal aufs Neue wieder interessant.
    Seine Soli hat er live immer wieder anders interpretiert, wobei das dann je nach den Erwartungen des Zuhörers mal mehr, aber auch mal weniger eindrucksvoll war, als man das von der Originalaufnahme kannte.
    Das mag auch an den verwendeten Instrumenten gelegen haben. Der Minimoog und die alte Korg CX-3 waren charakteristisch in Sachen Soundqualität. Die später verwendeten Instrumente von u. a. Novation oder Hartmann Neuron (keine Ahnung, ob er den auch live eingesetzt hat) konnten nach meinem Empfinden die Spielweise klanglich nicht so umsetzen, wie man das vorher kannte. Ich wage mal zu behaupten, dass man das auch am Gesichtsausdruck erkennen konnte.
    Ein großartiger Musiker, der mich über Jahrzehnte begeistert hat.

  12. Profilbild
    TobyB RED

    Tolle Würdigung für den Vorläufer des modernen Keyboard und Synthesizer Spiels!

    • Profilbild
      costello RED

      Danke Toby, Du hast die Bedeutung vom Manfred kurz und prägnant auf den Punkt gebracht :)

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        TobyB RED

        Bitte :-) Ich dreh morgens bei Koschwitz auf HR1 das Radio lauter, wenn For You, Mighty Quinn oder was anderes von Manfred Manns Earth Band gespielt wird. Und von seinem Spiel kann selbst so ein Disco Opa wie ich noch viel lernen ;-) Alleine die Handwechsel zwischen Akkord und Solo sind schon wegweisend. Wo andere alles mit Technik erschlagen, reichen hier zwei Hände und das ist Klasse.

  13. Profilbild
    YesYazz

    Erstmal Großes Dankeschön für die Story. Ich habe MMEB beim Tag der Niedersachsen 2000 in Peine erlebt. Alles live inkl. Pannen und allem was dazu gehört. Der Funke sprang über auch auf das Publikum, das nicht explizit zum Konzert angereist war. Ich spiele auf meinem Amateurniveau einen ählichen Stil und die Instrumentenhistorie entspricht auch meinem Werdegang in etwa, Immer noch sehr inspirierend und gut zu hören. Die Stilvielfalt macht das Hören nicht langweilig. Lang lebe und trete er auf!
    Andreas

    • Profilbild
      costello RED

      Danke bayer05! Ich finde auch, dass da zwischen Blinded by the Light und Tribal Statistics oder Demons and Dragons so viel Vielfalt liegt, dass man ein paar Abende mit Manfred Mann verbringen kann, ohne dass einem langweilig wird. Und wer mit 82 noch auf eine Bühne klettert, hat sowieso meinen Respekt :)

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        dAS hEIKO AHU

        Jo. Daß man von Do wa diddy zu Ha! Ha! Said the clown kommen kann OK. Aber die Bandbreite zu sowas wie the runner zeugt schon von musikalischer Energie. So naheliegend ist das nicht. Respekt

  14. Profilbild
    swissdoc RED

    Es muss gegen Ende der 1970er gewesen sein, als meine Schwester ein paar Platten von einer Freundin mitbrachte. Da war Oxygene von Jarre dabei, was von Klaus Schulze und Solar Fire von Manfred Mann’s Earth Band. Oxygene war klar mein Favorit, mit Schulze konnte ich so recht nichts anfangen und bei Solar Fire hatte es mir Father of Day, Father of Night angetan. Warum? Mit knapp 10 min einfach die längste Nummer zum Engtanzen (wir nannten das Blues-tanzen).
     
    2010 habe ich die Band mal live erlebt beim blues’n’jazz Festival in Rapperswil-Jona. Wir hatten keine Karten, aber man konnte von hinten auf die Bühne spechten. Ich war schwer enttäuscht, dass da kein Minimoog auf der Bühne stand und auch sonst hat sich das nicht so eingebrannt.
     
    Hier gibt die Band Blinded by the Light in Rapperswil-Jona:
    https://shorturl.at/chjtG

  15. Profilbild
    Organist007 AHU

    Super Artikel, vielen dank !

    meine erste LP von ihm war SOLAR FIRE.

    Hatte ihn damals live zur zeit von ANGEL STATION gesehen, dann nochmals in den 90igern.

    In den 70igern füllte er große Hallen.

    Sehr kreativer Moog-Spieler.

    • Profilbild
      costello RED

      Danke für Dein Lob! Die ganz große Zeit von Manfred liegt sicher ein paar Jahre zurück. Aber ich sehe es genauso, er ist ein sehr kreativer Moog-Spieler. Und das ist schon eine Würdigung wert :)

  16. Profilbild
    HorstBlond

    Auch von meiner Seite vielen Dank für den tollen Beitrag. Manfred Lubowitz bzw. MMEB war – bei meinem damaligen Alter damals vollkommen untypisch – neben Supertramp meine erste „Lieblingsband“. MMEB live war, nach dem Chance Album auch mein allererster Konzertbesuch (damals in HB) – muss ich meinem Vater immer noch hich anrechnen, dass er da mit mir (damals, k.A. 12 oder so) hingefahren ist – für ihn sicher auch eine Erfahrung (er hörte sonst eigentlich keine Musik, allenfalls so was wie Klaus Hoffmann ;-) ). Ich war natürlich hin und weg. Vor allem von diesem Synthesizer mit den hochgeklappten Bedienelementen, an denen er wie wild rumschraubte.
    Ich hätte auch noch gerne mehr über das ein oder andere Solo erfahren. Bis heute höre ich ab und zu mit herunterklappendem Doppelkinn „Waiter there is a yawn in my ear“, was ja irgendwie den Anschein eines Live-Recordings macht.
    MM ist für mich persönlich übrigens – ich neige nicht zum Fan-tum oder Legenden-nachvollziehen-Könner – einer DER wirklichen Heroes. Mit den üblichen Verdächtigen mit wallendem Haar und weiten Umhängen kann ich musikalisch nur sehr wenig anfangen. Ich bilde mir ein, ausser im Jazz-Bereich so ziemlich alles nachvollziehen und auch einigermaßen authentisch reproduzieren zu können; von MM gibt es aber Soli, bei deinen ich z.T. keine Ahnung habe – vor allem wie Handwerk, Musik und Technik eingesetzt werden. Oh, vorbei

    • Profilbild
      HorstBlond

      Teil 2… also von daher für mich in der Tat sehr stilprägend, diese wirklich musikalische Art zu solieren. Und warum auf Fotos in Synthesizern immer alle Stecker gestöpselt sein müssen verstehe ich auch nicht wiklich. Es sind ja nur Fotos, Hauptsache auf der Bühne oder im Studio sitzen die Kabel.

      Interessant ist der Part über die Nutzung von „Krücken“ – das fand ich bei ihm und anderen dann später (waren es die 90er und frühen 00er Jahre?) auch immer sehr schade. Hatte mich immer gefragt, wieso solche Grössen live dann solche Kompromisse eingehen. Eine meiner Motivationen, auch live immer alles zu geben bzw. mitzuschleppen/schleppen lassen. Wie man als einigermaßen versierter Keyboarder, nicht mal Pianist live auf ein M1-Piano setzt hatte ich nie verstanden bzw. als Missachtung des Publikums interpretiert ;-)

      • Profilbild
        costello RED

        Danke HorstBlond! Und was die „Krücken“ angeht – irgendwann sind die Keyboard Wizards anscheinend alle bei Korg gelandet: Manfred Mann, Tony Banks und übrigens auch Jan Hammer :)

  17. Profilbild
    solartron

    Martha’s madman war auch schon von Anfang an einer meiner Top – Favoriten..

    Anekdote:
    Gymnasium, Mittelstufe im Musikunterricht: der Lehrer oder die Lehrerin (weiß nicht mehr so genau) hatte die legendäre Idee, jeder durfte einen (Lieblings)titel auf Tonträger mitbringen, der dann gespielt wurde vor der Klasse.
    Nach dem Vorspielen gab es eine Abstimmung per Handzeichen und die Punkte wurden gezählt.
    Ich hatte damals frisch das album WATCH auf Kassette dabei(Plattenspieler hatte ich nicht, musste mir immer die Scheiben von Freunden ausleihen und auf der väterlichen Philips-Kompaktanlage überspielen… 🙈), und hatte den Track CALIFORNIA ausgesucht ( dachte mir damals schon, der für Prog ziemliche ‚Balladen-Charakter‘ des Songs kommt auch bei den Mädels wohl ganz gut an… 😈). Und tatsächlich hatte ich mit dieser Auswahl das „Match“ für mich (bzw. MMEB) gewonnen… 😜
    btw: Gerade dieses MiniMoog solo im Song ist für mich eines der Besten überhaupt und auch insgesamt vielleicht etwas unterbewertet… 👍 ( der große Spannungsbogen im Solo, die klassischen Pitch-down Sachen, das ‚Verharren‘ auf den etwas dissonanten Noten etc…)

    so Long… ich wünsche ihm ein langes und gesundes Leben… 🎹🎹🎹🎹🎹

  18. Profilbild
    dAS hEIKO AHU

    Ich hab immer, wenn „The Runner“ läuft die Szene aus dem Film „Philadelphia Project“ im Kopf. Ich kenn auch nur das von ihm, was die letzen 40 Jahre so im Radio läuft. Und das ist ja nicht wenig, außer man betrachtet es im Vergleich zum Gesamtwerk.
    Insofern würde ich ihn auch in eine Kiste mit einem Mike Oldfield oder vielleicht sogar Steve Winwood packen. Vollblutmusiker hat Bock auf Musik machen, tut sich mit anderen Musikern zusammen und hat ne gute Zeit.

  19. Profilbild
    Glenn

    Hallo Costello,
    Ich freue mich immer auf einen Beitrag von Dir und auch dieser über Mannfred Mann hat mir wieder einiges aus meiner Jugend näher gebracht, gerade „Solar Fire“ hatte es mir damals angetan, das Du ja ausführlich beschrieben hast.

    Vielleicht interessiert es Dich (aber wahrscheinlich ist es Dir sowieso bekannt): Auf dem Song „July Morning“ von Uriah Heeps Album „Look at Yourself“ von 1971 spielte Manfred Mann auf einem „Moog“ ein Solo, das dem Song vor allem gegen Schluss eine für Uriah Heep ungewohnte psychodelische Note gibt.

    Auf der englischen Wikipedia Site zu diesem Song ist zu lesen: „The odd sounding calliope riffs are played by Manfred Mann who, according to the album’s liner notes, „appears for the first time with his Moog synthesizer“.

    Das dürfte also dann die erste Aufnahme von Manfred Mann mit einem Minimoog sein (oder spielte er das Solo noch mit einem Modularsystem)?

    • Profilbild
      costello RED

      Hi Glenn, vielen Dank für den Hinweis auf Manfreds Gast-Auftritt bei Uriah Heep. Das wusste ich tatsächlich bisher nicht. Ich finde July Morning einen der besten Heep-Songs. Bei Live-Konzerten später hat Ken Hensley selbst das Minimoog-Solo gespielt. Ich gehe davon aus, dass es bei Manfred Mann auch der Minimoog war. Das passt ja auch zeitlich zu dem Zitat oben aus dem Report.

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