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Die Schöpfer des Oberheim Matrix-6000 Synthesizers

6-stimmig polyphon, 12 Oszillatoren pro Stimme, Mega!

20. August 2022
Oberheim Matrix 6000

Von links: The Synth King,  Bernd van Vugt und der Oberheim Matrix-6000

Als ich erstmals auf YouTube das Video zum sogenannten Oberheim Matrix-6000 sah, war ich schlichtweg sprachlos. Und nicht nur mir ging es so, denn seit das Video am 27. April 2022 erstmals online ging, fanden sich unzählige User in den Kommentaren, die das genauso erlebt hatten wie ich.

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Doch ganz langsam. Oberheim Matrix-6000? Die Auflösung ist ganz einfach. Sechs Einheiten des sechsstimmigen Klassikers Oberheim Matrix-1000 wurden zu einer Einheit gebündelt, bei der jede der 6 Stimmen über bis zu 12 Oszillatoren verfügt.

Hinter dem Projekt stehen Bernd van Vugt und  The Synth King, der ebenfalls Bernd mit Vornamen heißt, aber seinen Nachnamen lieber geheim halten möchte. Im Folgenden nenne ich ihn daher bei seinem Künstlernamen.

6x Oberheim Matrix-1000 = Matrix-6000

The Synth King war es, der die Idee hatte, die sechs Matrix-1000 Rack-Expander von Bernd van Vugt miteinander zu verknüpfen. Er stelle an allen Modulen einen identischen Klang ein, teilte sie im Stereo-Panorama auf und verstimmte sie leicht gegeneinander. Stacking wird diese Methode genannt. Layern funktioniert ähnlich, nur verwendet man dafür verschiedene Klangerzeuger. In diesem Fall wurden identische Expander genutzt, um einen extrem fetten und breiten Klang zu erzeugen.

Um die Zuhörerschaft davon zu überzeugen, wie viel besser sechs Matrix-1000 klingen als nur ein Matrix-1000, produzierte The Synth King besagtes Video, auf dem wir abwechselnd 6 Matrix-1000 und danach denselben Sound von einem einzelnen Matrix-1000 hören.

Der Unterschied ist enorm, denn wenn der Matrix-6000 erklingt, geht die Sonne auf. Was für ein Breitwandsound! Unglaublich! Wenn ihr das Video noch nicht gesehen habt, könnt ihr das nun umgehend nachholen. Es lohnt sich:

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Und auch Chefredakteur Tyrell hatte es das Video angetan und so beschlossen wir, den beiden Machern einen eigenen Beitrag zu widmen.

Es hat ein wenig gedauert, um mit den beiden Kontakt aufzunehmen und die Story zu verfassen – aber die Mühe war es Wert:

Übrigens:  Im AMAZONA.de Oberheim Matrix-1000 Test findet ihr alle Informationen zu diesem Synthesizer.

Die Initialzündung

Bernd und The Synth King lernten sich über ein Synthesizer-Gebrauchtmarktangebot kennen. Bernd hatte einen Roland JX8P annonciert, an dem The Synth King Interesse bekundete.

Die beiden merkten sehr schnell, dass sie viele Gemeinsamkeiten haben, wodurch sich eine Freundschaft entwickelte. Beide besitzen einen ein (ARP) Rhodes Chroma und den Formanta Polivoks. Gesprächsstoff gab es also genug.

Die Idee für den Oberheim Matrix-6000

Die Idee, 6 Matrix-1000 miteinander zu stacken, basiert auf einem Besuch Bernd van Vugt in einem Fachgeschäft für Synthesizer. Dort wurden vier Yamaha TF1 Einschübe aus einem TX816 zusammengeschaltet. Der Vorführer hat nach und nach ein TF1 aktiviert. Bernd war schon nach dem dritten Gerät hin und weg, weil der Sound ein ganz eigenes Leben entwickelte. Es werden Schwebungen erzeugt, die ein einzelnes Instrument nicht erzeugen kann.

Allerdings hat Bernd aufgrund von Beruf und Familiengründung 1989 zum letzten Mal Musik gemacht. Bernd hat das Erlebnis aber nicht vergessen. Als das Kinderzimmer frei wurde, hatte Bernd Platz sich seinem Hobby zu widmen und die Idee des „Stackens“ wurde wieder aufgegriffen. Er stellte sich die Frage, wie man diese Idee auf die Spitze treiben könnte.

Die 6 Matrix-1000 wurden von Bernd schnell hintereinander angeschafft. Vor ein paar Jahren zahlte man nur 500 Euro pro Stück. Bernd spricht von seinem Budget Oberheim Matrix-12. Ursprünglich sollte jeder Matrix-1000 ein Lexicon MPX 550 als Effektgeräte zugewiesen bekommen. Um den Sound zu verbessern, sollte jeder Matrix-1000 zusätzlich mit einem ein Akai PEQ6 ausgerüstet werden. Dieses Setup war nicht nur ein Gedankenspiel, sondern wurde einmal aufgebaut. Für die Verschaltung brauchte Bernd einen Tag, dann gab es Abendessen und das Rack wurde wieder abgebaut.

Oberheim Matrix 6000

Oberheim Matrix-6000 mit 6 Lexicon MPX-500 und dazu gehören noch 6 Akai PEQ6

Als The Synth King zum ersten Mal von Bernds Idee hörte, stellte er das Konzept infrage, weil ein Matrix-1000 eben wie ein Matrix-1000 klingt. The Synth King war der Ansicht, dass es keinen großen Unterschied macht, wenn man 6 Geräte gleichzeitig anspielt. Als sie den Matrix-6000 aufgebaut hatten und anspielten, gingen auch ihm die Ohren auf. Die langweiligen Werksounds klangen plötzlich unglaublich gut. Sofort war klar, dass man dieses Konzept der Öffentlichkeit vorstellen musste. The Synth King schaffte das Rack in sein Studio und nach einigen technischen Schwierigkeiten war das Video fertig und konnte auf die Welt losgelassen werden.

In unserem Gespräch mussten wir natürlich auf die Arbeitsweise von ABBA zu sprechen kommen, weil sie im Multitrack-Verfahren 40-stimmige Chorgesänge konstruiert haben. Demzufolge würde es doch reichen, einen Matrix-1000 einfach sechsmal hintereinander aufzunehmen und schon könnte man die Klanggewalten, die im Video zu hören sind, mit nur einem Matrix 1000 nachahmen.

Doch nach der Ansicht The Synth King und Bernd funktioniert das nicht so einfach. Die alten Oberheim Synthesizer unterscheiden sich in ihrer Kalibrierung leicht voneinander. Heute würden wir sagen, dass dies den Charme der alten Synthesizer ausmacht, weil sich Instrumente einer Serie aufgrund von Alter und Bauweise klanglich voneinander unterscheiden können.

Sie führen aus, dass man die Ungenauigkeit von VCOs mit den DCOs des Matrix-1000 simulieren kann, um diese unglaubliche Dichte und Schwebungen zu erzeugen. Das Klangbild wird viel organischer und unberechenbarer. Ein Matrix-1000 alleine klingt unspektakulär, führt The Synth King weiter aus.

Als Beispiel für diese Arbeitsweise haben wir uns Queen, Nirvana, ABBA, Beach Boys, Jean-Michel Jarre um die Ohren geworfen. Wir sind uns einig, dass man Stacking von Layering unterscheiden muss. Beim Layern werden verschiedene Synthesizer einer identischen Tonfolge gleichzeitig angesteuert. Beim Stacking hat man es mit einer Kaskade von dem gleichen Instrument zu tun, die alle über die gleiche Einstellung verfügen.Um den Sound breiter zu gestalten, bietet es sich an, die einzelnen Instrumente im Stereopanorama zu verteilen.

Der Synthesizer-Enthusiast „The Synth King“

Oberheim Matrix 6000

The Synth King aka. Bernd

The Synth King aka. Bernd ist studierter Kirchenmusiker und Pianist. Er entschloss sich für die Laufbahn des Musiklehrers. Seine Fähigkeiten, die er als Organist erworben hat, nutzt er auch noch heute, da er bei Auftritten zusätzlich zu seinen Händen auch mit MIDI-Pedalen arbeitet.

Im Aufbaustudium studierte er Rock- und Pop-Musik. Sein Schwerpunkt waren Produktionstechniken und Synthesizer-Programmierung. Ein Musiklehrer, der sich für Synthesizer interessiert? Ungewöhnlich! Als er anfing zu studieren, gab es Veränderung in der Lehrerausbildung. Rock und Popmusik wurde in das Studium aufgenommen.

Mit dem Wegbereiter Professor Kemmelmeyer und Hempel schrieb er Schulbücher und reiste durch die Republik, um das Lehrpersonal von den Möglichkeiten des Musizierens mit dem Computer zu überzeugen. In einem dieser Bücher nahmen sie das Kapitel „Musik mit Maus und Monitor“ auf. Seit dem Entstehen von MIDI war er ständig auf Lehrerfortbildungen und hat Kurse gegeben, um seinen Kollegen für die neue Technologie zu begeistern.

Oberheim Matrix 6000

Sven Rosswog, The Synth King und Bernd im Chat

An seiner Schule gibt es ein klassisches Schulorchester, aber auch ein Tonstudio, das mit Synthesizern ausgestattet ist. Er lehrt Schülern und Schülerinnen Musikproduktion und dieser werden dabei von der Soft- und Hardware-Schmiede Steinberg unterstützt. Er ist begeistert davon, wie unkonventionell seine Schüler mit der Software umgehen und Musik produzieren.

Sein YouTube-Kanal wurde mit dem Anspruch gegründet, jeweils einen Song mit einem Synthesizer zu komponieren. Diese Serie nannte The Synth King  „One Synth, One Song“. Mit der Pandemie stellte sich die Frage, wie kann man Musikunterricht online vermittelt und deswegen hat er Tutorials gedreht, die nicht nur seine Schüler und Schülerinnen gesehen haben.

Der Kanal hatte von Anfang an Erfolg und die Idee, Synthesizer vorzustellen, war naheliegend. YouTube ist in erster Linie ein Hobby, das es ihm ermöglicht, mit anderen Synthesizer-Nerds ins Gespräch zu kommen.

Mit Behringer kam er in Kontakt, weil er ein Foto von seinem Yamaha CS-60 postete. Er wurde von Uli Behringer gefragt, ob er dessen Chips besitzen würde. Letztendlich war Behringer nicht auf Chips von The Synth King angewiesen, aber weil er ein Oberheim OB-Xa besitzt, wurde er in das Betatestprogramm des Clones UB-XA aufgenommen. Das dazugehörige Video hat The Synth King für seinen YouTube-Kanal produziert und Behringer hat angefragt, ob sie es verwenden dürften.

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The Synth King ist auch ein selfmade Elektroniker. In seiner Werkstatt repariert er seine Instrumente selbst. Viele seiner Synthesizer hat er defekt erworben und wieder fit gemacht. So konnte er ein Oberheim OB-Xa vor dem Schrott bewahren und sein Yamaha CS-60 rettete er vom Sperrmüll. Ich erspare es mir, seine Sammlung aufzuzählen. Sehenswert ist das Video seiner Studiotour. Generell glänzt The Synth King in seinen Videos mit ausgezeichnetem Fachwissen. Außerdem war er jahrelang in der DIY-Szene tätig und baute z. B. Kompressoren nach, die man auch in dem Video seiner Studiotour sieht.

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Sein erster Synthesizer war ein Roland D-50 und seine Liebe für Vintage-Synthesizer hängt mit diesem Instrument zusammen. Er wollte wissen, welche Synthesizer es vor dem D-50 gab. Ein Freund von ihm hatte ein Roland Alpha Juno 2, dann besorgte sich The Synth King den Roland JX-10. Für sein Empfinden sind die analogen Synthesizer viel lebendiger und ansprechender.

Damals nutze man Synthesizer auch, um Pianos oder Streicher nachzuahmen. Wenn Synthesizer nicht Klänge nachahmen, sondern ihr volles Potenzial ausschöpfen, erzeugen sie richtig gute und ungewöhnliche Klänge, erzählte The Synth King in unserem Gespräch. Wenn er einen Synthesizer kennengelernt hat, erstellt er für diesen erst einmal eine eigene Soundbank, die dem Charakter des jeweiligen Instruments entspricht.

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Die Bänke sind bei Particular Sound  käuflich zu erwerben. The Synth King erstellte schon Soundbänke für den Korg DW-8000, Roland JX-10, Roland MKS-70 etc. Obwohl er ein Freund von analogen Vintage Synthesizern ist, lehnt er neue digitale Instrumente nicht ab. Mit diesen Instrumenten vollzieht er gerne ungewöhnliche Experimente. So hat er das EPROM des Roland W-30 gelöscht und mit Sounds aus seiner Synthesizersammlung ersetzt. Nicht unbedingt die einfachste Aufgabe, aber auch diese wurde mir Bravour gelöst, wie das Video zeigt.

Bernd van Vugt

Oberheim Matrix 6000

Bernd Van Vugt in seinem 8 m² Studio

Bernd ist Fan von klassischen analogen Synthesizern, wozu er den DX7 noch hinzuzählt. Ihm ist es wichtig, dass die Instrumente über einen eigenen Charakter verfügen und ein eigenes Leben haben. Die Familiengründung und Karriere haben dafür gesorgt, dass Bernd zum letzten Mal 1989 Musik gemacht hat. Als das Kinderzimmer frei geworden war, konnte er seinen (ARP) Rhodes Chroma und Yamaha DX7IIFD reaktivieren, die er bis zu diesem Zeitpunkt eingelagert hatte.

Bernd van Vugt interessiert nicht so sehr das Musikmachen, sondern das Soundschrauben. Er ist kein Musiker oder Komponist. Er ist ein Nerd. Es geht ihm um den Sound und Ideen, die sich in seinem Kopf befinden und in Realität umgesetzt werden sollen. Davon profitiert sein Sohn, denn dieser ist Musiker und kann dank Bernd van Vugts Studio auf eine Vielzahl von echten analogen Synthesizer-Sounds zurückgreifen, die nach der Meinung von Bernd eine ganz andere Klangästhetik transportieren als VSTs.

Oberheim Matrix 6000

Das Studio von Bernd van Vugt

Das Studio von  Bernd van Vugt misst mit Dachschräge 8 m². Da der Platz beschränkt ist, bestehet ein ständiger Optimierungsbedarf. Derzeit arbeitet Bernd mit einem Behringer X-32 Rack, kombiniert mit zwei Behringer S16, einem Behringer S32 und einem Behringer SD16, die mit CAT5e Kabel in ein Netzwerk eingebunden sind. Letztendlich laufen 96 Audioein- und 48 Audioausgänge (ohne Effekte, Sends und Returns!) zusammen.

Der 8 m² Raum sorgt dafür, dass die Kabel nie richtig liegen. Außerdem hat er sich noch nicht getraut, alle Geräte gleichzeitig anzuschalten. Er befürchtete, dass es zu einem Kurzschluss kommen könnte. Diese Sorge ist nicht unbegründet, denn seine Sammlung aus Synthesizern und Effektgeräten könnte die Stromversorgung erheblich belasten, denn zu den schon erwähnten Instrumenten und Effekten gesellen sich noch:

2x Access Virus A, Böhm Expander, 2x Casio FZ10M, 2x Casio FZ8M, 2x dbx 120XP, Doepfer MS-404, Dynacord CLS 222, Dynacord DRP-10, Dynacord DRP-15, Dynacord DRP-20X, E-MU UltraProteus,  iConnectivity mio10Kawai K5m,  Kawai MAV8, 4x Kawai RV-4, Korg DVP-1 Vocoder, Roland VP-70, Kurzweil K1000 AX Plus, 2x Lexicon MX-400XL, 2x Novation Drum Station, Novation Super Bass Station, 2x Peavey Spectrum Bass 2, 2x Peavey Spectrum Organ, Roland A70, Roli Seabord, Roland AX7, 2x Roland JV-2080, Roland MKS-20, 2x Roland MKS-70, 2x Roland MKS-80, 2x Roland RSP-550, 2x Roland SDE-2500, Roland SDE-330, 2x Roland SRV-2000, Roland SRV-3030, 2x Roland SVR-330, Technis WSA-1r, 2x Waldorf Midibay,  Waldorf MicroQ, Waldorf Microwave, Waldorf Microwave 2, Yamaha MU100R, 2x Yamaha SPX-990, 2x Yamaha TG77, 2x Yamaha TX802, 2x Yamaha TX816.

Es ist auffällig, dass Bernd viele Synthesizer und Effektgeräte doppelt hat: Bernd steht auf Layering und Stacking.

Oberheim Matrix 6000

Der Studioaufbau ist ein Projekt, das Bernd van Vugt in seiner knapp bemessenen Freizeit und nach seinem Zeitplan umsetzt. Das nächste Ziel ist es, eine dauerhafte Verkabelung des Matrix-6000 herzustellen. Alle 6 Klangerzeuger und die Effekte sollen eine Einheit bilden, wodurch alleine schon 18 Kanäle belegt werden. Da Bernd schon lange keine Musik mehr gemacht hat, möchte er
seine Instrumente wieder verstehen, die er aus dem Dornröschenschlaf geweckt hat.

Klangbeispiele Oberheim Matrix-6000

Die dreistellige Nummer bezieht sich immer auf das Preset des Matrix-1000, das Bernd van Vugt ausgewählt hat. Die Bezeichnung Detune erklärt die Schritte, in denen die einzelnen Matrix-1000 verstimmt wurden. Im Fall 823_02-Detune+012345 bedeutet das: Der erste Matrix-1000 wurde nicht verstimmt, der zweite um 1, der dritte um 2 etc. Wie man sieht, hat Bernd die Matrix-1000 in verschiedenen Variationen gestimmt. Die anderen Bezeichnungen haben keine Bedeutung und können ignoriert werden, außer dem Unison-Sound, den Bernd uns freundlicherweise auch zur Verfügung gestellt hat. Es ist auch wichtig zu wissen, dass die Matrix-1000 im Panorama verschoben wurden. Der erste Matrix-1000 erklingt links und in Abstufungen landen wir beim sechsten Matrix-1000 rechts.

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Fazit
Ich bedanke mich sehr herzlich bei den beiden Bernds: The Synth King und Bernd van Vougt. Bei den beiden handelt es sich um echte Synthesizerfreunde, die keine Mühen scheuen, Vintage-Equipment zu sammeln, zu retten und spielfähig zu halten. Ich traf auf zwei aufgeschlossene Persönlichkeiten, die viel zu erzählen hatten und über unglaublich viel Erfahrung und Wissen verfügen. Es wird niemals langweilig, wenn Synthesizer-Freunde aufeinandertreffen und daher konnten wir miteinander ein inspirierendes Gespräch führen. Ich bedanke mich nochmals herzlich für den Einblick in die Leidenschaft der beiden Bernds.
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    JohnDrum

    Interessanter Bericht. Video kannte ich schon.
    Was lerne ich daraus?
    Für einen guten Klang sollte/ kann man mehrere Synthies passend zusammenschalten. Müssen aber nicht unbedingt gleiche Geräte sein, denke ich. Was bei den meisten Musikern auch nicht möglich sein wird. Einen (und nicht mehrere) Matrix zu haben ist auch schon was schönes.

  2. Profilbild
    Flowwater AHU

    Ich muss mir das Video, glaube ich, gar nicht ansehen, um den Effekt realisieren zu können. Das glaube ich auf’s Wort, dass das obergeil klingt (ich hab mir’s Video natürlich trotzdem angesehen).

    Ich mache das für besonders breite Sounds seit einiger Zeit, sehr bescheiden in der DAW mit VSTis, selber: Einen Sound mit dem TAL-Mod dreifach gestackt, einen in der Mitte, die anderen beiden links und rechts und die beiden äußeren gegenüber dem Mittleren noch ein ganz kleinen Tick verstimmt. Das in Verbindung mit der technischen Finesse des TAL-Mod, dass dieser sowieso im einzelnen Oszillator schon Panorama- und Unisono-Modi anbietet … da wankt die Bude. Noch mehr wankt sie, wenn man die Modulationsmöglichkeiten des TAL-Mod ausschöpft (3 LFOs, einer davon sehr frei programmierbar) und die Modulationen in allen drei Instanzen leicht unterschiedlich einstellt. Mit Kopfhörer auf und Augen zu sogar buchstäblich. Sollte man auch nur für einen einzigen Sound im Arrangement einsetzen. Ich kann das nur jedem empfehlen, das mal mit egal welchem VSTi in der DAW auszuprobieren.

    Ich hatte mal die Idee, so etwas mit Waldorfs Pulse (1) zu machen. Das scheitert im Moment an meiner Faulheit. Von daher ist das, was die beiden da gemacht haben echt obergeil. Denn nur die Idee haben reicht nicht, man muss es auch durchziehen. 🙂

    • Profilbild
      Bernd

      Diese Idee hatte ich auch! Dafür hatte ich extra kurzzeitig vier Stück Waldorf Pulse angeschafft. Mit dem Ergebnis war ich nicht zufrieden, kein einziger ist bei mir geblieben. Irgendwie klang das nicht, fand‘ ich.. 🙂

  3. Profilbild
    Orlando Gibbons 1

    Danke für die Story. Ich betreibe 2 Stück Matrix-1000 (incl. Firmware Upgrade) in einer ähnlichen Konfiguration: Ein Modul links, ein Modul rechts, Master Tune +/- 1.
    Beide werden mittels eines selbstgelöteten Y-MIDI-Kabels von einem einzelnen Stereoping Synth Controller angesprochen, was überraschenderweise vollkommen problemlos funktioniert.

    Zwei Dinge sind mir aufgefallen:

    – Die „Fatness“ ist in der Tat überwältigend. Externe Modulationseffekte bringen jedoch keine weitere Steigerung. Selbst mit dem besten Stereochorus (habe viel probiert) wird der Klang bloß diffuser und verliert an Breite

    – Der klangliche Unterschied zum M-6000 Video ist marginal, man kann also 4 Einschübe (falls man sie denn hat) getrost anderen Aufgaben zuführen

    • Profilbild
      k.rausch AHU

      Ditto hier. Inspiriert von der Oberheim Sixpack Werbung damals kam ich bis auf 3 Matrix 1000, damit war’s dann auch gut. Den Rest erledigte ein Ibanez CS-505 Chorus.

    • Profilbild
      Bernd

      Naja, vielleicht hängt das auch ein kleines bisschen davon ab, wie man den ganzen Kram verschaltet: Nimmt man sechs im Stereopanorama verteilte M1000, und jagt die alle durch den gleichen, tollen Stereo-Reverb, -Delay, -…, dann bringt das tatsächlich, habe ich ausprobiert, wenig. Bekommt aber jeder M1000 wie bei mir seinen eigenen MPX550 Prozessor, dann kann man den „Hallraum“ / „Effektplatz“, den jedes einzelne MPX im Gesamtstereopanorama bekommt, begrenzen, so daß die nicht/kaum in einander matschen. Dann klingt das ganze schon komplett anders — selbst dann, wenn man dahinter dann noch einen für alle gleichen „Mastereffekt“ (Hall?) schaltet…
      Und übrigens: der klangliche Unterschied ist sicherlich einiges, beispielsweise filigran, aber eben nicht marginal.. 🙂

  4. Profilbild
    MidiDino AHU

    Leider sind mit den verwendeten Synthis nur Presets abrufbar. So toll es zunächst klingen mag, relativiert es sich doch stark, sobald man Musik machen will. Einfacher und ergiebriger wäre es vermutlich, Software-Synthis mit mehreren Instanzen zu nutzen, vorausgesetzt der Rechner hat genug Leistung.

    • Profilbild
      bernbrue

      Der Matrix 1000 bietet 200 user presets, die sich (mit einem editor) frei edititieren lassen. Man kann also auch seine eigenen sounds machen und diese per sysex zu allen 6 Matrix 1000 schicken.
      Gleichzeitiges Editieren mit allen 6 im verbund würde ich nicht empfehlen, weil die sysex Kommunikation auch trotz Tauntek firmware etwas hakelig ist.

      • Profilbild
        MidiDino AHU

        Ja, es gab einige Editoren, die Matrix-1000-Übersicht bei amazona.de gibt z.B. Auskunft, aber die Hardware-Editoren sind nicht leicht zu ergattern. Würde man Software-Editoren verwenden, ließe sich hingegen fragen, weshalb man überhaupt noch Hardware einsetzt … (s.o.)

  5. Profilbild
    egmmond

    Ich habe das Video auch gesehen und natürlich klingt das schon fett aber mir scheint es etwas übertrieben.
    Kann man nicht mit Effekten einen ähnlichen Effekt erreichen?

    • Profilbild
      Bernd

      Naja, mit meinen vier gestackten Kawai RV4 kann man auch abgedrehte Effekte produzieren, die in irgend einer Weise vielleicht als „ähnlich klingend“ bezeichnet werden können, aber dann hat man den Aufwand eben dort…
      Das Software-Pendant dazu wäre übrigens 4 * 4 * Stereo FX-Prozessoren, also 32 Mono Audio Spuren, rein und raus, wenn man so will. Mein Rechner hat zwar 20 Kerne, aber mit dieser Architektur schwer zu kämpfen, kann ich nicht wirklich empfehlen ;-)

  6. Profilbild
    rio AHU

    Der Access Virus kann solch Stacking mittels „Unison Mode“, wofür man je Stufe eine Stimme opfert.

    • Profilbild
      Bernd

      Ja, habe zwei Access Virus Rack, kann ich bestätigen: technisch geht das. Klanglich ist das jedoch, mit allem gebotenem Respekt, nicht vergleichbar. Meines Erachtens 😇
      72 (!) analoge Oszillatoren haben da einen ganz anderen Biß 😎

  7. Profilbild
    Paradiddle

    Huch ! Jetzt werd‘ ich aber ganz wuschig. Ich hab‘ zwei Matrix 1000. Brauch‘ ich
    einen dritten ??? Jetzt kosten die so um die 1000 €.
    Schön wäre es, die Sounds ohne die 6 Lexicon MPX-500 zu hören oder mit nur einem Hall.
    6 gleiche Hallgeräte ist ein extremer Luxus. Aber eher hat man doch verschiedene Hallgeräte.

    • Profilbild
      Bernd

      Oh!, dann ist das nicht so gut ‚rausgekommen, anscheinend:
      ALLE Aufnahmen unter „Klangbeispiele“ sind vollkommen „nackt“. Keinerlei Effekt, kein Kompressor, kein Limiter, absolut gar nichts! Nur Behringer X32R et al., unreguliert.
      Ich hoffe, eines Tages mal Beispiele vom M6k MIT den sechs MPX550 zu machen, aber bisher existiert da noch nichts..
      PS: Und ‚ja‘, ‚verschiedene‘ Hallgeräte habe ich auch, s.o. 🙂

  8. Profilbild
    gaffer AHU

    Ja, da bin ich mal wieder der „in die Suppe Spucker“ TX 816 war ja echt noch ein sinnvoller Grund hinter der Entwicklung. Heute machen das 8, 27 oder 41 Dexed Instanzen. 6 Matrix 1000 lassen sich sicher auch ziemlich gut mit Software substituieren. Die fehlenden paar Punkte sind für die Sammelleidenschaft.

    • Profilbild
      k.rausch AHU

      Hier dein TX816 Fall: https://youtu.be/Hzwvd8aZUUU . Gerne übersehen wird bei der Fatness Sache, dass sich durch die gestapelten Amplituden auch unerwünschte Folgen ergeben, gerade bei Analogen. Nicht vorhersehbare Levels bestimmter Frequenzbereiche etwa, oder auch Löcher bei zu dollem Detune. Meiner Erfahrung nach ist bei 4 Layerstacks Schluss.

      • Profilbild
        Bernd

        1.: Danke für den Link — perfekt!
        2. Stimmt!: Diese Auslöschungen existieren, bei bestimmten Sounds, und sind tatsächlich m.E. nicht vorhersehbar, so daß ich bspw. explizit einige ‚gut‘ klingende M1000-Preset-Sounds genau deswegen explizit nicht für obige Rubrik „Klangbeispiele“ nutzen konnte 😎

        • Profilbild
          k.rausch AHU

          Und das obwohl die Martix 1000 Oszillatoren clocked sind. Beim Matrix 6 sind die freerun, da wird das erst recht lustig :)

          • Profilbild
            Bernd

            …ehrlich gesagt war das mein erster Plan, aber der Platz…! 😅
            Mal sehen, was die Zukunft bringt… 😅

    • Profilbild
      AD-Converter

      Hatte genau das – bevor ich mir einen TX816 angeschafft habe – ausprobiert. Plug-Ins stacken bringt ein anderes Ergebnis. Würde auch sofort meine M1000 hergeben wenn ein Plug-In diese Klangcharakteristik 1:1 abbilden könnte. Top-End, Plastizität, Raumvereinnahmung im Arrangement sind da schon sehr unterschiedlich. Ergänzt sich, ersetzt aber nix. Das nur als Anmerkung.

    • Profilbild
      Bernd

      Bzgl. „Heute machen das 8, 27 oder 41 Dexed Instanzen“:
      Das sehe ich explizit nicht so. Ich verfüge da glücklicherweise über extrem ausgeprägte Vergleichsmöglichkeiten: Ein und derselbe FM-Sound klingt definitiv völlig anders, ob ich ihn als DX7, DX7ii, oder gar über zwei TG77, zwei TX802 oder auch zwei TX816 abspiele. Auch 16 Instanzen Dexed unter Ardour habe ich schon hinter mir, klingt auch nicht schlecht, und wenn ich die HW nicht hätte, würde ich es vermutlich sogar glatt nutzen, weil besser als nichts, aber der FM-Klang ist m.E. in seiner zweifach gestackten TX816-Version deutlich am „besten“ 😎 (ich hab‘ sogar schon mal vier gestackte TX816 gesehen, aber das war dann selbst für mich zu viel…)
      PS:
      Vielleicht sollte man mal dedizierte Audiogramme anfertigen, um den Unterschied zu visualisieren…?

  9. Profilbild
    Viertelnote AHU

    bitte nicht lachen: ich habe ein Kawai K1 Keyboard und zwei K1r, wenn ich die stacke (nur mit etwas Reverb dazu), schwelge
    ich wie im Traum🙂

    aber die Idee ist schon gut, nur nicht ganz neu:-)
    so ziemlich jeder Synthesizer kann, wenn zb. 4 mal vorhanden, wie eine Breitwand sein, behaupte ich
    jetzt mal. Jedes Gerät, was einen vernünftigen Multimode hat, sollte das schaffen.
    Nur bei analogen Geräten wirds eng.

    netter Gruß

    • Profilbild
      whitebaracuda

      Mit nicht ganz neu hast du recht denn die Oberheim two, four und eightvoices sind eigentlich ja nichts anderes als gestackte SEMs.
      Natürlich weniger komplex als die Matrixen dafür aber mit direkter Bedienung.

    • Profilbild
      gaffer AHU

      Spectrasonics verdient seit 20 Jahren Geld damit.

      Symphonieorchester, Blasmusikkapellen. Alles der gleiche Ansatz. Ok, da gibt es schon verschiedene Stimmführungen, aber bei vielen eben nicht.

    • Profilbild
      Bernd

      „so ziemlich jeder Synthesizer…“ Hmmm, ich weiß nicht. Habe einige ausprobiert, wie gesagt, 4 * Pulse klingt nicht, und wenn ich bspw. meine vier Casios zusammenlege, klingt das zwar auch echt cool und interessant und so, aber diese brachiale Wand, die der M6k erzeugt, ist diesem Konstrukt m.E. nicht zu entlocken. Da kommt auch der Unisono-Matrix12 nicht gegen an (naja, 24 OSC statt 72😎). Gestackte TX/DX sind noch eine altbekannte Nummer, ja, und auch die MKS80 lassen sich gut dazu verwenden — bei den MKS70 sieht das schon wieder nicht ganz so aus. Prophet VS stacken war übrigens auch relativ überflüssig, fand‘ ich..

  10. Profilbild
    rio AHU

    Ich stell mir die Frage, wie heiß die Teile im Betrieb werden, da sie alle ein internes Netzwerk besitzen und ob dann solch ein physisches ‚Stacken‘ die Gerätschaft auch ordentlich ins Schwitzen bringt.

    • Profilbild
      Bernd

      ..es wird in jedem Fall wärmer im Raum, wenn ich sie anschalte… 😅
      (im Ernst: Ja, die Dinger sind (a) laut und (b) recht warm. Aber eine Betriebszeit von rund 24h nonstop halten sie auf jeden Fall durch, auch so auf einander liegend im gleichen Gehäusekasten wie oben im Bild zu sehen. Das ist etwa die längste Zeitdauer, die sie bei mir so eingeschaltet waren)

  11. Profilbild
    elsuturo

    Nice article, you have now given the Matrix-1000 a one star, a two star, a three star and four star review!

  12. Profilbild
    Behringer

    is doch wirklich nix neues . hatten wir in den 90ern schon mit 3 stück getrieben.
    war damals unter dem begriff“stacking“ allgemein bekannt…
    Also wozudas Rad 3x erfinden???

    • Profilbild
      Bernd

      Weil’s immer noch geil klingt! 😎
      Als ob es darum ginge, immer etwas „Neues zu erfinden“ — wir nutzen alle die gleichen Noten, ein ewiges Recycling, sozusagen… 😅

      • Profilbild
        Behringer

        Gut , wenn Du glücklich damit wirst,
        dann bist Du eben ein „Schöpfer“,
        ein selbsternannter wohlgemerkt,
        also nur ein „HalbGott“ ;o)

        • Profilbild
          Bernd

          …manche Leute sind von so dermaßen bestechend simplem Gemüt, daß sie tatsächlich denken, daß Artikel über Menschen von den Menschen selber geschrieben werden — faszinierend! 😅
          Götterstatus versuchen nur Ceasaren und andere Potentaten zu erreichen. Wenn Du nach Göttern und Halbgöttern suchst, empfehle ich die Esoterikecke des Internets ;-)

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