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Test: Harley Benton CST-24T, E-Gitarre

13. November 2018

Ein Hauch von PRS

Harley Benton CST-24T titel

— Harley Benton CST-24T —

Der eine oder andere mag sich beim Anblick unserer heutigen Testgitarre verwundert die Augen reiben, denn zweifellos erinnert die Optik der Harley Benton CST-24T an die Schöpfungen aus dem Hause Paul Reed Smith, da machen wir uns mal nichts vor. Macht ja auch gar nichts, denn die Gitarren von PRS sind in jedem Fall eine Kopie wert und wie es bei Kopien aus Fernost so üblich ist, ist der Preis mit dem Original auch nicht nur annähernd vergleichbar: Schlappe 222,- Euro kostet die Harley Benton CST-24T  im Laden, dafür bekommt man in Stevensville noch nicht mal die Pickups der Edelklampfen. Die Tonabnehmer sind auch direkt ein gutes Stichwort, denn ausgestattet ist unsere Testgitarre mit zwei P90-Pickups, was primär das Interesse aller Freunde und Fans des gut abgehangenen Blues- und Bluesrock auf sich ziehen dürfte. Vor allem dann, wenn die Geldbörse nicht ganz so locker sitzt oder man einfach Lust auf ein günstiges und/oder anders klingendes Zweitinstrument hat.

Harley Benton CST-24T – Facts & Features

Trotz des günstigen Preises hat der Hersteller keine Mühen gescheut, dem Korpus der CST-24T ein paar schwungvolle Konturen zu verpassen. So ist die Decke gewölbt und zudem bedeckt von einem Ahornfurnier, das Finish unseres Testinstruments lautet „Paradise Flame“, erhältlich ist die Gitarre darüber hinaus noch in zwei weiteren Farben. Dann allerdings sind keine P90-Pickups an Bord, sondern ganz normale Humbucker des Herstellers Roswell, mit denen ein Großteil der Harley Benton Gitarren mittlerweile ausgestattet wird. Zu den Tonabnehmern kommen wir später noch, betrachten wir zunächst aber die Verarbeitung insgesamt, die auf den ersten Blick an allen Ecken und Rundungen einen verblüffend guten Eindruck hinterlässt.

Die Fräsungen an Vorder- und Rückseite sind sauber ausgefallen, ein wenig Luxus gibt es obendrein in Form eines cremefarbenen Bindings, das den Rand der Decke umschließt und sich auch an den Rändern des Griffbretts fortsetzt. Für den Korpus wurde Mahagoni verwendet und da wohl ein ganz schön schweres Stück, denn als Leichtgewicht möchte ich die CST-24T nicht gerade bezeichnen. Keine Sorge, zum Kampfgewicht der Paula ist es schon noch ein gutes Stück, allerdings suggeriert ja die Form des Korpus, speziell für mich als jahrzehntelangen PRS-Spieler, prinzipiell eine eher leichtgewichtige Gitarre. Das ist hier aber definitiv nicht der Fall, dafür aber ruht das Instrument immerhin gut ausbalanciert am Gurt bzw. im Schoß des Spielers.

Harley Benton CST-24T – der Hals

Auf Mahagoni treffen wir auch beim Hals, der sauber in den Korpus eingeleimt wurde. Bis auf eine kleine Ausnahme in Form von ein paar wenigen überlackierten Staubkörnern gibt es auch an dieser Stelle nichts zu bemängeln. Der Hals-Korpus-Übergang wurde zwar nicht besonders bearbeitet, dafür ist der Halsfuß aber recht zierlich und erlaubt so theoretisch der Greifhand eine gute Erreichbarkeit bis hinauf zum 24. Bund. Dass dies nur theoretisch so ist, liegt daran, dass speziell das untere Cutaway nicht ausreichend groß ausgesägt wurde und so Spieler mit den berühmt-berüchtigten „Schlosserpranken“ hier auf Probleme treffen könnten. Im Zweifelsfall also ausprobieren, ob es für einen persönlich ausreicht, ich für meinen Teil hatte allerdings damit meine Probleme.

Harley Benton CST-24T rear

24 Bünde gilt es also auf dem Hals der CST-24T zu bespielen, der verwendete Bunddraht wurde sauber in das Griffbrett eingesetzt, jedoch an den Kanten leider nicht ganz sauber abgerichtet. In der Praxis merkt man von diesem Umstand nicht allzu viel, beim Fühlen mit den Fingern jedoch schon. Der Sattel hingegen wurde nicht ganz mittig in seinem Sitz eingeklebt bzw. ist etwas zu kurz geraten, denn links und rechts sind an dieser Stelle Kanten spürbar.

Wir tasten uns weiter vor und gelangen zur Kopfplatte, an der die sechs geschlossenen No-Name-Mechaniken angeschraubt sind und die schon auch irgendwie verdächtig nach PRS ausschauen. Sie schauen ja wirklich gut aus, die Qualität der Mechaniken trüben dafür das Bild ein ganzes Stück. Denn sie besitzen nicht nur eine Menge Spiel auf ihren Achsen und machen das Stimmen daher zur Geduldsprobe, auch das Halten der Stimmung bereitet den Tunern mal mehr oder mal weniger hörbare Probleme.

Nicht ganz schuldlos daran scheint das Vintage-Vibrato zu sein, womit wir beim Rest der Hardware angelangt sind. Der Vibratoblock wurde mit sechs Schrauben auf der Decke montiert und besitzt einen gesteckten Hebel – also alles so, wie es auch beim Vorbild der Fall ist. Die Funktion dieses Systems ist aber nicht zu vergleichen mit den Klampfen aus Stevensville und man sollte sich schon genau überlegen, wann und wo man den Jammerhaken denn einsetzen möchte, da danach garantiert ein Nachstimmen vonnöten ist.

Harley Benton CST-24T vibrato

— Optisch schön anzusehen – das Vintage-Vibrato der Harley Benton CST-24T —

Harley Benton CST-24T – Elektrik

Unsere Harley Benton CST-24T  in „Paradise Flame“ ist die einzige Gitarre der Modellreihe, die mit P90-Tonabnehmern ausgerüstet wurde. Diese stammen von Roswell, dem neuen „Quasi-Erstausrüster“ für Gitarren-Pickups der Thomann Hausmarke. In unseren bisherigen Tests gaben die Humbucker ein eher bescheidenes Bild ab und unterschieden sich dabei nicht wesentlich von dem Klang der Wilkinsons, die bislang überwiegend verbaut wurden. In der Praxis werden wir gleich erfahren, welches Bild nun die beiden in die Decke eingeschraubten P90 abgeben, die über einen Dreiwegeschalter angewählt werden. Die möglichen Kombinationen sind hier, wir ahnen es schon: Hals-P90, beide P90 oder eben der am Steg alleine.

Vielleicht würde eingefärbter Kunststoff den Preis ja etwas nach oben treiben, aber cremefarbene Gehäuse (anstelle der schwarzen) hätten dem Erscheinungsbild der Harley Benton CST-24T sicher noch weiter auf die Sprünge helfen können. Obwohl sie auch so schon sehr schick aussieht und man nie auf die Idee käme, es hier mit einer Gitarre der 200-Euro-Preisklasse zu tun zu haben – rein optisch betrachtet. Und damit rüber zum Praxisteil!

Klangbeispiele
Forum
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    Numitron  AHU

    Nette Optik, als hätte man eine sunburst les Paul und eine strat in den Mixer geworfen.
    Da die Pickups bei diesen günstigen Gitarren meistens Schwachstellen sind und oft sowieso ausgewechselt werden, wie wäre es wenn ihr billige Gitarren mit hochwertigen Pickups testet? Mit euren connections zu Thomann, vielleicht geht da was.

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