Hersteller Report: Focusrite

Das Unternehmen Focusrite wurde 1985 von einem der einflussreichsten Männer der Musikbranche gegründet: Rupert Neve. Seine Heimat hat Focusrite im englischen High Wycombe, wo der Hersteller aktuell vorwiegend Mikrofonvorverstärker, Audiointerfaces und Plug-ins entwickelt und produziert.

Mitte der 80er Jahre bekam Focusrite die ersten Produktaufträge und das direkt von einem der größten Musikproduzenten der letzten Jahrzehnte, George Martin. Dieser bat Rupert Neve, Erweiterungen für die Neve Konsolen in den Air Studios auf Montserrat (Karibik) zu entwickeln, von wo aus George Martin neben seinem Hauptstudio in London zeitweise arbeitete. Neve entwickelte daraufhin den ISA (Input Signal Amplifier) 110 und lieferte diesen 1987 an Martin aus. Dabei handelte sich um einen Mikrofonvorverstärker samt 4-Band-Equalizer und Hi-/Low-Band-Filter. Bei der Kundschaft kam der ISA 110 so gut an, dass die Londoner Air Studios sofort ebenfalls Exemplare davon bestellten. Kurze Zeit später folgte der ISA 130, ein Kompressor/Limiter, De-Esser und Expander/Gate. Entwickelt wurde dieser von Rupert Neve und Trevor Stride.

Eines der aktuellen ISA-Produkte: Der Focusrite ISA 428

Beflügelt von der positiven Resonanz der ISA-Produkte entschied sich Focusrite daraufhin, eine komplette Konsole zu entwickeln, unabhängig der Kosten, es sollte das technisch Beste sein, was zu dieser Zeit möglich war. 1988 stellte man die Konsole Focusrite Forte vor, von der aufgrund der immensen Kosten allerdings nur zwei hergestellt wurden. Eine blieb in den Londoner Master Rock Studios, die zweite ging ins Electric Lady Studio in New York. Finanziell war die Forte Konsole ein Desaster für Rupert Neve, so dass Focusrite bereits wenige Jahre nach der Gründung in finanzielle Schwierigkeiten kam.

1989 kaufe der Mitbegründer von Soundcraft, Phil Dudderidge, die Überbleibsel von Focusrite auf, benannte das Unternehmen in Focusrite Audio Engineering  Ltd. um und brachte die Original ISA-Produkte mit einigen Änderungen wieder auf den Markt. Relativ schnell wurde auch eine neue Konsole entwickelt. Diesmal jedoch deutlich kostengünstiger produziert, die Focusrite Studio Console.

Um der steigenden Nachfrage nach technisch gutem Outboard Equipment gerecht zu werden, führte Focusrite 1993 die „Red Range“ Produkte ein. Charakteristisch waren die rote Frontplatte, hinter der sich feinste Audiotechnik für Mic Preamps verbarg. Einige Jahre später wurde das Portfolio mit der „Blue Range“ und „Green Range“ erweitert. Die Ausrichtung lag auf unterschiedlichsten Audioprozessoren und Mic Preamps, die unabhängig von den großen Studiokonsolen betrieben werden konnten. Preislich richtete man die drei Produktlinien unterschiedlich aus, so dass Equipment von Focusrite vom Hobby-/Homerecording-Musiker über Semiprofis bis hin zum Mastering-Engineer genutzt wurde.

Die „Platinum Range“, die Focusrite 1998 einführte, entwickelte der Hersteller deutlich effizienter. Man bot den Kunden erweiterte Möglichkeiten und die „Platinum Range „führte den Hersteller sogar in den Bereich der Effekte. Gleichzeitig startete Focusrite die Entwicklung von Software Plug-ins, am Anfang zunächst ausschließlich für die DAW Pro Tools.

Im Jahre 2003 brachte der Hersteller dann den Liquid Channel auf den Markt, ein Produkt, das analoge und digitale Technik beinhaltete und für ein sehr großes Einsatzgebiet im Bereich der Mic-Preamps/Kompressoren bekannt ist. 2004 übernahm Focusrite den Hersteller Novation und erweiterte somit sein Portfolio um Keyboards und Synthesizer. Auch heute gehören beide Firmen noch zusammen.

Focusrite Saffire Pro 26

Einer der größten Schritte der Unternehmensgeschichte war die Einführung von Audiointerfaces, die erstmals auf der NAMM Show 2005 vorgestellt wurden. Diese Produktart ist auch heute der Kernbereich des Unternehmens. Einige Jahre zuvor (2001) hatte Focusrite bereits mit Digidesign die MBox entwickelt, jetzt wollte das Unternehmen allerdings alleine in diesem schnell aufkommenden Markt bestehen.

Die Saffire- und Scarlett-Audiointerfaces von Focusrite erfreuen sich heute großer Beliebtheit, bieten sie doch gute Qualität zum moderaten Preis. Anfangs noch als reine USB-Interfaces entwickelte, erweiterte das Unternehmen das Portfolio nach und nach auch um Firewire- und aktuell Thunderbolt-Interfaces. Vom kleinen 1-Track-Interface bis hin zum großen Red 4Pre/8Pre bietet der Hersteller alles an.

Die Front des Focusrite Red 4Pre

Neben den Audiointerfaces und den Mic Preamps ISA 428, ISA 828, Octopre und dem 500er Modell „Red 1 500“ ist der Hersteller weiterhin im Bereich der Software Plug-ins aktiv. Die analogen Schaltungen der früheren Focusrite Produkte werden emuliert und stehen somit auch in aktuellen DAWs zur Verfügung.